II
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
Abk ürzungsverzeichnis VIII
1 Einleitung 1
1.1 Inhaltliche Einführung 1
1.2 Historische Entwicklung des Campingtourismus in Deutschland 2
1.3 Zielsetzung und Methodik 5
1.4 Aufbau der Arbeit 6
2 Theoretische Grundlagen zum Campingtourismus 8
2.1 Begriffsdiskussion Camping 8
2.2 Abgrenzung des Campingbegriffs 10
2.2.1 Dauercamping vs. touristisches Camping 11
2.2.2 Camping und Caravaning 13
2.3 Camping als Segment der Tourismuswirtschaft 14
2.3.1 Einordnung in den touristischen Straßenverkehr 16
2.3.2 Einordnung in das Beherbergungswesen 18
2.3.3 Eigenschaften und Besonderheiten des Campingtourismus 20
2.4 Einführung in den Campingtourismusmarkt 22
2.4.1 Das Marktmodell 22
2.4.2 Marktbeeinflussende Faktoren 24
III
3 Analyse der Nachfragestruktur 26
3.1 Quantitative Betrachtung der Campingnachfrage 26
3.1.1 Campingübernachtungen 26
3.1.2 Regionale Verteilung der Übernachtungen 28
3.1.3 Ausländische Campingnachfrage 30
3.1.4 Saisonale Verteilung der Campingnachfrage 32
3.2 Betrachtung soziodemographischer Merkmale 35
3.2.1 Alter 35
3.2.2 Reisegruppengröße 38
3.2.3 Bildung, Beruf und Einkommen 40
3.3 Verhaltenspsychologische Betrachtung 41
3.3.1 Motive 41
3.3.2 Image und Einstellungen 43
3.3.3 Verhaltensmerkmale der Camper 45
3.3.3.1 Umweltverhalten der Camper 45
3.3.3.2 Dauer- vs. Touristikcamper 47
3.3.3.3 Reisemobilisten vs. Caravaner 48
3.4 Anforderungen an das Campingplatzangebot 51
4 Analyse der Angebotsstruktur 54
4.1 Analyse des Campingplatzangebotes 54
4.1.1 Kapazitätsverteilung in Deutschland 55
4.1.2 Die Campingplatzinfrastruktur 57
4.1.2.1 Das touristische Produkt Campingplatz 59
IV
4.1.2.2 Best-Practice-Beispiele 61
4.1.2.3 Kritische Würdigung 64
4.2 Qualitätsauszeichnungen im Campingtourismus 64
4.2.1 BVCD-DTV-Klassifizierung 65
4.2.2 ADAC-Klassifizierung und Auszeichnungen 67
4.2.3 Bundeswettbewerb „Vorbildliche Campingplätze in Deutschland“ 69
4.2.4 ECOCAMPING 70
4.3 Analyse der Campingfahrzeugindustrie 71
4.3.1 Campingfahrzeuge und -ausrüstung 71
4.3.2 Produkte der Campingfahrzeugindustrie 74
4.3.2.1 Wohnwagentypologisierung 74
4.3.2.2 Reisemobiltypologisierung 77
4.3.2.3 Kritische Würdigung 79
5 Vermarktung des Campingtourismus in Deutschland 80
5.1 Anwendung der Marketing-Instrumente im Campingtourismus 80
5.1.1 Preispolitik 80
5.1.2 Vertriebspolitik 83
5.1.3 Kommunikationspolitik 85
5.2 Handlungsempfehlungen 87
6 Schlussbetrachtung 89
6.1 Trends und Tendenzen 89
6.2 SWOT-Analyse 91
6.3 Fazit 92
V
Anhang X
Literaturverzeichnis XLI
VI
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Historische Entwicklung des Campingwesens in Deutschland
Abb. 2: Abgrenzung des Campingbegriffs
Abb. 3: Typologie der Freizeitfahrzeuge
Abb. 4: Das Marktmodell im Campingtourismus
Abb. 5: Entwicklung der Übernachtungen im Touristikcamping
Abb. 6: Übernachtungen im Touristikcamping - Bundesländerbetrachtung
Abb. 7: Ausländische Übernachtungen - Bundesländerbetrachtung
Abb. 8: Saisonverlauf im Touristikcamping 2007
Abb. 9: Anteil regelmäßiger Camper pro Altersgruppe
Abb. 10: Zielgruppen im Campingtourismus
Abb. 11: Bestandsentwicklung der Wohnwagen und Wohnmobile
Abb. 12: Entwicklung der Neuzulassungen
Abb 13: Zusammenfassende Charakterisierung der Campingfahrzeugtypen
VII
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Übersicht über befragte Experten 6
Tab. 2: Makroabgrenzung des relevanten Campingtourismusmarktes 24
Tab. 3: Einflussfaktoren auf den Campingtourismus 25
Tab. 4: Motive für das Camping 42
Tab. 5: Verhaltensgegenüberstellung: Dauer- vs. Touristikcamper 48
Tab. 6: Verhaltensgegenüberstellung: Reisemobilisten vs. Caravaner 49
Tab. 7: Anforderungen an das Campingplatzangebot 52
Tab. 8: Das Leistungsbündel Beherbergung im Campingtourismus 59
Tab. 9: BVCD-DTV-Klassifizierung - Bundesländerranking 66
Tab. 10: Übersicht der ADAC-Auszeichnungen 68
Tab. 11: Reiseveranstalter im Campingtourismus - eine Auswahl 83
Tab. 12: Handlungsempfehlungen für Campingunternehmen 88
Tab. 13: Szenario-Tableau für den Campingtourismus 90
Tab. 14: SWOT-Analyse für den zukünftigen Campingtourismus 91
VIII
Abkürzungsverzeichnis
ADAC Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e.V.
BCD Bundesverband der Campingunternehmer in Deutschland e.V. (Vorgängerverband des BVCD)
BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
BVCD Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland e.V.
CCI Camping Card International
CIG Caravaning Informations GmbH (Marketinggesellschaft des CIVD)
CIVD Caravaning Industrie Verband Deutschland e.V.
CP Campingplatz (Verwendung ausschließlich in Tabellen)
DC Dauercamper (Verwendung ausschließlich in Tabellen)
DCC Deutscher Camping-Club e.V.
DCHV Deutscher Caravaning Handels-Verband e.V.
DFV Deutscher Fremdenverkehrsverband e.V.
DHD Deutscher Hörfunk Dienst
DSF Deutsches Seminar für Fremdenverkehr (Vorgänger des Deutschen Seminars für Tourismus Berlin - DSFT)
DStGB Deutscher Städte- und Gemeindebund
DTV Deutscher Tourismusverband e.V.
DWIF Deutsches Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr e.V.
DZT Deutsche Zentrale für Tourismus e.V.
F.U.R. Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V.
