Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 4
2. Theaterpädagogik - eine Begriffsklärung. 6
2.1 Zur Theater-Pädagogik. 6
2.2 Die Vielfalt theaterpädagogischer Konzepte. 8
2.2.1 Theaterpädagogik mit politischer Intention:
Theater der Unterdrückten - Augusto Boal. 9
2.2.2 Theaterpädagogik mit selbstreflexiver Intention:
Jeux Dramatiques - Ausdrucksspiel aus dem Erleben - Heidi Frei 11
2.2.3 Theaterpädagogik mit pädagogischer Intention:
Szenisches Spiel - Ingo Scheller 13
2.2.4 Theaterpädagogik mit ästhetisch-bildender Intention:
Improvisation - Keith Johnstone. 15
3. Zu den Intentionen von Theaterarbeit. 18
3.1 Persönlichkeitsbildende und -entfaltende Elemente. 18
3.2 Spektrum der Erfahrungsweisen im Theaterspiel 23
3.2.1 Theaterspielen ist Gemeinschaft. 23
3.2.2 Die Belebung der Phantasie. 25
3.2.3 Wahrnehmen und Beobachten. 26
3.2.4 Entspannung und Konzentration. 27
3.2.5 Mitgefühl und Einfühlungsvermögen. 28
3.2.6 Sprechen. 29
3.2.7 Bewegung. 30
3.2.8 Improvisation. 31
3.3 Theaterarbeit in sozialen Feldern 32
4. Forschung zur Nachhaltigkeit von Theaterarbeit. 36
4.1 Zum Bedarf und den Problemen der Wirkungsforschung. 36
4.2 Zum aktuellen Stand 40
4.3 Resümee 42
5. Primärstudie. 44
5.1 Zielsetzung der Untersuchung 44
5.2 Auswahl der Gruppe. 44
2
5.3 Methodik 46
5.4 Relevanz der Theaterarbeit für Menschen mit Behinderungen -
Theorie -Praxis-Transfer. 49
6. Ausblick. 55
Literaturverzeichnis. 57
3
1. Einleitung
"Was gibt Theater zu lernen?" 1 Lernen bedeutet im Alltagsverständnis, dass der der etwas gelernt hat, auf seinem Gebiet souverän geworden ist, Unsicherheiten überwunden hat und nun eine Kompetenz, eine Materie beherrscht. 2
Theaterpädagogik, erhebt den Anspruch Kompetenzen im sozialen und kommunikativen Bereich zu vermitteln, die im formalen Bildungssystem schwer anzueignen sind. 3 Sie hat den Anspruch mit den Mitteln des Theaterspielens in den Lebensalltag der Darstellenden zu intervenieren 4 und soziale und individuelle Aspekte bei diesen zu stärken und zu fördern. 5 Dieser Anspruch bezieht nicht allein die Auswirkungen im aktuellen Kontext, also während der eigentlichen Theaterarbeit mit ein, sondern soll sich auch in den Alltag der Spielenden hineintragen bzw. sich auch dort etablieren. Inwiefern ist diese Intention einlösbar?
Mein Erkenntnisinteresse in der vorliegenden Arbeit ist die Frage nach den nachhaltigen Wirkungen von theaterpädagogischer Arbeit. Bei der Betrachtung der aktuellen Debatte um Wirkungen theaterpädagogischen Spiels fällt auf, dass sie stark auf bildungswirksame Aspekte fokussiert ist. In dieser Arbeit werde ich mich jedoch nicht in diese Diskussion einreihen, sondern vielmehr versuchen, die Bereiche hervorzuheben, die die
1 Rumpf, Horst: Lernen und Theater. In: Koch, Gerd; Streisand, Marianne (Hrsg.): Wörterbuch der Theaterpädagogik. 2003, 186 2 Vgl. Ebd.
3 Vgl. Roth, Sieglinde: Theaterarbeit in sozialen Feldern. In: Koch, Gerd; Streisand, Marianne (Hrsg.): Wörterbuch der Theaterpädagogik. 2003, 319
4 Vgl. Roth, Sieglinde: Theaterarbeit in sozialen Feldern. In: Theaterarbeit in sozialen Feldern. Theatre work in social Fields. 2004, 21 5 Vgl. Bidlo, Tanja: Theaterpädagogik. Einführung. 2006, 15
4
gesamte Lebenspraxis einschließen, nicht allein Kompetenzen die eine formale Bildung ersetzen. In dieser Ausarbeitung werde ich die Intentionen von Theaterarbeit und die Hypothesen über die positiven Wirkungen darstellen.
