1. Einleitung
Nachdem ich mein erstes Studienjahr an der Philipps-Universität Marburg, an der ich mich seit dem Wintersemester 2007/2008 dem Studium der Medienwissenschaft widme, absolviert hatte, war ich sehr gespannt auf die Möglichkeit, neben der theoretischen Wissensvermittlung nun auch praktische Eindrücke und Erfahrungen im Bereich meines Fachgebietes in Form eines Praktikums sammeln zu können.
Da sich mein Studium der Medienwissenschaft vor allem auf den Bereich der audiovisuellen Medien bezieht und diesen in seinen einzelnen Facetten und Disziplinen genauer untersucht, war ich bestrebt, auch mein Praktikum in genau diesem Bereich zu absolvieren. Auf Grund meines persönlichen Interessenschwerpunkts auf den Gebieten Fernsehjournalismus sowie Fernsehproduktion wollte ich meine Suche besonders auf diesen Bereich fokussieren. Nachdem ich mein erstes Praktikum bei einem privaten Radiosender geleistet hatte, wollte ich nun die Gegenseite kennenlernen und praktische Eindrücke bei einem öffentlich-rechtlichen Sender sammeln, um so mein Wissen sowie meinen Erfahrungsschatz zu erweitern.
Bei der Suche nach einer passenden Praktikumsstelle war mir vor allem wichtig, dass ich nach meinen redaktionellen Erfahrungen nun auch auf produktionstechnischer Ebene Einblicke gewinnen konnte, um somit die ganzheitlichen Abläufe einer Medienproduktion von der Idee über die Konzeption, bis hin zur produktionellen Umsetzung und der anschließenden Postproduktion kennen zu lernen. Die Suche nach einem geeigneten Platz empfand ich als überraschend angenehm, da öffentlich-rechtliche Sender Studienpraktikanten 1 ausdrücklich auffordern, sich auch nur für kurze Zeiträume zu bewerben und für ihre Arbeit sogar vergütet werden, was bei meinen bisherigen Praktika nicht der Fall war. Ich bewarb mich beim HR für die Tatortproduktion, bei Radio Bremen für eine Regionalsendung, beim MDR für Produktionen des Kinderkanals, und beim WDR für die Sendung mit der Maus, da ich mir Arbeit mit Kindern gut vorstellen konnte. Einzig vom WDR erhielt ich eine Zusage, wobei ich hier nicht nur den genauen Zeitraum des Praktikums selbst festlegen durfte, sondern noch nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen musste. Leider wird „Die Sendung mit der Maus“ jedoch von einer extern beschäftigten Produktionsfirma für den WDR produziert, wodurch ich letztendlich doch in die allgemeine Eigenproduktion des WDR gelangte und bei verschiedenen Formaten Eindrücke sammelte.
1 Anm. der Autorin: Der Einfachkeit halber wird nur die männliche Anrede benutzt, selbstverständlich sind bei
allen Anreden und Personennennungen damit auch weibliche Personen gemeint
1
In der folgenden persönlichen Berichterstattung des von mir absolvierten zweimonatigen Praktikums möchte ich meine gesammelten Eindrücke und Erfahrungen nachträglich reflektieren. Aus der Verschriftlichung meiner Impressionen soll ein fundiertes Erfahrungsgefüge für die Arbeitsbereiche, in denen ich primär tätig war, gebildet werden, wodurch schließlich eine Überprüfung der eigenen Studienmotivation sowie des bisherigen theoretischen Wissensstandes ermöglicht wird.
Im ersten Teil meines Berichts soll eine eingängige Beschreibung meines Praktikumsgebers erfolgen, in der sowohl auf die Organisationsstruktur, als auch auf die verschiedenen Arbeitsbereiche und Projekte innerhalb des Unternehmens näher eingegangen werden soll. In Anschluss daran werde ich meine persönlichen Aufgabenbereiche und Tätigkeitsfelder innerhalb der Firma reflektieren und mit gezielten Fallbeispielen belegen. Abschließend möchte ich einen wissenschaftlichen Bezug zu den von mir zuvor verschriftlichten Erfahrungen und Eindrücken herstellen und die aktuelle Diskussion der Verantwortung der öffentlich-rechtlichen Sender gegenüber der Gesellschaft aufgreifen. Die abschließende Bewertung möchte ich für kritische Bemerkungen nutzen und ein Fazit aus meiner Zeit beim WDR definieren.
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2. Praktikumsgeber und Praktikumsplatz
2.1. Organisationsstruktur
Der Westdeutsche Rundfunk ist eine öffentlich-rechtliche Landesrundfunkanstalt mit Hauptsitz in Köln. Die Entstehung erfolgte 1956 durch die Aufspaltung des NWDR in den WDR und den NDR. Der WDR ist Mitglied und mit 21,25% Anteil am Gesamtprogramm auch größte Sendeanstalt der ARD-Gruppe. Der WDR liefert dem Ersten Fernsehprogramm unter anderem Sendungen wie „Die Mausshow“, das ARD-Morgenmagazin, die Sportschau, und die Serie „Lindenstraße“ zu.
Als öffentlich-rechtliche Sendeanstalt wird der WDR von einer Intendantin geleitet (seit 2007 amtierend: Monika Piel), die dabei dem Verwaltungsrat und den Rundfunkrat in ihre Entscheidungen einbeziehen muss. 2 Ihr Arbeitsfeld unterteilt sich in die Fernseh-, Hörfunk-, Produktion und Technik-, sowie die Verwaltungsdirektion.
