A. Einleitung
Über die Person Diebold Lauber ist kaum etwas bekannt und die Angaben zu seiner Werkstatttätigkeit sind nur vage und variieren in der Forschungsliteratur. 1895 hat Rudolf Kautzsch 1 in seiner Arbeit »Diebolt Lauber und seine Werkstatt in Hagenau (Mit einer Tafel)« sich mit dem Thema beschäftigt und aus den Ergebnissen von Kirchhoff neue Erkenntnisse gewonnen, die heute noch Grundlegend sind und nur erweitert werden können. Die kolorierten Federzeichnungen der damals 38 bekannten Handschriften hat er 16 Illustratoren zugeschrieben, die für Lauber lange Zeit tätig gewesen waren. Kautzsch hat aufgrund der Quellen und Laubers Werbeanzeigen geschlossen, dass Lauber eine Werkstatt in Hagenau betrieben hat und er wies dieser Werkstatt einen markanten Stil zu. Damals war Kautzsch die Solothurner Historienbibel nicht bekannt und er hat die Kölner Historienbibel dem Maler B zugeordnet, der auch die Solothurner Handschrift illustriert hat. Fast zeitgleich hat sich Auguste Hanauer 2 in seinem Werk »Diebolt Lauber et les calligraphes de Haguenau au XV. siècle« mit dem Thema beschäftigt. Er konzentrierte seine Beobachtungen auf die Lebensumstände von Diebold Lauber und seinen Mitarbeitern. Seine Beobachtungen hat er durch detaillierte Quellenstudien belegt. Seine Datierung der Werkstatttätigkeit weicht von Kautzsch geringfügig ab. Er geht davon aus, dass um 1425 der Anfang der Produktion gewesen sein soll und das Ende um 1470. Dagegen setzt Kautzsch die Datierung auf 1427-1467 an. Des Weiteren hat sich 1938 Werner Fechter 3 mit dem Kundenkreis von Diebold Lauber beschäftigt. Der Brief aus dem deutschen Psalter vom Kloster Lichtental, der Lauber zugeschrieben wird, hat verschiedene Datierungen. Kautzsch weist den Brief auf das Jahr 1440, Hanauer und Fechter auf 1457/58 bzw. 1470 zu. Fechter glaubt, dass die Werkstatttätigkeit gegen 1475 zu Ende ging. Er gibt weiter an, dass das 1467 datierte und von Hans Schilling illustrierte Schachzabelbuch nicht in Hagenau entstanden sein soll, da zu dieser Zeit Schilling schon in Luzern tätig gewesen war. Altermatt 4 hat vorgeschlagen, die Solothurner Historienbibel auf das Jahr 1470 zu datieren.
1 Kautzsch, Rudolf: Diebolt Lauber und seine Werkstatt in Hagenau (Mit einer Tafel). In: Centralblatt für Bibliothekswesen, XII. Jg., 1.Heft, Januar 1895.
2 Hanauer, Auguste: Diebolt Lauber et les calligraphes de Haguenau au XV. siècle. In: Revue catholique d'Alsace. — N.F. 14 . Rixheim 1895, S. 411-427, 481-493, 563-576.
3 Fechter, Werner: Das Publikum der mittelhochdeutschen Dichtung. Nachdr.d.Ausg.Frankfurt/M.1935. Darmstadt 1966.
4 Altermatt,Leo: Die von Staalsche Historienbibel der Zentralbibliothek Solothurn. In: Festschrift Karl Schwarber. Beiträge zur schweizerischen Bibliotheks-, Buch- und Gelehrtengeschichte zum 60. Geburtstag am 22. Nov. 1949 dargebracht. Basel 1949, S.35-71.
