1. Vorwort
Graffiti wird grundsätzlich zunächst, aufgrund der Historie, als eine andere Form der Kommunikation, GHVÄ6LFK-MLWWHLOHQV³LQWHUSUHWLHUW%HLGHU%H]HLFKQXQJ*UDIILWLPDJZRKO kaum noch jemand an die ursprüngliche Mitteilung in Form von Wandmalereien und in Stein geritzte Inschriften denken, die einst den Anfang und Ursprung des Graffitis darstellten. Diese sind bereits aus dem Altertum bekannt und haben dafür gesorgt das Archäologen und Wissenschaftler vieles über unsere Vorfahren in Erfahrung bringen konnten. Ich möchte die Graffiti- Bilder an Häusermauern nun gleichzeitig als Medien und Botschaften interpretieren. Von besonderer Bedeutung bei dieser Art des Mediums ist der öffentliche Raum, in dem die Botschaften angebracht werden. Graffiti- Bilder sind im öffentlichen Raum an sich verboten, illegitim. Dennoch findet man sie immer wieder an Häuserwänden oder anderem öffentlichen Eigentum vor. Vordergründig wird diese Art des Sich- Mitteilens als Vandalismus und lästige Schmiererei abgetan, erscheint als eine Störung des allgemein ästhetischen Empfindens ± insbesondere dann, wenn es sich um politische oder gesellschaftliche Meinungsäußerungen in Form von Worten oder Zeichen handelt. Der Frage ob Graffiti Kunst oder Nicht-Kunst ist, möchte ich allerdings in dieser Arbeit nicht nachgehen, feststeht: Graffiti ist Kommunikation. Betrachtet man Vorgänge im öffentlichen Raum, sind besonders geschlechtsspezifische Umstände zu betrachten. Raum und Geschlecht sind zwei Faktoren, die untrennbar miteinander verbunden scheinen. Meine vorläufigen Arbeitshypothesen hierbei sind, dass die Graffiti- Subkultur vor allem männlich dominiert ist, da diese eine geringere Hemmschwelle (trotz Illegalität) haben sich im öffentlichen Raum zu artikulieren. Darüber hinaus werden in den Botschaften selbst häufig sexuelle Inhalte artikuliert. Folglich ist das Medium Graffiti auch Austragungsort geschlechtsspezifischer Konflikte junger Menschen um den öffentlichen Raum. Auf die Idee zu dieser Seminararbeit kam ich durch einen längeren Aufenthalt in Berlin, dem Sprayer- Eldorado im deutschsprachigen Raum.
2. Was ist Graffiti?
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8UVSUQJOLFK DXV GHP *ULHFKLVFKHP VWDPPHQG ZXUGH XQWHU GHP LWDOLHQLVFKHP Ä6JUDIILWR³ eine spezielle Kratzputztechnik zur Fassadengestaltung verstanden. In den meisten Sprachen, auch im Deutschen, werden inzwischen umgangssprachlich einzelne Wandbilder als Graffitis bezeichnet. Durch den allgemeinen Sprachgebrauch ist eine kaum noch zu überschauende Bedeutungsvielfalt des Wortes entstanden. Jeder hat seine Vorstellung davon und fast jeder eine andere. 1 Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass es sich um visuell wahrnehmbare Elemente handelt, die ungefragt und meist anonym, von Einzelpersonen oder Kleingruppen auf fremden oder in öffentlicher Verwaltung stehenden Oberflächen angebracht werden. Geht man von der technischen Ausführung aus, gibt es hauptsächlich drei Varianten der Graffitiproduktion. Beim auftragenden Verfahren wird die Oberflächenmodifikation durch Hinzufügen von Farbe erreicht. Dies ist das häufigste Verfahren, wobei die Hilfsmittel zur Gestaltung von Schreibgeräten wie Bleistift, Kugelschreiber, Filzstift bis hin zur Spraydose reichen. Dieses Verfahren stellt gleichzeitig den Schwerpunkt dieser Seminararbeit dar. Beim komprimierenden Verfahren jedoch bleibt die Substanz gleich, die Oberfläche wird modifiziert, indem Stellen verdichtet oder verdrängt werden. Beispiele hierfür sind Spuren in Sand, Schnee, Beton oder Modifizierung durch Pressen und Stanzen. Beim abtragenden Verfahren kommt es durch Kratzen, Schnitzen oder Bohren zu einer Veränderung in der Oberflächenstruktur. 2 Die Betonung der verschiedenen Erscheinungsformen ist wichtig, weil oft unterschiedliche Assoziationen mit dem Begriff verbunden sind und eine Vernachlässigung der Differenzierung zu Verständigungsschwierigkeiten führt. 2.1. Unterschiedliche Typen von Wandmalerei 2.1.1. Wandzeichnungen
Wandzeichnungen sind die archaischste Form des Graffitis. Ihr Ursprung geht bis auf die Höhlenmalerei zurück.
2.1.2. Kratz- Graffitis
1 Vergleich: J. Stahl, An der Wand- Graffiti zwischen Anarchie und Galerie, Köln, 1989
2 Vergleich: N., Siegl, Graffiti- Enzyklopädie- Von Kyselak bis HipHop-Jam, Wien, 2000
3 Bildquelle: B. van Treeck, S. Matze- Prou, Pochoir- Die Kunst des Schablonengraffiti, Köln, 2000, Seite 39
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Kratz- Graffti gehören ebenfalls zu den Graffitis mit der längsten Tradition. Sie finden sich bis weit in prähistorische Zeiten zurück. Mit einem harten Gegenstand wird dabei die Zeichnung oder die Schrift in den weichen Stein oder Putz eingekratzt.
2.1.3. Murals
Murals sind alle größerformatigen Wandbilder. Es spiel keine Rolle, ob das Wandbild gemalt oder gesprüht wird. Pieces, Tags und Wandzeichnungen sind keine Murals. Diese Form der Wandkunst fand, oft gebunden an politische Botschaften, insbesondere in den sechziger und siebziger Jahren Anklang. Diese Künstler verwenden den Pinsel dazu ihre Graffitis anzubringen. Murals gelten als Vorläufer des Writings. 2.1.4. Writing
Der Begriff Writer war zunächst Bezeichnung für die Sprayer, die in New York Ende der sechziger Jahre Signaturengraffiti schrieben. Später wurde er auch für die Urheber größerer Schriftbilder (pieces) übernommen.
Writing 6 ist eine Richtung, bei der die Gestaltung von Buchstaben im Mittelpunkt steht. Die Bilder werden auf Wände, Züge und Straßenbahnen gemalt. Writer malen unter einem Pseudonym, das Basis ihrer Sprühbilder ist. Ziel ist es, im Laufe einer Sprüherkarriere den Namen zu verbreiten und so bekannt wie möglich zu machen (getting up). Writer stehen weltweit in enger Kommunikation und bilden eine relativ homogene Gruppe, die so genannte Writer- Szene. Die Writer haben im Laufe der Zeit eine eigene Sprache entwickelt. Die Begriffe stammen größtenteils aus dem Englischen und werden weltweit verstanden. Da das illegale Malen oft gefährlich sein kann, schließen sich Writer in Gruppen (possen, crews)
4 Bildquelle: http://www.aquasun.de/Bilder/Scratch4_1.jpg am 13.12.2004
5 Bildquelle: http://www.artistz.de/ am 17.12. 2004
6 Vergleich: B. van Treeck, M. Todt, Hall of Fame, Moers, 1995, Graffiti Live- Die Züge gehören uns, München,
1987 und C. Castleman, Getting up- Subway Graffiti aus New York, Cambridge, 1982
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]XVDPPHQ 'LH Ä:DWFKPHQ³ EHUQHKPHQ EHL HLQHU Ä$FWLRQ³ GDQQ GDV 6FKPLHUHVWHKHQ während die anderen sprühen können. Dabei handelt es sich zumeist um AnfängerInnen (toys), die hierarchisch unter erfahrenen (oldschool-) SprayerInnen stehen.
Das so genannte Blackbook- ein Buch, in das sie Vorskizzen (sketches) und Fotos ihrer Graffitis kleben- dient den Writern zur Dokumentation und als Diskussionsgrundlage bei Sprayertreffen.
PDOWH HLQ :ULWHU QDPHQV Ä6XSHUNRRO³ GDV HUVWH 3LHFH LQ 1HZ
Im Zusammenhang mit Graffiti werden als Tag einfarbige, graphisch gestaltete Signaturen-Graffiti bezeichnet. Das Tag ist aus der Tradition der Erinnerungs- Graffiti entstanden. Es gibt Tags seit Ende der fünfziger Jahre in vielen städtischen Metropolen der Welt. Tags waren nie ein New York spezifisches Phänomen und stammen auch nicht von dort. Um 1968 aber nahm
7 Bildquelle: Blackbook Emas
8 Bildquelle: Blackbook Farbe
9 Vergleich: V., Hess, Extrem- Jugend und Schülermagazin, Mannheim, 1998
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in New YRUNGDV7DJJHQ%HZHJXQJVFKDUDNWHUDQ'HUHUVWHEHNDQQWH7DJJHUZDUÄ7DNL³ der durch ein Zeitungsinterview zahlreiche Jugendliche dazu animierte es ihm gleichzutun.
