Inhaltsverzeichnis
These 1: „Aufgrund von Flexibilitäts- und Koordinationsdefiziten des Systems der dualen
Berufsausbildung in Deutschland wird das Implacement von Auszubildenden in kleinen und
mittelst ändischen Unternehmen erschwert.“ 4
1. Ausgangssituation im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt 4
1.1. Wirtschaftliche Situation 4
1.2. Demographische Situation 4
2. Das duale System der Berufsausbildung in Deutschland 5
2.1. Grundkonzeption 5
2.2. Die Bildungsträger 6
2.3. Die Chancen des dualen Systems 6
2.4. Die Hemmnisse des dualen Systems 7
Erl äuterungen zu These 1 7
2. These: „Durch die effektive Gestaltung des Prozesses der Personaleinführung, kann die Bindung
der Auszubildenden verstärkt und demzufolge die Profitabilität der Betriebe gesteigert werden, was
die langfristig gravierenden Folgen des demographischen Wandels auf die Wirtschaft im Landkreis
Saalfeld -Rudolstadt abmildert.“ 11
3. Personaleinführung 11
3.1. Begriffsdefiniton 11
3.2. Die Ziele der Personaleinführung 12
3.2.1. Steigerung der Profitabilität 12
3.2.2. Commitment - Der Grad der Bindung an einen Betrieb 12
3.2.2.1. Die kalkulative Bindung 12
3.2.2.1. Die affektive Bindung 13
3.2.2.1. Die normative Bindung 14
3.3. Die Phasen der Sozialisation von Auszubildenden 15
3.3.1. Antizipationsphase 15
3.3.2. Konfrontationsphase 15
3.3.3. Integrationsphase 16
Erl äuterungen zu These 2 16
These 3: „Spezifische Methoden des Training-on-the-Job, des Training-near-the-Job und des
Training -off-the-Job tragen zu einer erfolgreichen Einführung der Auszubildenden in das
betriebliche Umfeld bei.“ 19
4. Personalpolitische Methoden des Implacements 19
4.1. Methoden des Training-on-the-Job von Auszubildenden 19
4.1.1. Realistic-Job-Preview 19
1
4.1.2. Storytelling 19
4.1.3. Einarbeitungspläne und Checklisten 20
4.1.4. Patensystem 20
4.2. Training-off-the-Job und Training-near-the-Job von Auszubildenden 22
4.2.1. Lernstatt 22
4.2.2. Seminare und Workshops 23
5. Fazit 24
Ma ßnahmekonzept:
1. Ausgangs- und Situationsanalyse 27
2. Der Anwendungsbereich des Maßnahmenkonzepts 29
3. Die Zielstellung des Maßnahmenkonzepts 29
4. Die Grundlagen der Konzeptionierung 30
5. Die Bewertung der Chancen und Risiken des Konzepts für den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt 32
5.1. Die Konzept-Chancen 32
5.2. Die Konzept-Risiken 33
6. Erfolgsfaktoren im Betriebsumfeld für eine erfolgreiche Umsetzung des Konzepts 34
6.1. Auszubildende - Motivation und Aufnahmebereitschaft 34
6.2. Geschäftsführung - Rückhalt und Förderung 35
6.3. Mitarbeiter - Akzeptanz und Engagement 35
7. Konzeptionalisierung und Konkretisierung des betrieblichen Einführungsprozesses von
Auszubildenden in KMU´s im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt 36
7.1. Übersicht des Einführungsprozesses in KMU´s 36
7.1.1. Die Antizipationsphase 36
7.1.2. Die Konfrontationsphase 36
7.1.3. Die Integrationsphase 36
