Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Begriff und Definition der Korruption 2
2.1. Begriff 2
2.2. Definition. 3
3. Geschichtlicher Abriss. 5
4. Positive Folgen von Korruption 6
4.1. Speed Money 7
4.2. Korruption als Wettbewerbsförderer 8
4.3. Korruption zum Schutz und Vorteil von Minderheiten 8
4.4. Investitionssicherheit durch Korruption 8
4.5. Korruption zur Kapitalstockbildung in Entwicklungsländern 9
4.6. Korruption als Wachstumsförderer bzw. -beschleuniger 9
4.7. Zusammenfassung 10
5. Fazit 10
Quellen - und Literaturverzeichnis
1. Einleitung
,,Auf den ersten Blick mag es überflüssig scheinen, über die moralische Bewertung der Korruption überhaupt nachzudenken. Es scheint, als könne es gar keinen Zweifel daran geben, dass Korruption immer moralisch zu verurteilen ist; denn schließlich hat doch schon das bloße Wort ,,Korruption’’ die negative Konnotation von Zerstörung, und oft wird es als Synonym für ,,Zerfall’’ oder ,,Zersetzung gebraucht.’’ 1 Diese Einschätzung von Ernesto Garzón Valdés ist in Anbetracht der unzähligen negativen Folgen und Schäden, die Korruption hervorbringen kann, gut nachzuvollziehen. Wettbewerbsverzerrung, die Blockade von Entwicklung und Innovation, Versickern von Geldern für den öffentlichen Sektor und Vertrauensverluste in politische und wirtschaftliche Eliten sind nur einige Beispiele die dieses schlechte Bild bekräftigen. Allgemein betrachtet gilt Korruption durch seine Schädlichkeit also als wirtschaftlich und politisch destabilisierend für gesellschaftliche Systeme. 2 Andere Ansätze widersprechen der rein negativen Bewertung von Korruption. Zwar ist sie in zahlreichen Ländern per Gesetz verboten und wird zwecks einer Eingrenzung von wirtschaftlichen und gesellschaftliche Schäden offiziell bekämpft, sie wird von einigen jedoch nicht in jedem Fall als moralisch verwerflich angesehen. 3 Die Frage ist nur, ob kurzfristige positive Folgen von Korruptionshandlungen, wie sie unter Punkt 4 beschrieben werden, ausreichen, um von einem gänzlich negativen und abwertenden Standpunkt gegenüber korruptem Verhalten abzuweichen.
Dass Korruption individuelle Vorteile bringt, ist hinlänglich bekannt, jedoch gibt es auch einige positive Aspekte beziehungsweise Formen der Bestechung, bei denen die Folgen über die vorteiligen Effekte für Einzelne hinaus gehen und sowohl bedeutende materielle als auch immaterielle Vorteile hervorbringen. Diese Arten positiver Korruption sollen mit ihren nach- und vorteiligen Gesichtspunkten im Folgenden erläutert werden. Zudem stellt sich die Frage, warum sich immer wieder mit positiver Korruption beschäftigt wird, wo sie im allgemeinen, sowohl journalistisch, als auch politisch, unternehmerisch und wissenschaftlich,
1 VALDES, Ernesto Garzón: Zur moralischen Bewertung von Korruption: ein Vorschlag, in: Dimensionen
politischer Korruption - Beiträge zum Stand der internationalen Forschung, Politische Vierteljahresschrift,
Sonderheft 35/2005, Wiesbaden 2005, S. 155.
2 Vgl. HETZER, Wolfgang: Kapitulation vor der Korruption?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 3-4/2009, S. 6.
3 Vgl. FÜNFGELD, Brigitte/ HUBER Brigitte: Relevanz von Ethik und Moral in Zusammenhang mit
Korruption, Zürich 2007, S. 5.
als wirtschaftsschädigend und ethisch und moralisch falsch erachtet wird. 4 Als einer der Hauptgründe hierfür ist zweifelsohne die Diskussion über die Kausalitäten von Korruption und Wirtschaftswachstum zu nennen. Auf der einen Seite besteht die Überzeugung, Marktwirtshaften können nur wachsen, wenn Verwaltung, Politik und Wirtschaft frei von Korruption sind. 5 Auf der anderen Seite wird Bestechung zum Teil aber auch, wie in Punkt 4.2 und 4.6 erläutert, als wettbewerbs- und wachstumsfördernd angesehen. Eine dritte Meinung wird unter anderem von Stephan A. Jansen und Birger P. Priddat vertreten, die keinen direkten, empirisch bewiesenen Zusammenhang zwischen Wachstum und Korruption sehen. 6
Warum findet aber nun positive Korruption so wenig Beachtung? Warum wird Bestechung fast ausschließlich als moralisch und ethisch schlecht wahrgenommen, obwohl es auch, wie unter Punkt 4 beschrieben, positive Folgen von Korruption gibt? Dies soll nachfolgend anhand einer begrifflichen und definitorischen Eingrenzung, einer Betrachtung der geschichtlichen Entwicklung und der Erläuterung positiver Formen der Korruption geklärt werden.
