Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Verwendung des Computers in der Schule
2.1. Argumente gegen den Computereinsatz
2.2. Argumente für den Computereinsatz
2.3. Pädagogische Aspekte zum Einsatz des Computers in der Grundschule
2.4. Psychologische Aspekte zum Einsatz des Computers in der Grundschule
3. Über den Einsatz des Computers im Musikunterricht
3.1. Die fachwissenschaftliche Diskussion zum Thema Computer im Musikunterricht
3.2. Überlegungen zum Thema Computereinsatz im Musikunterricht der Grundschule
3.2.1. Organisatorische und technische Rahmenbedingungen der Schulen
3.2.2. Musiklehrerkompetenzen
3.2.3. Planung des Musikunterrichts mit dem Computer
3.3. Computersoftware für den Grundschulunterricht im Fach Musik
3.3.1. Kategorien von Unterrichtssoftware
3.3.1.1. Lehr- und Lernprogramme
3.3.1.2. Multimediale Informationsprogramme
3.3.1.3. Musikorientierte Spiele
3.3.1.4. Werkzeugprogramme
3.3.1.5. Tutorielle Systeme und Kommunikations- und Kooperationsumgebungen
3.3.2. Softwareangebot für den Bereich des Musikunterrichts
3.3.3. Qualitätstest und Bewertungsmöglichkeiten für Musik-Lernsoftware
3.3.4. Im Musikunterricht der Grundschule eingesetzte Software
4. Zusammenfassung
5. Quellen- und Literaturverzeichnis
2
1.Einleitung
Moderne Technologien halten immer mehr Einzug in unseren Alltag. Sie sind oft wichtiger Bestandteil der Arbeitswelt geworden und auch im privaten Bereich erfreuen sich die Erwachsenen am neuesten Notebook und an digitalen Videokameras. Die Industrie zielt mit ihren technischen Produkten jedoch längst nicht mehr nur auf die Erwachsenen, sondern vor allem auf die Kinder: Zu Weihnachten soll es ein „schickes Handy“ sein, zum Geburtstag die „beste Spielkonsole“ und zwischendurch ein schnellerer Computer. „Den braucht man doch heute für die Schularbeiten“, rechtfertigen manche Eltern den Kauf dieser Neuanschaffung und hoffen dabei der Bildung und Entwicklung ihres Kindes „Gutes“ zu tun. Dass sie durch den Kauf und die Bereitstellung des PCs möglicherweise Gegenteiliges bewirken, da eben nicht nur Vokabeln mit diesem Medium gelernt werden, sondern vor allem tüchtig gespielt wird, haben viele Eltern im Vorfeld nicht bedacht. 1 Laut Statistik sind heute beinahe alle Kinder mit einem Handy ausgestattet und haben zu Hause sowohl Zugang zum Computer als auch zum Internet. 2 Durch diese Allgegenwärtigkeit der High-Tech-Geräte und der intensiven Beschäftigung mit diesen, kennen sich Kinder und Jugendliche mit den neuen Technologien gut aus. Gerade im Bereich der Musik wissen sie genauestens Bescheidmanchmal besser als die Erwachsenen selbst: Sie tauschen mit ihren Handys über „Bluetooth“ 3 MP3's aus und erstellen „Playlists“ 4 aus ihrer Musiksammlung. Sie „brennen“ sich gegenseitig Musik-Cd's, schneiden Musikvideos für „youtube“ 5 zusammen oder gebrauchen die „DJ-Features“ 6 ihres Multimedia-Handys um Musik zu „scratchen“, zu „faden“ oder für's „Sampling“ 7 . Die Kinder und Jugendlichen sind also in der Lage, ihre Medienkompetenzen zum Teil selbstständig auszubilden. Dieser Umstand könnte sich für den Schulunterricht durchaus Vorteilhaft auswirken, da die Lehrerinnen und Lehrer die Zeit für das Einführen in die Computerbedienung sparen und somit gleich mit der Arbeit an den „richtigen“ Programmen beginnen könnten. Aber welche sind die „richtigen“ Programme für den Schulunterricht? Ist die auf dem Markt erhältliche Software für den Unterricht geeignet?
