Katharina Bergmaier 1.) Einleitung
Mit dem Aufkommen und der Verbreitung des Internet wurden auch große und neue Möglichkeiten der Gegeninformation und des Protests geboren- der Netzaktivismus. Was ist Netzaktivismus und was beinhaltet es?
Netzaktivismus trennt sich in mehrere Bereiche, es werden jedoch von verschiedenen AutorInnen unterschiedliche Teilbereiche des Netzaktivismus definiert:
2.) Definition Netzaktivismus
Koch trennt Netzaktivismus in drei Bereiche: 1.) herkömmlichen, unspektakulären Aktivismus durch Versenden von Informationen, Demoaufrufe, Petitionen etc... 2.) Hackaktivismus/ elektronischer ziviler Widerstand (setzt sich aus den Wörtern Hacking und Aktivismus zusammen): Seiten/Daten werden beim
Hackaktivismus/elektronischen zivilen Widerstand blockiert (z.B. durch virtuelle Sit-Ins) oder verändert (z.B. wird Jörg Haider ein Hitlerbärtchen aufgemalt), jedoch in Abgrenzung vom Cyberterrorismus wird bei Methoden des Hackaktivismus/elektronischen zivilen Widerstand nichts (keine Daten...)zerstört 3.) Cyberterrorismus stellt schließlich jene Variante des Netzaktivismus dar, dessen Ziel darin besteht, möglichst viel Schaden auf einer Homepage/ einem Server anzurichten. (vgl. Koch, Holger (2008): Politik im Internet. Aktivismus, Hackaktivismus, Cyber-Terrorismus. In: URL: http://internettechnik-netzwerktechnik-suite101.de/article.cfm/politik_im_internet dl: 21.6.2010)
Inke Arns definiert hingegen zwei Stränge des Netzaktivismus:
1.)Den blockierenden Ansatz des Hackaktivismus/elektronischen zivilen Widerstands und 2.) den ermöglichenden Ansatz, welcher auf Vernetzung und die Schaffung von Kommunikationsbeziehungen abzielt. (vgl. Arns, Inke: This is not a toy war. Politischer Aktivismus in Zeiten des Internet. In:
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http://www.projects.v2.nl/~arns/Texts/Media/notoywar.html dl: 21.06.2010 ) 1 Der Begriff Hackaktivismus/elektronischer ziviler Widerstand umfasst Onlineproteste, welche eine Störung hervorrufen, wie z.B. virtuelle Sit-Ins (vgl. Arns, Inke: This is not a toy war. Politischer Aktivismus in Zeiten des Internet. In: http://www.projects.v2.nl/~arns/Texts/Media/notoywar.html dl: 21.06.2010 ) . Da Hackaktivismus/elektronischer ziviler Widerstand meistens darauf abzielt, den ausgemachten Gegner zu stören und dessen Kommunikationsfähigkeit zu unterbrechen indem z.B. dessen Homepage durch Überflutung lahmgelegt wird; steht laut Arns diese Protestform “in eklatanten Widerspruch zum “Hacker-Primat“ des “möglichst optimalen, ungehinderten Datenflusses“.“(siehe Arns, Inke: This is not a toy war. Politischer Aktivismus in Zeiten des Internet. In:
http://www.projects.v2.nl/~arns/Texts/Media/notoywar.html dl:21.06.2010) Aus diesem Grund werden HackaktivistInnen wie das Electronic Disturbance Theater auch von HackerInnen kritisiert. Ein weiterer Kritikpunkt von Seiten der HackerInnen an den HackaktivistInnen ist, dass durch deren verwendete Methoden des virtuellen Sit-Ins nicht nur die intendierten, feindlichen Server lahmgelegt werden, “sondern auch die Router, also die Computer, die zwischen Angreifer und Angriffsobjekt liegen.“ (siehe Arns, Inke: This is not a toy war. Politischer Aktivismus in Zeiten des Internet. In: http://www.projects.v2.nl/~arns/Texts/Media/notoywar.html dl: 21.06.2010)
3.) Elektronischer ziviler Widerstand/ Hackaktivismus
In diesem Text werden wir uns hauptsächlich mit Hackaktivismus/elektronischen zivilen Widerstand beschäftigen.
Hackaktivismus/elektronischer ziviler Widerstand (setzt sich aus den Wörtern Hacking und Aktivismus zusammen.
Hackaktivismus/elektronischer ziviler Widerstand ist als elektronisches/virtuelles Pendant zum physischen zivilen friedlichen Widerstand definiert. Diese Widerstandsform verwendet als häufigste Methode virtuelle Sit-Ins, die wie eine reale physische Blockade für die Seite 1 Dieser Text wurde auch publiziert in: Münkler, Stefan/ Rösler, Alexander (Hrsg.) (2002): Praxis Internet, Frankfurt/Main: Suhrkamp, S. 37-60
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wirken. Es werden also Seiten/Daten beim elektronischen zivilen Widerstand/Hackaktivismus blockiert oder verändert- jedoch in Abgrenzung vom Cyberterrorismus werden in Rahmen von Maßnahmen des elektronischen Widerstandes/Hackaktivismus Daten oder Systeme nicht zerstört. Die Gewaltfreiheit ist beim elektronischen zivilen Widerstand analog zum traditionellen passiven zivilen Widerstand ein zentrales Merkmal.
Der erste globale virtuelle Sit-In fand 1998 statt, als Solidaritätsaktion für die Ermordung zahlreicher Indigener in Chiapas. Die zu dieser Aktion mobilisierende italienische AktivistInnengruppe The Anonymous Digital Coalition rief auf, mexikanische Homepages von Finanzinstitutionen zu besuchen und alle paar Sekunden den Reload-Button (Aktualisierungsbefehl) zu betätigen und dadurch eine Überforderung der Seite hervorzurufen und sie somit lahmzulegen, zu blockieren; sodass die Seite ausfällt und nicht mehr erreichbar ist.
Heute sind in der Öffentlichkeit “angekündigte und zeitlich begrenzte virtuelle Sit- Ins die meistverwendete Methode des politischen Aktivismus im Internet“ (siehe Koch, Holger (2008): Politik im Internet. Aktivismus, Hackaktivismus, Cyber-Terrorismus. In: URL: http://internettechnik-netzwerktechnik-suite101.de/article.cfm/politik_im_internet dl: 21.6.2010)
Gleichzeitig entwickeln Staaten und Firmen Gegenprogramme zu diesen FloodNet-Programmen.
Mehrere AktivistInnen und AktivistInnengruppen griffen nun dieses Konzept auf und entwickelten es weiter.
AktivistInnenkollektive wie CAE (Critical Art Ensemble) und EDT ( Electronic Disturbance Theater) haben einerseits die Theorie des elektronischen Widerstandes, andererseits aber auch Methoden zu dessen Umsetzung entwickelt. (vgl. Spörr, Bettina: Elektrohippies und andere Störer im Cyberspace. Vom zivilen Ungehorsam zum elektronischen Widerstand. In: http://www.igbildendekunst.at/bildpunkt/2008/nichtallestun/spoerr.htm dl: 21.06.2010)
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Arbeit zitieren:
Katharina Bergmaier, 2010, Netzaktivismus, Electronic Resistance, Electronic Disturbance: Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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