Die für mein Praktikum relevante Abteilung ist die Studioproduktion. Dieser Bereich ist in drei betriebliche Programmgruppen unterteilt (PB1, PB2, PB3), die jährlich zusammen über 200 unterschiedliche Sendeformate realisieren.
Die Studioproduktion produziert mit fest installierter Technik sowohl tagesaktuelle Formate, als auch aufgezeichnete Sendungen. Hierzu stehen die Studios A, B, C und E sowie die Hallen in Köln-Bocklemünd und die Kulissenstadt der Lindenstraße zur Verfügung. Im Rahmen meines Praktikums beim WDR wurde ich in der Eigenproduktion eingesetzt und habe die Betriebsgruppe PB2 unterstützt. Zur PB2 gehören Bereiche wie z.B. Service und Ratgeber, Religion, Wissenschaft, Kultur oder Sonderprojekte.
Die Aufgabe der Abteilung Eigenproduktion ist die Planung, Kalkulation, Herstellung und Abrechnung von FS-Eigenproduktionen des WDR. Hier wird der gesamte Produktionsablauf organisiert, unabhängig davon ob es sich um eine Außenübertragung, eine Studioproduktion oder um einen EB-Einsatz 3 handelt.
Die Abteilung kalkuliert die jeweiligen Produktionen und ist verantwortlich für die Einhaltung des Produktionsetats. Dabei muss eine direkte Kommunikation zwischen den Mitwirkenden über die zuständigen Dispositionen erfolgen, um einen sinnvollen und kostengünstigen Einsatz der FS-Produktionstechnik und des einzusetzenden Personals zu erreichen. Die Struktur des WDR ist durch seine enorme Größe für mich als Praktikanten nur schwer durchschaubar gewesen. Auch die Mitarbeiteranzahl meiner Abteilung ist nur zu schätzen (ca.
2 Vgl. http://www.wdr.de/unternehmen/basis_struktur/orga.jhtml
3 EB - Professionelle Schulterkamera ohne Kabel, ermöglicht Bewegungsfreiheit mit qualitativen Bildern
3
100), da viele freie Mitarbeiter eingesetzt werden, manche mehrere Projekte und Abteilungen zugleich bedienten und zugleich eine große Rotation innerhalb der Teams erfolgte. Die Büroräume erstrecken sich über das Vierscheibenhaus, einem eindrucksvollen Glasgebäude mit unterschiedlichsten Abteilungen von Marketing über Musikredaktion und Personalabteilung, das mit 8 Stockwerken á ca. 70 Büros (pro Büro ca. 3 Mitarbeiter) bestückt ist und das Archivhaus, das ebenfalls 5 Stockwerke beherbergt. Im Keller den Archivhauses befinden sich Studios, genau wie im angrenzenden Filmhaus. Der WDR erstreckt sich über die gesamte Kölner Innenstadt und ist über Lufttunnel und Durchgänge miteinander verbunden. Hinzu kommen die Außenstudios in Bocklemünd in denen größere Produktionen mit aufwendigeren Sets und Publikum gedreht werden.
2.2. Projekte und Einsatzgebiete
Während meiner Zeit in der Eigenproduktion war ich in der Funktion einer Aufnahmeleiterin tätig. Hierbei habe ich kein alleiniges Format betreut, sondern bin mit den jeweiligen Produktionen rotiert. Jeweils eine Woche verbrachte ich somit bei der „Mausshow“, „Quarks & Co.“, „WDR Rockpalast“ sowie der Sendung „West.Art“. Mein primärer Aufgabenbereich war das Format „Servicezeit“, bei dem ich vier Wochen beschäftigt war, und das ich im Folgenden vorstellen möchte.
Das Magazin „Servicezeit“ ist ein werktäglich von 18:20-18:50 im WDR erscheinendes Format, das sich im Wechsel aus Studioanteilen und vorproduzierten Einspielern zusammensetzt. Das inhaltliche Angebot erfährt innerhalb der Woche einen täglichen Wechsel und reicht von Informationen und Tipps zu Gesetzen und politischen Plänen, Familie und Erziehung, Geld und Gesundheit, über die Themen Reise, Technik und Unterhaltung bis hin zu Essen und Trinken. Durch die einheitliche Aufmachung und Absprache zwischen den zuständigen Redaktionen ergibt dieser tägliche Wechsel dennoch ein homogenes Bild, das sich den Service am Ottonormalverbraucher auf die Fahnen geschrieben hat. Montags geht es bei der „Servicezeit Gesundheit“ ausschließlich um das Thema Krankheiten, Impfungen und Risikogebiete - diese Servicezeit hat von allen nicht nur die beste Einschaltquote, sondern im Schnitt auch das älteste Zielpublikum. Dienstags berichtet die „Servicezeit Mobil“ über die Themen Reisen, Verkehr und Technik, die mobiles Leben überhaupt erst möglich macht. Mittwochs steht die Familie im Mittelpunkt. Dabei geht es ebenso um Probleme zwischen Kindern und Eltern wie um Verbraucherfragen und Haushaltstipps. Donnerstags dreht es sich in der „Servicezeit Wohnen & Garten“ um
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Arbeit zitieren:
Luise Knah, 2008, Die WDR Eigenproduktion - Ein Erfahrungsbericht, München, GRIN Verlag GmbH
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