Vor Klärung dieser Fragen muss untersucht werden, ob der Einsatz des Computer als Lernmedium für den Unterricht überhaupt sinnvoll ist, da Kinder und Jugendliche heute schon sehr viel Zeit vor Bildschirmmedien verbringen. 8 Wie sinnvoll ist zudem der Einsatz des Computers während der
1 SPITZER, M: Computer und Schule. In: Nervenheilkunde 5/2007. S.355
2 Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest (Hrsg.): JIM Studie 2009. Stuttgart 2009. S.31ff
3 „Bluetooth“: ein Mikro-Funknetzwerk zur Übertragung von Daten.
4 „Playlist“: eine vorprogrammierte, speicher- und editierbare Abspielfolge von Liedtiteln.
5 „www.youtube.de“ ist eine kostenlose Internetplattform für private Musikvideos etc., die von weltweit von etwa 100 mill. Pers. Genutzt wird.
6 „DJ-Features“: Funktionen mit denen man im Handy Musik wie in einem Tonstudio bearbeiten kann
7 „Scratchen“: das Erzeugen besonderer Töne durch rhytmisches Hin- und Herbewegen einer Schallplatte; „Faden“: ein- bzw. ausblenden von Musik; „Samplen“: das Aufnehmen bzw. digitalisieren eines kleinen Teils eines Musikstückes, welcher dann musikalisch in einen neuen Kontext eingebunden werden kann
8 SPITZER, Manfred: Vorsicht Bildschirm. Stuttgart 2005, S.3 f.
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Grundschulzeit, in der sich die sozialen und kognitiven Fähigkeiten der Kinder in einem besonderen Entwicklungsstadium befinden? Diesen Fragen soll in der vorliegenden Arbeit, anhand der Meinungen und Forschungsergebnisse von Lehrern, Erziehungswissenschaftlern und Psychologen, nachgegangen werden.
Besondere Aufmerksamkeit wird im Folgenden den Einsatzmöglichkeiten des Computers für den Musikunterricht (im Weiteren als MU bez.) in der Grundschule gewidmet: Gibt es didaktisch bzw. methodisch wertvolle Software für den MU, die von Lehrern bedenkenlos eingesetzt werden kann? Wer bewertet diese Software und nach welchen Kriterien? Und was haben Musiklehrer vor dem Einsatz des Computers im Unterricht grundsätzlich zu beachten? Nach Diskussion dieser Fragen soll in einer Zusammenfassung der Hauptfrage dieser Arbeit - ob der Einsatz des Computers im MU der Grundschule pädagogisch wertvoll ist oder nicht - nachgegangen werden.
2. Zur Verwendung des Computers in der Grundschule
Bevor die Meinungen verschiedener Pädagogen und Wissenschaftler zum Thema Computereinsatz in der Grundschule angehört werden sollen, ist der Blick zunächst auf die Vorgaben des Bildungssystems - in diesem Fall auf das Kerncurriculum für die Klassen eins bis vier - zu richten. Die Aufgabe der Schule ist es, den Schülern die im Kerncurriculum festgelegten Kompetenzen, zu vermitteln. Das Niedersächsische Kultusministerium fordert in den curricularen Vorgaben explizit den Umgang mit neuen Medien im Unterricht:
„In der Auseinandersetzung mit audiovisuellen und neuen Medien eröffnen sich den Schülerinnen
und Schülern erweiterte Möglichkeiten der Wahrnehmung, des Verstehens und des Gestaltens. Für den
handelnden Wissenserwerb sind Medien daher selbstverständlicher Bestandteil des Unterrichts.“ 9
Zu den hier erwähnten neuen Medien gehört in jedem Fall auch der Computer. Diesen in den Schulunterricht zu integrieren kann einerseits sinnvoll, andererseits aber auch pädagogisch fragwürdig sein.
Unter den Wissenschaftlern und Pädagogen gibt es zu diesem Thema viele Meinungen: Einige lehnen den Computereinsatz vehement ab, da sie glauben, dass Computer die kindliche Entwicklung behindern. Andere sehen im Medium Computer wiederum ein wichtiges und zukunftsweisendes Medium für den Schulunterricht, dessen Einsatz gefördert werden müsse. Der Großteil der Pädagogen ist allerdings der Ansicht, dass ein gezielter Einsatz des Computers,
9 HINTZE, Leonie et. al.: Kerncurriculum für die Grundschule. Hannover 2006. S.7
4
wenn dieser mit sowohl didaktisch als auch methodisch angemessener Software verwendet wird, die Motivation der Lernenden durchaus steigern und den individuellen Lernprozess fördern kann. Im Folgenden sollen Argumente für und gegen den Einsatz des PCs in der Grundschule aufgezeigt werden. Besondere Aufmerksamkeit soll hierbei den Erkenntnissen der Wissenschaftler und Pädagogen gewidmet sein, die dieses Thema differenziert betrachten.