7.2. Maßnahmenentwicklung anhand der Sozialisationsphasen von Auszubildenden 37
7.2.1. Entwicklung phasenspezifischer Maßnahmen - Die Antizipationsphase 37
7.2.1.1. Gestaltung der Vor-Bewerbungsphase 37
7.2.1.2. Gestaltung des Bewerbungsgesprächs 40
7.2.2. Entwicklung phasenspezifischer Maßnahmen - Die Konfrontationsphase 42
7.2.2.1. Gestaltung der Einarbeitung in die Arbeitsaufgabe 42
7.2.2.2. Gestaltung der Einführung und Gewöhnung an das betriebliche Umfeld 47
7.2.3. Entwicklung phasenspezifischer Maßnahmen - Die Integrationsphase 50
7.2.3.1. Gestaltung der weiterführenden Qualifizierung 50
2
7.2.3.2. Eröffnen langfristiger Zukunftsperspektive. 53
8. Fazit 54
Literaturverzeichnis 56
3
These 1: „Aufgrund von Flexibilitäts- und Koordinationsdefiziten des Systems der dualen Berufsausbildung in Deutschland wird das Implacement von Auszubildenden in kleinen und mittelständischen Unternehmen erschwert.“
1. Ausgangssituation im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
1.1. Wirtschaftliche Situation
Strukturell wird die Wirtschaft des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt vorrangig von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt. Diese Betriebe, mit einer Mitarbeiterzahl zwischen 5 und 250, bilden den Kern der regionalen Wirtschaft. Größere Unternehmen sind am Standort grundsätzlich kaum vertreten, was auf die strukturellen Umbrüche im Rahmen der politischen Wende zurückzuführen ist, wodurch ein Großteil der Industriearbeitsplätze abgebaut wurde. 1 Der überwiegende Teil der KMU´s im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt sind in den eher traditionellen Branchen des Handwerks und produzierenden Gewerbes sowie des Handels, Gastgewerbes und Verkehrs tätig. Im Jahr 2004 machte der Anteil der Erwerbstätigen dieser Branchen an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen 55% aus. 2 Der Anteil der Beschäftigten im Dienstleistungssektor war mit knapp 10% relativ gering.
1.2. Demographische Situation
Hierbei fällt besonders auf, dass die Zahl der Erwerbstätigen kontinuierlich abgesunken ist. Im Zeitraum von 1994 bis 2004 sank diese um rund 6000 Personen. Als Hauptursachen hierfür können der demographische Wandel und die geringe wirtschaftliche Attraktivität der Region angeführt werden. Letzteres impliziert, dass verstärkt Personen im erwerbsfähigen Alter in die alten Bundesländer bzw. in die größeren Städte des Umkreises abgewandert sind, um ihre berufliche Perspektive zu verbessern. Die Bevölkerungsentwicklung ist im Durchschnitt in etwa um 3,5% rückläufig. Ein besonders hoher Rückgang ist in der Gruppe der jungen und besser ausgebildeten Erwerbstätigen zu beobachten. Die Arbeitslosenquote ist mit rund 11 % die höchste Regionenquote der verantwortlichen Arbeitsagentur Jena. Dieser Wert ist seit mehreren Jahren verhältnismäßig konstant geblieben. Auffällig ist auch der hohe Anteil junger Arbeitsloser.