IX
HS Hauptsaison (Verwendung ausschließlich in Tabellen)
ift Freizeit- und Tourismusberatung GmbH
ifz Institut für Zielgruppenkommunikation
KBA Kraftfahrt-Bundesamt
NDVC Neuer Verband der Camping- und Freizeitparkbetreiber in Deutschland e. V.
NS Nebensaison (Verwendung ausschließlich in Tabellen)
RM Reisemobilisten (Verwendung ausschließlich in Tabellen)
TC Touristikcamper (Verwendung ausschließlich in Tabellen)
TMGS Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH
VCS Verband der Campingplatzbetreiber Sachsen e.V.
VCSA Verband der Camping- Freizeitwirtschaft Sachsen-Anhalt e.V.
1
1 Einleitung
1.1 Inhaltliche Einführung
Camping ist eine Urlaubsform, die mit einer sehr starken emotionalen Bindung seitens der Nachfrager einhergeht. Das Freiheits- und Naturerlebnis ohne große Hotelkomplexe macht dieses Tourismussegment zu etwas ganz Speziellem. Für die einen ist Camping eine Lebenseinstellung und für die anderen eine der unbequemsten Arten zu reisen. Aufgrund des vielfältigen touristischen Angebotes ist es heutzutage jedem Menschen möglich, die Tourismusform zu wählen, die seinen Bedürfnissen und Wünschen entspricht. In diesem Zusammenhang leistet Camping als elementarer Be-standteil der Tourismuswirtschaft einen wesentlichen Beitrag zur Vielfalt des Beherbergungsangebotes und erhöht damit das Leistungsspektrum des Deutschlandtourismus.
Dass die Campingbranche einen hohen ökonomischen Stellenwert in der deutschen Tourismuswirtschaft besitzt, verifiziert ein jährlicher Bruttoumsatz von rund 9,5
Mrd. Euro. 2 Trotz eines jahrelang relativ stabilen Marktanteils zwischen 7 und 11% 3 wurde dem Campingtourismus in der Fachliteratur bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dementsprechend ist das bestehende Aufmerksamkeitsdefizit als Anlass für die Erstellung dieser Analysearbeit zu werten. Da der gegenwärtige Campingtourismus zwischen Vergangenheit und Zukunft steht, wird es als sinnvoll angesehen, einleitend auch auf die historische Entwicklung dieses Tourismussegments einzugehen.
1 Eitel, T. zitiert in Michael Gabrielli (1993), S. 76.
2 Vgl. DTV (2004), S. 76. Der Bruttoumsatz der Branche setzte sich zusammen aus den Ausgaben am Auf-
enthaltsort (3,4 Mrd. Euro), für die Fahrt (3,1 Mrd. Euro) sowie für die Campingausrüstung (3 Mrd. Euro).
3 Vgl. F.U.R. (2004), S. 92.
2
1.2 Historische Entwicklung des Campingtourismus in Deutschland
Der Tourismussektor Camping entwickelte sich ähnlich anderer Reiseformen in Abhängigkeit von verschiedenen wirtschaftlichen, sozialen und technischen Gegebenheiten und unterliegt daher einem Wandel. Die Darstellung erfolgt anhand eines Zeitstrahls (vgl. Abb. 1), der die geschichtlichen Etappen des Campingtourismus in Deutschland anschaulich skizziert. Wichtige Daten und Zusammenhänge sind in einer Tabelle zusammengefasst (vgl. Anhang 1).
In Deutschland nimmt das Camping im Vergleich zu anderen Tourismusformen schon lange einen Platz ein und etablierte sich stetig ab 1920. Die Kanufahrer und Wanderer waren wichtige Impulsgeber für die Entstehung erster Zeltplätze vor allem an Flussläufen. 5 Die Entwicklung der ersten Wohnwagen in Deutschland geht auf die 1930er Jahre zurück, wobei Hans Berger und Arist Dethleffs als Campingpioniere
4 Vgl. Quellenangabe des Anhangs 1.
5 Vgl. Ebert (1962), S. 10.
3
fungieren. 6 Der Wohnwagenbau begann. Jedoch konnten sich anfangs nur Wohlhabende diese Art von Luxus leisten. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde das
gerade aufblühende Campingwesen allerdings unterbrochen. 7
Unmittelbar nach dem 2.Weltkrieg kam die Produktion der Wohnwagen aufgrund der Zerstörung im Land zunächst zum Erliegen. Allerdings erfuhr das Zelten wieder einen Aufschwung, da es für den Großteil der Bevölkerung die einzige Möglichkeit von Tourismus bildete. Die Währungsreform 1948 kurbelte schließlich die Wohnwagenproduktion wieder an und die Massenproduktion des VW Käfers, der als Zugfahrzeug in Frage kam, ermöglichte auch dem kleinen Bürger, in den Genuss eines
Wohnwagens zu kommen. 8 Die Entwicklung des Campingtourismus stand auch in der Folgezeit in engem Zusammenhang mit der Entwicklung im Verkehrsbereich. Im Jahr 1948 wurde außerdem der DEUTSCHE CAMPING-CLUB E.V. (DCC) gegründet,
der sich für die Campingbewegung und die Förderung des Autotourismus einsetzte. 9 So beteiligten sich bereits ab 1952 breite Bevölkerungsschichten am Camping in der
Bundesrepublik. 10
Der steigende Wohlstand, die Massenmotorisierung, die Zunahme der arbeitsfreien Zeit und die Wohnsituation in den Städten fungieren als Katalysatoren für die folgende massive Entwicklung des Campings. In den 1960er Jahre expandierte der Be-stand an Wohnwagen und begünstigte damit die Umformung der Zeltplätze. Camping wurde zur Urlaubsform der breiten Masse, wobei etwa die Hälfte der Camping-
reisen mit der Familie unternommen wurde. 11 Weiterhin erlangte das Dauercamping als Wochenend- und Naherholungsform den großen Durchbruch. Das Angebot preiswerter und komfortabler Wohnwagen verdrängte zunehmend das Zelt als klassi-
sche Urlaubsunterkunft. 12 Die Zahl der Campingplätze verdoppelte sich von 1970 bis
