Inhalt
0 Einführung 3
1 Gesellschaftliche und religiöse Entwicklungen 4
1.1 Gesellschaft in der Moderne 4
1.1.1 Religion in der Moderne 5
1.1.2 Beispiel: „Moderner“ Katholizismus 5
1.2 Gesellschaft in der Post-Moderne 6
1.2.1 Die Auflösung der traditionellen Industriegesellschaft 6
1.2.2 Das Abschmelzen der Milieus 6
1.2.3 Arbeit, Familie und Beruf 7
1.2.4 Pluralisierung 7
1.2.5 Individualisierung 8
2 Religion in der Post-Moderne - Karl Gabriel 8
2.1 Pluralisierung von Religion 8
2.2 Individualisierung von Religion 9
Exkurs : De-Institutionalisierung 10
2.3 Die Konsequenz: Reflexive Moderne 11
3 Säkularisierung - Detlef Pollack 11
3.1 Kirche im 20. Jahrhundert 12
3.2 Die Kirche nach dem 2. Weltkrieg 12
3.3 Die Kirche nach der Wiedervereinigung 13
3.4 Religion in der Post-Moderne 14
3.5 Pollacks Plädoyer für die Säkularisierungsthese 15
4 Ausblick 16
Literaturverzeichnis
3 S e i t e
0 Einführung
Im 20. und 21. Jahrhundert ist die Begegnung mit Religion, besonders in Europa, durch einen hohen Grad an Wandlung gekennzeichnet. Besuchten 1952 noch 51 Prozent der römisch-katholischen Bevölkerung regelmäßig den Gottesdienst, schrumpft dieser Wert bis 1982 auf 32 Prozent zusammen. Bei den Protestanten gar von 13 auf 6 Prozent. 1 Gleichzeitig wächst die Zahl derer, die zwar nach eigenen Angaben einen ethischen, aber keinen dezidiert christlichen Lebenswandel führen. 2 Hinzu kommt eine neue Offenheit für andere Deute- und Sinnsysteme, neue religiöse Bewegungen und Synkretismen. Alternativ dazu wird der Kirchenaustritt seit den Fünfzigern und Sechzigern immer mehr genutzt und gelebt. Doch wie genau ist diese Entwicklung zu erklären? Was sind ihre Hintergründe und Ursachen und vor allem ihre Folgen?
Karl Gabriel beantwortet diese Fragen mit der These, Religion verändere, analog zur Veränderung der Gesellschaft insgesamt, ihre Form, ihr Erscheinungsbild, bleibe jedoch quantitativ erhalten. Sie sei eine Grundkonstante menschlicher Existenz.
Detlef Pollack hält dem entgegen, dass Religion sich wohl mit einer veränderten Gesellschaft konfrontiert sehe, mit dieser Veränderung aber inkompatibel sei und deswegen letztendlich verschwinden werde. In der folgenden Arbeit stelle ich beide Thesen gegenüber. Dabei beginne ich mit einer Beschreibung der veränderten Gesellschaftssituation seit der Frühphase der Industrialisierung, wie sie Gabriel und Pollack gleichermaßen vorlegen. Danach gehe ich zunächst auf die These der Pluralisierung der Religion von Karl Gabriel ein um dieser dann die These der Säkularisierung der Religion von Detlef Pollack entgegenzustellen. Am Ende folgt ein Vergleich der Schlussfolgerungen der beiden Wissenschaftler.
1 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 36
2 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 42 4 | S e i t e
1 Gesellschaftliche und religiöse Entwicklungen
Karl Gabriel hat eine gesellschaftliche Entwicklungsthese für die Zeit vor 1945 dargelegt, welche Pollack auch für sich als Grundlage nimmt.
