1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich ausschließlich und tiefgehend mit dem Thema „Mobbing“, welches für die arbeitende Person im Betrieb eine sehr große Belastung darstellt und somit als ein „extremer sozialer Stressor am Arbeitsplatz“ 1 gesehen werden kann. Zunächst werde ich der Frage nachgehen „Was ist Mobbing?“, um eine Begriffabgrenzung zu alltäglichen Konflikten vorzunehmen und eine eindeutige Definition von Mobbing zu erhalten. Weiterhin werde ich die typischen Handlungs- und Erscheinungs-formen hervorheben. Diese Liste der „45 Handlungen - was die Mobber tun“ 2 , die auf Heinz Leymann, den Begründer der modernen Mobbingforschung, zurückgeht, kann auch als Test dienen, um zu prüfen, ob Mobbing vorliegt. Anschließend werde ich einen typischen Mobbingablauf beschreiben, da in vielfältigen Untersuchen festgestellt wurde, dass dieser in überwiegenden Fällen immer sehr ähnlich verläuft. Um die Ursachen zu beschreiben, ist es zunächst wichtig, die unterschiedlichen Konstellationen von Mobbingopfer und -täter zu erläutern, da somit auch die Ziele der Handlungen deutlich werden. Für den Betroffenen ergeben sich aus den täglichen, systematischen Konflikten am Arbeitsplatz vielfältige gesundheitliche und individuelle Folgen. Es entstehen jedoch auch betriebs- und volkswirtschaftliche Kosten. In diesem Zusammenhang werde ich ebenfalls auf die rechtlichen Folgen eingehen. In einem letzten Schritt werde ich Gegenmaßnahmen aufzeigen, die das Mobbingopfer treffen kann, um sich zu schützen sowie Hilfe in Anspruch zu nehmen und ebenso werde ich Präventionsmaßnahmen beschreiben, die seitens der Unternehmen eingeleitet werden können, um Mobbing gar nicht erst entstehen zu lassen.
1 Litzcke; Schuh: Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz. S. 131
2 Leymann, Heinz: Mobbing. S. 33
2
2. Was ist Mobbing?
Der Begriff Mobbing lässt sich auf das englische Wort „to mob“ zurückführen, was soviel heißt wie anpöbeln, attackieren, angreifen oder bedrängen. Der Ursprung des Wortes liegt in der lateinischen Bezeichnung „mobile vulgus“, was die Bedeutung „aufgewiegelte Volksmenge, Pöbel“ hat. 3 Der Begriff Mobbing ist im deutschen Sprachgebrauch fest integriert und wird umgangssprachlich bereits zur Bezeichnung kleiner Streitereien oder Beleidigungen verwendet, wodurch das Problem jedoch herabgesetzt wird. Denn es handelt sich bei Mobbing nicht um einen normalen Streit oder eine einfache Diskussion zwischen Arbeitskollegen oder eine Auseinandersetzung mit dem Vorgesetzten. Unter Mobbing ist vielmehr zu verstehen, dass eine Person an der Arbeit ständig und über einen längeren Zeitraum systematisch schikaniert, drangsaliert, ausgegrenzt und bewusst benachteiligt wird. 4 Mobbing geschieht am Arbeitsplatz, der einen festen sozialen Rahmen darstellt. Allerdings handelt es sich bei der Arbeitsgruppe um eine Zwangsgemeinschaft, denn seine Kollegen kann man sich nicht aussuchen. In freiwilligen Zusammenschlüssen dagegen, wie z. B. Vereinen und Freundeskreisen tritt Mobbing nur selten auf. Das Arbeitsleben stellt somit die Rahmenbedingungen für Mobbing dar, da die Zusammenarbeit nicht wie im privaten Bereich ohne weit reichende Konsequenzen, z. B. Arbeitslosigkeit, beendet werden kann.
