Inhaltsverzeichnis
1 E i n l e i t u n g 3
1.1 Vorbemerkungen zur Darstellung des Preisliedes unter intertextuellen und
rezeptionsgeschichtlichen Gesichtspunkten 3
1.2 Die allgemeine Waltherrezeption als Längsschnitt durch die Geschichte 5
1.3 Textanalyse des Preisliedes (L. 56,14) 7
2 H a u p t t e i l 8
2.1 Bezüge im Preislied zu MF 122,1 und MF 127,1 von Heinrich von Morungen 8
2.2 Parallelen zwischen Reinmar dem Alten und Walthers Preislied 1 2
2.3 Übereinstimmungen zum Frauendienst von Ulrich von Liechtenstein 15
2.4 Die Aufnahme des Preisliedes in das so genannte „Deutschlandlied“ 17
3 S c h l u s s 1 9
3.1 Bezüge zu weiteren Autoren 19
3.2 Zusammenfassung und Beurteilung 23
4. Quellen- und Literaturverzeichnis 25
4.1 Primärliteratur 25
4.2 Sekundärliteratur 26
5. Anhang 30
2
1. Einleitung
1.1 Vorbemerkungen zur Darstellung des Preisliedes unter intertextuellen und
rezeptionsgeschichtlichen Gesichtspunkten
Im Kontext von Walther von der Vogelweides Liebeslieder habe ich mich bei meiner Hausarbeit für die Betrachtung des Preisliedes (L. 56,14) unter intertextuellen und rezeptionsgeschichtlichen Gesichtspunkten entschieden, da sowohl Walther von der Vogelweide in seinem Preislied auf verschiedene Minnelieder anderer mittelhochdeutscher Lyriker Bezug nahm als auch das Preislied selbst oft rezipiert und in andere Werke eingebaut wurde.
Auch heute noch gibt es zahlreiche ungeklärte Fragen und diskussionswürdige Stellen im Preislied. So werden beispielsweise die wechselnde Verwendung von frouwe und wîp oder die Gattungsmischung von Minnesang und Sangspruchdichtung im Preislied immer wieder diskutiert. Im Hinblick auf die intertextuellen Bezüge gibt es ebenfalls noch zahlreiche strittige Punkte, die ich in meiner Hausarbeit auch anführen und zu klären versuchen werde. So stellt sich vielfach die Frage, inwieweit es intertextuelle Bezüge zu anderen Autoren gibt. Daran schließt sich folglich die Frage, was der jeweilige Dichter durch derartige Anspielungen ausdrücken wollte, also welche Intention er hatte. In meiner Arbeit möchte ich die Bezüge zu den mittelhochdeutschen Dichtern Reinmar der Alte, Heinrich von Morungen und Ulrich von Liechtenstein und ihren Werken in den Mittelpunkt stellen. Außerdem werde ich das so genannte „Deutschlandlied“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und dessen Parallelen zu Walthers Preislied näher betrachten, denn in der deutschen Geschichte wurde das Preislied sowohl zu Beginn des Ersten Weltkrieges als auch im Nationalsozialismus mehrfach für propagandistische Zwecke missbraucht. 1 Am Rande meiner Hausarbeit möchte ich auch auf die Diskussion der Mediävisten bezüglich des Vortragsortes und des Anlasses sowie auf die Walther-Reinmar-Fehde eingehen, wenngleich diese Punkte nicht den Kern meiner Arbeit ausmachen werden.
Eingangs werde ich einen Längsschnitt der Waltherrezeption durch die Geschichte machen und die Rezeption der Werke Walthers von der Vogelweide allgemein betrachten, ohne dabei direkt auf das Preislied einzugehen. Im Anschluss daran möchte ich eine kurze Textanalyse durchführen und dabei inhaltliche Aspekte zusammenfassend darlegen. Im Zentrum meiner Arbeit sollen dann die bereits genannten Dichter stehen, wobei ich jedem Dichter einen eigenen Abschnitt widme, um Übersichtlichkeit zu gewährleisten. Abschließend möchte ich
1 Vgl. M. G. SCHOLZ: Walther von der Vogelweide, Stuttgart 2 2005, S. 175.
3
schließlich kurz auf intertextuelle Bezüge anderer Autoren, wie beispielsweise den Troubadour Peire Vidal und Johann Wilhelm Ludwig Gleim, eingehen und meine Erkenntnisse nochmals in einer kurzen Zusammenfassung darlegen. Im Anhang finden sich schließlich alle Lieder und Gedichte, auf die ich mich im Folgenden beziehen werde in der Reihenfolge, wie sie auch in meiner Hausarbeit vorkommen.