1.1 Gesellschaft in der Moderne
Für die moderne Gesellschaft des späten 18. und 19. Jahrhunderts konstatiert Gabriel einen Wechsel der sozialen Strukturen, welche ihren Ursprung in christlich-mittelalterlicher Tradition haben. 3 Denn bereits dort zeichnete sich eine Trennung von Kirche und Staat durch die doppelte Regentschaft von Papst und Kaiser ab. 4
Gabriel kennt vier Merkmale, die für ihn die moderne Gesellschaft kennzeichnen:
1) Aus einem Fürstenstaat wird ein bürgerlicher Rechtstaat, der durch die Sozialbewegungen des 19. Jahrhunderts allmählich zum heutigen demokratischen Sozialstaat wird. 5 2) Zentrales Charakteristikum der modernen Gesellschaft ist der Marktmechanismus. Dieser greift auf alle Bereiche des Lebens über (z.B. Arbeitsmarkt, Warenmarkt, kultureller Markt) und macht alles und jeden zu einem tauschfähigen Wirtschaftssubjekt. Kulturelle Formen der Sozialintegration nehmen gegenüber materiellen Formen ab. 6
3) Im Zuge der modernen Veränderungen löst sich die Kleinfamilie aus dem herrschaftlich strukturierten Familienverband heraus. Die romantische Liebe wird zum vorrangingen Ehemotiv und Kern des familiären Zusammenlebens wird ein emotionales Mutter-Kind-Verhältnis, dass die vormals existierende Eltern-Kind-Distanz ersetzt. Hier entstehen ebenfalls, so Gabriel, neue Einteilungen der Geschlechterrollen. Haus und Kindererziehung werden zur Domäne
3 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 72
4 Vgl. Gabriel, Karl; Höhn, Hans-Joachim. Religion. 61 - 66
5 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 72
6 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 73
5 | S e i t e
der Frau während Arbeit, Beruf und Wirtschaft die Sphäre des Mannes wird. 7
4) Die Sozialgestalt des Christentums verändert sich. Verschiedenste Milieus der Gesellschaft werden vom Christentum entbunden, während gleichzeitig die christlich-religiöse Sphäre eng an die Kirche und das Lehramt gebunden wird. 8
1.1.1 Religion in der Moderne
Mit dem letzten Punkt wird deutlich, wie sich die christliche Religion im modernen Zeitalter entwickelt: Mit der Entstehung der Klassengesellschaft formieren sich „[…] sozial-moralische Milieus, die Substitute für die zusammenbrechenden ständischen Lebensformen boten.“ 9
1.1.2 Beispiel: „Moderner“ Katholizismus
Als Beispiel nennt Gabriel hier das katholische Milieu, welches folgende drei Merkmale besitzt:
1) Eine eigene Weltanschauung, welche kognitive, gefühlte und alltags-moralische Dimensionen besaß und so Bewertungskriterien für das alltägliche Leben bereitstellte.
2) Ein Netz von Institutionen für möglichst viele Bereiche des Lebens. Kontakt zu Sphären außerhalb des Milieus wurde so minimiert. 3) Eine Ritualisierung des Alltags mit Betonung der
konfessionsgebundenen Frömmigkeit. 10
Die Milieubildung kann nach Gabriel als eine Reaktion auf den Industrialisierungs- und Verstädterungsprozess verstanden werden, sowie als ein Versuch, sich vor der staatlichen Macht zu schützen und ein Stück eigene Emanzipation zu schaffen. 11
7 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 73 f.
8 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 74 f.
9 Gabriel, Karl. Christentum. 78
10 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 81
11 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 97 6 | S e i t e
1.2 Gesellschaft in der Post-Moderne
Auf die moderne Gesellschaft als Amalgam aus Tradition und Modernität, wie es Gabriel beschreibt, folgt nun die Post-Moderne, welche einen neuerlichen Auflösungs- und Freisetzungsprozess mit sich bringt. Gabriel setzt den Beginn dieser Prozesse für die sechziger Jahre an. 12
1.2.1 Die Auflösung der traditionellen Industriegesellschaft
Seit den Sechzigern kommt es, so Gabriel, in Deutschland zu einer historisch einmaligen Wachstumsphase, ausgelöst durch eine
wohlfahrtsstaatliche Politik und der Tatsache, dass die Industrie den bäuerlich-handwerklichen Sektor assimiliert. 13 Und mit der Auflösung des bäuerlich-handwerklichen Sektors „[…] verschwindet unwiederbringlich der Lebensweise.“ 14 soziale Raum einer traditional geprägten
Dies mündet im Abschmelzen der vorher entstandenen Milieus.
1.2.2 Das Abschmelzen der Milieus
In den sechziger Jahren erreicht die Arbeiterschaft in Deutschland ein bisher nie erreichtes Lebensniveau. Kollektiv wurden ein größerer Anteil am allgemeinen Reichtum und bessere Arbeitsbedingungen erkämpft, was auch größere Sphären von Nicht-Arbeit mit einschließt. Diese neuen Freiheiten erlauben den Arbeitern einen ungekannten Spielraum, sich selbst zu verwirklichen, also individuelle Lebensgestaltung. 15 Vor allem Bildung drängt zu Selbstfindungsprozessen. Die Solidarität des katholischen Milieus vermag dem nicht standzuhalten. Aber auch die Einbindung in die Massenkultur der Gesellschaft der sechziger Jahre lässt die Grenzen der sozial-moralischen Milieus verschwinden.
