Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
Funktionalismus 5
Herausbildung der „Münchener Schule“ 7
Daseinsgrundfunktion (DGF) 8
Gegenstand der „Münchener Schule“ 10
Kritik am „Münchener“ sozialgeographischen Ansatz 11
Schlussfolgerung 12
Literaturverzeichnis 14
3
Einleitung
Als „Münchener Schule“ der Sozialgeographie wird eine Schule innerhalb der Sozialgeographie bezeichnet, die ihren Ursprung am heutigen Seminar für Sozialwissenschaftliche Geographie der Universität München hat. Sie hat die Geographie als sozialwissenschaftliche Disziplin mitgeprägt und somit die Etablierung der Sozialgeographie innerhalb der Humangeographie maßgeblich beeinflusst. Es war vor allem Wolfgang Hartke, der von 1952 bis 1975 als ordentlicher Professor am Geographischen Institut der Technischen Universität München arbeitete und der „Anfang der [19]60er Jahre am nahezu tabuisierten Selbstverständnis seiner Disziplin gerüttelt und der deutschen Geographie Perspektiven aufgezeigt, die sie aus dem Elfenbeinturm einer antiquierten Landschaftsforschung und universitärer Länder-kunde auf das weite Feld gesellschaftsrelevanter Forschungen geführt hat“ 1 . Seine Schüler Maier, Paesler, Ruppert und Schaffner entwickelten seine und Hans Bobek’s sozialgeographische Konzeptionen weiter zum „Münchener“ sozialgeographischen Ansatz, mit dem Hauptaugenmerk auf die Daseinsgrundfunktionen sozialer Gruppen gerichtet. Es gibt unzählige Ansätze zur Sozialgegraphie - der Lehre von räumlichen Organisationsformen und raumbildenden Prozessen menschlicher Gruppen und Gesellschaften - doch prägend für die Disziplin der Sozialgeographie war der, wie schon erwähnte, theoretische Ansatz, der seit Ende der 60er Jahre vor allem von den damals in München lehrenden Geographen (Ruppert, Maier, Schaffner) entwickelt wurde und einen methodisch eigenständigen Weg beschreitet. Der „Münchener“ sozialgeographische Ansatz ist grade deshalb für die Entwicklungslinien der Sozialgeographie so wichtig und bedeutend, „weil er in der Geographie und insbesondere der Schulgeographie der 70er Jahre eine hohe Resonanz gefunden hat und daher auch disziplin-geschichtlich von Interesse ist“ 2 .
Die hier angefertigte Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und Entwicklung des Funktionalismus und der Herausbildung der „Münchener Schule“ mit ihrem sozialgeographischen Ansatz und deren Forschungsgegenstand. Abschließend werden hier die Unzulänglichkeiten der „Münchener“ Sozialgeographie erörtert und das zusammengefasste Fazit bildet den Schlusspunkt dieser Arbeit.
1 Festschrift für das Geographische Institut 1998, S. 5.
http://www.ssg.geo.uni-muenchen.de/institut/geschichte/jub98.pdf
2 Borsdorf, A.: Geographisch denken, 1999, S. 77.
4
Funktionalismus
Die „Charta von Athen“ (1942) ist das Manifest des modernen Städtebaus, das von dem Architekturtheoretiker und Urbanisten Le Corbusier zwischen 1928 und 1938 verfasst und 1942 publiziert wurde. Das Ziel dieser Charta besteht darin, die mittelalterlich geprägten Städte beim Umbau ihrer Stadtstrukturen den modernen Anforderungen und Bedürfnissen anzupassen und gerecht zu werden. Die Abstimmung der Städte auf die modernen Lebensweisen sollte einen neuen urbanen Lebenskontext schaffen.