Damals bestanden Tags (oder Hits) meist aus dem Vornamen des Sprayers und dem Namen der Straße, in der der Tagger wohnte. Aus dem Tag entwickelte sich nach und nach durch immer großflächigere und farbigere Ausgestaltung das Piece.
Tags sind oft stark stilisiert und für den/die ungeübte LeserIn schwer dechiffrierbar.
Sie sind die häufigste Form des Graffitis und aus dem Stadtbild der Metropolen nicht mehr wegzudenken. 2.1.5. Pochoir
Die Schablonentechnik wurde Anfang der 1980er Jahre von dem Franzosen Xavier Prou, alias Blek Le Rat 13 für die Street- Art entdeckt. Seine Schablonen- Graffiti (französisch: Pochoirs) riefen- zunächst in Paris, dann in ganz Frankreich- eine regelrechte Pochoir- Bewegung ins Leben. Sein Pseudonym ist eine Hommage an einen Comic Helden der 1960er Jahre (Blek le
10 Bildquelle: http://www.tagpage.com/tag_page/images2/6-14-00_taki.jpg am 17.12.2004
11 Bildquelle: Blackbook Bolt
12 Bildquelle: http://www.artistz.de/ am 17.12.2004
13 Vergleich: http://blekmyvibe.free.fr/pages%20html/manifestinhalt.html am 18.11.2004
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Rock). Seine eigentliche Pionierleistung besteht in der Entwicklung des Pochoir. 1981 verwendete er als erster die Schablonentechnik für Kunst im öffentlichen Raum. Seine ersten Motive waren vor allem Ratten, später lebensgroße Figuren als Zitate klassischer Motive berühmter Maler. 14
Von Frankreich ausgehend breitete sich das Pochoir in ganz Europa aus. Die wohl bedeutendste Gruppe von PochoiristInnen ist Nice Art. Nice Art leben und arbeiten in Paris. Die ersten Graffitis machten sie 1986 in Paris und erweiterten dann schnell ihren Wirkungskreis. Sie sehen Pochoir als Möglichkeit, sich selbst Ausdruck zu verleihen, sich selbst außerhalb von Normen zu präsentieren.
Der im deutschsprachigen Raum bekannteste Pochoirist ist wohl Thomas Baumgärtel, alias der Bananensprayer. Seine Bananen sind an Stätten zu finden, an denen aktuelle Kunst gezeigt wird, wie zum Beispiel Galerien und Museen. Dies soll der Vernetzung von Kunstorten dienen. Als Material für die Schablonen werden Kartons verschiedener Stärken verwendet. Je dicker der Karton ist, desto öfter kann die Schablone gebraucht werden ohne durchzuweichen, desto schwerer ist sie aber gleichzeitig zu bearbeiten. Für jede einzelne Farbe eines Schablonen- Graffiti muss eine eigene Schablone gemacht werden. Die Stellen, welche beim Bild später farbig sein sollen, werden mit einem Teppichschneider ausgeschnitten. Eine Schablone kann in der Regel dreißig- bis vierzigmal gesprüht werden,
14 Vergleich: E., Gamazo, Graffiti Art-Pochoirs polLWLTXH/D7RUG¶$LJXHVXQGB. van Treeck, Street Art
Köln- legale und illegale Kunst im Stadtbild, Moers, 1996
15 Bildquelle:
http://images.google.at/imgres?imgurl=http://blekmyvibe.free.fr/Images/librarybynight.jpg&imgrefurl=http://ble
kmyvibe.free.fr/pages%2520html/bergerdenuit.html&h=511&w=768&sz=40&tbnid=bup3cwF_PrsJ:&tbnh=93
&tbnw=139&start=2&prev=/images%3Fq%3Dstencil%2Ble%2Brat%26hl%3Dde%26lr%3D am 21.12.2004
16 Bildquelle: http://decobed.club.fr/Nice-Art1.html am 21.12.2004
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Schablonen aus Metall halten natürlich erheblich länger. Das Bestreben, sich möglichst häufig zu äußern, eine visuelle Omnipräsenz mit vielfacher Ausbringung desselben Graffitimotivs zu erreichen, führt zum Einsatz von Schablonen. Ihre plakative Einheitlichkeit, ihr sorgfältig überlegtes und ausgeführtes Design, hinterlässt häufig den Eindruck, dass es sich um das gezielt eingesetzte Medium einer Organisation handelt. Hauptvorteil für die Sprayer ist, dass die Bilder sehr schnell anzubringen sind. Die Gefahr, erwischt zu werden, ist deshalb für Pochoiristen deutlich geringer als für Writer.
3. Jugendkulturen und öffentlicher Raum
3.1. Jugend
Jugend als eigenständige Lebensphase ist kulturhistorisch betrachtet ein relativ junges 3KlQRPHQ ,Q KLVWRULVFKHQ *HVHOOVFKDIWHQ H[LVWLHUH NHLQH /HEHQVSKDVH Ä-XJHQG³ Unterschieden wurden vor allem Kindheit, Erwachsensein und Alter. 18 Erst im Laufe des achtzehnten Jahrhunderts wurde (dank Jean- Jaques Rousseau) der Jugend vor allem aus pädagogischer Sicht besonderer Stellenwert zugeschrieben. Die Eigenständigkeit der Jugend betont hundert Jahre später auch der Pädagoge Wyneken, der den Begriff Jugendkultur im Kontext bürgerlicher Wanderbewegung als Kampfbegriff gegen die konservativen Inhalte wilhelminischer Erziehung verwendete. 19 Im Zuge zunehmender Differenzierung, Individualisierung und De-Institutionalisierung, insbesondere durch die Verlängerung von Ausbildungszeiten, umfasst die Jugendphase einen immer größeren Zeitrahmen. Gleichzeitig wird die Abgrenzung zwischen der Kindheit und dem Erwachsenenstatus schwieriger.
3.2. Jugendkulturen
17 Bildquelle: B. van Treeck, S. Matze- Prou, Pochoir- Die Kunst des Schablonengraffiti, Köln, 2000, Seite 81
18 Vergleich: B. Schäfers, Jugendsoziologie- Einführung in Grundlagen und Theorien, Opladen, 2001
19 Vergleich: H. Griese, Übergangsrituale im Jugendalter, Münster, 2000
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Ab Mitte der 1950er Jahre begannen im deutschsprachigen Raum staatliche, politische und pädagogische Einrichtungen für Jugendliche an Bedeutung zu verlieren- an deren Stelle trat eine expandierende Freizeit- und Kulturindustrie 20 , die das Entstehen jugendkultureller Gruppierungen begünstigte. Halbstarke, Teenager, Rocker und Existenzialisten waren die zentralen Jugendstile in Österreich und Deutschland. In den USA waren Beatniks und Hippies tonangebend. Mitte der siebziger Jahre entwickelte sich in Europa und den USA Punk als neue Jugendkultur, deren ProvokatLRQ XQG 1HJDWLRQ GXUFK GLH Ä6H[ 3LVWROV³ DXVJHGUFNW wurde. Ab Ende der siebziger Jahre begann sich das Feld jugendkultureller Stile immer rascher und stärker zu differenzieren. Heute gibt es eine unüberschaubare Vielzahl unterschiedlicher und ausdifferenzierter Jugendstile. Ich betrachte die Sprüherkultur, besonders die Writerszene, als eine Form der heutigen Jugendkulturen.