In der Auflösung der Milieus sieht Gabriel dann auch das Ende der
12 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 121
13 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 123
Gabriel macht die Auflösung des bäuerlich-handwerklichen Sektors am Verschwinden der
Kleinbetriebe und an der Wanderung der Arbeiter in die Industrie fest.
14 Gabriel, Karl. Christentum. 124
15 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 125 7 | S e i t e
Industriegesellschaft, die im 19. Jahrhundert begann und den Beginn eines neuen Typus von Modernität. 16
1.2.3 Arbeit, Familie und Beruf
Auch der Bereich der Familie und des Privatlebens wird von diesem Prozess erfasst. Bisher, so Gabriel, sei die Institutionalisierung des Lebenslaufs um die beiden Pole Arbeit und Familie herum erfolgt. 17 Gerade aber die Familie sei von den bereits erwähnten Mustern und Rollenbildern geprägt gewesen, welche sich nun in den Sechzigern immer mehr aufzulösen beginnen. Ehe und Familie verlieren ihre Monopolstellung und machen alternativen Lebensweisen Platz, die nun keine Diskriminierung mehr fürchten müssen. Gabriel spricht hier von einer Pluralisierung des bürgerlich-industriellen Familienmusters. 18 Jeder kann nun selbst wählen, in welchen Verhältnissen sie oder er leben möchte. Aus Normbiographien werden Wahlbiographien: „Elemente der Vorgegebenheit und Schicksalhaftigkeit treten zurück zugunsten von Chancen und Zwängen individueller Entscheidung und Wahl.“ 19 Die Post-Moderne ist also von zwei Bewegungen geprägt: Einer Pluralisierung der Gesellschaft und einer Individualisierung der Lebensweise.
1.2.4 Pluralisierung
Der Begriff der Pluralisierung umschreibt die Veränderung der Umwelt des Individuums. War diese bisher in klare Gebiete mit deutlichen Grenzen, eben den Milieus, unterteilt, lösen sich dieses Strukturen der Teilsysteme der Gesellschaft auf und erhöhen somit die Komplexität des Ganzen. 20 Am deutlichsten wird dies in Industrie und Wirtschaft, wo der Markt eine starke Mobilität und Flexibilität zu fordern beginnt. Diese überträgt sich zwangsläufig auch auf andere Gesellschaftsbereiche, wie der Politik und den Naturwissenschaften. Überall brechen die internen Strukturen auf,
16 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 126 f
17 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 127
18 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 128
19 Gabriel, Karl. Christentum. 130
20 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 131 8 | S e i t e
sodass dem Einzelnen jetzt eine immer größere Vielzahl von Möglichkeiten offen steht, sich selbst und sein Leben zu gestalten.
1.2.5 Individualisierung
Die Individualisierung beschreibt diesen kulturellen Prozess aus der Sicht des einzelnen Individuums. Denn für dieses bedeutet die Individualisierung der Gesellschaft vor allem Freisetzung von Dynamiken.
Gabriel unterscheidet zwei Typen von Individualisierungsprozessen:
1) Nachgeholte Freisetzungsprozesse. Teile der Gesellschaft holen nach, was andere bereits vorgelebt haben. So holen die Frauen den Freisetzungsvorsprung der Männer auf. Die ländlichen Gebiete zu den Städten, Arbeiter zum Bildungsbürgertum 2) Radikalisierung von Freisetzungsprozessen. Dies betrifft all jene Sektoren, in denen bereits eine Individualisierung stattgefunden hat. Sie wird dort allerdings jetzt noch radikaler, wie z.B. der Arbeitsmarkt. 21
2 Religion in der Post-Moderne - Karl Gabriel
Gabriel nimmt nun an, dass die Freisetzungsprozesse der Moderne, da sie zu einem Großteil auch religiöse Sozialbindungen betreffen, ebenso für die Religion gelten. Religiös verankerte Bindungen verlieren ihre Plausibilität, religiöse Deutungsmuster werden hinterfragt oder demontiert. Gabriel spricht hier auch von der „Entzauberung“ von Welt- und Lebensdeutung. 22 Die Paradigmen von Pluralisierung und Individualisierung greifen auch hier.
2.1 Pluralisierung von Religion
Gabriel unterscheidet eine interreligiöse Pluralisierung, definiert als Anstieg der religiösen und konfessionellen Heterogenität und der intrareligiösen Pluralisierung, was die Zunahme der Vielfalt innerhalb der religiösen
21 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 136
22 Vgl. Gabriel, Karl, Christentum. 143 9 | S e i t e
umschreibt. 23 Gemeinschaften Beide finden gleichzeitig statt.