2
Auch Christian von Heusinger 5 hat sich für Diebold Lauber interessiert und die Frage aufgestellt, ob Diebold Lauber ein Verleger gewesen sei. Durch eingehende Untersuchungen konnte er diese Frage bejahen. 1963 hat Landolt- Wegener 6 sich mit den Darstellungen der Kindheitslegenden Christi in Historienbibeln aus der Werkstatt Diebold Laubers beschäftigt. Sie untersuchte einige Illustrationen und den Text zu diesem Thema. Sie stellte die Parallelen und Unterschiede klar, die sich innerhalb der verschiedenen Historienbibeln aus der Werkstatt von Lauber aufgezeigt hatten. 1991 hat sich Andrea Bortolot 7 mit der Gliederung und Ausstattung der Parzival-Handschriften aus der Werkstatt Diebolt Laubers beschäftigt. Sie schrieb diese Magisterarbeit an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Darin stellte sie die verschiedenen Parzival-Handschriften vor und beschrieb diese. Zu der Biographie von Diebold Lauber hat Traband 8 eine Arbeit verfasst und knüpfte damit an die Ergebnisse von Hanauer an. In einer Festschrift hat Leo Altermatt die Solothurner Historienbibel beschrieben. Er ging auf die gesamte Ausstattung der Handschrift ein. Zu nennen sind noch die Arbeiten von Andrea Rapp bei denen sie sich ausschließlich auf die Historienbibeln der Lauberwerkstatt bezieht. Schönherr 9 äußert in seiner Arbeit, dass er nicht glaubt, dass die Solothurner Handschrift der Werkstatt Laubers zugehörig ist. Er denkt, dass eine Werkstatt in Breisgau die Handschrift gemacht hat. 1968 hat Stedje 10 die Solothurner im Zusammenhang mit der Gruppe Ib erwähnt und die Schrift der alemannischen Familie zugewiesen. Koppitz 11 fasst die bekannten Ergebnisse zusammen, schreibt über die Werkstatt von Diebold Lauber und gibt Informationen zu anderen Werkstätten
5 Von Heusinger 1988, S.145-154.
6 Landolt-Wegener 1963, S. 212- 225.
7 Bortolot, Angela: Gliederung und Ausstattung der Parzival-Handschriften aus der Werkstatt Diebolt Laubers. Erlangen 1991.
8 Traband, Gérard: Diebolt louber schriber zu hagenowe. In: Etudes haguenoviennes. Haguenau 1982, S.51-92.
9 Schönherr, Alfons: Die mittelalterlichen Handschriften der Zentralbibliothek Solothurn. Solothurn 1964.
10 Stedje, Astrid: Die Nürnberger Historienbibel. Textkritische Studien zur handschriftlichen Überlieferung mit einer Ausgabe des Weidener Fragments. Hamburg 1968.
11 Koppitz, Hans-Joachim: Studien zur Tradierung der weltlichen mittelhochdeutschen Epik im 15. und beginnenden 16. Jahrhundert. München 1980.
3
Stamm 12 widmete sich der Vervielfältigungskunst und ging dabei auf Lauber sowie seine Werkstatt ein. Schließlich schreibt Saurma-Jeltsch zuerst eine Doktorarbeit und später eine Habilitationsschrift zu Diebold Lauber und der elsässischen Werkstatt von 1418.Ihr jüngstes Werk geht über die Solothurner Historienbibel 13 und ist 2008 erschienen. Darin versucht sie die Besonderheiten der Handschrift aufzuzeigen und diese von anderen Lauberhandschriften abzuheben. Im Allgemeinen ist man sich über die Datierung der Solothurner Handschrift nicht sicher und die Meinungen laufen hier auseinander. Jeltsch datiert die Handschrift nach den Wasserzeichen, ein Anderer nach den beigefügten Urkunden oder wieder ein Andere sogar nach dem Einband der Handschrift. Uneins ist man sich auch über den Besitzer der Handschrift. Jeltsch sagt jedenfalls der Erstbesitzer sei der Vater gewesen und sieht ihr Ergebnis als bestätigt. Nun komme ich auf das Ziel meiner Hausarbeit zu sprechen. Ich will versuchen die Merkmale aufzuzeigen, an denen man eine Lauberhandschrift erkennt am Beispiel der Solothurner Historienbibel. Ich beziehe mich bei meiner Untersuchung auf die von Saurma-Jeltsch aufgestellten Merkmale an eine typische Lauberhandschrift, die sie in ihrer Habilitationsschrift »Spätformen mittelalterlicher Buchherstellung. Bilderhandschriften aus der Werkstatt Diebold Laubers in Hagenau (Band 1)« auf Seite 91 erwähnt. Im Folgenden möchte ich zuerst einige