Kurzfassung
Mit der Aussage, die Rente sei sicher, beschwichtigte der ehemalige Bundesarbeitsminister Dr. Norbert Blüm im Wahlkampf 1986 die deutschen Wähler. Lange Zeit schenkte ein Großteil der Bevölkerung dieser Aussage Glauben und wähnte sich und das eigene Auskommen bei Renteneintritt in Sicherheit. Doch wie sicher ist das deutsche Rentensystem wirklich?
Damals wie heute gibt es immer deutlicher werdende Probleme des Umlageverfahrens. Mit dem Alterseinkünftegesetz und dem Rentenversicherungsnachhaltigkeitsgesetz wird das Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) zukünftiger Generationen deutlich sinken. 1
Vor allem Selbstständige haben sich intensiv mit der Thematik der privaten Alterssicherung zu beschäftigen, da ihnen ansonsten im Alter Armut und gravierende Versorgungsengpässe drohen, weil künftige politische Entwicklungen nicht absehbar sind. Der Staat hätte vor Jahrzehnten unbequeme Reformen einleiten müssen um die jetzt angespannte Ausgangslage zu entschärfen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich kritisch mit verschiedenen Produkten zur privaten Alterssicherung, deren Besonderheiten, sowie Chancen und Risiken, die für den Aufbau einer Altersvorsorge in Betracht kommen.
Neben den klassischen Vorsorgeprodukten, wie Lebensversicherungen und Riester-Verträgen, werden auch andere Produkte, die üblicherweise für den reinen Kapitalaufbau verwendet werden, auf ihre Eignung als Mittel zur privaten Alterssicherung hin, untersucht. Neben Immobilien und Spareinlagen werden vor allem verschiedene Wertpapierarten kontrovers bezüglich ihrer Vor- und Nachteile diskutiert.
Unter dem Eindruck der unkalkulierbar gewordenen Finanzmärkte widmet sich diese Arbeit auch dem Krisenindikator Gold.
Am Ende der Arbeit soll der Leser einen Überblick über die verschiedenen Vorsorgemöglichkeiten gewonnen haben. Auch soll er die Probleme der deutschen Rentenversicherung verstanden haben und über die Notwendigkeit des Aufbaus einer privaten Vorsorge informiert sein.
1 Vgl. Feuerabend, N. (2007): S. 1
II
Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung II
Inhaltsverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis. V
Abbildungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
2. Einflussfaktoren auf die Altersvorsorge. 2
2.1. Voraussetzungen zur privaten Altersvorsorge. 2
2.2. Bedeutung der Inflation für die Altersvorsorge. 3
2.3. Freigrenzen bei Altersvorsorgeverträgen 4
2.4. Auswirkung von Steuern auf die Altersvorsorge. 4
3. Das Rentensystem in Deutschland 5
3.1. Geschichte der gesetzlichen Rentenversicherung 5
3.2. Probleme des Generationenvertrages. 6
3.3. Das Drei-Schichten-Modell. 6
4. Betrachtung der Ersten Schicht. 7
4.1. Funktionsweise der gesetzlichen Rente in Deutschland 7
4.2. Untersuchung der Rürup-Rente 7
4.2.1. Betrachtung der steuerlichen Komponente 8
4.2.2. Besonderheiten der Basisrente 8
4.2.3. Rendite von Produkten der Basisrente. 9
5. Untersuchung der Zweiten Schicht. 9
5.1. Kurzer Überblick über die betriebliche Altersvorsorge. 9
5.2. Betrachtung der Riester-Rente 9
5.2.1. Definition des geförderten Personenkreises 10
5.2.2. Bedeutung von Zulagen bei der Riester-Rente 11
5.2.3. Betrachtung der steuerlichen Komponente. 11
5.2.4. Besonderheiten von Riester-Verträgen 11
5.3. Darstellung verschiedener Riester-Arten. 12
5.3.1. Untersuchung von Riester-Verträgen in Form von Banksparplänen. 12
5.3.2. Skizzierung von Riester-Verträgen in Form von Versicherungen 13
5.3.3. Darstellung von Riester-Verträgen in Form von Fondssparplänen. 13
5.3.4. Untersuchung von Riester-Verträgen in Form von Wohn-Riestern. 14
6. Betrachtung der dritten Schicht. 14
6.1. Merkmale von Lebensversicherungen 14
III
6.1.1. Steuerliche Behandlung von Lebensversicherungen 15
6.1.2. Gegenüberstellung von Rendite und Inflation 15
6.1.3. Emittentenrisiko und Wirkung von periodischen Schocks auf LVs 16
