Sämtliche personenbezogenen Bezeichnungen, etwa Berufstitel, Tätigkeiten, akademische Grade usw., die nur in eingeschlechtlicher Form verwendet werden, sind geschlechtsneutral aufzufassen.
Inhaltsverzeichnis
Danksagung 8
Zusammenfassung 9
Abstract 10
1. Einleitung 11
2. Arbeitsmethoden 13
2.1. Aufgabenstellung 13
2.2. Auswahl der Teilnehmer/innen 13
2.3. Wahl der Befragungsmethode 14
2.4. Erstellung der Fragebögen und Pretests 14
3. Durchführung der Befragung 16
3.1. Durchführung der Befragung 16
3.2. Erfolgskontrolle der Befragung 17
4. Ergebnisse der Umfragen und Interpretation 18
4.1. Werden die Ziele der Baumpflege der ÖNORM L 1122 in
Österreichs Städten erreicht? 19
4.2. Wer führt die Baumpflege im öffentlichen Raum durch? 20
4.3. Wie viele Bäume stehen in Ihrer Gemeinde auf
öffentlichem Grund? 20
4.4. Wie viele Straßenbäume haben Sie zu erhalten? 21
4.5. Wie viele Baumpflegefirmen werden durch die Gemeinden
pro Jahr beauftragt? 21
4.6. Ausführungsvorschriften für Baumpflegebetriebe 22
4.7. Anwendung der Normen 23
4.8. Verkehrssicherheitsüberprüfung 25
4.9. Sichtkontrolle 26
4.10. Überprüfung der Pflegemaßnahmen 27
4.11. Anzahl der Pflegemaßnahmen 27
4.12. Untersuchungsgeräte für weiterführende Untersuchung 28
3
4.13. Baumalter 29
4.14. Düngemethoden 30
4.15. Düngemittelprodukte 30
4.16. Beseitigung von Bodenverdichtung 30
4.17. Maßnahmen gegen die Bodenverdichtung 32
4.18. Bodenaustausch 33
4.19. Baumscheibenentsiegelung 34
4.20. Belüftungs- und Entwässerungsanlagen 35
4.21. Unterpflanzung 36
4.22. Wurzelvorhang 38
4.23. Lichtraumprofil 39
4.24. Grünastschnitt 40
4.25. Wundbehandlungsstoffe 42
4.26. Kroneneinkürzungen 44
4.27. Gekappte, eingekürzte Kronen und die fachgerechte Pflege
gekappter Kronen 45
4.28. Entwässerungsrohre 46
4.29. Baumwunden 47
4.30. Starkastschnitte 48
4.31. Grobastschnitte 49
4.32. Rindenschäden 50
4.33. Stammschutz 50
4.34. Kronensicherungsysteme 52
4.35. GALK-Straßenbaumliste 54
4.36. Baumscheiben-, Baumstreifengrößen 57
4.37. Versorgungsleitungen 58
4.38. Baumschutz auf Baustellen 60
4.39. Schutz gegen Anfahrschäden an Stadtbäumen 63
4.40. Kontrolle der Pflegemaßnahmen 64
4.41. Baumwertberechnungen im Schadensfall 65
4
4.42. Vitalität 65
4.43. Änderung der Baugesetze 67
4.44. Öffentlichkeitsarbeit 69
4.45. Eigene Änderungsvorschläge 70
4.46. Baumkataster 71
4.47. Fazit 71
5. Stellungnahmen von Baurechtsexperten und den
verantwortlichen Landesräten aus den Bundesländern 72
5.1. Stellungnahme aus dem Burgenland 73
5.2. Stellungnahme aus Kärnten 73
5.3. Stellungnahme aus Niederösterreich 73
5.4. Stellungnahme aus Oberösterreich 73
5.5. Stellungnahme aus Salzburg 74
5.6. Stellungnahme aus der Steiermark 74
5.7. Stellungnahme aus Tirol 74
5.8. Stellungnahme aus Vorarlberg 75
5.9. Stellungnahme aus Wien 75
5.10. Fazit 75
6. Reelle Beispiele versus Umfrageergebnisse 77
6.1. Wie wird in Österreich geplant? 77
6.2. Wie wird in Österreich gebaut? 80
6.3. Baumpflege an der L 2137 - Die Lindenstraße in Tulln 86
6.4. Die fehlende Allee von Villach bis Lienz 88
6.5. Leitungsbau in Österreich 89
6.6. Baumschutz bei öffentlichen Aufträgen 91
6.7. Baumpflege in einem Wiener Privatgarten 94
7. Schlussfolgerungen 96
7.1. Spielt die Standortoptimierung in der Baumpflege nur eine
untergeordnete Rolle? 96
5
7.1.1. Die Standortoptimierung als Basis eines gesunden
Baumbestandes 97
7.1.2. Verlängerung der Lebenserwartung durch
Standortoptimierung 97
7.2. Die ÖNORMEN L 1121 und L 1122 - Zahnlose Instrumente
gegen das Kettensägenmassaker? 98
7.3. Baumpflege oder Sachbeschädigung? 100
7.3.1. Der Baum als volkswirtschaftliches Vermögen 101
7.3.2. Wird dieses Vermögen durch falsche Baumpflege zerstört? 104
7.4. Bonsai-Gefäße in Pflanztrögen oder gesunde Stadtbäume in einem
großen Wurzelraum? 106
7.5. Brauchen wir ein Bundesbaumschutzgesetz in Österreich? 108
8. Empfehlungen - 12 Bausteine für eine bessere Baumpflege 110
8.1. Baustein 1 - Vermittlung des Baumwertes durch
