Inhaltsverzeichnis
Vorwort………………………………………………………………………………..Seite 3
Social Engineering (Bauman) und Biopolitik (Foucault) Seite 4
Rassenhygiene und Eugenik als Exempel moderner Biopolitik und des Social Engineerings
des modernen Staates Seite 13
Analyse des Holocaust mit Hilfe der Bio-Macht und des Social Engineering Seite 20
Grenzen der Bio-Macht und des Social Engineerings als Explikation der Shoa, Kritik an
beiden Konzeptionen und Ausblick einer möglichen Erweiterung der Analyse des
Holocausts Seite 22
Quellenverzeichnis Seite 34
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Vorwort
Viel wurde und wird diskutiert über den Zusammenhang von moderner Vergesellschaftung, von modernen, aufgeklärten Geist und dem Holocaust. Zygmunt Bauman versuchte in seinem Buch Dialektik der Ordnung (1989/1992) diesen Zusammenhang herauszuarbeiten und somit zugleich aus dem komplexen Feld historischer Fakten, philosophischer, soziologischer und psychologischer Betrachtungen mögliche Antworten auf die auch über sechzig Jahre danach so dringenden Fragen nach dem Warum und der Verhinderung einer möglichen Wiederholung zu finden.
Mit der Metapher des Fensters versuchte Zygmunt Bauman das einzufangen, was Holocaust für ihn bedeutet. Demnach ist der Holocaust kein einfaches faktenreiches Bild einer historische Schrecklichkeit, einer vergangenen vorzivilisatorischen Barbarei, welches uns heute kaum noch berührt bzw. berühren muss, so wie es einem die weitverbreitete Forderung nach einem Schlussstrich in der deutschen Gesellschaft vor Augen führt, sondern ein Fenster, ein Blick auf das, was uns selber einnimmt, uns selber betrifft. Bauman meint damit nicht nur Schuld und Verantwortung und das Gewahrwerden der Leiden der Opfer und die Dimensionen der Verbrechen, sondern auch die Rückkopplung auf uns selbst. Bauman verdeutlicht mit der Metapher des Fensters und dem Blick hinaus, dass wir sehen müssen, wie direkt der Holocaust, wie direkt Auschwitz mit unserer Gesellschaft, unseren Denksystemen, mit der Moderne verwurzelt ist und das wir aus diesem Zusammenhang und seine Bedeutung für uns und die Zukunft lernen müssen. In genau diesem Sinne gilt noch immer der kategorische Imperativ Adornos „ (…) ihr Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts ähnliches geschehe“ (Negative Dialektik). Nun ist es richtig und wichtig, diese Bedeutung immer wieder hervorzuheben, doch können sich Gesellschafts- und Sozialwissenschaften nicht darauf ausruhen, sondern müssen dazu beitragen, das „Unbegreifbare“ greifbar, verstehbar zu machen. So kritisiert auch Wolfgang Sofsky: „Allzu eilfertig ist man mit dem Topos der Unverstehbarkeit bei der Hand, um die Wahrnehmungssperre zu rechtfertigen, das das Weltbild in Ordnung hält.“ 2 Was Sofsky wohl damit meint, ist die Unverstehbarkeit als Ideologie. Der Holocaust wird in einen Kreisel der Schrecklichkeit und Barbarei gesperrt, von der eigenen Vergesellschaftung abgetrennt und für unerklärbar bestimmt. Dahinter verbirgt sich aber häufig ein Nicht-verstehen-wollen oder die Abwehr von Schuld oder Verantwortung.
In der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, anhand der Dialektik der Ordnung von Zygmunt Bauman den Zusammenhang von moderner Vergesellschaftung und dem Holocaust aufzuzeigen. Dabei sollen die Ausführungen Baumans zum Social Engineering in Verbindung mit den Ausführungen Michel Foucaults zur Bio-Macht gesetzt werden und für eine mögliche Analyse des Zusammenhangs fruchtbar gemacht werden. Ziel der Arbeit ist, dem Rahmen dieser Analyse abzustecken und Grenzen der „baumanschen-foucaultschen Folie“ aufzuzeigen.