Daten zu Diebold Lauber und seiner Werkstatt nennen, dann auf den Begriff »Historienbibel« näher eingehen, um die Arbeit abzurunden. Danach fange ich mit meinem eigentlichen Schwerpunkt an und beschäftige mich mit der Handschrift aus Solothurn. Im ersten Kapitel fasse ich die von Saurma-Jeltsch gemachten Aussagen zu den Merkmalen an eine typische Lauberhandschrift zusammen und lasse noch Anmerkungen anderer Forscher einfließen. In meiner weiteren Arbeit werde ich auf diese Punkte chronologisch eingehen und versuchen anhand der Solothurner Historienbibel zu belegen. Zunächst gebe ich Grunddaten zur Handschrift an. Danach beziehe ich mein Interesse auf die Gliederung der Handschrift. Bei der Folio Zählung gebe ich die Versoseite als v an und die Rectoseite als r. Der von mir abgeschriebene Text der Quelle folgt dem Text wortgetreu ohne Sonderzeichen. An manchen Stellen übernehme ich die Transkription des Autors. Als nächstes versuche ich die Kennzeichen der Schrift herauszuarbeiten. Dazu betrachte ich die Schrift als Ganzes und gehe nicht auf eine spezifische Seite ein. Es sollte nur gezeigt werden, dass es sich hier um eine oberrheinische Bastarda handelt. Im nächsten Kapitel komme ich auf die Illustrationen und das Bildprogramm der Handschrift zu sprechen. Ich werde auch auf die Funktion der Bilder als ein Gliederungselement eingehen.
12 Stamm, Lieselotte Esther: Buchmalerei in Serie. Zur Frühgeschichte der Vervielfältigungskunst. In: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 40 (1983), S. 128-135.
13 Saurma-Jeltsch, Lieselotte E.: Pietät und Prestige im Spätmittelalter. Die Bilder in der Historienbibel der Solothurner Familie vom Staal. Basel 2008.
4
Danach möchte ich Parallelen der Illustrationen zu anderen Handschriften aufzeigen. Zum Schluss fasse ich kurz die Ergebnisse zusammen und teile meine Bedenken zu einigen Punkten mit. Ich muss noch anmerken, dass meine Untersuchung nur fragmentarisch belegt werden kann, da die Arbeit den Rahmen ansonsten sprengen würde.
B. Untersuchung der Handschrift aus Solothurn auf Merkmale des Werkstattstils Diebold Laubers
I. Der Entstehungszusammenhang zu der Handschrift
1. Diebold Lauber
Wie in der Einleitung schon erwähnt ist zur Biographie Diebold Laubers kaum etwas bekannt. Hanauer hat sich in seinem Aufsatz »Diebolt Lauber et les calligraphes de Haguenau au XV e Siècle« unter anderem mit Laubers Lebensgeschichte beschäftigt und stellt einige Vermutungen an, die er aus ausgewählten Dokumenten gewinnt. Seine Erkenntnisse sind nicht gesichert, aber bis heute gibt es keine andere Arbeit, die sich mit der Biographie Laubers auseinander gesetzt hat. So meint er, Lauber habe an einer der beiden deutschen Schulen in Hagenau gearbeitet, bevor er angefangen hatte, Bücher als Massenware durch seiner Werkstatt oder besser gesagt sein Atelier zu vertreiben. 14 Hans-Jochen Schiewer bezeichnet sogar Laubers Tätigkeit als Höhepunkt des Handschriftenhandels und der manufakturmäßigen
Handschriftenherstellung im deutschsprachigen Raum. 15 Kautzsch gibt zudem in seiner Arbeit einen Auszug aus der Handschrift eines deutschen Psalters an und zwar: »was materien man gerne hat von húbschen büchern gross oder clein, geistlich oder weltlich, húbsch gemolt, die findet man alle by diebolt louber schriber zú hagenow.« 16 Diese Notiz sollte von Laubers Hand geschriebnen worden sein und auch der Psalter selbst, so steht es jedenfalls in den Schriften des Alterthums-Vereins für das Grossherzogthum Baden II 1846. Dieser Psalter ging bei einer Versteigerung an die Kaiserliche Universitäts-und Landesbibliothek Strassburg und hatte die Signatur L 513. 17 Kautzsch vermutet Lauber handelte mit Handschriften vor 1447 und als Beweis führt er den Eintrag aus dem Codex »Der Edelstein« mit der Signatur Cod. palat. germ. 314 in Heidelberg auf dem Folio 4*an:
»Item zu Hagenow py dypold laber schreyber lert die kinder sind die bücher tiftsch u. s. f. « 18