6 Vgl. Hierhammer (1996), S. 113 f.
7 Vgl. Thünker (1999), S. 13.
8 Vgl. Kubisch (1998), S. 108 ff.
9 Vgl. Hierhammer (1996), a. a. O., S. 140 f.
10 Vgl. Ebert (1962), S. 10 f.
11 Vgl. Hierhammer (1996), a. a. O., S. 171 ff.
12 Vgl. Völksen (1986), S. 9 ff.
4
Ende der 1980er Jahre, was jedoch zunehmend durch ordnungs- und baurechtliche
Bestimmungen eingedämmt wurde. 13 Die Ölkrise 1973/ 74 führte zu einem abrupten Umsatzeinbruch in der Caravanbranche und zu einer Neuorientierung der Camping-
bewegung. 14 Viele Hersteller wandten sich nun dem Marktsegment für Reisemobile zu, die schon ab dem Jahr 1951 15 serienmäßig produziert wurden. Nach der zweiten Energiekrise 1979 folgte schließlich Mitte der 1980er Jahre der große Boom in der Reisemobilbranche. Dies kann auch als Gegentrend zum immobiler werdenden
Campingtourismus, vor allem bezogen auf das Dauercamping, interpretiert werden. 16 Die Einrichtung spezieller Wohnmobilstellplätze setzte schließlich in den 1990er
Jahren ein. 17
Ab 1990 müssen auch die neuen Bundesländer in die Betrachtung einbezogen werden. In der ehemaligen DDR hatte Camping einen sehr hohen Anteil am Gesamttourismus und war somit sehr populär. Das lag vor allem an der Individualität dieser Ur-laubsform, die sich gegen den organisierten Tagesablauf der Ferienheime richtete. Die Campingplätze konzentrierten sich auf die Ostsee und die Mecklenburgische Seenplatte. Im Vergleich zur Situation in der BRD gehörte die Campingausrüstung allerdings zu den Luxusartikeln. Die Wohnwagen waren daher oft von der „Marke
Eigenbau“. 18
Der Campingsektor weist eine bis heute sehr dynamische Entwicklung auf, die mit einem kontinuierlichen Strukturwandel bezüglich der Unterkunftsarten und Infrastruktur einhergeht. Charakteristisch ist außerdem das steigende Umwelt- und Qualitätsbewusstsein im Tourismus, welches sich natürlich auch im Campingsektor niederschlägt. Um die aktuelle Situation des Campingtourismus im konkreten Fall besser beschreiben zu können, werden wichtige Daten und Entwicklungsreihen im Rahmen der Angebots- und Nachfrageanalyse näher betrachtet.
13 Vgl. DWIF (1990), S. 17 f.
14 Vgl. Hierhammer (1996), S. 192 ff.
15 Vgl. Kubisch (1998), S.214.
16 Vgl. Hierhammer (1996), a. a. O., S. 316.
17 Vgl. DFV (1997), S.38, S. 52 ff.
18 Vgl. Hierhammer (1996), a. a. O., S. 65; Thünker (1999), S. 19.
5
1.3 Zielsetzung und Methodik
Die vorliegende Arbeit soll die Bedeutung des Campingtourismus in Deutschland verdeutlichen aber auch kritisch evaluieren. Im Rahmen einer Marktanalyse werden die Campingnachfrage- sowie -angebotsstrukturen untersucht, um Aufschluss über Wirkungszusammenhänge zwischen den beiden Marktkomponenten zu geben und einen Überblick über dieses Tourismussegment in Deutschland zu bieten. In diesem Zusammenhang stehen vor allem das Herausfiltern von nachfrage- und angebotsseitigen Veränderungen sowie das Ableiten von Trends und Tendenzen innerhalb der Campingbranche im Vordergrund.
Aufgrund von Mängeln in der Erhebung von Daten für den Campingtourismus kann derzeit keine eindeutige Zahlengrundlage benannt werden. Daher fließen sowohl die Ergebnisse der amtlichen Beherbergungsstatistik, als auch elementare Studien im Sinne einer Sekundäranalyse in die folgenden Ausarbeitungen ein, um die benannten Ziele zu erreichen.
Mit dem Ziel des Herausfilterns der aktuellen Situation sowie möglicher Trends für den Campingtourismus wurden auf einer der wichtigsten Messen der Campingbranche, dem CARAVAN SALON DÜSSELDORF 2008, Expertengespräche durchgeführt. Um den reibungslosen Ablauf der Interviews zu gewährleisten, wurde ein Leitfaden mit Fragen zu den Themenkomplexen Campinginfrastruktur, Campingfahrzeuge, Marketing und Campingnachfrage entwickelt. Insgesamt konnten vier Expertenbefragungen mit den folgenden Personen realisiert werden:
Die nachträgliche Anfertigung eines Auswertungsberichtes fungiert als Quellen-grundlage für diese Arbeit, in welche wichtige Erkenntnisse der Gespräche einfließen sollen.
1.4 Aufbau der Arbeit
Diese Diplomarbeit ist in sechs aufeinander aufbauende Kapitel untergliedert. An die bisher getroffenen, einführenden Aussagen schließen die theoretischen Grundlagen zum Campingtourismus an. Hierin werden die wichtigsten Begriffe geklärt und vo-neinander abgegrenzt. Außerdem erfolgt eine Einordnung der zugrunde liegenden Tourismusform in die Tourismuswirtschaft. Als Überleitung zur eigentlichen Marktstrukturanalyse bietet sich im Rahmen des zweiten Kapitels zudem eine Einführung in den Campingtourismusmarkt an, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird.
Mit dem darauf folgenden Kapitel beginnt die eigentliche Marktstrukturanalyse. Aus dem Grund des Wirkungszusammenhangs zwischen Nachfrage und Angebot, wird im Sinne der Zielgruppenfindung zunächst die Nachfragestruktur analysiert. Als Basis für die anschließende qualitative Betrachtung der Nachfrageseite, sind anfangs quantitative Aussagen zu den Übernachtungen, deren regionaler Verteilung innerhalb Deutschlands, zur ausländischen Campingnachfrage sowie zur saisonalen Verteilung notwendig. Darauf aufbauend werden die unterschiedlichen Camper hinsichtlich bestimmter soziodemographischer Merkmale untersucht, wodurch eine erstmalige Zielgruppendisposition möglich wird. Eine weitere Differenzierung wird allerdings erst durch die anschließende verhaltenspsychologische Betrachtung ersichtlich. Camper haben außerdem bestimmte Anforderungen an das Campingangebot. Dieses abschließende Kapitel der Nachfrageanalyse bietet sich daher vortrefflich als Einfüh- rung in die Angebotsanalyse an.
7
Den vierten Gliederungspunkt nimmt inhaltlich die Angebotsanalyse in Anspruch. Zunächst wird auf das Campingplatzangebot Bezug genommen, wobei vor allem die Verteilung der Kapazitäten im Sinne einer quantitativen Betrachtung sowie die Untersuchung der Infrastruktur im Sinne einer qualitativen Reflexion im Mittelpunkt stehen. Um das Campingplatzangebot anschaulich zu analysieren, werden unter verschiedenen Produktaspekten Best-Practice-Beispiele aufgezeigt. Darauf aufbauend erscheint es sinnvoll, auf die seit kurzer Zeit auch im Campingtourismus etablierenden Qualitätsauszeichnungen einzugehen. Aufgrund der vorhandenen Fülle und des begrenzten Umfangs dieser Arbeit ist es allerdings nur möglicher auf einige ausgewählte campingspezifische Auszeichnungen einzugehen. Die Campingfahrzeugindustrie ist als komplementärer Angebotsteil ebenso analysewürdig. Daher wird im Rahmen der Angebotsuntersuchung insbesondere auf die Entwicklung des Fahrzeug-bestandes sowie der Neuzulassungszahlen eingegangen. Aber auch die bestehende Produktpalette der Campingfahrzeugindustrie ist erwähnenswert.