6.1.4. Verfügbarkeit und Kosten von LVs 16
6.2. Überblick über die verschiedenen Arten der kapitalbildenden LVs 17
6.2.1. Skizzierung von Kapitallebensversicherungen 17
6.2.2. Darstellung von Fondspolicen. 17
6.2.3. Private Rentenversicherung als Mittel der PRV 18
7. Darstellung sonstiger Vorsorgeprodukte 19
7.1. Sparkonten und Renten. 19
7.1.1. Banksparpläne als Mittel der Alterssicherung 19
7.1.2. Einsatz von Tagesgeld und Sparkonten 20
7.1.3. Kombination von Sparbüchern, Sparbriefen und anderen Sondersparformen. 20
7.2. Immobilien. 21
7.2.1. Kauf einer selbstgenutzten Immobilie 22
7.2.2. Erwerb einer vermieteten Immobilie. 23
7.3. Kauf von Gold für die private Altersvorsorge. 25
7.4. Einsatz von Wertpapieren 26
7.4.1. Einsatz von Aktien 26
7.4.2. Einsatz von Fonds 29
7.4.2.1. Einsatz von Fondssparplänen 29
7.4.2.2. Beurteilung von Aktienfonds. 30
7.4.2.3. Untersuchung offener Immobilienfonds 30
7.4.2.4. Betrachtung von Rentenfonds. 32
7.4.2.5. Beurteilung sonstiger Fonds 32
7.4.3. Einsatz festverzinslicher Anleihen 33
7.4.4. Beurteilung von inflationsindexierten Anleihen 34
8. Fazit und Ausblick 35
Anhang. 37
Literaturverzeichnis : 49
B ücher: 49
Publikationen : 50
Quellen aus dem Internet: 51
IV
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung Abs. Absatz BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bAV betriebliche Altersvorsorge BRD Bundesrepublik Deutschland DAX Deutscher Aktienindex DDR Deutsche Demokratische Republik DIA Deutsches Institut für Altersvorsorge EStG Einkommenssteuergesetz EU Europäische Union € Euro f. und folgende ff. und fortfolgende GRV gesetzliche Rentenversicherung Hrsg. Herausgeber i.V.m. in Verbindung mit KFW Kreditanstalt für Wiederaufbau KGV Kurs-Gewinn-Verhältnis LV Lebensversicherung LVs Lebensversicherungen PAV private Altersvorsorge PRV private Rentenversicherung qm Quadratmeter Mrd. Milliarden NEMAX Neuer Markt Index Nr. Nummer S. Seite (n) USA Vereinigte Staaten von Amerika USD US Dollar vgl. vergleiche VKB Versicherungskammer Bayern URL Uniform Resource Locator WKN Wertpapierkennnummer
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Geldmenge M3 in Mrd. Euro.
Abbildung 2: Inflation in Deutschland seit 1970
Abbildung 3: Übergang zur nachgelagerten Besteuerung bis zum Jahr 2040.
Abbildung 4: Verhältnis von über 65-Jährigen und der Gesamtbevölkerung
Abbildung 5: Differenz aus Geburten und Sterbefällen.
Abbildung 6: Verteilung der Riester-Verträge in Deutschland 2009.
Abbildung 7: Anteil zertifizierter Banksparpläne am Riester-Gesamtvolumen
Abbildung 8: Neuabschlüsse von Riester-Policen
Abbildung 9: Entwicklung der Abschlusszahlen von Wohn-Riestern
Abbildung 10: Garantieverzinsung von Lebensversicherungen seit 1994.
Abbildung 11: Gegenüberstellung von Renditen der LVs und Inflation.
Abbildung 12: Gegenüberstellung von Gewinn und Verlust.
VI
1. Einleitung
Seit Jahrzehnten sind die Probleme, die schwer auf unserer umlagefinanzierten Rentenversicherung lasten, bekannt. Bislang ist es jedoch keinem Politiker innerhalb seiner Legislaturperiode gelungen, tiefgreifende und problemlösende Reformen durchzuführen. Grundsätzlich sind Tendenzen bemerkbar, die den Willen nach solchen notwendigen Reformen in Frage stellen. So wurde kurz vor der letzten Wahl eilig ein Gesetz verabschiedet, das ein Absinken der Renten infolge des Einkommensrückgangs in der BRD verhinderte. Die aktuellen Probleme werden sich ohne Einwirken weiter verschärfen und so muss künftig, gerade für die jüngeren Generationen, mit drastischen Einschnitten in der staatlichen Altersvorsorge gerechnet werden. Bereits 20-jährige haben sich mit Produkten ihrer privaten Altersvorsorge (PAV) zu beschäftigen, deren Nutzen sie vermutlich erst in 47 Jahren ziehen werden. Viel mehr als dieser genannte Personenkreis müssen sich Selbstständige intensiv mit dieser Thematik ausei-nandersetzen.
