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Gliederung
1. Einleitung 2
2. Das Selbstbild des Adels im 17. Jahrhundert 3
3. Der höfische Adel 5
3.1. Allgemeines 5
3.2. Das Titelwesen 6
3.3. Das Zeremoniell 7
4. Der Adel in den Provinzen 8
5. Die politischen Funktionen des Adels 9
6. Zusammenfassung 12
7. Literaturverzeichnis 14
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1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit wird sich im Hinblick auf das genannte Thema mit der Rolle des Adels in der Gesellschaft zur Zeit Ludwig XIV auseinandersetzen. Näher untersucht werden das Bild, das der Adel von sich selbst hatte und die Funktionen, die der Adel im Staat übernahm.
Hierbei soll vor allem die Frage beantwortet werden, inwieweit der Adel überhaupt noch Macht besaß in einem Staat, der zentralistisch auf den König ausgerichtet war, indem dieser versuchte alle Macht auf sich zu vereinen. Dieses Streben Ludwig XIV begründete sich vor allem aus den Erfahrungen der Fronde während seiner frühen Jugend, daher sollte nach seinem Regierungsantritt der Adel, die treibende Kraft der Fronde, systematisch entmachtet werden. Inwiefern sich diese Entmachtungspolitik gegenüber den Aristokraten wirklich durchsetzen ließ und an welchen Stellen es dem Sonnenkönig gelang soll im Folgenden betrachtet werden.
Dabei erhebt die Arbeit keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit, da es in dem vorgegebenen begrenzten Rahmen nicht möglich ist alle Facetten des komplexen Themas zu untersuchen.
Die Literaturlage zum Thema umfasst sowohl ältere als auch sehr neue Arbeiten und Veröffentlichungen, die zu dessen Bearbeitung dienlich sind. Ein Teil liegt jedoch nicht als Übersetzung aus dem Französischen oder Englischen vor, daher werden direkte und indirekte Zitate aus diesen Werken nach dem derzeitigen Kenntnisstand der Verfasserin übersetzt. Zudem befassen sich ein großer Teil der Veröffentlichungen oft nur mit einem kleinen Teil der Adelsgesellschaft in bestimmten Zeitabschnitten und Orten, die eine allgemeine Interpretation der Situation im Ancien Régime erschweren.
Im Übrigen wird die Arbeit in der neuen deutschen Rechtschreibung verfasst, Zitate, die in der alten Rechtschreibung vorliegen erfahren jedoch keine Änderung.
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2. Das Selbstbild des Adels im 17. Jahrhundert
Im Jahr 1630, also noch vor dem Regierungsantritt Ludwig XIV erschien ein Buch, das den Titel L’ honneste-Homme ou l’Art de Plaire à la Court trug, geschrieben von Nicolas Faret. Wie der Titel schon erkennen lässt, ist dieses Buch als eine Art Leitfaden für den damaligen Aristokraten gedacht gewesen, der bei Hofe einen guten Eindruck machen wollte. Daher fand es auch großes Interesse unter den Adligen und gilt als eines der erfolgreichsten Bücher des 17. Jahrhunderts in Frankreich. Heute verschafft uns dieses Werk einen Einblick in das Selbstverständnis der Aristokratie im 17. Jahrhundert. 1 Es beschreibt, dass es das Erstrebenswerteste ist als ein honnete homme wörtlich übersetzt als ein Ehrenmann oder Mann von Ehre zu gelten. Dieser Ehrenmann ist laut Faret natürlich adliger Herkunft und, abgeleitet aus dem alten mittelalterlichen Schwertadel, ein Mann, der eine militärische Ausbildung genossen hat, um im Kriegsfall für seinen König zu kämpfen. Auch das Erscheinungsbild des Ehrenmannes zeichnet Faret sehr deutlich, er sollte stark und geschmeidig in seinen Bewegungen, jedoch nicht zu groß und korpulent sein, da dies als vulgär angesehen wurde. Die wichtigste Eigenschaft eines Adligen, war die Ehrerbietung, die er in seinem ganzen Verhalten vor allem gegenüber Frauen und seinem Herrscher erkennen lassen musste. Höchstes Ziel eines jeden Aristokraten war die Gunst des Königs zu erlangen und diesem in jeder Hinsicht zu dienen und zu ehren. Noch bevor Ludwig XIV sich selbst als Sonnenkönig darstellte, verdeutlichte Faret in seinem Werk die Person des Königs unter Nutzung einer Metapher, die versinnbildlichte, dass der König die Quelle aller Freude und das Zentrum des Universums ist, ganz wie die Sonne, um die sich die Adligen wie Himmelskörper drehen. Während die einen näher an ihn heran dürfen und sich in der Wärme seiner Strahlen sonnen, verbrennen andere, wenn sie die Ungunst des Selben auf sich gezogen haben. Diese Beschreibung der Herrschergewalt erinnert stark an die Gestalt Gottes, dessen Platz der König aber nach Faret nicht einnehmen soll, sondern nur als sein höchster Diener und einziger Vermittler der göttlichen Gnade fungiert. 2
Daher soll der Adlige durch seinen Dienst an König und Staat danach streben deren Wohl und Größe zu erhalten und zu vermehren, denn nur so kann er höchste Zufriedenheit und Perfektion erreichen. 3
1 Vgl. Arditi, Jorge: A Genealogy of Manners. Transformations of social relations in France and England from
the fourteenth to the eighteenth century. Chicago 1998, S. 125
2 ebenda, S. 126f.