Zudem sieht Gabriel vier weitere Dimensionen religiöser Pluralisierung:
1) Die Dimension von religiöser Bestimmtheit und Unbestimmtheit. Die Formen eines expliziten und bestimmten Christentums nehmen an Bestimmtheit eher zu. Die Formen unbestimmter und diffuser Christlichkeit nehmen an Unbestimmtheit zu. 24 2) Die Dimension der ebenenspezifischen Ausdrucksformen des Christlichen. Sie treten stärker auseinander, will sagen: Der Abstand von individueller und institutionalisierter Religion wird größer. Auf der Ebene gesellschaftlicher Kulturmuster kommt es, so Gabriel, zu synkretistischen Formen von Massenreligiosität. 25 3) Die Dimension verschärfter Pluralisierung der christlichen Tradition. Sie folgt der Logik flächendeckender Großorganisationen. Um ein bürokratisch organisiertes Zentrum sammeln sich die aktiven Kirchenmitglieder, die sich mit dieser austauschen. Ein weitaus größerer Teil der Mitglieder hat eine eher passive Mitgliedschaft inne. 26
4) Die Dimension der gegensätzlichen Reaktionen auf die Modernisierung. Gabriel sieht drei Hauptströme, die sich als Reaktion auf die postmoderne Gesellschaft ausbilden: Ein fundamentalistischer Flügel, ein individualistischer Flügel und ein neuchristlicher Flügel, der innerhalb christlicher
Gemeinschaftsformen versucht, den Individualismus zu integrieren und zu überwinden. 27
2.2 Individualisierung von Religion
Gabriels These zur Individualisierung der Religion verläuft, parallel zur Beschreibung der Pluralisierung, entlang der Linien der gesellschaftlichen Dimension von Individualisierung. Die Möglichkeiten, die eigene religiöse Biographie zu gestalten, steigen stark an, und so wird das Individuum
23 Vgl. Gabriel, Karl. Pluralisierung. 33
24 Gabriel, Karl. Christentum. 151 f
25 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 152 f
26 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 153 f
27 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 156 10 | S e i t e
selber zum letzten Maßstab der eigenen Religiosität: „Vielmehr wandelt sich das einst von einem Monopolanbieter beherrschte religiöse Feld hin zu einer Struktur, in der sich die einzelnen ihre Religion selbst zusammenbasteln.“ 28 Weil die Religion ihren Platz als alles umspannendes Sinnkonstrukt aufgegeben hat, werden nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Einzelteile austauschbar. Dabei nimmt dieser Prozess Marktstrukturen an. Religiöse Akteure werden zu Anbietern von religiösen Glaubensinhalten auf dem „Markt der Religionen“. Jeder kann sich die Teile religiösen Glaubens nehmen und integrieren, die er aufgrund seiner Biographie für angemessen hält und notfalls auch aus anderen Traditionen übernommen hat wie z.B. die Reinkarnation. 29 Gabriel fasst die Situation der Religion in der Postmoderne so zusammen: „Der Ort der Religion in der modernen Gesellschaft ist nicht mehr in einem übergreifenden Baldachin oder in der hierarchischen Spitze der Gesellschaft zu suchen, sondern sie findet sich als Teilsystem unter anderen Teilsystemen wieder.“ 30
Exkurs: De-Institutionalisierung
Als Beispiel für seine Theorie führt Gabriel die De-Institutionalisierung der christlichen Religion an, welche er in fünf Stufen beschreibt:
1) Schwächung der Selbstverständlichkeit der Institution. Ende der Sechziger verändert sich die Position zur Institution Kirche in Deutschland. Ihre Legitimität wird nicht mehr selbstverständlich akzeptiert, sondern nun hinterfragt und scharf kritisiert. Die Kirchenkritik kommt dabei vor allem aus der Jugend und den Hochschulen. 31
2) Verlust der Monopolstellung. Das Christentum muss sich in der Post-Moderne mit dem Faktum auseinandersetzen, nicht mehr die einzige religiöse Gemeinschaft in Deutschland zu sein. Neben anderen Weltreligionen, wie dem Islam, fassen nun auch kleinere, neue religiöse Bewegungen Fuß und verbreiten sich. 32
28 Gabriel, Karl. Pluralisierung. 34
29 Vgl. Gabriel, Karl. Pluralisierung. 35
30 Gabriel, Karl. Globalisierung. 171. Vgl. dazu auch Pollack, Detlef. Funktionen. 91
31 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 147
32 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 148 11 | S e i t e
