Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung. 1
2.) Biographischer Hintergrund. 1
3.) Theorieansatz nach Alice Salomon. 4
3.1.) Begriffliche Grundlagen. 4
3.2.) Die Ursachen von Not. 6
3.3.) Aufgaben und Ziele sozialer Arbeit. 8
4.) Soziale Arbeit als Beruf. 9
4.1.) Situation am Anfang des 20. Jh. 9
4.2.) Von der Notwendigkeit einer professionellen Ausbildung. 11
4.3.) Zielsetzung sozialer Berufsausbildung. 12
4.4.) Aktueller Bezug. 14
5.) Fazit. 15
6.) Literaturverzeichnis 16
1.) Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Theorieansatz von Alice Salomon und der Fragestellung, welche Bedeutung ihre Arbeit für die Entwicklung eines professionellen Ausbildungskonzeptes im sozialen Bereich hatte.
Es wird untersucht werden, in wie weit diese Einflüsse bis heute relevant sind und wie die Ausbildungslandschaft in Deutschland dadurch geprägt worden ist.
Ziel der Arbeit in Bezug auf die Fragestellung ist es zu zeigen, welche zeitlichen Entwicklungslinien und Gesellschaftsprobleme ihr Denken und Handeln geprägt haben, warum Salomon die Notwendigkeit sah ein Ausbildungssystem für soziale Berufe zu entwickeln und worin ihre Motivation lag sich diesbezüglich zu engagieren. Dazu sollen zunächst biographische Details Salomons beleuchtet werden, um sie in dem entsprechenden zeitlichen Kontext, der sie und ihre Arbeit entscheidend geprägt hat, ein-ordnen zu können. Im Anschluss werden Grundlagen ihrer Theorie und entsprechende Punkte daraus, die für die Bearbeitung und das Verständnis der späteren Fragestellung notwendig sind, erörtert werden.
Die Auseinandersetzung mit der Fragestellung wird den Hauptteil der Arbeit ausmachen. Zunächst soll auch hier die berufliche Situation der im sozialen Bereich tätigen Personen am Anfang des 20. Jh. betrachtet werden. Dies ist wichtig, um grundlegende gesellschaftliche Problematiken nachvollziehen zu können, die bezüglich der Arbeits- und Ausbildungssituation im sozialen Bereich dieser Zeit bestanden haben und Salomon auf die Notwendigkeit eines neuen Ausbildungskonzeptes aufmerksam gemacht, sie letztendlich in ihrer Motivation entscheidend beeinflusst haben.
Zudem wird Bezug genommen zu den von ihr formulierten Zielsetzungen sozialer Berufsausbildung und in wie weit die Einflüsse ihres Wirkens heute noch aktuell sind.
2.) Biographischer Hintergrund
Alice Salomon wurde 1872 als das vierte von sechs Kindern geboren. Ihr Vater war ein im Lederhandel tätiger jüdischer Geschäftsmann, ihre Mutter stammte aus einer schlesischen
1
Bankiersfamilie. 1 Salomon wuchs in Berlin auf, wurde auf der „Zimmermannsche Höhere-Töchterschule“ in unmittelbarer Nachbarschaft eingeschult und besuchte diese bis zu ihrem 15. Lebensjahr. 2 Etwa zu diesem Zeitpunkt manifestierte sich in Salomon das Bedürfnis einen Beruf zu ergreifen, der geprägt ist von einer helfenden Tätigkeit. 3 Das letzte Schuljahr wiederholte Salomon freiwillig, weil ihr bewusst war, dass mit dem Ende der Schulzeit gleichzeitig auch die Zeit des Lernens beendet war. 4
Nach dem Abschluss der Schule bereitete sich Salomon auf die Aufnahmeprüfung für das Lehrerinnenseminar vor. Ihre Mutter verweigerte jedoch ihre Zustimmung 5 , so dass Salomon nur eine Kunstschule für Nadelarbeit besuchen konnte. Salomon verbrachte in dieser Zeit täglich mehrere Stunden damit, vor einem Stickrahmen sitzend Stickarbeiten auszuüben. 6 Sie betrachtete diese Zeit als ein „Fluch“ 7 und stickte „alle Träume für ein besseres Leben in das Leinen hinein“. 8
Diese Zeit des Wartens endete erst mit einer Einladung zur Gründungsversammlung der „Mädchen- und Frauengruppe für soziale Hilfsarbeit“ (im folgenden „Gruppen“ genannt) im Jahre 1893. Diese Gruppen bestanden aus sozialpolitisch engagierten Bürgern. Sie wollten freiwillige Dienste in wohltätigen Einrichtungen organisieren. 9 Auf diesen Versammlungen traf Salomon mit Vertretern der Frauenbewegung (u.a. Jeanette Schwerin) sowie mit Sozialreformern (z.B. G. Schmoller und M. Sehring) zusammen. 10 Im Rahmen der Arbeit der Gruppen sammelte Salomon erste Erfahrungen im sozialpädagogischen Berufsbereich. Sie arbeitete ehrenamtlich in einem Mädchenhort und besuchte Familien, die einen Unterstützungsantrag bei einer privaten Wohlfahrtszentrale gestellt hatten. 11 Parallel dazu nahm sie an Vorlesungen in Soziologie und Staatsbürgerkunde teil, welche ebenfalls Bestandteil der Arbeit der Gruppen waren. 12
Besonderen Eindruck übte Jeanette Schwerin auf sie aus. Es folgte eine Zeit der intensiven Zusammenarbeit. Salomon wurde Schwerins Sekretärin und vertrat sie auf Veranstaltun-
