Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
2 INTENTIONEN UND SPRACHLICHE GESTALTUNG VON NACHKRIEGSLITERATUR. 5
2.1 INTENTIONEN DEUTSCHER SCHRIFTSTELLER NACH DEM ZWEITEN WELTKRIEG 5
2.2 SPRACHLICHE GESTALTUNG. 6
3 RÜCKKEHR IN DAS NACHKRIEGSDEUTSCHLAND - DIE UNMÖGLICHKEIT DER
VERANTWORTUNGSVOLLEN INTEGRATION IN DIE GESELLSCHAFT. 9
3.1 FAMILIÄRE SITUATION NACH DEM KRIEG 9
3.2 PROBLEMATIK DER ARBEITSSUCHE NACH DER HEIMKEHR. 12
3.3 UMGANG MIT DER SCHULDFRAGE 15
4 FAZIT. 18
LITERATURVERZEICHNIS 20
2
1 Einleitung
„Unzählige Überlebende suchten bei Kriegsende und danach ihre Verwandten und Freunde oder eine neue Heimat, kehrten unter schwierigsten […] Bedingungen aus dem Krieg zurück.“ (Plato & Leh 1997, S. 11). Der Zweite Weltkrieg war eines der dramatischten und gravierendsten Ereignisse der Menschheitsgeschichte. Mit dem Glauben an eine überlegene deutsche Rasse und verschuldet durch die Folgen des Ersten Weltkrieges versuchte die NSDAP, dem Führer folgend, Feinde im Land aber auch europaweit zu vernichten. Getrieben wurden die Soldaten, die dafür verantwortlich waren, die perversen Ziele des politischen Regimes auszuführen, von einer menschenverachtenden Ideologie. Dabei wurde auch das Volk in das Vorgehen involviert. Durch perfide Propaganda wurden die Menschen manipuliert und folgten zu großen Teilen ihrem Leitbild. „Schließlich sollten die Entscheidungen über Krieg und Rassenpolitik, die beiden zentralen Dimensionen der nationalsozialistischen Politik, auf Hitlers weltanschaulichen Willen zurückgehen.“ (Bundeszentrale für politische Bildung 2009). Wenn ein Diktator das Volk soweit manipuliert, dass dieses nahezu willenlos folgt, stellt sich die Frage nach der Verantwortung des Einzelnen. Mit perfiden Gedankenspielen zur Rassenlehre und Umdeutungen von Naturgesetzen versprach Hitler dem damaligen deutschen Volk, welches vom Ausgang des Ersten Weltkrieges unter anderem finanziell gezeichnet war, eine höhere Lebensqualität, da sie zur überlegenen Rasse gehören würden. Die leicht verständlichen und darüber hinaus verheißungsvollen Botschaften boten der rechtsextremistischen Ideologie Vorschub; ihren Anhängern eine glorreiche Perspektive. Die Folgen nach dem Zweiten Weltkrieg waren für die ganze Welt verheerend. 1 Weite Landstriche Europas waren zerstört. Darüber hinaus haben ca. 55 Millionen Menschen ihr Leben verloren, darunter knapp 6 Millionen deutsche Soldaten und Zivilisten. Zudem verloren mehr als 6 Millionen Juden, Sinti und Roma oder auch Homosexuelle durch den Holocaust ihr Leben, was auf den Fremdenhass im Dritten Reich und der dahinterstehenden Ideologie zurückzuführen ist (vgl. Pötzsch 2005). Nach Pötzsch (2005) war „Deutschland […] dreifach geschlagen: militärisch, politisch und moralisch.“ Speziell der moralische Aspekt war für deutsche Heimkehrer, die den Krieg und die Gefangenschaft überlebten, von entscheidender Bedeutung bei der Wahrnehmung ihrer spezifischen Situation. Durch die zunächst außerhalb Deutschlands stattfindenden Frontkämpfe in Frankreich im Westen und in Russland im Osten Europas waren die
1 In dieser Hausarbeit werden auf wirtschaftliche und strukturelle Auswirkungen des Krieges nicht explizit eingegangen, da diese für den Fortgang der Arbeit wenig zielführend wären.
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deutschen Soldaten auf feindlichem Terrain. Dabei gerieten sie im weiteren Verlauf des Krieges zunehmend in Kriegsgefangenschaft der Alliierten. Eine genaue Zahl, wie viele deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft waren, gibt es nicht. Schätzungen zufolge handelt es sich jedoch zwischen sechs und elf Millionen Soldaten, die in der Sowjetunion, in Amerika, England, Frankreich oder anderer Länder, welche direkt in den Krieg involviert waren, gefangen genommen wurden (vgl. Pötzsch 2005; Plato & Leh 1997, S. 11). Für diese Anzahl von zum Teil sehr jungen Männern hatte der Krieg somit ein persönliches Nachspiel.