Für die Beantwortung meiner Forschungsfrage stelle ich zunächst die Theaterarbeit bzw. die Theaterpädagogik anhand vier ausgewählter beispielhafter Konzepte, die auch die Vielfalt theaterpädagogischen Wirkens verdeutlichen sollen, vor. Anschließend gehe ich auf die
Intentionen von Theaterarbeit ein und zeige das Spektrum der Erfahrungsweisen im Theaterspiel auf. Das darauf folgende Kapitel beschäftigt sich mit der Wirkungsforschung, mit ihren Problemen und mit aktuellen Studien. Eine eigene Studie, die ich mit einer integrativen Theatergruppe mit Menschen mit Behinderungen erstellt habe, schließt sich daran an.
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2. Theaterpädagogik - eine Begriffsklärung
2.1 Zur Theater-Pädagogik
Was ist Theaterpädagogik eigentlich? Ist sie eher Theater und Schauspielkunst, oder geht es um eine Art von Pädagogik? Trifft ersteres zu, handelt es sich um Schauspielunterricht, wenn zweites zuftrifft um eine erzieherische Förderung mittels theatraler Formen. 6
Im Gegensatz zum klassischen Schauspiel, steht in der Disziplin Theaterpädagogik nicht die Aufführung vor Publikum im Fokus, vielmehr geht es hier um den Spielenden. Theaterpädagogik ist die Arbeit mit Laien, im Vordergrund steht das Spielen mit und für einzelne soziale Gruppen, vor allem für Randgruppen:
"Kinder, Schüler und Lehrlinge, alte Menschen, Gastarbeiter, Arbeitslose, Behinderte, Gefangene. Ziel des gemeinsamen Spielens ist die Aufhebung der Behinderungen und Schranken, die sie als einzelne und als Gruppe erfahren und das Hinführen zur Gemeinschaft aller. Das Spielen soll im Lebensumfeld einen gesellschaftlichen Integrationsprozess in Gang setzen." 7
Wobei das Ziel jeglichen Theaterspielens also "in der sinnlichanschaulichen Hervorbringung materieller und/oder ideeller Produkte" 8 besteht, umfasst der Begriff Theater-Pädagogik neben diesem
6 Vgl. Bidlo, Tanja: Theaterpädagogik. Einführung. 2006, 13
7 Rellstab, Felix: Handbuch Theaterspielen. 4. Band, 2000, 31 8 Hoppe, Hans: Theater und Pädagogik. Grundlagen, Kriterien, Modelle pädagogischer Theaterarbeit. 2003, 14
6
künstlerisch-ästhetischen, noch einen weiteren Aspekt, den
pädagogischen, die personenbezogene Erziehung und das Lernen durch Theater, das heißt die Entwicklung und Ausbildung individueller. sozialer und politischer Handlungs-, Verhaltens-, Urteils-, Gestaltungsfähigkeiten und Bereitschaften. 9
Es lassen sich also zwei Seiten einer Münze beschreiben, da ist zunächst die Kunst der Darstellung mit ihrem ästhetischen Resultat, desweiteren aber noch der Darsteller selbst, der Mensch mit seinen inneren Werten, Empfindungen und Einstellungen, auf dessen Lebensbedingungen Schwierigkeiten und Möglichkeiten Rücksicht genommen werden muss. 10 Theater als reine Kunstform folgt meist allein künstlerischen Ambitionen, wohingegen in der Theaterpädagogik neben diesen, verstärkt der Mensch im Mittelpunkt des Interesses steht.