1 Vgl. Landkreis Saalfeld-Rudolstadt - Leitlinien der Kreisentwicklung, 03/2007, S. 40
2 Nach benannter Quelle waren 33% der Erwerbstätigen im Landkreis in der öffentlichen Verwaltung tätig.
4
2. Das duale System der Berufsausbildung in Deutschland
2.1. Grundkonzeption
Grundsätzlich sollen im Rahmen der beruflichen Ausbildung Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden, welche für die Ausübung eines bestimmten Berufes erforderlich sind. 3 Das duale System der Berufsausbildung ist die in Deutschland vorherrschende Ausbildungsform. 4 Dieses basiert auf einer Funktionsaufteilung zwischen Unternehmen bzw. öffentlichen Arbeitgebern und dem Staat. 5 Hierdurch wird es den Auszubildenden bereits vor dem Abschluss ihrer Ausbildung ermöglicht, in ihrem späteren Unternehmen tätig zu sein. 6 Die Zielstellung des dualen Systems liegt in der Vermittlung einer soliden, tiefgehenden Grundlage an berufsspezifischen Grundkenntnissen und -fähigkeiten. 7 Dabei wird ein ganzheitlicher und breit angelegter Ausbildungsansatz über die Verknüpfung von theoretischen wie auch praktischen Lehrinhalten angestrebt. 8 So werden neben Fachkompetenzen auch Methoden- und Sozialkompetenzen gelehrt, welche zu eigenem berufliches Handeln befähigen. 9 Weiterhin wird über die duale Ausbildung grundsätzlich die Chancengleichheit bei der Suche nach einer anschließenden Erstbeschäftigung gewahrt. 10 Die Ausbildungsdauer liegt in der Regel zwischen zwei und drei Jahren. Es besteht zudem die Möglichkeit einer Ausbildungsverkürzung bei guten Leistungen des Auszubildenden. 11 Die gesetzliche Basis der dualen Ausbildung bildet das Berufsbildungsgesetz (BBiG) und die Handwerksordnung (HwO). In diesen werden ungefähr 400 staatlich anerkannte Berufe geregelt. 12
3 Vgl. Stock-Homburg, R., Gabler Verlag, 1. Auflage, 2008, S. 157
4 Vgl. Werner, R., Diplom.de Verlag; 2. Auflage; 2009, S. 9f
5 Vgl. Bontrup H.-J., Oldenbourg Verlag, 1. Aufl., 2001, S. 69 sowie Drumm H. J., Springer Verlag, 6. Aufl., 2008,
S. 321
6 Vgl. Stock-Homburg, R., Gabler Verlag, 1. Auflage, 2008, S. 159
7 Vgl. § 1 Absatz 2 BBiG sowie Drumm H. J., Springer Verlag, 6. Aufl., 2008, S. 322
8 Vgl. Stock-Homburg, R., Gabler Verlag, 1. Auflage, 2008, S. 157
9 Vgl. Drumm H. J., Springer Verlag, 6. Aufl., 2008, S. 321
10 Vgl. Drumm H. J., Springer Verlag, 6. Aufl., 2008, S. 322
11 Vgl. §8 BBiG sowie Stock-Homburg, R., Gabler Verlag, 1. Auflage, 2008, S. 159
12 Vgl. Oechsler, W., Oldenbourg Verlag, 8. Auflage, 2006, S. 518
5
2.2. Die Bildungsträger
Die Bildungsträger innerhalb des dualen Systems sind die Unternehmen bzw. die öffentlichen Arbeitgeber und der Staat. Die staatliche Bildungsinstitution der Berufsschule hat es zur Aufgabe den Auszubildenden allgemein-angelegte und theoretisch-fundierte Lehrinhalte zu den jeweiligen Berufsbildern zu vermitteln. 13 Hierzu werden im Rahmen des Schulgesetzes spezifische Rahmenlehrpläne und Stundentafeln erstellt. Den überwiegenden Teil der Ausbildungszeit verbringen die Auszubildenden jedoch im ausbildenden Unternehmen. Hier werden diesen die fachlichen und praktischen Fertigkeiten beigebracht, welche für die Ausübung der spezifischen Berufe notwendig sind. 14 Von besonderer Wichtigkeit für die Lehrlinge ist dabei das Sammeln unternehmensspezifischer Berufserfahrung am späteren Arbeitsplatz. Die Lehrinhalte, welche die Betriebe vermitteln müssen sind genau in den berufsspezifischen Ausbildungsordnungen und dem BBiG festgelegt. Hierin ist weiterführend auch die generelle Ausbildungstauglichkeit von Unternehmen geregelt. 15 Für die Betriebe ist die duale Ausbildung ein Instrument der Personalbeschaffung, mit welchem der eigene Bedarf an Fachkräften gedeckt werden kann. 16
