Luckmann definiert Religion funktionalistisch und anthropologisch: In der Religion transzendiert der Mensch sein biologisches Wesen und wird erst so zum Menschen. Religion zeigt sich schon in der Vergesellschaftung des einzelnen, in der Objektivierung subjektiver Erfahrungen und in der Individuation zum einzelnen. Das ist eine der breitesten Definitionen von Religion. Sie verfolgt die Absicht, ein möglichst breites Spektrum von Glaubensinhalten und sozialen Formen zu erfassen, die religiöse Funktionen erfüllen, ohne von dem eingeengt zu werden, was durch herkömmliche religiöse Institutionen als Religion bezeichnet wird. Diese Offenheit der Definition wird uns in späteren Schlussfolgerungen noch durchaus nützlich sein. Mann/Frau könnte auch sagen dass diese Definition auf alle Weltdeutungssysteme zutrifft, also auch auf die Naturwissenschaften. Religion wird zunächst, unspezifisch, durch eine anthropologische Funktion definiert: 5HOLJL|V LVW ZDV GLH HQJHQ *UHQ]HQ GHV XQPLWWHOEDUHQ (UOHEHQV HLQHV ÄQXU³ ELRORJLVFK verstandenen Wesens überschreitet. Aber Luckmann siedelt die Transzendenz des Religiösen, im Unterschied zu Durkheim, nicht erst auf der Ebene der Gesamtgesellschaft an. Das Religiöse selbst sei der Kern des Sozialen. Die religiöse Funktion der Bewältigung von Transzendenzen manifestiere sich schon auf der Ebene subjektiven Erfahrens und Handelns. Transzendenz meint also zunächst Sinntranszendenz. Transzendenz ist, was die unmittelbare Evidenz lebensweltlicher Erfahrung überschreitet. Die Konstruktion und die interaktive Vermittlung religiöser Deutungen in der Kommunikation bildeQDXFKGLHÄPDWHULHOOH%DVLV³ der Transzendenz. 2 Wissen wird interaktiv zu Deutungsmustern objektiviert und in kommunikativen Ereignissen vermittelt; vor allem in der Kommunikation wird das %HZXVVWVHLQÄREMHNWLY-³ sozial und sozialisiert. Die Überwindung von kleinen, zeitlichen und räumlichen Transzendenzen des eigenen Bewußtsseinsstroms gelingt nur mittels gewisser Schemata, die erst im Face- to- Face- Kontakt mit anderen eine gewisse Ä$XHQVWDELOLVLHUXQJ³ und Dauerhaftigkeit erlangen. Die Objektivierung von Erfahrungen in Deutungsmustern ist Ergebnis sozialer Handlungen. Jede signifikante subjektive Erfahrung ist die Frucht intersubjektiver Vorgänge, durch die subjektive Erfahrung in Deutungsschemata eingefügt werden können. Diese interpretativen Vorgänge haben ihre Basis in Face- to- Face-Interaktionen, wie sie am intensivsten während der Sozialisation eingeübt werden. Erst so
1 Nach Thomas Luckmann, Die unsichtbare Religion, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1993
2 Vergleich: R.S. Stark und W.S. Bainbridge, The Future of Religion. Secularization, Revival and Cult
Formation, Berkeley 1985
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wird die Abstraktion, die Ablösung von der Unmittelbarkeit der subjektiven Erfahrung, ermöglicht, zu der der Einzelne nicht fähig wäre. Interaktive Vorgänge bilden die strukturelle Basis jeder Transzendenz. Die soziale Konstruktion von Deutungsmustern führt zu Ä:HOWDQVLFKWHQ³ :HOWDQVLFKWHQ XPIDVVHQ QLFKW QXU Alltagswissen, sondern schließen auch Legitimationen ein. Wenn sich Wissen durch interaktive Vorgänge von der subjektiven Erfahrung abgelöst, als Deutungsmuster konstituiert hat, erlangt der einzelne die Fähigkeit, sein Verhalten langfristig zu steuern. 3 In der empirischen Wirklichkeit sind Weltansichten schon immer vorhanden, die wir im Lauf der Sozialisation internalisieren. Die Weltansicht ist dem Einzelnen immanent und transzendent zugleich. Die Weltansicht ist die universale Sozialform der Religion. 4
1.2. Zur Legitimation durch Religion nach Peter L. Berger 5
Religion legitimiert gesellschaftliche Institutionen, indem sie ihnen ontologisch gültigen Status verleiht; sie stellt sie in einen heiligen kosmischen Bezugsrahmen. Die älteste Form ist die Vorstellung, die institutionelle Ordnung sei eine direkte Spiegelung beziehungsweise Manifestation der göttlichen Weltstruktur. So entspräche das Verhältnis von Gesellschaft und Kosmos dem eines Mikrozensus zu einem Makrozensus. So werden irdische Macht, Herrschaft und Strafe sakrale Elemente. Das legitimatorische Mikrozensus- Makrozensus-Schema ist vor allem für primitive und archaische Gesellschaften typisch, lebt aber in den ÄJURHQ³ .XOWXUHQ LQ WUDQVIRUPLHUWHU :HLVH IRUW 5HOLJL|VH /HJLWLPDWLRQHQ EDXHQ GLH gesellschaftlich konstruierte Wirklichkeit in die letzte Wirklichkeit des Kosmos ein, in die Wirklichkeit als solche. So gewinnen die Institutionen den Anschein der Unveränderlichkeit, Beständigkeit und Stetigkeit. Doch tatsächlich sind Institutionen immer im Wandel begriffen, wie die Bedürfnisse zu menschlichem Handeln, auf denen sie beruhen. Die Kosmisierung der Institution verleiht dem subjektiven Bewusstsein einen Sinn für die kognitive und normative Richtigkeit des zu leistenden sozialen Rollenspiels. Legitimationen sind mit den äußersten Sanktionen gegen individuelle Abweichung von der Rollenvorschrift versehen. Religiöse Legitimationen ergeben sich aus menschlichem Handeln. Haben sie sich aber zu Sinnbildern kristallisiert, die Bestandteile der religiösen Überlieferung werden, können sie dem Handeln gegenüber ein gewisses Maß an Autonomie gewinnen. Religion dient zur Erhaltung einer gesellschaftlich konstruierten Welt, in der Menschen ihr Alltagsleben führen.