2 Sofsky, W., (1990), in Leviathan 18, S. 520
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Social Engineering (Bauman) und Biopolitik (Foucault)
In Dialektik der Ordnung versucht Zygmunt Bauman soziale, historische, wissenschaftliche und moralische/ethische Aspekte moderner Vergesellschaftung mit dem Holocaust in Verbindung zu bringen bzw. versucht er herauszuarbeiten, wie diese Aspekte die Bedingungen für Auschwitz wurden. Zusammenfassend lassen sich fünf wesentliche Punkte in der Argumentation Baumans konstatieren. (1.) In einem ersten Zug beschreibt Bauman bezugnehmend auf Max Webers Ausführungen zum „Geist des Kapitalismus“, wie die moderne Rationalität als gesellschaftlich durchsetztes Denkprinzip eine Bürokratie entwickelte, welche im NS-Staat die Rolle der planenden und anordnenden Verwaltungsmaschinerie im Vernichtungsprozess einnahm und viele der Täter dadurch auf (räumlich/moralisch) Distanz zu den Opfern brachte. Hieran schließen sich die Ausführungen Baumans in Ambivalenz und Moderne an, in dem er das Entstehen eines spezifisch modernen Geistes, welcher Rationalität und wissenschaftlich-technisches (Ordnungs)Denken umfasst. (2.) Dem entsprechend ist der folgenden Punkt, die Bedeutung der Wissenschaft und Technik eng mit dem ersten Punkt verknüpft. Bauman versucht nachzuzeichnen, wie mit Wissenschaft und Technik, deren Kategorien, Ordnungen und Terminologien der moderne Geist entsteht und welche Verbindungen zwischen wissenschaftlich-technischem Denken, Rassismus und staatlichen Handeln bestehen. (3.) In einem weiteren wichtigen Punkt bestimmt Bauman als eine Wesensart des modernen Genozids dessen Ausrichtung auf einen höheren Zweck, ein Ziel - der Entwurf einer anderen (besseren) Gesellschaftsordnung mit entsprechenden Konsequenzen. So schreibt Bauman: „Der moderne Massenmord ist von ganz anderer Art. Der moderne Genozid verfolgt ein höheres Ziel. Die Beseitigung des Gegners ist ein Mittel zum Zweck, eine Notwendigkeit, die sich aus der übergeordneten Zielsetzung ergibt: Dieses Ziel ist die Vision einer besseren von Grund auf gewandelten Gesellschaft. Der moderne Genozid ist ein Element des >>Social Engineering<<, mit dem eine soziale Ordnung realisiert werden soll, die dem Entwurf einer perfekten Gesellschaft entspricht.“ 3 Das Social Engineering ist für Bauman das staatliche Walten ähnlich eines Gärtners im Garten. Die Bevölkerung muss geplant, umgepflügt und gestaltet werden wie ein Garten, nützliche Pflanzen gezogen, Unkraut zurückgedrängt oder vernichtet werden; dazu mehr weiter unten. (4.) Die Spezifik der Judenvernichtung versucht Bauman mit dem Verweis auf die Inkongruenz der Juden, der Juden als nicht-nationale Nation, als Gruppe „im Raum dazwischen“ zu beschreiben. Er beschreibt das historische Werden des modernen Ressentiments gegen Juden, vor allem anhand der Entwicklung des modernen Rassismus. (5.) Der letzte Punkt in Baumans Explikationen umfasst den Bereich der Moral, bzw. der Entmoralisierung der Täter und der Ethik des Gehorsams. Aus Platzgründen seien diese wesentlichen Züge in Baumans Erläuterungen hier nur benannt. 4
3 Bauman, Z., (2002/1992), S. 106
4 In einem 6. Punkt verweist Bauman auf die Kooperation der Opfer. Meines Erachtens ist es kritisch zu betrachten, in einer Explikation des Holocausts und dessen Zusammenhang mit moderner Vergesellschaftung diesen Punkt auf eine Stufe mit den anderen Punkten zu stellen. Trotz aller Bemühungen Baumans gewinnt man den Eindruck, dass er doch (bis zu einem gewissen Grade aus einem erfahrungsspezifischen und/oder jüdischen Kontext verständlich) bestimmte Opfern/Opfergruppen eine gewisse Mitschuld zu geben versucht.
