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AMA Advanced measurement approaches; Ambitionierte B emessungsansätze α Alphafaktor β Betafaktor EI Exposure indicator; Gefährdungsindikator EL Expected loss; Erwarteter Verlust GI Gross income; Bruttoertrag IMA Internal measurement approach; Interner Bemessungsansatz K Eigenkapitalbedarf LDA Loss distribution approach; Verlustverteilungsansatz LGE Loss given that event; Höhe des zu erwartenden Verlustes MRC Minimum regulatory capital; Regulatorisches Mindestkapital OpRiskShare j,i Share of bank j‘s operational risk economic capital allocated to business line i; Anteil des ökonomischen Kapitals von Bank j, welches dem Geschäftsfeld i zugeordnet wird PE Probability of loss event; Wahrscheinlichkeit eines Schadensfalles RPI Risk profile index; Risikoprofilindex UL Unexpected Loss; Unerwarteter Verlust
1. Definition des operationellen Risikos
„Banks measure credit and market risks because they can, not because these are the biggest risks they face.“ 1
Dieses einführende Zitat verdeutlicht, dass die hohen Verluste, mit denen Banken in den vergangenen Jahren konfrontiert wurden, nicht lediglich aus Kredit- und Marktrisiken resultieren, sondern auch aus sog. operationellen Risiken.
Sensibilisiert, u.a. durch verschiedene bekannt gewordene Verlustfälle, wie z.B. der Barings Bank, wurde auf diese Entwicklung mit verstärktem Risikobewusstsein reagiert. 2 Als Konsequenz behandelt auch die Basler Kommission operationelle Risiken
als eigenständiges Thema. Sie definiert
operationelle Risiken als das Verlustrisiko, das infolge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen und Systemen oder von externen Ereignissen entsteht. 3
Integriert werden rechtliche Risiken, insbesondere Haftungsrisiken, während Reputationsrisiken und das generelle Geschäftsrisiko unberücksichtigt bleiben. 4
Für eine genauere Untersuchung des Begriffes der operationellen Risiken bietet es sich an, diesen in einzelne Risikoarten zu kategorisieren.
Technische Risiken
Die Bedeutung der technischen Risiken ist im Gefolge der IT-Revolution zusehends gestiegen. Entwicklung und Implementierung hochkomplizierter Informationssysteme führen dazu, dass die Finanzinsitute im Rahmen der voranschreitenden Globalisierung und der dadurch vernetzten und integrierten internationalen Finanzmärkte stärker in Abhängigkeit von den eingesetzten IT-Lösungen gerieten. 5 Systemausfall, Datenmani-
pulation durch Dritte oder Virus-Probleme sind in jüngerer Zeit zu wichtigen Risikofak-toren geworden. Auch durch Produkte, wie z.B. Online-Banking, stehen Banken einer
1 „Banken messen Kredit- und Marktrisiken weil sie dazu in der Lage sind und nicht weil dies die grössten Risiken sind, die ihnen gegenüberstehen.“ Mark Parsley (1996), S. 74
2 Vgl. Keck/Jovic (1999), S. 963
3 Vgl. Basel Committee (2001a), S. 2
4 Vgl. Brücks (2001), S. 2
5 Vgl. Aerts (2001), S. 53
neuen Art von Sicherheitsproblemen gegenüber, die in ihrem Ausmass weder vorhersehbar noch kontrollierbar sind und eindeutig die Grenzen der bisher bekannten Überwachungs- und Kontrollsysteme aufzeigen. 6
Neben diesen allgemeinen Risiken der Technik existieren sowohl anwendungsbezogene Risiken, die sich auf die Qualität der gewonnnenen Daten beziehen, als auch anwenderbezogene Risiken, die in engem Zusammenhang mit den personellen Risiken stehen.
Personelle Risiken
Der personelle Aspekt beinhaltet Verluste, die sowohl durch bewusstes als auch unbewusstes Fehlverhalten von Bankmitarbeitern entstehen.