3 Vergleich: Th. Luckmann, Gelebte Zeiten- und deren Überschneidungen im Tages- und Lebenslauf, in: R.
Herzog und R. Koselleck, Epochenschwelle und Epochenbewusstsein. Poetik und Hermeneutik 12, München
1987.
4 Vergleich: J. Hach, Gesellschaft und Religion in der Bundesrepublik Deutschland, Heidelberg 1980
5 Nach Peter L. Berger, Zur Dialektik von Religion und Gesellschaft, Frankfurt am Main, 1973
4
1.3. Zum Mythos 6
Der Mythos enthält nicht nur Deutungen des Verhältnisses Mensch und Kosmos, Mensch und das Göttliche, er definiert auch kraft dieses Überbaus die Ordnung des Zusammenlebens der Menschen.
Ä'HU ,QKDOW GHV UHOLJL|VHQ %HZXVVWVHLQV OlVVW VLFK MH ZHLWHU ZLU LKQ ]X VHLQHQ 8UVSUQJHQ zurückverfolgen suchen, umso weniger von dem des mythischen Bewusstseins schHLGHQ³« Ä7URW]GLHVHUXQO|VOLFKHQ9HUZREHQKHLWGHU,QKDOWHYRQ0\WKRVXQG5HOLJLRQLVWGLH)RUP EHLGHU QLFKW GLH JOHLFKH³« Ä,QGHP VLFK GLH 5HOLJLRQ GHU VLQQOLFKHQ %LOGHU XQG =HLFKHQ bedient, weiß sie sie zugleich als solche- DOV$XVGUXFNVPLWWHO«³ 7
Nach Levi- Strauss findet mann/frau die Struktur unserer Gesellschaft nur auf der Ebene des Unterbewussten und nicht auf der Ebene des unmittelbar beobachtbaren. Die These, dass alle existierenden Gesellschaften auf einer gemeinsamen, universellen Struktur basieren (unabhängig von sich ändernden sozialen Realitäten), lässt sich seiner Auffassung nach vor allem in den Mythen belegen, da diese jeder Population bekannt sind. Diese unterbewussten Kategorien des menschlichen Verstandes bestehen aus binären Oppositionspaaren. Der Mensch versucht erfolglos, diese überall vorhandenen Gegensatzpaare, zu überwinden. Hier sieht Levi- Strauss die Funktion der Mythen: sie stellen die Gegensätze dar, die der Mensch wahrnimmt, von denen die Menschen meinen sie seien unüberwindbar. Durch die Darstellung der vermeintlich unüberwindbaren Urkonflikte der Menschen, kommt mann/frau dem Konstanten der menschlichen Natur nahe. 8
Das Interesse dieser Arbeit gilt dem Ausschnitt des Gesamtsystems, der speziell Frauen unter Strafandrohung stellt und ihr Verhalten damit in eine gewünschte Richtung lenkt. Das Instrumentarium, das hierfür eingesetzt wurde und wird, arbeitet großteils sehr subtil mit Bildern und Geschichten, die als Vorbilder Belohnung versprechen, andererseits aber auch als abschreckende Beispiele dienen, die bestraft werden müssen. Im Folgenden wird es darum gehen, wie auf der symbolischen Ebene der Mythen mit der Strafangst gearbeitet wurde, um die Dominanz der Männer über die Frauen zur Norm zu machen. Daraus ergibt sich die Frage, wer die Macht hatte, solche Manipulationen durchzuführen.