2.1. Argumente gegen den Einsatz des Computers in der Grundschule
Ein wahrer Gegner des Computereinsatzes in Schulen ist der amerikanische Astronom und Computer- bzw. Internetkritiker Clifford Stoll. Er betrachtet sowohl die privaten Multimediageräte als auch den Computereinsatz in der Grundschule als Gefahr. Er behauptet:
„Was nützt einem Kind sein modisches Spielzeug, wenn es ihm im Unterricht an Aufmerksamkeit fehlt,
wenn es nicht mehr als einen Abschnitt lesen kann oder in der Lage ist, klare Gedanken zu fassen und
aufzuschreiben? […] Wenn Kinder ohnehin schon zu viel fernsehen, warum installiert man Multimedia-Systeme in den Schulen?“ 10
Dies sind sicherlich begründete Fragen, mit denen sich das Bildungssystem insgesamt, sowie Lehrer und Eltern, zum Schutz der Kinder, auseinandersetzen sollten.
Der Psychologe und Neurowissenschaftler Prof. Dr. Manfred Spitzer sieht Computer in Schulen ebenso ungern wie Stoll. Als er in einem Interview gefragt wird, ob er denn alle Computer von den Schulen wieder entfernen lassen würde, antwortet Spitzer:
„Ich würde erst gar keine anschaffen und das Geld lieber für zusätzliche Lehrer ausgeben. Die Geräte
veralten doch so schnell, dass man im Grunde in Müll investiert. In Baden-Württemberg haben wir letztlich
mehr als 200 Lehrer-Stellen nur für die Administration der Computer, das ist ein Skandal. Die sollten besser
mit den Kindern arbeiten.“ 11
Es scheint plausibel, dass Lehrer vor allem für den Unterricht mit den Schülern eingesetzt werden sollten und nicht zum Einrichten von Computersystemen. Für die administrativen Aufgaben in Schulen müsste im Grunde zusätzliches Personal angefordert werden, die in diesem Bereich speziell ausgebildet sind. Eine Schulform in der Computer bis zur 8. Klasse überhaupt keinen Platz finden ist die private Waldorfschule. Die Waldorfpädagogik begründet dies mit dem Argument: „Schule sollte Menschen untereinander und mit der Welt in einem Klima menschlicher Wärme real
10 STOLL, Clifford:
LogOut.
Frankfurt am Main. 2001. S.27
11 SPITZER, Manfred: Kinder lernen besser ohne Computer. Zürich 2007. S.3
5
vernetzen“ 12 .
Da Computer dazu nicht in der Lage seien, ist es für die ersten Schuljahre unnötig, Medien dieser Art einzusetzen. Zudem würde der Computerunterricht die genuine Sprach- und Sozialkompetenz hemmen, die wiederum nur in der Zuwendung zum Mitmenschen und nicht anhand eines technischen Surrogats entwickelt werden könne, so der Bund der deutschen Waldorfschulen. 13
2.2. Argumente für den Computereinsatz in der Grundschule
Befürworter des Computereinsatzes in Schulen würden dem eben genannten Argument der Walddorfschule sicher entgegensetzen, dass gerade der Sektor für Sprachensoftware besonders umfangreich sei und demnach sehr wohl eine sprachliche Kompetenz am Computer erworben werden könne; und dass auch die sozialen Probleme, wie z.B. fehlende menschliche Nähe etc., durch Zusammenarbeit im Netzwerk oder Gruppenunterricht am Computer behoben werden könnten. Befürworter des Computerunterrichts halten die Ansichten ihrer Gegner meist für altmodisch und realitätsfern:
„Der Computer gehört längst selbstverständlich zur Umgebung unserer Kinder im Grundschulalter.