3) Verlust der Vermittlungsfähigkeit. Wurde in der industriellen Moderne des 19. Jahrhunderts das Christentum noch innerhalb der Familie und danach im Milieu vermittelt, sozusagen vererbt, so wird es jetzt für die Institution Kirche zu einem Problem, ihre Handlungsvollzüge und Deutungsmuster an die Menschen weiterzugeben. Was vorher ungefragt übernommen wurde, muss jetzt begründet werden. 33 4) Verlust der Kontrollmechanismen. Die Kirche hat keine Sozialkontrolle mehr über ihre Mitglieder. Da das Milieu nicht mehr existiert, muss niemand mehr Nachteile fürchten, wenn er sich am christlich-religiösen Leben nicht mehr beteiligt. 34
2.3 Die Konsequenz: Reflexive Moderne
Neben der Freisetzung von Möglichkeiten bedeutet die Fokussierung auf das Individuum auch den Verlust der Sicherheit der vorher klar abgegrenzten Strukturen. Hatte zuvor noch das Milieu eindeutige Handlungsdirektiven geliefert, ist jetzt das Individuum auf sich selbst als seinen eigenen Direktivengeber angewiesen. Der einzelne Mensch muss sich selbst als Erbauer seiner eigenen Biographie setzen und ist dadurch gezwungen sich selbst auch ständig zu hinterfragen und neu zu konzipieren: „Identität ist auf der Ebene einfacher Rollenidentitäten nicht mehr zu gewinnen und zu sichern. Alle Rollenidentitäten, selbst die der marktvermittelten Arbeitsrollen, geraten unter Reflexionsdruck und müssen auf einer zweiten Ebene - der Ich-Identität - ‚selbstreferentiell‘ rekonstruiert werden.“ 35 Dieses Faktum umschreibt Gabriel mit dem Begriff der Reflexivität der Moderne.
3 Säkularisation - Detlef Pollack
Gegen den aktuellen Trend in der Wissenschaft für den Karl Gabriel steht macht Detlef Pollack eine alte These wieder stark: Die
Säkularisierungsthese. Sie besagt, dass Religion nicht etwa Form und
33 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 148 f
34 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 149 f
35 Vgl. Gabriel, Karl. Christentum. 140 f 12 | S e i t e
Erscheinungsbild verändert, sondern in einem steten Verschwinden begriffen ist.
3.1 Kirche im 20. Jahrhundert
Pollack macht seine Theorie am Beispiel zweier Großereignisse deutscher Geschichte fest: Dem Ende des 2. Weltkriegs und der Wiedervereinigung. Zu beiden Zeitpunkten sieht er eine starke Veränderung im Gefüge der religiösen Landschaft in Deutschland. Um diese zu dokumentieren, wirft Pollack vor allem einen Blick auf die Funktion und Aufgabe von Religion in Deutschland zum Zeitpunkt dieser beiden Zäsuren.
3.2 Die Kirche nach dem 2. Weltkrieg
Während des Krieges waren die beiden christlichen Kirchen als Orte der Zuflucht und des Vertrauens angesehen worden. Dies war die Basis für ihre soziale Funktion nach dem Untergang des NS-Regimes.
Als einzige Organisationen, die nicht während oder nach dem Krieg zerschlagen worden war, hatte sie nun die Möglichkeit, beim Wiederaufbau mitzuwirken. Sie erfüllte daher auf administrativer Ebene Aufgaben, die eigentlich nicht zu ihrem theologischen Gebiet gehörte, so z.B. die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln über Hilfswerke, Organisation von Kinder- und Schulspeisungen, Einrichtung von Freizeitlagern für Jugendliche, Kriegsgefangenen und Flüchtlingsbetreuung. 36 Sie übernahmen zudem „moralische Erziehungsaufgaben“ 37 , also Wertevermittlung und Orientierung.
Hinzu kam, dass die Kirchen Ansprechpartner für die Siegermächte wurden und politische Funktionen wahrnahmen. Beide Konfessionen sahen im Christentum das „[…] Fundament für eine gerechte gesellschaftliche Ordnung […]“ 38 . Christliche Werte und Normen sollten die nach dem Krieg aufzubauende Gesellschaft prägen. Pollack bescheinigt diesem Vorhaben bis in die Sechziger hinein einen erfolgreichen Verlauf: „Es scheint, daß die relative Stabilität der Kirche in den fünfziger Jahren bis Mitte der sechziger Jahre nicht unwesentlich darauf beruhte, daß die kirchlichen
36 Vgl. Pollack, Detlef. Funktionen. 70
37 Pollack, Detlef. Funktionen. 70
38 Pollack, Detlef. Funktionen. 74 13 | S e i t e
Verhaltensweisen und Überzeugungen relativ eng mit Einstellungen und Handlungsmustern in anderen Lebensberiechen verbunden waren. Ordnung, Fleiß, Pünktlichkeit, Leistung, Arbeit und Solidarität zählten nicht nur im wirtschaftlichen Bereich etwas, sondern waren auch kirchlich vermittelte Werte.“ 39 Im Zuge der Modernisierung beschreibt aber auch Pollack die Sprengung der Milieus und den Zerfall der wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Stellung der Kirchen.