Im Sinne einer Ergänzung zur qualitativen Untersuchung des Campingplatzangebotes, welches sich hauptsächlich auf produktpolitische Lösungen konzentriert, sind dem vierten Kapitel Ausführungen zur Vermarktung des Campingtourismus in Deutschland angeschlossen. Das beinhaltet die Anwendung der Marketing-Instrumente Preis-, Vertriebs- und Kommunikationspolitik auf dieses Tourismussegment. Zum Abschluss dieses fünften Gliederungspunktes werden Handlungsempfehlungen für Campingunternehmen aufgezeigt, was gleichzeitig als Überleitung zum sechsten und letzten Kapitel zu verstehen ist.
In die Schlussbetrachtung der zugrunde liegenden Arbeit fallen zusammenfassende Aussagen zu Trends innerhalb der Campingbranche. Darauf folgend werden die allgemeinen betriebsinternen Voraussetzungen (Stärken/ Schwächen) den betriebsexternen Möglichkeiten (Chancen/ Risiken) gegenübergestellt, um anschließend ein Fazit ziehen zu können.
8
2 Theoretische Grundlagen zum Campingtourismus
2.1 Begriffsdiskussion Camping
Die systematische Untersuchung der Marktstrukturen im Campingtourismus in Deutschland verlangt zunächst eine definitorische Auseinandersetzung mit dem Campingbegriff.
Der Terminus wurde in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg aus dem Engli- schen(‚camp’ = ‚Lager’) übernommen. 19 Bis dato existierte nur der Begriff „Zelten“ oder „Zeltplatz“, der auch heute noch für den Campingurlaub mit einem Zelt Ver-
wendungfindet. 20 EBERT erkannte in den 1960er Jahren, dass der Campingbegriff in den Nachschlagewerken seiner Zeit häufig zu ungenau war und konzipierte eine eigene Definition.
„Camping ist ein zum Zweck der Erholung im Freien geführtes Leben mit zeit- weiligemAufenthalt in einer transportablen und vom Benutzer selbst mitgeführten Unterkunft.“ 21
Diese Definition stellt ganz allgemein die charakteristischen Grundzüge der Urlaubs-form, wie Freizügigkeit und Ungebundenheit an einen festen Ort heraus, berücksichtigt allerdings nicht die Art der Unterkunft oder standortspezifische Gesichtspunkte, die für die Analyse des Campingtourismusmarktes erwähnt werden sollten. Die Schwierigkeit der Begriffsfindung besteht darin, die vielfältigen Ausprägungen dieser Tourismusform zu bündeln, was gleichzeitig die Fülle der unterschiedlichen Definitionen für den Terminus begründet. In der BROCKHAUS ENZYKLOPÄDIE wird Camping beschrieben als:
„… Wohnen in Zelten, Wohnwagen oder Reisemobilen (Caravaning), im Allge- meinenzur Freizeit- und Urlaubsgestaltung, meist auf besonderen Campingplät-
19 Vgl. Ebert (1962), S. 10.
20 Vgl. ADAC (1992), S. 10.
21 Ebert (1962), a. a. O., S. 9.
9
zen, deren Ausstattung (Platzordnung, Gaststätte, hygienische Einrichtungen) in fast allen Ländern behördlich geregelt ist.“ 22
Die Formulierung berücksichtigt die Arten der Unterkunft, die touristische Relevanz dieser Branche sowie die behördlichen Regelungen auf Campingplätzen. Allerdings sollten aufgrund der Entwicklung im Reisemobilsegment (vgl. 4.3.1) nicht mehr nur die Campingplätze, sondern auch die Reisemobilstellplätze als Beherbergungsbetriebe berücksichtigt werden.
Nach der Begriffsbestimmung von LESER u. a. wird Camping als „… hausungebun-dene mobile Form des Freizeitwohnens in selbst mitgeführten Unterkünften.“ 23 konstatiert. Dabei werden Zelte, Wohnwagen als Anhänger oder mit eigenem Antrieb (Wohnmobile) als Behausung genutzt und diese in der Regel auf speziell dafür eingerichteten Plätzen aufgestellt. Außerdem wird festgestellt, dass das Dauercamping
nicht zum Camping im eigentlichen Sinn gehört. 24 Damit kristallisiert sich eine Differenzierung zwischen Camping, welches mit einem hohen Grad an Mobilität ver-bunden ist und der Form des Campings mit langfristiger Bindung an den Ort der Ausübung heraus. NEWIG ist der Überzeugung, dass das touristische Camping nicht zum Freizeitwohnen gehört. Er begründet diese Tatsache damit, dass das Freizeitwohnen an Eigentumsbeziehungen bzw. Dauermietverhältnisse gebunden ist und der Freizeitwohnsitz regelmäßig mit einer gewissen Wiederkehrhäufigkeit aufgesucht wird, was beim touristischen Camping nicht der Fall ist. Er ordnet entsprechend das
Dauercamping in das teilmobile Freizeitwohnen ein. 25 Die Lehrmeinungen von NE- WIG undLESER u. a. konkurrieren zwar untereinander, elaborieren jedoch den Unterschied zwischen touristischem Camping und Dauercamping. Aufgrund der angebots-und nachfrageanalytischen Relevanz muss diese Unterscheidung in die Betrachtung einfließen.
22 Brockhaus (2006), Band 5, S. 287.
23 Leser u. a. (2005), S. 132.
24 Vgl. ebd.
25 Vgl. Newig (2000), S. 68.
10
In vielen Definition wird suggeriert, dass Camping in mobilen, vom Benutzer selbst mitgeführten Unterkünften wie Zelten, Wohnwagen oder Reisemobilen statt findet. Diese konventionelle Art des Campings wird heutzutage ergänzt durch ein breites
Angebot sowohl an mobilen als auch an festen Mietobjekten 26 auf Campingplätzen. Hierauf wird im Rahmen der Angebotsanalyse näher eingegangen.
