Das Inhaltsverzeichnis
1 Die Einleitung 4 - 5
2 Die Dimensionen der Kybernetik 6 -13
2.1 Die Metawissenschaft Objektivation 6
2.2 Die Informationstheorie Nachrichtenübertragung 7
2.3 Die Regeltheorie Rückkopplung 8
2.4 Die soziokybernetische Synthese 11
3 Das begrenzt rationale Individuum 13-19
3.1 Die Begrenzte Rationalität 13
3.1.1 Evolutionspsychologisch
3.1.2 Informationspsychologisch
3.2 Die Komplexität der Umwelt 17
3.3 Die Komplexitätsreduktion 18
4 Die soziokybernetischen Mechanismen zur Komplexitätsreduktion 19-25
4.1 Der teleologische Aspekt in der Soziokybernetik 20
4.2 Die Soziorückkopplung 21
4.3 Der Aspekte des Lernens in der Soziokybernetik 24
5 Das Fazit 26-27
6 Das Literaturverzeichnis 28-30
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Zwei Züge sind den für den Forschungsbereich bezeichnend, der seit der katalysierenden Schrift von Norbert Wiener sich unter dem Stichwort Kybernetik konstituiert hat: Die Faszination durch das Problem der Konstanz in einer äußerst komplexen, veränderlichen Welt und der durch Kommunikationsprozesse zu klären. 1
1 Niklas Luhmann 1991, S. 157.
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1 Die Einleitung
Der Mensch ist ein begrenzt rationales Wesen. Dieser Satz scheint sehr selbstverständlich zu sein. Dennoch gab es Zeiten in der Philosophiegeschichte (u.a. Platon), in denen solch eine Vorstellung, von der begrenzten menschlichen Vernunft, nicht selbstverständlich war.
anderes als früher nicht Anlass zur Resignation, Bescheidung oder gläubiger Verehrung, Konzentrat einer Gewißheit, welche die Subjektivität des Selbsbewußtseins zum Ausgangspunkt macht für immer weitergreifende Prozesse der Reduktion von Komplexität auf gesicherte 2
Doch alleine der Fakt und die Kenntnis 3 reicht nicht aus, um menschliches Verhalten in sozialen Systemen oder in Interaktion mit anderen Individuen zu erklären bzw. Anleitungen für soziales Verhalten zu geben. Es ist demnach nötig Strukturen zu entwickeln, die dieses leisten können. Ausgehend von der begrenzten Rationalität eines Individuums muss im nächsten Schritt der Interaktionsraum betrachtet werden. Zur Bezeichnung dessen wird häufig der Begriff der Umwelt genannt. 4 Im Gegensatz zur Vernunft des Individuums können hier keine Grenzen abgesteckt werden. Die Umwelt ist kontingent und mit einer hohen Dichte und Frequenz an Informationen bzw. Reizen durchzogen. Da der Mensch aber qua begrenzter Rationalität nur eine begrenzte Menge an Informationen aufnehmen und verarbeiten kann, kommt es zu einem augenscheinlichen Dilemma in der Verbindung Mensch-Umwelt, dessen Auflösung (direkt oder indirekt) das Ziel von Sozial- und Verhaltenswissenschaften ist. 5 So steht auch die Soziokybernetik in dieser Tradition. Auf der Grundlage des von Norbert Wiener 6 geprägten Begriffes der Kybernetik als Nachrichtenübertragungstheorie versucht die Soziokybernetik gesellschaftliche Interaktionen zu objektivieren, zu strukturieren, um so Aussagen über Verhalten treffen zu können. In der vorliegenden Arbeit soll genau dieser Fakt beleuchtet werden.
Zunächst steht die Kybernetik im Mittelpunkt der Betrachtung. Sie soll von verschiedenen Seiten beleuchtet werden. Anhand dessen erfolgt dann die Synthese in einem sozio-
2 NiklasLuhmann 1991, S. 19.
3 Vgl. Herbert A. Simon 1983, Reason in Human Affairs.
4 Vgl. Niklas Luhmann 1991, Zweckbegriff und Systemrationalität.
5 Entsprechende Ansätze und Beobachtungen sind beispielsweise in der Sozialpsychologie (Priming- und Recency-Effekte, Intuition ect.) zu finden.
6 Vgl. Norbert Wiener 1948, Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine.
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kybernetischen Modell. Nachdem die, für diese Arbeit relevanten, Facetten der Kybernetik beleuchtet wurden, soll das begrenzt rationale Individuum in den Mittelpunkt rücken, welches, wie schon erwähnt, hauptsächlich der Anstoß für diese Arbeit ist. Es folgt eine Eingrenzung dieses psychischen Systems 7 durch seine Umwelt. Anschließend werden diese beiden Aspekte (Individuum und Umwelt) in der daraus resultierenden Komplexitätsreduktion zusammengebracht.