3.3 Die Kirche nach der Wiedervereinigung
Pollack wählt diese zweite Zäsur der deutschen Geschichte, weil in den Jahren nach 1989 die religiöse Landschaft nochmals eine nachhaltige Veränderung durchlief. Er nennt hier insbesondere die hohe Austrittsrate in West- wie Ostdeutschland. Von 1950 bis 1995 sei der Anteil der Konfessionslosen in den alten Bundesländern von 4 auf 12 und in den neuen Bundesländern von 7 auf 70 Prozent gestiegen. 40 Diese Tatsache geklärt. 41 sei nach wie vor soziologisch nicht hinreichend
Katholizismus und Protestantismus reagierten auf die Teilung Deutschlands sehr unterschiedlich. Während die protestantische Kirche eine liberale Linie verfolgte und versuchte innerhalb und mit der DDR eine Lösung zu finden, ab. 42 schlossen sich die Katholiken nach außen hin
Diese unterschiedlichen Strategien erlaubten den Kirchen unterschiedlich gute Eingliederungschancen in die Organisationen der alten BRD. Doch obwohl dieser Prozess weitestgehend problemfrei verlief und die Christen im Allgemeinen in der Öffentlichkeit präsent waren, konnten die Kirchen, so Pollack, nach 1989 nicht mehr die gleichen Funktionen wahrnehmen, wie noch nach 1945. Pollack sieht für diese Zeit einen generellen Abschwung in der Religiosität der Menschen in Deutschland. Denn: „Auch auf außerkirchlichem Feld kam es nicht zu größeren Bewegungen. Der von vielen Beobachtern der neureligiösen Szene erwartete Sektenboom blieb aus.“ 43 Religiöse Angebote wurden offenbar für die Zeit des Umbruchs nach
39 Pollack, Detlef. Funktionen. 78
40 Vgl. Pollack, Detlef. Wiedervereinigung. 586
41 Vgl. Pollack, Detlef. Säkularisierung. 92
42 Vgl. Pollack, Detlef. Funktionen. 79
43 Pollack, Detlef. Funktionen 89 14 | S e i t e
dem Fall der Mauer nicht als hilfreich angesehen. Stattdessen rückten die Sicherung der materiellen Existenz oder berufliche Weiterbildungen in den Mittelpunkt, um sich den neuen Umständen anzupassen. Religion und Kirche verloren ihre übergreifenden Funktionen. Probleme wurden innerhalb ihres Systems behandelt, politische politisch, wirtschaftliche wirtschaftlich usw. 44
3.4 Religion in der Post-Moderne
Am Beispiel der Reaktion der Kirchen auf die Wiedervereinigung behauptet Pollack nun, im Unterschied zu Gabriel „[…] daß Religion und Kirche mit den modernen Prinzipien der funktionalen Differenzierung nur begrenzt kompatibel sind und daß sie überall dort an sozialer Relevanz gewinnen, wo es ihnen gelingt, diese Prinzipien partiell außer Kraft zu setzen und aufzuheben oder zu unterlaufen.“ 45 Religion könne nur deswegen nach wie vor überleben, weil sie sich mit anderen Teilsystemen verbinde und so ihre Notwendigkeit behaupten könne. Religion liefere moralische Begriffe, stifte ein gerechtes Gemeinwesen und eine Legitimation durch die Autorität Gottes. Da sie dies aber nur für andere Teilsysteme tue, könne Religion auch verschwinden, wenn sich die Teilsysteme eines Tages dies alles selbst gäben. Wenn die Teilsysteme selbst die Funktionen übernehmen, die jetzt die Religion inne hat, dann löst sich Religion letztlich auf. 46 Dies werde, so sagt er, auch noch einmal daran verdeutlicht, dass Kirchenaus- oder eintritte offensichtlich mehr den gesellschaftspolitischen
Umweltbedingungen zusammen hingen, als mit einer stark oder schwach ausgeprägten Bindung zur Kirche. So gaben z.B. Menschen, die nach 1989 in Ostdeutschland in die Kirche eingetreten waren an, dass sie diesen Schritt nicht vollzogen hätten, wenn das politische System nicht gewechselt hätte. 47
44 Vgl. Pollack, Detlef. Funktionen. 89 f
45 Pollack, Detlef. Funktionen. 91 f
46 Vgl. Pollack, Detlef. Funktionen. 93 f
47 Vgl. Pollack, Detlef. Säkularisierung. 93 f 15 | S e i t e
3.5 Pollacks Plädoyer für die Säkularisierungsthese
Zu den genannten Gründen für die Säkularisierungsthese führt Pollack zudem mehrere Anfragen an ihre Kritiker ins Feld:
Erstens ist ihm der verwendete Religionsbegriff der Verfechter einer Individualisierungsthese zu weit gefasst. Natürlich könne man überall Religion sehen, wenn alles Religion sein kann. Religion kann so schon definitorisch gar nicht verschwinden. 48 Zweitens würden von den Kritikern der Säkularisierungsthese die religiösen Aufschwungsprozesse
überschätzt. In der Tat gäbe es in den letzten Jahrzehnten ein erhöhtes Interesse an alternativen Religionsformen und außerkirchlicher Religiosität. Aber dieses gesteigerte Interesse könne nicht den Positionsverlust der traditionellen Religionsformen auffangen. „Die Zahl der Mitglieder in den neuen religiösen Bewegungen belief sich bei großzügiger Schätzung Ende der siebziger Jahre auf nicht mehr als 30.000. Dies sind noch nicht einmal 2% des Bestandes, den die großen Kirchen verloren.“ 49 Zudem sieht Pollack die Neigung hin zu den neuen, meist synkretistischen Formen von Religion als ein Phänomen der Mitte an; also weder besonders k irchenferne, noch besonders kirchennahe Personen fänden den Weg in diese Form der Religiosität, sondern diejenigen, die sich mittelmäßig verbunden fühlten. Auch werde häufig die Kohäsionskraft der Gesellschaft unterschätzt. Jeder, der sich einer solchen Gruppe anschließt, begibt sich aus dem Bereich allgemeiner Akzeptanz heraus und muss seine Entscheidung begründen, notfalls rechtfertigen. Dies werden viele daher zu verhindern suchen. 50 Drittens stellt Pollack eine enge Verbindung von institutionalisierter und individualisierter Religion fest. Und beide, so sagt er, seien auf dem Rückzug. Nicht nur säßen weniger Menschen zum Gottesdienst in den Kirchen, sondern auch die privaten religiösen Praxen nähmen ab. 51
48 Vgl. Pollack, Detlef. Säkularisierung. 134
Auch Gabriel sieht das Problem der Definition von Religion, benennt es aber nur und sagt
nicht, für welche er sich entscheidet. Gabriel, Karl. Christentum. 45 f
49 Pollack, Detlef. Säkularisierung. 134
50 Vgl. Pollack, Detlef. Säkularisierung. 147
51 Zu dem gesamten Punkt 3 vergleiche auch Könemann, Judith. Ich wünschte. 44 - 51, sowie
51 - 56 und Höhn, Hans-Joachim. Postsäkular Kapitel 1 - 3.3
16 | S e i t e
4 Ausblick
Auch in ihren Schlussfolgerungen für eine zukünftige Kirche gleichen sich Pollack und Gabriel, da beide der Ansicht sind, Kirche müsse auf die Gegebenheiten der Post-Moderne eingehen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Gabriel macht hier in einem kurzen Papier zu Kirche und Glaube im gesellschaftlichen Wandel im wesentlichen drei Beobachtungen:
a) Kirche und Glaube können Stützen einer autonomen Lebenspraxis sein. Individualität und Kirchlichkeit müssen sich nicht widersprechen. Vielmehr kann die Kirche dem Menschen helfen, sich von den Systemzwängen zu distanzieren. Er erhält so die Möglichkeit, sich zu orientieren und seine Wahl aus den pluralistischen Angeboten zu begründen. „In einer christlichen Tradition, die sich der strukturellen Individualisierung offen stellt, liegen Chancen, zu einem solidarischen, kooperativen Individualismus beizutragen.“ 52
b) Der christliche Glaube ist eine Quelle der Solidarität. Solidarität, die über den Zusammenschluss von gleichermaßen Betroffenen hinausgeht ist, so Gabriel, unbedingt notwendig, wollen wir die großen Probleme der modernen Zivilisationen lösen. Kirche kann hier glaubwürdig auftreten, weil sie ihre Solidarität aus einer anderen Quelle als der Situationsabhängigkeit bezieht. 53
c) Kirche kann zwischen Partikularität und Universalität vermitteln. Neuere Theorien gehen davon aus, dass moderne Gesellschaften auf ein hohes Maß an Pluralität von Traditions- und Interpretationsgemeinschaften angewiesen sind. Die christliche Kirche kann hier ihren Platz als eine dieser Gemeinschaften finden, wenn sie anerkennt, nicht die einzige sinngebende Gemeinschaft zu sein. Dies wiederum verlangt einen Akt universaler Solidarität gegenüber dem Anderen und dessen Andersheit. Kirche kann der Ort sein, an dem so jeder einzelne seine persönliche religiöse
52 Gabriel, Karl. Kirche. 14
53 Vgl. Gabriel, Karl. Kirche. 15 17 | S e i t e
Erfahrung machen kann und doch die Vermittlung mit der zivilgesellschaftlichen Öffentlichkeit erfährt.