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit ausgewählten Produkten zur PAV auseinander. Es werden Vor- und Nachteile diskutiert und auf wichtige Aspekte wie Inflation und Verwertungssicherheit wird eingegangen.
Beginnend mit der Einleitung ist die Arbeit in acht Kapitel gegliedert. Das darauf folgende Kapitel gibt einen Überblick über die Einflussfaktoren auf die Altersvor-sorge. Dabei werden zunächst Voraussetzungen diskutiert, die für einen nachhaltigen Aufbau einer PAV erfüllt sein müssen. Weiter wird die Bedeutung der Inflation und der Steuer für die Altersvorsorge beleuchtet und die Freigrenzen in Bezug auf das Schonvermögen werden dargestellt.
Das dritte Kapitel stellt das Rentensystem in der BRD dar. Zunächst wird dessen Geschichte beschrieben. Anschließend widmet sich die Arbeit den Problemen des Generationenvertrages wie z.B. der demographischen Entwicklung und gibt danach einen Überblick über das Drei-Schichten-Modell. Die folgenden Kapitel bauen in der Struktur auf diesem auf. Das vierte Kapitel beleuchtet die erste Schicht und stellt zunächst die Funktionsweise der GRV dar. Im Anschluss erläutert es die Basisrente, deren steuerliche Besonderheiten und weitere Eigenschaften.
In Kapitel fünf wird die zweite Schicht des Drei-Schichten-Modells untersucht und zunächst ein kurzer Überblick über die betriebliche Altersvorsorge (bAV) gegeben. Im Anschluss wird die Riesterrente untersucht und sowohl Vor- als auch Nachteile werden diskutiert. Neben den Grundeigenschaften beschreibt das Kapitel die verschiedenen Riesterarten und gibt Empfehlungen zu den einzelnen Riester-Varianten. Weiter wird dem Leser ein Eindruck über die Bedeutung dieser Vorsorgeform vermittelt.
1
Das sechste Kapitel behandelt die dritte Schicht und gibt zunächst einen intensiven Überblick über LVs, welche die mit Abstand beliebteste Vorsorgemethode in Deutschland darstellen. Neben der steuerlichen Besonderheit, die gerade nach Einführung der Abgeltungssteuer interessante Handlungsoptionen eröffnet, werden die Rendite und der Inflationsschutz ausführlich erläutert. Nachfolgend werden Kapitallebensversicherungen, Fondspolicen und private Rentenversicherungen vorgestellt. Ebenso wird ein kurzer Überblick über Zusatzbausteine zu den LVs gegeben.
Das siebte Kapitel stellt alternative Vorsorgeprodukte dar, die keiner der drei Schichten zuge-ordnet werden können und den Zweck der Altersvorsorge durch Vermögensaufbau erfüllen. Zunächst werden Sparbücher, Tagesgelder und andere klassische Bankprodukte intensiv auf ihre Eignung zum Aufbau einer privaten Altersvorsorge untersucht. Vor allem die Punkte der Rendite und der Inflation werden kritisch gegenüber gestellt.
Im Anschluss werden die Eigenschaften von selbstgenutzten und fremdgenutzten Immobilien als probates Mittel zur Alterssicherung betrachtet. Vor allem der Punkt des Betongolds als Inflationsschutz wird differenziert diskutiert. Weiter wird die Vorsorge über die Bildung von Goldreserven dargestellt und vor allem auf den Punkt des Werterhalts eingegangen. Des Weiteren wird in Kapitel sieben der Einsatz von Wertpapieren zur Altersvorsorge betrachtet. Neben Aktien werden vor allem verschiedene Fondsarten gründlich beschrieben. Auch auf festverzinsliche Wertpapiere und inflationsindexierte Anleihen, die im Zuge der Finanzkrise als zunächst sicherer Hafen galten, wird differenziert eingegangen. Das achte Kapitel stellt eine zusammenfassende Betrachtung dar, in der der Verfasser dieser Arbeit einen Ausblick für das deutsche Rentensystem gibt und Lösungsmöglichkeiten aus dem europäischen Ausland vorstellt.