Als Fundament für diese Arbeit kann zusammenfassend festgehalten werden, dass Camping den zeitweiligen Aufenthalt in einer häufig mobilen und vom Benutzer meist selbst mitgeführten Unterkunft zum Zweck der Freizeit- und Urlaubsgestaltung umschreibt. Als mobile Unterkunftsformen finden Zelte, Wohnwagen und Wohnmobile, die in der Regel auf speziell dafür eingerichteten Plätzen aufgestellt werden, Verwendung. Auf Campingplätzen spielen zunehmend auch feste Mieteinheiten eine Rolle. Dauercamping gehört nicht zum Camping im eigentlichen Sinn. Der Urlaubs-und Erholungscharakter des Terminus ermöglicht einen synonymen Gebrauch von Camping und Campingtourismus. Die Nachfrager nach Campingurlaub können als
Campingtouristen, oder kurz als Camper 27 , tituliert werden.
2.2 Abgrenzung des Campingbegriffs
Die definitorische Auseinandersetzung mit dem Terminus Camping und die damit verbundenen Schwierigkeiten einer einheitlichen Begriffsfindung sind Ausdruck dieser heterogenen Tourismusform. Um dem Begriff mehr Struktur zu verleihen, bedarf es einer Abgrenzung und Differenzierung der verschiedenen Erscheinungsformen.
WIDMANN argumentiert mit zwei elementaren Abgrenzungskriterien des Campingbegriffs, die auch das Reiseverhalten der Campingnachfrager prägen und dieser Arbeit zugrunde gelegt werden. Einerseits ist die Art der Unterkunft relevant, wonach sich der Terminus in Camping und Caravaning differenziert. Andererseits interessiert „… die Art des Bindungsverhältnisses der Camper an die Stätte der Ausübung des
26 Zu den mobilen Unterkünften zählen Mietzelte, Mietcaravans und Mobilheime. Feste Mietobjekte sind
Bungalows, Hütten, Chalets u. a. (vgl. Thurn (2008), S. 4 ff.).
27 Dieser wird im Verlauf der Arbeit weiter differenziert (vgl. Kapitel 2.2; Kapitel 3).
11
Campings sowie der Grad der Mobilität…“ 28 . Hieraus ergibt sich die bekannte Abgrenzung hinsichtlich touristischen Campings, welches einen hohen Mobilitätsgrad aufweist, und dem weniger mobilen Dauercamping. Zur besseren Visualisierung des Sachverhaltes dient die folgende Abbildung (vgl. Abb. 2).
Die in der Darstellung (vgl. Abb. 2) gezeigten Formen des Campings werden aus Plausibilitätsgründen im Folgenden näher betrachtet.
2.2.1 Dauercamping vs. touristisches Camping
Das Dauercamping unterscheidet sich wesentlich vom touristischen Camping, weil keine Mobilität angestrebt, sondern die eigentlich bewegliche Behausung ortsfest gemacht wird. Zumeist dient der Wohnwagen und nur selten ein Zelt oder Wohnmobil als Ersatz für ein Wochenend- oder Ferienhaus. Charakteristisch für die Fixierung
28 Widmann (2006), S. 38.
12
des Wohnwagens an einen bestimmten Ort ist der feste Ausbau des Vorzeltes sowie
die Anlage und Bewirtschaftung von Kleingärten. 29 Auch im Touristikcamping ist der Wohnwagen die beliebteste Unterkunftsform. Allerdings wählen jeweils knapp
ein Viertel der Touristikcamper auch das Zelt oder das Reisemobil. 30
Ein anderes elementares Differenzierungskriterium bildet die Nutzungsdauer des Standplatzes durch die Campingnachfrager. Das Dauercamping ist folglich dadurch
gekennzeichnet, dass sich die Camper langfristig an eine Campingparzelle binden. 31 Laut STATISTISCHEM BUNDESAMT wird im Urlaubscamping der Stellplatz i. d. R. für Tage oder Wochen gemietet, was beim Dauercamping auf Monats- oder Jahresbasis geschieht. Es existiert eine vertraglich vereinbarte Platznutzungsdauer, wonach eine
Differenzierung der beiden Termini möglich wird. 32 In diesem Zusammenhang konstatiert NEWIG eine Mindestvertragslaufzeit für das Dauercamping von einem Jahr. 33 Diese Nutzungsdauergrenze erscheint allerdings nicht realistisch. Es können durchaus kürzere, saisonale Bindungsverhältnisse am Markt beobachtet werden.
Im Vergleich zum Touristikcamping spielt sich Dauercamping häufig in der Einein-halb-Stunden-Isochrone 34 um den Verdichtungsraum ab und liegt damit meist günstig zum Wohnort, was auf eine Form des Nahtourismus schließen lässt. 35 Im Sinne des teilmobilen Freizeitwohnens (vgl. 2.1) wird die Campingparzelle in regelmäßigen Abständen neben gelegentlich längeren Aufenthalten, insbesondere an den Wochenenden aufgesucht. Damit handelt es sich beim Dauercamping eher um die Gestaltung der kurzfristigen Freizeit, wohingegen das Urlaubscamping überwiegend auf Erholung in der langfristigen Freizeit abzielt. Darüber hinaus ist zu statuieren, dass das Dauercamping bezüglich der Standplatzauslastung eine im Vergleich zum Urlaubscamping geringere jahreszeitliche Schwankung aufweist. Die Belegung der
29 Vgl. Völksen (1974), S. 4; Pfeiffer (1991), S. 21; Leser u. a. (2005), S. 145.
30 Vgl. Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt/ VCSA (2006), S. 37, S. 41.
31 Vgl. Völksen (1974), a. a. O., S. 4.
32 Vgl. Statistisches Bundesamt (2008b), S. 20.
33 Vgl. Newig (2000), S. 69.
34 Eine Isochrone ist eine Verbindungslinie von Orten gleicher Verkehrsferne z. B. vom Stadtmittelpunkt aus
(vgl. Leser u. a. (2005), a. a. O., S. 393).
35 Vgl. Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt/ VCSA (2006), a. a. O., S. 9.
13
Standplätze durch Urlaubscamper konzentriert sich entsprechend auf die Sommermonate. Im entgegen gesetzten Fall ist eine Belegung auch in den Wintermonaten zu
beobachten. 36 Auf die saisonale Verteilung der Campingnachfrage wird im Rahmen der Nachfrageanalyse näher eingegangen (vgl. 3.1.4).
Schließlich kann festgehalten werden, dass sich beide Campingformen lediglich in der Art der verwendeten Behausung ähneln und damit eine klare Trennung von Touristik- und Dauercamping notwendig ist.
2.2.2 Camping und Caravaning
Die Unterscheidung der Begrifflichkeiten ist in der heutigen Zeit allgegenwärtig. Das Nachschlagewerk des ALLGEMEINEN DEUTSCHEN AUTOMOBIL-CLUBS E.V. (ADAC), heißt bspw. „Camping-Caravaning-Führer“. Zudem existieren der CIVD und der DEUTSCHE CARAVANING HANDELS-VERBAND E.V. (DCHV), um nur einige Begriffsverwendungen zu nennen.
