2. Definitionen 2.1 Tourismus
Die WTO definiert den Begriff „Tourismus“ folgendermaßen: „Tourismus umfaßt die Aktivitäten von Personen, die an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit-, Geschäfts- oder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten.“ 6
2.2 Städtetourismus
„Unter Städtetourismus versteht man die Gesamtheit aller Aktivitäten von Touristen bei ihrem Aufenthalt in Städten. Dazu zählt sowohl der Urlaub mit Übernachtung als auch der Tagesausflug.“ 7
Die Touristen kann man grob differenzieren nach Geschäftsreisenden, zum Beispiel Messebesucher, Tagungsteilnehmer und Kongressbesucher, nach Privatreisenden, zum Beispiel Bekannten- oder Verwandtenbesucher, Shoppingreisende und Sightseeingreisende, und nach Kurbesuchern, zum Beispiel stationäre oder ambulante Kurbesucher in Städten.“ 8
Der Begriff „Städtetourismus“ wird laut Leser folgendermaßen definiert: „Städtetourismus ist eine Reise in eine historisch oder kunstgeschichtlich bedeutsame oder durch ihre natürliche Lage, ihre Einkaufsmöglichkeiten oder ihr Freizeitangebot attraktive Stadt (…). Städtetourismus wird als Individual- oder Gesellschaftsreise - häufig im Rahmen einer Rundreise - durchgeführt und findet häufig an Wochenenden statt.“ 9
„Städtereisen sind typische Kurzreisen mit einer Aufenthaltsdauer von zwei bis vier Tagen. Eine geringe saisonale Ausprägung im Wochen- und Jahresverlauf sowie ein hoher Ausländeranteil sind kennzeichnend.“ 10
3. Ursprünge des Städtetourismus
Der Städtetourismus wird auch als „Urform des Reisens“ 11 bezeichnet. Städte bildeten schon immer die Zentren von Handel und Handwerk und waren der Mittelpunkt von Kultur, Bildung und Politik. Seit jeher gibt es das Phänomen der Städtereisen. Es wurden „Handelsreisen, Wallfahrten, Pilgerreisen, Kreuzzüge,
6 WTO 1993 zitiert nach Freyer, Walter: Einführung in die Fremdenverkehrsökonomie, 8. Auflage, München 2006, S. 2
7 Minde, Antje: Städtetourismus unter http://www.grin.com/e-book/37722/staedtetourismus (17.01.2010)
8 ders., a. a. O.
9 Leser, 1997, S.811 zitiert nach Schiller, Tobias: Tourismusplanung im Ruhrgebiet unter http://www. tobias-schiller.de/arbeiten/tourismus/tourismus.html#Stadt1 (10.04.2010)
10 Hüchering, 1997, S. 45 f. zitiert nach Schiller, Tobias: a. a. O. (17.01.2010)
11 Wenge 2004, S. 6 zitiert nach o. V.: Städtetourismus unter http://soziologie.soz.uni-linz.ac.at/sozthe/ freitour/FreiTour-Wiki/Staedtetourismus.htm (04.04.2010)
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Entdeckerreisen, Wanderungen und Handwerksgesellen“ 12 unternommen. Zum Beispiel reisten die Römer zu den Gladiatorenkämpfen und die Olympischen Spielen wurden von den Griechen besucht. Damals erfolgten die Reisen meistens, im Gegensatz zur Gegenwart, aus politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Gründen. 13
Neben dem durch den Handel hervorgerufenen Geschäftsreiseverkehr bildete sich die sogenannte Grand Tour. Die Grand Tour, die auch als Kavalierstour oder Kavaliersreise und als Junkerfahrt bezeichnet wurde, war eine langjährige Reise im Zeitalter der Renaissance im 16. und 17. Jahrhundert für junge Adelige. Sie besuchten in der Regel Spanien, Großbritannien, Italien, Frankreich, die Schweiz, Deutschland und die Niederlande. 14 Schwerpunkte der Grand Tour waren vor allem die bisher unbekannten Bräuche und Kulturen der bereisten Länder. 15 Zu dieser Zeit bildete sich schon eine touristische Infrastruktur mit ersten Unterkunftsformen. Diese ersten Unterkünfte waren Gasthöfe und Herbergen. 16
Die Einführung des Dampfschiffes in der Mitte des 18. Jahrhunderts, der Eisenbahn in der Mitte des 19. Jahrhunderts und des Passagierflugzeuges in der Mitte des 20. Jahrhunderts führten immer wieder dazu, dass die Zahl der Reisenden sprunghaft zunahm. 17 Die heutige rasante Entwicklung des Städtetourismus ist unter anderem auf die Einführung von sogenannten Low-Cost-Carriern („Billig-Flüge“) zurückzuführen. 18
4. Arten des Städtetourismus und Reisemotive der Touristen Der Städtetourismus ist ein „heterogenes Marktsegment“ 19 . Man unterscheidet den Übernachtungstourismus und den Tagestourismus. 20 Diese beiden Arten des Städtetourismus lassen sich wiederum in privat und geschäftlich motivierte Städtereisen unterteilen. Zu dem privaten Städtetourismus gehören die Kultur-, Besuchs-, Besichtigungs-, Shopping- und Eventreisen. Der geschäftliche Städtetourismus vereint klassische Geschäftsreisen, Kongresse und Tagungen,
12 Krumrey, Nicole: Der Effekt von Low Cost Airlines auf den Städtetourismus (…), S. 7 unter http:// books.google.de/books?id=tlRoIojDT3oC&pg=PT26&lpg=PT26&dq=st%C3%A4dtetourismus+ reisemotive&source=bl&ots=AQn5KSRvos&sig=RF4KJ0_WV1zUZ3WhVT_PLxMRBYs&hl=de&ei=kjxTS -WrJI6C _Qa l4 YmbCg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=2&ved=0CAoQ6AEwAQ#v= one page&q=st%C3%A4dtetourismus%20reisemotive&f=false (24.02.2010)
13 vgl. ders., a. a. O.
