Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Ursachen des Bismarck-Kultes in Thüringen 5
3. Der Bismarck-Besuch in Jena 7
3.1 Wie kam der Besuch zustande? 7
3.2 Bismarcks Rede auf dem Markte zu Jena am
31. Juli 1892 8
3.3 Bewertung des Bismarck-Besuches in Jena im
Jahre 1892 12
4. Der Bismarck-Kult 15
5. Resümee 21
6. Literaturverzeichnis 22
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1. Einleitung
Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen, der aus märkischem Uradel stammte, gilt als der ritterliche Vasall seines Königs, der mit brutaler Gewalt und junkerhafter Selbstherrlichkeit, aber auch mit glasklarem Verstand sein Ziel erreichte und Preußen zum machtvollsten deutschen Staat und Deutschland zur beherrschenden Einheit in Europa machte. Der ÄEiserne Kanzler³ Bismarck galt ohne Zweifel einer großen Bevölkerungsmehrheit als die herausragende Symbolfigur des Deutschen Kaiserreiches. In ihm sollte sich die Nation wiedererkennen und durch ihn zu Mut und Hoffnung finden. Der ÄSchmied des Reiches³ wurde später zu einer mythischen Figur stilisiert, was in der Bismarck gewidmeten Denkmalsbewegung, in der Glorifizierung des Altreichskanzlers und dem damit verbundenen einsetzenden Bismarck-Kult stark zum Ausdruck kam. Somit zeigt sich, dass Bismarck auch nach seiner Entlassung durch den jungen Kaiser Wilhelm II. eine der besonderen Schlüsselfiguren der deutschen Politik geblieben ist.
Die enge Beziehung zwischen Thüringen und dem Helden Bismarck, der die Reichsgründung maßgeblich bewirkt hatte, trug nach dem Ausscheiden des Kanzlers aus der Politik und v.a. nach seinem Tode dazu bei, dass Thüringen zu einem Zentrum des Bismarck-Kultes wurde. Denkmäler im Allgemeinen dienen der Erinnerung an bedeutende Ereignisse oder an herausragende Persönlichkeiten wie beispielsweise Otto von Bismarck und werden deshalb in der Öffentlichkeit aufgestellt. In Thüringen ist ein dichter Bestand an Bismarck-Denkmälern und
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Bismarck-Türmen nachweisbar. Zum Bismarck-Kult zählen außerdem die Verleihungen von Ehrenbürgerschaften durch zahlreiche thüringische Städte wie zum Beispiel Jena, der Bau von Bismarck-Säulen, die Widmung von Straßen und noch einiges mehr. Die Bismarck-Gedenkstätten werden in Thüringen stark mit der Ädeutschen Einheit³ verbunden, obwohl die meisten Thüringer für lange Zeit komplett andere Vorstellungen von derselben hatten. $EHUÄdie Erfolge aus der Kooperation mit Bismarck, vor allem aber die im Gefolge des wirtschaftlichen und sozialen Wandels bald aufbrechenden sozialen Konflikte zwischen Bürgertum und einer sich in Thüringen rasch ausbreitenden Arbeiterbewegung sorgten dann am Ende des 19. Jahrhunderts dafür, daß Thüringen innerhalb Deutschlands zu einem Zentrum bürgerlicher Bismarck-9HUHKUXQJZXUGH³ 1 Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll die Frage geklärt werden, wie es denn nun eigentlich zum Bismarck-Kult kam. Worin lagen die Ursachen? Wer waren die Träger des Bismarck-Kultes? Welche Bedeutung hatte die Rede des Altkanzlers, die er 1892 auf dem Marktplatz von Jena hielt, für die einsetzende Bismarck-Verehrung? Und schließlich, wie äußerte sich der Kult um den Mann, der durch ÄBlut und Eisen³ die Reichseinigung bewirkt hatte?
1 Werner Greiling/ Hans-Werner Hahn: Die Rückkehr des Reichsgründers. Bemerkungen zu den Ansätzen und Ergebnissen eines Jenaer Forschungsseminars, in: Werner Greiling/ Hans-Werner Hahn (Hrsg.): Bismarck in Thüringen. Politik und Erinnerungskultur in kleinstaatlicher Perspektive, Rudolstadt 2003, S. 7-18, hier S. 10.
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2. Ursachen des Bismarck-Kultes in Thüringen
Zu den Gründen für den Bismarck-Kult in Thüringen zählt die Tatsache, dass weite Teile Thüringens zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches der preußischen Provinz Sachsen angehörten. Außerdem gehörte Thüringen im 19. Jahrhundert zu den Kerngebieten der nationalen und liberalen Bewegung und somit erfuhr seit 1866 die Einigungspolitik Bismarcks große Zustimmung im Großteil des thüringischen Bürgertums. Besonders in Jena ist der Drang nach Einheit schon sehr früh erkennbar. Zunächst existierten allerdings tiefe Gegensätze in den politischen Zielsetzungen Bismarcks und denen des Bürgertums. Sein Konfliktkurs mit dem Abgeordnetenhaus stieß auf heftige Kritik ebenso wie die innen- und außenpolitische Strategie Bismarcks zunächst auf entschiedene Ablehnung stieß. 2 ÄAuch im Kriegsjahr 1866 trat die Skepsis der Thüringer gegenüber den Methoden der bismarckschen Politik sowohl auf Seiten der Monarchen als auch in der öffentlichen 0HLQXQJ QRFK HLQPDO GHXWOLFK ]XWDJH³ 3 Die zunächst ebenfalls noch skeptischen Liberalen begannen aber bald damit, sich auf die neuen Grundlagen einzustellen, welche Bismarcks Kriegspolitik geschaffen hatte, da sie darin zum Teil die Erfüllung eigener wichtiger Ziele ansahen. 4 Die einsetzende Bismarck-Verehrung nach der Entlassung des Altkanzlers legt die Tatsache offen, wie sehr man sich in Thüringen neuen Halt in der Person Bismarcks erhoffte. Die Gründe lagen zum Teil
2 Hans-Werner Hahn: Bismarck in Thüringen. Politik und Erinnerungskultur zwischen Reichsgründung und Wiedervereinigung, in: Greiling/ Hahn (Hrsg.): Bismarck in Thüringen, S. 19-66, hier S. 22.
3 Ebd. S. 22.
4 Ebd. S. 23.
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in den Enttäuschungen, die der neue Kurs unter Kaiser Wilhelm II. verursachte, und in dem Aufstieg der Sozialdemokratie in Thüringen. Durch die außenpolitischen Misserfolge wuchs die Sorge um die Stellung jenes Reiches, für dessen Gründung sich die Thüringer YHKHPHQW HLQJHVHW]W KDWWHQ ÄUnd schließlich war es Bismarck selbst, der nach seinem aufgezwungenen Rücktritt ein gutes Gespür für die Stimmung im Lande besaß und den sich rasch ausweitenden politischen Massenmarkt JHVFKLFNW QXW]WH XP DXFK DOV .DQ]OHU RKQH $PW¶ GLH |IIHQWOLFKH0HLQXQJLQVHLQHP6LQQH]XEHHLQIOXVVHQ³ 5 Dies zeigte sich zum Beispiel in einer Ansprache, die Bismarck auf dem Markte zu Jena im Jahre 1892 abgehalten hat.
5 Hahn: Bismarck in Thüringen. Politik und Erinnerungskultur zwischen Reichsgründung und Wiedervereinigung, S. 30.
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Arbeit zitieren:
Alumna Christin Oelmann, 2006, Von der Bismarck-Rede zum Bismarck-Kult, München, GRIN Verlag GmbH
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