öffentlichkeitswirksame Aktionen 111
8.2. Baustein 2 - Planungshandbuch „Stadtbaum“ - Moderne
Vegetationstechnik im Straßenbau durch Dienstanweisung 113
8.3. Baustein 3 - Facility-Management für das Stadtgrün 113
8.4. Baustein 4 - Das Baumpflegekonzept als Antwort auf
das Billigstangebot 114
8.5. Baustein 5 - Änderung der standardisierten
Leistungsbeschreibung für mehr Baumschutz in Österreichs Städten 115
8.6. Baustein 6 - Aktualisierung der ÖNORMEN und der RVS 117
8.7. Baustein 7 - Weitsichtige Bauleitung zur Erhaltung von
Altbaumbeständen bei Bauvorhaben 117
8.8. Baustein 8 - Der Bebauungsplan 118
8.9. Baustein 9 - Baumschutzsatzungen und deren Reformbedarf 118
8.10. Baustein 10 - Förderungen für die Erstellung von
Straßenbaumkatastern und die Erstellung einer nationalen
Baumdatei als Grundlage für die Baumpflege 120
8.11. Baustein 11 - Die Baumpflegekoordination 121
6
8.12. Baustein 12 - Der Baumwertrechner 122
9. Resümee und Ausblick 124
10. Quellen-, Abbildungsverzeichnis 126
10.1. Literaturquellen 126
10.2. Internetquellen 132
10.3. Persönliche Mitteilungen 133
10.4. Abbildungsverzeichnis 134
Danksagung
Diese Diplomarbeit bietet mir nicht nur die Möglichkeit, meine interessante Arbeit des
letzten Jahres zu dokumentieren, sondern eröffnet mir vielmehr die Gelegenheit, den
Menschen zu danken, die zum Erfolg dieser Arbeit beigetragen haben.
7
Zu nächst möchte ich mich besonders bei o. Univ. Prof. Dr. Florin Florineth bedanken, der mir als Betreuer zur richtigen Zeit die notwendigen Freiräume gewährte und durch treffsichere Beratung die Arbeit ermöglichte. Vielen Dank an Franz Doppler von der Institutsbibliothek, der mich mit allen notwendigen Informationen versorgt hat. Außerdem möchte ich mich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Online-Umfragen bedanken.
Während des Studiums und der Erarbeitung der vorliegenden Diplomarbeit haben mich viele Personen begleitet und unterstützt. Allen voran Doris, die mich nicht nur sachlich, sondern auch privat unterstützte (Doris, Du bist die Beste!). Meiner Familie bin ich sehr verbunden, insbesondere meiner Mutter Elfriede Klingan gilt mein Dank, da sie mich immer unterstützt und ein offenes Ohr für meine Sorgen und Nöte hat.
Ebenfalls möchte ich mich bei meinem Bruder Wolfgang und meinen Freund Dietrich erkenntlich zeigen, da sie mir Informationen und Fotos zur Verfügung stellten.
Last but not least, gilt mein Dank meiner Freundin Margret, ohne deren tatkräftige und moralische Unterstützung ich diese Arbeit niemals zu Ende gebracht hätte. (Margret, ich liebe Dich!)
Ich möchte diese Diplomarbeit meinem verstorbenen Vater KR Dkfm. Heinz Klingan widmen, der, davon abgesehen, dass er mir das Studium ermöglichte, auch immer
großes Interesse für meine Arbeit zeigte, und mich soweit wie möglich bei der Erhaltung des Lebensraumes Drau- und Liesertal unterstützte.
Zusammenfassung
Die Visitenkarte jeder europäischen Stadt und Gemeinde ist das Stadtgrün. „Baumpflege in Österreich - Eine Zustandsanalyse seit der ÖNORM L 1122
(Baumpflege und Baumkontrolle)“ ist ein Versuch, anhand von Umfragen unter allen Beteiligten und anhand von Fallbeispielen einen Überblick über die alltägliche Baumpflegepraxis und die Herausforderungen an die Zukunft zu geben. Die Arbeit gliedert sich in drei Teile:
Der erste Teil zeigt einen Überblick über die Baumpflege in Österreich, indem die Beteiligten (Besitzer - Sachverständige - Ausführende) an der Baumpflege in Form
von Online-Umfragen ihr Bild des Baumpflegezustandes darlegen. Ob der
Baumbestand an Österreichs Straßen zunimmt, kann leider nicht beantwortet
werden, ebensowenig die Frage, wie der typische österreichische Stadtbaum
aussieht, da es bis heute keine Datenbank gibt, die vergleichende Analysen erlaubt. Im zweiten Teil werden reelle Beispiele gebracht, die stellvertretend für den Baumpflegezustand in Österreich vom privaten Garten bis zum öffentlichen Grün stehen sollen.