Danach folgt die Anwendung der soziokybernetischen Prämissen auf das begrenzt rationale Individuum in seiner komplexen Umwelt. Das Ziel ist es dann zu zeigen, wie es zu einer Komplexitätsreduktion, unter Einfluss soziokybernetischer Mechanismen, kommen kann. Dies erfolgt entlang dreier Aspekte. Zum einen soll herausgearbeitet werden, welche Rolle die Teleologie in der Erforschung sozialer Interaktionen spielt und zum anderen wird dargestellt werden, welche Konsequenzen sich in Bezug auf den Aspekt der Soziorückkopplung ergeben. Zudem sollen beide Sachverhalte in einem soziokybernetischen Lernmechanismus Verwendung finden. Die Arbeit beschränkt sich zum größten Teil, aufgrund der sehr unterschiedlichen Betrachtungsweisen kybernetischer Sachverhalte, auf informationstheoretische und kommunikative Aspekte. 8 Zum Schluss erfolgt ein Fazit, das zusammenfassend zeigen soll, dass die Kybernetik, speziell die Soziokybernetik, über Mechanismen verfügt, die das Dilemma zwischen dem begrenzt rationalen Individuum und seiner komplexen Umwelt auflösen und darüber hinaus eine Anleitung für soziale Interaktion bieten. 9 Ebenfalls soll hier kurz der Stellenwert dieser Herangehensweise in den heutigen Sozial- und Verhaltenswissenschaften diskutiert werden. 10
7 Individuum verwendet (siehe Punkt 3.1.2).
8 Es werden hauptsächlich Norbert Wiener, Niklas Luhmann und Helmar Frank eine Rolle spielen.
9 In Bezug auf die kybernetische Pädagogik sei hier auch die Didaktik als Interaktion genannt.
10 Zu nennen wären in etwa die Erziehungswissenschaft oder die Soziologie mit der Systemtheorie.
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2 Die Dimensionen der Kybernetik
Der Begriff der Kybernetik wird in den einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen sehr kontrovers diskutiert. Es ist daher nötig, bevor der Begriff verwendet werden kann, diesen so darzustellen, wie es die jeweilige Argumentation erfordert. Die Kybernetik wird heute sehr differenziert betrachtet. Sie besitzt die verschiedensten Facetten ein Phänomen zu beleuchten und trotzdem behält sie ihre einheitliche Struktur.
Cybernetics takes the view that the structure of the machine or of the organism is an index of the performance that may be expected from it 11
Es gibt demzufolge durchaus Bestandteile 12 , die bei jeder Verwendung immer wieder auftauchen, dennoch sind die Blickwinkel auf die Kybernetik sehr unterschiedlich. 13 Im Folgenden sollen einige dieser Facetten dargestellt werden. Das Ziel ist es, die verschiedenen Sichtweisen, die aber (nachdrücklich betont) nicht voneinander losgelöst zu verstehen sind, in der Soziokybernetik zu vereinen.
2.1 Die Metawissenschaft Objektivation
Das ursprüngliche Ziel dieser Strukturwissenschaft war es, die Mehrsträngigkeit der Wissenschaften ein Stück weit aufzulösen und sie einander wieder etwas näher zu bringen. 14 Interdisziplinares Denken war gefragt. Hierzu war es nötig die Struktur der Wissenschaften zu ermitteln und diese in einem Modell darzustellen, welches sich universell anwenden lässt.
k bezeichnet gemäß den gängigen Erklärungen gewisse Bestrebungen, verschiedene wissenschaftliche Disziplinen vermittels einheitlicher Gesichtspunkte (unter denen die Gesichtspunkte der Information und der Regelung meist besonders hervorgehoben werden) durch eine gemeinsame Methodik zu verbinden . 15
Diese Herangehensweise wird bei Norbert Wiener sehr deutlich, der 1948 versucht hat, die Regelung und Nachrichtenübertragung beim Lebewesen mit der einer Maschine gleichsetzend zu untersuchen. 16 Hier treffen nun schon mindestens zwei Bereiche
11 Norbert Wiener 1954, S. 57.
12 Hier erscheinen Begriffe, wie Rückkopplung oder Regelung.
13 Vgl. Helmar Frank 1966, S. 22-28.
14 Vgl. Bernhard Dotzler 2002, S. 4.
15 Helmar Frank 1973, S. 111.
16 Vgl. Norbert Wiener 1948, Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine.
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aufeinander, die Informationspsychologie und das Ingeneurswesen bzw. der Maschinenbau. Durch das Einführen einer allgemeinen Struktur wird es möglich beide Wissenschaften derart zu objektivieren, dass zur Klärung von Problemen 17 die gleichen Begriffe verwendet werden können. Ziel ist es zwar offensichtlich eine Maschine zu entwickeln, die einen Menschen eventuell ersetzen könnte (in bestimmten Arbeitsabläufen ect.), aber hierdurch wird de facto eine Disziplin geschaffen, die als Metawissenschaft bezeichnet werden kann. Was bei der Analogie Mensch-Maschine funktioniert, kann sich durchaus auch in weiteren Analogien bewähren. Durch diese Objektivation wird es möglich, selbst komplexeste Abläufe im menschlichen Verhalten unter gewisse Gesetze zu stellen, mit denen dann bei der Klärung gesellschaftlicher Fragen operiert werden kann. 18 Es wurde nun in Ansätzen gezeigt, dass die Kybernetik durchaus den Anspruch einer Metawissenschaft erfüllen kann qua analogischer Strukturen. Norbert Wiener sah aber zunächst seine Kybernetik als Kommunikationswissenschaft bzw. Wissenschaft der Nachrichtenübertragung. Im nächsten Schritt sollen also die Aspekte der Kybernetik herausgearbeitet werden, die diese als Lehre von Information und Kommunikation darstellen.
