„Das Persönliche ist Politisch“
Dieses Diktum begegnete mir in dem Text „Das disharmonische Dreiecksverhältnis: Marxismus, Feminismus und Rassismus“ von Gloria I. Joseph. Es gehe darum, „die Gesellschaft zu zwingen, die persönlich-subjektive Seite der politischen Ideologien und „ismen“ anzuerkennen. Das, indem [...] die konkreten Auswirkungen beleuchtet [werden], die in der psychologischen und gesellschaftlichen Dimension persönlicher Erfahrung gespürt werden [...]“ (Joseph 1993, S. 76). Im Folgenden möchte ich meine eigene Involviertheit als Weiße 1 bei der Reproduktion von Rassismus beleuchten. Ich unterziehe eine von mir verfasste Hausarbeit innerhalb des Studiengangs Afrikawissenschaften, deren Abgabedatum der 08.12.2005 war, einer sprachlichen Analyse hinsichtlich rassistischer Inhalte. Folgende Frage stellt sich mir: Was haben rassistische Inhalte in meiner Hausarbeit aus dem Jahre 2005 mit dem Thema „Traditionen politischer Sprache vor 1933“ 2 zu tun?
„Traditionen politischer Sprache“ meint Entsprechungen, in diesem Fall zum Sprachgebrauch der Nationalsozialisten. „Vor 1933“ weist darauf hin, dass jene Diskurse untersucht werden, derer sich die Nationalsozialisten bedienten. Ich untersuche hingegen, welche Kontinuitäten es im Sprachgebrauch nach 1945 gibt. Ein Grundgedanke der nationalsozialistischen Ideologie ist der Antisemitismus, welcher daher auch charakteristisches Merkmal im nationalsozialistischen Sprachgebrauch ist. Ich denke, es gibt strukturell viele Gemeinsamkeiten zwischen Rassismus und Antisemitismus. Gudrun Hentges verweist auf die Rolle von Rassismus bei der Entstehung des Antisemitismus. Der Übergang vom Antijudaismus zum Antisemitismus verlief parallel zum Säkularisierungsprozess in Westeuropa: „[S]o entwickelte sich seit Ende des 18. Jahrhunderts und verstärkt ab den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts die Tendenz nicht etwa der jüdischen Religion, sondern der jüdischen ‚Rasse‘ den Kampf anzusagen“ (Hentges 1999, S. 155). Die Rassifizierung der Juden war nur möglich, da es das Konzept von menschlichen Rassen und deren Hierarchisierung schon gab. Auch nach 1945 leben wir in einer rassistisch strukturierten Gesellschaft und Rassismus ist in meinem
1 Weißsein ist für mich keine biologische Kategorie sondern mein kultureller und sozialer Status. Bei der Kursivschreibung beziehe ich mich auf die konzeptionellen Überlegungen der Herausgeberinnen des Bandes Mythen, Masken und Subjekte. Sie entschieden sich für eine Kursivsetzung, „um den Konstruktcharakter markieren zu können und diese Kategorie ganz bewusst von der Bedeutungsebene des Schwarzen Widerstandspotenzials [...] abzugrenzen“ (Eggers u.a. 2005, S.13).
2 So der Untertitel des Seminars in dessen Rahmen ich diesen Text verfasse.
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Sprachgebrauch verankert. Ich möchte Rassismus mit den Worten bell hooks‘ definieren, die sagt: „Racism is white supremacy“.Ich habe drei zu analysierende Zitate aus der Hausarbeit mit dem Titel „Magischer Realismus in Mia Coutos Under the Frangipani“ ausgewählt.
Zitat 1:
„Die hybride Identität der Mosambikaner und die kulturelle und ethnische Vielfalt Mosambiks repräsentieren auch die Charaktere in Coutos Kurzgeschichten. So sind seine Protagonisten mal Goaner, mal Muslime, Chinesen, Schwarzafrikaner, Afrikaner gemischter Herkunft, aber auch oft die von der Gesellschaft Benachteiligten, wie Waisen, Witwen und Greise. Alle jene Menschen tragen ihren Teil zur mosambikanischen Identität bei.“ (Ditz 2005, S.18)
In diesem Zitat rede ich verallgemeinernd über die MosambikanerInnen und unterstelle ihnen eine „hybride Identität“. Bedeutet das nicht einfach, dass sich die nationale Identität aus vielen Identitäten zusammensetzt? Da jede Person von sich behaupten kann, mehrere soziale Identitäten zu haben, denke ich, dass eine Aussage, „Personen mit gleicher Staatsbürgerschaft seien dennoch unterschiedlich“, überflüssig ist, da selbstverständlich. Meine hier zu Grunde liegende Annahme ist, „kulturelle und (ethnische) Vielfalt“ sei etwas spezifisch mosambikanisches. In Deutschland beispielsweise gehe ich von einer homogenen Identität aus. Letztere Annahme ist meiner Meinung nach ein Erbe des Nationalsozialismus, wo „das Reichs- und Staatsangehörigkeitsrecht konsequent an dem Prinzip des ius sanguinis ausgerichtet [war]“ (Walgenbach 2005, S.385). Ich ignoriere die jahrhundertelangen Einwanderungen nach Deutschland und die kulturelle und religiöse Vielfalt der deutschen Gegenwart, indem ich jenes für Mosambik als besonderes Charakteristikum hervorhebe. Nicola Lauré Al-Samarai formuliert das, in Bezug auf die afrikanische Diaspora in Deutschland, wie ich finde sehr treffend, so gebe es in Deutschland eine „fortdauernde angestrengte Entinnerung und Unsichtbarmachung einer Schwarzen deutschen Anwesenheit und Geschichtlichkeit“ (Al-Samarai 2005, S. 118). Der Begriff Ethnie begegnete mir erstmalig als Studentin der Afrikawissenschaften. Wir wurden von unseren DozentInnen darauf hingewiesen, dass der Begriff „Stamm“ nicht politisch korrekt sei, weil er historisch in einem rassistischen Kontext verwendet wurde. Als Afrikawissenschaftler sollten wir von nun
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Arbeit zitieren:
Susanne Ditz, 2008, "Das persönliche ist politisch", München, GRIN Verlag GmbH
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