Im dritten Teil wird versucht, mit Hilfe eines Maßnahmenpaketes für die österreichische Baumpflege eine Renaissance des Straßen- und Stadtbaumes einzuleiten. Die Maßnahmenvorschläge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sollen vielmehr zur weiteren Diskussion anregen, da es eine Wende der derzeitigen Pflegepraxis geben muß, um Bäume, die älter als 60 Jahre sind, erhalten zu können. Es gibt nämlich kaum alte Stadtbäume, die keine großen Stammwunden aufweisen und ausreichend optimierte Standorte zur Verfügung haben.
Abstract
The business card of every European town and community is the city green. "Tree care in Austria - A state analysis since the ÖNORM L 1122" is an attempt to give an
overview of the everyday practice of tree care and it’s future challenges on the basis of surveys of all stakeholders and of case studies.
The work is divided into three parts. The first part outlines tree care in Austria on the basis of data collected in online-investigations from relevant stakeholders (ownersexperts - arborists) who were requested to assess the existing status of tree care. One clear result from this investigation is that neither the question if the trees nearby Austrian roads grow in number nor the question how the typical Austrian city tree looks like can be answered, since there still is no database available that would allow some comparative analysis.
In the second part practical case studies are given that may serve as representative examples of the status of tree care ranging from the private garden up to the handling of tree care in public construction contracts.
The third part tries to initiate a renaissance of the Austrian urban trees. The proposed measures are not intended to be exhaustive. They are rather meant to stimulate further discussions, as a change of the current caring practice seems to be inevitable. A change that allows to conserve trees older than 60 years as there are hardly any old city trees that do not have considerable large trunk wounds and that grow on sufficiently optimized sites.
1. Einleitung
Bäume und der Umgang mit ihnen wird in unterschiedlichen Gesetzen, Rechts- und Verwaltungsvorschriften der EU, des Bundes, der Länder sowie der Gemeinden
geregelt. Die damit verbundenen Festlegungen sind von den Wertvorstellungen unserer Gesellschaft abhängig. So wie moralische, rechtliche und ökologische Wertvorstellungen einem Wandel unterliegen, so lässt sich dieser Wertewandel auch beim Umgang mit Bäumen feststellen und muss auch erkennbar sein. Deshalb stelle ich mir in dieser Arbeit Fragen wie: Welchen „Wert“ haben Bäume heute? Welchen Umgang pflegen wir mit dem Wert Baum? Das gegenwärtige Verhältnis der Menschen zum Baum in Österreich möchte ich anhand des Baumpflegezustandes abbilden. Die Zustandsanalyse basiert auf den ÖNORMEN L 1121 (Schutz von Gehölzen und Vegetationsflächen bei Baumaßnahmen) und L 1122 (Baumpflege
und Baumkontrolle), die für die Baumpflege in Österreich seit 2003 die Mindeststandards in Form von qualifizierten Empfehlungen festlegen.
Meine erste studienbegleitende Arbeit war den besseren Standortbedingungen der Alleebäume in der Bahnhofstraße der Kärntner Bezirksstadt Spittal gewidmet, nun beende ich mein Studium wieder mit dem Thema Baumpflege.
Abb. 2: Die ungünstigen Standortbedingungen in der Spittaler Bahnhofstraße konnten verbessert werden; Aufnahmen: Mai 1992 und Juli 2003.
In voller Ehrfurcht staune ich immer wieder, wie Bäume Jahreszeiten, Stürme, Krankheiten, Beschattung, Klimaschwankungen, Bodenverdichtung, -versiegelung, Wassermangel und -überschuss, Staubbelastung, Luftverschmutzung und
Salzbelastung überleben. Und trotzdem hilft die ganze perfekte Anpassung nichts,
wenn mit der Motorsäge Wunden in den Baum geschnitten werden, auf die er nicht schnell genug reagieren kann.
Ist das Ziel der fachgerechten Baumpflege in Österreich bereits erreicht? Es ist Zeit bestimmte Dinge einfach auch einmal infrage zu stellen. Es hat ja Gründe, warum die Stadtbäume so ausschauen, wie sie ausschauen. Ohne Berührungsängste soll der Pflegezustand im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Die alltäglichen Herausforderungen wie Preisdruck, mangelndes Fachpersonal sind nicht Teil dieser Analyse. Es wird keine Vollständigkeit angestrebt, vielmehr steht im Vordergrund eine gute Basis für neue Initiativen in Richtung Verbesserung der Baumpflege in Österreich zu bieten.
Das generelle Ziel war eine bundesweite Befragung per Internet über den Bereich „Baumpflege“ durchzuführen, um eine Basis für eine Zustandsanalyse zu haben. Hieraus ergaben sich folgende Einzelziele:
• Ermittlung des Datenmaterials, das für die Baumpflege in Österreich zur Verfügung steht.
• Gewinnung einer Planungsgrundlage für vorhandene und neue Baumpflegepraktiken auf Basis der Wünsche und Anforderungen der Beteiligten.
• Bundesweite Gesamtanalyse der Ergebnisse für alle beteiligten Gemeinden.