2. Einflussfaktoren auf die Altersvorsorge
2.1. Voraussetzungen zur privaten Altersvorsorge
Personen, die für ihr Alter vorsorgen möchten, sollten sich das nicht nur kurzfristig, sondern auch über einen langen Zeitraum hinweg leisten können. Eine Dynamik mag am Anfang vielleicht sinnvoll erscheinen, würde aber bei einem nur stagnierenden Einkommen zu Schwierigkeiten führen. Weiter sollte der Vorsorgesparer darauf achten, dass er über ein ausreichend großes finanzielles Polster verfügt, um bei einem Engpass nicht an die Reserven seiner Al-tersvorsorge gehen zu müssen. Dies ist häufig mit Kosten oder steuerlichen Nachteilen ver-bunden.
Der Personenkreis, der private Altersvorsorge betreiben sollte, umfasst jeden Bürger in Deutschland, der damit rechnen muss, dass seine Alterseinkünfte nicht seinen angestrebten
2
Lebensstandard im Alter halten können. Die wichtigste zu nennende Gruppe sind die Selbstständigen, die im Gegensatz zu den Angestellten nicht verpflichtet sind in die gesetzliche Rente einzuzahlen. Reagieren diese nicht, erhalten sie nach dem Aufbrauchen ihrer übrigen Reserven eine Grundsicherung, die in den seltensten Fällen den Vorstellungen des angestrebten Lebensabends entspricht.
Es hat ebenso keinen Sinn, eine Altersvorsorge aufzubauen, ohne dass eine ausreichende Risikoabschirmung stattfindet. Die Absicherung existenzieller Risiken - wie eine Haftpflichtversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung - spielt eine ebenso wichtige Rolle wie bei verschuldeten Ehepaaren, die sich eine Immobilie gekauft haben, eine Absicherung des verbleibenden Ehepartners durch eine Risikolebensversicherung. Diese Riskoabschirmung kann aber im Einzelfall ganz unterschiedlich ausgestaltet sein und hängt von der individuellen Lebenssituation und Risikoneigung des Einzelnen ab. Ihre Betrachtung würde im Detail den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
2.2. Bedeutung der Inflation für die Altersvorsorge
Das Schließen einer Versorgungslücke ist nur dann sinnvoll, wenn ein adäquater Ausgleich für die bis zur Rente auftretende Geldentwertung gewährleistet ist. Dieser Abwertung ist sowohl der Wert als auch der Ertrag einer Anlage ausgesetzt. 2 Inflation bezieht sich aber stets auf den Geldwert und so profitieren vor allem Besitzer von Sachwerten, die dann beispielsweise Schulden mit entwertetem Geld zurückführen können. 3
Inflation beschreibt den Zustand einer Volkswirtschaft, bei dem das allgemeine Preisniveau steigt. Eine Erhöhung der Geldmenge, die in freien Umlauf ist, 4 führt dann zu einer Preissteigerung, wenn die Gütermenge nicht im gleichen Maße ansteigt. Ein meist für den Staat positiver Effekt von Inflation liegt in der Entwertung von Schulden. 5 Speziell bei langjährig angelegten Vorsorgeverträgen, spielt das Thema Inflation eine zentrale Rolle. Zu ihrer Ermittlung wird ein Warenkorb mit Konsum- und Verbrauchsgütern zugrunde gelegt, der regelmäßig angepasst wird. Die durchschnittliche Inflation seit 1970 beträgt 2,8%. 6
Von Hyperinflation spricht man, wenn die Inflationsrate monatlich 50% übersteigt, was in den Jahren 1923 und 1924 in Deutschland geschehen ist. Eine derartige Situation hätte für eine langfristig angelegte Altersvorsorge gravierende Folgen.
2 Vgl. Feuerabend, N. (2006): S. 29.
3 Vgl. Feuerabend, N. (2006): S. 31.
4 Vgl. Abb. 1: Geldmenge M3 in Mrd. Euro, Anhang S. 36.
5 Vgl. Feuerabend, N. (2006): S. 30.
6 Vgl. Abb. 2: Inflation in Deutschland seit 1970, Anhang S. 37.
3
Die Inflation ist bei einem langjährigen Mittel unter drei Prozent zwar in den Hintergrund gerückt, könnte aber unter dem Eindruck der immer wieder stark schwankenden Energiepreise und der teils bedrohlichen Staatsverschuldungen einzelner Länder durchaus wieder eine bedeutende Rolle spielen und den Erfolg einer gelungenen Altersvorsorgestrategie gefährden.