1Vgl. Salomon 1984, 12
2 Vgl. Salomon 1984, 26
3 Vgl. Salomon 1984, 10
4 Vgl. Kuhlmann 2000, 51
5 Vgl. Müller 1988, 125
6 Vgl. Kuhlmann 2007, 16
7 Kuhlmann 2007, 17
8 Ebd.
9 Vgl. Kuhlmann 2000, 55
10 Vgl. Kuhlmann 2008, 5f
11 Vgl. Kuhlmann 2008, 6
12 Vgl. Kuhlmann 2000, 59
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gen, wenn Schwerin aufgrund von Krankheit verhindert war. 13 Nach ihrem Tod 1899 übernahm Salomon nicht nur ihre Aufgaben in den Gruppen und sondern auch die, in der nationalen und internationalen Frauenbewegung. 14 Zudem übernahm sie die Leitung der Jahreskurse, die 1899 zum ersten mal abgehalten wurden. Während dieser Zeit beschloss Salomon auch wieder Zeit in ihre eigene Bildung zu investieren und und studierte ab 1902 Nationalökonomie und Sozialwissenschaft. 15 Im Jahr 1906 promovierte sie als eine der ersten Frauen Deutschlands. 16 Dieser Titel sollte ihr bei ihrer weiteren beruflichen Tätigkeit hilfreich sein, denn “die Zeit, als Amateure die Bewegung führen konnten, waren vorbei.“ 17
Für die Frauenbewegung und die Schulreform sollte sich das Jahr 1908 als ein Schlüsseljahr herausstellen, fanden doch in diesem Jahr die Aufhebung des preußischen Vereinsgesetzes sowie die preußische Mädchenschulreform statt. 18
Durch diese Reform konnten Frauen offiziell zum Studium zugelassen werden. Im Zuge dieser Entwicklungen eröffnete Salomon im selben Jahr die soziale Frauenschule und wurde deren erste Leiterin. 19
Nach dem Ersten Weltkrieg stieg der Bedarf an Frauenschulen und gut ausgebildeten Wohlfahrtspflegerinnen sprunghaft an. Für die Gewährleistung allgemeiner Ausbildungs-standards bei den neu gegründeten Schulen wurde 1920 die Nationale Konferenz der sozialen Frauenschulen ins Leben gerufen, deren erste Vorsitzende Salomon wurde. 1925 gründete Salomon die Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit, welche Weiterbildungsmöglichkeiten für Führungskräfte in der sozialpädagogischen Praxis anbot. 20 Im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Salomon 1933 sämtlicher öffentlicher Ämter enthoben. 21 Obwohl sie Deutschland nicht verlassen wollte 22 wurde sie nach einigen kurzen Auslandsaufenthalten 1937 von den Nazis vor die Wahl gestellt, auszureisen oder in ein Konzentrationslager überstellt zu werden. 23 Salomon emigrierte über England in die USA und lebte fortan in New York. Nach Aberkennung der deutschen
13 Vgl. Salomon 1984, 44
14 Vgl. Kuhlmann 2008, 6
15 Vgl. Kuhlmann 2007, 67
16 Vgl. Kuhlmann 2008, 6
17 Vgl. Salomon 1984, 67
18 Vgl Kuhlmann 2007,79
19 Vgl. Engelke 1998,189
20 Vgl. Kuhlmann 2008, 7
21 Vgl. Engelke 1998, 190
22 Vgl. Kuhlmann 2000, 202
23 Vgl. Kuhlmann 2008, 8
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Arbeit zitieren:
Mathias Tömöri, 2010, Theorieansatz von Alice Salomon, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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