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Gliederung
1. Einleitung
3
2. Sophie Scholl - Die Biografie
4
3. Widerstand gegen das NS-Regime
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3.1 Die „Weiße Rose“ um Sophie Scholl 6
3.2 Das Selbstverständnis der Gruppierung im Wandel 6
3.3 Wirken in Münchner Studentenkreisen 7
4. Geschichtspolitische Relevanz der „Weißen Rose“
8
4.1 Erste Phase: 1943-1948/49 8
4.2 Zweite Phase: 1948/49 bis 1955 9
4.3 Dritte Phase: 1955-1968 9
4.4 Vierte Phase: 1968-1988 10
4.5 Fünfte Phase: 1989 bis heute 10
5. Sophie Scholl - Der Mythos
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6. Fazit
13
7. Literaturnachweis
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1. Einleitung
Peter Steinbach definiert Widerständler im Dritten Reich als jene, „[…] die sich persönlich und häufig allein für sich selbst nationalsozialistischen Zumutungen an Geist, Vernunft und Gefühl widersetzten, die geistige Freiheit des Glaubens, des wissenschaftlichen Arbeitens, des künstlerischen Schaffens, der berufsspezifischen Ethik beanspruchten und dadurch nationalsozialistischer Politik eine Grenze wiesen“ (Steinbach 2001, 66). Die Motive für den Widerstand im Nationalsozialismus waren also vielfältig, was dazu führte, dass gegen Hitler keine geschlossene Front von überzeugten Regimegegnern stand. Zudem war das Risiko nicht nur für den einzelnen, sondern auch für seine Angehörigen äußert hoch, denn auf „Vorbereitung zum Hochverrat“, „Feindbegünstigung“ und „Wehrkraftzersetzung“ stand Freiheitsstrafe und im schlimmsten Fall die Todesstrafe. (Bald 2004b, 48) Die tatsächlich aktiv gewordenen Widerständler wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit Heldenmythen versehen und bekamen den Status von Märtyrern zugeschrieben. Märtyrer zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie zu jeder Sekunde über die symbolische Wirkung ihres Handelns im Klaren sind. Sophie Scholl, berühmtes Mitglied der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, wusste, dass ihr Schicksal Bedeutung für die wenigen hatte, die sich gemeinsam mit ihr dem NS-Terror widersetzten, aber auch für die vielen, die nicht aktiv wurden.
In der Nachkriegszeit kreierte die geschichtspolitische Aufarbeitung von Widerstand unter dem NS-Regime einen Heldenmythos, der besonders Sophie Scholl erfasste. Ihre Sonderstellung scheint sachlich betrachtet wenig gerechtfertigt zu sein, da die Taten stets von weiteren Mitgliedern der Gruppe mitgetragen, wenn nicht sogar initiiert wurden. „Die alte Legende, mit dem Namen ‚Weisse Rose’ sofort und nur ‚Geschwister Scholl’ zu assoziieren, als seien Hans und Sophie Scholl allein zentral für die Gruppe gewesen und als hätten sie die ‚Flugblätter der Weissen Rose’ verfaßt, hat eine lange Wirkungsgeschichte“ (Bald 2004, 16). Es soll im Folgenden daher erörtert werden, inwieweit es gerechtfertigt ist, in Sophie Scholl eine Schlüsselfigur des organisierten Widerstandes zu sehen. Dazu wird ihr biographischer Hintergrund, die geschichtspolitische Relevanz der „Weißen Rose“ im Verlauf der letzen 60 Jahre, sowie die Sonderstellung von Sophie Scholl in der deutschen Erinnerungskultur betrachtet.
2. Sophie Scholl - Die Biografie
„Jeder Widerstand gegen Gewaltverhältnisse lässt sich nur aufgrund der persönlichen Geschichte der jeweiligen Beteiligten in Verbindung mit dem Zeitgeschehen nachvollziehen […]“ (Leisner 2004, 13). So betrachtet, erscheint es angebracht, einen Blick auf das Leben von Sophie Scholl zu werfen.
