Abstract/Kurzfassung
Diese vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse der Methodik und des kommunikativen Outputs der logopädischen Gruppentherapie bei neurologischen Sprachstörungen. Da diese Therapieform im europäischen Raum nicht weit verbreitet ist, wurde für die empirischen Forschung eine Therapiegruppe in Johannesburg, Südafrika herangezogen.
Dazu werden vorab die Grundlagen im Bereich der Gruppenforschung und die Forschungsergebnisse im Bereich der logopädischen Gruppentherapie bei neurologischen Sprachstörungen behandelt, die zum besseren Verständnis und zur Erläuterung des em- pirischen Teils beitragen sollen.
Vorwort
der „Stroke aid group“ im Recreation Center Norwood, Johannesburg Ich bewundere Euren Mut und Eure Ausdauer. Ihr seid ein Vorbild für alle Betroffenen, Mut zu fassen, um vom Opfer zum Überlebenden zu werden. Es war mir eine Freude, Euch kennen zu lernen. Vielen Dank für Eure Hilfsbereitschaft und Kooperation zur
of the „Stroke aid group“ at the Recreation Center Norwood , Johannesburg. I admire your courage and your endurance. You act as a role model for all other people concerned, teaching them to take courage and to no longer see themselves as victims but to become SURVIVORS.
It was a great pleasure for me to get to know you. Thank you very much for your helpfulness and your cooperation , which were a precious contribution to this research pa-
wohlwollenden und geduldigen Vertrauten in Johannesburg bedanken, Heila Jordaan, MSc.
As well, I want to thank from all my heart, my supervisor, my host, my tourist guide, my driver and my benevolent and patient confidante in Johannesburg, Heila Jordaan, MSc.
Besonderer Dank gilt auch meiner hilfsbereiten fachlichen Betreuerin in Johannesburg, von der ich wertvolles therapeutisches Handwerkszeug in Bezug auf die Gruppenthera-
Special Thanks as well to my helpful supervisor in Johannesbrug, of whom I could learn precious therapeutic tools concerning grouptherapy for my work in Austria, Dr. Jenny Watermeyer, PhD
Besonderer Dank gilt auch meiner verlässlichen und hilfsbereiten fachlichen
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Forschungsfrage und Hypothesen 3
3 Erörterung des bisherigen Forschungsstandes 4
3.1 Die Gruppe 4
3.1.1 Die Kleingruppe (Primärgruppe) 4
3.1.2 Gruppendynamik 5
3.1.3 Kommunikation und Gruppendynamik 5
3.1.4 Lernen in der Gruppe 7
3.1.5 Psychosozialer Einfluss einer Gruppe 8
3.1.6 Evaluierung von Gruppen 8
3.2 Gruppentherapie bei neurologischer Sprachstörung 9
3.2.1 WHO Richtlinien 9
3.2.2 Ziele der Gruppentherapie 10
3.2.3 Methoden 12
3.2.4 Strukturmerkmale 12
3.2.5 Der psychosoziale Aspekt 13
3.2.6 Abgrenzung von psychotherapeutischen Gruppen sowie von Selbsthilfegruppen 15
3.2.7 Einzeltherapie vs. Gruppentherapie 15
3.2.8 Schwierigkeiten der Evaluierbarkeit 17
3.2.9 Zusammensetzung der Gruppe 18
4 Darlegen der gewählten Methodik 20
4.1 Struktur und Setting 20
4.2 Durchführung 20
4.3 Material 21
4.3.1 Video 21
4.3.2 Code of ethics 21
4.4 Die Gruppe 21
4.4.1 Die Teilnehmer - Einheit am 2.März 2010 21
4.4.2 Die Teilnehmer - Einheit am 16. März 2010 23
4.4.3 Die Teilnehmer - Einheit am 23 März 2010 24
4.5 Interview mit Jenny Watermeyer, PhD 25
5 Ergebnisse der empirischen Studie 26
5.1 Einheit am 2. März 2010 26
5.1.1 1.Übung: 26
5.1.2 Methodisches Verhalten der Therapeutin (Th.): 26
5.1.3 Kommunikation und Lernen in der Gruppe: 28
5.1.4 2.Übung: 28
5.1.5 Methodisches Verhalten der Therapeutin (Th.): 29
5.1.6 Kommunikation und Lernen in der Gruppe: 30
5.2 Einheit am 16. März 2010 30
5.2.1 1.Übung: 30
5.2.2 Methodisches Verhalten der Therapeutin 2 (Th. 2): 31
5.2.3 Kommunikation und Lernen in der Gruppe: 32
5.2.4 2.Übung: 33
5.2.5 Methodisches Verhalten der Therapeutin (Th.): 33
5.2.6 Kommunikation und Lernen in der Gruppe: 33
5.3 Einheit am 23. März 2010 34
5.3.1 Übung: 34
5.3.2 Methodisches Verhalten der Therapeutin (Th.): 34
5.3.3 Kommunikation und Lernen in der Gruppe: 36
5.4 Zusammenfassung des Interviews mit Jenny Watermeyer, PhD 37
6 Interpretation und Schlussfolgerungen 39
7 Literaturliste 41
8 Anhang 45
8.1 Consent form 45
8.2 Interview mit Jenny Watermeyer, PhD am 23 März 2010 47
1 Einleitung
Eine neurologisch bedingte Sprachstörung bedeutet für die betroffenen PatientInnen meist eine massive Einschränkung der linguistischen Fähigkeiten und der verbalen (z.T. auch nonverbalen) Kommunikation. Diese mangelnde Kommunikationsfähigkeit führt in weiterer Folge zu vermehrter sozialer Beeinträchtigung bis hin zu sozialem Rückzug. Die Betroffenen leiden dadurch häufig unter mangelndem Selbstwertgefühl und zum Teil auch unter Depressionen.