Die Forschungslage zum Preislied ist meiner Erfahrung nach äußert vielfältig, da sowohl die Aspekte der Gattungsmischung und der wîp-frouwe-Thematik als auch die Bezüge zur Walther-Reinmar-Fehde und zum Deutschlandpreis stark diskutiert wurden und teilweise auch immer noch diskutiert werden. Für meine Ausführungen zur Problematik des Entstehungsortes und des Anlasses sowie zur Rezeption des Preisliedes in der Zeit des Nationalsozialismus’ war mir die Monographie Walther von der Vogelweide für Anfänger 2 von HERMANN REICHERT sehr hilfreich. Auch die intertextuellen Bezüge Walthers zu Peire Vidal werden hier umrissen. Im Überblickswerk Walther von der Vogelweide. Epoche-Werk-Wirkung 3 von HORST BRUNNER, GERHARD HAHN, ULRICH MÜLLER und FRANZ VIKTOR SPECHTLER wird ein guter Überblick zur allgemeinen Waltherrezeption als Längsschnitt durch die gesamte Geschichte gegeben und auch die Thematik des Deutschlandpreises wird sehr ausführlich geschildert. Die Bezüge zwischen Walthers Preislied und dem „Deutschlandlied“ August Heinrich Hoffmann von Fallerslebens legt WALTER EXNER in seiner Monographie Der von der Vogelweide. Bemerkungen zur Walther-Forschung 4 dar und geht dabei sowohl auf die im Lied genannten territorialen Gegebenheiten aus historischer Sicht als auch auf die Person Fallerslebens ein. Für einen Vergleich zwischen dem Preislied von Walther und Gedichten Gleims beziehe ich mich auf die Informationen VOLKER MERTENS in seinem Aufsatz Zum Besten zweyer armen Mädchen. Johann Wilhelm Ludwig Gleims Gedichte nach den Minnesängern und Walther von der Vogelweide 5 . Für meine Darstellungen zur Walther-Reinmar-Fehde beziehe ich mich indessen unter anderem auf den Aufsatz Die Fehde zwischen Walther von der Vogelweide und Reinmar dem Alten. Ein Beispiel germanistischer Legendenbildung 6 von GÜNTHER SCHWEIKLE. Einen äußerst ausführlichen Vergleich des Preisliedes mit ähnlichen Liedern Heinrich von Morungens liefert hingegen KATHRYN SMITS
2 H. REICHERT: Walther von der Vogelweide für Anfänger, Wien 2 1998.
3 H. BRUNNER, G. HAHN, U. MÜLLER u.a.: Walther von der Vogelweide. Epoche -Werk -Wirkung, München
1996.
4 W. EXNER: Der von der Vogelweide. Bemerkungen zur Walther-Forschung, Bad Wildungen 1991.
5 V. MERTENS: Zum Besten zweyer armen Mädchen. Johann Wilhelm Gleims Gedichte nach den Minnesängern
und Walther von der Vogelweide. In: T. BEIN (Hrsg.): Walter von der Vogelweide. Beiträge zu Produktion,
Edition und Rezeption, Frankfurt am Main 2002, S. 225- 248.
6 G. SCHWEIKLE: Die Fehde zwischen Walther von der Vogelweide und Reinmar dem Alten. Ein Beispiel
germanistischer Legendenbildung. In: F. J. WORSTBROCK (Hrsg.): ZfdA 115 (1986), S. 235-253.
4
in ihrem Aufsatz Das Preislied Walthers von der Vogelweide (L. 56,14). Eine Reaktion auf Morungens Lied MF122,1? 7 . Über das Wirken von Ulrich von Liechtenstein sowie die Einarbeitung des Preisliedes in seinen Frauendienst informiert FRANZ VIKTOR SPECHTLER in Ulrich von Liechtenstein. Frauendienst 8 .