14 Hanauer, 1895.
15 Schiewer München 2002, Sp.986.
16 Kautzsch, 1.Heft, Januar 1895, S.11.
17 Kautzsch, 1.Heft, Januar 1895, S.11.
18 Kautzsch, 1.Heft, Januar 1895, S.5.
5
Aus dieser Notiz und dem Brief aus dem deutschen Psalter wird klar, dass Diebold Lauber Schreiber und Schreiblehrer in Hagenau war. Außerdem ist Kautzsch der Meinung, dass Diebold Lauber als einzelner Schreiber begann, später mehrere Arbeiter einstellte und als Leiter der Werkstatt fungierte. Zu dieser Ansicht kam Kautzsch durch den oben erwähnten Brief, der dem deutschen Psalter beigefügt war, der zur Hälfte von Laubers Hand stammt und zur anderen Hälfte von einer anderen Hand, wahrscheinlich einem Gesellen. 19 Nach seinen Angaben ist in der Historienbibel des Stadtarchivs Köln fol.229’ beim Explicit ein gewisser dieboldum de dachstein erwähnt. Nun glaubte er, dass dieboldum de dachstein mit dem Zeichner A identisch ist und der Zeichner auch Diebold Lauber selbst sein kann. 20 Schon in der Anfangsphase der Werkstatt war der Zeichner A beschäftigt, damit gehört er zu den älteren und erfahrenen Mitarbeitern der Werkstatt. Sein Stil blieb durch all seiner Werke gleich und ihm wird zugeschrieben den Werkstattstil mitgeprägt zu haben. 21 Charakteristisch für seine Illustrationen sind lebendige Figuren, helle Farbentöne, mangelhafte Kenntnisse von Proportionen (übergroße Köpfe) und Perspektive. 22 Mehrere Beweise sprechen aber gegen die Ansicht, dass Diebold Lauber der Zeichner A gewesen sein soll. In dem schon oben angesprochenen deutschen Psalter ist im Brief die folgende Anmerkung enthalten gewesen: »[…] Ouch lieber juncher als ir gerne künig Artuss und her Ybin betten die schribe ich yetz und wolt uch die gerne vergeben schriben, das ir geben den kosten zu m[alen] und inzubinden […]« 22 Aus diesem Brief wird klar, dass Lauber vom Adressanten verlangt die Kosten fürs Malen und Einbinden zu übernehmen, d.h. nun aber Lauber hat Andere beauftragt diese Arbeit zu verrichten, ansonsten wenn er in der Lage gewesen wäre selbst zu illustrieren oder einzubinden, hätte er es bestimmt selbst erledigt. Ein weiterer Hinweis der gegen die Illustrationstätigkeit von Lauber spricht ist die Berliner Handschrift »Flore und Blantscheflur« Ms. Germ.fol.18., die Lauber selbst abschrieb und Platz für Illustrationen frei ließ. In dieser Handschrift ist auch eine Werbeanzeige enthalten, die Bücher aus Laubers Werkstatt anpreist mit den Worten »húbsch gemolt«. Es ist fragwürdig, warum Lauber die Handschrift nicht selbst ausgemalt hat, wenn er schon den Platz für die Illustrationen frei lässt. Aus Laubers Brief und seinen Werbeanzeigen 23
19 Kautzsch, 1.Heft, Januar 1895.
20 Kautzsch, Rudolf: Diebolt Lauber und seine Werkstatt in Hagenau. In: Centralblatt für Bibliothekswesen, XII. Jg., 2. und 3. Heft, Februar/März 1895, S.60. Anmerkung 1.