3.3. Jugendsubkulturen
Während in weniger komplexen Gesellschaften der Übergang von der Kindheit zum Erwachsenen durch institutionalisierte Riten und klar definierte Bestimmungen markiert wird, entsteht in komplexeren Gesellschaften durch die Ausdifferenzierung der Sozialstruktur und der Diskrepanz zwischen familiären und gesellschaftlichen Anforderungen ein das bestehende Sozialsystem gefährdendes Integrationsproblem der Heranwachsenden. 21 Vor allem das Auseinanderklaffen der primären und sekundären Sozialisationsinstanzen erfordert einen funktionalen Vermittlungsbereich, beziehungsweise Übergang vom Kind- zum Erwachsenendasein. Dieser Übergang wird durch homogene Altersgruppen und Jugendkulturen gewährleistet. Im Zuge zunehmender Ausgliederung der Jugend aus traditionellen Gefügen der Gesellschaft und dem Bedeutungsverlust der Familie als zentrale Sozialisationsinstanz entwickeln Jugendliche eine eigene Teilkultur mit eigenen Werten, Normen und Haltungen. Wenn also deviantes Verhalten Jugendlicher an sich als Norm zu betrachten ist, stellt die Sprayerkultur eine Art Subkultur der jugendlichen Teilkultur dar, handelt es sich hierbei nicht bloß um deviantes, sondern um strafrechtlich verfolgtes Handeln. Cohen 22 sieht die Ursache für die Entstehung krimineller Jugendsubkulturen in der Diskrepanz, die dadurch entsteht, dass Jugendlichen der Unterschicht in der modernen demokratischen Gesellschaft die gleichen Wertmaßstäbe und kulturellen Ziele vermittelt werden wie den Jugendlichen bürgerlicher Mittelklasse. Für Arbeiterjugendliche ergäbe sich somit die paradoxe Situation, zwar innerhalb der eigenen Kultur sozialisiert worden zu sein,
20 Vergleich: J. Zinnecker, Jugendkulturen 1940- 1985, Opladen, 1987, Seite 85 ff.
21 Vergleich: F. H. Tenbruck, Jugend und Gesellschaft- soziologische Perspektiven, Freiburg, 1962
22 Vergleich: A.K. Cohen, Kriminelle Jugend, 1961
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sich aber den bürgerlichen Wertvorstellungen anpassen zu müssen. Daraus resultieren Status- XQG$QSDVVXQJVSUREOHPHGHUHQ/|VXQJLQGHUÄ.XOWXUGHU%DQGH³OLHJW'LHVHGXUFKÄGLH DXVGUFNOLFKHXQGYROOVWlQGLJH$EOHKQXQJGHU0DVWlEHGHU0LWWHONODVVH³ 23 gekennzeichnete Bandenkultur konstruiert ein alternatives Statussystem, innerhalb dessen klassenspezifisch bedingte Integrationsprobleme überwunden werden können. Ob es sich beim Sprayen um ein rein schichtspezifisches Integrationsproblem Jugendlicher handelt, möchte ich ernsthaft in Frage stellen, allein schon aus dem Grunde dass schichtspezifische Grenzen heute nicht mehr ganz so klar zu ziehen sind wie 1961 (mehr dazu im nächsten Kapitel).
3.3.1. Jugendkultur Graffiti?
In seiner Arbeit über Graffiti und jugendkulturelles Handeln befasste sich Kai Müller 24 eingehend mit dem Wandel gesellschaftlicher Bedingungen und stellte die These auf, dass die Identitätsphase für Jung zu Alt in den heutigen abendländischen Gesellschaften sich zunehmend zu einem lebenslangen Prozess entwickelt. In den durch Wandel der Industriegesellschaften veränderten Lebensbedingungen verschob sich der Schwerpunkt von GHQVFKLFKWJHEXQGHQHQ6XENXOWXUHQLPPHUPHKU]XÄLQGLYLGXHlOEH]RJHQHQ-XJHQGNXOWXUHQ³ Die mit diesem Wandel einhergehende Enttraditionalisierung und Entstrukturierung der /HEHQVSKDVH Ä-XJHQG³ WUDI ]XJOHLFK DXI GLH ODXIHQGH %LOGXQJVH[SDQVLRQ XQG 9HUOlQJHUXQJ der Ausbildungsphase. Die Pluralisierung der Lebensformen ermöglichte und ermöglicht mehr Freiräume für die Selbstsozialisation. Die Identitätsbildung geht bei Jugendlichen vorzugsweise über die Verflechtung in Gruppen vor sich. Sie sind als soziale Räume zu sehen, in denen Jugendliche lernen, sich durch Differenzierung oder Angleichung darzustellen. Dies ist in der pluralistischen Gesellschaft ein schwieriger Prozess, wodurch Identitätsprobleme zunehmen. Müller spricht von jugendkulturellem Handeln als Teil der Lebensbewältigung Jugendlicher. Das absetzen der Jugendlichen vom sozialstaatlichen Bildungskonzept und von der verlassenden institutionellen Absicherung geschieht in der Alltagskultur. Dort schaffen sie sich autonome Sphären der Verständigung und Orientierung, um auf gesellschaftliche Systementwicklung reagieren zu können, lehnen dabei administrative Symbole ab und entwickeln eigene Verständigungsformen. Im Falle der Graffiti ist jedes Medium eines Kommunikationsprozesses, in dem mindestens ein Adressant und eine unbestimmte, oft hohe Anzahl von Adressaten involviert sind.
23 A.K. Cohen, Kriminelle Jugend, 1961, Seite 97
24 Vergleich: http://www.sozialarbeit.de/download/graffiti/intro.htm am 21.11.2004
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3.4. Öffentlicher Raum
Bourdieu 25 sieht die Welt als sozialen Raum. Jede Akteurin und jeder Akteur nimmt eine bestimmte soziale Position innerhalb dieses Raumes ein, die durch drei Kapitalsorten (ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital) bestimmt ist. Street- Art unterscheidet sich von anderen bildenden Künsten durch das Arbeiten im öffentlichen Raum. Viele Sprüher nutzen ihn um möglichst viele unterschiedliche Leute zu erreichen. Diese Art der Präsentation eröffnet die Möglichkeit, direkt in einen Dialog zu treten: Bilder werden übermalt oder verändert, Kommentare hinzugefügt.
3.4.1. Raumaneignung von Jugendlichen
Kinder und Jugendliche verbringen einen großen Teil ihrer Freizeit draußen. Im Hinblick auf städtischen Lebensraum, werden Kinder und Jugendliche oft als Verlierer der Verhältnisse angesehen. Berg- Lasse 26 ZHLWDEHULQLKUHU6WXGLHÄ9HUNHKUXQG:RKQXPIHOG³GDUDXIKLQ dass Kinder nicht nur Opfer ihrer Wohnumgebung sind, sondern auch handelnde Subjekte, die sich ihre städtische Umwelt erschließen. Aneignung beinhaltet das Verändern, Umfunktionieren, Umgestalten und das Umdeuten der Umwelt, die Kinder und Jugendliche umgibt, ebenso wie Wegnahme und Zerstörung von Dingen in der Umwelt. Ä$QHLJQXQJ KHLW«6LFK GHQ SK\VLNDOLVFKHQ DEHU DXFK VR]LDOHQ JHLVWLJHQ 5DXP KDQGHOQG VR ]X erschließen, dass Orientierung in ihm möglich ist, wobei die Erschlossenheit des Raumes oder einzelner seiner Bereiche oder Merkmale als Horizont individuellen Lernens historisch NXPXOLHUWXQGJHVHOOVFKDIWOLFKYHUPLWWHOWLVW«$UWXQG$XVPDGHU$QHLJQXQJZHUGHQGDYRQ abhlQJHQREMHPDQGHLQHHQWVSUHFKHQGH3RWHQWLDOLWlWLQV6SLHOPLWEULQJW³ 27
3.4.1.1. Geschlechtsspezifische Aneignung des öffentlichen Raums bei Jugendlichen
Öffentlichkeit und Privatheit entstanden als Folge der Aufklärung und der damit verbundenen Entstehung der modernen bürgerlichen Gesellschaft. 28 Das öffentliche war politisch und wurde mit der männlichen Lebenswelt gleichgesetzt, das Private war unpolitisch und wurde zu einer weiblichen Sphäre. Es gibt auch heute noch geschlechtsspezifische Nutzung von öffentlichen Freiräumen. Um den Aufenthalt von Jungen und Mädchen näher bestimmen zu
25 Vergleich: P., Bourdieu, Sozialer Raum und "Klassen", Frankfurt/ Main, 1985
26 Vergleich: G., Berg-Laase, Verkehr und Wohnumfeld im Alltag von Kindern- Eine sozialökologische Studie
zur Aneignung städtischer Umwelt am Beispiel ausgewählter Wohngebiete in Berlin, Berlin, Centaurus, 1985
27 L., Kruse, C. F., Graumann, Sozialpsychologie des Raumes und der Bewegung. In: K. Hammerich, M. Klein,
Hrsg., Materialien zur Soziologie des Alltags, Opladen, 1978, Seite 185
28 Vergleich: J., Habermas Strukturwandel der Öffentlichkeit, Frankfurt/Main, 2001
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können, ist es sinnvoll den öffentlichen Raum differenzierter zu betrachten. Nissen 29 unterscheidet zwischen privatnahen Räumen (Hauseingang, Gehweg, Hinterhof du ans Haus grenzende Grünflächen) und öffentlichen Freiräumen (Parks, Grünflächen, Straßen und Spielplätze). Jungen spielen demnach eher im weiten räumlichen Umfeld von Straßen, Mädchen bevorzugen privatnahe Räume. Auch Flade 30 bestätigt dies mit einer Untersuchung, die sie auf einem Spielplatz durchführte. Durch Beobachtung stellte sie fest, dass der Spielplatz von zwei Drittel Jungen und nur von einem Drittel Mädchen besucht wurde. Aber Mädchen und jungen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich der unterschiedlichen Nutzung von öffentlichen Räumen. Bütow 31 fasst die Ergebnisse mehrerer empirischen Untersuchungen wie folgt zusammen: Mädchen spielen häufiger zu zweit, sind auf Freundinnen- Beziehungen orientiert, während Jungen eher in größeren, jungendominierten Gruppen zu finden sind. Mädchen orientieren sich eher in Innenräumen und ihre Aktionsräume sind prinzipiell eingegrenzter als die von Jungen. Mädchen sind im öffentlichen Raum der Straße eher Anhängsel der Jungen, zeichnen ich entweder durch tradierte Rollen- und Verhaltensmuster sowie weibliche Attraktivitäts- Ideale oder durch die Anpassung an beziehungsweise den versuch der Übernahme männlicher Werte und Verhaltensweisen aus. Löw 32 zufolge müssen diese Ergebnisse aber neu interpretiert werden. Sie kritisiert, dass Mädchen und Frauen unterschwellig keine Raumkompetenz eingestanden werde. Sie führt eine Untersuchung aus der feministischen Stadtforschung an: Frauen legen in ihrem Alltag demnach viel mehr Wege zurück und verknüpfen dadurch mehr Orte miteinander als Männer. Ihrer Ansicht nach ist Raumkompetenz und die damit verbundene selbständige Mobilität ein weitaus komplexerer Untersuchungsgegenstand als durch die Aktionsgröße von Jungen und Mädchen erklärbar wäre. Mit älteren Jugendlichen beschäftigte sich Bütow 33 in ihrer Untersuchung von Jugendcliquen. Sie untersuchte Mädchen und Jungen in Cliquen einer städtischen Region mit Hilfe qualitativer Methoden. In unstrukturierten Peer-Groups konnten Mädchen relativ frei mit Geschlechterrollen experimentieren und auch selbstbestimmt agieren. Es wurde jedoch vorwiegend an tradierten
Weiblichkeitskonstruktionen festgehalten. Auch in stilorientierten Gruppen, in denen Jungen das Sagen hatten, zeigte sich keine Veränderung von Weiblichkeit. Es konnte sogar eine
29 Vergleich: S., Nissen, Modernisierung nach dem Sozialismus : ökologische und ökonomische Probleme der
Transformation, Marburg, 1992
30 Vergleich: A., Flade, Psychologische und soziale Effekte mangelnder Verkehrssicherheit von Kindern in
Wohngebieten, IWU, Darmstadt, 1993
31 Vergleich: Bütow/Nentwig-Gesemann: Mädchen - Cliquen - öffentliche Räume, In: Lutz/Hammer (Hrsg.):
Benachteiligte Lebenslagen von Frauen, Campus, 2002, Seite 34 ff.