1.2 Die allgemeine Waltherrezeption als Längsschnitt durch die Geschichte
In diesem Abschnitt möchte ich die Rezeption Walthers von der Vogelweide von seinen Lebzeiten angefangen, die verschiedenen Epochen hindurch, bis in die heutige Zeit Revue passieren lassen. Dabei greife ich jedoch nur bestimmte Epochen heraus, die meines Erachtens für die Sichtweise über Walther von der Vogelweide von zentraler Bedeutung sind. Walther von der Vogelweide wurde nicht erst in der Romantik rezipiert, sondern bereits im Mittelalter von vielen anderen Sängern geschätzt und gepriesen. So wurden Lobhymnen auf ihn in verschiedene Werke eingebaut, wie es Gottfried von Straßburg im Tristan oder Wolfram von Eschenbach im Parzival beispielsweise getan haben. 9 Außerdem denke ich, dass auch Dichter, denen eine kritische Auseinandersetzung mit Walther nachgesagt wird, hier einzuordnen sind, denn schließlich haben auch diese sich mit den Werken Walthers auseinander gesetzt, wenngleich sie sicher nicht immer mit seinen Äußerungen oder Auffassungen übereinstimmten. Bekannte Vertreter solcher Auseinandersetzungen sind beispielsweise Reinmar der Alte und Heinrich von Morungen. 10 Wie hoch Walthers Ansehen bereits zu seinen Lebzeiten war, macht meiner Meinung nach Ludwig Uhlands Aussage „Wenn ich den Werth dieses Dichters hervorhebe, so berühre ich nicht etwas Neues und bisher Unbeobachtetes“ 11 deutlich.
Der Schweizer Philologe JOHANN JAKOB BODMER hat Walther von der Vogelweide und die mittelhochdeutsche Dichtung schließlich im 17. Jahrhundert wiederentdeckt, nachdem man sich in der Renaissance, die sich seit dem 14. Jahrhundert von Italien ausgehend verbreitet hatte, auf die Antike und deren Kultur zurückbesinnt hatte. Der preußische König Friedrich II., der der französischen Sprache eher zugetan war als der deutschen, zeigte jedoch kein
7 K. SMITS: Das Preislied Walthers von der Vogelweide (L. 56,14). Eine Reaktion auf Morungens Lied MF
122,1? In: W. BESCH, H. MESER, H. STEINECKE u.a. (Hrsg.): ZfdPh 99 (1980), S. 1-20.
8 F. V. SPECHTLER: Ulrich von Liechtenstein. Frauendienst (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 485),
Göppingen 1987.
9 Vgl. H. BRUNNER, G. HAHN, U. MÜLLER u.a.: Walther von der Vogelweide. Epoche -Werk -Wirkung, S. 231.
10 Vgl. M. G. SCHOLZ: Walther von der Vogelweide, S. 130-142.
11 L. UHLAND: Walther von der Vogelweide. In: A. V. KELLER, W. L. HOLLAND (Hrsg.): Uhlands Schriften zur
Geschichte der Dichtung und Sage. Bd. 5, Stuttgart 1870, S. 3.
5
Verständnis für die mittelhochdeutsche Dichtung und schenkte ihr wenig Aufmerksamkeit. 12 Auch ein Genie wie Goethe widmete sich eher dem Meistersang von Hans Sachs als den Minnesängern, da er, wie er später in Dichtung und Wahrheit schrieb, die Sprache der Minnesänger zu schwer verständlich fand: „Die Minnesänger lagen zu weit von uns ab; die Sprache hätte man erst studieren müssen, und das war nicht unsre Sache: wir wollten leben und nicht lernen. Hans Sachs, der wirklich meisterliche Dichter, lag uns am nächsten[…]“ 13 Obwohl die Werke der mittelhochdeutschen Lyriker in der Vergangenheit oft unbeachtet geblieben waren, hatten die Romantiker eine Vorliebe für das Mittelalter mit dessen Vertretern und Werken. Wahrscheinlich wendeten sich die Romantiker zum Mittelalter hin, weil die Menschen in Deutschland nach den Niederlagen gegen Napoleon und den starken französischen Einflüssen nach Identität suchten und sie in deutscher Kultur und Sprache zu finden glaubten. 14 Johann Ludwig Uhland veröffentlichte schließlich 1822 die erste Waltherbiografie und versuchte die ursprünglichen Texte wieder herzustellen. 