2.3. Die Chancen des dualen Systems
Da der Großteil der Berufsausbildung in der Betriebspraxis stattfindet, können die Auszubildenden entsprechend den Anforderungen und Bedürfnissen der Ausbildungsbetriebe qualifiziert werden. Hierdurch können hohe Einarbeitungskosten vermieden werden. 17 Da zudem die Ausbildung einen länger währenden Zeitraum von bis zu drei Jahren umfasst, besteht die Möglichkeit eines umfassenden Kennenlernens beider Parteien. Auf diese Weise können Fehlentscheidungen in Bezug auf das weitergehende Arbeitsverhältnis von beiden Seiten wirksam vorgebeugt werden. 18 Vorteilhaft für den Auszubildenden ist, dass dieser über die gesamte Ausbildungsdauer hinweg eine Vergütung des Betriebes bezieht und auf diese Weise seine Berufsausbildung finanzieren kann. 19 Zudem werden durch die praktische Berufserfahrung und die damit verbundene Übernahme bestimmter Verantwortungen
13 Vgl. Stock-Homburg, R., Gabler Verlag, 1. Auflage, 2008, S. 157
14 Vgl. Stock-Homburg, R., Gabler Verlag, 1. Auflage, 2008, S. 157f
15 §§ 27-33 BBiG
16 Vgl. Drumm H. J., Springer Verlag, 6. Aufl., 2008, S. 322
17 Vgl. Schelten, A., Franz Steiner Verlag; 3. Auflage; 2004, S. 80f
18 Vgl. Stock-Homburg, R., Gabler Verlag, 1. Auflage, 2008, S. 160
19 Vgl. §§ 17-19 BBiG
6
innerhalb des Betriebes die Fach-, die Methoden und die Sozialkompetenzen der Auszubildenden ausgeweitet. 20 Gleichzeitig erfahren die Auszubildenden aber auch eine theoretisch sehr fundierte Ausbildung. Im europäischen Vergleich stellt das duale System ein Modell mit Vorbildfunktion dar. 21
2.4. Die Hemmnisse des dualen Systems
Ein grundlegender Nachteil des dualen Systems ist dessen geringe Reagibilität bzw. Anpassungsfähigkeit auf Veränderungen in den diversen Berufsbildern. 22 So wird generell nur eine breit angelegte Berufsgrundlage vermittelt, welche auf dem aktuellen Wissensstand im jeweiligen Bereich basiert. Eine weiterführende Qualifizierung im spezifischen Berufsfeld nach Beendigung der Ausbildung wird grundsätzlich nicht angeboten. Teilweise sind solche Weiterbildungen dann für den Arbeitnehmer bzw. Betrieb mit zusätzlichen Kosten verbunden. Dies stellt besonders für KMU´s eine zusätzliche Belastung dar. 23 Dies ist besonders im Hinblick auf die zunehmende Wandlungsgeschwindigkeit von Wissen sehr kritisch zu betrachten. 24 Ein weiterer Nachteil stellt die Abstimmungsproblematik zwischen den Bildungsträgern Betrieb und Berufsschule dar. 25 So können Lehrinhalte zweifach vermittelt werden, wodurch die Ausbildungszeit ineffektiv genutzt wird. Zudem ist es möglich, dass wichtige Inhalte gar nicht vermittelt werden, da die Zuständigkeit beim jeweils anderen Bildungsträger gesehen wird.
Erläuterung zu These 1
Aus der Dualität der Berufsausbildung in Deutschland ergeben sich Defizite im Hinblick auf die Einarbeitung von Auszubildenden. 26 Dies betrifft auch die Regelung der curricularen Lehrinhalte beider Ausbildungsträger. So werden die Lehrpläne der betrieblichen Ausbildung bundeseinheitlich durch das Berufsbildungsgesetz (BBiG) bzw. die fachspezifischen