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Im Folgenden soll der baumansche Ansatz des Social Engineering näher beleuchtet werden, stellt dieser doch eine Art Schnittstelle, eine Brücke in den Ausführungen Baumans dar. Social Engineering umfasst Rassismus, staatliches Handeln, ist Mittel in der Umsetzung der angestrebten Gesellschafts-/Staatsordnung und drückt die Bedeutung von Wissenschaft und modernem technisch-rationalem Geist (Medizin, Biologie, Eugenik, Rassenhygiene, Bevölkerungspolitik und Bürokratie) für die rassistische Vernichtungspraxis aus. Dem Social Engineering soll der Ansatz von Foucault über die Bio-Macht gegenübergestellt werden. Anhand der Beispiele der Rassenhygiene und Eugenik sollen beide Konzeptionen miteinander verglichen werden und zugleich als Analysefolie für mögliche Bedingungen des und für den Holocaust an sich dienen. Im Hinblick auf die Analyse sollen beide Ansätze kritisch hinterfragt werden.
Zygmunt Bauman - Moderne, Ordnung und Social Engineering
Zygmunt Bauman schreibt, eine der wichtigsten Aufgaben der Moderne ist die des Ordnens. Ordnung bedeutet die Dinge nicht als natürlich anzusehen, die Dinge zu begreifen und somit die Welt als solche zu konstruieren. Das unterscheidet die Moderne als ordnende Gesellschaft von vormodernen Gesellschaften und Denksystemen, welche die Welt als gegeben annahmen und sich als Teil dieser verstanden. Ordnung ist zugleich das Benennen von Chaos als „das Andere der Ordnung“ 5 . Ordnung schafft Chaos entweder durch Dinge, die nicht begriffen und damit nicht geordnet werden können oder durch Ausgrenzung aus der Ordnung. Die Aufgabe der Ordnung klassifiziert die Welt und zerteilt und fragmentiert diese damit. So schafft die Aufgabe der Ordnung immer wieder neue Ambivalenz, alles was nicht zur Ordnung gehören kann oder will, fällt der Mehrdeutigkeit anheim und ist somit äußert widersprüchlich und bedrohlich.
Eine bedeutende Form der Ordnung ist der moderne Staat, er selbst schafft Ordnung durch seine Souveränitäts- und Definitionsmacht. Bauman bestimmt für die Moderne eine besondere Form des Staates - der Staat als Gärtner und seine Aufgabe des Social Engineering. Die Aufgabe des Gärtnerns ist eine der wichtigsten ordnenden Aufgaben des modernen Staates. Das Bezugsobjekt ist dabei vor allem die Bevölkerung. Die Behandlung der Bevölkerung nach Maßstäben, die dem Gärtnern in gewissem Sinne gleich kommen und das damit angestrebte Herstellen einer bestimmten sozialen Ordnung, erfolgt nach Bauman durch das Social Engineering. Der moderne Staat, dessen Vorbedingungen institutionelle Bürokratie und ein kollektives Bewusstsein von Nation und/oder Volk sind, ordnete die Bevölkerung in verschiedene Gruppen und griff sozial-politisch auf diese zu. Im Grunde bestand eine Dichotomie zwischen der Gruppe, für welche die angestrebte Ordnung herzustellen war und der Gruppe von Menschen, die nicht zu dieser Gesellschaftsordnung gehören sollten oder konnten und somit aussortiert und entsprechend
Das Mitwirken ist aber eher als Perfidie der Macht der deutschen Täter zu betrachten und somit nicht so leicht als eigene Explikationsebene abzulösen oder als Exempel moralischer Ambivalenzen oder der Rationalität der Opfer zu betreiben.