Unbewusstes Fehlverhalten entsteht z.B. durch Konzentrationsmängel oder Überarbeitung. Fehler können auch durch mangelhafte Kenntnisse der Mitarbeiter über die zu vermarktenden Produkte oder der anzuwendenden Prozesse entstehen. 7 In immer kürzeren Produktzyklen werden hochkomplexe Finanzinnovationen entwickelt. Um diese in ihrer Komplexität zu verstehen, bedarf es zunehmender Anforderungen an die Bankmitarbeiter. Das Institut muss dafür Sorge tragen, dass die beschäftigten Mitarbeiter hochqualifiziert sind, denn ansonsten avanciert die Abschätzung der mit einem neuen Produkt verbundenen Risiken zur Herausforderung. 8 Personalfluktuation macht darüber hinaus langfristig angelegte Ausbildungskonzepte oftmals obsolet. Zudem kann ein Verlustpotential auch durch bewusstes Fehlverhalten von Mitarbeitern entstehen. Derart betrügerisches Verhalten findet beispielsweise Ausdruck in der Umgehung von unternehmenspolitischen Vorschriften, der Verwendung von Insiderwissen oder auch durch Kompetenzüberschreitungen. Die Möglichkeit zu Betrug ist grundsätzlich nur dort möglich, wo Schwachstellen der Unternehmung entdeckt und zum eigenen Vorteil genutzt werden können. 9
Von wesentlicher Bedeutung sind auch die manchmal mangelnde Integrität der Mitarbeiter, fehlendes Verständnis von Teamwork und mangelnder Kundenfokus und daraus resultierende Verluste. 10
6 Vgl. Amsler (2000), S. 1
7 Vgl. Brink (2000), S. 2
8 Vgl. Amsler (2000), S. 1
9 Vgl. Brink (2000), S. 3
10 Vgl. Keck/Jovic (1999), S. 965
Risiken in der Kundenbeziehung
Beispielhaft erwähnt seien hier Kundenbeschwerden aufgrund unerwarteter Probleme in der Abwicklung, Verletzung des Bankgeheimnisses, Schadensersatzforderungen der Kunden. Die Wahrnehmung der Bank durch Dritte ist von entscheidender Bedeutung.
Externe Risiken
Die Bankenlandschaft unterliegt auch sogenannten externen Risiken, z.B. Änderungen der nationalen Gesetzeslage bzgl. der relevanten Regulierungen der Bankenlandschaft. 11 In jüngerer Zeit ist insbesondere auch die Bedeutung unerwarteter Verluste durch Naturkatastrophen, Feuer oder Terrorattentate gestiegen. Die Nicht-Vorhersehbarkeit solcher Ereignisse führt zu der Einsicht, dass diese Verluste durch angemessenes Kapital abgedeckt werden sollten.
Der andauernde Konsolidierungsprozess sowie der bestehende Druck auf die Margen der Finanzinstitute prägen deren Umfeld und ihr Verhalten am Finanzplatz. Banken sind unter Umständen bereit, spekulativer als nötig am Markt zu agieren um ihre Position im verschärften Wettbewerb zu sichern. 12
1.1 Definition und Abgrenzung der Marktrisiken von den operationellen Risiken
Jeder Marktteilnehmer ist im Laufe seiner Geschäftstätigkeit verschiedenen Marktrisiken ausgesetzt. Diese Marktrisiken spiegeln sich in Verlusten wieder, die sich durch veränderte bzw. schwankende Marktpreise ergeben und die zu einer potentiellen Wertminderung ausgewählter Vermögenspositionen führen. 13
Die Höhe des Risikos ist dabei abhängig von dem Ausmass der Preisschwankungen auf dem Weltmarkt und von dem Betrag der offen gehaltenen Position. Abhängig von der Art des Marktpreises lassen sich Zinsänderungs- und Aktienkursrisiken sowie Währungs- und Rohstoffrisiken als wesentliche Bestandteile identifizieren. 14 Marktrisiken sind insbesondere bei sehr handelsaktiven Banken von grosser Bedeutung. 15
11 Vgl. Keck/Jovic (1999), S. 964 f.
12 Vgl. Breuer (2000), S. 5
13 Vgl. Amsler (2000), S. 2
14 Vgl. Hartmann-Wendels (2000), S. 403
15 Vgl. Luz/Scharpf (2000), S. 1
Charakteristisch für diese Risikoart im Vergleich zu den operationellen Risiken ist, dass die Risiken täglich zu Marktpreisen bewertet werden können. Dies wird ermöglicht durch leicht zugängliche Glattstellungspreise, wie z.B. Börsenkurse oder Bildschirmpreise, die jederzeit unabhängigen Quellen (z.B. Reuters, Bloomberg) entnommen werden können. 16
Hinzu kommt, dass diese Positionsrisiken an einer anerkannten Börse oder an einem repräsentativen Markt gehandelt werden können.