• Neue Erkenntnisse an alle Entscheidungsträger herantragen und über die Fachliteratur verbreiten.
• Zur gemeinsamen Diskussion und zum Erfahrungsaustausch anregen.
• Das Bewusstsein über die Bedeutung der richtigen Pflegetechniken bei der Baumpflege schärfen/schaffen.
• Fortsetzung der Bemühungen um eine fachgerechtere Baumpflegenachhaltige Entwicklung.
• Ein Baumschutzpaket für eine bessere Baumpflege in Österreich.
2. Arbeitsmethoden
2.1. Aufgabenstellung
Um die Situation der Österreichischen Baumpflege beurteilen zu können, erfolgte der Versuch eine allgemein repräsentative Erhebung unter den Akteuren der Baumpflege durchzuführen. Dabei wurde die Zielgruppe durch folgende Fragen festgelegt: Wer pflegt die öffentlichen Bäume? Ab welcher Gemeindegröße gibt es Gartenämter? Welche Sachverständigen befassen sich mit Baumpflege? Welche Betriebe führen Baumpflegemaßnahmen durch? Mit Hilfe von Recherchen und drei Online-
Befragungen von Baumpflegefirmen, Gerichtssachverständigen und
Gartenamtsleitern wurde die Basis für diese Arbeit geschaffen. Die Ergebnisse dienten dazu, die zuständigen Beamten und Politiker in den Bundesländern zu einer Stellungnahme einzuladen.
2.2. Auswahl der Teilnehmer/innen
Zur Gewährleistung der Repräsentativität wurden drei Gruppen (Gartenamtsleiter, Gerichtssachverständige und Baumpflegebetriebe) ausgewählt. Von den 2.357 österreichischen Gemeinden haben 71 Gemeinden mehr als 10.000 Einwohner. 1 Von diesen Gemeinden wurden die für Baumpflege verantwortlichen Personen und deren Emailadressen recherchiert und werden in dieser Arbeit folglich als „Gartenamtsleiter“ bezeichnet. Die Zielgruppe der Gerichtssachverständigen wurde über die Datenbank der Gerichtssachverständigen und Gerichtsdolmetscher des Bundesministeriums für Justiz 2 festgelegt. Auf der „Herold Marketing CD Business“ 3 sind insgesamt 340.000 österreichische Unternehmen eingetragen. Unter all diesen Firmen beschäftigen sich 875 Firmen mit „Garten- und Landschaftsgestaltung“. Aus diesen Adressen wurden 277 Betriebe, die sich mit Hausbetreuung, Baumpflege und Baumschutz beschäftigen, ausgewählt. Danach wurden die Firmeninhaber und deren Emailadressen recherchiert und somit die Zielgruppe der Baumpflegebetriebe definiert. Die Hausverwaltungen müssten in Bezug auf ihre Vergaberichtlinien von Baumpflegemaßnahmen noch interviewt werden. Ebenso wurden die Ingenieurbüros, falls sie nicht einen Brancheneintrag unter „Baumpflege und Baumschutz“ hatten, auch nicht in den Umfragen berücksichtigt.
2.3. Wahl der Befragungsmethode
1 http://www.gemeindebund.at (Stand: 18.10.2009)
2 http://www.sdgliste.justiz.gv.at/ (Stand: 11.04.2009)
3 http://www.heroldshop.at (Stand: 11.04.2009)
Für die Aufgabenstellung wurde eine Methode gewählt, die umfangreiche Befragungen zu relativ niedrigen Kosten und eine schnelle Durchführung ermöglicht. Für die geplante Anzahl der zu befragenden Personen wurde die standardisierte Befragungsmethode ausgewählt, damit die erhobenen Daten auch langfristig vergleichbar sind. Face-to-Face Interviews kamen als Methode aufgrund der Größe der Zielgruppe, der hohen Kosten (Terminvereinbarung, Fahrtkosten) und des hohen Zeitaufwandes nicht in die engere Auswahl. Trotzdem wurde darauf geachtet, dass die Gütekriterien Objektivität, Zuverlässigkeit, Gültigkeit sowie die Qualität der erhobenen Daten durch die Onlinebefragungen erreicht werden. Ebenso wurde auch das Telefon-Interview nicht als Methode ausgewählt, weil die zu erwartende Gesprächsdauer aufgrund der vielen Fragen einerseits zu lange wäre und andererseits Recherchearbeiten, die zur Beantwortung vieler Fragen notwendig wären, in einem Telefongespräch gar nicht erledigt werden können. Hoher Zeitaufwand und hohe Durchführungskosten waren die Argumente gegen postalische Befragungen. So wurde die Online-Befragung als die beste Methode für die standardisierten Befragungen ausgewählt, da die Erreichbarkeit der Umfrageteilnehmer/innen per Email genauso groß ist wie bei Telefon-Interviews. Die Internetbefragung liefert schnell und kostengünstig die gewünschten Informationen. Damit keine Person der Zielgruppe aus Gründen der Technik (bspw. Internet-Anschlusses) von der Befragung ausgeschlossen wird, wurden alle Emailadressen recherchiert.