5 Vgl. Bauman, Z., (1995), S. 19
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behandelt wurden. Die Gesellschaft wurde und wird wie beim Gärtnern einem Plan unterworfen - welche Beete und Wege (Strukturen, Institutionen, Gruppen) müssen angelegt werden, welche Pflanzen (Gesellschaftsgruppen) sollen gepflanzt und gepflegt werden, welche Unkräuter (Gesellschaftsgruppen, Individuen) müssen entfernt werden? Doch um diese Aufgabe zu erfüllen, benötigte der Staat erst Errungenschaften der Moderne, um diese in die Tat umzusetzen. Für Bauman sind es vor allem zwei (durchaus miteinander verwobene) Komponenten der Moderne, die für das Social Engineering unabdingbare Voraussetzungen waren - die Moral bzw. ein gewisser Geist der Moderne und die Wissenschaft. Mit Vernunft und Aufklärung rückte ein Denken auf wissenschaftlicher Basis in den Mittelpunkt, welches die Welt und besonders die Gesellschaft in eine entsprechende Ordnung einsortierte bzw. diese Ordnung einforderte. Die modernen Wissenschaften schufen die Instrumente für den Staat um diese Ordnung durchzusetzen. Besonders der mit den Wissenschaften entstehende Dualismus zwischen wissenschaftlicher Rationalität und „der Natur“ als das zu begreifende Chaos, führte zu einem Druck, jegliches Chaos, jegliche Ambivalenz in die (soziale) Ordnung zu pressen oder ihr durch Ausschluss oder Vernichtung Herr zu werden. Dieser Dualismus war selbst zugleich Ausdruck der Ambivalenz, denn, und das entgeht m.E. Bauman, „die Natur“ bzw. „die natürliche Ordnung“ sollte oft genug gerade mit modernen wissenschaftlichen Methoden zu Geltung gebracht oder gegen die Rationalität und Kälte moderner Vergesellschaftung verteidigt werden. So bedienten sich der moderne Rassismus, Rassenhygiene und Eugenik moderner wissenschaftlicher Instrumente, Methoden und Sprache, um die geltenden und für sie natürlichen Ordnungen von Volk, Rasse und Reinheit von der Verderbtheit der modernen Zivilisation zu befreien. Hier kommt die bauman’sche Ambivalenz der Moderne m.E. am deutlichsten zum Ausdruck, sind doch Volk, Rasse, Reinhaltung und vor allem Natur Konstruktion modernen Denkens und moderner Vergesellschaftung. Die Moderne beschwört hier ihre eigenen Geister. Doch die Rationalität des modernen Geistes findet nicht nur Ausdruck in den modernen Ideologien, sondern besonders in der Methodik des staatlichen Social Engineerings. Der Staat bediente sich der Mathematik und Statistik, um die Bevölkerung erfassen, zählen, gruppieren und einordnen zu können. Er bediente sich der Medizin (Impf- und Hygieneprogramme), um epidemische Krankheiten und damit das Wuchern von „Unkraut“ (körperlicher Degeneration) bekämpfen zu können, er bediente sich wissenschaftlicher Methoden der Erziehung, um geistige und moralische Degeneration abwenden zu können und er bediente sich vor allem der verwissenschaftlichten Bürokratie und Verwaltung sowie der Wirtschafts- und Arbeitswissenschaften, um die Bevölkerungsmasse, ihre Prozesse und Reproduktion verwalten, lenken und voranbringen zu können. Doch das Kalkül der wissenschaftlichen Rationalität eine Bevölkerungsmasse wie einen Garten zu verwalten und zu bewirtschaften, hatte schreckliche Seiten. Wie oben bereits erwähnt, wurde die Bevölkerung in Gruppen eingeteilt und die zu errichtende soziale Ordnung für eine gewisse Gruppe bestimmt. Es war die westliche, weiße Rasse und Zivilisation und in Deutschland das germanische Volk/ die weiße und arische Rasse, die diese soziale Ordnung darstellten. Der Staat wollte diese Ordnung anstreben, reinhalten und die Bevölkerung und Menschen (Pflanzen) dahingehend züchten. Schon früh wurden
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Rassentheorie und völkische Ideologie, im besonderen Maße in Deutschland, die Basis für den modernen Nationalstaat.
