Inhaltsverzeichnis:
1.) AUSGANGSPUNKTE DER THEORIE. 3
2.) ZUM ETIKETTIERUNGSANSATZ (LABELING APPROACH) 3
3.) ZUR ALTERSABHÄNGIGEN THEORIE INFORMELLER SOZIALER KONTROLLE 4
4.) KONTINUITÄT VON ABWEICHENDEM VERHALTEN. 6
4.1.) KUMULATIVE BENACHTEILIGUNGEN 6
5.) EMPIRISCHE ERGEBNISSE DER REANALYSE DER GLÜCKDATEN (CRIME IN THE MAKING) 7
6.) STABILITÄT UND VERÄNDERUNG DES KRIMINELLEN VERHALTENS IM LEBENSVERLAUF 8
7.) SOZIOSTRUKTURELLE RAHMENBEDINGUNGEN UND RATIONAL CHOICE 9
8.) ZUSAMMENFASSUNG UND BESONDERHEITEN DER AGE.GRADED THEORY OF INFORMAL
SOCIAL CONTROL. 10
9.) LITERATURVERZEICHNIS 12
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1.) Ausgangspunkte der Theorie
Entgegen der zunehmenden Tendenz, Verbrechen und Verbrechergruppen zu untergliedern und zu spezifizieren, was mit der Annahme einhergeht, dass diese bestehenden unterschiedlichen und sich voneinander unterscheidenden Verbrechergruppen durch unterschiedliche Kausalmechanismen entstehen und somit durch unterschiedliche Theorien erklärt werden müssen (siehe die Unterteilung in life-course persistent und adolescense-limitet offenders); ist es die Intention von Sampson und Laub, eine Theorie zu entwickeln, die zu dieser Entwicklung in Opposition steht und eine größere Generalität zum Ziel hat, also Kriminalität in all ihren Facetten über alle Stadien des Lebensverlaufs hinweg zu erklären im Stande sein soll. (vgl. Sampson/ Laub In: Farrington (Hrsg.) (2008): S. 166)
Viele Langzeitstudien (z.B. Glücks) stellen statische Theorien dar, die Änderungen im kriminellen Lebensverlauf der Personen ausklammern, was die langzeitliche Beobachtung von Personen eigentlich überflüssig macht. Sampson und Laub beziehen sich auf das Konzept einer “developmental criminology“, welche gleichermaßen Stabilität und Veränderung von Kriminalität behandelt. Sie erklären Stabilität in kriminellen Verhalten nicht wie andere TheoretikerInnen (z.B. Stress-, Kontroll- und Subkul-turtheoretikerInnen) von einer statischen Perspektive, sondern als Resultat eines Prozesses von kumulativen Benachteiligungen. Diese Sichtweise verbindet den Etikettierungsansatz mit der Theorie der altersabhängigen sozialen Kontrolle. (vgl. Sampson/ Laub In: Thornberry (Hrsg.) (2004): S. 135)
2.) Zum Etikettierungsansatz (labeling approach)
Der Etikettierungsansatz betont die Konsequenzen auf das Selbstbild und das Verhalten einer Person, die die Etikettierung einer Person als “abweichend“ mit sich bringt. Auf ein abweichendes Verhalten, die primäre Devianz, folgen die für die Person isolierenden Reaktionen der Gesellschaft, was zur Herausbildung und Identifikation mit einer abweichenden Rolle und einer abweichenden Identität, der sekundären Devianz, führt. Die Person wird durch die Stigmatisierung als abweichend von normalen Lebensroutinen ausgeschlossen und die Selbstdefinition der Person durch Statusabschwächung enorm geschwächt, was dazu führt, dass auf der Suche nach Identität die kriminelle Etikettierung akzeptiert wird. Durch die Etikettierung als kriminell werden also Menschen kriminell gemacht, insbesondere das Kriminaljustizsys-
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tem fungiert als sozial exkludierender und statusdegradierender Akteur und in diesem Sinne sieht die Labelingtheorie die Wirkung von staatlichen Sanktionen als kriminalitätsfestigend, weil etikettierungsfortschreibend, an. (vgl. Sampson/ Laub In: Thornberry (Hrsg.) (2004): S. 139) Sampson und Laub stimmen darin mit der klassischen Labe-lingtheorie überein, dass insbesondere staatliche Etikettierung negative Konsequenzen für die Jobchancen und das Selbstwertgefühl haben und betonen auch die Wichtigkeit der dialektischen Prozesse von Etikettierung und den darauf folgenden individuellen Reaktionen, weisen aber darauf hin, dass in der klassischen Etikettierungs-theorie durch den Fokus auf die deviante Identität sozialstrukturelle Bedingungen un-terbehandelt sind. (vgl. Sampson/ Laub In: Thornberry (Hrsg.) (2004): S. 141) Sampsons und Laubs Theorie folgend bedingt Kriminalität kausal die zukünftige Wahrscheinlichkeit weiterer Begehung krimineller Handlungen, da delinquentes Verhalten eine dämpfende Wirkung auf die, die Person mit der Gesellschaft verknüpfenden Bande hat. Zum Beispiel kann Delinquenz Schulversagen, Inhaftierung und wiederum schwache Bande zum Arbeitsmarkt bedingen, was zum Anstieg der Wahrscheinlichkeit späterer Erwachsenenkriminalität führt. (vgl. Sampson/ Laub In: Farrington (Hrsg.) (2008): S. 169) Schwere Sanktionen führen zum Abschneiden (Moffit: knifing off) von Zukunftschancen und so haben stigmatisierte Straftäter geringere Chancen auf ein konventionelles Leben.
3.) Zur altersabhängigen Theorie informeller sozialer Kontrolle
Sampson und Laub greifen die zentrale Idee der Kontrolltheorie, dass Kriminalität wahrscheinlicher ist, wenn die Bindung einer Person an die Gesellschaft und ihre Institutionen und Regeln schwächer ist und eine Person über ein geringeres Repertoire an Routineaktivitäten und -handlungen verfügt, auf. Um jetzt Stabilität oder Veränderung im Lebensverlauf zu erklären können, kommen Sampson und Laub zu dem Schluss, dass formelle und informelle soziale Kontrollen, deren Instanzen und deren Wichtigkeit sich im Lebensverlauf verändern, eine große Rolle spielen. (vgl. Sampson/ Laub In: Thornberry (Hrsg.) (2004): S. 142) Sampson und Laub reanalysierten die Daten von Glück’s „Unraveling Juvenile Delinquency“-Studie. In dieser Langzeitstudie, welche die Befragten von der Kindheit bis in ihre 40er begleitete, gibt es zwei Stichprobengruppen. Eine Gruppe setzt sich aus 500 delinquenten Jungen, die andere aus
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Arbeit zitieren:
Katharina Bergmaier, 2008, Die altersabhängige Theorie informeller sozialer Kontrolle, München, GRIN Verlag GmbH
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