Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Eugenik - Die Lehre von der guten Rasse: Begrifflichkeit und Herkunft 4
3. Entwicklung der Eugenik in Deutschland bis 1918 6
4. Eugenische Politik in der Weimarer Republik 10
4.1 Sozialistische Eugenik 14
4.2 Katholische Eugenik 15
5. Ausblick 16
6. Fazit 17
Literaturverzeichnis 20
2
1. Einleitung
Francis Galton, ihr „Begründer“ 1 definierte Eugenik 1904 als „die Wissenschaft, die sich mit allen Einflüssen befasst, welche die angeborenen Eigenschaften einer Rasse verbessern und welche diese Eigenschaften zum größtmöglichen Vorteil der Gesamtheit zur Entfaltung bringen“. 2
Das Wort Eugenik und natürlich noch vielmehr der deutsche Terminus Rassenhygiene sind heute und insbesondere in Deutschland Begriffe mit einem überaus negativen Klang. Die Gründe hierfür sind bekannt: Eugenische Politik der Nationalsozialisten und noch mehr die Verbrechen der Nationalsozialisten, die unter anderem mit Argumenten der Eugenik gerechtfertigt wurden, haben die Eugenik der Salonfähigkeit beraubt, die sich ihre Vertreter bis 1933 mühsam aufgebaut hatten. Diese Entwicklung muss differenziert betrachtet werden. Zum einen ist es selbstredend als positiv zu bezeichnen, dass eugenische Forderungen in der Qualität und Quantität wie zu Zeiten des Kaiserreiches, der Weimarer Republik und des „Dritten Reiches“ der Vergangenheit angehörenfalsch wäre es hier zu sagen, dass es Eugenik heute und auch in Deutschland nicht mehr geben würde - , andererseits waren die Grundideen der Eugeniker und vor allem ihre anfänglichen Ziele gänzlich anderer Natur, als das, was insbesondere die Nationalsozialisten in ihrem Rassenwahn daraus machten.
In meiner Hausarbeit möchte ich untersuchen, inwieweit die Eugenik, also die eugenische Politik und Forschung, der Weimarer Republik, der Rassenpolitik der NSDAP ein Wegbereiter war. Muss vielleicht die Rassenpolitik des „Dritten Reiches“ vollkommen gesondert von den Entwicklungen der Weimarer Zeit erforscht werden, oder lassen sich durchaus Verbindungen erkennen, die den Schluss zulassen, die Rassenideologen nach 1933 hätten ein schon bestehendes Konstrukt aufgegriffen und weitergeführt? Stellte also das Jahr 1933 einen Schnitt dar im Bereich der Rassenforschung? Woher kamen nationalsozialistische Wissenschaftler, traten sie schon in den 20er Jahren in Erscheinung?
Ich möchte die Geschichte und Entwicklung der Eugenik in Deutschland erläutern und insbesondere die eugenische Politik als Teil der Sozialpolitik in der Weimarer Republik. Weiter möchte ich die Verbindung der eugenischen Politik der Weimarer Republik und Nazideutschlands untersuchen. Abschließend möchte ich die Frage beantworten, inwieweit die Politik vor 1933 als Wegbereiter oder als Gerüst für den darauf folgenden
1 Weingart, Rasse, Blut und Gene, S. 36.
2 Vgl. Lenz, Menschliche Auslese und Rassenhygiene, S. 161.
3
Rassenwahn und die daraus resultierenden vergleichslosen Verbrechen der Nationalsozialisten angesehen werden darf.
Ich erhebe in meiner Arbeit nicht den Anspruch die Rassenpolitik der Nationalsozialisten umfassend zu behandeln. Auf sämtliche Geschehnisse und Entwicklungen nach 1933 möchte ich lediglich in Zusammenhang mit solchen der Weimarer Zeit eingehen. Ebenso ist die Entwicklung der Eugenik bis 1933 im Rahmen einer Hausarbeit nicht in umfassender Weise darzustellen, weshalb ich bestimmte Entwicklungsstränge exemplarisch behandeln werde.
