Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Akteurmodelle Modelle soziale Strukturdynamiken 6
2.1 Soziologische Akteurmodelle 7
2.1.1 Der normorientierte Homo Sociologicus 8
2.1.2 Der nutzenorientierte Homo Oeconomicus 10
2.1.3 „Emotional Man“ und Identitätsbehaupter 12
2.2 Modelle sozialer Strukturdynamiken 15
2.2.1 Akteure in Konstellationen wechselseitiger
Beobachtung 19
2.2.2 Akteure in Konstellationen wechselseitiger
Beein flussung 22
2.2.3 Akteure in Konstellationen wechselseitiger
Verhandlung 24
2.2.4 Die Zusammenfügung der Konstellationsar-
ten 26
3 Verein: Interessenorganisation mit Arbeitsorganisation 28
3.1 Strukturdynamiken innerhalb der Interessenorga-
nisation 30
3.2 Strukturdynamiken innerhalb der Arbeitsorganisa-
tion 32
3.3 Strukturdynamiken in Interessenorganisationen mit
Arbeitsorganisation 34
4 Zusammenfassende Betrachtung 36
Literaturverzeichnis 38
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1 Einleitung
Eine Vielzahl von sozialen Aufgaben werden in der BR Deutsch-land durch gemeinnützige Vereine wahrgenommen. So ist ein Großteil von sozialen Dienstleistungen und Unterstützungsangeboten in der Gesellschaft im Rahmen der freien Wohlfahrtpflege, auf einer freigemeinnützigen Grundlage und im Rahmen von Verbänden und Vereinen organisiert. Neben Bildungseinrichtungen werden etwa Kindergärten, Alten- und Pflegeheime und Einrichtungen der Behindertenhilfe unter dem Dach so genannter Trägervereine betrieben. Eine Besonderheit hierbei ist, dass Vereine im aufgezeigten Bereich Interessenorganisation sind, die zur Wahrnehmung ihrer satzungsgemäßen Aufgaben häufig auch eine Arbeitsorganisation unterhalten. Nicht selten finden sich in derartigen Konstellationen Situationen, an denen sich Mitglieder der Interessenorganisation und Mitarbeiter der Arbeitsorganisation in ihrem handelnden Zusammenwirken innerhalb von Spannungsfeldern gegenüberstehen - etwa wenn es um Fragen des vermeintlich „richtigen“ Unterstützungs- und Betreuungsangebotes für Angehörige bzw. von Klienten geht. Die vorliegende Arbeit möchte den Versuch unternehmen, die beschriebene Problemstellung aus einer soziologischen Perspektive heraus zu beleuchten. Hierzu sollen in einem ersten Teil verschiedene soziologische Akteurmodelle als Theorien der Handlungswahl in ihren Grundzügen vorgestellt werden, sowie Modelle sozialer Strukturdynamiken als Theorien der Handlungswirkungen den zu beschreibenden Schwerpunkt der Betrachtungen bilden. Auf der Grundlage empirischer Analysen wird die Arbeit die sozialen Strukturen, Dynamiken und Spannungsfelder innerhalb der Interessenorganisation einerseits und der Arbeitsorganisation
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1 Einleitung
andererseits, sowie zwischen beiden korporativen Akteuren und ihren Mitgliedern in einem zweiten Teil vertiefend beschreiben. In den Betrachtungen im Schlussteil wird noch einmal der Versuch unternommen, die beiden vorhergehenden Teile in einem klärenden Sinn zusammenfassend zu beschreiben. Weibliche und männliche Schreibweisen werden in der vorliegenden Arbeit unsystematisch verwendet, da eine allgemein geschlechtsneutrale Schreibweise nach Auffassung des Verfassers die Lesbarkeit des Textes eher nachteilig beeinflussen würde. Gemeint sind natürlich immer beide Geschlechter. 1
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Sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet.