32 Vergleich: M., Löw, Raumsoziologie, Frankfurt/Main, 2001
33 Vergleich: Bütow /Nentwig-Gesemann: Mädchen - Cliquen - öffentliche Räume, In: Lutz/Hammer (Hrsg.):
Benachteiligte Lebenslagen von Frauen, Campus, 2002, Seite 48 ff.
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Verstärkung von männlichen Verhaltensweisen durch die Akzeptanz seitens der Mädchen beobachtet werden. Jedoch sind die Chancen für Mädchen und junge Frauen im öffentlichen Raum relativ groß. Sie konnte in ihrer Studie bereits ein hohes Maß an weiblicher Autonomie erkennen. Mädchen erleben aber prinzipiell Einschränkungen in ihrem räumlichen Verhalten. Mädchen müssen mehr in Hauhalt mithelfen als Jungen 34 . Eine andere Erklärung dafür ist auch, dass im Zuge zunehmender sexueller Reifung jugendliche Mädchen stärkerer elterlicher Kontrolle und Reglementierung ausgesetzt sind und sich selbst in Folge ihres neuen Status als Sexualobjekt defensiver im öffentlichen Raum bewegen. 35 Zudem erleben Mädchen auch Einschränkungen in ihrem persönlichem Körper- und Bewegungsraum. Sie lernen sich klein und schmal zu machen und wenig Raum in Anspruch zu nehmen. 36 Der Körperraum von Mädchen zeigt sich in eng zusammengehaltenen Beinen, nach innen gestellten Füßen und eng am Körper gehaltenen Armen. Auch wenn Mädchen heute gleichberechtigter erzogen werden, erleben sie Räumlichkeiten weitaus eingeschränkter als Jungen.
3.5. Das Medium städtisch- öffentlicher Raum
Obwohl Graffiti auch im ländlichen Raum vertreten sind, erlebten und erleben sie ihre massenhafte Entfaltung immer in städtischen Ballungsräumen. Der Fokus der Betrachtung liegt daher auf dem urbanen Raum. Auf Ludwig Börne geht die Metapher vom Lesen der Stadt als einem aufgeschlagenen Buch ]XUFN)U%DUWKHVLVWGLH6WDGWÄHLQH0LWWHLOXQJ³HLQ Diskurs. Die Stadt wird, als kohärentes Zeichensystem aufgefasst, zum Stadttext 37 , der nach textlinguistischen Aspekten gedeutet werden kann. Städtische Umwelt kann stimulierend sein, wird aber das optimale Erregungsniveau überschritten kommt es zu Stress und Stimulationsüberladung. Im chaotischen Ansturm von Eindrücken spielen Konkrete Zeichen des Straßenraums eine bedeutende Rolle. Eine zielgerichtete Fortbewegung in der Stadt führt zum Ausblenden dessen, was zum Erreichen des Ziels bedeutungslos ist, um nur das zur Orientierung notwendige visuelle Leitsystem zur Geltung zu bringen. Dieses Ignorieren ermöglicht höchste Konzentration und Bewusstheit auf die notwendigen Sinneseindrücke, andererseits ist es Schutz vor Reizüberflutung. Die zunehmende Kenntnis des Stadtraums, eine Verinnerlichung von Raum- und Bewegungsmustern, führt zu einem mehr oder weniger automatisierten Verhalten und zum Abschalten unserer visuellen Aufmerksamkeit. Gegen die
34 Vergleich: U., Nissen, Kindheit, Geschlecht und Raum: Sozialisationstheoretische Zusammenhänge
geschlechtsspezifischer Raumaneignung, München, 1998
35 Vergleich: M., Spitthöver, Frauen in städtischen Freiräumen, Köln,1989
36 Vergleich: B., Scheffel, H., Sobiech, Bewegungs(t)räume. Frauen- Körper- Sport, München, 1991
37 Vergleich: R., Alber, New York Street Reading- Die Stadt als beschrifteter Raum, Tübingen, 1997
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Apathie des Städters wird ein Spektakel der Zeichen inszeniert. Die zahlreichen Stimuli können zu einer Steigerung des Nervenlebens führen, zu sensueller Wachheit durch erhöhte Stimulation in Tempo der Großstadt, in der Flüchtigkeit ihrer Impressionen und ihren raschen Umschwüngen. In der fluktuierenden Überlagerung der Zeichen kommt es zu einer Kultur der Straße, die die Aufsplitterung der Wahrnehmungsweise fördert. Die Zeichenhaut der Straße könnte mit einem Sinnesorgan verglichen werden, das urbane Prozesse, Veränderungen und Dynamiken des Stadtraum vielfältigster Art sensibel reagiert und im Schriftmedium umgesetzt an die Passanten wiedergibt. Über die Medien des Straßenraums wird zum einen Macht ausgeübt, die ihre Ordnung durch permanente zeichenhafte und symbolische Präsenz oktroyiert und stabilisiert. Medien des öffentlichen Raums können aber auch dynamische Prozesse im urbanen Gefüge induzieren. Gerade für urban movements, eine Dynamik die gegen Etabliertes und Machtstrukturen gerichtet ist, sind Straßenmedien ein wesentliches Mittel, diese Dynamik in Gang zu setzen und zu unterhalten. Wesentlich für einen erfolgreichen subversiven Einsatz von Straßenmedien ist die Erfindung neuer Vervielfältigungsmethoden und einfacher Veröffentlichungsformen. 38
4. Graffiti und öffentlich- städtischer Raum
In der verregelten und zerstückelten Welt der Metropolen, wo selbst Fußgängerströme vielerorts durch am Boden angebrachte Leitlinien gelenkt werden, ist es nicht einfach der kreative Akt, der ErzeugerInnen von Graffiti zu ihrem Handeln motiviert. Eine große Rolle spielt für Jugendliche das Auflehnen gegen die Marginalisierung im Diskurs um die Stadt und die Nichtbeachtung ihres Bedürfnisses nach Freiräumen für selbstorganisiertes Handeln. Liegt doch die Ausformung des Stadtbildes in der Macht weniger Diskurseliten, wie öffentliche Verwaltung, Hausbesitzer, Architekten und Vertreter der Wirtschaft.