Theaterpädagogen sind also vor die Aufgabe gestellt, die Balance zwischen ästhetischen und pädagogischen Aspekten zu halten, gerade auch um zu verhindern, dass die künstlerische Arbeit nicht durch eine pädagogische Zweckgebundenheit unter seinen Möglichkeiten bleibt. Vordergründig sollten zunächst die sozialen Prozesse sein, die betrachten, was im und durch das Spiel mit den Akteuren passiert, erst dann folgt die Ausrichtung auf das ästhetische Produkt der Aufführung. 11 Trotzdessen ist im Bereich theatraler Praxis Zurückhaltung gefordert, vorschnelle pädagogische Zielsetzungen sind zu vermeiden. Der Freiraum des Spiels darf nicht durch den starren Versuch gezielt pädagogisch zu intervenieren, eingeengt oder zerstört werden. 12 Eine solche nicht-instrumentelle, zurückhaltend pädagogische Richtung beschreibt V. TURNER als 'liminoides' Theater, das eine Erweiterung der Persönlichkeit und eine Selbstbespiegelung der Darstellenden nicht aufdringlich zum Thema macht, sondern im Spiel verschiedene Alternativen gestattet und den Aspekt der freien schöpferischen Arbeit hervorhebt, die wirksam und
9 Vgl. Hoppe, Hans: Theater und Pädagogik. Grundlagen, Kriterien, Modelle pädagogischer Theaterarbeit. 2003, 9
10 Vgl. Bidlo, Tanja: Theaterpädagogik. Einführung. 2006, 32
11 Vgl. Ebd. 40
12 Vgl. Weintz, Jürgen: Theaterpädagogik und Schauspielkunst. Ästhetische und psychosoziale Erfahrung durch Rollenarbeit. 2. unveränd. Auflage 1999, 437
7
zugleich unterhaltsam ist. Nicht das bloße Lernen, sondern die Individualität und Freiwilligkeit der Spielenden steht im Vordergrund. 13
Theaterpädagogik umfasst also, um an die Eingangsfrage anzuschließen, über das Theater hinaus noch andere Formen darstellerischer Aktivität, die nicht mehr oder noch nicht als 'Theater' zu bezeichnen sind. "Zu denken wäre dabei [...] an die verschiedenen Formen darstellerischer Betätigung,
• die nicht publikumszentriert, sondern ausschließlich teilnehmerbezogen sind,
• die als solche nicht primär form-, gestaltungs und produktorientiert sind, sondern
• die vorrangig inhalts-, prozess-, erfahrungs- und erlebnisbezogen sind
• die häufig rein spielerisch ausgerichtet sind oder
• die zugleich und manchmal ausschließlich (etwa in pädagogischer [...] Absicht) auch zielgerichtet als Mittel und Methoden der Selbst-und Wirklichkeitserkenntnis, -erprobung und -veränderung genutzt werden." 14
2.2 Die Vielfalt theaterpädagogischer Konzepte
Im nun folgenden Teil soll die Vielfalt theaterpädagogischer Arbeit deutlich gemacht und aufgezeigt werden, auf welch breitem Feld, aber auch in welchen Schnittmengen von sowohl künstlerischen wie auch pädagogischen Ansprüchen, Motivationen und Zielen sich die Arbeit in der Praxis vollzieht. Es werden Theorien und Ansätze einiger interessanter theaterpädagogischer Konzeptionen skizziert. Die Darstellung erfolgt exemplarisch anhand von vier Theorien die sich derzeit besonderer Beliebtheit erfreuen, obwohl es sicher noch andere interessante Arbeiten
14 Hoppe, Hans: Theater und Pädagogik. Grundlagen, Kriterien, Modelle pädagogischer Theaterarbeit. 2003, 15-16
8
gibt, die der Darlegung wert sind.
Die hier vorgestellten Theaterpädagogen arbeiten mit verschiedenen Intentionen, Arbeitsschwerpunkten, Methoden und dementsprechend anderen Zielgruppen. Die dargestellten Positionen und Arbeitsweisen reichen von einer politischen Arbeit über therapeutische oder pädagogische Arbeit bis hin zu ästhetischer Bildung oder der theaterpädagogischen Arbeit als Handwerkszeug zu gutem Theaterspiel.