Viele der deutschen Soldaten, die sich in Kriegsgefangenschaft befanden, kehrten zwischen 1946 und 1949 zurück in ihre Heimat. Teilweise verzögerte sich die Heimkehr jedoch auf bis zu zehn Jahre. Die Rückkehrer waren nicht nur körperlich, sondern auch seelisch schwer gezeichnet, sodass „nur 16 % der Entlassenen arbeitsfähig waren.“ (Plato & Leh 1997, S. 12). In ihre vermeintliche Heimat zurückgekehrt, fanden sie ein fremdes Deutschland vor, das sich nicht ausschließlich wegen der Kriegsschäden verändert darstellte. „Sie kamen zurück in eine Heimat, in der andere sich schon eingerichtet hatten, in eine Familie, in der sie nicht selten die Kinder gar nicht oder kaum kannten und in der es zu Entfremdung in der Ehe gekommen war.“ (Plato & Leh 1997, S. 12). Der Ablauf des Krieges sowie die Folgen daraus schienen für die zivile Gesellschaft lediglich optischer Natur zu sein, denn innerlich ließen die Menschen kaum Schuldgefühle erkennen. Die Stunde Null 2 markierte einen gravierenden Einschnitt in der Betrachtung der Gesellschaft im Bezug zu den Ereignissen, wobei Verdrängung omnipräsent zu sein schien (vgl. Heflik 2005). Die junge Generation deutscher Schriftsteller 3 , zu der auch Wolfgang Borchert zählt, verarbeitete diese Situationen literarisch. Das Drama „Draußen vor der Tür“ beschreibt die kaum vergleichbare Situation deutscher Heimkehrer auf eindrucksvolle Art und Weise. Dabei verfolgt das Werk spezifische Intentionen, denn es stellt sehr direkt die Frage nach der moralischen Verantwortung des Krieges sowie den Umgang mit Rückkehrern (vgl. Trinks 2002, S. 167 ff.). Doch nicht nur die beabsichtigte Wirkung auf den Rezipienten wird untersucht werden, sondern auch die sprachliche Gestaltung des Dramas von Wolfgang Borchert. Darüber hinaus
2 Die Stunde Null symbolisiert den Neuanfang Deutschlands nach der bedingungslosen Kapitulation 1945. Dabei gerieten die Ursachen für den Krieg häufig in Vergessenheit. Die Menschen schauten zwar positiv in die Zukunft, verdrängten jedoch das Erlebte (vgl. Heflik 2005). Die Nachkriegsliteratur - durch vielfältige Kurzgeschichten oder Dramen wie „Draußen vor der Tür“ - wollte dieser Form der Verdrängung des Erlebten entgegenwirken.
3 Die junge Generation stellte sich prinzipiell gegen den Faschismus und wollte literarische Anregungen zur Aufarbeitung der Nazivergangenheit schaffen. „So diente also der Begriff gleichermaßen der Abgrenzung wie der Identifikationsfindung.“ (Trinks 2002, S. 37).
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belegt die inhaltliche Analyse des Werkes das Leid deutscher Heimkehrer, die neben körperlicher Versehrtheit auch gesellschaftliche Ausgrenzung kompensieren mussten.
2 Intentionen und sprachliche Gestaltung von Nachkriegsliteratur
2.1 Intentionen deutscher Schriftsteller nach dem Zweiten Weltkrieg
„Einer verbreiteten Auffassung zufolge ist die Nachkriegsliteratur von der Dichotomie eines nüchternen Realismus und eines aus der inneren Emigration geschuldeten Tradition geprägt.“ (Trinks 2002, S. 159). Anhand dieses Zitates lassen sich Grundelemente vieler literarischer Werke der Nachkriegsliteratur aufzeigen. Der angesprochene nüchterne Realismus zielt dabei auf die inhaltliche Ebene der Kurzgeschichten und Dramen dieser Epoche ab. Sachverhalte werden offen dargestellt und belegen ohne etwaige Ausschmückungen wie prunkvolle Kleidung der Akteure oder Bühnenbilder, die nicht der Realität entsprechen, die wahrgenommene Situation der Autoren in der Gesellschaft jener Zeit. Der zweite relevante Aspekt bezieht sich auf die innere Emigration der Protagonisten, ergo das Zurückziehen in die eigene Perspektive, gefolgt von beziehungsweise begründet mit der grundsätzlichen Ablehnung der vorhandenen gesellschaftlichen Lebensweise. Und speziell die Lebenssituation nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges stellt sich für die heimgekehrten deutschen Soldaten als äußerst prekär dar. Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ ist in diesem Bezug als durchaus beispielhaft zu bezeichnen, wenn das Interesse des Lesers oder Zuschauers auf die äußeren - aber vor allem auch inneren - Lebensumstände deutscher Heimkehrer gerichtet wird. Explizit die sprachliche Gestaltung des Werkes ist dafür verantwortlich, dass Borchert ein hohes Maß an Anerkennung gewann, denn dadurch wurde das Stationendrama um den Heimkehrer Beckmann berühmt (vgl. Burgess 2002, S. 200 f.). Hinter seinem Werk verbergen sich jedoch spezifische Intentionen im Hinblick auf die Gesellschaft, die der Autor mit seinem Werk beabsichtigt.