In einer durch Massenmedien zum Verstummen gebrachten, rational oder vielleicht im Sinne +DEHUPDV¶V 39 zweckrational gewordenen Welt, sind Graffitis ein kommunikatives Netzwerk des kreativen anonymen Untergrunds als direktes, unzensiertes Massenmedium, das ein statuiertes Establishment beunruhigt. Sie sind Zeichen für ein lese- und schreibfähiges Publikum, das zunehmend über den öffentlichen Raum auch schriftlich kommuniziert, diesen als Forum, als Medien- Öffentlichkeit nützt, ihn damit aber auch zum Kampfplatz um symbolische Standorte im Mächtestreit mit der Obrigkeit verwandelt. Diese Schriftmaterialien
38 Vergleich hierzu z.B. Pochoir- Graffiti
39 Vergleich: J., Habermas, Theorie des kommunikativen Handelns, Frankfurt/Main, 1995
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sind Ausdruck eines Meinungsbildungs- und Emanzipationsprozesses, sind Teil jenes Spiegels, in dem eine Öffentlichkeit sich reflektierend zum Selbstbewusstsein, zum öffentlichen Bewusstsein kommt. 40 Neben seinen bewusst von den urban movements intendierten Funktionen, zu informieren und zu mobilisieren, kommt das Graffiti-Anbringen einer symbolischen Raumaneignung gleich. Unter dem Aspekt, dass Jugendliche zunehmend Kompetenz zur Selbstorganisation, Selbstinterpretation und Selbstverwirklichung erworben haben, um den gesellschaftlichen Modernisierungsprozess mitsamt seinen Problemen und Brüchen unbeschadet zu bewältigen, verwundert es kaum, dass ein Teil der Jugendlichen an vor allem funktionsgebundenen Örtlichkeiten wie Parkplätzen, verfallenden oder gesichtlosen neuen Häuserfassaden, Unter- und Überführungen oder öffentlichen Verkehrsmitteln Graffitis auftragen. Bereits Simmel weist auf das Phänomen im Zuge großstädtischer Anonymität und Entfremdung hin, in der das Individuum dazu getrieben wird, Eigenwilligkeiten und Extravaganzen auszubilden um Aufmerksamkeit zu erheischen und seine Persönlichkeit in einer konturlosen Masse zu behaupten. Menschen, Massenmenschen versuchen sich wieder Gesichter zu geben und Stimmen- visual voices- und mit ihnen den öffentlichen Raum zu beleben, zu dynamisieren: individuelle Statements über Graffiti. Ein individuelles intimes Symbol im öffentlichen Raum schafft begriffliche Vereindeutigung, wo Mode und wortlose Symbole oft nur andeuten können.
4.1. Illegalität und Legalität von Graffitis
Das Verbot an sich demonstriert den Versuch der symbolischen Vereinnahmung der Stadtwände Einhalt zu gebieten, um den öffentlichen Raum wieder unterstädtische Kontrolle zu bringen. Praktisch alle Graffitis sind illegal. Juristisch verfolgt werden SprüherInnen meist unter Berufung auf den Tatbestand der Sachbeschädigung. In Deutschland 41 ist mit § 303 die Sachbeschädigung folgender Maßen geregelt: (1) Wer rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Der Versuch ist strafbar. Wer rechtswidrig Gegenstände der Verehrung einer im Staat bestehenden Religionsgesellschaft oder Sachen, die dem Gottesdienst gewidmet sind, oder Grabmäler, öffentliche Denkmäler, Naturdenkmäler, Gegenstände der Kunst, der Wissenschaft oder des Gewerbes, welche in öffentlichen Sammlungen aufbewahrt werden oder öffentlich aufgestellt sind, oder Gegenstände, welche zum öffentlichen Nutzen oder zur Verschönerung öffentlicher Wege, Plätze oder Anlagen dienen, beschädigt oder zerstört, wird
40 Vergleich: R., Alber, New York Street Reading- Die Stadt als beschrifteter Raum, Tübingen, 1997
41 Quelle: http://dejure.org/gesetze/StGB am 15.12.2004
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mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Wer rechtswidrig ein Gebäude, ein Schiff, eine Brücke, einen Damm, eine gebaute Straße, eine Eisenbahn oder ein anderes Bauwerk, welche fremdes Eigentum sind, ganz oder teilweise zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Das österreichische Strafgesetzbuch ahndet Sachbeschädigung 42 härter und vor allem differenzierter als das deutsche. In § 125. heißt es: Wer eine fremde Sache zerstört, beschädigt, verunstaltet oder unbrauchbar macht, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen. In § 126. heißt es weiter: (1) Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen ist zu bestrafen, wer eine 6DFKEHVFKlGLJXQJ EHJHKW « DQ HLQHP |IIHQWOLFKHn Denkmal oder an einem Gegenstand, der unter Denkmalschutz steht, 4. an einer Sache von allgemein anerkanntem wissenschaftlichem, volkskundlichem, künstlerischem oder geschichtlichem Wert, die sich in einer allgemein zugänglichen Sammlung oder sonst an einem solchen Ort oder in einem öffentlichen Gebäude befindet, 5. an einer Einrichtung, Anlage oder anderen Sache, die der öffentlichen Sicherheit, der Verhütung oder Bekämpfung von Katastrophen, dem öffentlichen Gesundheitsdienst, der öffentlichen Versorgung mit Wasser, Licht, Wärme oder Kraft oder dem öffentlichen Verkehr dient, oder an einer für diesen Verkehr oder sonst für öffentliche =ZHFNHEHVWLPPWHQ)HUQPHOGHDQODJH«RGHUGXUFKGLHGHU7lWHUDQGHU6DFKHHLQHQ Euro übersteigenden Schaden herbeiführt. (2) Wer durch die Tat an der Sache einen 40 000 Euro übersteigenden Schaden herbeiführt, ist mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu bestrafen.
4.1.1. Legale Wände
Die Entwicklung des Graffiti begleitend stellen immer wieder Städte den SprayerInnen einzelne Wände zum Bemalen zur Verfügung. 43 Ziel ist es oft, das illegale Sprühen zum Erliegen zu bringen. Die Idee legaler Graffiti- Wände ist vor allem deshalb zum Scheitern verurteilt, weil die zur Verfügung gestellten Flächen für die Vielzahl der SprayerInnen viel zu klein sind. Außerdem entspricht dies nicht dem subversiven Element des Graffiti. Legale Wände können zwar dazu beitragen, dass die Qualität der Bilder zunimmt, weil die SprayerInnen mehr Zeit zum Malen haben, illegale Graffitis wird es dennoch weiterhin geben, da die SprayerInnen meist eine andere Auffassung von der Gestaltung des Stadtbildes haben
42 Quelle: http://ris.bka.gv.at/bundesrecht/ am 15.12.2004
43 Vergleich: B. van Treeck, Das Graffiti- Lexikon- Legale und illegale Malerei im Stadtbild, Schwarzkopf &
Schwarzkopf, 1998
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als die offiziellen Stellen. Ein wesentliches Element zur Konstituierung jugendkulturellen Handelns stellt aber auch die Erfahrung von Grenzüberschreitung dar. Dazu gehört auch das heimliche Auftragen der Werke in der Nacht, das Überklettern von Absperrungen, das Nichterwischt-werden; emotionsgeladene Vorgänge in der erlebnisdämpfenden Regelwelt der Großstadträume.
Die in Wien bekannteste legale Wand befindet sich direkt an Donaukanal, in der Nähe der U-Bahnstation Schottenring.
Weitere legale Wände sind zwischen Nußdorfer Lände und Donaukanal und an der Nordbahn zu finden. Mit 3 legalen Wänden erschöpft sich allerdings das legale Angebot in Wien.
Abbildung 13: Nußdorfer Lände 45 Abbildung 14: Nordbahn 46
In Berlin finden sich hingegen nicht nur häufiger, sondern auch viel größere und weitaus besser erreichbare legale Wände, wie zum Beispiel am Mauerpark (Berlin Prenzlauer Berg/Wedding), am Haselhorst, in Hohenschönhausen, am Karlshorst (direkt neben dem S-Bahnhof), im Kleistpark (Direkt am S-Bahnhof) und sogar im Naturschutzpark Priesterweg, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
4.1.2. Equipment
44 Bildquelle: http://graffiti.dadasign.at/graffiti/hotspots/hotspots.htm am 04.01.2005
45 Bildquelle: http://graffiti.dadasign.at/graffiti/hotspots/hotspots.htm am 04.01.2005
46 Bildquelle: http://graffiti.dadasign.at/graffiti/hotspots/hotspots.htm am 04.01.2005
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Abgesehen vom Blackbook, welches manche Writer als Skizzenbuch verwenden, ist natürlich die Sprühdose das wichtigste Utensil. Um mehrere unauffällig transportieren zu können werden diese in einem Rücksack mitgenommen. Spezielle Kleidung zum Sprayen gibt es zwar nicht, allerdings müssen einige funktionelle Aspekte beachtet werden. Die Schuhe sollten fest sein. Viele ziehen einen Trainingsanzug über ihre Sachen, so kommt keine Farbe an die eigentliche Kleidung. Der Trainingsanzug wird nach dem Malen ausgezogen und im Rucksack unauffällig verstaut. Manche benutzen zusätzlich Einweghandschuhe, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Ein weiteres Utensil um strafrechtliche Verfolgung zu vermeiden ist die Strumpfmaske, nicht zu Verwechseln mit den Gasmasken die einige tragen. Diese werden aus gesundheitlichen Gründen getragen, um nicht zu viele giftige Gase einzuatmen.