2.2.1 Theaterpädagogik mit politischer Intention:
Theater der Unterdrückten - Augusto Boal
AUGUSTO BOAL wurde 1931 in Rio de Janeiro, Brasilien geboren. Er entwickelte angesichts des Elends dort, ein Volkstheater-Konzept, das über die sozialen und politischen Ungleichheiten und die daraus resultierende Unterdrückung aufklären sollte. Doch über diese Bewusstmachung hinaus hatte er das Ziel den Menschen gemeinschaftliche Handlungsmöglichkeiten zur Abschaffung dieser Missstände entwickeln zu helfen. Es wurden kollektiv Stücke geschrieben und geprobt, im "Teatro de Arena de Sao Paulo", dessen Leiter er seit 1956 war. Diese Stücke richteten sich an die von einer Oberschicht ausgebeuteten Menschen: "an Arbeiter, Menschen in Dörfern und Slums, an Menschen die weder lesen noch schreiben konnten" 15 . Die Stücke waren so konzipiert, dass das Publikum aus seiner passiven Rolle zu einer aktiven Teilnahme am Geschehen motiviert wurde und somit den Schauspielern Anregungen gab, die diese dann konkret und augenblicklich in das Stück integrierten. Im Theater der Unterdrückten gibt es keine Zuschauer im Sinne von "spectare = sehen". Zuschauen bedeutet hier eingreifen, selbst zur Handlung bereit sein. Das Publikum wird zur Intervention aufgefordert. Die auf der Bühne gezeigte Handlung ist eine Möglichkeit "und die eingreifenden Zuschauer sind aufgefordert,
15 Bidlo, Tanja: Theaterpädagogik. Einführung. 2006, 75
9
neue Alternativen zu erfinden" 16 , die keinen Ersatz für reales Handeln darstellen, dennoch aber Probehandlungen sind, "die dem Handeln in der Realität vorausgehen" 17 . So besteht durch das Theater, nach BOAL, eben die Möglichkeit der Selbstbeobachtung, in der der Mensch entdeckt, was er ist und was er hätte werden können, wohin er hätte gehen können. "Theater - oder Theatralik - ist die menschliche Fähigkeit, sich selbst im Handeln zu betrachten." 18 Das Theater der Unterdrückten beinhaltet Körperübungen, spezielle Improvisationen, ästhetisches Spielen und Bildertechniken, die zum Ziel haben, dem Menschen ein Werkzeug an die Hand zu geben, um Verständnis und Lösungen für soziale und persönliche Probleme zu entwickeln. 19
1971 suchte BOAL das Exil in Argentinien, aufgrund des Militärputsches in Brasilien und einer dreimonatigen Haft, später dann ging er nach Europa. Auch hier entwickelte er seine Methoden stets weiter. Doch er fand in Europa nicht mehr wie in Südamerika so offene und sichtbare Unterdrückungsmechanismen vor, sondern entdeckte vielmehr
verstecktere, subtilere Formen der Unterdrückung, die mit anderen Mitteln zu bearbeiten und offenzulegen sind. So handelte er nunmehr nicht allein aus politischen Beweggründen, sondern entwickelte seine Methoden hin zu einer auch präventiv-therapeutischen Arbeit, die den Menschen mit sich selbst konfrontiert und Lernprozesse initialisiert. 20 Gemeinsam ist seinen Ansätzen, dass er sich immer den Unterdrückten widmet. Waren es in Brasilien eher offensichtliche und brutale Formen, so erkennt er in Europa viel verstecktere, scheinbar unsichtbare Mechanismen von Unterdrückung, die sich besonders durch "innere Selbstbeschränkung" 21 äußern. Ihm fielen z.B. die Unfähigkeit mit anderen zu kommunizieren oder die Angst vor der Leere auf, Formen seelischer Unterdrückung, gegen die er arbeiten wollte. 22 Boal unterscheidet hier zwischen einer äußerlichen Moralität, die von er äußeren Welt (Gesetz,
