1. Einleitung:
In der Politikwissenschaft gibt es verschiedene Theorieansätze, die versuchen Politik in ihrem Ablauf und Entstehen zu erklären. Wir haben uns auf zwei dieser Theoretiker beschränkt; einmal David Easton mit seinem systemtheoretischen Ansatz und zum Anderen, Talcott Parsons mit seiner funktionalistischen Rollen- und Sozialisationstheorie. David Easton versucht durch die Übernahme des kybernetischen Denkens und dem interdisziplinär entstandenen Denkschema der Systemanalyse, die Stabilitätsbedingungen von Makro-Gebilden zu ermitteln. Talcott Parsons Probleme sind die Charakterisierung und Erhaltung des Systems, insbesondere des Sozialen Systems. Beide Theoretiker haben die Absicht bzw. den Anspruch, eine generelle Theorie zu formulieren, die aussagen soll, wie Politik funktioniert und existiert. Dieses Ziel zeigen sie an Hand ihrer Systemtheorie auf: Die Geburtstunde der Systemtheorie liegt in den 30er Jahren. Man suchte nach einer allgemeinen Theorie der Systeme, in der die Ähnlichkeiten bestimmter realer physikalischer und chemischer Systeme herausgearbeitet wurden. In unserer Hausarbeit wollen wir die allgemeine Ordnung der Systeme untereinander aufzeigen. Diese Ordnung besteht aus unterschiedlichen Elementen, die zu einem zusammengesetzten Ganzen werden. Wobei das Ganze entweder von seiner Umwelt streng isoliert ist oder mit ihr in einer Austauschbeziehung steht. In diesem Zusammenhang werden wir uns mit der Wechselbeziehung zwischen Individuen, Gruppen und Organisationen zum Ganzen beschäftigen. Da es viele Arten von Systemen gibt, z.B. das Ökonomische, das Soziale, das Kulturelle oder das Politische; setzen wir unser Augenmerk, auch im Kontext unseres Seminars „politische Soziologie“, auf das soziale- und das politische System. Unsere zentrale Fragestellung dieser Arbeit widmet sich der Funktionalität dieser eben genannten Systeme, in Bezug auf die Systemtheorie von Talcott Parsons, sowie von David Easton.
2. Methodisches Vorgehen:
Diese Hausarbeit soll die Systemtheorie vom Allgemeinen zum Besonderen aufzeigen: Vorab stellen wir das politikwissenschaftliche Diagnoseinstrument, das MINK - Schema vor. Dieses Schema soll zum besseren Verständnis von Politik im Allgemeinen dienen. Nachdem wir die Grundannahmen der allgemeinen
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Systemtheorie und ihre wichtigsten Termini dargelegt haben, beschäftigen wir uns mit dem Funktionalismus, der in Verbindung mit Talcott Parsons zu erwähnen ist. Darauf folgend stellen wir eine kurze Biografie Talcott Parsons dar, bevor wir auf seine Systemtheorie näher eingehen werden, in der wir Bezug nehmen auf die handlungs-, soziale- und politische System.
Der zweite Theoretiker, den wir vorstellen werden ist David Easton. Bevor wir mit seiner Systemtheorie beginnen, werden wir uns kurz mit seinem Leben beschäftigen. Wir gehen insbesondere auf das politische System mit dem Input-Output-Schaubild und das Persistenzproblem ein.
Abschließend werden im Rahmen eines Resümees, auf einzelnen Kritikpunkte an den Theorien kurz eingehen. Da die Komplexität der gesamten Systemtheorie beider Theoretiker, den Umfang dieser Hausarbeit sprengen würde, gehen wir nur auf die wichtigsten Punkte ein.
3. Das MINK - Schema:
Das politikwissenschaftliche Diagnoseinstrument, genannt MINK - Schema, soll an dieser Stelle unserer Hausarbeit dazu dienen, die folgende Thematik unterstützend näher zu bringen: Das MINK - Schema wird verwendet, um die vier Dimensionen von Politik und ihre Wechselwirkungen bildlich darzustellen. Politik beinhaltet Prozesse, Inhalte und Strukturen. Die zentralen vier Dimensionen des MINK - Schema sind: Macht, Ideologie, Normen und Kommunikation. Allgemein kann man sagen, dass dieses Schema, als ein erstes Näherungsverfahren zur Betrachtung von politischen Sachverhalten dient (vgl. 1 ). Die Dimension Macht gibt die Chance den eigenen Willen (auch gegen Widerstreben) in einer sozialen Beziehung durchzusetzen. Diese Dimension steuert Kommunikationsprozesse innerhalb des Schemas und macht Ideologien verbindlich. Macht ist ebenfalls für die Durchsetzung von Normen zuständig (vgl. 2 ).