20 Vgl. Stock-Homburg, R., Gabler Verlag, 1. Auflage, 2008, S. 160
21 Vgl. Drumm H. J., Springer Verlag, 6. Aufl., 2008, S. 326
22 Vgl. Erlinghagen, M., Verlag für Sozialwissenschaften; 1. Auflage, 2004, S. 261
23 Vgl. Vgl. Pillat R., Haufe Verlag, 6. Aufl., 1994, S. 351 und S. 239 sowie Avenarius, H., Rux, J., Juventa Verlag; 1.
Aufl., 2004, S. 66
24 Vgl. Erlinghagen, M., Verlag für Sozialwissenschaften; 1. Auflage, 2004, S. 262
25 Vgl. Schelten, A., Franz Steiner Verlag; 3. Auflage; 2004, S. 84f
26 Vgl. Drumm H. J., Springer Verlag, 6. Aufl., 2008, S. 323
7
Ausbildungsordnungen (AO) festgelegt, 27 währenddessen sich die Lehrpläne der Berufsschulen an den länderspezifischen Schulrechten orientieren. 28 Diese, innerhalb des dualen Systems unumgängliche Korrelation, kann Koordinationsprobleme zwischen den beiden Ausbildungsträgern Berufsschule und Lehrbetrieb nach sich ziehen. 29 Dadurch kann die fachspezifische Qualifizierung der Auszubildenden beeinträchtigt werden. Folglich besteht die Gefahr, dass eine enge Verbindung von Theorie und Praxis, als ein wesentliches Ziel des dualen Systems, nur noch unzureichend gewährleistet werden kann. 30
Demgemäß kann es vorkommen, dass Lehrinhalte in Betrieb und Berufsschule doppelt vermittelt werden. So werden bereits in KMU´s theoretische Lehrinhalte zunehmend während der praktischen Unterrichtung der Auszubildenden weitergegeben. Ursächlich hierfür sind die dynamischen Veränderungen in den Anforderungs- und Qualifikationsprofilen der Berufsbilder, u.a. bedingt durch den Einsatz neuer Technologien und IT-Systeme. 31 Diese Entwicklung betrifft auch eher traditionelle Berufe des Handwerks und des produzierenden Gewerbes. 32 Weiterhin kommt es vor, dass diese Dynamisierung der Berufsbilder von den Berufsschulen nicht zeitnah erkannt und entsprechend bei der Gestaltung der Lehrpläne berücksichtigt wird. 33 Als Grund hierfür kann bspw. eine zu geringe Anzahl an Betriebspraktika der Berufsschullehrer angeführt werden. Dies führt u.U. dazu, dass Auszubildende nur unzureichend auf ihre Aufgaben in der Betriebspraxis vorbereitet werden und dementsprechend für ihre Ausbildungsbetriebe weniger produktiv sind. 34 Als Folge muss der Lehrling zeitintensiv im oftmals stressbehafteten Tagesgeschäft On-the-Job vom Ausbilder angelernt werden. 35 Diese Doppelbelastung des Ausbildungspaten kann in KMU´s die Beziehung zum Auszubildenden u.U. stark belasten. 36 Bei letzterem stellt sich dann schnell Demotivation und Unzufriedenheit mit dem eigenen Arbeitsplatz ein, was für eine produktive Zusammenarbeit kaum förderlich ist. Auch eine weiterführende Schulung nach
27 Nach § 4 Absatz 2 BBiG
28 Vgl. Bontrup H.-J., Oldenbourg Verlag, 1. Aufl., 2001, S. 71
29 Vgl. Lipsmeier A., Pätzold G., Franz Steiner Verlag, 2000, S. 225
30 Vgl. Kolb M., Gabler Verlag, 1. Aufl., 2005, S. 435
31 Vgl. Baerwald M., Bischof T., Grin Verlag, 1. Aufl., 2004, S. 11
32 Vgl. Bericht der Qualifizierungskoordinatorinnen des VMET - Qualifizierungs- und Fachkräftebedarf in
Thüringen, S. 17
33 Vgl. Drumm H. J., Springer Verlag, 6. Aufl., 2008, S. 326
34 Dies wiederspricht elementar dem §1 Absatz 3 BBiG
35 Vgl. Bontrup H.-J., Oldenbourg Verlag, 1. Aufl., 2001, S. 175 sowie SGD, Grundfragen der Berufsbildung, S. 9
36 Vgl. Pillat R., Haufe Verlag, 6. Aufl., 1994, S. 316
8
Beendigung der Ausbildung über neue Entwicklungen und Trends im jeweiligen Berufsfeld findet vonseiten der Berufsschulen zumeist nicht statt. 37