Gabriel fordert dazu auf, die Kirche zu einem Akteur in einer globalen Zivilgesellschaft zu machen. Voraussetzung dafür ist allerdings die Aufgabe des Selbstbildes als „staatsanaloge, anstaltsförmige Zwangsinstitution. […] wo sich Kirchen als symbolische und sittliche Gemeinschaften verstehen und ihre universalistischen Ansprüche nicht aufgeben, liegt ihre Ausformung als weltweit agierende ‚public churches‘ nahe.“ 54
Pollacks Ideen für eine zukünftige Entwicklung des religiösen Feldes in Deutschland bleiben hingegen recht unklar. Es ist deutlich, dass er das Grundproblem in einer Inkompatibilität von Religion und Moderne sieht. Über diese Problemanalyse geht er kaum hinaus: „Die funktionale Unterspezifizierung des Religiösen ist also das Kernproblem der Religion in der modernen Gesellschaft. Nur wenn dieses Problem gelöst werden könnte, wäre Religion mit den Prinzipien der funktionalen Differenzierung kompatibel.“ 55 Das „Wie“ lässt Pollack hier offen. An zwei Stellen geht er jedoch auf Beispiele ein, wie bisher versucht wurde, moderne Pluralität und Religiosität zu verbinden. Zum einen spricht er Antwortversuche der evangelischen Kirche an: „Die evangelische Kirche reagiert auf diese Infragestellungen, indem sie themen- und zielgruppenorientierte Gottesdienste anbietet, indem sie den Raum für die Verwirklichung individuellen Christseins erweitert und die Möglichkeiten der Kommunikation und damit der Negation im Gottesdienst und außerhalb des Gottesdienstes erhöht.“ 56 Einer solchen Liberalisierung spricht er Sinn zu, wenn sich dabei die Botschaft der Kirche nicht verliert. 57 Ein zweites Beispiel ist der Event „Pro Christ“ aus dem Jahre 1995 in Leipzig. Die Veranstaltungen vom 7. Bis 13. März sollten der Volksevangelisation dienen und die Distanz zwischen Bevölkerung und Kirche verringern. 58 Trotz der Teilnahme von rund 18.500 Personen und der
54 Gabriel, Karl. Kirche. 18
55 Pollack, Detlef. Funktionen. 94
56 Pollack, Detlef. Gottesdienst. 330
57 Vgl. Pollack, Detlef. Gottesdienst. 330
58 Vgl. Pollack, Detlef. Säkularisierung. 206 18 | S e i t e
Fernsehübertragung an rund eine halbe Million Menschen bescheinigt Pollack der Veranstaltung jedoch eine geringe Wirkung, da es den Veranstaltern offenbar nicht gelungen ist „[…] die Kluft zwischen ihren Zielen und den Bedürfnissen und Interessen der Bevölkerung zu überbrücken.“ 59
Insgesamt bleibt Pollack also bei seiner Aussage stehen, dass der Graben zwischen Kirche und Moderne überwunden werden müsse, er die Antwort auf die Frage, wie dies zu geschehen habe, jedoch schuldig bleibt.
59 Pollack, Detlef. Säkularisierung. 240 19 | S e i t e
Literaturverzeichnis
Gabriel, Karl. Christentum zwischen Tradition und Postmoderne. Quaestiones Disputatae 141). Freiburg im Breisgau 1992
Gabriel, Karl. Pluralisierung und Individualisierung in Gesellschaft, Religion
Gabriel, Karl; Höhn, Hans-Joachim (Hrsg). Religion heute öffentlich und
Gabriel, Karl. Kirche und Glaube im Gesellschaftlichen Wandel.
Gabriel, Karl (Hrsg). Technik, Globalisierung und Religion. Gegenmodelle
Höhn, Hans-Joachim. Postsäkular. Gesellschaft im Umbruch - Religion im Wandel. Paderborn 2007
Könemann, Judith. „Ich wünschte, ich wäre gläubig, glaub‘ ich. Zugänge zu
Pollack, Detlef. Funktionen von Religion und Kirche in den politischen
Arbeit zitieren:
Mark Bothe, 2009, Säkularisierung oder Individualisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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