Und so schreibt auch Bauman: „Der Rassismus kann nur dort zum Durchbruch kommen, wo der Entwurf einer perfekten Gesellschaft vorhanden ist und wo dieser Entwurf durch konsistente planerische Bemühungen realisiert werden soll. Im Falle des Holocaust war dieser Entwurf das Tausendjährige Reich - das Imperium des Deutschen Volksgeistes, in dem allein dieser geduldet war. (…) Die nationalsozialistische Revolution war ein gigantisches Projekt des Social Engineering, die >Rasse< das Kernstück der gestalterischen Maßnahmen.“ 6 Der nationalsozialistische Staat war kein Rückfall in vormoderne Zeiten oder Barbarei, sondern der pervertierte Ausdruck des modernen hochtechnischen und bürokratischen Nationalstaates in Form der Volksgemeinschaft als Idealbild. Barbarei und Gewalt waren Mittel und Ergebnis moderner Rationalität und des planerischen, gestaltenden und ordnenden Wirkens des Staates.
Für Bauman steht diese Form des Social Engineering in direkter Verbindung mit den Wissenschaften um Biologie, Anthropologie und Medizin und ihren schon auf sozialtechnologische Gestaltung ausgerichteten Ausformungen wie etwa Rassentheorie, Rassenhygiene, Eugenik, Volksaufartung und Erbkunde, wobei sich Ideale der Klassik und Romantik um Natur und Naturwesen Mensch mit aufklärerischen und modernen Denksystemen zusammenfügten und Ordnung in das Bild der Natur brachten und deren Reinheit gegen die Zivilisation verteidigten, um selbst diese Zivilisation sein zu können. „Seit der Aufklärung nimmt die moderne Welt eine aktiv organisierende Haltung gegenüber Natur und Gesellschaft ein. Wissenschaft durfte kein Selbstzweck sein, sondern galt als wirkungsvolles Instrument, mit dem die Welt zu verbessern und nach menschlichem Plan umzugestalten und das natürliche Streben nach Vollendung zu unterstützen war. Gartenbau und Medizin waren Archetypen dieser konstruktivistischen Haltung; Normalität, Gesundheit und Hygiene wurden die Metaphern für die Aufgaben der Gestaltung des menschlichen Lebens. Dasein und Zusammenleben wurden zum Gegenstand der Planung und Administration; man durfte sie genauso wenig sich selbst überlassen wie die Vegetation des Gartens oder lebende Organismen, sollten sie nicht Gefahr laufen, von Unkraut befallen und krebsartig überwuchert zu werden. Gartenbau und Medizin sind funktional getrennte Formen ein- und derselben Aktivität - sie trennt wertvolle, zum Leben und Gedeihen auserwählte Elemente von anderen, die schädlich und krankhaft sind und daher ausgerottet werden müssen.“ 7 Eine Aktivität leben zu machen und in den Tod zu stoßen 8 - so hat es Foucault in einem prägnanten Satz formuliert.
Spezifische und tödliche Form der ordnenden Aktivität ist der Rassismus. „Der Rassismus unterscheidet sich durch seine Praktik, deren Teil er ist und die er rationalisiert; diese Praktik kombiniert architektonische und gärtnerische Strategien mit denen der Medizin - konstruiertwerden soll eine künstliche soziale Ordnung, aus der diejenigen Elemente der bestehenden Welt entfernt wurden, die dem erwünschten perfektem Erscheinungsbild nicht
6 Bauman, Z., (2002/1992), S. 81, (Hervorhebungen im Original)
7 A.a.O. S. 85ff.
8 Vgl. Foucault, M., (2008), S. 1133
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Arbeit zitieren:
Michael Schüßler, 2009, Der Holocaust und die Moderne, München, GRIN Verlag GmbH
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