In der logopädischen Therapie von neurologischen Sprachstörungen finden sich vier Schwerpunkte (vgl. Simon-Schadner, 2009, S.3):
1. Symptomorientiertes Vorgehen (z.B. gezielte Therapie von phonematischen Paraphasien 1 …)
2. Alltagsorientiertes Vorgehen (z.B. Einkaufen, Telefonieren…) 3. Kommunikationsorientiertes Vorgehen (z.B. Erlernen von kommunikativen Bewältigungsstrategien…)
4. Psychosoziale Unterstützung (z.B. Hilfestellung beim Umgang mit der Sprachstörung…)
„Sprachtherapeutische Gruppen werden hierzulande eher als Zusatzangebot konzipiert. In Nordamerika hingegen stehen Gruppentherapien schon länger in der Aufmerksamkeit von sowohl Wissenschaftlern als auch praktisch tätigen Sprachtherapeuten.“ Masoud fasst in Bezugnahme auf (Elman, 1999; Fawcus, 1992a; Kearns & Elman, 1994, Marshall, 1999a, Pachalska, 1991; sowie Sonderheft Aphasiology 1991:5) zusammen, dass im anglophonen Sprachraum sprachtherapeutische Gruppen vermehrt Thema der wissenschaftlichen Literatur sind.
Auch im europäischen Raum wird die logopädische Gruppentherapie voraussichtlich Einzug halten. Dies vermutet die Autorin um einen aufgrund der Forderungen der ICF
1 Phonematische Paraphasien: „Das gebrauchte Wort ähnelt klanglich dem gesuchten“ (Franke, 2008,
S.162).
1
(Kap. 3.2.1) und zum anderen letztendlich aufgrund der Kosteneinsparungen bei der Finanzierung von Rehabilitationstherapien. SprachtherapeutInnen sehen sich bereits heute im Spannungsfeld immer knapper werdender Ressourcen und zugleich steigender PatientInnenzahlen (vgl. Masoud, 2007).
Die Gruppentherapie ermöglicht den TherapeutInnen, mehrere PatientInnen zu betreuen. Dies ist kostengünstiger und sorgt für eine effizientere Nutzung von einzelnen TherapeutInnen (vgl. Ross & Deverell, 2004, S.272).
Aufgrund der raren deutschsprachigen wissenschaftlichen Forschung in Bezug auf die logopädische Gruppentherapie bei neurologischen Sprachstörungen möchte die Autorin durch ihre Bachelorarbeit die Literatur mit einem empirisch erhobenen praktischen Beispiel bereichern.
Im weiteren Sinne soll dies TherapeutInnen im nicht anglophonen Raum die Möglichkeit bieten, diese Methode theoretisch kennen zu lernen und einen Anreiz geben, die Methode gegebenenfalls durchzuführen.
Im theoretischen Teil dieser Arbeit wird der bisherige Forschungsstand zum Thema „Die Gruppe“ und „Gruppentherapie bei neurologischen Sprachstörungen“ erörtert. In Kapitel 4 und 5 werden die Methodik und die Resultate der empirischen Studie erläutert. Die Arbeit schließt mit der Interpretation und der Schlussfolgerung der Ergebnisse ab.
Im Rahmen der empirischen Beobachtungen wurde am 23. März 2010 ein Interview mit Jenny Watermeyer, PhD zum Thema „Gruppentherapie bei neurologischer Sprachstörung“ durchgeführt. Dieses Interview wurde von der Autorin ins Deutsche übersetzt. Eine Zusammenfassung dieses Gesprächs findet sich im Kapitel 5. 4. und das gesamte Interview im Anhang.
2
2 Forschungsfrage und Hypothesen
Im anglophonen Raum gehört die Gruppentherapie in der logopädischen Behandlung zum therapeutischen Alltag. Im nicht anglophonen Raum hingegen wird die Gruppentherapie aufgrund mangelnder Evaluierbarkeit prinzipiell weniger angewandt. Aus diesem Grund finden sich in der deutschsprachigen Literatur kaum praktische Therapiebeispiele.
In dieser Arbeit sollen die Methodik und die kommunikativen Effekte der logopädischen Gruppentherapie bei neurologischen Sprachstörungen anhand eines praktischen Beispiels untersucht werden.