2.4 Erstellung der Fragebögen und Pretests
Vor der Erstellung des Fragebogendesigns, wurde der neueste Stand der Technik im Einsatz von Onlinebefragungen recherchiert. Von der Nennung eines Ansprechpartners bis zu den Möglichkeiten der Sonderzuwendungen wurden die aktuellsten Untersuchungsergebnisse über Onlinebefragungen in den Fragebogen eingearbeitet.
Wesentliche Kriterien beim Aufbau des Fragebogens waren unter anderem:
• Baumdaten (Anzahl, Standortbedingungen, Pflegezustand, Vitalität)
• Inhalte der ÖNORM L 1122
• Inhalte der ÖNORM L 1121
• aktuelle Herausforderungen in der Baumpflege
Der Umfang beträgt 30 Fragen an die Gerichtssachverständigen und die Baumpflegebetriebe bzw. 50 Fragen an die Gartenamtsleiter. Der Fragebogen ist in Themenbereiche eingeteilt, um Rückschlüsse auf die praktizierte Baumpflege zu ziehen. Da die Fragefolgen von Bedeutung sind, wurde die Reihung sorgfältig gewählt. Damit keine Langeweile bei der Online-Befragung entsteht, wurde bei der Strukturierung des Fragebogens versucht einen Spannungsbogen aufzubauen 4 , damit die Beantwortung der Fragen nicht zu eintönig, oder gleichförmig gestaltet wurden. Trotzdem wurde auf die Verwendung von Grafiken, Fotos bzw. Filmmaterial verzichtet, um die Ladezeiten gering zu halten. Wichtig war ein übersichtliches Layout zu finden, das ein leichtes Ausfüllen ermöglicht. So wurde bspw. für die Bildschirmdarstellung die Auflösung 800 statt 1024 pixel ausgewählt, damit die Umfrage auch auf kleineren Bildschirmen ohne viel Navigieren möglich ist und sich der Fragebogen für alle Teilnehmer/innen gleich präsentiert.
Abb. 3: Das Layout der
Internet-Fragebögen zu
Baumpflege in
Österreich, 2009
Der Einstieg in die jeweilige Befragung erfolgte über eine Willkommensseite, die u.a. Interesse für das Thema wecken sollte. Anfangs wird der Zweck der Untersuchung
4 HOLLAUS, M.,(2007): Der Einsatz von Online-Befragungen in der empirischen Sozialforschung, S.70
verdeutlicht, die anonyme Auswertung der Antworten zugesichert und ein Ansprechpartner im Fall von auftretenden Rückfragen genannt. Die einzelnen Fragen wurden kurz und prägnant formuliert und in Frageblöcke mit jeweils fünf Frageschritten aufgeteilt, die jeweils auf einer Seite angezeigt wurden. Mit diesem Fragebogendesign sollte erreicht werden, dass das Navigieren durch den Fragenbogen leicht ist und anderseits sollte es nicht möglich sein, den ganzen Fragebogen gleich zu Beginn einsehen zu können. Diese Gestaltungsoption wurde mit einem Fortschrittsbalken, in dem prozentual angezeigt wird, wo sich der User im gesamten Fragenbogen befindet, kombiniert, um ständig über die wahre Länge des Fragebogens zu informieren. Da jegliche nonverbale Beeinflussungsmöglichkeiten bei der Online-Umfrage fehlen, wurden auch einige offene Fragen eingebaut, um objektive Stellungnahmen zu ermöglichen.
Eine hohe Teilnahmequote und eine Verringerung der Abbruchquote sollte durch
folgende Maßnahmen erreicht werden:
1. Mittels eines Fortschrittbalkens wird der Befragte zu jedem Zeitpunkt darüber informiert, an welchem Punkt der Befragung er sich befindet. 2. Die Befragten wurden durch einen Begleitbrief von Herrn Prof. Dr. Florin Florineth direkt und persönlich angesprochen, verbunden mit der Bitte um Teilnahme.
3. Die Befragten bekommen als kleines Dankeschön nach Beendigung der Umfragen die Ergebnisse übermittelt.
3. Durchführung der Befragung
3.1. Durchführung der Befragung
Um die Fehlerfreiheit des Fragebogens zu testen, wurden Pretests mit einigen Adressen durchgeführt. Danach wurden die Umfragen über die Firma „2ASK“ gehostet. Die anzuschreibenden Email-Adressen der Umfrageteilnehmer/innen wurden in Tabellenform erfasst und in das Umfrage-Programm eingelesen, mit einem zufälligen Code versehen und an die Teilnehmer/innen versendet. Aufgrund der Codes war es möglich die Rücklaufquote durch Erinnerungsmails zu erhöhen, wobei die bereits abgeschlossenen Fragebögen automatisch abgezogen und keine weiteren Emails versendet wurden. Um den Respekt vor den Entscheidungen der
Teilnehmer / innen zu gewährleisten wurden maximal zwei Erinnerungsemails versandt.
Die Umfragen wurden am 29.07.2009 gestartet und bis einschließlich 28.10.2009 durchgeführt. Die Empfänger erhielten mit der Einladungs-Email und einem Begleitbrief von Herrn Prof. Dr. Florin Florineth einen Link auf die Befragung und das zugehörige Passwort, das die Anonymität wahrt und Mehrfachantworten und Datenverzerrungen verhindert. Mit Abschluss der Umfragen wurde eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse den Umfrageteilnehmern/innen als Sonderzuwendung für die Teilnahme übermittelt mit dem Hinweis, wie die gesamte Arbeit einzusehen ist.
