12.05.2009 Auftritt von Sahra Wagenknecht Interpretationsprotokoll
Sendungsdetails:
Die Sendung „Menschen bei Maischberger“ wird seit dem 02. September 2003 ausgestrahlt und gilt als Nachfolgeformat der Talkshow „Boulevard Bio“ mit Alfred Biolek. Ihr Sendeplatz ist immer Dienstags um 22.45 Live im Ersten wobei eine Folge durchschnittlich 75 Minuten dauert. „Menschen bei Maischberger“ ist als Debattenshow zu kategorisieren, es gibt immer ein übergeordnetes gesellschaftliches Thema über das mehrere Gäste mit unterschiedlichen Ansichten diskutieren und debattieren. Hierbei werden meistens Personen die in der Öffentlichkeit stehen wie Politiker, Journalisten, Schauspieler, Künstler, oftmals Experten oder Wissenschaftler, aber auch unbekannte Personen die von einer Thematik konkret betroffen sind eingeladen.
Der Auftritt von Sahra Wagenknecht fand etwa einen Monat vor der Europawahl 2009 und ca. vier Monate vor der Bundestagswahl 2009 statt bei der Wagenknecht die Vorstandsmitglied der Linken ist, als Direktmandatin im Wahlkreis Düsseldorf-Süd in den deutschen Bundestag gewählt wurde. Die Politikerin, die zur kommunistischen Plattform (KPF) 1 der Linken gehört wurde zum Thema „Lässt der Staat die Armen im Stich“ im Rahmen der ARD Themenwoche die unter dem Motto „Ist doch Ehrensache“ stand in die Sendung eingeladen. Neben Sahra Wagenknecht waren noch fünf weitere Gesprächsteilnehmer zu Gast. Es handelt sich hierbei um die Schauspielerin Uschi Glas (Hat den Verein BrotZeit e.V. gegründet der hungernden Kindern in München hilft), die Harz IV Empfängerin Martina Wagner (allein erziehende Mutter von fünf Kindern), der Millionär Hans Wall (hat es vom Mechaniker geschafft zum reichen Unternehmer zu werden, Mitgründer der „Wall AG“), der Journalist Hugo Müller Vogg (Konservativer Kolumnist, ehemaliger Mitherausgeber der FAZ schreibt Kolumnen für die Bild Zeitung und eine Streitkolumne mit Gregor Gysi) und die Rentnerin Marianna Sladky (Muss von knapp 800 Euro im Monat leben).
Alle Gäste sitzen schon zu Beginn der Sendung im Studio und sind halbkreisförmig um zwei niedrige Tische angeordnet. Sie sitzen auf beigen Leder Sesseln und Sofas die auf einem rot-
1 „DieKommunistische Plattform ist ein offen tätiger Zusammenschluß von Kommunistinnen und Kommunisten in der Partei DIE LINKE, die auf der Grundlage von Programmatik und Satzung der Partei aktiv an der Basis und in Parteistrukturen wirken.
Die Bewahrung und Weiterentwicklung marxistischen Gedankenguts ist wesentliches Anliegen der Kommunistischen Plattform. Die Plattform tritt sowohl für kurz- und mittelfristig angestrebte Verbesserungen im Interesse der Nicht- und wenig Besitzenden innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft als auch für den Sozialismus als Ziel gesellschaftlicher Veränderungen ein.
Antifaschismus und Antirassismus sind für die Kommunistische Plattform ein strategisches politisches Anliegen, und sie wendet sich gegen jegliche Art von Antikommunismus, von wem er auch ausgehen mag.“ Siehe. http://die-linke.de/partei/zusammenschluesse/kommunistische_plattform_der_partei_die_linke/
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weißen Teppich stehen. Das Studio ist in Rot-Orange-Gelb Tönen gehalten und an den Wänden wechseln sich zwei Flachbildschirme und Außenansichten von modernen Hochhausbauten der Stadt Köln ab. Publikum vor Ort gibt es während der Sendung keins, die Gäste sind mit der Moderatorin alleine.
Der Studioaufbau schafft eine gemütliche, aber dennoch moderne und zeitgemäße Wohnzimmeratmosphäre. Die Gäste können gemütlich sitzen und „unter sich“ plaudern ohne dass sie von einem Studiopublikum beobachtet werden. Die Kombination der Farben Gelb und Orange haben eine angenehme, belebende Wirkung die zum plaudern anregt, die Farbe Rot wirkt dynamisch und deutet den Debattierungscharakter der Sendung an. Modern wirkt der Raum durch das sehr helle Licht, das Leder, die Flachbildschirme und den neueren Bauten die zu sehen sind, sodass keine schläfrige Stimmung herrscht sondern der Zuschauer den Eindruck bekommt dass wirklich etwas Bedeutendes stattfindet. Die Gäste reden nicht nacheinander sondern zusammen, wobei sich die Moderatorin Maischberger immer wieder auf den einen oder anderen konzentriert. Vor allem auf die Gäste die über ihr privates Schicksal oder Engagement reden sollen (Sladky, Glas, Wagner und Wall), bekommen eine eigene Redezeit um ihre Situation zu schildern. Maischberger bezieht zwischendurch mit unterschiedlichen Fragen die restlichen Gesprächspartner, insbesondere Müller Vogg und Wagenknecht mit in die Diskussion ein die eher als Experten fungieren sollen und nicht als Privatpersonen anwesend sind. Oftmals mischt sich auch der eine oder andere Gast ungefragt ein und widerspricht dem Redner, sodass die Diskussion eine ungeplante Wendung bekommt, Maischberger greift immer wieder ein um wieder auf den geplanten Sendeablauf zurückzukommen. Wagenknecht redet zum ersten Mal in Minute 23:33 2 als ihr die Moderatorin eine Frage stellt und mischt sich ab diesem Zeitpunkt immer wieder bis zum Ende der Sendung ins Gespräch mit ein. Ihre Hauptredezeit hat sie von 01:13:18 bis 01:22:00 als sie von Maischberger zu ihrer Analyse zur Wirtschaftskrise in Deutschlang befragt wird [Dramaturgische Reihenfolge der Gäste: Sladky (10 min), Müller Vogg (3 min), Glas (9 min), Wagner (10 min), Wall (5 min) Wagenknecht (9 min) Glas (3 min) Müller-Vogg (3 min)]. [Skizze des Settings]
2 Ab Beginn der Aufzeichnung mit VLC Media Player
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Analyse:
Die Vorstellung von Sahra Wagenknecht findet direkt zu Beginn der Sendung statt. Das Intro von „Menschen bei Maischberger“ ist 10 Sekunden lang. Es findet eine halbe Kreisfahrt von der Vorderseite des Sitzkreises statt, beginnend bei Müller-Vogg, Wagenknecht, Glas und Sladky in Halbtotaler die bei Wall, Wagner und Maischberger in Halbtotaler endet. Gleichzeitig wird der Titel der Sendung „Menschen bei Maischberger“ auf einem Balken der in Studiofarben gehalten ist ein- und wieder ausgeblendet. Das Intro wird von der Titelmelodie der Sendung - einer energiegeladenen Melodie die von einer E-Gitarre dominiert wird begleitet.
