Humboldt-Universität zu Berlin
Geographisches Institut
Regionalmanagement als Entwicklungsstrategie
OS Konzepte der regionalen Entwicklung WS 2009/2010
1. Einleitung
Regionale Entwicklung ist längst nicht mehr Aufgabe der Regionen allein und wird außerdem nicht mehr durch administrative Grenzen bestimmt. Treibende Kräfte zunehmender Regionalisierung können, für Deutschland betrachtet, in der fortschreitenden Globalisierung und der Abgabe staatlicher Steuerungskompetenzen an die europäische Ebene gesehen werden. Globalisierung wird in der aktuellen Diskussion auch immer mit Regionalisierung in Verbindung gebracht. Nur diejenigen Regionen können einer drohenden Peripherisierung entgegenwirken, die sich mit möglichen Chancen einer globalisierten Wirtschaft auseinandersetzen. Regionalentwicklung wurde über lange Zeit mit Wirtschaftsentwicklung gleich gesetzt. Doch im immer schärfer werdenden Wettbewerb um Investoren, der Ansiedlung von bedeutenden Wirtschaftsunternehmen und ferner im Wettstreit der Regionen untereinander, bedarf es bestimmter, teils konservativer, teils innovativer Konzepte um nachhaltige regionale Entwicklung zu betreiben. Neben Ansätzen wie der Förderung regionaler Wachstumskerne, dem Saatbeet-Inkubator-Konzept oder dem Polarisation-Ansatz findet zunehmend das Konzept des Regionalmanagements Anwendung. Der stetige Bedeutungszuwachs der regionalen Ebene und das auf kommunaler Ebene bestehende institutionelle Vakuum erforderte neue, flexiblere Möglichkeiten. Die vorliegende Arbeit stellt das Konzept des Regionalmanagements vor und geht auf Ziele und Akteure dieses im Laufe der Zeit mehr und mehr an Bedeutung gewinnenden Ansatzes ein.
2. Begriffsklärung
2.1 Region
Für den Begriff Region existieren bislang verschiedene Definitionen. In Abhängigkeit der jeweiligen Annäherung an ein Thema ist es von Vorteil sich bewusst zu werden welche Form der Definition bevorzugt wird. Oft wird im Zusammenhang einer Definition von Region auf die Homogenität eines Gebietes bestimmte Merkmale betreffend gesprochen. Die Merkmale auf die sich dabei bezogen wird sind dabei von unterschiedlicher Natur. Es kann sich dabei auf kulturelle, religiöse, ethnische oder sprachliche Gemeinsamkeiten bezogen werden. Natürlich können auch geographische Merkmale eine Region eingrenzen. Eine weitere Möglichkeit der Definition einer Region besteht in der Zusammenfassung bestimmter Gebiete nach funk-
2
Humboldt-Universität zu Berlin Geographisches Institut Regionalmanagement als Entwicklungsstrategie OS Konzepte der regionalen Entwicklung WS 2009/2010
tionalen Merkmalen oder anhand einer wechselseitigen Abhängigkeit durch beispielsweise rege Pendlertätigkeit.
Die Europäische Union definiert eine Region als eine direkt unterhalb der Nationalstaaten angesiedelten Gebietskörperschaft(Brasche 2003, S.215). Dabei gibt es aufgrund der unterschiedlichen politischen und administrativen Struktur der einzelnen Mitgliedsstaaten auch Unterschiede hinsichtlich der Regionen.
2.2 Management
Der Begriff Management leitet sich aus dem englischen „to manage“ ab und bedeutet so viel wie handhaben oder leiten. Dieses steht in Verbindung mit einem Konzept, das die Gesamtheit aller Handlungen umfasst, um bestmöglich formulierte Ziele zu erreichen (Brockhaus; Band14, S.134). Management bezeichnet die Summe der „Funktionen Planen, Entscheiden, Organisieren, Führen, Kontrollieren, Beurteilen (…) zur Steuerung einer Unternehmung. Genauer betrachtet handelt es sich dabei um die Gestaltung, Lenkung und Entwicklung sozialer Systeme“(Woll 2008, S.506).