3.2. Erfolgskontrolle der Befragung
Da es sich herausstellte, dass Gemeinden zwischen 10.000 und 15.000 Einwohnern nicht gleichmäßig über ausreichende Ausstattung an Personal (z.B. eigener Gärtner) oder technische Möglichkeiten (z.B. Baumkataster) verfügen, wurden nur 42 Gemeinden tatsächlich zur Online-Umfrage eingeladen. Von Eisenstadt bis Hohenems und von Bad Ischl bis Villach haben 35 Gartenamtsleiter den Online-Fragebogen ausgefüllt. Somit entspricht die Rücklaufquote 83 Prozent. Bei den Gerichtssachverständigen beträgt der Rücklauf 79 Prozent und bei den Baumpflegebetrieben, die den kompletten Fragebogen beantwortet haben, 14 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft war bei den Sachverständigen und Gartenamtsleitern am höchsten, weil sie das meiste Interesse an dem Thema „Baumpflege“ haben, während sich Privatunternehmen, nur weil sie auch in einer Adressenliste die Branche „Baumpflege und Baumschutz“ führen, nicht ausschließlich um Bäume kümmern. Trotzdem sind bedeutende Firmen unter den Umfrageteilnehmern zu finden. Insgesamt konnten die Umfrageergebnisse von 38 Betrieben ausgewertet werden. Mangelndes Interesse an der Befragung wurde nachträglich nicht erhoben. Die Anzahl der falsch gestellten Fragen dürfte gering sein, da alle Daten brauchbar sind, die Abbruchquote gering war und das Feedback diesbezüglich ausblieb. Die Feedbackmöglichkeit wurde zusätzlich angeboten, aber nicht so gut wie bei persönlichen Interviews genutzt.
4. Ergebnisse der Umfragen und Interpretation
Wie viele Stadtbäume gibt es in Österreich? Wie ist die Alterszusammensetzung der Straßenbäume? Diese und ähnliche Fragen konnten leider nicht beantwortet werden. Für eine umfangreiche Analyse fehlt in Österreich eine Österreichische Baumdatenbank. Mittels der Online-Umfragen kann nur ein kleiner Einblick über den Pflegezustand der Stadtbäume gegeben werden. Trotzdem erlauben die Ergebnisse Einsichten in die österreichische Pflegepraxis, die über die persönlichen Beobachtungen hinausgehen. Zudem besteht die Möglichkeit für die Umfrageteilnehmer/innen, die eigenen kommunalen Daten in einem bundesweiten Gesamtkontext zu stellen.
Die Zustandsanalyse erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn einige Themenbereiche konnten nur oberflächlich bearbeitet werden. Jedoch sprechen die vorliegenden Teilergebnisse eine deutliche Sprache und lassen im Vergleich zu den ÖNORMEN L 1121 und L 1122 Aussagen über möglichen Handlungsbedarf zu. Stadtbäume als Bestandteil des öffentlichen Raums und Bäume in privaten Vorgärten sind ein wesentlicher Faktor für das Stadtbild. Sie erfüllen nicht nur ökologische und ökonomische Funktionen, sondern sind auch in sozialer Hinsicht und für den körperlich-seelischen Ausgleich von besonderer Bedeutung. Das Straßengrün mit seinen Bäumen hat eine hohe Bedeutung. Wie wichtig sind Ihnen Straßenbäume und -grün? Bei einer Umfrage in Deutschland über die Bürgerzufriedenheit mit den kommunalen Grünflächen gaben mehr als 60 % der Befragten an, „dass für die Wahl des Wohnortes die Bedeutung von Grün und Landschaft sehr wichtig oder wichtig war.“ 5
Über die Notwendigkeit Stadtgrün in seiner Funktion zu erhalten, sollte Konsens herrschen und ist die Grundlage für die Auswertung der Ergebnisse. Dauerhaftes Stadtgrün lässt sich nur erhalten, wenn für die Grünflächen die entsprechenden Voraussetzungen bestehen. Die wesentlichen Ergebnisse der Befragung erlauben einen Vergleich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen für die Baumpflege.
5 GALK (Ständige Konferenz der Gartenamtsleiter beim Deutschen Städtetag) und IKO-Netz der KGSt, (2004):
Bundesweite Internetbefragung zur Messung der Bürgerzufriedenheit mit den kommunalen Grünflächen“,
Abschlußbericht, 2004
4.1. Werden die Ziele der Baumpflege der ÖNORM L 1122 in Österreichs
Städten erreicht?
Die ÖNORM L 1122 (Baumpflege und Baumkontrolle) verfolgt als primäres Ziel „die Herstellung und die Erhaltung eines gesunden, vitalen, verkehrssicheren, langlebigen und funktionserfüllenden Baumbestandes zur Nutzung von dessen Wohlfahrtswirkungen durch den Menschen.“ 6 Die Online-Befragung geht auch der Frage nach, ob in Österreichs Städten für den Baumbestand ein ausreichend großer und ökologisch funktionierender Lebensraum mit ausreichendem Schutz anzutreffen ist. Deshalb wurden zu Beginn des Fragebogens die Gerichtssachverständigen und die Baumpflegebetriebe danach gefragt, ob die Ziele der qualifizierten Empfehlungen durch die Normen bereits umgesetzt sind.