Da die Gruppentherapie - trotz schwieriger Evaluierbarkeit - im anglophonen Sprachraum regelmäßig angewandt wird, geht die Autorin davon aus, positive Entwicklungen der kommunikativen Verhaltensweisen unter den Betroffenen beobachten zu können. Ziel der Autorin ist es, die logopädische Gruppentherapie bei neurologischen Sprachstörungen kennen zu lernen und sie dadurch auch für KollegInnen zugänglich zu machen. Meine Forschungsfrage lautet folglich:
Welche Methodik wird bei einer logopädischen Gruppentherapie bei neurologischen Sprachstörungen angewandt und welche kommunikativen Verhaltensweisen können durch die Gruppensituation bei den neurologischen PatientInnen beobachtet werden?
3
3 Erörterung des bisherigen Forschungsstandes
3.1 Die Gruppe
„Im Licht der menschlichen Gruppenbezogenheit können wir sagen, dass der Mensch
3.1.1 Die Kleingruppe (Primärgruppe)
Die folgende Beschreibung der Kleingruppe („Primärgruppe“), ihre Einteilung und Charakteristika sind dem Sammelbandbeitrag von Šubik entnommen (1974, S.21-23). Unter dem Begriff Primärgruppe versteht man eine menschliche Gemeinschaft, die durch ihre überschaubare Größe, durch persönliche Verbindungen und durch Zusammenarbeit gekennzeichnet ist. Durch ein gemeinsames Ganzes, eine gemeinsame Aufgabe und Zielsetzung kommt es in ihr zu einer wechselseitigen Identifizierung, d.h. zu einem so genannten „Wir-Gefühl“. Im Gegensatz dazu stehen die Sekundärgruppen, in denen nur indirekte Beziehungen bestehen und ein vages Bewusstsein der Zusammengehörigkeit institutionell oder sachlich vermittelt wird. Das Hauptaugenmerk der Kleingruppenforschung gilt also der Primärgruppe, die nach ihrem Entstehen klassifiziert werden kann: „Natürliche Primärgruppen“ - Familie, Nachbarn, Dorfgemeinschaften… „Künstliche Primärgruppen“ - Laboratoriums- oder Trainingsgruppen… „Kontinuierliche oder beständige Primärgruppen“ - Vereine, Schulklassen, Banden… „Unbeständige Primärgruppen“ - Diskussionsrunden, Komitees… Innerhalb jeder dieser Primärgruppen wurden folgende sieben gemeinsame Merkmale beobachtet:
4
1. Interaktionen: verbaler und nonverbaler Kontakt ohne Einschaltung von Mittelspersonen; Reaktion auf Sprache, Werturteile und soziale Regeln jedes Individuums; Voraussehen und Begreifen von Verhaltensweisen 2. Entstehung von Normen: Resultat der Interaktionen; Verhaltensregeln; sie ändern sich je nach Ausgangslage, Situation und Struktur der Gruppe; wenn sie sich verfestigen, sind sie schwer wieder aufzuheben
3. Gemeinsame Gruppenziele: Erleichterung des Zusammenhalts; z.B.: Problemlösung, Ausführen einer Aufgabe
4. Gemeinsame Emotionen: führen zu gemeinsamen Handlungs- und Reaktionsweisen
5. Informelle affektive Struktur: Auf- und Verteilung von Sympathien und Antipathien, welche die innere Gruppenhierarchie beeinflusst; Entstehen von Untergruppen
6. Das kollektive Unbewusste: gemeinsame Geschichte der Gruppe durch Bewältigung und Nichtbewältigung von Problemen in der Gruppe; unbewusste psychische Beeinflussung des Verhaltens innerhalb der Gruppe 7. Errichtung eines inneren Gleichgewichts und eines stabilen Bezugssystems zur Umwelt: zur Sicherung der Kontinuität; Überwindung von Konflikten durch Schaffung eines neuen Gleichgewichts
3.1.2 Gruppendynamik
Gruppendynamik ist die „Lehre von der Gesetzlichkeit vorbewusster u. unbewusster Prozesse in Gruppen, unabhängig von Intelligenzgrad u. weitgehend unabhängig von Sozialschicht“ (Franke, 2008, S.93). Sie dient der theoretischen und praktischen Erforschung von Kleingruppen, die eine der grundlegenden Strukturen des zwischenmenschlichen Kontakts und der Kommunikation darstellen (vgl. Šubik 1974, S.9).
3.1.3 Kommunikation und Gruppendynamik
Der Inhalt dieses Kapitels bezieht sich auf den Sammelbandbeitrag von Prof. Heintel (1974, S.138, S.141-142).
Die Bedeutung der zwischenmenschlichen Kommunikation kann wie folgt zusammengefasst werden:
5
Arbeit zitieren:
Julia Gerger, 2010, Logopädische Gruppentherapie bei neurologischen Sprachstörungen, München, GRIN Verlag GmbH
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