Das Intro vermittelt so wie auch der Studioaufbau einen zeitgemäßen, modernen Eindruck der Sendung durch die Kamerafahrt und den Effekt bei der Titeleinblendung. Durch die Kürze und Schlichtheit soll die Seriosität des Formates unterstrichen werden. Gleichzeitig lässt die etwas aggressiv wirkende Melodie auf den konfrontativen Charakter der Sendung schließen, es soll das Bild eines „niveauvollen Unterhaltungsformates“ vermittelt werden. Direkt im Anschluss wird Maischberger in der Halbnahen gezeigt, sie blickt in die Kamera und führt den Zuschauer in das Thema der Sendung „Lässt der Staat die Armen im Stich“ ein. Im Anschluss dazu stellt sie die einzelnen Gäste vor die über die Thematik diskutieren werden. Jeder Gast wird während der Vorstellung durch Maischberger im Off gezeigt, blickt direkt in die Kamera und es wird jedes Mal von einer Halbnahen in eine Nahaufnahme gezoomt.
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Hierdurch soll eine Nähe zum Fernsehzuschauer erzeugt werden. Die Gäste blicken ihn direkt an und nicken teilweise freundlich in die Kamera wodurch Intimität entsteht und der Rezipient sich direkt angesprochen fühlen soll. Gleichzeitig wird der Stellenwert der Gäste visualisiert, sie sind alle gleich bedeutend für die Gesprächsrunde, niemand wird insbesondere hervorgehoben und ihnen wird durch die Kamera im Moment der Vorstellung eine besondere Aufmerksamkeit zugeteilt.
Es wird mit Uschi Glas begonnen, an zweiter Stelle ist Martina Wagner, als dritter Hans Wall, als vierte wird Sahra Wagenknecht mit den Worten „Die Kommunistin von der Linkspartei fordert unter anderem eine Millionärssteuer“ vorgestellt. Sie blickt freundlich in die Kamera und nickt einmal zum Schluss. Anschließend kommen noch Hugo Müller-Vogg und als Letzte Marianne Sladky.
In der Vorstellung wird die politische Einstellung von Wagenknecht hervorgehoben. Es wird nicht bloß erwähnt, dass sie eine Politikerin der Linken ist was an sich schon ihre politischen Überzeugungen verdeutlichen würde. Es wird zusätzlich betont, dass sie innerhalb ihrer Partei noch einmal ein Stück radikaler zu verordnen ist als „die Kommunistin“. Dadurch das ihre Zugehörigkeit zur Kommunistischen Plattform nicht erwähnt wird und durch die Verwendung des bestimmten Artikels „die“ statt eines unbestimmten (nicht eine Kommunistin sondern die Kommunistin) kann es einerseits den Eindruck erwecken, als sei sie ein Einzelfall innerhalb ihrer Partei und als Einzige diese Einstellung vertritt. Andererseits könnte sie als die wichtigste und bekannteste Person die diese Einstellung innerhalb ihrer Partei vertritt dargestellt werden, den restlichen Mitgliedern wird keine Bedeutung zugesprochen nur sie ist wichtig. Zugleich wird deutlich das Wagenknecht als Politikerin eingeladen wurde und nicht als Privatperson. Ihr Leben und ihre persönlichen Erfahrungen spielen keine Rolle und werden nicht erwähnt einzig und allein ihre politische Überzeugung und ihre Ziele sind für die Sendung relevant. Die Aussage „fordert unter anderem eine Millionärssteuer“ lässt darauf schließen, dass noch mehrere politische Ziele von ihr im Laufe der Sendung genannt werden und sie so die Möglichkeit hat indirekt Werbung für ihre Partei und/oder für sich zu machen (Sie war schon zu dem Zeitpunkt vom Kreisverband der Linken in Düsseldorf für das Direktmandat nominiert worden.). Eine direkte Wertung über die radikale politische Einstellung von Wagenknecht ist aus der Vorstellung nicht zu entnehmen, sie wird wie alle anderen Gäste behandelt und wird vorerst nicht als Außenseiterin verordnet. Die Folge, in der Wagenknecht an mehreren Stellen ins Gespräch verwickelt wird kann in folgende drei Suprasegmente unterteilt werden:
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Arbeit zitieren:
Sabine Kessel, 2010, Menschen bei Maischberger , München, GRIN Verlag GmbH
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