2. Begriff und Definition
Für diese Arbeit ist eine kurze Begriffserläuterung sowie die Definition von Korruption unumgänglich. Da es für dieses vielschichtige Thema weder eine einheitliche Begriffserklärung noch eine allgemeingültige Definition gibt, wird dieser Abschnitt etwas ausführlicher gestaltet als vielleicht notwendig.
2.1. Begriff
Der Begriff Korruption stammt vom lateinischen ,,corrumpere’’ ab, was soviel wie bestechen, verfälschen oder verderben bedeutet. 7 Man sieht also, dass bereits das Wort ,,Korruption’’
4 Vgl. JANSEN, Stephan A./ PRIDDAT, Birger P.: Korruption: Unaufgeklärter Kapitalismus - Multidisziplinäre
Perspektiven zu Funktionen und Folgen der Korruption, Wiesbaden 2005, S. 15.
5 Vgl. GIANNAKOPOULOS, Angelos/ TÄNZLER, Dirk: Deutsche Ansichten zur Korruption, in: Aus Politik
und Zeitgeschichte, 3-4/2009, S. 17.
6 Vgl. JANSEN, Stephan A./ PRIDDAT, Birger P.: Korruption: Unaufgeklärter Kapitalismus - Multidisziplinäre
Perspektiven zu Funktionen und Folgen der Korruption, Wiesbaden 2005, S. 16.
7 NOHLEN, Dieter/ SCHULTZE, Rainer-Olaf: Lexikon der Politikwissenschaft, Band 1, München 2005, S. 491.
einen ,,schlechten Ruf’’ mit sich bringt. Zudem kann dieser Begriff ganz verschiedene Inhalte haben, je nachdem, in welchem Zusammenhang er von wem gebraucht wird. So versteht zum Beispiel Hans Herbert von Arnim den Begriff in dreierlei Hinsicht. Zum einen rechnet er ,,Korruption’’ dem Verständnis der Strafrechtler zu, die darunter Handlungen verstehen, welche in den entsprechenden Paragraphen des Strafgesetzbuches aufgeführt sind. Darunter zählen beispielsweise die Tatbestände ,,Vorteilsgewährung’’, ,,Bestechung’’ oder ,,Bestechung im geschäftlichen Verkehr’’. 8 Die Korruption aus der Sicht von Politik- und Sozialwissenschaftlern beschreibt Arnim hingegen als weiter gefasst, denn hier fällt unter den Begriff ganz allgemein der Missbrauch von anvertrauter Macht zu privatem Nutzen, unabhängig davon, ob die jeweilige Tat unter Strafe steht oder nicht. Hierzu gehören dementsprechend auch Untreue oder Ämterpatronage. 9 Zuletzt betrachtet Arnim den Begriff Korruption als noch weiter gefasst, nämlich als bloßes ,,Einknicken’’ vor der Macht. Damit sind Korruptionshandlungen gemeint, die dazu dienen, den eigenen Status zu verbessern, oder simpel ausgedrückt, um einfach vorwärts zu kommen oder aufzusteigen. Damit einher geht eine Aufgabe eigener Auffassungen und Überzeugungen gegenüber dem Machtinhaber. Bei diesem dritten Korruptionsbegriff geht es vordergründig um Fragen des Berufsethos von Beamten, Politikern und anderen. 10 Für die Bearbeitung der Fragestellung ist es nicht nötig eine der Begriffsformen in den Fordergrund zu heben, da es sich im Verlauf der Arbeit um (positive) Korruptionsformen handelt, die durchaus verschiedenen dieser drei Begriffszusammenhänge zugeordnet werden können.
2.2. Definition
Durch die unterschiedlichen Auslegungen des Begriffs Korruption kann es keine einheitliche Definition geben. Der Grundtenor ist jedoch, dass Korruption als der Missbrauch eines öffentlichen Amtes oder einer Vertrauensstellung zum eigenen Vorteil oder zum Vorteil Dritter angesehen wird. So definiert auch Rainer-Olaf Schultze Korruption, nämlich als den ,,Missbrauch öffentlicher Macht, Ämter, Mandate zum eigenen privaten Nutzen und/ oder zum Vorteil Dritter durch rechtliche oder auch soziale Normenverletzungen, die in der Regel
8 Vgl. ARNIM, Hans Herbert von: Korruption - Netzwerke in Politik, Ämtern und Wirtschaft, München 2003, S.
17f.
9 Ebd. S.18.
10 Ebd. S. 19.
Arbeit zitieren:
Paul Perschke, 2010, Ethische und moralische Bewertung von Korruption unter Berücksichtigung ihrer positiven Folgen, München, GRIN Verlag GmbH
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