4.2. Städtevergleich Wien- Berlin
Mengenmäßig vor allem in Berlin sehr stark gebräuchlich, alles überwuchernd und überall zu finden, in Wien auf wenige Gebiete beschränkt, sind die Produktionen der Graffiti-Writer. In den gesprayten Buchstaben werden häufig Motive dieser Kulturform transportiert (z.B. die Spraydose) und auch die Botschaften haben Inhalte, die sich vor allem auf die Entstehung des Bildes beziehen, Nachrichten an andere Writer beinhalten oder die Feindbilder angehen. Alles in allem, ist die größte Anzahl von Graffiti in der Zone Berlin- Ost anzutreffen. Die Gründe liegen vor allem bei den architektonischen Eigenheiten und den sich daraus ergebenden Gelegenheiten. Heruntergekommene Fassaden, Innenhöfe und S- und U-Bahn-Stationen und dadurch geringeres Interesse den Graffiti gegenüber. Besonders Graffiti-aktive Zonen sind Stationen am Stadtrand, welche wenig bewacht sind, wo längere Wartezeiten vorkommen, und die Beseitigung von Graffiti selten erfolgt. In den zentraleren Bezirken der Zone Berlin- Ost kommt hinzu, dass die Hausbesetzerszene, die sich althergebracht über Graffiti artikuliert, dort Fuß gefasst hat. Die starke Hausbesetzerszene, die mannigfaltig über Graffiti in Erscheinung tritt, findet man nur in Berlin. In Wien gibt es wenige Reste in der Umgebung längst geräumter Häuser. In Berlin- West gibt es sehr viele Graffiti in den großen, campusartig angelegten Universitäten. Die großen Graffiti der Writer-Kultur sind im gesamten Stadtbild von Berlin dominant, vor allem entlang der S-Bahn-Linien und der oberirdisch geführten U-Bahnen. Besonders Tags sind in Berlin auch abseits der Hauptverkehrslinien omnipräsent. Eine nur in Ostberlin existierende Fläche für Graffiti der Writer-Kultur sind oberirdisch angelegte Heizungsrohrsysteme, die oft kilometerweit neben den S-Bahn-Linien verlaufen und entsprechend von den Jugendlichen genützt werden. In
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Wien konzentrieren sich die Aktivitäten der Writer auf die Hauptverkehrslinie der S-Bahn, weniger längs der Badner Bahn und der Westbahn. Eine bevorzugte Übungsfläche, teilweise offiziell freigegeben (siehe weiter oben), stellen die Betonflächen auf der Donauinsel und entlang des Donaukanals dar. Quantitativ betrachtet gibt es von den Graffiti dieser Variante eine unvergleichbar höhere Anzahl in Berlin. Anders als in Berlin ist in Wien zurzeit ein gewisser Pochoir- Hype zu beobachten, der sich vor allem entlang der Naschmarktgegend (4. und 5. Bezirk) und im 6. und 7. Bezirk erkennen lässt. Aufgrund der generell quantitativ gering ausgeprägten Sprayerkultur in Wien kann sich die Stadtverwaltung meist eine sofortige Einziehung von bemalten Zügen und Reinigung von Häusermauern leisten, anders als in anderen europäischen Großstädten wie Berlin, Rom oder auch Barcelona.
5. Themen der SprueherInnen
In der Studie "Kulturphänomen Graffiti", die vom Wiener Psychologen Norbert Siegl 47 im Auftrag des österreichischen Wissenschaftsministeriums durchgeführt wurde, analysierte dieser unter anderem die in Berlin und Wien geäußerten Themen der Graffitis. Die insgesamt dabei herausgekommenen 22 Kategorien wurden zu vier Großbereichen zusammengefasst: Politik, künstlerische Produktionen, Geschlechterbeziehungen (hier vorläufig ausgeklammert) und sonstige Themen. Besonders breit gefächert ist der Bereich Politik. Es sind die Extrempositionen rechts- links, Anarchismus, und Autonomie die häufig zum Ausdruck gebracht werden. Daneben gibt es viele politisch undeklarierte Äußerungen, in denen Skepsis und Ablehnung gegen das System geäußert werden.
Unter diese Sparte fallen meines Erachtens auch Aussagen zur Illegalität von Graffitis.
47 Vergleich: N., Siegl, Graffiti- Enzyklopädie- Von Kyselak bis HipHop-Jam, Wien, 2000, Seite 21 ff.
48 Bildquelle: Mühlgasse, 1040 Wien, 20.12.2004
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Gehäuft findet man laut Siegl solche Aussagen in Wahlkampfzeiten, in denen die Plakate werbender Parteien oft Fläche für Reaktionen von Aktivisten sind.
Abbildung 17: Kommentar zum ÖVP Wahlkampf bei der Europawahl 2004 50
Thematisch betrachtet sind, so Siegl, die Unterschiede zwischen Berlin und Wien dort besonders groß, wo lokale, regionale und nationale Anliegen behandelt werden. So ist die Deutsche Wiedervereinigung auch kaum Thema im österreichischen Graffiti, in Berlin jedoch häufiger Anlass zu Auseinandersetzungen. Ebenso gibt es Graffiti, anhand derer man die Einzelereignisse rekonstruieren kann, die zur Auflösung der DDR führten. Graffiti, in denen die RAF thematisiert wird, sind in Wien selten, in Berlin häufig anzutreffen und "RAF dich auf!" steht oft als Synonym für Widerstandsleistung.
49 Bildquelle: Eggerthgasse, 1060 Wien, 15.11.2004
50 Bildquelle: http://people.freenet.de/graffitieuropa/ am 14.01.2005
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Während also in Berlin eher spezifische Themen verhandelt werden, scheint die Meinungsäußerung in Wien eher themenunspezifisch und allgemein kritisch zu sein. 52 Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus lassen sich hingegen themengleich abgehandelt in Berlin und Wien finden.
Abbildung 20: Reaktion auf den Tod von Marcus Omofuma im Wahlkampf 2002 54
51 Bildquelle: http://people.freenet.de/graffitieuropa/ am 14.01.2005
52 Anm.: In Wien gab es viele Graffiti, in denen der EU-Beitritt negativ kommentiert wurde
53 Bildquelle: http://people.freenet.de/graffitieuropa/ am 14.01.2005
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Die Volksgruppe der Türken ist das größte Feindbild, in Berlin findet man stärkere nationale Selbstbehauptung von Türken, ebenso stärkere Agitation kurdischer Aktivisten und viele türkeiinterne Auseinandersetzungen. Verstärkt in Berlin, nehmen viele aktuelle Graffiti auf Atommülltransporte Bezug, Proteste gegen Verbauung und Beton sind naturgemäß, in Berlin, auf der "größten Baustelle der Welt" häufiger zu finden. "Krieg und Frieden" ist sowohl in Wien wie in Berlin Thema.
Abbildung 21: Soldaten- Pochoir 55 Abbildung 22: Love is in the air 56
In die Rubrik Sonstiges fallen nach Siegl Grüße, Namen, Nachrichten, Beschimpfungen, Drohungen, Familie, Schule, Pop, Musikstile, "Sportgruppen, Gangs, Religion, Realität, Drogen, Welt, Menschen, Tod, und viele andere nicht eindeutig kategorisierbares.
54 Bildquelle: http://people.freenet.de/graffitieuropa/ am 14.01.2005
55 Bildquelle: Schleifmühlgasse, 1040 Wien, 20.12.2004
56 Bildquelle: Neubaugasse, 1070 Wien, 15.11.2004
57 Bildquelle: http://people.freenet.de/graffitieuropa/ am 14.01.2005, Anm.: Eines der häufigsten Symbole der
Kommunikationsform Graffiti, oft in Kombination mit diversen Forderungen...
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Nicht jedes Graffito kann also thematisch zugeordnet werden. Dies trifft auf Graffiti zu, die im Bereich künstlerische Produktionen eingeordnet wurden, also vorwiegend die Zeichnungen von Gesichtern, Figuren und Tieren.
Ebenso ist bei den meisten Bildern grafisch orientierter Künstler keine thematische Botschaft erkennbar. Bei den Zeichnungen von Gesichtern, Figuren und Tieren gibt es ebenfalls keine nationalen Unterschiede, auf Arbeiten deklarierter Künstler trifft man laut Siegl aber häufiger in Berlin.