21 Kautzsch, Rudolf: Diebolt Lauber und seine Werkstatt in Hagenau. In: Centralblatt für Bibliothekswesen, XII. Jg., 2. und 3. Heft, Februar/März 1895, S.57-113.
22 Kautzsch, 1.Heft, Januar 1895, S.5.
23 Baer 1992, S.429-430.
6
wird ersichtlich, dass Lauber die Arbeit bei der Herstellung eines Buches an Mitarbeiter verteilte. Durch seine Beziehungen zu der Landvogtei um 1455 - 60 24 hatte er die Handschriften vertrieben. Nun stellt sich auch die Frage, ob Diebold Lauber auch ein Verleger war. Christian von Heusinger hat diese Frage bejaht in seinem Aufsatz »War Diebold Lauber Verleger?« Heusinger untersuchte Laubers Verkaufsanzeigen und wie er Textvorlagen konzipierte. Daraus leitete er, dass Lauber Leiter der Werkstatt war und wahrscheinlich auch Verleger 25 Nun möchte ich auf die Kunden der Werkstatt von Diebold Lauber eingehen. An dieser Stelle will ich wieder aus dem Brief des deutschen Psalters zitieren:
»Gnediger lieber Juncherre als hat mich Emmerich ein zedel lossen lesen hat myn gnediger herre hertzog Ruprecht etc. selbs geschriben umb súben stúk bücher, nemlich die zwey bücher der heiligen leben winterteil und summerteil, item der heiligen drige kúnig buch gemolt und morolff gemolt!! etc. […] Eberlin ein zedel, so wurd es uch etc. […]« 26
Hier ist ein »hertzog Ruprecht« als Auftraggeber von sieben Büchern genannt, denn Kautzsch als den dritten Sohn des Herzogs Stephans von Pfalz-Simmern identifiziert, der 1439 zum Bischof von Strassburg gewählt wurde. Kautzsch vermutet, dass dieser Brief an den jungen Pfalzgrafen Ludwig IV. von Heidelberg gerichtet war, der 1436 zu Hagenau den Eid als Oberlandvogt geleistet hatte. 27 Den Brief muss man sich wie eine Werbung von Lauber für seine Werkstatt ansehen, ansonsten würde er nicht die bestellten Bücher so ausführlich angeben. Hier sieht man wieder Lauber als tüchtigen Geschäftsmann, der versucht seine Bücher zu verkaufen. Im Brief sind noch zwei Boten genannt, nämlich Emmerich und Eberlin, die für Lauber gearbeitet haben. Hanauer hat versucht diese Personen ausfindig zu machen. Er vermutete Emmerich Ritter, der Amtschreiber in der Präfektur von 1451 bis 460, und Diebolt Eberün oder Oberlin, ein Stadtschreiber, waren die gesuchten Personen. 28 Aus dem Anfangs erwähnten Brief möchte ich noch die folgenden Zeilen zitieren: »[…] und mir ein frúntliche bede brieff an meister und rat mahtent, das ich uwer gemessen möhte, dann zu allen molen etwas lidig wird, das mir gefúglichen were, das wolt ich ewiclichen umb uwer gnade verdienen. […]« 29 Man muss sich fragen, weshalb Lauber in diesem Brief um ein Empfehlungsschreiben bittet. Es kann sein dass sich hier die Endphase der Werkstatt abzeichnet. Die Landvogtei wurde verlegt und die Kunden blieben aus. Die Angaben über das Datum des Briefes schwanken und konnten bis jetzt nicht bewiesen werde, obwohl sich zuerst Kautzsch, dann Hanauer und schließlich Werner Fechter mit dieser Frage beschäftigt hatten. 30