Ob Kinder mit oder ohne Computer lernen sollen, ist so bedeutungsvoll wie der Streit, ob sie auf
Schiefertafeln oder Papier schreiben sollen: Selbstverständlich sind verfügbare Werkzeuge zu nutzen!“ 14
Schenkt man den Stimmen der Computerbefürworter jedoch besondere Aufmerksamkeit, so ist zumindest bei einigen von ihnen, recht bald ein wirtschaftliches oder politisches Interesse festzustellen.
Wenn z.B. der Leiter eines Softwareverlages Lernprogramme von hochqualifizierten Informatikern programmieren lässt, sich im Vorfeld aber nicht von Bildungsexperten bzw. Pädagogen beraten lässt (der Zeit- und Kostenaufwand wäre dabei um einiges höher), dann geht es ihm wohl vorrangig um den Verkauf seines Produkts und nicht um den Wunsch den Benutzern eine gute Bildung zu ermöglichen. Argumente die aus den Reihen der Wirtschaft hervorgehen und sich für den Computereinsatz aussprechen, sollten demnach besonders kritisch betrachtet werden. Wenn für Produkte mit Formeln wie „Pädagogisch wertvoll!“ oder „Spielend lernen mit Spaß!“ geworben wird und dabei nicht zu erkennen ist, welche wissenschaftliche bzw. pädagogische Institution dieses Lernmedium getestet hat, sollten diese Produkte besonders aufmerksam begutachtet werden.
12 Bund der freien Walddorfschulen: Was will Walddorfpädagogik? Auf: www.walfdorfschule.info. S.4
13 vgl. Ebda.: S. 4
14 HEYDEN, K.-H: Lernen mit dem Computer in der Grundschule. Berlin 1999. S.10
6
Neben wirtschaftlichen Interessen sollten auch manche Äußerungen, die aus der Politik zu diesem Thema hervorgehen, kritisch überdacht werden.
Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog scheint, aufgrund seiner Aussage auf dem Deutschen Bildungskongress in Bonn (1999), ein „wahrer Fan“ von Computern im Klassenzimmer zu sein, wenn er behauptet:
„Der Umgang mit dem Computer gehört aber wie das Lesen Schreiben und Rechnen heute zu den
selbstverständlichen Kulturtechniken, die fast in allen Fächern Auswirkungen haben.[...] Für mich steht fest:
Computer gehören in jedes Klassenzimmer! Es gab in den letzten Jahren eine große Anstrengung der Politik
und der Wirtschaft, unsere Schulen ans Netz zu bringen.“ 15
Wenn das höchste deutsche Staatsoberhaupt die These aufstellt, dass Computer auf die meisten Fächer in der Schule Auswirkungen haben, ist ihm damit teilweise recht zu geben. Ob diese Auswirkungen jedoch positiv für die Lernenden sind, wird in Herzogs Rede nicht offenbar. Fragwürdig ist aber, warum Herzog gleich jedes Klassenzimmer mit vernetzten Lerncomputern ausrüsten lassen will! Wäre dies ein Garant dafür, dass die Kinder leichter und motivierter, sprich „besser“ lernen?
Diesbezüglich könnte vermutet werden, dass die Politik und die Wirtschaft diese Anstrengungen unternehmen, damit der deutsche Bildungssektor im internationalen Vergleich konkurrenzfähig erscheint. So bemerkt Herzog im weiteren Verlauf seiner Rede: „Die USA haben vorgemacht, dass so etwas geht - als gemeinschaftliche Anstrengung von Staat und Wirtschaft.“ 16 Als maßgebend für unsere Bildung sieht Herzog vornehmlich nicht die Erkenntnisse der Erziehungswissenschaft, sondern eher das High-Tech-Edutainment 17 der USA. Die Forderung zur Anschaffung hunderttausender Computer für die Klassenzimmer würde Unsummen an Bildungsausgaben verschlingen, die Wirtschaft jedoch ankurbeln. Allerdings würden, wie Manfred Spitzer kritisch anmerkte, die Computersysteme in ein paar Jahren wieder veraltet sein. Ob die Massen vernetzter Computer in den Schulen überhaupt sinnvollen Einsatz fänden, sei zudem dahingestellt. Alternativ könnte der Staat für diese Gelder vielen unbeschäftigten Lehrerinnen und Lehrern eine Arbeit bieten, was wohl letztlich die pädagogisch wertvollere und menschlich sinnvollere Entscheidung wäre.