0D[ :HEHU ]XIROJH EHGHXWHW 0DFKW ÄMHGH &KDQFH LQQHUKDOE HLQHU VR]LDOHQ %H]LHKXQJ GHQ eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance
6 0\WKRVÄ(U]lKOXQJRGHU$XVVDJHber Ursprung und Ursache zentraler Vorstellungen und Erscheinungen
einer Gesellschaft, die es erleichtert, Kollektiven eine Sinnorientierung zu vermitteln, um das Wir- Gefühl zu
VWlUNHQ³*5HLQKROGSoziologie- Lexikon, 4. Auflage 2000, Oldenbourg Verlag München Wien, Seite 458
7 E. Cassirer, Die Dialektik des mythischen Bewusstseins, in K. Kerenyi: Die Eröffnung des Zugangs zum
Mythos, Darmstadt 1997, Seite 175 f.
8 Vergleich: Levi- Strauss, Claude, Die Struktur der Mythen, in: Strukturale Anthropologie 1, Frankfurt am
Main, 1958
5
beruht. Der BegULII C0DFKWC LVW VR]LRORJLVFK DPRUSK³ 9 Unter amorph versteht er Machtstrategien, die nicht auf der Ebene von Befehl und Gehorsam, sondern im Indirekten und Verborgenen funktionieren. Auch die Untergeordneten können unter bestimmten Bedingungen die Handlungen der Mächtigen in ihrem Sinn beeinflussen. Für die mesopotamischen Hochkulturen, am Bespiel von Babylon, sind bis circa 2000 vor Christi mächtige Priesterinnen belegt; es ist anzunehmen, dass zumindest ein Teil der Gebete an die von ihnen vertretenen Göttinnen von diesen Priesterinnen stammt. Innerhalb von tausend Jahren wurden die Göttinnen im Himmel und ihre Vertreterinnen auf Erden nach und nach entmachtet und unter männliche Vorherrschaft gebracht. Daher ist anzunehmen, dass auch der weibliche Anteil an der Meinungsführerschaft immer mehr zurückging, bis ausschließlich Männer- parallel zur politischen Macht- das Feld der symbolischen Ebene beherrschten. Ähnliche Entwicklungen gab es in Griechenland. Es gibt viele Beispiele für Überwältigung, Vergewaltigung und Unterdrückung der in Griechenland verehrten Göttinnen und ihrer Priesterinnen durch die neuen Götter. Vergewaltigung hat Demonstration von Macht, nur wenig mit Sexualität, zu tun. Auf der symbolischen Ebene machten sich die neuen Herren die Frauen Griechenlands untertan, und es kann davon ausgegangen werden, dass dies ebenso häufig auf der realen Ebene geschah, wie es bei Eroberern heute noch üblich ist. 10 Das folgende sind Merkmale, die sich für die Manipulation, dem ideologischen Missbrauch, der Mythen über die Rollenverteilung der Geschlechter als charakteristisch erwiesen: 11
Den Frauen wird grundsätzlich eine unheilvolle Wirkung nachgesagt.
Diese Behauptung wird als Begründung benutzt, um eine neue Ordnung einzuführen, die ausschließlich von Männern bestimmt wird.
In vielen Mythen aus diesem Themenkreis spielt die Gewalt eine wesentliche Rolle.
Zur Schützung und Legitimierung der Männerherrschaft wird die symbolische Ebene neu besetzt.
Die symbolische Ebene wird als Herrschaftsinstrument benutzt, das mit der Angst vor Strafe arbeitet.
Jede Gesellschaft gibt sich ein System von Regeln und Normen, das das Miteinanderleben ordnet und bestimmt. Jede Gesellschaft bildet ein Instrumentarium aus, mit dem Verstöße gegen diese Regeln mit Sanktionen geahndet werden.
9 Weber, Max, Wirtschaft und Gesellschaft, Tübingen/ Mohr 1980, Seite 28
10 Vergleich: Torjesen, Karen Jo, Als Frauen noch Priesterinnen waren, Frankfurt am Main, 1994.
11 Nach Tornau, Hildegard, Der Mythos vom Sündenfall, Verlag Frauenoffensive- München, 2002
6
Ä-HGH,QVWLWXWLRQDXFKHLQHUHOLJL|VHEHVLW]WHLQDXVJHVSURFKHQHV,QWHUHVVHGDUDQVLFKGXUFK die Strafangst eines drakonischen Über- Ich zu verfestigen und durch die Abhängigkeit des Ich von breit ausgeprägten Denktabus unangreifbar zu macheQ³ 12 1.3.1. Eine Auswahl exemplarischer Mythen, die Religionen dazu nutzen die Unterdrückung
der Frau zu legitimieren.
1.3.1.1. Der Mythos der Pandora:
«Ä'DV NUlQNWH LQ LQQHUVWHU 6HHOH GHQ KRFKGRQQHUQGHQ =HXV 6HLQ +HU] EHUZlOWLJWH Ingrimm, als er sah bei den Menschen den Glanz weitleuchtenden Feuers, und sofort für das )HXHUHUVFKXIHUGHQ0HQVFKHQHLQ8QKHLO³« 13
Pandora, die zur Rache zur Erde gesandt wurde, gilt als die erste Frau, von der alle anderen Erdenfrauen abstammen. Denn die Menschen wurden als selbstverständlich behandelte Tatsache mit Männern gleichgesetzt.
