Abstract
In dieser Arbeit wird am Beispiel Sri Lanka der Frage nachgegangen, inwieweit wirtschaftliche Faktoren eine Rolle für das Zustandekommen gewaltsamer ethnischer Konflikte spielen. Dabei wird davon ausgegangen, dass eine wirtschaftliche Konfliktdimension in einen Konflikt auf ethnischer Grundlage transformiert werden kann, wenn geeignete Bedingungen zur Identifizierung existieren. Untersucht wird der Zeitraum von der Unabhängigkeit 1948 bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs 1983. Für diesen Zeitraum stellt sich nach den Befunden wirtschaftliche Verschlechterung als notwendige Bedingung für den Ausbruch gewaltsamer Konflikte in Sri Lanka dar. Bei den drei gegebenen gewaltsamen Konflikten 1956, 1971 und 1983 fanden Zusammenschlüsse beteiligter Konfliktgruppen auf ethnischer Grundlage statt. Obwohl die unterschiedlichen ethnischen Konfliktgruppen ähnlichen wirtschaftlichen Umständen ausgesetzt und hinsichtlich der Beschäftigungslage ähnlich betroffen waren, fand kein Ethnien übergreifender Zusammenschluss statt. Die nachgezeichneten Prozesse der intraethnischen Zusammenschlüsse und die Merkmale der Konfliktgruppen legen nahe, dass Unzufriedenheit womöglich über ökonomische Entbehrungen in ethnische Bahnen gelenkt wurde, weil ethnische Identifizierungen geeignet waren, bei Problemen kollektiven Handelns Zusammenschlüsse innerhalb der Ethnien auf dieser Grundlage zu erleichtern.
Abkürzungsverzeichnis
JVP = Janatha Vimukthi Peramuna (Volksbefreiungsfront)
LTTE = Liberation Tigers of Tamil Eelam
SLFP = Sri Lanka Freedom Party
TULF = Tamil United Liberation Front
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 5
2. Das Land und seine Geschichte seit der Unabhängigkeit 1948 6
3. Wirtschaftliche Faktoren, sozialer Status und Konflikt 8
4. Identität und kollektives Handeln 9
5. Modell und Hypothesen 12
6. Befunde 14
6.1 Wirtschaftliche Bedingungen und gewaltsamer Konflikt 15
6.2 Zusammenschluss von Gruppen zu gewaltsamen Konflikten. 17
7. Schluss. 19
Literatur 21
1. Einleitung
Das 20. Jahrhundert hat eine beachtliche Zahl an innerstaatlichen Konflikten erlebt. Ursprungsländer dieser Konflikte gehören meistens der Zweiten und Dritten Welt an. Es stellt sich deshalb die Frage, inwiefern soziale und wirtschaftliche Faktoren ausschlaggebend für derartige Konflikte sein können. In der Literatur zu politischen ethnischen Konflikten finden sich ökonomische Faktoren in einer Reihe von „large-N“ Studien berücksichtigt (u.a. Collier/Hoeffler 2004; Fearon/Laitin 2003; Gurr 1993). Nicht immer sind die Befunde hinsichtlich ökonomischer Faktoren als Konfliktursache eindeutig. Dennoch scheint ein Konsens darüber zu bestehen, dass ökonomische Faktoren eine Rolle für die Erklärung von gewaltsamen Konflikten spielen können. Die vorliegende Arbeit soll einen Beitrag zur Klärung der Bedeutung des strukturellen Faktors „ökonomische Bedingungen“ für das Auftreten gewaltsamer ethnischer Konflikte leisten. Das Design ist insofern Faktor zentriert. Die herangezogene Untersuchungseinheit Sri Lanka ist insofern von Interesse und Belang, als die ethnischen Konflikte sich dort über einen längeren Zeitraum entwickelt haben. Vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges im Jahr1983 traten bereits mehrmals gewaltsame Eskalationen auf, die - wie im Verlauf der Arbeit aufgezeigt wird - von ethnischen Gruppen ausgingen. Es bietet sich somit an, eine Fallstudie über die Zeit mit den Jahren seit der Unabhängigkeit des Landes 1948 bis 1983 als Grundlage des Vergleichs durchzuführen. 1
Die zentrale Frage dieser Untersuchung lautet, inwieweit wirtschaftliche Faktoren das Zu-standekommen gewaltsamer Konflikte auf ethnischer Basis in Sri Lanka erklären können. Es wird davon ausgegangen, dass materielle Entbehrung und Benachteiligung das Antriebsmoment von gewaltsamen Konflikten bilden. Daraus lässt sich die Bedeutung materieller Verhältnisse für soziale Prozesse ableiten. Der zugrunde gelegte Ansatz geht nicht von einem direkten Zusammenhang zwischen ökonomischen Bedingungen und einem gewaltsamen Konflikt aus. Als entscheidend für die Umsetzung von materiellen Bedingungen in einen tatsächlichen gewaltsamen Konflikt wird eine gemeinsame Identifikation angenommen, die es den Menschen erleichtert, gemeinsam zu handeln. Dieser identitätsbezogene Faktor soll zusammen mit dem ökonomischen Faktor erklären, weshalb gewaltsame Konflikte auf Sri Lanka auf ethnischer Basis geführt wurden. Hier soll also das Design einer Fallstudie für die Prüfung eines Modells über einen Mechanismus der Entstehung gewaltsamer ethnischer Konflikte entwickelt werden. Im Mittelpunkt der Analyse stehen die wirtschaftlichen Verhältnisse. Die zentrale These lautet zunächst, dass eine Verschlechterung der ökonomischen Bedingungen