2. Eugenik - Die Lehre von der guten Rasse: Begrifflichkeit und Herkunft
Zum Begriff der Eugenik - zu deutsch Rassenhygiene - formulierte der Anthropologe und Eugeniker Fritz Lenz 1923 „Hygiene ist die Lehre von den Bedingungen der Erhaltung des Lebens der Gesundheit“ 3 . Er differenziert zwischen theoretischer Wissenschaft, die die Lebensverhältnisse der Menschen unter dem „Gesichtspunkt der Erhaltung des Lebens und der Gesundheit“ 4 untersuchen soll und praktischer Disziplin. Die praktische Disziplin soll die zum Ziel der Erhaltung des gesunden Lebens führenden Bedingungen verwirklichen.
Der Terminus Rassenhygiene geht auf Alfred Ploetz zurück und unterscheidet sich von der Hygiene und der Sozialhygiene. 5 Eben diese Rassenhygiene berücksichtigt in ihren Untersuchungen nicht lediglich die lebende Generation sondern die „organische Gemeinschaft des Lebens“. 6 Ihre Aufgabe ist die günstige Beeinflussung der erblichen Veranlagung einer Bevölkerung, was vor allem durch Auslese, also die verschieden starke Fortpflanzung der Bevölkerungsschichten und -gruppen erreicht werden kann. Das Kernanliegen der Eugeniker war also die Beeinflussung und Kontrolle der Vererbung durch Steuerung und Eingreifen in den Fortpflanzungsprozess auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. 7
Franics Galton führte den Begriff „eugenics“ 1883 in der Schrift „Inquires into Human Faculty and its Development“ ein. Es sollte ein Programm zur Verbesserung der Erban-
3 Ebd.,S. 158.
4 Ebd.
5 Vgl. Reyer, Alte Eugenik und Wohlfahrtspflege, S. 15.
6 Lenz, Menschliche Auslese und Rassenhygiene, S. 159.
7 Vgl. Reyer, Alte Eugenik und Wohlfahrtspflege, S. 15.
4
lagen einer Gesellschaft sein. 8 In Deutschland taucht der Ausdruck Rassenhygiene erstmals 1895 auf. 9 Die Rassenhygieniker vertraten die Auffassung, dass die Evolution, insbesondere auf den Menschen übertragen, auch ein „zielgerichteter Prozess der Vervollkommnung und Höherentwicklung“ 10 sei. Diese natürliche Auslese sahen sie aber durch die Industrialisierung, Urbanisierung und vor allem durch den medizinischen Fortschritt außer Kraft gesetzt. Falsch wäre es nun zu denken, die Rassenhygieniker wären gar fortschrittsfeindlich gewesen. Sie sahen jedoch eine Notwendigkeit darin, die negativen Nebenwirkungen der Modernisierung durch Gegenmaßnahmen zu kompensieren. Der signifikante negative Nebeneffekt der Medizin oder der als „unverantwortlich“ 11 angesehenen sozialen Fürsorge und Wohlfahrtspflege war das „Außerkraftsetzen des Selektionsprinzips“ 12 , dass schließlich zu Entartung und Degeneration der Gesellschaft führen würde.
In der Praxis war es also Aufgabe und Ziel der Eugeniker die Selektion künstlich zu unterstützen, beziehungsweise eine Selektion durch Beeinflussung der Fortpflanzung künstlich zu schaffen. Dies konnte auf zwei Arten geschehen, auf die der „positiven Eugenik“ und die der „negativen Eugenik“. Die „positive Eugenik“ wollte die Fortpflanzung „erbtüchtiger“ Bevölkerungsgruppen fördern, die „negative Eugenik“ hingegen die Fortpflanzung „erbuntüchtiger“ Bevölkerungsgruppen verhindern. Auf die konkrete Umsetzung, bzw. konkreten Umsetzungsforderungen werde ich später genauer eingehen.