'DV8QKHLOGDV+HSKDLVWRVDXI%HIHKOGHV=HXVKHUVWHOOWHZLUGLQGHUÄ7KHRJRQLH³DOVÄ%LOG einer züchtigen Jungfrau³EH]HLFKQHW(UVWLPVSlWHUHQÄ:HUNHXQG7DJH³GHV+HVLRGZLUGVLH Ä3DQGRUD³JHQDQQW$XV/HKP JHIRUPWZXUGHVLHYRQ$WKHQHPLW6FK|QKHLW6FKPXFNXQG Schleier ausgestattet. Pandora war schön, dumm, bösartig und faul, meint Hesiod. Zeus schickte sie als Geschenk zu Epimetheus, dem Bruder des Prometheus, mitsamt einem Kästchen, das nach der Warnung des Prometheus nicht geöffnet werden sollte. Doch Pandora hat es geöffnet, und alle Übel dieser Welt wurden freigesetzt. So kam durch Pandora, die erste sterbliche Frau, das Unglück über die Menschen. Zwar wird im Verlauf der Geschichte nicht sie bestraft, wohl aber durch sie alle künftigen Erdenfrauen, indem sie mit ihren Charakterzügen gleichgesetzt wurden: dumm, bösartig und faul. «³'LH8QVWHUEOLFKHQVWDXQWHQXQGDXFKGLHVWHUEOLFKHQ0HQVFKHQDOVVLHGHQMlKHQ%HWUXJ zu der Menschen Verderben gewahrten ± denn es entstammte von ihr die Reihe blühender Frauen-. Unheil bringend wohnen sie unter den sterblichen Männern, ohne die schlimme Not ]XWHLOHQDEHUGDV:RKOVHLQÄ« 14
Die Männer werden belastet, beschädigt und deshalb auch allein durch die Existenz des Geschlechts der Frauen bestraft, die angeblich dumm, bösartig und faul sind. Die Frauen werden durch etwas bestraftGDVLPFKULVWOLFKHQ%HJULIIGHUÄ(UEVQGH³HQWKDOWHQLVW6LHVLQG von Geburt an durch ihre Definition als Frau dumm, bösartig und faul, und darüber hinaus Schuld daran, dass alle Übel in die Welt gekommen sind. Es spielt keine Rolle, dass all das
12 Drewermann Eugen, Strukturen des Bösen, Schöningh, Paderborn, 1978, Seite362
13 Hesiods Theogonie, Original-Übersetzung von Thassilo von Scheffer, in H.W. Stoll, Die Sagen des
klassischen Altertums, Weltbild Bücherdienst, Wien, Seite 5 f.
14 Hesiods Theogonie, Original-Übersetzung von Thassilo von Scheffer, in H.W. Stoll, Die Sagen des
klassischen Altertums, Weltbild Bücherdienst, Wien, Seite 5 f.
7
Übel, in der Büchse der Pandora, von den Göttern zum Zweck der Bestrafung hergestellt wurde, wie auch die Unglücksbringerin selbst: es wird den Frauen angelastet. 1.3.1.2. Der christliche Sündenfall:
In der Bibel fällt auf, dass es zwei unterschiedliche Versionen der Entstehung des ersten Menschenpaares gibt.