1 Für das zugrunde gelegte Verständnis einer Fallstudie siehe Gerring 2004.
5
die Wahrscheinlichkeit für einen gewaltsamen Konflikt erhöht. Darüber hinaus wird versucht, nachzuvollziehen, welche Bedingungen für gemeinsame Identifikationen bestanden, und welche Formen von Identifikation, und in der Folge von Zusammenschlüssen, zu erwarten waren und sich dann tatsächlich ereignet haben. Untersucht wird der Zeitraum seit der Unabhängigkeit des Landes 1948 bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges 1983. Es sei davon ausgegangen, dass mit dem Ausbruch des Bürgerkrieges ein Wendepunkt erreicht wurde, da nach dieser Eskalation andere Faktoren eine wichtigere Rolle gespielt haben dürften als wirtschaftliche Bedingungen. Daher werden die Geschehnisse nach 1983 nicht in die Untersuchung einbezogen. Das folgende Kapitel Zwei gibt zunächst einen kurzen Abriss über Sri Lanka und einige Eckpunkte der Geschichte des ethnischen Konflikts in dem Land. Dies soll als Hintergrund für die weiteren Ausführungen dienen. Die Kapitel Drei bis Fünf definieren wichtige Begriffe, stellen die Bedeutung von ökonomischen Faktoren für gewaltsame Konflikte dar, führen über Identität im Zusammenhang mit Problemen kollektiven Handelns aus und beschreiben schließlich zusammenfassend das Modell und die Hypothesen der Untersuchung. Die Ergebnisse werden im sechsten Abschnitt dargestellt. Abschnitt Sieben gibt eine Zusammenfassung der Arbeit und wirft einen Blick auf gegebenenfalls weiteren Forschungsbedarf.
2. Das Land und seine Geschichte seit der Unabhängigkeit 1948
Nach den Daten des Zensus von 1981 verteilt sich die Bevölkerung Sri Lankas zu 74 Prozent auf Singhalesen, 13 Prozent auf Tamilen der nord-östlichen Region, sieben Prozent Muslime und sechs Prozent Tamilen im Hochland (Sriskandarajah 2005, 344). 2 Der ethnische Konflikt entbrannte zwischen den beiden größten Gruppen, Tamilen und Singhalesen. Im Folgenden soll nachgezeichnet werden, welche Entwicklungen sich in Sri Lanka insbesondere mit Blick auf das Verhältnis der beiden genannten Gruppen seit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft vollzogen haben.
Die Unabhängigkeit erlange das damalige Ceylon am 4. Februar 1948. Noch in der darauf folgenden Zeit waren Tamilen in der Verwaltung überrepräsentiert (DeVotta 2000, 60). Die singhalesische Regierung und Mehrheit beseitigte diese „Disproportion“ nach der Unabhängigkeit systematisch (Sriskandarajah 2005, 342). Unter dem Motto „Sinhala only“ (Sinhala ist die Sprache der Singhalesen) gewann das Wahlbündnis Vereinigte Volksfront unter Führung der Sri Lanka Freedom Party (SLFP), geleitet von Bandaranaike, 1956 die Parlamentswahlen.
2 Hochland-Tamilen sind im Wesentlichen indische Einwanderer, sie haben seit 1949 keine Staatsbürgerschaft (Yacoub 1998).
6
Arbeit zitieren:
Pascal König, 2008, Ethnische Identität als Katalysator wirtschaftlicher Entbehrungen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Pascal König hat einen neuen Text hochgeladen
Serendip. Die echte Sri-Lanka-Küche
Peter Kuruvita, Alan Benson, Philip Kuruvita, Natascha Afanassjew
0 Kommentare