Die Koordinationsproblematik bei der dualen Berufsausbildung führt zu Defiziten bei der Produktivität der Auszubildenden für den Betrieb bzw. einer unnötigen Verlängerung der Ausbildungszeit. 38 Dieser Umstand ist besonders für KMU´s prekär, da sich bei diesen die Ausbildungskosten oftmals nicht unerheblich auf den Betriebserfolg auswirken. 39 Zudem sind Auszubildende in KMU´s generell stark in den Produktionsprozess mit eingebunden, sodass sich hier Produktivitätsdefizite wesentlich negativer auf den Betriebserfolg auswirken als bspw. bei Großbetrieben. 40 Demzufolge würde eine besser koordinierte, zügigere und an den Betriebsbedürfnissen ausgerichtete Berufsausbildung, für die im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt ansässigen KMU´s, einen wirklichen Mehrwert darstellen. Diese könnten sich so den wirtschaftlichen Zwängen und Problemen der eher strukturschwachen Region besser stellen, da sie so ihr Potenzial an Arbeitskräften optimal nutzen können. Nicht zuletzt würden sich auch positive Effekte für die Auszubildenden selbst ergeben. Wichtige Aspekte sind hier u.a. der Lohnzugewinn einer zeitnahen Festanstellung oder eine längerfristige Bindung jener jungen Menschen an die Region bzw. den Betrieb. Der Aspekt der zeitnahen Festanstellung ist nicht zuletzt für jene KMU´s erstrebenswert, welche sich schon frühzeitig für die Übernahme ihrer gut qualifizierten Auszubildenden entscheiden. Ein zeitnaher Einsatz des vollen Arbeitspotenzials dieser Auszubildenden ist für KMU´s ein nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor. Kritisch sollte vor allem die oftmals zu breit angelegte Grundlagentheorie der Berufsschulen nach § 1 Abs. 2 BBiG hinterfragt werden. Hier muss eine Balance zwischen Theorie und Praxis geschaffen werden. 41
Aufgrund der Dualität zwischen Berufsschule und Betrieb wird weiterhin die Flexibilität der Auszubildenden eingeschränkt. Besonders die zeitlichen und örtlichen Beschränkungen stellen für KMU´s ein relativ großes Hemmnis dar. 42 So sind diese besonders in Phasen mit hohem Auftragsvolumen auf die Arbeitskraft ihrer Auszubildenden angewiesen. In dieser Situation ist folglich ein Blockseminar des Auszubildenden in der Berufsschule für die
37 Vgl. Drumm H. J., Springer Verlag, 6. Aufl., 2008, S. 326
38 Vgl. Drumm H. J., Springer Verlag, 6. Aufl., 2008, S. 226
39 Vgl. Münch, J., Erich Schmidt Verlag; 1. Auflage; 1996; S. 112ff
40 Vgl. Nerdinger, F., Blickle G.; Schaper Niclas, Springer Verlag; 1. Auflage; 2008; S. 82ff
41 §1 Abschnitt 4 BBiG
42 Vgl. Flitner A., Petry C., Richter I., Leske + Budrich Verlag, 1. Aufl., 1999, S. 39f
9
zufriedenstellende Erfüllung der Kundenaufträge hinderlich. Dem Unternehmen als bestimmenden Lernort müssen hier mehr Möglichkeiten zum flexiblen Einsatz ihrer Auszubildenden eingeräumt werden, ohne dabei aber die Qualität der theoretischen Ausbildung einzuschränken. 43
Der Betrieb schließt den Ausbildungsvertrag nach § 10 BBiG, finanziert den Großteil der Ausbildungskosten und schließt den Auszubildenden generell über die Lehre hinaus längerfristig in die Betriebsplanung mit ein. 44 Deshalb sollte die starre Gesetzgebung im Bereich der Berufsausbildung mehr an die spezifischen Bedürfnisse der KMU´s angepasst werden, da diese bei auftretenden Problemen und Beschränkungen zukünftig womöglich weniger daran interessiert sind auszubilden. 45 Hierzu trägt auch die tendenzielle Überregulierung bei, die besonders kleine Betriebe welche erstmals ausbilden, eher abschreckt als ermutigt. Ein Indikator dafür sind die zahlreichen Rechtsquellen, auf welchen die duale Berufsausbildung in Deutschland basiert. Hierzu zählen u.a. das Berufsbildungsgesetz, das Jugendarbeitsschutzgesetz, die Handwerksordnung die Ausbildereignungsverordnung sowie die branchenspezifischen Ausbildungsordnungen. 46 Die niedrige Flexibilität des dualen Systems offenbart sich auch in den langen Amtswegen, welche für Innovationen im Prozess der Berufsausbildung durchlaufen werden müssen. 47
Die im folgenden Abschnitt erörterten Methoden und das darauf aufbauende
Maßnahmenkonzept sollen dazu beitragen, Ausbildungshemmnisse zu überwinden und die Attraktivität der Berufsausbildung für KMU´s im Landkreis Saalfeld Rudolstadt zu erhöhen. Grundsätzlich wird der Fokus auf der Steigerung der Produktivität der Auszubildenden liegen. Dabei wird das Konzept vordergründig auf die Perspektive der lokalen Unternehmen ausgerichtet werden, da diese die direkten Teilnehmer des PERSEUS-Projektes darstellen und da in diesen Maßnahmen zeitnaher realisiert werden können als in staatlichen Organen.
