garantieren sollen. Doch wie die Beispiele in Afghanistan und Irak aufzeigen, ist das Gelingen einer peacebuilding-Mission von äußerst vielen Faktoren abhängig, welche sich von Mission zu Mission und von Nation zu Nation unterscheiden. Solche Faktoren können bspw. ökonomischer, politischer oder auch kultureller und gesellschaftlicher Natur sein. Meiner Meinung nach ist demzufolge jede Mission, welche sich Friedenskonsolidierung zum Ziel setzt, individuellen und spezifischen Herausforderungen ausgesetzt. Diese werden im Verlauf dieser Arbeit herausgestellt und thematisiert. 2. Ziele, Umsetzung und Herausforderungen von Friedenskonsolidierung Wie ich bereits in der Einleitung dieser Arbeit andeutete, sind Missionen mit dem Ziel der Friedenskonsolidierung in erster Linie darauf ausgerichtet, nachhaltig Frieden zu sichern und somit einen erneuten Ausbruch eines kriegerischen Zustandes zu verhindern. Ferdowski und Matthies führen in ihrem Buch „Den Frieden gewinnen“ auch den Begriff der „nachholenden Prävention“ nach Schnabel auf. Demzufolge lässt sich der Begriff Friedenskonsolidierung, welcher mit peacebuilding gleichzusetzen ist, von verwandten Begriffen wie etwa dem peacekeeping und peacemaking genau abgrenzen. Während letztere eher auf kurz- bis mittelfristige Erfolge ausgerichtet sind und zudem militärische Präsenz zwingend voraussetzen, ist der peacebuildingansatz auf langfristige Erfolge ausgerichtet. Ausgangspunkt des peacebuilding ist die Überlegung, durch politische, ökonomische, kulturelle und gesellschaftliche Maßnahmen die betroffene Nation derart zu stabilisieren, dass der erneute Ausbruch eines gewaltvollen Konfliktes verhindert wird. Schneckener führt diesbezüglich vier Dimensionen auf, an welchen Friedenskonsolidierungsmaßnahmen bzw. peacebuilding ansetzen. Er unterscheidet zwischen der sicherheitspolitischen-, politischen-, sozio-ökonomischen- und psycho-sozialen Dimension. Auf der Grundlage dieser Dimensionen von peacebuilding formuliert Schneckener vier unterschiedliche Strategie-Ansätze aus, welche bei peacebuilding Vorhaben angewandt werden. Die Strategie des Liberalization First zielt insbesondere darauf ab, ein marktwirtschaftliches System einzuführen und auf dieser Grundlage eine demokratische politische Ordnung zu errichten.
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Eine dementsprechende Maßnahme ist die Organisation von frühen und freien Wahlen. Ebenso wie Liberalization First, ist die Security First- Strategie als eine kurz- bis mittelfristige Strategie anzusehen. Hierbei liegt das Hauptaugenmerk allerdings eher darauf, der Bevölkerung im betroffenen Land eine möglichst hohe Sicherheitsgarantie zu gewährleisten und demnach mögliche Konfliktparteien voneinander zu trennen und zu entwaffnen. Eher mittel- bis langfristig angelegt ist dagegen die Strategie des Institutionalization First. Sie zielt insbesondere darauf ab, staatliche Institutionen zu errichten und somit Justiz, Polizei und Verwaltung zu reformieren. Ebenso langfristig ausgelegt ist die Civil Society First- Strategie. Sie geht von der Grundannahme aus, dass lediglich eine aktive Zivilgesellschaft dazu beitragen kann, dass nachhaltig Frieden in einer Nachkriegsgesellschaft herrscht. Schneckener stellt diesbezüglich besonders einen Versöhnungsprozess zwischen Konfliktparteien als Notwendigkeit heraus um somit den Konflikt auch auf der psychologischen Ebene zu beenden. Diese dargestellten Strategien bieten jeweils unterschiedliche