VÖLKSEN behauptete 1974, dass Camping als Sammelbegriff für das gesamte Zelt-und Wohnwagenwesen fungiert, hinterfragte diese Aussage allerdings dahingehend, dass Camping oftmals synonym für den Begriff „Zelten“ Verwendung findet und ließ
damit eine mögliche Abspaltung zwischen Wohnwagen- und Zeltwesen offen. 37 SCHROEDER determiniert den Caravanbegriff als Sammelbezeichnung für mobile Unterkünfte, die einerseits vom Automobil gezogen werden (Wohnwagen) oder ande-
rerseits einen eigenen Motor (Wohnmobil) besitzen. 38 Zu der Kategorie Caravan zählen folglich der Wohnwagen und das Reisemobil, welches synonym auch als Motorcaravan bezeichnet wird. FREYER fasst schließlich die Reise mit dem Wohnwagen
oder dem Wohnmobil unter dem Begriff „Caravaning“ zusammen. 39 Eine Unterteilung in Camping und Caravaning ist also dahingehend sinnvoll, dass sich die Arten der Unterkünfte doch wesentlich unterscheiden. Das Zelt ist eben kein „rollendes Ge- 36 Vgl. Völksen (1974), S. 4; Völksen (1984), S. 14 f.
37 Vgl. Völksen (1974), a. a. O., S. 2.
38 Vgl. Schroeder (2002), S. 60.
39 Vgl. Freyer (2006), S. 166.
14
fährt“ und auch weniger sperrig als es bei Wohnwagen und Wohnmobilen der Fall ist. Die Bezeichnung „Campingfahrzeug“ kann somit synonym zu „Caravan“ heran gezogen werden, was darauf hindeutet, dass Camping den Begriff Caravaning sub-sumiert. 40 In einer Studie zum Campingtourismus in Sachsen-Anhalt wurde die Dif- ferenzierung„Caravaning“ mit dem Wohnwagen oder Wohnmobil und „Camping“
mit dem Zelt als nicht zulässig abgelehnt. 41 Damit ist die getroffene Aussage von VÖLKSEN, Camping als Sammelbegriff für das Zelt- und Wohnwagenwesen zu sehen, auch heute noch relevant.
2.3 Camping als Segment der Tourismuswirtschaft
Camping kann aufgrund seines Erholungscharakters synonym zu Campingtourismus verwendet werden (vgl. 2.1). Um dieser Aussage mehr Signifikanz zu verleihen, bedarf es einer Einordnung des Fachbegriffs in die Tourismuswissenschaft. Hierfür ist zunächst die Tourismusdefinition hervorzuheben.
Der weite Tourismusbegriff „…umfasst alle Erscheinungen, die mit dem Verlassen des gewöhnlichen Aufenthaltsortes und dem Aufenthalt an einem anderen Ort ver-
bundensind.“ 42 Die Reise ist folglich das zentrale Element des Tourismus. Dabei tritt der Raumaspekt in den Mittelpunkt, der auf den Campingtourismus ebenso anzuwenden ist. Die Camper verlassen ihren Wohnort und überwinden den Transport-
raum, um zu einem Zielort zu gelangen. 43 Im Vergleich zu anderen Tourismusformen ist die Reise zur gewünschten Destination häufig nicht nur Mittel zum Zweck, son-dern wird zu einem eigenen Erlebnis 44 . Die Campingteilnehmer haben Freude am Fahren, genießen die Landschaft und ihre Entscheidungsfreiheit, denn Zeit und Geschwindigkeit spielen kaum eine Rolle. Der somit umschriebene Begriff der Erlebnismobilität (vgl. Anhang 2) ist für das touristische Camping relevant, lässt sich auf
40 Vgl. Widmann (2006), S. 41.
41 Vgl. Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt/ VCSA (2006), S. 9.
42 Freyer (2006), S. 4.
43 Vgl. ders., S. 2, S. 42 f.
44 Dieses Erlebnis wird auch als Flow-Erlebnis bezeichnet, welches entsteht, wenn die Ausführung einer Tä-
tigkeit Genuss bereitet (vgl. Anft (1993), S. 141).
15
das Dauercamping entsprechend der Mobilitätseinschränkung jedoch nicht anwen-den. 45 Hingegen ist die Reise mit dem Wohnmobil hierfür ein ganz besonderes Beispiel, zumal der Campingurlaub für Reisemobilisten häufig Rundreisecharakter hat, wobei mehrere Zielgebiete angesteuert werden. Die Mobilität wird in diesem Fall
zum Haupterlebnis der Reise. 46
Der umschriebene weite Tourismusbegriff ist neben dem Ortswechsel auch hinsichtlich der Reisedauer, die den vorübergehenden Aufenthalt an einem anderen Ort umschreibt, sowie der Motivation der Reisenden einzuengen. Daraus können drei Teilbereiche des Tourismus abgeleitet werden: der touristische Kernbereich, der touristische Randbereich, sowie der nicht-touristische Bereich. Die Reise, die mindestens fünf Tage (vier Übernachtungen) und maximal bis zu einem Jahr andauert und der Erholung dient, ist dem touristischen Kernbereich zuzuordnen und wird nahezu immer unter Tourismus verstanden. Folglich ist auch die mehrtägige Urlaubsreise mit dem Zelt, Wohnwagen oder Reisemobil dem touristischen Kernbereich einzugliedern. Tagesausflüge ohne Übernachtung und kurzfristige Reisen, die eine Dauer von bis zu vier Tagen (drei Übernachtungen) beinhalten, gehören, genau wie Reisen in die nähere Umgebung des Wohnortes, dem touristischen Randbereich an. Diese Rei-
sen können nur teilweise dem Tourismus zugerechnet werden. 47
In Kapitel 2.2.1 wurde festgestellt, dass das Dauercamping zum großen Teil eine Form des Nahtourismus darstellt und hauptsächlich an den Wochenenden und kurzfristig stattfindet. Hinzu kommt die Häufigkeit des Besuchs, denn ein regelmäßig be-suchter Ort qualifiziert sich eher als gewohntes Lebensumfeld. 48 Somit wird diese Form des Campings in den touristischen Randbereich eingeordnet. Im touristischen Camping sind neben den überwiegend langfristigen Aufenthalten vermehrt auch kurzfristige Reisen zu beobachten. Das STATISTISCHE BUNDESAMT ermittelte im Jahr
45 Vgl. ADAC (1987), S. 6.
46 Vgl. Freyer (2006), S. 42 f.
47 Vgl. ders., S. 2 ff. Eine tabellarische Übersicht hierzu findet sich im Anhang 3.
48 Vgl. Bieger (2006), S. 35.
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2007 eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 3,8 Übernachtungen pro Gästean-
kunft 49 für das touristische Camping, was folglich dessen Einordnung in den touristischen Kernbereich manifestiert.