Abb. 4: Erreichung der Baumpflegeziele der ÖNORM L 1122: Baum = gesund + vital + verkehrssicher + langlebig + funktionserfüllend, Online-Umfrage 2009
6 ÖNORM L 1122, (2003): Baumpflege und Baumkontrolle, Österreichisches Normungsinstitut, Wien.
4.2. Wer führt die Baumpflege im öffentlichen Raum durch?
Abb. 5: Baumpflege und Baumschutz im urbanen Bereich ist grundsätzlich eine kommunale Aufgabe, Online-Umfrage 2009
Verantwortlich für die Baumpflege im öffentlichen Raum sind vor allem die Gartenämter und diverse Wirtschaftsbetriebe der kommunalen Verwaltungen.
4.3. Wie viele Bäume stehen in Ihrer Gemeinde auf öffentlichem Grund? 521.354 Bäume stehen in 35 österreichischen Gemeinden auf öffentlichem Grund. Es ist scheinbar vielen nicht bewusst, welches Vermögen die Gartenämter in der Stadt zu erhalten haben. Würde man den Wert der Österreichischen Stadtbäume mit dem Sachwertverfahren nach KOCH feststellen, so würde man etwa auf einen Durchschnittswert von € 5.000,- pro Baum kommen. 7 Bei einem Bestand von 500.000 Stadtbäumen, den die Umfrageteilnehmer/innen zu verwalten haben, ergibt das einen Gesamtwert von ca. 2,5 Mrd. €. Die Wertermittlung ist für die Berechnung des gesamten Baumbestandes nach der Methode KOCH zwar nicht üblich, weil in diesem Fall nicht der Verkehrswert der Bäume, sondern der Kostenwert zu
7 BAUMGARTEN H., (2002): Perspektiven für Grünflächenämter. In: DUJESIEFKEN, D.; KOCKERBECK, P., (Hrsg.):
Jahrbuch der Baumpflege 2002. Thalacker Medien, Braunschweig, 2002.
berechnen wäre. Diese Baumwertberechnungen (für innerbetriebliche Überlegungen) fehlen jedoch. 8
4.4. Wie viele Straßenbäume haben Sie zu erhalten? 182.654 Straßenbäume werden von den Gemeinden erhalten.
4.5. Wie viele Baumpflegefirmen werden durch die Gemeinden pro Jahr beauftragt?
Abb. 6: Kommunale Betriebe und Private pflegen die Stadtbäume, 2009
8 GRABMAIR W., (2009): Voreilige Baumfällungen: Vernichten wir unser Kapital in Zeiten der Krise? Vortrag am
NÖ Baumtag 2009, Baden.
4.6. Ausführungsvorschriften für Baumpflegebetriebe
Welche Richtlinien und Normen sind bei den Ausführungsarbeiten von Baumpflegemaßnahmen von den Auftragnehmern verbindlich zu berücksichtigen?
Abb. 7: Baumpflegemaßnahmen durch Baumpflegebetriebe haben überwiegend nach der ÖNORM L 1122 zu erfolgen, 2009
Bei einer Vergabe der Aufträge aufgrund der ÖNORM B 2110 - Allgemeine Vertragsbedingungen für Bauleistungen, werden die ÖNORMEN L 1121 und L 1122 eigentlich automatisch vereinbart und müssen nicht besonders beauftragt werden. Acht Prozent der Pflegemaßnahmen, die die Gartenamtsleiter vergeben, sind laut Umfrage nicht normgerecht auszuführen. Scheinbar gibt es einige Unklarheiten, nach welchen Qualitätsstandards Baumpflegemaßnahmen durchzuführen sind. Die zu erwartende Antwort auf die offen formulierte Frage, wäre gewesen, dass für alle Gartenamtsleiter die ÖNORM L 1122 als Grundlage für alle vergebenen Baumpflegemaßnahmen anzusehen ist.
4.7. Anwendung der Normen
Die Baumpflegebetriebe und Gerichtssachverständigen wurden gefragt, ob die Richtlinien und Normen für Baumpflege bei den Ausführungsarbeiten angewendet werden.
Abb. 8: Anwendung der Richtlinien und ÖNORMEN im Alltag aus verschiedenen Perspektiven, 2009
61 Prozent der Gerichtssachverständigen denken, dass die Normen und Richtlinien für alle Ausführungsarbeiten die Baumpflege betreffend, angewendet werden. Nur 11 Prozent der Baumpflegebetriebe sind skeptisch, dass ihre Ausführungen nicht regelkonform sind. Aufgrund der unterschiedlichen Wahrnehmungsunterschiede wurden die Baumpflegebetriebe auch gefragt, ob sich ihre Mitbewerber an die Richtlinien und Normen für Baumpflege bei der Ausführung von Baumpflegemaßnahmen halten.