Regelungsversuche auf. Allerdings sind sie zugleich auch erste Ausgangspunkte von Problemen von Friedenskonsolidierung. Meiner Meinung nach ist keine der dargestellten Strategien als allgemeingültig zu bezeichnen. Es werden Ansätze geboten, welche bei der Umsetzung sicherlich hilfreich sind, allerdings stellt jeder Konflikt, jede Nachkriegsgesellschaft eine spezifische und individuelle Aufgabe dar. Demnach ist es von Schneckener durchaus angebracht zu behaupten, dass zumeist eine Mischung aus den dargestellten Strategien der schnellste und verlässlichste Weg auf dem
Transformationsprozess vom Krieg zum nachhaltigen Frieden sei. Auch Ferdowski und Matthies stellen diesen Aspekt deutlich heraus und betonen, dass die Abfolge und die jeweiligen Prioritäten der entsprechenden Maßnahmen in der Vergangenheit stets äußerst umstritten waren. Die eingangs erwähnten Beispiele Afghanistan und Irak sind in meinen Augen sehr passende Beispiele dafür, dass keineswegs eine Strategie als Ideallösung gelten kann, da die Anwendung einer Strategie oftmals Maßnahmen einer anderen Strategie voraussetzt oder weiterführende Maßnahmen, auch in anderen Bereichen,
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erwirken kann. Ebenso besitzt jede der dargestellten Strategien für sich spezielle Probleme. So kann Liberalization First durch verfrühte Wahlen letztlich gar einen destabilisierenden Effekt haben, indem dadurch die politische Polarisierung gefördert wird. Der Security First- Ansatz ist der Gefahr ausgesetzt, zu einem „Security Only“- Ansatz zu werden und demnach andere Bereiche, wie etwa die Förderung einer autonomen Regierungsarbeit zu blockieren. Die Maßnahmen der Institutionalization First- Strategie sind dagegen besonders kostenintensiv und benötigen demnach einer langen und sicheren Planung. Nach Schneckener läuft die Strategie Civil Society First Gefahr, Parallelstrukturen zu stärken und somit die Bildung einer staatlichen Ordnung ungewollt zu erschweren. Diese Probleme verstärken die Spannungen zwischen den jeweiligen Bestrebungen der einzelnen Strategien. Roland Paris verdeutlicht das Problem von Friedenskonsolidierung durch einen Hinweis darauf, dass demokratische und marktwirtschaftliche Systeme stets Konkurrenzdenken fördern, dies aber in Nachkriegsgesellschaften andersartig wahrgenommen wird als bspw. in geordneten staatlichen Verhältnissen und somit schließlich zu einer Verschärfung von sozio-ökonomischen Gegensätzen führe.
Doch auch abseits dieser dargestellten Strategien ist Friedenskonsolidierung verschiedenartigen Herausforderungen ausgesetzt. So ist beispielsweise die Legitimität der peacebuilding-Mission unter der Bevölkerung der ausführenden Nation eine wesentliche Bedingung für das Gelingen einer peacebuilding-Mission. Denn letztlich ist bei einer breiten Unterstützung aus der eigenen Bevölkerung auch davon auszugehen, dass die notwendigen Gelder und Einsatzkräfte vom Großteil der Bevölkerung gutgeheißen werden. Das Gegenteil könnte in der ausführenden Nation schnell zu politischem Gegenwind führen, was wiederum die Folge haben könnte, dass bestimmte Maßnahmen, bspw. eine Reduzierung der bereitgestellten Ressourcen zur
Friedenskonsolidierung, lediglich deswegen getätigt werden, um die politische Position im eigenen Land zu erhalten.
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Arbeit zitieren:
Dennis Beschorner, 2009, Welche Ziele verfolgt Friedenskonsolidierung nach gewaltsamen Konflikten? Welchen Herausforderungen steht sie gegenüber?, München, GRIN Verlag GmbH
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