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2 Akteurmodelle und Modelle
sozialer Strukturdynamiken
Die Soziologie - als Wissenschaft von der Sozialität - sieht sich mit der Bearbeitung von zwei Arten oft eng aufeinander bezogener Erklärungsprobleme konfrontiert. Einerseits sind durch sie Fragen nach den Handlungswahlen von Akteuren zu beantworten, also Fragen danach, warum Akteure in einer spezifischen Situation gerade so und nicht anders handeln. Andererseits sind dies Fragen nach den Handlungswirkungen, also Fragen danach, welche Wirkungen ein bestimmtes Handeln im Zusammenwirken mit dem Handeln von anderen Akteuren hat. Unter Handeln wird hierbei sinnhaft motiviertes Verhalten verstanden, welches in seinem Sinn auf andere Akteure bezogen oder gerichtet ist und welches sich zwischen mehreren Akteuren gestaltet. Vollzieht sich derartiges Verhalten zwischen mindestens zwei Akteuren, so entsteht eine soziale Beziehung, welche sich als normativ geordnete Intersubjektivität verfestigen kann. Für die Erklärung einiger spezifischer Probleme kann es notwendig sein, dass beide Fragerichtungen - die nach den Handlungswahlen und die nach den Handlungswirkungen - beantwortet werden, so wie dies Gegen-stand der vorliegenden Arbeit ist. Um die Komplexität des hier betrachteten Feldes und die ihm innewohnenden Dynamiken beschreiben zu können, scheint es methodisch angebracht, auf einer Mikroebene zunächst die Handlungswahlen und -wirkungen der einzelnen handelnden Individuen zu betrachten. Im Zentrum stehen hierbei die Mitglieder des Vereins als Interessenorganisation sowie die Mitarbeiter der vereinseigenen Arbeitsorganisation. Erklärungsansätze von deren
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2 Akteurmodelle & Modelle soziale Strukturdynamiken Handlungswahlen rücken beispielsweise Fragen in den Fokus, wie etwa nach dem Grund, warum sich Akteure in einer Interessenorganisation zusammenfinden oder sich dem Verein als Mitglieder der Arbeitsorganisation anschließen. Erklärungen der Handlungswirkungen, welche die Dynamiken innerhalb der beiden Organi-sationsformen fassen, fokussieren Fragen wie etwa danach, welche Spannungen zwischen den Akteuren entstehen und bestehen können. Auf einer Makroebene rücken dann schließlich die einzelnen Dynamiken und Spannungen innerhalb der sowie zwischen den jeweiligen Organisationsformen in den Mittelpunkt der Betrachtungen.
Abschließend zu diesen einleitenden Ausführungen noch der Verweis, dass die hier vorliegenden Überlegungen zu einzelnen soziologischen Akteurmodellen und zu den Modellen sozialer Strukturdynamiken im Wesentlichen auf die Ausführungen von Schimank (1998 und 1999) zurückgreifen.
2.1 Soziologische Akteurmodelle
Soziologische Akteurmodelle versuchen zu beschreiben, wie handelnde Individuen aus den verschiedenen ihnen sich darbietenden Handlungsoptionen auswählen und diese Handlungen auch ausführen, wobei hier das Spektrum der verschiedenen Handlungsmöglichkeiten strukturell bereits bestimmt ist. Im Kern handelt es sich hier um vier verschiedene Modelle: das des Homo Sociologicus, das des Homo Oeconomicus, das des „emotional man“ sowie um das Modell des Identitätsbehaupters. Die einzelnen Ansätze verknüpfen dabei teils sehr unterschiedliche Elemente sozialer Strukturen mit in verschiedenen Situationen gegebenen Umständen - etwa ob jemand auf der Grundlage normativer Vorgaben oder aus einem emotionalen Impuls heraus handelt - um eine Erklärungskraft zu gewinnen. So ist etwa das normorientierte Handeln des Homo Sociologius durch andere soziale Strukturen und situative Umstände gekennzeichnet, als das der jeweils
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2 Akteurmodelle & Modelle soziale Strukturdynamiken anderen Modelle. Entsprechend ihren unterschiedlichen theoretischen Anwendungsmöglichkeiten und den verschiedenen zu beschreibenden Handlungsantrieben von Akteuren ermöglichen die Ansätze eine Erklärung von Handeln zwischen den Polen von „Sollen“ und „Wollen“ sowie entlang einer Ebene selektiver „Entscheidungen“ zwischen verschiedenen Handlungsalternativen einerseits und dem routinemäßigen Abarbeiten von festgeschriebenen Handlungsalgorhythmen andererseits.