Nicht zu vergessen sind zudem die hohen laufenden Kosten für den Strom, die Administration und die Software der Schulcomputer. Ist der Kosten-Nutzen-Faktor dieser Großinvestition gerechtfertigt oder wäre es nicht völlig ausreichend, zunächst einmal ein bis zwei gut ausgestattete
15 HERZOG, Roman: Rede vom 13.4.1999 in Bonn. Auf: www.bundespräsident.de
16 Ebda.
17 „High-Tech-Edutainment“: unterhaltsames Lernen mit neuesten Medien
7
Computerräume pro Schule einzurichten?
An dieser Stelle soll ein Blick auf den UNO-Weltgipfel von 2005 geworfen werden, bei dem sich der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, für den Einsatz und die Entwicklung des „OLPC“ 18 ausspricht:
„Der 100 Dollar Laptop ist eine bedeutende technische Leistung. Er kann fast alles was größere und teurere
Computer können. Er verheißt ökonomische und soziale Fortschritte.“ 19
Dem schließt sich der Gründer des „OLPC“-Projekts, Nicolas Negroponte, mit den Worten an:
„Es wird nicht immer 100 Dollar kosten. Der Preis sinkt weiter. Wir versprechen den Regierungen, dass der Preis niedriger und niedriger und niedriger werden wird.“ 20
Vorrangig geht es hier also um Preise und technische Leistungen, die wirtschaftliche und ökonomische Fortschritte mit sich bringen sollen - von pädagogischem Nutzen oder gar von Kindern die zunächst etwas zu Essen brauchen, bevor sie für 100 Dollar Laptops für ihre Bildung kaufen gehen, spricht hier keiner. Das die Preise, gerade im Wirtschaftszweig der Computerhardware, weiter und weiter sinken werden, ist dazu nichts neues. Die „knallig-bunten“ „100-Dollar-Laptops“, die Herr Negroponte millionenfach verkaufen will, sind realistisch betrachtet nicht einmal die Hälfte wert. Diese Geräte entsprechen etwa den technischen Leistungen der Computer aus dem Jahre 2002. Negroponte stellt die Situation jedoch so dar, dass die Verbreitung seines „Bildungswunder-Laptops“ eine gutgemeinte Geste für „die Armen dieser Welt“ ist und - sei mir diese zynische Bemerkung an dieser Stelle bitte gestattet - sitzt dabei „händereibend“ vor seinem Rechner, um seinen Gewinn zu kalkulieren: 100 Millionen Laptops mal 100$ sind eine stattliche Summe, die wirtschaftlich gesehen nicht irrelevant ist. Besonders kritische Stimmen könnten behaupten, er habe eine „Bildungsmarktlücke“ gefunden. Dass sich nicht alle potenziellen Käufer, also die Regierungen der Schwellen- bzw. Entwicklungsländer, von Negroponte's „OLCP-Idee“ so unkritisch begeistern lassen, wie er es sich womöglich wünscht, beweist z.B. die indische Regierung durch Sudeep Banerjee. Dieser bezweifelt den pädagogischen Wert dieses Projekts von Grund auf und gibt zum Ausdruck, dass die Computer dem Ziel entgegenstehen könnten, die kreativen und analytischen Fähigkeiten der Kinder zu entwickeln. Eine Investition des Geldes in traditionelle Schulmittel, wie Schulgebäude und Lehrer wäre sinnvoller, so der Staatssekretär. Die Onlinezeitschrift Telepolis gibt zu denken, dass die finanziellen Mittel der
18 „OLPC“ bedeutet: „One Laptop per Child“ und ist ein sogenanntes Bildungsprojekt, bei dem Schwellen- bzw. Entwicklungsländer von führenden Computerherstellern mit Millionen von 100$-Laptops ausgestattet werden sollen.
19 ANNAN, Kofi. Ein Laptop gegen die Armut. UNO-Weltgipfel 2005. Auf: http//:vimeo.com/10394531. Zeit: ca. 2.Minute.
20 NEGROPONTE, Nicholas: Ein Laptop gegen die Armut. UNO-Weltgipfel 2005. Auf: http//:vimeo.com/10394531. Zeit: ca.2. Minute
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Arbeit zitieren:
Jonas Maiwald, 2010, Über den Einsatz des Computers in der Grundschule, München, GRIN Verlag GmbH
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