43 Greinert 1998 s. 23
44 §§ 2-6 BBIG
45 Vgl. Schelten, A., Franz Steiner Verlag; 3. Auflage; 2004, S. 84
46 Vgl. Pillat R., Haufe Verlag, 6. Aufl., 1994, S. 351 sowie Avenarius, H., Rux, J., Juventa Verlag; 1. Aufl., 2004, S.
14
47 Vgl. § 6 BBiG
10
2. These: „Durch die effektive Gestaltung des Prozesses der Personaleinführung, kann die Bindung der Auszubildenden verstärkt und demzufolge die Profita-
bilität der Betriebe gesteigert werden, was die langfristig gravierenden Folgen des demographischen Wandels auf die Wirtschaft im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt abmildert.“
3. Personaleinführung
3.1. Begriffsdefiniton
Die Personaleinführung, alternativ auch als Personal-Implacement bezeichnet, umfasst die fachliche und soziale Einarbeitung bzw. Eingliederung neuer Mitarbeiter in das Unternehmensumfeld. 48 Dies ist ein hauptsächlich informativer Vorgang, welcher einer genauen Planung vor dem Antritt der Stelle bedarf. 49 Im Verlauf eines Sozialisations- und Lernprozesses wird der Mitarbeiter an das neue Arbeitsumfeld und die ungewohnte soziale Umgebung gewöhnt. Das Ziel des Implacements ist es, den „Neuen“ mit einem möglichst effektivem Zeit- und Kostenaufwand die spezifischen Aufgaben, Erwartungen sowie Werte und Normen des Unternehmens näher zu bringen. 50 Eine zügige Integration des Auszubildenden in den Betrieb soll dessen Leistungsfähigkeit, Motivation und Kreativität fördern sowie Negativfaktoren wie Stress, Angst und Unsicherheit in der Anfangsphase auf ein Minimum begrenzen. 51 Zu Unrecht wird dem Implacement oftmals einen geringeren Stellenwert beigemessen als der Personalbeschaffung. Die Suche nach qualifizierten Auszubildenden ist gerade für KMU´s im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt mit hohen Beschaffungskosten verbunden. 52 Deshalb sollte es vermieden werden diese aufgrund von Unzufriedenheit, Demotivation, innerer Kündigung oder aufgrund des Verfehlens der erwarteten Leistungsanforderungen wegen ungenügender Unterweisung rasch wieder zu verlieren. 53
48 Vgl. Kolb, M., Gabler Verlag; 1. Auflage; 2005, S. 129
49 Vgl. Jung, H., Oldenbourg Verlag; 1. Auflage; 2008, S. 183
50 Vgl. John, R., Grin Verlag; 1. Auflage; 2007; S. 22f
51 Vgl. Bergmann, S., Grin Verlag; 1. Auflage; 2007, S. 56f
52 Vgl. John, R., Grin Verlag; 1. Auflage; 2007; S. 23f
53 Vgl. Kolb, M., Gabler Verlag; 1. Auflage; 2005, S. 129
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