1 Dieckhoff, Ruben (2005): Topoi Kataloge. Das MINK- und AGIL-Schema. In: http://www.sai.uni-heidelberg.de/abt/SAPOL/lehress05/MINK-AGIL, 16.03.07
2 Kevenhörster, Paul (1997): Der Politische Prozeß. In: http://www.sai.uni- heidelberg.de /abt/SAPOL /lehress05/ Zusammenfassung%20Hendrik%20K%20Reusch%20Kevenhoerster.doc
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Die Dimension der Ideologie, gilt allgemein, als Weltbild der politischen Akteure. Diese prägt die Kommunikationsprozesse und legitimiert Macht. Außerdem ist sie zuständig um Normen zu begründen (vgl. 3).
Die dritte Kategorie ist die Dimension der Normen, die als Interpretationshilfe für die Beurteilung des Verhaltens Anderer gilt, d.h. Normen sind der spezifische Ausdruck von Werten. Hier werden die Kommunikationsprozesse reguliert und Normen bilden das Fundament der Zuteilung von Macht und ihrer Kontrolle. Ideologien werden durch Normen gefestigt oder verworfen (vgl. 4).Die letzte Dimension setzt sich aus der Kommunikation zusammen, die den Austausch von Informationen und Sinndeutungen enthält. Man kann sagen, dass dies der Prozess der Konstruktion politischer Wirklichkeit ist. In dieser Kategorie werden Perzeptionsstrukturen erschaffen und die Machtansprüche zugeteilt. Durch die Kommunikation werden die Normen Realität (vgl. 5).Abschließend lässt sich sagen, dass die Inhalte, die Prozesse und die Strukturen der politischen Wirklichkeit im Zentrum der vier Dimensionen (Macht, Ideologie, Normen, Kommunikation) stehen und diese Dimensionen stellen eine Interaktion zueinander dar, denn ohne diesen Austauschprozess könnte die Politik, als Ganzes nicht funktionieren (vgl. Anhang Abb.1).Man kann das System, Politik als geordnetes Ganzes, nur dann richtig verstehen, wenn man das wechselseitige, aufeinander folgende Handeln der Individuen, Gruppen und Organisationen mit einbezieht. Denn ein System kann nur dann nach der Systemtheorie existieren, wenn eben genanntes gewährleistet ist (vgl.6).
4. Allgemeine Systemtheorie:
Aus der Kritik der Biologie, an der Newtonschen Physik entstand in den 30er Jahren des 20. Jahrhundert die Systemtheorie: Zuvor dachte man in der Physik, dass es Naturgesetze gibt, die immer Gültigkeit besitzen, also zeitlos sind und die hinter jedem einzelnen Tatbestand zu erkennen sind. Doch die Biologie widersprach, indem
3 Kevenhörster, Paul (1997): Der Politische Prozeß. In: http://www.sai.uni- heidelberg.de /abt/SAPOL /lehress05/
Zusammenfassung%20Hendrik%20K%20Reusch%20Kevenhoerster.doc
4 2 Kevenhörster, Paul (1997): Der Politische Prozeß. In: http://www.sai.uni- heidelberg.de /abt/SAPOL /lehress05/
Zusammenfassung%20Hendrik%20K%20Reusch%20Kevenhoerster.doc
5 2 Kevenhörster, Paul (1997): Der Politische Prozeß. In: http://www.sai.uni- heidelberg.de /abt/SAPOL /lehress05/
Zusammenfassung%20Hendrik%20K%20Reusch%20Kevenhoerster.doc
6 Prof. Dr. Boldt, Hans. Prof.Dr. Prehl, Hede. Prof.Dr. Umbach, Dieter C. (1992/3.Aufl.): Schüler Duden. Politik und
Gesellschaft. Ein Lexikon zur Politischen Bildung. Mannheim/Leibzig/Wien/Zürich
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sie sagte, dass in „lebenden Gebilden, die Elemente in einer komplexen Wechselwirkung zueinander stehen, die man nicht mit den statischen Newtonschen Gesetzen erklären könne[n]“ 4 (Abels, 2000). Diese Erkenntnis, dass alle Elemente in einer Interaktion untereinander stehen und dass das Verhältnis aller Elemente, sowohl Ursache als auch Wirkung füreinander sind, beschreibt den Begriff des Systems (vgl. 7 ). In der Kybernetik, also der Wissenschaft, der zielgerichteten und selbstregulierten Systeme spielt der Systemgedanke eine zentrale Rolle (vgl. 8 ). Für die Systemtheorie sind folgende Merkmale fundamental: Die absichtliche und in einer bestimmten Weise geordnete Interaktion zwischen den Elementen ist immer auf ein ganz spezielles Ziel gerichtet. Unter Struktur versteht man die Ordnung der Beziehungen, wobei die Systeme immer darauf bedacht sind, ihre Struktur in einem Gleichgewicht zu halten (vgl. 9 ). Systemtheorien argumentieren nicht von bestimmten Ursachen her, sondern sie beweisen mittelbar. Der Grundgedanke war, dass es Systeme mit Subsysteme gibt, die sich evolutionär weiterentwickeln. Die Basis um eine allgemeine Systemtheorie aufstellen zu können, ist die dynamische Differenzierung in Umwelt und Systeme. In den Systemen selbst, gibt es wiederum Unterscheidungen in soziales- (die Gesellschaft), psychisches- (das Bewusstsein) und organisches System (die Biologie). Damit eine Kommunikation, innerhalb des Systems unter den Elementen stattfinden kann, braucht man so genannte Codes; in der Politik zum Beispiel, ist der Code Macht. Zum Funktionieren eines Systems braucht es Handlungsanweisungen, die Programme genannt werden; zum Beispiel ist das politische Entscheidungs-verfahren, das Programm der Politik (vgl 10 ). Eben aufgezählte Grundannahmen der Systemtheorie sollen in unserer Arbeit ausreichen, um die folgenden Gedanken der beiden Theoretiker, Talcott Parsons und David Easton zu verstehen.