2.3. Freigrenzen bei Altersvorsorgeverträgen
Fällt der Anleger während seiner Zeit als Arbeitnehmer in die Grundsicherung, so werden Bargeld, Sparguthaben, Wertpapiervermögen und sonstige Wertgegenstände dem Schonvermögen zugerechnet, das Arbeitssuchende aufbrauchen müssen, bevor sie Arbeitslosengeld II bekommen. 7 Es existiert ein Grundfreibetrag von 150 € je Lebensjahr, maximal jedoch 9750 €.
LVs werden grundsätzlich zu den Vermögenswerten gezählt. Mit dem Sozialversicherungsstabilisierungsgesetz ist am 26.03.2010 der Freibetrag für das Altersvorsorgeschonvermögen von 250 € je Lebensjahr auf 750 € verdreifacht worden und existiert zusätzlich zum Grundfreibetrag des Schonvermögens. 8 Damit dieser zusätzliche Freibetrag genutzt werden kann, muss ein sogenannter Verwertungsausschluss nachgewiesen werden, der eine Abtretung oder Verwertung des Vertrags verhindert. 9 Riester-Verträge und die Basisrente sind im Falle von Arbeitslosigkeit von dem üblichen Zugriff des Staates im Leistungsfall für Hartz IV ausgenommen. 10 Eine weitere Ausnahme stellen selbstgenutzte Immobilien dar, die erst ab einer unverhältnismäßigen Größe verwertet werden. Bei Wohnungen beträgt diese Grenze 120qm, bei Häusern 130qm. 11
2.4. Auswirkung von Steuern auf die Altersvorsorge
Während Spareinlagen sowie Kursgewinne und Dividendenzahlungen bei Wertpapieren einheitlich der Abgeltungssteuer unterliegen, gilt bei LVs unter bestimmten Voraussetzungen das Halbeinkünfteverfahren. Bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung kommt hingegen der persönliche Steuersatz zum Tragen. Abbildung 3 12 zeigt den im Alterseinkünftegesetz (AltEinkG) beschlossenen Übergang schrittweise zur nachgelagerten Rentenbesteuerung. Entscheidend für den Einfluss der Steuer auf die Altersvorsorge sind der Zeitpunkt der Abführung, die Höhe des persönlichen Steuersatzes sowie die Entwicklung der Steuergesetze bis zur
7 Vgl. Bundesregierung (2010).
8 Vgl. Bundesregierung (2010) .
9 Vgl. Informationszentrum der Deutschen Versicherer (2008): S. 36.
10 Vgl. Informationszentrum der Deutschen Versicherer (2008b): S. 12.
11 Vgl. LBS (2010): Hartz IV oder "Arbeitslosengeld II".
12 Vgl. Abb. 3: Übergang zur nachgelagerten Besteuerung bis zum Jahr 2040, Anhang S. 38.
4
Abführung der Steuer. Diese Aspekte können im Rahmen dieser Arbeit nicht behandelt werden.
3. Das Rentensystem in Deutschland
3.1. Geschichte der gesetzlichen Rentenversicherung
Der 22. Juni 1889 kann als die Geburtsstunde der gesetzlichen Alterssicherung bezeichnet werden. 13 Damals führte Reichskanzler Otto von Bismarck das Gesetz über die Invaliditäts-und Alterssicherung ein. Die Rente, wie wir sie heute kennen, wurde erst ab dem siebzigsten Lebensjahr gewährt. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug im Jahr 1910 bei Männern 45 und bei Frauen 48 Jahre. Damals erreichten gerade 17,5% der Bevölkerung das Rentenalter. 14 Das Leistungsniveau entsprach zu dieser Zeit bei Weitem nicht dem heutigen, und deckte maximal 40% der durchschnittlichen Lebenshaltungskosten. 1957 wurde das bislang theoretisch kapitalgedeckte Rentenmodell schrittweise auf eine umlagefinanzierte Versicherung umgestellt. Der Generationenvertrag diente nun dem Lebensunterhalt im Alter und orientierte sich fortan jährlich an den herrschenden Löhnen und der Produktivitätsentwicklung. Mit der Wiedervereinigung kamen enorme Herausforderungen auf das Rentensystem der BRD zu. Vier Millionen DDR-Rentner wurden in das bestehende Rentensystem West-deutschlands integriert.