2.1.1 Der normorientierte Homo Sociologicus
Das Modell des Homo Sociologicus ist im Wesentlichen durch einen normativen Ansatz gekennzeichnet. Dieses normative Paradigma lässt sich bereits auf Durckheim zurückführen, welcher soziale Erscheinungen als Dinge der Außenwelt betrachtete, die durch einen Willensausschluss der Handelnden nicht veränderlich sind. Nach Durckheims Auffassung bestehen soziale Erscheinungen als „Gußformen“, in welche die Akteure ihre Handlungen gießen müssen (vgl. 1855: 125f.). Durch die Außenwelt werden an die Akteure Erwartungen herangetragen, welche diese innerhalb eines bestimmten Spektrums normativer Vorgaben zu erfüllen haben. Der Akteur kann im Modell des Homo Sociologicus keine Entscheidungen, die am eigenen Wollen ausgerichtet sind, treffen. Im Anschluss an Durckheim führte u.a. Parsons (1937) mit seinem Konzept des „unit act“ das normative Paradigma im Rahmen der strukturfunktionalistischen Theorie fort. Nach Parsons bestehen die Bedingungen der Möglichkeit des sozialen Handelns darin, dass - neben einem Akteur und dessen Intention einer Zielverfolgung - eine Situation besteht, welche diesem einerseits Einschränkungen auferlegt, andererseits aber auch bestimmte Ressourcen zur Verfügung stellt. Ferner ist der „unit act“ dadurch gekennzeichnet, dass der Akteur versucht, sein Handeln den Mustern anzupassen, die von ihm und den anderen Mitgliedern der-
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2 Akteurmodelle & Modelle soziale Strukturdynamiken selben Bezugsgruppe als wünschenswert erachtet werden. 1 Die Unterwerfung unter das Wünschenswerte, unter die Erwartungen anderer Bezugspersonen, lässt den Homo Sociologicus als einen sollensgeprägten Akteur erscheinen, dessen eigene Willensfreiheit - auf theoretischer Ebene - weitestgehend ausgeblendet ist. Sein Handeln ist einerseits durch Erwartungen an ihn selbst geprägt, andererseits jedoch auch durch seine Erwartungen an andere gekennzeichnet. So führen etwa - auf das hier betrachtete Feld bezogen - Vereinsmitglieder ihren jährlichen Mitgliedsbeitrag an die Interessenorganisation ab, weil dies konform zur Norm der bestehenden Bezugsgruppe ist. Die Beitragsentrichtung ist in der Vereinssatzung normativ geregelt. Diese Handlung wird von den Mitgliedern erwartet. Derartige Erwartungen sind Bestandteile sozialer Rollen, die - folgt man Dahrendorf - an das Verhalten aller Träger von sozialen Positionen geknüpft sind (vgl. 1958: 144). 2
Das Handeln des Homo Sociologicus stellt sich in zwei Varianten dar. Erstens im Modell des „role taking“, welches norm-konformes Handeln als komplikationslose Übernahme von Erwartungen - beispielsweise in Form einer pünktlichen Entrichtung anstehender Mitgliedsbeiträge im Verein - annimmt. Als zweite Variante ist das Modell des „role making“ zu nennen, in welchem der Akteur gefordert ist, verschiedene Arten von komplikationsbehafteten Situationen im Rollenhandeln kreativ zu bewältigen. Derartige Situationen treten - folgt man dem strukturfunktionalsitischen Rollenmodell - auf, wenn sich ein Akteur in einem Intra-Rollenkonflikt befindet und an ihn gestellte Erwartungen nicht problemlos übernehmen will bzw. kann. Um hier ein Beispiel aufzuzeigen: Das Vereinsmitglied, welches vor kurzen arbeitslos wurde und das seinen Mitgliedsbeitrag mangels verfügbaren Geldes nicht entrichten kann, gerät in einen derartigen Rollenkonflikt, denn es kann die Rolle des „zahlenden“ Mitgliedes nicht
1 Vgl. Parsons (1937: 76)
2 Zu Dahrendorfs Verständnis von sozialen Prozessen vgl. 1958: 141
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Arbeit zitieren:
Marcel Gräf, 2009, Der Verein als Interessenorganisation und Arbeitgeber, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
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