5.1. Geschlechtsspezifische Graffitis
5.1.1. Bereich Geschlechterbeziehungen
Im Bereich Geschlechterbeziehungen besteht ein besonders hoher Anteil, da altersbedingt starkes Interesse am anderen Geschlecht gegeben ist. Ebenso stammen die Graffiti feministischer Gruppen hauptsächlich von jüngeren Menschen. In diesem Bereich werden nach Siegl vorwiegend private, individuelle Anliegen abgehandelt. Liebeserklärungen werden
58 Bildquelle: http://people.freenet.de/graffitieuropa/ am 14.01.2005
59 Bildquelle: Frauentoilette der Universität Wien, 1010 Wien, 08.06.2004
60 Bildquelle: Kunsthaus Tacheles, 10117 Oranienburgerstr. 54 - 56a Berlin, 17.02.2004
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häufig mit einem Namen gekoppelt. In der Kategorie "Sexualität", werden die individuellen Bedürfnisse und Ansichten genereller an die Öffentlichkeit getragen.
Da die meisten SprayerInnen männlich sind, werden hier nicht nur persönliche Wünsche artikuliert, sondern das Begehren der symbolisch- männlichen Ordnung. Wenngleich man diesen Graffitis ein parodistisches Element zugestehen muss, so muss man doch auch sehen, dass auf Frauen nach wie vor dieselben Stereotype angewandt werden (z.B.: schön= dumm, oder die Reduzierung auf ein Sexualobjekt). Die Frau wird im Graffiti- Sprichwort häufig mit einem Ding oder Tier verglichen oder zu einem Tier oder Ding gemacht. Will man eine bestimmte Aussage über Frauen machen oder der Frau eine bestimmte Eigenschaft zuschreiben, vergleicht man sie mit diesem Ding/Tier, dem eben diese Eigenschaft innewohnt. Diese Sprichwörter sind meist einfach Aussagesätze. Durch die Verknüpfung der tatsächlichen Eigenschaft des Dinges/Tiers mit jener Eigenschaft, die man der Frau zuschreiben will, erscheint die gesamte Aussage wahr, auch wenn kein logischer Zusammenhang besteht. Diese Mittel werden angewandt um größere Glaubhaftigkeit und bessere Einprägsamkeit zu erzielen.
Die Kategorie "Frauenspezifisches" beinhaltet bei Siegl 64 hauptsächlich Aussagen von öffentlichem Interesse, indem gegen Sexismus, Vergewaltigung, und für Selbstbestimmung
61 Bildquelle: Volkertstrasse, 1020 Wien, 12. 06.2004
62 Bildquelle: Marokkanergasse, 1030 Wien, 13.08.2004
63 Bildquelle: http://graffiti.netbase.org/schimpfwort.htm am 12.01.2005
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und Eigenverantwortung der Frau Stellung bezogen wird. Hier werden traditionelle Frauenanliegen wie Schwangerschaft, Geburt, Empfängnisverhütung und Abtreibung ebenso abgehandelt wie persönliche Probleme, Beziehungskrisen, das Befinden der Frau in Institution und Gesellschaft, Benachteiligungen gegenüber Männern, Gewalt gegen Frauen und Kinder. Eine Analogie zur kurzen parolenartigen Sprache der (männlichen) Polit- Graffiti ist dann zu finden, wenn extremfeministische Graffiti geäußert werden.
Abbildung 30: Kundgebung 65 Abbildung 31: Ladyfest 66
5.1.2. Thematische und formelle Unterschiede bei Frauen und Männern Im sexuellen Bereich bestehen, auch laut Siegl 67 , signifikante Unterschiede. Männer äußern sich in einer Art zum anderen und eigenen Geschlecht. Es fehlt bei den Männern weitgehend das persönliche Element, die Frau wird auf das weibliche Körperschema, auf die Geschlechtsmerkmale reduziert, was in vielen Zeichnungen zum Ausdruck gebracht wird.
Unsicherheiten im Umgang mit dem anderen Geschlecht werden kaum geäußert, als erstrebenswerteste Befriedigungstechniken findet man Vaginalkoituspositionen und Fellatio. Für darüber hinausgehende sexuelle Bedürfnisse des anderen Geschlechts findet man kein Problembewusstsein. Onanie wird in manchen Graffiti propagiert und Homosexualität häufig stark negativ getönt abgelehnt.
64 Vergleich: N., Siegl, Graffiti- Enzyklopädie- Von Kyselak bis HipHop-Jam, Wien, 2000
65 Bildquelle: Neubaugasse, 1070 Wien, 15.11.2004, Anm.: Kundgebung zum internationalen Tag gegen Gewalt
an Frauen
66 Bildquelle: Technische Universität Wien, Resselgasse, 1040 Wien, 20.12.2004, Anm.: Bekanntmachung des
Ladyfests
67 Vergleich: N., Siegl, Geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich Häufigkeit und thematischer Inhalte bei
Toilettengraffiti, Wien, 1992
68 Bildquelle: Ullmannstrasse, 1150 Wien, 07.06.2004
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Bei Frauen findet man kaum Zeichnungen - weder des eigen- noch des andersgeschlechtlichen Organs. Erkennbar ist in manchem Graffiti das Bemühen, auf die Bedürfnisse der Männer, oder was dafür gehalten wird, einzugehen. Daneben werden aber auch viele eigene Bedürfnisse geäußert und es besteht ein reger Informationsaustausch, besonders was Fragen der Jungfräulichkeit und des Orgasmus betrifft. Gefühle und persönliche Probleme werden im männlichen Graffiti fast nie thematisiert und noch seltener verständnisvoll, konstruktiv beantwortet. In vielen Fällen des Frauen- Toiletten- Graffiti findet sich die Bitte um Antwort oder die Meinung Anderer. Vorherrschend wird in sehr persönlichem Ton kommuniziert und freundlich aufeinander eingegangen. Gefühle und persönliche Probleme werden zum Ausdruck gebracht und meist konstruktiv beantwortet. Bei den Jungen geht es hier, wenn überhaupt sprachlich komplexere Äußerungen vorzufinden sind, mehr um Schuldzuweisungen wegen des Schlußmachens oder um Behauptungen aus dem sexuellen Bereich, die großteils eher aus dem Wunschdenken herrühren. Zur Untersuchung von Graffiti werden Klos besonders gerne herangezogen, weil als gesichert angesehen wird, dass durch die dort herrschende Geschlechtertrennung nur Frauen mit Frauen oder Männer mit Männern kommunizieren würden. Weitaus schwieriger ist die Geschlechter-Zuordnung der Graffitis im öffentlichen Raum der Stadt. Sicher ist, dass viele graffitierende Frauen die Farbe violett bevorzugen. Sicher ist auch, dass antisexistische Wort- Graffiti sehr oft systematisch in Aktionen angebracht werden. An dieser Stelle muss ich Siegls Ergebnisse doch etwas relativieren, denn es kommt seit wenigen Jahren doch immer öfter vor, dass Mädchen sexuelle Vorzüge eines Mannes, oder ihre eigenen in graffitischen Äußerungen anpreisen. Mitunter klingen dabei die Aussagen der Mädchen ebenso klischeehaft, diskriminierend und verallgemeinernd wie die der Jungen. Seit einigen Jahren schreiben auch GLH )UDXHQ ÄKlUWHU³ YRU DOOHP ZHQQ GLH :RUWVSHQGHQ 6H[XDOLWlW RGHU 0lQQHUIHLQGOLFKNHLW zum Inhalt haben.
69 Bildquelle: http://graffitieuropa.org/sex.htm am 13.01.2005
26
Der Ärzte- +LWÄ0lQQHUVLQG6FKZHLQH³IDQGKLHU]XP%HLVSLHOEHVRQGHUVJURHQ$QNODQJ Im Großen und Ganzen betrachtet herrscht aber die Mentalität des patriarchalen Weltbildes. Unter den Förderern desselben befinden sich (siehe weiter oben) auch durchaus Frauen. Auffallend ist weiters dass das Thema Liebe bei Männern kaum thematisiert wird, das demgegenüber im Frauengraffiti einen großen Raum einnimmt, und auch durchaus frech und selbstbewusst behandelt wird. 71
Es fiel mir auf, dass in Parks besonders viele Liebes- Graffiti auftauchen, die den Eindruck erwecken, sie seien von sehr jungen Mädchen geschrieben. Mädchen schreiben diese gerne, herzlich und selten mit Vulgärausdrücken. Ein Grund, dass so zahlreiche von weiblichen Jugendlichen ausgeführte Graffiti zu finden sind, mag in der von Benard und Schlaffer 73 beschriebenen Eigenschaft frühjugendlicher Mädchen liegen, sich gerne auf einen Platz zurückzuziehen. Ich nehme an, dass mit dem Überhang an Ruhigstellung auch die große Zahl der Mädchen- Graffiti auf den Bänken und Tischen erklärbar ist. Graffiti beispielsweise auf Schulbänken sind oft eine Kompensation der Bewegungslosigkeit.