2.2 Die Informationstheorie Nachrichtenübertragung
Wenn Systeme einer Objektivation unterliegen, muss auch immer der Gegenstandsbereich klar sein, der hierbei Verwendung findet. Bei der Frage, was allen Systemen gemein sei, liegt der Entschluss nahe die Systemmechanismen auf Kommunikation zurückzuführen.
19
Jedes System kann Informationen entwickeln, weiterleiten, aufnehmen und speichern. Helmar Frank postulierte hierzu vier Stufen der Lehre der Nachrichtenübertragung. 20 Von der einfachen Nachrichtentheorie bis hin zum komplexen Nachrichtensystem, welches sich nur im Regelkreis darstellen lässt. Auf der ersten Stufe steht die Nachrichten-theorie, die sich schlichtweg mit der Übertragung von Information von A nach B beschäftigt, hier werden Begriffe wie Signal oder Zeichen, Träger (Erscheinung einer Nachricht) und Semantik (Gehalt einer Nachricht bzw. psychologische Wirkung) grundlegend für die
17 Zu nennen wäre hier etwa das Gebiet der Psychoanalyse.
18 Vgl. Georg Klaus 1973, S. 37. 19 Helmar Frank 1966, S. 31.
20 Vgl. Helmar Frank 1966, S. 31f.
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weitere Betrachtung geprägt. Die Information ist dann die Verbindung von Träger und Semantik. 21 Die zweite Stufe beinhaltet die Nachrichten-verarbeitungstheorie. Diese Stufe beschäftigt sich unter anderem mit psychologischen Aspekten der Information. Hierbei geht es um Verarbeitung bzw. Weiterverarbeitung im Inneren des (psychischen) Systems. 22 Die dritte Stufe geht nun etwas weiter und schaut sich die Verarbeitung und Ausgabe von Nachrichten per se an. Die so genannte Theorie der Kreisrelation trifft nun Aussagen über die Interaktion von Systemen mit der Umwelt. Die Information, die diese im Austausch mit der Umwelt erhalten, dient dazu, Veränderungen aufzuspüren und wiederum auf diese zu reagieren. Dieses Konstrukt verdeutlicht den Begriff der Kreisrelation, der in diesem Zusammenhang als kybernetisch bezeichnet werden kann. Als Beispiel führt Frank ein Lernsystem an, welches auf den Austausch von Information mit seiner Umwelt angewiesen ist. 23 Auf der vierten und höchsten Stufe der Nachrichtenverarbeitung steht die Systemkomplextheorie oder Kybernetik zweiter Ordnung 24 (die Kybernetik der Kybernetik). Hier enthält die Umwelt, mit der ein System in Interaktion tritt, ebenfalls noch mindestens ein nachrichtenverarbeitendes System. Das dürfte im Hinblick auf die Soziokybernetik der Normalfall sein. 25 Dementsprechend sind auch die Beispiele gewählt. Frank führt die Spieltheorie, Organisationskybernetik und die Kybernetische Pädagogik an. 26
Nun wurde die Kybernetik als Metawissenschaft qua universellen Methodik-Anspruch und als Kreisrelation beim Nachrichtenaustausch beschrieben. Im nächsten Schritt soll in diesem Zusammenhang speziell auf zwei, für die Kybernetik essentielle, Begriffe eingegangen werden. Es handelt sich hierbei um die Regelung und die Rückkopplung.
2.3 Die Regeltheorie Rückkopplung
Ausgehend von der eben besprochenen Nachrichtenübertragung lässt sich feststellen, dass im kybernetischen Sinne eine Nachrichtenübertragung dann als gelungen oder vollendet bezeichnet werden kann, wenn es zu einer Kreisrelation zwischen Sender und Empfänger kommt. Der nächste Schritt ist es, zu klären, was solch eine Relation ausmacht.
21 Vgl. Louis Couffignal 1962, S. 72.
22 Vgl. Helmar Frank 1966, S. 31.
23 Vgl. Ebenda, S.32.
24 Vgl. Heinz v. Foerster 1993, S. 65.
25 Diese Stufe wird vor allem in den folgenden Erläuterungen im Mittelpunkt stehen.
26 Vgl. Helmar Frank 1966, S. 32.
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Arbeit zitieren:
Martin Weber, 2010, Komplexitätsreduktion für begrenzt rationale Individuen, München, GRIN Verlag GmbH
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