15 Doch man muss sich meines Erachtens darüber im Klaren sein, dass über die Jahre Teile seiner Werke verloren gegangen sind und absichtlich oder unabsichtlich verändert worden. Außerdem ist eine Übertragung der mittelhochdeutschen Sprache in die neuhochdeutsche nie identisch oder ebenbürtig. JOHANNES HUNGER fand dafür ein passendes Sprachbild, indem er meinte, dass „auch die beste Übertragung nicht mehr sein [kann] als eine gepreßte und getrocknete Blume im Herbarium, verglichen mit der lebensfrischen Pflanze im Garten oder auf der Wiese.“ 16 Während Walther von der Vogelweide noch von Ludwig Uhland und Johann Wilhelm Ludwig Gleim der kunstvollen Sprache wegen verehrt und rezipiert wurde, ließ der bayrische König Ludwig I. zu Ehren Walthers einen Gedenkstein aufstellen, da er ihn als nationaler Sänger voller Vaterlandsliebe und Patriotismus sah, wie man der Inschrift des Gedenksteines entnehmen kann. 17
Doch nicht nur Ludwig I. sah in Walther einen Sänger des Reiches, denn er wurde auch im Ersten Weltkrieg und wenig später von vielen Nationalsozialisten für propagandistische Zwecke missbraucht und mit ihm wurde „viel Schindluder getrieben“ 18 . MANFRED GÜNTER SCHOLZ schreibt dazu, dass man Walther von der Vogelweide bereits im 19. Jahrhundert „als
12 Vgl. J. HUNGER: Walther von der Vogelweide. Minnesänger und politischer Dichter, Berlin 1955, S.10f.
13 J. W. GOETHE: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. In: DIGITALE BIBLIOTHEK JOKERS (Hrsg.):
Klassische Werke der deutschen Literatur, S. 13959.
14 Vgl. H. BRUNNER, G. HAHN, U. MÜLLER u.a.: Walther von der Vogelweide. Epoche -Werk -Wirkung, S. 233.
15 Vgl. J. HUNGER: Minnesänger und politischer Dichter, S. 12f.
16 Ebd. S. 13.
17 Vgl. W. DETTELBACHER: Herr Walther von der Vogelweide, Würzburg 1980, S. 3f.
18 H. REICHERT: Walther von der Vogelweide für Anfänger, S. 10.
6
der nationale Prophet und vaterländische Sänger des Reiches“ 19 sehen wollte. Allerdings gab es trotz des Missbrauchs auch im Dritten Reich gegenteilige Stimmen, denn beispielsweise der Nationalsozialist GERSTMEYER vernachlässigte Walther von der Vogelweide bei seiner Dissertation komplett und auch Nationalsozialist NADLER ließ ihn in seiner Literaturgeschichte unbeachtet, da sie ihn und seine Werke für zu romantisch hielten. 20 Nachdem viele mittelhochdeutsche Dichter und deren Werke durch den Missbrauch der Nationalsozialisten in Verruf geraten waren, dauerte es eine Zeit lang, bis man sich wieder kritisch und möglichst wertfrei mit ihnen auseinandersetzte, indem man versuchte sich ausschließlich auf den Text zu konzentrieren und andere Einflüsse, sei es biografischer oder historischer Art, möglichst gering zu halten. 21
1.3 Textanalyse des Preisliedes (L. 56,14)
Bevor ich mich im Hauptteil auf zentrale Stellen, die von anderen Dichtern aufgegriffen wurden, beziehen werde, möchte ich zunächst auf den gesamten Inhalt des Preisliedes eingehen und ihn kurz und knapp darlegen. 22
Das sechsstrophige Preislied von Walther von der Vogelweide beginnt, indem sich der Sänger einen Willkommensgruß fordernd an das Publikum richtet und verkündet, dass er spannende Neuigkeiten hat, wenn man ihn denn nur danach frage. Doch gleich nach dieser Ankündigung weißt er auch schon darauf hin, dass er die Neuigkeiten nicht ohne Lohn preisgibt. Wenn der Lohn gut ausfällt, will der Sänger, der sich hier zum Boten stilisiert, auch gute Nachrichten verkünden. Deshalb solle man sehen, welche Ehre man ihm entgegenbringen könnte. 23 In der zweiten Strophe kündigt der Sänger an, den deutschen Damen eine solche Neuigkeit zu überbringen, dass sie der ganzen Welt noch besser gefallen werden. Dabei nimmt er seine Forderung nach Lohn zurück, da sie ihm für reichen Lohn zu erhaben seien. So gibt er sich bescheiden und bittet sie um nichts Geringeres als einen Gruß. 24 Die anschließende Strophe beginnt mit einem Lob auf die deutschen Männer, die wohlerzogen seien. Daran schließt sich ein Vergleich der deutschen Frauen mit Engeln. Wer sie auch immer tadelt, der ist verblendet, anders könne sich der Sänger das nicht erklären.