3 ebenda, S. 129
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Dennoch sollte dieser Dienst niemals ins Anmaßende übergehen, sondern immer von Mäßigung und Demut gegenüber dem König geprägt sein. Neid und Missgunst gegenüber seinen Mitmenschen sollten ihm fern liegen und er sollte von seinen Waffen nur im Kriegsfall Gebrauch machen und nicht um persönliche Streitigkeiten auszutragen. Einzige Ausnahme hierbei bildet die Beleidigung oder Verletzung seiner Ehre oder der Ehrbarkeit einer Frau. Die Ehre, von Faret als deutlichstes Zeichen für Aristokratie benannt, darf mit Waffengewalt und ohne Kompromisse verteidigt werden. Aus diesem Ehrverständnis heraus entwickelte sich der Brauch des Duellierens, einer stilisierten Streitaustragung mit festen Regeln, durch die der Verlust der Ehre wiederhergestellt werden konnte. 4 Doch Faret warnt in seinem Werk auch vor den Gefahren, die das Duell birgt, wenn nämlich ohne Grund ein solches provoziert wird und jemand dadurch zu Schaden kommt. Ein Adliger, der eine solche Situation bewusst hervorruft, diskreditiert nicht nur sich selbst, sondern beleidigt auch die Person des Königs, in dessen Macht es allein liegt über Recht und Unrecht und die angemessene Vergeltung zu entscheiden. 5
Abgeleitet aus diesem von Faret skizzierten Bild des Ehrenmannes beschrieb ein Adliger, bekannt als der Chevalier de Méré, in einem kurzen Essay, das im Jahr 1677 veröffentlicht wurde die neue honneteté, die sich an dem absolutistischen Ideal des Höflings orientierte. In diesem Essay wird der Aristokrat, dargestellt als ein Mensch von edler Gesinnung, der zivilisiert und anständig ist. Zudem tritt er bescheiden auf und verspürt nicht das ehrgeizige Verlangen andere zu regieren oder einen privilegierten Platz neben dem König einzunehmen, sondern sein Ziel ist es von allen geliebt und respektiert zu werden. 6 Dieses Essay verdeutlicht einen Veränderungsprozess, der im Bewusstsein des französischen Adels im 17. Jahrhundert stattgefunden hat. Man grenzte sich immer mehr von dem alten Ehrverständnis ab, dass sich aus der Überlegenheit in gewalttätigen Auseinandersetzungen entwickelt hatte. Mit der Zeit trat auch das Duell als legitimes Streitmittel immer mehr in den Hintergrund, bis es zu Beginn des 18. Jahrhunderts zwar noch als heroisches Verhalten gewertet wurde, aber dennoch in der damaligen Literatur eher negative Assoziationen auf sich zog. 7
„ Das Ideal des honnete homme betonte sehr viel stärker die Fähigkeit, sich durch Bildung, Konversation und vollendete Umgangsformen, nicht mit dem Degen, einen Platz in der höfischen und aristokratischen Gesellschaft zu sichern. Zugleich begann der Einfluß der
4 Vgl. Arditi, Jorge: a.a.O., S. 130
5 ebenda, S. 131
6 ebenda, S. 142
7 Vgl. Asch, Ronald G.: Der europäische Adel im Ancien Régime. Von der Krise der ständischen Monarchien
bis zur Revolution (1600 - 1789). Köln 2001, S. 29ff
Arbeit zitieren:
Bettina Nolde, 2002, Der Adel während der Regentschaft Ludwigs XIV, München, GRIN Verlag GmbH
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