24 Bortolot 1991.
25 Von Heusinger 1988, S.145-154.
26 Kautzsch, 1.Heft, Januar 1895, S.7.
27 Siehe oben im gleichen Kapitel das Zitat zur Schreibertätigkeit.
28 Hanauer 1895, S. 423.
29 Kautzsch, 1.Heft, Januar 1895, S.5.
30 Bortolot 1991, S.15.
7
Nun musste Lauber neue Wege suchen Geld zu verdienen. Er traf auf Hans Schilling, durch den er Kunden aus dem gehobenen bürgerlichen Stand gewinnen konnte. Hans Schilling beeinflusste die Ausstattung der Bücher in der Werkstatt von Lauber, weil der neue Kundenkreis andere Ansprüche hatte. Trotzdem konnte sich die Werkstatt nicht halten. Über Laubers letzte Jahre kann man nichts Genaues sagen, da es keine Dokumente über sein weiteres Leben nach dem Zusammenbruch der Werkstatt gibt. Hanauer glaubt der Gerichtsschreiber Diebolt, der seit 1471 in Hagenau arbeitete, könnte Diebold Lauber gewesen sein. 31
2. Laubers Werkstatt in Hagenau
In der Forschungsliteratur wird Angenommen, dass Lauber ein Mitarbeiter in der »Elsässischen Werkstatt von 1418« in Strassburg gewesen ist und später seine eigene Werkstatt gegründet hat. Lauber hat wahrscheinlich einige Mitarbeiter aus dieser Werkstatt bei sich angestellt und auch der Stil der früheren Werkstatt wurde Teilweise übernommen. 32 Darum ist es schwierig die genaue Anzahl der hergestellten Handschriften zu bestimmen, da sich die Produktion in der Anfangsphase der Lauber Werkstatt mit der »Elsässischen Werkstatt von 1418« überschneidet. Kautzsch zählt zu Lauber 38 illustrierte Handschriften, die untereinander durch 16 auftretende Zeichner verbunden sind. Zudem gehören zur Werkstatt fünf Schreiber, unter denen namentlich drei bekannt sind und zwar: Diebold de Dachstein, Johannes Port de Argentina und Hans Schilling von Hagenau, der auch Zeichner war. 33 Aus der Werkstatt von Diebold Lauber stammen 16 oder 17 illustrierte Historienbibeln aus den Gruppen Ib, IIa und b. 34 Die Anzahl aller aus der Werkstatt von Diebold Lauber stammenden Handschriften schwankt von 50 35 und 71 36
31 Hanauer 1895.
32 Bortolot 1991, S.16.
33 Kautzsch, 1.Heft, Januar 1895, S.1-32.
34 Landolt- Wegener 1963, S. 212- 225.
35 Koppitz 1980, S.37.
36 Saurma-Jeltsch 2006, S.122-136.
8
Arbeit zitieren:
Anna Levandovska, 2010, Das Aufzeigen der Merkmale einer typischen Lauberhandschrift am Beispiel der Historienbibel aus Solothurn, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Anna Levandovska hat einen neuen Text hochgeladen
Sistema de medición AM-AM y AM-PM para transistores en RF y microondas
Desarrollo de un método simple...
Rigoberto Jauregui Duran, J. Apolinar Reynoso, Francisco Hirata
Performance quantitativer Value-Strategien am deutschen Aktienmarkt am...
Sebastian Riegler-Rittner, Alexander Friesenegger
Performance quantitativer Value-Strategien am deutschen Aktienmarkt am...
Sebastian Riegler-Rittner, Alexander Friesenegger
Der Wiederaufbau der Stadt Frankfurt am Main am Beispiel der Architekt...
Evelyn Brockhoff, Almut Gehebe-Gernhardt
0 Kommentare