Abb. 9: Jeder 2. Mitbewerber hält sich nicht an die Richtlinien und Normen, 2009 Die Einschätzung über das Verhalten des Mitbewerbers von Baumpflegearbeiten aus der Sicht des Baumpflegebetriebes zeigt ein mit 51 Prozent ähnliches Bild der Gerichtssachverständigen, die mit 61 Prozent die Meinung vertreten, dass die Ausführungsarbeiten von Baumpflegemaßnahmen nicht fachgerecht dem Stand der Technik entsprechend ausgeführt werden.
4.8. Verkehrssicherheitsüberprüfung
Die Gartenamtsleiter wurden gefragt, wie viele Bäume in Ihrem Wirkungsbereich jährlich auf Verkehrssicherheit überprüft werden. 33 Gartenamtsleiter haben diese Frage beantwortet. In 31 Gemeinden werden jährlich 335.855 Bäume verkehrssicherheitstechnisch geprüft. In 14 Gemeinden werden alle Straßenbäume geprüft und in zwei Gemeinden wird kein einziger Baum kontrolliert. 17 Gemeinden prüfen jährlich nur einen Teil ihrer Straßenbäume.
Abb. 10: Verkehrssicherheitskontrollen in den Gemeinden, 2009
Die Sichtkontrolle ist eine fachkundige Besichtigung, die vor allem der Verkehrssicherheitsprüfung des Baumes dient. Normgemäß ist eine jährliche Kontrolle anzustreben, die auch dokumentiert werden soll. Die Notwendigkeit der Kontrollintensität ist noch nicht die Regel, obwohl die Rechtsprechung zur Verkehrssicherheitspflicht sehr restriktiv ist. 9 Die Rechtsprechung sieht für alle Bäume aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht eine dokumentierte Kontrolle vor. Zu knappe kommunale Budgets und zu geringe Personalressourcen stellen für die Gerichte keine Rechtfertigung für unterbliebene
Baumpflegemaßnahmen dar.
Ein weit verbreiteter Irrtum dürfte auch sein, dass bei eingetretenem Schaden „höhere Gewalt“ noch als Ursache akzeptiert wird. Für die effiziente Erfüllung der Sorgfaltspflicht als Eigentümer von Stadtbäumen müssen flächendeckend Baumkataster angelegt werden, um vor allem die verantwortlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Gemeinden zu schützen.
Da die fachlichen Empfehlungen der ÖNORM L 1122 nicht rechtsverbindlich sind, vertrauen noch zu viele Gemeinden darauf, das nichts passieren wird, oder entscheiden sich dazu, keine Bäume mehr im öffentlichem Raum zu pflanzen, von denen eine Gefahr ausgehen könnte.
Die Instrumente, die Rechtssicherheit anbieten, scheinen zu fehlen, oder sind zu wenig bekannt, damit in den Gemeinden das Stadtgrün wieder proaktiver gefördert wird.
4.9. Sichtkontrolle
Wie viele Bäume mussten aufgrund der Verkehrssicherheitskontrolle im Jahre 2008 sofort entfernt werden?
Die Gartenamtsleiter mussten im Jahr 2008 nach der Überprüfung auf Verkehrssicherheit sofort 7.225 Bäume entfernen lassen. Das sind vier Prozent aller Straßenbäume, die nicht mehr verkehrssicher waren.
Spricht dieses Ergebnis für die Anlage eines Baumkatasters als Grundlage für effiziente, dokumentierte Baumkontrollen, die Rechtssicherheit für die
9 SCHLAGER G.; (2006): Verkehrssicherheitsbeurteilung von Bäumen. In: Der Sachverständige Heft 4/2006,
Wien.
Mitarbeiter/innen in den kommunalen Betrieben bringen, oder ist der geringe Wert an verkehrsunsicheren Bäumen die Rechtfertigung für die „Es-wird-schon- nichtspassieren-Mentalität“?
4.10. Überprüfung der Pflegemaßnahmen
Wie viele Bäume wurden im letzten Jahr auf Pflegemaßnahmen (aufgrund der Kontrollintervalle) überprüft?
207.253 Bäume wurden im Jahr 2008 auf Pflegemaßnahmen überprüft.
4.11. Anzahl der Pflegemaßnahmen
Wie viele durchzuführende Pflegemaßnahmen ergeben sich aus einer durchgeführten Überprüfung der Stadtbäume?
Abb. 11: Anzahl der Pflegemaßnahmen nach einer Pflegekontrolle, 2009 Wie der Baumpflegegrundsatz „Was gesund ist, braucht nicht gepflegt zu werden“ FLORINETH (2009) 10 in der praktischen Anwendung zu deuten ist, werden vielleicht die folgenden Umfrageergebnisse zeigen.
10 FLORINETH F., KLOIDT F. und LEITNER, 2009/2010: Grundsätze der Baumpflege. Seite 139. In:
Vegetationstechnik. Studienblätter zur Vorlesung. Hrsg: Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau.
Universität für Bodenkultur. Wien.
Arbeit zitieren:
DI Christoph Klingan, 2010, Baumpflege in Österreich - Eine Zustandsanalyse seit der ÖNORM L 1122, München, GRIN Verlag GmbH
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