Im ersten Kapitel der Genesis steht folgendes: «³8QG*Rtt schuf den Menschen ihm zum %LOGH]XP%LOGH*RWWHVVFKXIHULKQXQGHUVFKXIVLHHLQHQ0DQQXQGHLQ:HLE³« 15 Gott habe also einen Mann und eine Frau geschaffen, die gleichberechtigt waren. Später aber, im zweiten Genesis Kapitel entsteht zuerst der Mann, Adam, und erst später die Frau, Eva, aus der Rippe des Mannes. Sie ist ihm also nicht ebenbürtig, sondern nur seine Gehilfin und ein Teil von ihm. %HUHLWVLP1HXHQ7HVWDPHQWIROJHUW3DXOXVGDUDXVÄ'HU0DQQ ist das Abglanz Gottes, die Frau aber nur der $EJODQ]GHV0DQQHV³ 16
Im Sündenfall, drittes Genesis Kapitel, wird durch die Schlange bei Eva das Bedürfnis erzeugt den Apfel zu essen und so die Erkenntnis über Gut und Böse zu erlangen. «³'DUDXIVDJWHGLH Schlange zur Frau: Nein ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, JHKHQ HXFK GLH $XJHQ DXI LKU ZHUGHW ZLH *RWW XQG HUNHQQW *XW XQG %|VH « 'D JLQJHQ EHLGHQ GLH $XJHQ DXI XQG VLH HUNDQQWHQ GDVV VLH QDFNW ZDUHQ³« 17 Nachdem Eva Adam zum essen der Frucht verführt hat, begehen also beide die so genannte Erbsünde. Eva hat geringere Verstandeskräfte, daher unterliegt sie den Betörungen der Schlange. Die Frau verführt den Mann, der ohne sie der Schlange nicht erlegen wäre. Daher ergibt sich in der Patristik eine Zuordnung der BereiFKH Ä%|VHV- Sünde- Schlange, Tod- Teufel-Leidenschaften- )UDX³XQGDXIGHUDQGHUHQ6HLWHÄ*XWHV- Gott- Mann- 9HUQXQIWXQG*HLVW³ Durch die Frau kam die Sünde in die Welt. Die Sünde wird durch die Frau weitergegeben. Dann greift die strafende Hand Gottes ein. Nachdem Adam höchst kläglich die Schuld an der Übertretung des Gottesgebotes auf Eva abzuschieben versucht hat, fällt Gott seinen Urteilsspruch. Adam, dem von Gott bescheinigt wird, seine Schuld bestehe nur darin, der Stimme seines Weibes gehorcht zu haben, wird mit Arbeit auf dem Acker bestraft. Evas Strafe aber geht weiter: «Ä,FKZLOOGLUYLHO6FKPHU]HQVFKDIIHQZHQQGXVFKZDQJHUZLUVWGX sollst mit Schmerzen Kinder gebären; und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, und er soll dein Herr sein.³«Noch eine Strafe, die hier nicht ausgesprochen wird, ist die Arbeit, zu der nicht nur Adam, sondern auch Eva verurteilt wird. Die Bibel übersieht die Tatsache, dass in der nachparadiesischen Existenz des Menschen auch Frauen im hohen Maße mit der
15 Die Bibel, Genesis, 1. Kapitel, Vers 27
16 Neues Testament, 1. Kor 11,7
17 Die Bibel, Genesis, 2. Kapitel
8
lebensnotwendigen Arbeit bestraft werden. Neben den Schmerzen der Geburt und der nicht JHQDQQWHQ$UEHLWLVWGLHIROJHQUHLFKVWH6WUDIHGDV*HERWÄ(UVROOGHLQ+HUUVHLQ³ 1.3.1.3. Zum jüdischen Lilith- Mythos:
Die Lilith- Geschichte wurde nicht in die christliche Genesis aufgenommen, lebte aber in der jüdischen Mythologie weiter.
Ä$OV*RWW$GDPHUVFKXIVDJWHHU(VLVWQLFKWJXWGDVVGHU0HQVFKDOOHLQVHL'DKHUVFKXIHU für ihn eine Gehilfin aus der gleichen Erde und nannte sie Lilith. Sobald sie geschaffen war, begann sie einen Streit und sagte: Weshalb soll ich unten liegen? Ich bin ebensoviel wert wie du, wir sind beide aus Erde geschaffen. Als aber Lilith sah, dass sie Adam nicht überwältigen konnte, sprach sie den unaussprechlichen Gottesnamen aus und flog in die Luft. Adam betete und sagte: Herr der Welt. Die Frau, die du mir gegeben hast, ist von mir gegangen. Darauf sandte Gott drei Engel, die sie zurückholen sollten. Diese sagten zu ihr: Gott hat beschlossen: Wenn du zurückkehren willst, ist es gut. Wenn nicht, dann musst du als Strafe es auf dich nehmen, dass jeden Tag hundert Kinder von dir sterben. Die Engel suchten Lilith und fanden sie im reißenden Wasser, in dem später die Ägypter ertrinken sollten. Sie meldeten ihr den göttlichen Befehl. AbeUVLHZHLJHUWHVLFK]XUFN]XNHKUHQ«³ 18