Bei Mobbing handelt es sich um eine kommunikative Situation, die für den Betroffenen „gravierende psychische (und somit auch körperliche) Folgen mit sich zu bringen droht.“ 5 Denn Mobbing ist ein „zermürbender Handlungsablauf“ 6 , der sich ständig wiederholt und gezielt zur Schädigung des Opfers eingesetzt wird. 7 Zu den Handlungen der Mobbingtäter zählen z. B. Einschüchtern, Diskriminieren, Schikanieren, Ignorieren, bewusstes Ausgrenzen, unberechtigte Kritik, Beleidigen, Lächerlichmachen, Spinnen von Intrigen, Übergabe von niedrigen Arbeiten (Dienstbotengänge) oder auch sexuelle Belästigung. 8
3 Vgl. Litzcke; Schuh: Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz S. 115
4 Vgl. Ebd. S. 116
5 Leymann, Heinz: Mobbing. S. 21
6 Ebd. S. 21
7 Vgl. http://www.drdutschmann.de/Mobbing.html. 07.01.2008
8 Vgl. http://www.onlineberatung-therapie.de/psychologische-beratung/mobbing/informationen-
mobbing.html. 07.01.2008
3
Leymann definiert Mobbing folgendermaßen: „Der Begriff Mobbing beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen.“ 9 Aus dieser Definition lassen sich die wesentlichen Merkmale von Mobbing ableiten. Diese sind Konfrontation, Belästigung, Nichtachtung der Persönlichkeit, die Häufigkeit der Attacken und die Dauer. 10 Ein einzelner Konflikt oder eine Unverschämtheit kann daher nicht als Mobbing bezeichnet werden, sondern erst wenn sich die Angriffe ständig wiederholen und über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten andauern und häufiger als einmal pro Woche stattfinden. Dieses Merkmal ist entscheidend, um Mobbing auch gerichtlich definieren und von Streitereien unterscheiden zu können. 11
3. Handlungstypen/Erscheinungsformen
Es existieren vielfältige Erscheinungsformen von Mobbing-Handlungen, die jedoch alle dasselbe Ziel verfolgen: Die Manipulation von Funktionen und Zuständen im Arbeitsleben. Dazu zählen die Kommunikation mit dem Betroffenen, seine Arbeitsaufgaben sowie dessen soziales Ansehen.
Leymann hat fünf Handlungskategorien aufgelistet, denen wiederum Einzelhandlungen untergeordnet sind, die als Mobbing bezeichnet werden, wenn sie häufig oder über einen längeren Zeitraum immer wieder auftreten. Den Bezugspunkt dieser Handlungen bilden die Auswirkungen auf das Opfer, denn ihm werden wesentliche und soziale Möglichkeiten am Arbeitsplatz entzogen. 12
1. Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen 13 - Der Vorgesetzte schränkt die Möglichkeit ein, sich zu äußern - Man wird ständig unterbrochen
- Kollegen schränken die Möglichkeiten ein, sich zu äußern - Anschreien oder lautes Schimpfen
9 Leymann, Heinz: Mobbing. S. 21
10 Vgl. Ebd. S. 22
11 Vgl. http://www.onlineberatung-therapie.de/psychologische-beratung/mobbing/informationen-
mobbing.html. 07.01.2008
12 Leymann, Heinz: Mobbing. S. 22 - 23
13 Ebd. S. 33
4
- Ständige Kritik an der Arbeit - Ständige Kritik am Privatleben - Mündliche Drohungen - Schriftliche Drohungen
- Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten - Kontaktverweigerung durch Andeutungen, ohne dass man etwas direkt ausspricht
2. Angriffe auf die sozialen Beziehungen 14 - Man spricht nicht mehr mit dem/der Betroffenen - Man lässt sich nicht ansprechen - Versetzung in einen Raum weitab von Kollegen
- Den Arbeitskollegen/innen wird verboten, den/die Betroffene/n anzusprechen
- Man wird „wie Luft“ behandelt 3. Angriffe auf das soziale Ansehen 15
- Hinter dem Rücken des Betroffenen wird schlecht über ihn gesprochen - Man verbreitet Gerüchte
- Man imitiert den Gang, die Stimme oder Gesten, um jemanden lächerlich zu machen
- Man macht sich über die Nationalität lustig - Sexuelle Annäherungen oder verbale sexuelle Angebote - Man macht jemanden lächerlich - Man verdächtigt jemanden, psychisch krank zu sein - Man will jemanden zu einer psychiatrischen Untersuchung zwingen - Man macht sich über eine Behinderung lustig - Man greift die politische oder religiöse Einstellung an - Man macht sich über das Privatleben lustig
- Man zwingt jemanden, Arbeiten auszuführen, die das Selbstbewusstsein verletzen
- Man beurteilt den Arbeitseinsatz in falscher und kränkender Weise - Man stellt die Entscheidungen des Betroffenen in Frage
14 Ebd. S. 33
15 Ebd. S. 33
5
Arbeit zitieren:
Kirsten Manegold, 2008, Mobbing am Arbeitsplatz, München, GRIN Verlag GmbH
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