Die Graffiti - Szene ist eindeutig männlich dominiert. In ihrer auch altersbedingten Tendenz zur Abgrenzung gegenüber anderen tun sich die männlichen Angehörigen geheimbundähnlicher Bruderschaften mit der Anerkennung des weiblichen Geschlechts eher schwer. Dennoch treten sie vereinzelt auf- die Sprüherinnen. Die Rede ist hier allerdings nicht von Graffiti mit Kugelschreiben oder anderen Stiften, oder eingeritzten Bildern, deren
70 Bildquelle: http://graffitieuropa.org/sex.htm am 13.01.2005
71 Vergleich: A. C., Kinsey, Sexual Behavior in the Human Female, Philadelphia, 1998
72 Bildquelle: http://graffitieuropa.org/sex.htm am 14.01.2005
73 Vergleich: C., Benard, E., Schlaffer: Mädchen in den öffentlichen Raum! In: Verspielte Chance? (Frauenbüro,
Magistrat der Stadt Wien, Schriftenreihe Bd. 5), Wien, 1995, Seite 1f.
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UrheberInnen nur selten strafrechtlich verfolgt werden. Gemeint ist die häufigste Art der Graffitis, und zwar aufgetragene Farbe, in Form von Spray an Gegenständen öffentlichen Eigentums.
7. Schlusswort
Waren ursprünglich nur sehr wenige Mädchen in der Szene vertreten, so nimmt der Anteil an Mädchen in den letzten Jahren schleppend zu. Die Graffiti - Szene in Berlin ist dafür ein gutes Beispiel. Sind die Mädchen Teilhaberinnen in Crews mit vorwiegend männlichen Mitgliedern, unterliegen sie einer strengen sozialen Kontrolle durch die Jungen. Diese Bewertung erstreckt sich hauptsächlich auf die Garderobe, das Sozial- und Sexualverhalten und - weniger wichtig - die bildkünstlerischen Fähigkeiten der Mädchen. Am ehesten geduldet wird der männlich gekleidete Kumpel- Typ, der keine Unruhe in die Jungengruppe trägt. Jungen entscheiden bei weiblichen Crew - Mitgliedern nicht nur darüber, ob diese begabt sind, sondern auch dahingehend, ob sich Mädchen an (illegalen) Sprühaktionen und Konkurrenzen beteiligen dürfen. Die Sprayerin Luzie bringt das anschaulich auf den Punkt: ³Man muss sich wie eine eiserne Jungfrau verhalten, um akzeptiert zu werden. (...) Es geht den Jungen überhaupt nicht darum, ob man sprühen kann oder nicht, sondern ob man ein anständiges Mädchen ist.³ 74 Vielfach halten Jungen - Crews Mädchen nicht für eine ernstzunehmende Konkurrenz und mögen keine Wettbewerbe gegen Mädchen ausführen. Um der Degradierung durch die Jungen, aber auch um dem Druck zu entfliehen, als Mädchen in einer Jungen - Crew der Erwartungshaltung der Jungen nachzukommen, das heißt besser zu sein als Mädchen in anderen Jungen - Crews, kommt es verstärkt zum Vereinigung von Mädchen in ausschließlichen Mädchenpossen. Da Mädchen aber häufig vom Gutbefinden der Jungen hörig sind, Jungen ansprechen wollen und die Akzeptanz durch die Jungen höher achten als die, die ihnen durch ihre Geschlechtsgenossinnen zukommt, halten die Mädchen -Crews oft nur begrenzt zusammen. Auch im Hinblick auf diese Haltung werden über eine längere Zeitspanne tätige, anerkannte, Mädchen - Crews und arrivierte Sprayerinnen, die das Getting up geschafft haben, in der Graffiti - Szene vorläufig noch Einzelfälle bleiben.
74 O. Henkel: Spray - City. Graffiti in Berlin, Akademie der Künste Berlin, Berlin, 1994, Seite 74
28
8. Literaturverzeichnis
Alber, R., New York Street Reading- Die Stadt als beschrifteter Raum, Tübingen, 1997 Benard, C., Schlaffer, E.,: Mädchen in den öffentlichen Raum! In: Verspielte Chance? (Frauenbüro, Magistrat der Stadt Wien, Schriftenreihe Bd. 5), Wien, 1995 Berg-Laase, G., Verkehr und Wohnumfeld im Alltag von Kindern- Eine sozialökologische Studie zur Aneignung städtischer Umwelt am Beispiel ausgewählter Wohngebiete in Berlin, Berlin, Centaurus, 1985
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8.1. Bildverzeichnis
Abbildung 1: Wandzeichnung von Axel Mazurka: B. van Treeck, S. Matze- Prou, Pochoir-Die Kunst des Schablonengraffiti, Köln, 2000, Seite 39
Abbildung 2: Kratz- Graffiti in U- Bahn: http://www.aquasun.de/Bilder/Scratch4_1.jpg am 13.12.2004
Abbildung 3: Wild-style Masterpiece: http://www.artistz.de/ am 17.12.2004 Abbildung 4: Zug-Action: Blackbook Emas Abbildung 5: 6NHWFKYRQÄ)DUEH³: Blackbook Farbe
Abbildung 6: Tag von Taki 183: http://www.tagpage.com/tag_page/images2/6-14-00_taki.jpg am 17.12.2004
Abbildung 7: GOB- Piece auf Zug von BOLT: Blackbook Bolt Abbildung 8: Water Wegs: http://www.artistz.de/ am 17.12.2004 Abbildung 9: Pochoir von Blek le Rat:
http://images.google.at/imgres?imgurl=http://blekmyvibe.free.fr/Images/librarybynight.jpg&i mgrefurl=http://blekmyvibe.free.fr/pages%2520html/bergerdenuit.html&h=511&w=768&sz= 40&tbnid=bup3cwF_PrsJ:&tbnh=93&tbnw=139&start=2&prev=/images%3Fq%3Dstencil%2 Ble%2Brat%26hl%3Dde%26lr%3D am 21.12.2004
Abbildung 10: Pochoir der Gruppe Nice Art: http://decobed.club.fr/Nice-Art1.html am 21.12.2004
Abbildung 11: Thierry Gauthe sprüht Heuschrecke: B. van Treeck, S. Matze- Prou, Pochoir- Die Kunst des Schablonengraffiti, Köln, 2000, Seite 81
30
Abbildung 12: Donaukanal : http://graffiti.dadasign.at/graffiti/hotspots/hotspots.htm am
Abbildung 13: Nußdorfer Lände : http://graffiti.dadasign.at/graffiti/hotspots/hotspots.htm
am
Abbildung 14: Nordbahn : http://graffiti.dadasign.at/graffiti/hotspots/hotspots.htm am
Abbildung 15: Pochoir- Safety net- ism: Mühlgasse, 1040 Wien,
Abbildung 16: Paint is crime: Eggerthgasse, 1060 Wien,
Abbildung 17: Kommentar zum ÖVP Wahlkampf bei der Europawahl 2004:
http ://people.freenet.de/graffitieuropa/ am
Abbildung 18: BRD Mörderstaat: http://people.freenet.de/graffitieuropa/ am
Abbildung 19: Ä'URJHQ- Nigger LPER : http://people.freenet.de/graffitieuropa/ am
Abbildung 20: Reaktion auf den Tod von Marcus Omofuma im Wahlkampf 2002:
http ://people.freenet.de/graffitieuropa/ am
Abbildung 21: Soldaten- Pochoir: Schleifmühlgasse, 1040 Wien,
Abbildung 22: Love is in the air: Neubaugasse, 1070 Wien,
Abbildung 23: Hanfblätter: http://people.freenet.de/graffitieuropa/ am
Abbildung 24: Devolucion: http://people.freenet.de/graffitieuropa/ am
Abbildung 25: Uni- Toiletten Graffiti: Frauentoilette der Universität Wien, 1010 Wien,
Abbildung 26: Schwalbenschwanzschmetterling: Kunsthaus Tacheles,
Oranienburgerstr. 54 - 56a Berlin,
Abbildung 27: I love porno: Volkertstrasse, 1020 Wien, 12.
Abbildung 28: Pochoir- Analpose: Marokkanergasse, 1030 Wien,
Abbildung 29: Anna- Klopapier: http://graffiti.netbase.org/schimpfwort.htm am
Abbildung 30: Kundgebung: Neubaugasse, 1070 Wien,
Abbildung 31: Ladyfest: Technische Universität Wien, Resselgasse, 1040 Wien,
Abbildung 32: Ficken ist Trumph: Ullmannstrasse, 1150 Wien,
Abbildung 33: Onanie: http://graffitieuropa.org/sex.htm am
Abbildung 34: Hoden bis zum Boden: http://graffitieuropa.org/sex.htm am
Abbildung 35: Liebe- Triebe: http://graffitieuropa.org/sex.htm am
31
Arbeit zitieren:
Mag.a Lena Rheindorf, 2005, Mädchen in der Sprayerkultur?, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
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