Lilith figuriert als erste Frau Adams in der jüdischen Schöpfungsgeschichte. Sie entsteht aus der Erde wie er. Zwei ungleiche Geschlechter werden geschaffen, und sie geraten sofort nach ihrer Schöpfung in Streit. Als ebenbürtiggeformte löst Lilith den, vom Christentum geleugneten, Geschlechterkonflikt aus. Sie spiegelt nicht die Selbstbetrachtung des Mannes, sie ordnete sich nicht unter. Wissend spricht sie den Namen Gottes aus. Dafür wird sie verflucht und verbannt. Die Gleichstellung der Geschlechter ist nicht vermittlungsfähig. Im Namen des männlichen Gottes wird Lilith in die Unterwelt gebracht, zur Hexe und Dämonin gemacht. Die Frau zerfällt in zwei Figuren: in eine Gestalt des Tages, sich unterordnend, und in eine Figur der Nacht, die bedroht. Die Tagesgestalt Eva ist nicht mehr aus Erde, sondern aus Adams Rippe entstanden. Ihre Inferiorität ist damit gefasst als Abgestammte und Stück des Mannes. Eva wir die zulässige Gestalt, aber sie hat den Makel des entmachteten Geschlechts als Mahnung an die Deportation aus dem Paradies, an den Sündenfall. 19 1.3.1.4. Lilith- Variante der Yoruba in Westafrika: Ä(VODJHQDP$QIDQJDOOHU'LQJHGHU*RWWGHV+LPPHOV2EDWDOODXQGGLH*|WWLQGHU(UGH Odudua, eingepresst in einer Kalebasse. Sie hatten zusammen sieben Ringe. Wenn sie nachts beieinander lagen, legten sie diese an, und zwar immer der, der oben lag, die ersten vier, der, der unten lag, die restlichen drei Ringe. Eines Tages wollte Odudua oben liegen, um die vier
18 Alphabet des ben Siva, aus dem 9. und 10. Jahrhundert
19 Nach Pareso, Ursula und Ursula Pfäfflin, Neue Mütterlichkeit, 1994
9
Ringe anlegen zu können. Der Himmelsgott wollte dies nicht. Der Streit hatte zur Folge, dass die Kalebasse aufsprang. Der untere Teil der Kalebasse mit Odudua senkte, der obere Teil mit 2EDWDOODKREVLFK6RHQWVWDQGHQ+LPPHOXQG(UGH³ 20
Der Streit um das Oben- und Unterliegen bekommt kosmische Dimensionen. Erst durch die Weigerung der Göttin, weiter unten zu liegen, zerspringt die Kalebasse, und es entsteht die Welt mit all ihren Geschöpfen und der Himmel mit seinen Gestirnen. Da bei den Hebräern Gott alleine die Welt erschaffen hat, wird das Bild des ursprünglichen göttlichen Paares in seinem Streit um oben und unten umgeformt in die Probleme des ersten Menschenpaares, die mit der Bestrafung der aufsässigen Frau enden und so den Geschlechterkampf gleich zu Beginn des menschlichen Lebens zugunsten des Mannes entscheiden.
2. Zur Säkularisierung und ihren Folgen bezüglich der Legitimation der
Säkularisierung bezeichnet nicht nur einen Schwund an Religion; die Sozialstruktur selbst ZLUGVlNXODULVLHUW:lKUHQGVLFKLQGHQ.LUFKHQHLQHÄLQWHUQH6lNXODULVLHUXQJ³YROO]LHKWVLH erfüllen zunehmend andere als religiöse Funktionen), weist das alltägliche Verhalten breiter Bevölkerungsschichten in Industriegesellschaften keine, oder nur schwache, Verbindung mit der Religion etablierter Kirchen auf. Das von den spezialisierten Institutionen getragene ÄRIIL]LHOOH 0RGHOO³ GHU 5HOLJLRQ KDW QXU QRFK *HOWXQJ LQ LKUHP DXVJHJUHQ]WHQ %HUHLFK 'LH Kirche wird zu einer Institution unter vielen, ohne dass ihre Interpretation der Wirklichkeit eine bevorrechtete Stellung einnimmt. Weltliche Sinndeutungssysteme treten mehr und mehr DQ LKUH 6WHOOH 6LH VLQG $XVGUXFN GDIU GDVV GLH .LUFKH GDV Ä'HXWXQJVPRQRSRO³ HLQJHEßt hat. Unter diesen Bedingungen kann eine verpflichtende Weltansicht aus strukturellen Gründen nicht mehr vermittelt werden; diese Aufgabe wird zwar teilweise von den Kirchen ZHLWHUKLQ ]X HUIOOHQ YHUVXFKW DXIJUXQG LKUHU Ä5DQGVWlQGLJNHLW³ DOV HLQHU VSH]Lalisierten Institution unter vielen aber gelingt ihr die einheitliche Integration breiter Bevölkerungsschichten nicht mehr. Diese Aufgabe wird jetzt von anderen, sekundären Institutionen übernommen. Ä'LH5HOLJLRQILQGHWVRLKUHHWKQLVFKH%DVLVPHKUXQGPHKr in der 3ULYDWVSKlUH EHVRQGHUV LQ GHU )DPLOLH XQG LKUHQ VR]LDOHQ %H]LHKXQJVJHIOHFKWHQ«=XGHP ZLUG GLH 5HOLJLRQ LPPHU GLHVVHLWLJHU LQ LKUHU 2ULHQWLHUXQJ« 5HOLJLRQ ZLUG LQ LKUHU Ausrichtung somit interpersonal (zwischenmenschlich) und inward (innerlich) zugleich,
20 Frobenius, Leo, Vom Kulturreich des Festlandes, 1923, Wegweiser Verlag, Berlin, Seite 112
21 Nach Th. Luckmann, Säkularisierung- ein moderner Mythos; in ders.: Lebenswelt und Gesellschaft:
Grundstrukturen und geschichtliche Wandlungen, Paderborn, 1980