7 Prewo, Rainer. Ritsert, Jürgen. Stracke, Elmar (1973): Systemtheoretische Ansätze in der Soziologie. Eine kritische Analys
8 5 Prewo, Rainer. Ritsert, Jürgen. Stracke, Elmar (1973): Systemtheoretische Ansätze in der Soziologie. Eine kritische Analyse.
Reinbek bei Hambu
9 Abels, Heinz (2000): Talcott Parsons. Wie ist soziale Ordnung möglich?
In: http://www.soc.pu.ru/materials/golovin/reader/abels/d_abels2(parsons).htm#b1 (14.03.07)
10 Weber, Christina: Gesellschaftstheorien 1. Systemtheorie.
In: http://luhmann.uni-trier.de/index.php?title= Gesellschaftstheorien_1:_Systemtheorie#Talcott_Parsons (14
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5. Funktionalismus:
Da die Thematik des Funktionalismus in einer engen Verbindung mit der Systemtheorie steht, möchten wir an dieser Stelle kurz darauf eingehen. Mit Hilfe von funktionalistischen oder systemtheoretischen Begriffen formuliert man „einerseits eine Reihe von Begriffen zur Erfassung von sozialen Zusammenhängen und andererseits bestimmte theoretische und empirische Aussagen über solche Zusammenhänge“ 11 (Reimann / Giesen Goetze / Schmid, 1975: S.146). Soziale Sachverhalte werden durch eine funktionalistische Analyse beschrieben. Auch im Funktionalismus ist das System in Elemente und Struktur gegliedert. Der Ausgangspunkt besteht aus einer Absicht, denn die Systemelemente haben innerhalb des Systems eine zweckmäßige Aufgabe zu erfüllen, die zu einem bestimmten Ziel führt. Zum Beispiel ist eine Gesellschaft, eine Art Organismus, indem die Einzelteile eine bestimmte und bestimmbare Funktion für die Erhaltung des Gesamtsystems haben, d.h. dass die sozialen Phänomene die soziale Funktion erklären. Unter der Interdependenz, also der Systemartigkeit einer Gesellschaft, versteht man, dass die Bestandteile, Mitglieder oder sozialen Sachverhalte miteinander auf einer bestimmten Weise verbunden sind. Die Funktionalität einer Gesellschaft besteht vor allem darin, zwei Probleme zu lösen. Das erste Problem, ist „das Problem der Ordnung“ 7 , das zweite „das Problem der Stabilität“ 7 (Reimann / Giesen Goetze / Schmid 1975: S.146). (vgl. 12 ).
Hier ist die strukturell-funktionale Systemtheorie Talcott Parsons, die stark von den funktionalistischen Grundzügen geprägt worden ist, zu erwähnen. Er suchte nach den strukturellen Voraussetzungen von Gesellschaft und welche funktionalen Leistungen ein System haben muss, sodass dieses System,mit seinen vorgegebenen Strukturen, weiter existent bleiben kann (vgl. 13 )
11 Reimann, H. Giesen, B. Goetze, D. Schmid, M. (1975): Basale Soziologie. Theoretische Modelle. München
12 Reimann, H. Giesen, B. Goetze, D. Schmid, M. (1975): Basale Soziologie. Theoretische Modelle. München
13 Deutsche Zentrale für Biologische Information (2005) In:
http://www.biologie.de/biowiki/Systemtheorie#Systemlehre_.28L._von_Bertalanffy.29 (16.03.07)
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Arbeit zitieren:
Sara Bottaccio, 2007, Analyse der Systemtheorie von Talcott Parsons und David Easton, München, GRIN Verlag GmbH
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