Über Deutschland hinaus betrachtet gilt Francis Galton als der Begründer der Eugenik. Galton, der ein Cousin Charles Darwins war, dessen Evolutionstheorie Ausgangspunkt für jede eugenische Argumentation darstellt, begann in den 1860 Jahren die Stammbäume herausragender britischer Persönlichkeiten zu erforschen, um beweisen zu können, dass geistige Merkmale, wie Intelligenz, ebenso vererbbar sind, wie äußerliche Merkmale, etwa Größe und Augenfarbe. Galton formulierte den Sinn und Zweck der Eugenik als Anwendung des Darwinschen Selektionsprinzips zur Verbesserung der menschlichen Rasse. Seine Vorschläge zur praktischen Umsetzung der Theorie zielten darauf ab durch staatliche Förderung die geistige Elite Englands zu früher Heirat und zur Zeugung vieler Kinder zu ermutigen um die Gesellschaft so von Generation zu Ge- 8 Vgl.ebd.
9 Vgl. ebd., S. 9.
10 Reyer, Alte Eugenik und Wohlfahrtspflege, S. 19.
11 Ebd., S. 82.
12 Vgl. ebd., S. 20.
5
neration zu „verbessern“. 13 Eine solche Politik wäre dem Bereich der positiven Eugenik zu zuordnen gewesen.
Trotz dieser vergleichsweise frühen Entwicklung und auch Institutionalisierung der Eugenik in England, durch eine von Galton gestiftete Professur für Eugenik und ein Galton-Institut für Eugenik, begann die Diskussion um Eugenik in Deutschland erst wesentlich später und auch unabhängig von der Entwicklung in England. 14 Die erste themenbezogene Schrift in Deutschland „Über die drohende Entartung der Kulturmenschheit“ wurde von dem Mediziner Wilhelm Schallmayer 15 verfasst und erschien 1891. Die Broschüre blieb vorerst ohne Relevanz, enthielt aber sämtliche wesentlichen Gedanken, auch der späteren Rassenhygieniker. Schallmayer formulierte als Problem, dass die Medizin die natürliche Auslese außer Kraft setzt und dadurch den chronisch Schwachen eine größere Möglichkeit zur Fortpflanzung bietet. 16 Im Unterschied zu Galton ging es Schallmayer nicht um eine positive Eugenik zu dauerhaften Verbesserung der Rasse, sondern um eine negative Eugenik und die Bekämpfung der Degeneration. 17
3. Entwicklung der Eugenik in Deutschland bis 1918
1859 erschien Darwins Werk „Über die Entstehung der Arten durch die natürliche Zuchtwahl oder die Erhaltung der Arten der begünstigten Rassen im Kampfe ums Dasein.“ Die Evolutionstheorie war entworfen und das Prinzip des „survival of the fittest“, also die theoretische Grundlage für die Diskussion um eugenische Fragestellungen. Intellektuell bezogen sich die Eugeniker gern auf Friedrich Nietzsche als geistigen Vater und Vordenker. Schließlich war es Nietzsche, der als Philosoph bereits 1880 die klare Trennung von Sexualität und Fortpflanzung forderte und eine Auswahl derer die zur Fortpflanzung zugelassen werden. 18 1888 legte er mit einem Katalog von Forderungen nach, der zahlreiche positive wie auch negative eugenische Maßnahmen enthielt; angefangen bei steuerlicher Mehrbelastung für Junggesellen bis hin zur Einführung einer gesetzlichen ärztlichen Ehe-Genehmigung. 19
13 Vgl. Weingart, Rasse, Blut und Gene, S. 36f.
14 Vgl. ebd., S. 37.
15 Vgl. Becker, Zur Geschichte der Rassenhygiene - Wege ins Dritte Reich, S. 12f.
16 Vgl. Weingart, Rasse, Blut und Gene, S. 39.
17 Vgl. Becker, Zur Geschichte der Rassenhygiene - Wege ins Dritte Reich, S. 14.
18 Vgl. Weingart, Rasse, Blut und Gene, S. 70f.
19 Vgl. ebd., S. 71.
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Arbeit zitieren:
Gereon Schloßmacher, 2008, Eugenik vor 1933, München, GRIN Verlag GmbH
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