Sophie Scholl wurde am 9. Mai 1921 in Forchtenberg/Württemberg geboren. Sie verbrachte ihre Jugendzeit zusammen mit ihren vier Geschwistern in Ulm und wurde maßgeblich durch die christlich-humanistischen Erziehungsideale ihres politisch interessierten, liberalen Elternhauses geprägt. Am 1.Mai 1933 traten Sophies ältere Geschwister Inge und Hans nach langer Auseinandersetzung mit den Eltern Scholl in die Hitlerjugend ein (ebd., 53). Wie auch ihr älterer Bruder Hans, glaubte Sophie zunächst an das nationalsozialistische Gemeinschaftsideal und trat dem Bund Deutscher Mädel bei. Die ideellen Konflikte mit den Eltern wurden mit Sophies zunehmendem Engagement in der HJ, denn vor allem ihr Vater äußerte sich immer wieder entsetzt über die politische Entwicklung Deutschlands. Leisner verdeutlicht die Einstellung der Scholl Kinder folgendermaßen: „Für sie hatte das nichts, aber auch gar nichts mit Politik zu tun. Sie glaubten an ihren Führer“ (ebd., 92). Nach dem Reichsparteitag 1936 schloss sich Sophie zusammen mit ihrem Bruder Hans der freien Jugendorganisation dj. 1.11. („deutsche autonome jungenschaft vom 1.11.1929“) an, die in der Tradition der bündischen Jugend stand. Als im Herbst 1937 die Nationalsozialisten massiv gegen alle nicht gleichgeschalteten Vereinigungen vorgingen, wurden die Geschwister Inge, Werner und Sophie Scholl kurzzeitig verhaftet. Die enttäuschende Begegnung mit dem Nationalsozialismus und eine deutsche Politik, die immer aggressiver auf einen Krieg zusteuerte, ließen bei Sophie zunehmend Zweifel an der eigenen Gesinnung aufkommen. (ebd., 98, 130)
1940 begann sie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin in der Hoffnung, so dem Reichsarbeitsdienst als Vorleistung für ein Studium zu entgehen, was sich jedoch als Irrtum erwies. Ihre Erlebnisse und Eindrücke während eines sechsmonatigen, Reichsarbeits- und Kriegshilfedienstes verstärkten ihre Abwehrhaltung gegenüber dem NS-Regime. 1942 nahm Sophie schließlich ein Biologie- und Philosophiestudium an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität auf. Durch ihren Bruder Hans, der mittlerweile an der Münchner Universität Medizin studierte, lernte Sophie Studenten und Professoren kennen, die sie in ihrer wachsenden Ablehnung der NS-Herrschaft bestärkten. Entschlossen zu illegaler und öffentlicher Kritik, beteiligte sie sich an der Verbreitung von Flugschriften der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. (ebd., 214)
3. Widerstand gegen das NS-Regime
Der Begriff des Widerstands ist elementar für das Verständnis der „Weißen Rose“ und ihres Wirkens. Grundsätzlich können vier Stufen bzw. Varianten des Widerstands unterschieden werden. Gotthard Jasper differenziert hier die legale politische Opposition, den gewaltfreien zivilen Ungehorsam in demokratischen Systemen, die Resistenz gegenüber politischem Druck in totalitären Systemen und den aktiv gewaltsamen Widerstand gegen diktatorische Regime. Die eher dürftige Ausdifferenzierung der verschiedenen Begriffe liegt nach Jasper im deutschen Verständnis von Obrigkeit und Gehorsam begründet. In der Nachkriegszeit wurde Widerstand daher ganz allgemein zu einem Begriff, der moralische Integrität und eine ehrbare Standfestigkeit in ethischen Fragen implizierte. Die Personalisierung des Widerstandes ließen im Bewusstsein der Deutschen gewisse Heldenmythen entstehen, die bis heute einen festen Platz in der deutschen Erinnerungskultur haben. (Jasper 1993, 177ff.) Die dritte Stufe des Widerstandes, also eine aktive Resistenz gegenüber dem Führerstaat, wuchs trotz der radikalen politischen Veränderungen ab 1933 erst langsam in Deutschland. Besonders das deutsche Bürgertum legte bei Hitlers Machtübernahme anfänglich viele Hoffnungen in eine starke deutsche Außenpolitik. Zugleich begann der bürgerliche Widerstand jedoch in den folgenden Jahren die Innenpolitik Adolf Hitlers vehement abzulehnen. Viele waren dennoch der festen Überzeugung, dass NS-Regime könne, da im Prinzip gut, von innen reformiert werden. (Benz 2004c, 4)
Die radikale Umstrukturierung aller politischen und gesellschaftlichen Bereiche durch den Nationalsozialismus erreichte, dass organisierter Widerstand nicht auf Basis einer geregelten, politischen Opposition möglich war. Die Zersplitterung der Gesellschaft durch die Ideologisierung der Politik und ein Klima des gegenseitigen Misstrauens führten dazu, dass Widerstand nur noch von vereinzelten Gruppierungen geleistet werden konnte (Thamer 2000, 60). Zudem hinderte die bereits erwähnte, tief verwurzelte Staatstreue vieler Deutscher und der Glaube an die positiven Intentionen des Nationalsozialismus, ja sogar die anfängliche Begeisterung und Involvierung in die gleichgeschaltete NS-Gesellschaft, viele Zivilisten daran, aktiv gegen das Regime vorzugehen. Daher erschien „[d]er Rückzug ins Private oder die ‚innere Emigration’ […] auch vielen Regimekritikern als einziger Ausweg“ (Benz 2004c, 3). Erst das persönliche Erleben von Verfolgung, Unrecht und Kriegselend, rief in einigen den Entschluss zum Widerstand hervor (Thamer 2000, 61).
Arbeit zitieren:
2005, Zum Geschichtspolitischen Verständnis der „Weißen Rose“ und Sophie Scholl, München, GRIN Verlag GmbH
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