19 M. G. SCHOLZ: Walther von der Vogelweide, S. 175.
20 Vgl. H. REICHERT: Walther von der Vogelweide für Anfänger, S. 12.
21 Vgl. H. BRUNNER, G. HAHN, U. MÜLLER u.a.: Walther von der Vogelweide. Epoche -Werk -Wirkung, S. 240.
22 Bei der Textanalyse beziehe ich mich auf die Strophenordnung des Preisliedes nach G. SCHWEIKLE (Hrsg.):
Walther von der Vogelweide. Werke. Gesamtausgabe. Bd. 2 Liedlyrik, Stuttgart 2006, S. 158-162.
23 Vgl. H.-U. RUMP: Walther von der Vogelweide in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek 1974, S.
94.
24 Vgl. H. BRUNNER, G. HAHN, U. MÜLLER u.a.: Walther von der Vogelweide. Epoche -Werk -Wirkung, S. 88.
7
Wer Tugend und reine Minne auch immer suchen wolle, der solle in unser Land kommen, denn da gibt es viel Schönes. Deshalb wünscht er sich auch lange darin leben zu dürfen. 25 In der vierten Strophe berichtet der Sänger, dass er bereits viele Länder gesehen und die besten gerne wahrgenommen habe. Aus den vielen Reisen zieht er das Fazit, dass es ihm schlecht gehen solle, wenn er jemals sein Herz dazu bringen könnte, dass ihm die fremden Sitten gut gefallen. Schließlich stellt er sich die Frage, was es ihm helfen würde, wenn er Unrechtes behauptet. Die deutsche Art stünde schließlich vor ihnen allen. 26 Was er unter „deutsch“ versteht, umreißt der Sänger in der folgenden Strophe geographisch, indem er sagt, dass von der Elbe bis an den Rhein und bis nach Ungarn wohl die besten Frauen seien, die ihm in der Welt bekannt sind. Wenn er gutes Benehmen und Wesen richtig beurteilt, dann gebe es bei Gott, so schwört er, dort die Frauen, 27 die besser sind als die Damen anderswo. 28
Dass der Sänger viel gedient hat, auch weiterhin gerne dienen möchte und dies nie unterlassen wird, legt er in der letzten Strophe dar. Trotz des Dienstes füge ihm eine nicht näher erwähnte Dame sehr viel Leid zu und verletze ihm so das Herz und das Gemüt. Doch gleichzeitig hofft er, dass ihr Gott vergibt, dass sie an ihm unrecht handelt, denn danach solle sie sich eines Besseren bekehren. 29
2. Hauptteil
2.1 Bezüge im Preislied zu MF 122,1 und MF 127,1 von Heinrich von Morungen
Die genauen Lebensdaten des thüringischen Minnesängers Heinrich von Morungen sind unbekannt, aber zumindest ist bekannt, dass er ein Zeitgenosse von Walther von der Vogelweide und Reinmar dem Alten war. Er gehört zu den Vertretern des Konzeptes der Hohen Minne und verfasste 35 Minnelieder in Kanzonenform. 30 Das Verhältnis der beiden Minnesänger zueinander beschreibt MANFRED GÜNTER SCHOLZ als durch Parodien und gegenseitige Anregungen, welche auch im Preislied zum Ausdruck kommen,
25 Vgl. G. SCHWEIKLE (Hrsg.): Walther von der Vogelweide. Werke. Gesamtausgabe. Bd. 2 Liedlyrik, Stuttgart
2006, S. 161.
26 Vgl., ebd., S. 161.
27 Hier möchte ich bewusst nicht auf die unterschiedliche Nutzung der Begriffe frouwe und wîp eingehen, da dies
außerhalb meiner Thematik liegt.
28 Vgl. G. SCHWEIKLE (Hrsg.): Walther von der Vogelweide, S. 163.
29 Vgl., ebd., S. 163.
30 Vgl. S. GLAUCH: Heinrich von Morungen, http://www.mediaevum.de/autoren/heinrich_von_morungen.htm,
letzter Zugriff: 04.04.2008.
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2008, Das Preislied (L. 56,14), München, GRIN Verlag GmbH
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