16 Boal, Augusto: Der Regenbogen der Wünsche. Methoden aus Theater und Therapie. 1999, 72
17 Ebd. 72
18 Ebd. 25
19 Vgl. Ebd.
20 Vgl. Bidlo, Tanja: Theaterpädagogik. Einführung. 2006, 74-75
21 Ebd. 83
22 Vgl. Ebd.
10
Polizei, Familie, Universitäten, Kirchen usw.) bestimmt wird, und einer inneren Moralität, die von den Gewohnheiten bestimmt wird. Beide Kräfte schränken uns mit einer Fülle von Verboten und Verpflichtungen ein. BOAL hat sich zur Aufgabe gemacht, den handlungslosen zum handlungsbestimmenden Menschen, zum Protagonisten seines eigenen Lebens werden zu lassen. Er macht deutlich, dass jeder Mensch Künstler sein kann, "dass sich der Künstler im Menschen aber durch Unterdrückung von Familie, Schule und Arbeit, also von gesellschaftlichen Institutionen, häufig nicht ausleben darf und der Mensch so zum Zuschauer gemacht wird" 23 . Erklärtes Ziel des Theaters der Unterdrückten ist nicht Ruhe und Ausgeglichenheit, sondern ein Ungleichgewicht, eine Dynamisierung. Diese und die Handlung die daraus resultiert, zerstört nach BOAL alle Blockaden, die ein ähnliches Handeln im Alltag verhindern. BOAL fasst dies unter dem Begriff der Katharsis zusammen, der Reinigung und Läuterung von den angesprochenen schädlichen Blockaden. 24
2.2.2 Theaterpädagogik mit selbstreflexiver Intention:
Jeux Dramatiques - Ausdrucksspiel aus dem Erleben - Heidi Frei
Das Ausdrucksspiel aus dem Erleben, auch als 'Jeux Dramatiques' bekannt, ist eine Spielmethode, in der durch Bewegung und Körpersprache inneres Erleben spielerisch ausgedrückt wird. Es geht vor allem um eine subjektive Ausrichtung, um Selbsterfahrung durch eine neue Körper- und Sinneswahrnehmung und dessen expressive Äußerung durch das Theaterspielen. Entwickelt wurde das Konzept von FREI für vielfältige Zielgruppen, besonders widmete sie sich jedoch der Theaterarbeit mit Kindern. 25
Die Jeux Dramatiques nimmt zunächst an, dass durch Bewegung und
23 Ebd. 82
24 Vgl. Boal, Augusto: Der Regenbogen der Wünsche. Methoden aus Theater und Therapie. 1999, 72
25 Vgl. Czerny, Gabriele: Theaterpädagogik. Ein Ausbildungskonzept im Horizont personaler, ästhetischer und sozialer Dimension. 2004, 41
11
Körpersprache inneres Erleben durch Spiel nach außen tritt und wahrnehmbar wird, das Erleben des Augenblicks steht im Vordergrund. Der Grundgedanke ist , dass etwas nur dann zur Erfahrung werden kann, wenn dieser ein intensives Erleben vorausgeht. 26 "Der Spielende soll die Möglichkeiten der Rolle für sich nutzen, soll eigene Gefühle entdecken, mit diesen agieren und sich selbst ausdrücken" 27 , sich also näher kennenlernen, eigene versteckte Vorstellungen und Ängste erkennen und diese im Spiel ausleben können. "Durch theatrale Ausdruckskraft werden Selbstwahrnehmung, Kreativität und Einfühlungsvermögen sowie soziale und emotionale Kompetenz der Persönlichkeit gefördert und gestärkt." 28 Dabei kommt das Ausdrucksspiel aus dem Erleben völlig ohne Publikum aus, ist also allein für das Individuum entworfen, und bietet somit einen Erfahrungsraum indem Menschen ohne Leistungsdruck neue Erfahrungen durch die besondere Eigenwahrnehmung gewinnen. 29
"Es geht nicht um Reproduzierbarkeit oder Klarheit im Ausdruck, sondern darum die momentane augenblickliche Situation möglichst intensiv zu erleben und sich spontan auszudrücken. In dieser tiefen Selbstbegegnung können auch Lernprozesse stattfinden, die dann abstrahiert und begrifflich erfasst werden." 30
Im Spiel aus dem Ausdruck sollen nicht Figuren möglichst warhaftig und glaubwürdig dargestellt werden, sondern das Erleben "hat die Qualität eines unmittelbaren Sich-Einlassen-Könnens auf im Moment sich ereignende Vorstellungen und Gefühle" 31 , einer Verwandlung, um sich seiner eigenen Vorstellungen und Gefühle im Spiel zu vergegenwärtigen. 32 Dabei berücksichtigt FREI in ihrer Arbeit die Zielvorstellungen, Beweggründe und Bedürfnisse der Spielenden und gesteht ihnen auch zu ihre Rolle in einer angst- und wertfreien Atmosphäre, frei auszuwählen
27 Bidlo, Tanja: Theaterpädagogik. Einführung. 2006, 88
28 http://www.jeuxdramatiques.at/spiel.htm, aufgerufen am 02.06.2008
29 Vgl. Bidlo, Tanja: Theaterpädagogik. Einführung. 2006, 87-92
30 Czerny, Gabriele: Theaterpädagogik. Ein Ausbildungskonzept im Horizont personaler, ästhetischer und sozialer Dimension. 2004, 43
31 Ebd. 42
32 Vgl. Ebd.
12
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Thorsten Regelmann, 2009, Theaterarbeit als nachhaltiges Medium der Lebenspraxis, München, GRIN Verlag GmbH
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