3. Regionalmanagement
3.1 Definition
Auch für den Begriff Regionalmanagement existiert bislang keine einheitliche Definition. Das Handwörterbuch der Raumordnung definiert Regionalmanagement als ein „auf regionaler Ebene ansetzendes, informelles Handlungskonzept prozeduraler Diskurssteuerung, um Hemmnisse der Regionalentwicklung abzubauen und Entwicklungsoptionen durch kollektiv getragene Planungs- und Umsetzungsbemühungen zu eröffnen“. (2005, S.942) Besonderes Augenmerk wird auf den aus dem Unternehmensbereich stammenden Managementbegriff (vgl. 2.2) gelegt. Die Vorteile auf kommunikativer Basis sollen eine effektivere Prozessgestaltung und ein leichteres Controlling ermöglichen. (2005, S.942) Laut Gaby Troeger-Weiss zeichnet sich das „Instrument Regionalmanagement“ vor allem durch drei Elemente aus. Der Handlungsorientierung, der Umsetzungsorientierung und der Projektorientierung. (Troeger-Weiss 1998, S.176)
3
Humboldt-Universität zu Berlin Geographisches Institut Regionalmanagement als Entwicklungsstrategie OS Konzepte der regionalen Entwicklung WS 2009/2010
Um dem Leser dennoch eine greifbare Definition zu bieten möchte ich dafür einen Auszug aus dem „Handbuch für Regionalmanagement“ des damaligen Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen (StMLU) nutzen. (2003, S.2)
Demnach ist Regionalmanagement:
„umsetzungsorientierte Initiierung und Weiterführung querschnittsorientierter regionaler Entwicklungsprozesse durch qualifiziertes Personal auf der Grundlage der Entwicklungsvorstellungen regionaler Akteure bei Beachtung externer Rahmenbedingungen“ (MAIER, 2000). Es geht sektorübergreifend um die weitgefassten Aufgaben einer nachhaltigen Regionalentwicklung mit spezifischen Anforderungen an Moderation und Beratung, Konzeptentwicklung, Projektbeurteilung und -management, Programmumsetzung, Marketing sowie Monitoring und Evaluation.“
Regionalmanagement kann genau genommen aus zwei Perspektiven betrachtet werden: Erstens ist es eine Organisation mit institutionellen Strukturen und Prozessen, die die in ihr handelnden Akteure steuert. Zweitens jedoch ist das Regionalmanagement selbst ein handelnder Akteur innerhalb gesellschaftspolitischer Strukturen und beeinflusst somit regionale Entwicklungsfragen. (vgl. Schlangen 2010, S.1)
3.2 Grundkonzepte des Regionalmanagements
Wie bereits unter 3.1 erwähnt, ist der Begriff Regionalmanagement kein scharf abgegrenzter Begriff. Auf dem „Experimentierlabor Region“ (Handwörterbuch der Raumordnung 2005, S.943) entstanden im Laufe der Zeit vielfältige Varianten. Mittlerweile werden vier gängige Grundkonzepte von Regionalmanagement unterschieden, welche vorwiegend praktische Anwendung finden. Eine grobe Unterscheidung wird demzufolge in a) Regionales Projektmanagement, b) Regionalmarketing, c) raumbezogenes Handlungskonzept und d) problembezogenes Regionalmanagement vorgenommen. (Löb 2003, S. 116 ff., Löb 2006, S. 60 ff.)Diese Unterteilung wird von verschiedenen Autoren vorgenommen. Ich beziehe mich hierbei, sofern nicht anders erwähnt, ausschließlich auf folgende Quelle: Löb 2006, S. 60 ff.
4
Arbeit zitieren:
Robert Müller, 2010, Regionalmanagement als Entwicklungsstrategie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Regionalmarketing - Definition, Elemente und Funktionsweise
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Die Selbstdarstellung von Regionen in Zeiten der Globalisierung
Regionalmarketing am Beispiel ...
Hausarbeit, 45 Seiten
Robert Müller hat einen neuen Text hochgeladen
Entwicklungsstrategien in der Informationsgesellschaft
Mensch, Wirtschaft und Umwelt
Wolf D. Grossmann
Beispiele der Stadt-und Regionalentwicklung
Beiträge zur Baukultur, Stadt-...
Thomas J. Mager, Dieter Wahlen
Nachhaltiges Marketing und Regionalentwicklung in Naturschutzgebieten
Eine Untersuchung am Beispiel ...
Angeles Piñar Alvarez
0 Kommentare