10
wobei die erstgenannte Eigenschaft sich auf soziale Beziehungen in der Privatsphäre bezieht XQGGLH]ZHLWHDXIGLH,GHQWLWlWVSUREOHPHLQHEHQGLHVHU6SKlUH³ 22
Die privatisierte Religion ist nicht privat im wortwörtlichen Sinne; sie ist es nur so, dass ihre intersubjektive Resozialisierung auf enge Grenzen stößt, die strukturell genau die Ursachen haben, die auch zur Privatisierung führten. Die religiösen Inhalte entstehen nicht nur zusehends in der Privatsphäre, sie haben auch individuelle Themen zum Inhalt. 23 Gelegentlich wird zwischen Subjektivierung und Privatisierung kein Unterschied mehr erkenntlich. 24 Privatisierung kann auch als eine bloße Verlagerung der Entscheidung zur Religion verstanden werden. Analog zur Privatisierung entsteht ein religiöser Pluralismus, der sich besonders in der Formierung sekundärer Institutionen äußert. Eine Folge der Privatisierung und Pluralisierung der Religion, den zwei Seiten derselben Medaille, ist die ansteigende Marktorientierung religiöser Organisationen. Marktorientierung heißt auf der einen, SOXUDOLVWLVFKHQ 6HLWH HLQH Ä$XVGLIIHUHQ]LHUXQJ³ GHV UHOLJL|VHQ $QJHERWV GLH VLFK LQ GHU internen Säkularisierung der Kirchen und in der Bildung der verschiedenen Synkretismen der sekundären Institutionen äußert. Auf der privatistischen Seite des Subjekts entspricht dem eine zunehmende Konsumorientierung. Die wechselhaften Ansprüche der Privaten Bedürfnisse führen zu einer Diffusion von Glaubensinhalten, die umso stärker wird, je mehr die großen religiösen Institutionen an Einfluss verlieren. In der neuen Sozialform der Religion vermischen sich die unterschiedlichen Traditionen.
Die Kirche hat nicht mehr das Deutungsmonopol auf die Geschlechterverhältnisse, sie wurde seit der Aufklärung 25 in Europa von den Naturwissenschaften weitgehend diesbezüglich abgelöst, die bemüht sind die Machtverhältnisse weitgehend aufrechtzuerhalten. Bezüglich der Geschlechtverhältnisse hat die Biologie und Medizin heute das Deutungsmonopol.
2.2. Zur Legitimation sozialer Differenz durch die Biologie
Der biologische Determinismus ist eine reduktionistische Begründung der menschlichen Existenz mit einer Kausalitätsrichtung, die von Genen zu Individuen und von Individuen zur Menschheit verläuft. Aber er ist mehr als eine einfache Erklärung. Denn wenn die Organisation der menschlichen Gesellschaft eine unmittelbare Folge unserer Biologie ist, kann keine Maßnahme eine bedeutsame Änderung der Gesellschaftsstruktur oder der relativen
22 P.L.Berger und Th. Luckmann, Secularization and Pluralism, 1966, S. 81
23 Vgl. A. Kreier, Religionssoziologie zwischen Theorie, Apologie und Kritik der Religion, Frankfurt/Main 1986
24 M. Schibilsky, Religiöse Erfahrung und Interaktion, Stuttgart 1976
25 Aufklärung, auch Zeitalter der Aufklärung (englisch Age of Enlightment, französisch Siècle des lumières),
Bezeichnung einer geistesgeschichtlichen Epoche des 18. Jahrhunderts in Europa, insbesondere in Frankreich,
England und Deutschland, in der unter der Maßgabe einer Herrschaft der Vernunft weit reichende
philosophische, soziale und politische Veränderungen vor sich gingen. Microsoft Encarta Enzyklopetie 2000
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Stellung von Individuen und Gruppen bewirken. Was wir sind, sind wir von Natur aus; wir sind damit festgelegt. Die Besonderheit des Menschen hat ihren Sitz überwiegend in unserem Gehirn. Sie äußert sich in der Kultur, die auf unserem Intellekt aufbaut und der Macht, die dieser uns über die Welt erlaubt. Menschliche Gesellschaften ändern sich durch Kulturentwicklung, nicht aufgrund naturbedingter Veränderungen. 26 Durch das deterministisches Argumentationsmuster leistet die Naturwissenschaft ihren Anteil zur Fundierung der bestehenden Hierarchie zwischen den Geschlechtern. Biologische Differenzen verwandeln sich in Zuschreibungen über das weibliche und männliche Wesen an sich, das sich nur im Rahmen seiner anatomischen Grundausstattung ausbilden und entfalten kann.