Daraus entstand in den 60er und 70er Jahren die Idee einer autogerechten Stadt und die 98 Paragraphen der „Charta von Athen“ enthalten eine konzeptionelle Anleitung für den Bau der „funktionellen Stadt“, die alle Lebensbereiche gleichmäßig berücksichtigt. Somit stellt sie gleichzeitig den Grundstein der funktionellen Stadtplanung dar. Eine der am häufigsten zitierten Textstellen der Charta von Athen ist folgende: „Die Zoneneinteilung wird Ordnung in das Gebiet der Stadt bringen, indem sie die Schlüsselfunktion berücksichtigt: wohnen, arbeiten, sich erholen. Der Verkehr, die vierte Funktion, darf nur ein Ziel haben: die drei anderen nutzbringend in Verbindung zu bringen. Große Umwälzungen sind unvermeidlich. Die Stadt und ihr Gebiet müssen mit einem Verkehrsnetz versorgt werden, das - den Nutzungen und den Zwecken exakt angeglichen - die moderne Technik des Verkehrs begründen wird. Man muss die Verkehrsmittel klassifizieren und unterscheiden und für jede Art eine Fahrbahn schaffen, die der Natur der benutzten Fahrzeuge entspricht. Der so geregelte Verkehr wird zu einer geordneten Funktion, die der Struktur der Wohnung oder derjenigen der Arbeitsstätten keinerlei Gewalt antut.“ 3
Die „funktionelle Stadt“ kann als organischer Aufbau betrachtet werden und das Verkehrsnetz der Stadt bildet die Versorgungsadern, die benötigt werden um alle Bereiche miteinander verbinden zu können. Das Manifest des modernen Städtebaus begünstigt eine funktionale Betrachtungsweise oder auch bedürfniszentrierte Weltsicht. Parallel dazu entstand auch in der Geographie eine Denkrichtung, die gegenwärtig als „funktionale Phase“ bezeichnet wird. Diese Betrachtungsweise hatte ihren Ursprung in der Biologie und Physiologie und wurde erst danach auf die sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung übertragen. So wie der Geodeterminismus die traditionelle Geographie dominierte „steht auch der Funktionalismus in der Tradition des Anspruchs, die Sozial- und Kulturwissenschaften - dem Ideal der Einheitswissenschaft entsprechend - nach naturwissenschaftlichem Vorbild zu entwickeln“ 4 .
3 Charta von Athen, 1942, § 81, in: Werlen, B.: Sozialgeographie, 2004, S. 167.
4 Werlen, B.: Sozialgeographie, 2004, S. 168.
5
Arbeit zitieren:
Martin Krüger, 2009, Entstehung und Entwicklung der „Münchener Schule“ der Sozialgeographie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Sprachstörungen - Lernschwierigkeiten - Verhaltensauffälligkeiten
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Seminararbeit, 36 Seiten
Stadtstrukturen in Kanada und den USA im Vergleich
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
Hausarbeit (Hauptseminar), 39 Seiten
Das Flughafenumfeld als Standort für Unternehmen - Beispiel Paris und ...
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Martin Krüger hat einen neuen Text hochgeladen
Entstehung und Entwicklung des Reichswirtschaftsministeriums 1880 - 19...
Ein Beitrag zur Verwaltungsges...
Walther Hubatsch
Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache
Einführung in die Lehre vom De...
Ludwik Fleck, Lothar Schäfer, Thomas Schnelle
Entstehen und Entwicklung des Rechtsschutzes vor den Gerichten der Eur...
am Beispiel der Nichtigkeitskl...
Eva Drewes
Die Entstehung und Entwicklung des Kurkollegs
Von den Anfängen bis zum frühe...
Alexander Begert
Die Entstehung und Entwicklung der Europäischen Nachbarschaftspolitik
Akteure und Koalitionen
Katrin Böttger
Die Entstehung und Entwicklung der Altenpflegeausbildung: Historische ...
Cornelia Kühn, Mechthilde Heumer
Jahrbuch Strategisches Kompetenz-Management 03. Der kompetenzbasierte ...
Heike Proff, Christoph Burmann, Jörg Freiling
0 Kommentare