Während die Existenz operationeller Risiken stets nachteilig für die Finanzinstitute ist und unmittelbar zu einem finanziellen Verlust führt, der sich auf die Gewinnsituation des Unternehmens auswirkt, besteht im Rahmen der Marktrisiken die Möglichkeit, diese Risiken bewusst einzugehen, um unter Umständen kurzfristig von den Marktschwankungen zu profitieren. 17
Ermöglicht wird dies durch derivative Geschäfte, durch die mit einem relativ niedrigem Kapitaleinsatz hohe Chancen aber auch Risiken von Marktpreisänderungen übernommen werden können. Die Folge ist, dass sich binnen kürzester Zeit durch zu starke unkontrollierte Ausweitung der derivativen Geschäfte bei für die Finanzinstiute ungünstiger Marktentwicklung ein enormes Risikopotential aufbauen kann. 18
1.2 Definition und Abgrenzung der Ausfallrisiken von den operationellen Risiken
Ausfallrisiken sind eine Form des Kreditrisikos, das für den Grossteil der Finanzinstitute das wichtigste zu steuernde Exposure darstellt. Es zeigt die Gefahr, dass „der Kreditnehmer seiner Verpflichtung zur Kredittilgung sowie der Zahlung der vereinbarten Zinsen, Provisionen und Gebühren nicht oder nur zum Teil nachkommt“. 19
Das Ausfallrisiko lässt sich in Adressenausfallrisiken und Sachwertausfallrisiken einteilen. Da das Sachwertausfallrisiko in einer potentiellen Wertminderung mündet, erkennt man hier die Vernetzung des Ausfallrisikos mit dem Marktrisiko. 20
Auch die Bewertung des Kreditrisikos ist, wie im Falle der Marktrisiken, jederzeit möglich. Zudem kann dem Ausfallrisiko durch entsprechende Diversifikation, d.h. Vermei- 16 Vgl.Basel Committee (2001), S. 111
17 Vgl. Keck/Jovic (1997), S. 908
18 Vgl. Luz/Scharpf (2000), S. 1
19 Büschgen (1992), S. 78
20 Vgl. Büschgen (1991), S. 311 f.
dung der Konzentration der Kreditvergabe in bestimmte Branchen und Regionen, proaktiv entgegengewirkt werden. 21
Gemein ist den Ausfallrisiken wie den operationellen Risiken, dass sie stark durch op-portunistisches Verhalten geprägt sind. Im Falle der operationellen Risiken gestaltet sich das Problem der asymmetrischen Informationsverteilung derart, dass die besser informierten Mitarbeiter ihr Wissen unter Ausnutzung unternehmensinterner Schwachstellen für betrügerische Akte verwenden.
Bei den Ausfallrisiken geschieht dies durch Vorenthaltung der für die Kreditvergabe relevanten Informationen durch die Kreditnehmer. Das Finanzinstitut kann dem Problem des moral hazard zum einen durch den Zugriff auf geeignete Informationen (Selbst/Fremdauskunft, Referenzen, öffentliche Register) entgegenwirken. Eine negative Auslese ermöglicht es, Kredite lediglich an Personen/Gesellschaften mit vermeintlich guter Bonität zu vergeben. Die Bonität der Debitoren wird zudem anhand einer personellen und materiellen Kreditwürdigkeitsprüfung festgestellt (z.B. anhand der Vermögens- und Ertragslage, Geschäftsentwicklung, Vertragstreue des Kreditnehmers). 22 Zum anderen soll durch entsprechende Vertragsgestaltung die moral hazard Problematik umgangen werden. Von seiten der Banken dienen Kreditsicherheiten wie z.B. die Abtretung von Forderungen und Rechten, die Verpfändung von Wertgegenständen, Sicherungsklauseln o.ä. als wichtiges Instrument um die Höhe des Verlustes zu vermindern, falls der Debitor seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. 23 Die Akzeptanz von Bürgschaften ermöglicht es zudem, dass das Ausfallrisiko auf Dritte abgewälzt werden kann. 24 Basierend auf diesen Analysen erfolgt die Entscheidung einer Bank für das Engagement mit der jeweiligen Adresse. 25
Neben der erwähnten Problematik des moral hazard bestehen weitere Schwierigkeiten in der Abgrenzung der operationellen Risiken von den Kreditrisiken. Dies kann beispielhaft durch einen Kreditausfall verdeutlicht werden, der in Folge unzureichender Kreditwürdigkeitsprüfung seitens des Bankmitarbeiters entstanden ist. Untrennbar gehen hier Kreditrisiken und operationelle Risiken ineinander über, beide Risiken müssen mit Eigenmitteln unterlegt werden.
21 Vgl. Hartmann-Wendels/Pfingsten/Weber (2000), S. 586
22 Vgl. Kasten/Bergmann/Richard/Mühlmeyer (1993), S. 412 ff.
23 Vgl. Schierenbeck (1999), S. 409 f.
24 Vgl. Hartmann-Wendels/Pfingsten/Weber (2000), S. 586
25 Vgl. Buhr (2000), S. 203
Quote paper:
Kerstin Weber, 2001, Operationelle Risiken, Munich, GRIN Publishing GmbH
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