2.2.1. Nun einige Bespiele für die Diskriminierung der Frau durch ÄELRORJLVFKH)DNWHQ³: 2.2.1.1. Die Phrenologie (Schädelforschung) im 19. Jahrhundert: J. McGregor Allen: ³No distinctions in the minds of men and women! Nature flatly contradicts the absurd assertion, and warns against encouraging this foolish and mischievous IODWWHU\RIZRPHQ«$VLWLVWKHVHGRFWULQHVKDYHDPRVWEDQHIXOHIIHFWLQXQVHWWling society. « 7KRXVDQGV RI \HDUV KDYH DPSO\ GHPRQVWUDWHG WKH PHQWDO VXSUHPDF\ RI PDQ DQG DQ\ attempt to revolutionise the education and status of women on the assumption of an imaginary VH[XDOHTXDOLW\ZRXOGEHDWYDULDQFHZLWKWKHQRUPDORUGHURIWKLQJV´ 27 2.2.1.2. 'LH'HEDWWHQXPGHQÄSK\VLRORJLVFKHQ6FKZDFKVLQQGHV:HLEHV³ 28 : In ihnen musste das geringere Gehirngewicht von Frauen zum Beweis ihrer eingeschränkten intHOOHNWXHOOHQ )lKLJNHLWHQ KHUKDOWHQ 'LHVHU Ä%HZHLV³ JHULHW LQV :DQNHQ DOV HLQ %OLFN LQV Tierreich offenbarte, dass Elefanten dem männlichen Menschen in puncto Gehirngewicht haushoch überlegen sind. Da das männliche Geschlecht sich mit diesem Vergleich nicht anfreunden konnte, wurde das Gehirngewicht durch das Körpergewicht dividiert. Als sich herausstellte, dass Frauen im Vergleich zum Körpergewicht ein größeres Hirn haben, wurde GLHVHÄ7KHRULH³UHYLGLHUWXQGGLHEHL0lQQHUQJU|HUHQ)URQWODSSHQ]X8UVSUXQgsort geistiger Fähigkeiten erklärt.
Derartige Argumentationen waren wichtig im konservativ- reaktionären Kampf gegen die Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts. Denn die Mitglieder der Emanzipationsbewegungen forderten das Recht der Frauen auf Bildung und akademische Studien, sowie das weibliche Wahlrecht.
26 Nach Gould, Stephen Jay, Der falsch vermessene Mensch, Frankfurt 1988
27 Allen, J. McGrigor, in: Journal of the Anthropological Society 7, ccxv, ccxiii,1869
28 Vergleich: Möbius, Paul J., Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes, Halle, 1905
12
2.2.1.3. Die Soziobiologie des 20. und 21. Jahrhunderts 29 :
Die Soziobiologie beginnt mit einer modernen Fassung dessen, warum es bei der natürlichen Zuchtwahl eigentlich geht- dem unterschiedlichen Fortpflanzungserfolg von Individuen. Die Soziobiologen beleuchten unsere Verhaltensweisen mit diesem Prüfstein im Sinn. Erkennen sie ein Verhalten, das insofern angepasst scheint, als es den Genen eines Individuums weiterhilft, erfinden sie eine Geschichte, wie es entstanden sein könnte. Diese Behauptungen werden durch Beobachtungen im Tierreich (!) unterstützt. Dem sexuellen Geschlechterdimorphismus entspricht nach Ansicht der Soziobiologen ein
Verhaltensdimorphismus. So erklärt sich angeblich, warum Männer das eine tun und das andere lieber Frauen überlassen.
2.2.1.4. Die Theorie der Spezialisierung der beiden Hirnhemisphären: Danach ist die linke Gehirnhälfte zuständig für die Bewältigung analytischer, sprachlicher und mathematischer Aufgaben und die rechte Hälfte für nichtverbale, räumliche und emotionale Wahrnehmungs- und Verarbeitungsweisen. Festgestellt wurde auch hier wieder ein entscheidender Unterschied zwischen Männern und Frauen. Das Gehirn der Frauen ist angeblich weniger spezialisiert als das der Männer, und so bestätigt sich, was man schon immer wusste: Frauen sind das emotionalere Geschlecht. Auf diese Weise verbleibt die Ratio beim Mann. 30
Der Mensch ist aber nicht das Vollzugsorgan seiner Anatomie! Die Ursachen der Diskriminierung des weiblichen Geschlechts liegen in der patriarchalen Kultur, die bestimmt was weiblich an Frauen und männlich an Männern ist, beziehungsweise sein sollte. Das biologische Geschlecht hat keinen anderen Erklärungswert als seine bloße Existenz! Im Vergleich zur Religion könnte mann/frau zusammenfassend sagen: Während in höchst moralischen Welterklärungssystemen Frauen als bösartig, faul und dumm dargestellt wurden; wurden und werden in Erklärungssystemen welche die Logik besonders hochhalten Frauen als dumm, emotional und unlogisch dargestellt. Was bleibt ist die angebliche Minderwertigkeit der Frau.
29 1DFK9RUOHVXQJÄEinführung in die Sozialpsychologie³EHL8QLY- Doz. Tit. Ao. Prof. Dr. Gerald Steinhardt,
Wintersemester 2000/01, Universität Wien, am 27. 01. 2001
30 Vergleich: Witelson, Sandra, Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Neurologie der kognitiven
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Arbeit zitieren:
Mag.a Lena Rheindorf, 2003, Legitimiation von Geschlechterdifferenzen durch "Wissens"-Systeme, München, GRIN Verlag GmbH
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