Im Zeitraum zwischen 1957 und 2003 stiegen die Renten um mehr als 800%. Im Jahr 2001 wurden weitere Reformgesetze verabschiedet, die die zukünftigen Beitragssätze begrenzen sollten. Dies bedeutete aber auch, dass das Leistungsniveau für zukünftige Generationen absinken würde. Der Gesetzgeber entschied sich, diesen Verlust durch die Förderung der Riester-Rente abzumildern.
2004 wurden weitere Reformen eingeleitet, die das Ziel hatten, den Beitragssatz bis 2030 nicht über 22% steigen zu lassen. 15 Zudem wurde der Nachhaltigkeitsfaktor eingeführt, der das Verhältnis von Beitragszahlern und Leistungsbeziehern bei der jährlichen Rentenanpassung berücksichtigt. Mit dem Alterseinkünftegesetz (AltEinkG) wurde der Übergang schrittweise zur nachgelagerten Rentenbesteuerung bis zum Jahr 2040.
13 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2006).
14 Vgl. Deutsche Rentenversicherung (2007) .
15 Vgl. Spiegel (2010).
5
3.2. Probleme des Generationenvertrages
Wie Abbildung 4 16 verdeutlicht, nimmt der Anteil der Leistungsbezieher der GRV an der Gesamtbevölkerung kontinuierlich zu. Auch die Rentenbezugsdauer erhöht sich in Folge der stetig höher werdenden Lebenserwartung.
Zusätzlich zum bereits erwähnten Anstieg der Zahl der Rentenbezieher macht sich der demographische Wandel auch in einer negativen Differenz aus Geburten und Sterbefällen bemerkbar. Ebenso ist ein kontinuierlicher Rückgang der Bevölkerung ohne Gegenbewegung seit dem Jahr 1970 feststellbar. 17
Ein weiteres Problem ist die Abwanderung aus Deutschland. 2009 war die Differenz aus Ab-und Zuwanderung bereits zum zweiten Mal negativ.
Eine weitere große Herausforderung ist der berufliche Wandel, den viele Biographien aufweisen. Vermehrte Zeitarbeit und die Zunahme von gering entlohnten Arbeitsverhältnissen, unterbrochene Arbeitsverhältnisse für Elternzeit, niedrige Entlohnung, häufiger Wechsel des Arbeitgebers und vorübergehende Arbeitslosigkeit führen zu niedrigeren Einzahlungen in die Kasse der GRV. Die angeführten Argumente verdeutlichen die Dringlichkeit der Notwendigkeit des Aufbaus einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge. Hier ist die arbeitende Generation gefordert, die Versäumnisse vorangegangener Generationen und Politiker auszugleichen und die Folgen abzufedern.
Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass ohne Beitragserhöhungen, massiver Zuwanderung oder einem deutlichen Anstieg der Geburtenraten das Leistungsniveau des deutschen Rentensystems so in Zukunft nicht mehr haltbar sein dürfte. 18
3.3. Das Drei-Schichten-Modell
Mit dem Alterseinkünftegesetz hat der Gesetzgeber ein Urteil des Bundesgerichtshofs zur steuerlichen Gleichstellung von Pensionen und Renten umgesetzt. Die wichtigste Neuerung gegenüber dem Drei-Säulen-Modell ist das Hinzufügen der Rürup-Rente in die erste Schicht, sowie den schrittweisen Übergang zur nachgelagerten Besteuerung.
Die erste Schicht wird als Basisversorgung bezeichnet. Sie umschließt die bereits diskutierte Rentenversicherung, die Beamtenversorgung, die Alterssicherung der Landwirte, die berufsständischen Versorgungswerke und die Rürup-Rente. 19 Wirft man einen Blick auf die Geschichte, so fällt auf, dass die erste Schicht derzeit zwar nicht mehr nur einen Zuschuss zur
16 Vgl. Abb. 4: Verhältnis von über 65-Jährigen und der Gesamtbevölkerung, Anhang S. 39.
17 Vgl. Abb. 5: Differenz aus Geburten und Sterbefällen, Anhang, S. 40.
18 Vgl. Feuerabend, N. (2007): S. 1.
19 Vgl. Feuerabend, N. (2006): S. 17-20.
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Dominik Heinrich, 2010, Beurteilung ausgewählter Anlageformen zur privaten Alterssicherung, München, GRIN Verlag GmbH
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