1. Einleitung
Wertschöpfungsketten im Allgemeinen sind stets geprägt von Machtstrukturen innerhalb dieser. Einzelne, vermeintlich schwächere Akteure sind gezwungen sich stärkeren Gliedern unterzuordnen und Bedingungen zu akzeptieren, die unter anderen Voraussetzungen nicht herrschen würden. In den vergangenen Jahren trat verstärkt der Einzelhandel als Akteur in den Vordergrund. Wie Dannenberg in seinen Untersuchungen feststellte, „...sehen sich Landwirte (in Brandenburg und Polen, eigene Anmerkung) durch Einzelhandelsketten aber auch durch Verbraucher und Politik einem hohen Preisdruck und/oder Qualitätsdruck ausgesetzt...“ (2007, S.155). Sie sind dadurch angehalten durch geeignete Maßnahmen auf die geänderten Bedingungen zu reagieren um weiterhin gewinnbringend wirtschaften zu können. Im Folgenden soll der Einzelhandel als Akteur, die Geschichte seiner Entwicklung sowie die Gründe für den Machtzuwachs innerhalb der Wertschöpfungsketten betrachtet werden.
2. Einzelhandel in Deutschland
Definition:
„Absatz von Gütern an Endverbraucher durch spezielle Handelsbetriebe, die die Wa- renvom Großhandel oder vom Produzenten beziehen und in der Regel ohne Be- undVerarbeitung weitergeben.“ (wirtschaftslexikon24.net, 2009)
Der Einzelhandel unterliegt seit einigen Jahren einem anhaltenden Strukturwandel. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere die Folgen der Weltwirtschaftskrise, üben einen stetigen Handlungsdruck auf die deutschen Einzelhandelsunternehmen aus. Bereits seit den frühen neunziger Jahren kam es wiederholt zu Umsatzeinbrüchen. Laut einer Verdi-Studie (Quelle?) hatte dies eine Wettbewerbsverschärfung einerseits zwischen den Unternehmen und andererseits zwischen einzelnen Betriebsformen zur Folge.
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Während sich die Anbieter im Zuge des anhaltenden Wettbewerbsdrucks mit immer stärkeren Preisnachlässen unterboten, wurde der innerstädtische Einzelhandel zunehmend von Standorten in den urbanen Randgebieten abgelöst. (2002, S.5) „Da- durchhat sich bei der räumlichen Verteilung des Einzelhandels die herausragende Position der Innenstadt deutlich abgeschwächt“ (Meyer, 1992, S. 250). Entscheidend für diese Entwicklung sind zum Einen die gestiegene Mobilität der Verbraucher und zum Anderen die Zunahme der Verkaufsflächen (vgl. Verdi, 2002, S.5). Ein weiterer Grund ist das Kaufverhalten der Kunden, das sich auch seit einigen Jahren einer starken Wandlung unterzieht. Dies führte in einigen speziellen Bereichen zu einer Spezialisierung in Form von Fachmärkten (Abb.2) und in anderen Bereichen zu Despezialisierungen in Form von Verbrauchermärkten mit einem vielfältigen Warenangebot. Eine vom restlichen Europa abgegrenzte Entwicklung ist die in der BRD seit den 1960er Jahren auftretende Manifestation Etablierung von Lebensmitteldiscountern. Mit Marktstrategien, wie beispielsweise einem begrenzten, dauerhaft sehr preiswerten Angebot, setzen sie andere Einzelhandelsunternehmen zunehmend unter Anpassungsdruck. Folge war der Einbruch der Gewinnmargen seit endgültigem Anstieg der Discountsparte Anfang der 90er Jahre. Abbildung 1 zeigt den Anstieg des Marktanteils der Discounter am Gesamtumsatz (mit Aldi), im Zeitraum von 1997 bis 2007, um 11,4 % auf 41,1 %. Im Jahr 2006 setzten die Discounter Waren im Wert von etwa 54 Milliarden Euro um (BVL, 2007). Allein Aldi als größter Lebensmitteldiscounter steigerte seinen Anteil am gesamtdeutschen Markt zwischen 1997 und 2007 um 3,6% (vgl. Abb.1). Aldi gilt als Signalgeber im deutschen Einzelhandel, dem
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andere Discounter und Supermärkte mit kurzem Abstand folgen. Auch bei der Anzahl der Geschäfte nehmen die Discounter mit etwa 14800 Ladeneinheiten einen stetig wachsenden Anteil ein. Im Jahr 2007 entsprach dies schon 26.9 % der gesamten Geschäfte der deutschen Einzelhandelsunternehmen. Im Vergleich dazu hatten die Supermärkte mit 8170 Geschäften einen Anteil von 14,9 % (vgl. BVL, 2009). Den zweitgrößten Marktanteil mit 29,2%, nehmen aktuell die großen Verbrauchermärkte und SB-Warenhäuser mit einer Verkaufsfläche ab 1500 m² ein. Die stärksten Einbußen mussten die Geschäfte mit
einer Verkaufsfläche von weniger als 800 m² Verkaufsfläche. Ihr Anteil fiel von 29,2 % im Jahr 1997 auf nur noch 16,1 % im Jahre 2007. Die steigenden Betriebs- und Unterhaltskosten kompensieren die Unternehmen größtenteils durch Personaleinsparung (vgl. Verdi, 2002, S.6). Neben den Lebensmitteldiscountern ist der Einzelhandel vor allem durch Einzelhandelsverbundgruppen, in denen mehrere unternehmen zusammengefasst sind, geprägt. Diese verbuchten bereits im Jahr 2002 rund ein Drittel des Gesamtumsatzes (Wortmann, 2003, S.4). Bedeutende Verbundgruppen sind
Tengelmann oder EDEKA. In Tabelle 1 fällt vor allem die fluktuierende Beschäftigungszahl auf. Dem gegenüber steht ein bis zum Jahr 2007 stetig wachsender Umsatz. Einzig das Jahr 2008 verzeichnete einen deutlichen Umsatzrückgang. Dies ist wohl auf das zögerliche Kaufverhalten im Zuge der Weltwirtschaftskrise zurück zu führen. Diesbezüglich gilt es jedoch genauere Analyseergebnisse abzuwarten. Aktuelle Statistiken des Statistischen Bundesamtes bestätigen einen erneuten Umsatzrückgang. Im September 2009 setzte der Einzelhandel im Vergleich zum Vorjahresmonat 3,9% weniger um (vgl. Statistisches Bundesamt, 2009, Pressemitteilung Nr.412).
der Einzelhandelsstrukturen in Deutschland
3. Entwicklung der Einzelhandelsstrukturen in Deutschland
3.1 Entwicklung in der BRD
Betrachtet man die Entwicklung des deutschen Einzelhandels vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute, so treten mehrere Entwicklungen in den Vordergrund. Kulke zählt den Wandel vom personalkostenintensiven Bedienungsladen hin zum personalkostensparenden Selbstbedienungsladen als wichtiges Resultat des Betriebsfor-menwandels (vgl. 2004, S.153). Dies trifft zugegebenermaßen nicht auf alle Bereiche des Einzelhandels zu, stellt jedoch auf den Lebensmitteleinzelhandel bezogen, die
Arbeit zitieren:
Robert Müller, 2009, Der Einzelhandel und dessen Einfluss auf Wertschöpfungsketten, München, GRIN Verlag GmbH
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