Sowohl das touristische Camping als auch das Dauercamping sind als touristischer Kern- bzw. Randbereich Gegenstand dieser Arbeit. Eine Ausklammerung des Teilbereiches Dauercamping kann nicht sinnvoll sein, da beide Bereiche den Campingtourismusmarkt wesentlich mitbestimmen.
Im Fokus der Betrachtung steht der Campingreisemarkt Deutschland. Der Inlandscampingtourismus setzt sich aus dem Binnenreiseverkehr (Domestic-Camping) und dem Einreiseverkehr über die nationale Grenze (Inbound-Camping) zusammen. Damit sind die Reisen der Deutschen innerhalb ihrer nationalen Grenzen sowie die Rei-sen von Ausländern nach Deutschland für diese Diplomarbeit relevant. 50
2.3.1 Einordnung in den touristischen Straßenverkehr
Tourismus ist sehr eng mit der Entwicklung im Verkehrsbereich verbunden. Die zunehmende Motorisierung sowie der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur haben hierfür einen elementaren Beitrag geleistet. Verkehr und der damit induzierte Begriff der
Mobilität sind kennzeichnend für moderne Gesellschaften. 51 Mobilität umschreibt u. a. die Fähigkeit, räumliche Entfernungen zu überwinden und den eigenen Lebens-
raum zu nutzen und zu erleben. 52 Die Freizeitmobilität, die durch den Verkehr in der Freizeit angeregt wird, stellt nach OPASCHOWSKI den bedeutendsten Bewegungsbe-reich dar. 53 Tourismus bildet einen Teil des nicht-alltäglichen Freizeitverkehrs, der aus dem Tagesausflugs-, Kurzreise- und Urlaubsverkehr besteht. Fahrten zum Arbeitsplatz im Sinne der Zweckmobilität (vgl. Anhang 2) sowie der alltägliche Frei-
49 Vgl. Statistisches Bundesamt (2008a), S. 36. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ist der rechnerische
Wert aus Übernachtungen/Gästeankünfte. Das Ergebnis wird in dieser Arbeit folglich als Übernachtungen
pro angekommenen Gast bezeichnet.
50 Vgl. Freyer (2006), S. 5 f.
51 Vgl. Gronau (2005), S. 15 f.
52 Vgl. ADAC (1987), S. 5 f.
53 Vgl. Opaschowski (2000), S. 24.
17
zeitverkehr bspw. in das Einkaufszentrum finden eindeutig keine Zuordnung in den
Tourismusverkehr. 54
Camping und Caravaning sind Teil des privaten (Individual-)Verkehrs, der sich in die Struktur des touristischen Straßenverkehrs einordnet. Der Pkw (inklusive Wohnwagen und -mobile) ist das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel für touristische Reisen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass Caravans und Wohnmobile
speziell für das Urlaubsbedürfnis produzierte Reiseverkehrsmittel sind. 55 Zur Systematisierung der verschiedenen Campingfahrzeuge kann die folgende Abbildung dienlich sein (vgl. Abb. 3).
Eine spezielle Typologisierung von Wohnwagen und Reisemobilen ist Inhalt der Angebotsanalyse (vgl. 4.3.2). Die Hersteller der Campingfahrzeuge und auch der Campingausrüstung sind tourismusspezialisierte Betriebe und können nach FREYER
in die ergänzende Tourismuswirtschaft eingeordnet werden. 56
54 Vgl. Lanzendorf (2001), S. 37.
55 Vgl. Freyer (2006), S. 29, S. 111, S. 165 f.
56 Vgl. ders., S. 131 f.
18
Neben der Betrachtung des privaten (Individual-)Verkehrs ist die Einordnung der
Campingplätze in den gewerblichen Straßenverkehr nicht zu vernachlässigen. 57 Die für den Campingtourismus relevanten Beherbergungsbetriebe werden im nächsten Kapitel thematisiert.
2.3.2 Einordnung in das Beherbergungswesen
Das Beherbergungswesen kann in die Bereiche der klassische Hotellerie sowie der Parahotellerie (ergänzende Hotellerie) unterteilt werden. Hotels, Hotel garnis, Pensionen und Gasthöfe werden unter dem Begriff der klassischen Hotellerie zusammengefasst, wohingegen das Campingwesen neben z. B. Ferienwohnungen, Privat-zimmern und Jugendherbergen der Parahotellerie zuzuordnen ist. 58
Die Beherbergungsstätten im Campingtourismus werden als Campingplätze bezeichnet. Ein Campingplatz ist ein abgegrenztes Gelände, auf dem bauliche und infrastrukturelle Anlagen platziert sind und welches dem vorübergehenden oder dauernden Aufstellen von Campingfahrzeugen oder Zelten zur Übernachtung von Reisenden dient. 59 Weiterhin gilt ein Campingplatz als Oberbegriff für Plätze mit weniger als 90% Dauercamping- und mehr als 10% Touristikcampingparzellen. Die Extremfälle sind folglich Dauercampingplätze mit über 90% Dauercampingparzellen und Touristikcampingplätze mit eben diesem Anteil an Parzellen für das touristische Camping. Innerhalb des Campingplatzes trägt der Bereich, auf dem die Campingfahrzeuge oder Zelte aufgestellt werden, die Bezeichnung Standplatz. Aufstellplätze sind hingegen Areale für Mobilheime oder Bungalows. Die Stellplätze bilden die Parkierflächen für die jeweils zugehörigen Kraftfahrzeuge, wobei diese auf Standplätzen oder Aufstell-
plätzen liegen können. 60
Rund 57% der deutschen Campingplätze sind Ganzjahresplätze. Der Rest sind Saisonplätze, die zumeist von Ostern bis zu den Herbstferien geöffnet haben. Hinsich- 57 Vgl. Freyer (2006), S. 165.