Die junge Generation deutscher Schriftsteller hatte den Anspruch, sich grundlegend von den Ansichten der Vätergeneration zu distanzieren (vgl. Trinks 2002, S. 37). Darin enthalten war vor allem ein hohes Maß an gesellschaftlichem Engagement, speziell im Bezug zum zeitlichen Kontext sowie zu den Rezipienten. Dieses gesellschaftliche Engagement sollte sich anhand von mehreren Kriterien in den Werken widerspiegeln. Zunächst sollte die Situation, in der die Handlung eingebettet war, realistisch dargestellt werden, damit diese für den Rezipienten leicht verständlich und somit nachvollziehbar wurde. Dieser Leser oder auch Zuschauer des Werkes sollte das Gefühl bekommen, die Situation wiederzuerkennen, da
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diese den gesellschaftlichen Alltag abbildete. Im nächsten Schritt sollte das Leid der Handelnden transparent gestaltet werden. Hierbei wurde auf das Mitgefühl der Rezipienten abgezielt, da Mitgefühl einen entscheidenden Impuls voraussetzt: Der Leser oder Zuschauer wird zum Nachdenken angeregt. Dadurch, dass sich der Rezipient mit den Akteuren identifizieren kann, entsteht eine emotionale Beziehung der Beteiligten. Ist diese Schwelle des Einfühlens überschritten, konnte dazu übergegangen werden, die Frage nach der Verantwortung zu stellen. In den Werken zeigte sich, wie unterschiedlich mit der Verantwortung des Geschehenen umgegangen wurde und wer die Benachteiligten 4 an den historischen Ereignissen waren.
Insgesamt schildert dieses literarische Engagementkonzept ergo den Weg zur Aufarbeitung des Geschehenen, denn das Problem der Verdrängung historischer Ereignisse im Anschluss an das Dritte Reich schien omnipräsent zu sein (vgl. Trinks 2002, S. 168). Dabei waren die Intentionen deutscher Schriftsteller klar, denn dadurch, dass sich die Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit beschäftigte, erarbeitete sie sich ihren Anteil an der Vergangenheit und somit auch an ihrer Verantwortung bei den erlebten Ereignissen. Dieser Aspekt war bei den Bürgern sicherlich häufig mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden, die es galt aufzuarbeiten, doch sollte dieses Vorgehen der Auseinandersetzung mit seiner eigenen Vergangenheit für internationale Anerkennung sorgen (vgl. Trinks 2002, S. 171). Erst im Anschluss an diese Aufarbeitung wäre das Volk bereit gewesen, neue gesellschaftliche Ziele zu gestalten, die auf ein Leben in Freiheit gerichtet sein sollten. Zu erkennen ist somit die konkrete Forderung zur Auseinandersetzung mit der Nazizeit. Schriftsteller wie Wolfgang Borchert sind in der Lage gewesen, diese Forderung sprachlich adäquat zu vermitteln und somit die Rezipienten anzusprechen. Dies ist eindringlich in dem Stationendrama „Draußen vor der Tür“ nachzuvollziehen.
2.2 Sprachliche Gestaltung
„Pennen will ich. Tot sein. Mein ganzes Leben lang tot sein. Und pennen.“ (Borchert 2004, S. 11). Bevor die inhaltliche Relevanz des Werkes im Bezug zu deutschen Heimkehrern näher betrachtet wird, bedarf es einer Analyse der sprachlichen Gestaltung des Stationendramas. Sequenzen, wie die hier aufgeführte, lassen sich in Borcherts „Draußen vor
4 An dieser Stelle möchte ich festhalten, dass es sich bei den in dieser Hausarbeit behandelten Benachteiligten des Krieges um gesellschaftlich ausgegrenzte Heimkehrer handelt. Die Vielzahl an Opfern des Krieges soll dabei nicht relativiert werden, deren Leid und jenes der Angehörigen ist unermesslich. Doch eine nähere Differenzierung der Opfer würde den quantitativen Rahmen sprengen und ist bei der Analyse der Situation deutscher Heimkehrer wenig zielführend.
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Arbeit zitieren:
B.A. Marco Schindler, 2009, "Ein Mann kommt nach Deutschland", München, GRIN Verlag GmbH
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