58 Vgl. ders., S. 143.
59 Vgl. Leser u. a. (2005), S. 132.
60 Vgl. Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt/ VCSA (2006), S. 9.
19
tlich der Besitzverhältnisse kann festgehalten werden, dass 74% der Plätze von Eigentümern betrieben werden. Die restlichen 26% sind Pachtbetriebe. Campingplätze werden in Deutschland überwiegend privat (60%) oder durch eine Gesellschaft des Privatrechts (z. B. GmbH 25%) getragen; aber auch 15% kommunale Träger sind
vertreten. 61
Im Sinne der Begriffsdiskussion sind nicht mehr nur die Campingplätze Objekte der Betrachtung, sondern auch die Wohnmobilstellplätze. Diese sind „…eigens für die spezifischen Anforderungen von Wohnmobilen und ihren Nutzern ausgestattete
Übernachtungsplätze…“ 62 . Spezielle Motorcaravanplätze können als Ergänzung zu den Campingplätzen, welche meist auch selber Standplätze für Wohnmobile anbie-
ten, angesehen werden. 63 DIECKERT unterteilt die Reisemobilstellplätze in Reisemobilhäfen, Wochenend-Stellplätze und Transit-Stellplätze. Reisemobilhäfen sind nur für Wohnmobile reservierte Gelände, die in attraktiver Umgebung liegen, eine großzügige Parzellierung aufweisen und komfortabel ausgestattet sind. Wochenendstellplätze sind meist umgestaltete Parkplätze in ruhiger Umgebung, die einer Mischnutzung unterliegen und für Reisemobile markierte Flächen sowie Ver- und Entsorgungseinrichtungen bieten. Unter Transit-Stellplätzen werden einfache Übernachtungsplätze ohne Komfort und oft ohne reisemobilspezifische Ausstattung verstan-
den, die mit Einverständnis der Kommune oder des Eigentümers errichtet werden. 64
Die Beherbergungsbetriebe sind nahezu einhundertprozentig tourismusabhängig, was folglich auch auf die Camping- und Reisemobilstellplätze zutrifft. Damit sind die Beherbergungsstätten des Campingtourismus neben anderen Betriebsarten der klassischen und ergänzenden Hotellerie in die Tourismuswirtschaft im engeren Sinn ein-
zuordnen und als typische Tourismusbetriebe zu deklarieren. 65
61 ADAC/ BCD/ NVCD (1999), S. 7.
62 DTV (2005), S. 2.
63 Vgl. DWIF (1990), S. 47.
64 Vgl. Dieckert (2005), S. 7 ff.
65 Vgl. Freyer (2006), S. 140.
20
Nachdem Camping nun sowohl in den touristischen Verkehr als auch in das Beherbergungswesen eingeordnet wurde, bedarf es fortfolgend einer Betrachtung der Eigenschaften dieser Tourismusform.
2.3.3 Eigenschaften und Besonderheiten des Campingtourismus
Jede Tourismusform hat ihre Wesenszüge, die eine Unterscheidung zu anderen touristischen Erscheinungsformen erst möglich macht. Charakteristisch für das Camping ist zunächst die Heterogenität der Ausprägungen dieser Tourismusform, die sich aus den verschiedenen Unterkunftsmöglichkeiten sowie der Mobilitätseinstufung ergibt.
Markant für den Campingtourismus ist weiterhin die individuelle Gestaltung der Reise. NITSCHKE bezeichnet den Campingtourismus als Individualtourismus, der dem
Camper die Möglichkeit gibt, freier zu sein als ein Pauschaltourist. 66 Im tourismuswissenschaftlichen Sinn bedeutet dies die individuelle Vorbereitung und Durchführung der Reise. So bucht der Campingtourist seine Unterkunft meist direkt beim Leistungsträger. Die Fahrt zum Zielort und wieder nach Hause wird eigens praktiziert und ist kennzeichnendes Element der Campingreise. Besonders die Fahr- und Wohnfunktion der Campingfahrzeuge, wodurch der Campingtourist mobil und flexibel wird, stellen den Freiheits- und Unabhängigkeitscharakter dieser Urlaubsform
dar. 67 Auf dem Campingplatz angekommen erschafft sich der Camper seine eigene kleine Urlaubswelt, die auf das Nötigste reduziert wird und daher weniger komplex ist als zu Hause. Abweichend zum Hoteltourismus, wo die Gäste ein fertig eingerichtetes Zimmer beziehen, müssen die Camper ihr Urlaubsheim selbst aufbauen und nach eigenen Vorstellungen konstruieren. Somit werden die Campingtouristen zu einem wichtigen Bestandteil der Attraktion dieser Urlaubsform. Allerdings ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass für den multioptionalen Gast zunehmend voll ausgestattete Mietobjekte auf Campingplätzen angeboten werden (vgl. 2.1). Der Aufenthalt ist überwiegend gekennzeichnet durch Selbstverpflegung und -
66 Vgl. Nitschke (1991), S. 39.
67 Vgl. Freyer (2006), S. 59 f.
21
versorgung. Es entsteht folglich ein Provisorium, was HENNIG als vereinfachten Ge-
genentwurf zum normalen Leben konstatiert. 68
Bezeichnend für das Camping ist zudem die Ungezwungenheit und Freizügigkeit auf dem Campingplatz. Die Camper sind frei von Zwängen. Merkmale sozialer Hierarchie werden durch die Zweckmäßigkeit der Bekleidung überwiegend zurückged-rängt. 69 Aufgrund der physischen Nähe der Campinggäste zueinander, die nur durch Zelt- oder Wohnwagenwände getrennt sind und häufig Gemeinschaftsräume nutzen, steigen die Möglichkeiten sozialer Kontakte. Camping repräsentiert somit eine sehr gesellige Urlaubsform, die bezüglich der Nähe von Erwachsenen und Kindern auch
sehr familienfreundlich ist. 70 Des Weiteren beschreibt Camping das Leben inmitten der Natur und ist damit auch stark wetter- und saisonabhängig (vgl. 3.1.4).
Neben den beschriebenen vorwiegend motivorientierten Eigenschaften des Camping- tourismus,sind auch die Besonderheiten der „Campingreise“ zu betrachten. „Das touristische Gesamtprodukt (Campingreise, Anm. d. Verf.) besteht aus allem, was für Touristen (Camper, Anm. d. Verf.) hergestellt wird oder was Touristen (Camper,
Anm. d. Verf.) kaufen.“ 71 Die Campingfahrzeug- und Ausrüstungsindustrie, ohne deren Produktion eine Campingreise nicht möglich wäre, sowie die Beherbergungsbetriebe des Campingtourismus tragen in hohem Maße zur Erstellung dieses Tourismusproduktes bei.
Die Besonderheiten der Beherbergungsleistung im Campingtourismus sind eng mit dem Dienstleistungscharakter verknüpft. Die angebotene Leistung ist überwiegend immateriell - also im Vorhinein nicht erlebbar - und vergänglich. Das bedeutet, dass ein nicht in Anspruch genommener Standplatz einfach verfällt und dem nächsten Camper zur Verfügung steht. Weiterhin gilt das so genannte „Uno-actu-Prinzip“, welches die gleichzeitige Produktion und Konsumption beschreibt. Damit wird der
68 Vgl. Hennig (1999), S. 33 f.; Mundt (2006), S. 211.
69 Vgl. Mundt (2006), a. a. O., S. 211 ff.
70 Vgl. Hennig (1999), a. a. O., S. 35 f.
71 Freyer (2006), S. 134.
Arbeit zitieren:
Josephine Müller, 2009, Analyse der Marktstrukturen im Campingtourismus in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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