14 vgl. o. V.: Grand Tour unter http://www.grand-tour-reise.de/grand-tour.html (24.02.2010)
15 vgl. o. V.: Die Geschichte der Grand Tour unter http://www.grand-tour-reise.de/die-geschichte.html (24.01.2010)
16 vgl. o. V.: Geschichte des Tourismus unter http://www.urlaub-welten.de/news/geschichte-des-tourismus-16-05-2006.php (28.03.2010)
17 vgl. Steinecke 2006: 115 f. zitiert nach Krumrey, Nicole: a. a. O.
18 eigene Angaben
19 Theunissen, Susanna, a. a. O., S. 4
20 Krumrey, Nicole: a. a. O., S. 6
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Messen und Ausstellungen und Incentive-Reisen. 21
Die Erwartungen an das jeweilige Reiseziel bzw. die Motive der Reisenden können stark differieren. Die Touristen können in unterschiedliche Touristen-Typen aufgeteilt werden: Stadt-, Musical-, Besucher-, Shopping- und Kultur-Typ. Die Motive der Stadt-Touristen liegen in der allgemeinen Stadtbesichtigung. Die Musical-Touristen reisen, um sich eine bestimmte Musicalaufführung anzuschauen. Den Besucher-Touristen geht es bei ihrer Reise um den Besuch von Verwandten, Bekannten oder Freunden. Die Shopping-Touristen unternehmen eine Reise, um überwiegend einkaufen zu gehen. Und die Kultur-Touristen interessieren sich bei ihrer Reise für die Kultur der Stadt und besuchen dabei unter anderem Theaterstücke, Opern, Konzerte, Museen und Ausstellungen. 22
Was aber reizt die Touristen am stärksten, eine Stadt zu besuchen, ob nun für einen Tag oder für eine Woche? Als die stärksten Anziehungspunkte einer Stadt sind vor allem das kulturelle Angebot und die Sehenswürdigkeiten der jeweiligen Destination zu nennen. Die höchsten Besucherzahlen weisen die Städte auf, die eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel historische Baudenkmäler und Museen, aufweisen. Viele Städte verzeichnen auch durch regelmäßig wiederkehrende Ereignisse wie Ausstellungen, Messen, Konzerte, Film- und Fernsehevents oder Sportveranstaltungen wie Olympiaden wachsende Besucherzahlen. 23 Eine allgemeine Umfrage, die klären soll, welcher Touristen-Typ am häufigsten auftritt, hat folgendes Ergebnis hervorgebracht: Auf dem ersten Platz steht eindeutig der Stadt-Typ. Auf dem zweiten Platz befindet sich der Musical-Typ, gefolgt von dem Besucher-Typ und dem Shopping-Typ. Die Minderheit stufte sich als Kultur-Typ ein. (siehe Anhang). 24
Betrachtet man sowohl die ältere als auch die jüngere Generation, lassen sich Unterschiede bezüglich der Erwartungen an Kurz- und Städtereisen erkennen. Während die ältere Generation eher sein Interesse auf das kulturelle Angebot einer Stadt richtet, sind bei der jüngeren Generation überwiegend die
Shoppingmöglichkeiten und das Nachtleben ausschlaggebend für eine Städtereise (siehe Anhang). 25
21 vgl. Theunissen, Susanna: a. a. O., S. 4
22 vgl. ders., a. a. O., S. 6
23 eigene Angaben
24 vgl. Theunissen, Susanna: a. a. O., S. 6
25 eigene Angaben
4
5. Nationale Situation des Städtetourismus am Fallbeispiel Berlin 5.1 Touristisches Angebot in Berlin - Anziehungspunkte und Motivation Ein englischer Tourist, der für 10 Tage zusammen mit seiner Freundin nach Berlin kam, sagte während meiner „Umfrage-Tour“ durch die Touristenzentren zu mir: „Berlin is for everybody. For old and for young. For fashionistas and for cultural interested people. Here you can find everything. The whole town is very impressive. The culture and the sights are fascinating. The people are great. The food is fabulous. And the nightlife is fantastic.” 26
Berlin ist 20 Jahre nach dem Mauerfall eine Stadt voller Kreativität und Lebensfreude. Jede Persönlichkeit findet in Berlin, wonach er oder sie sucht. Ob beeindruckende historische Baudenkmäler oder eindrucksvolle Galerien, große Theater oder angesagte Clubs, Szenerestaurants oder kleine günstige Imbissbuden - für jeden Geschmack ist etwas dabei. 27
Jedoch ist die Tatsache, dass Berlin international so beliebt und angesagt ist, etwas erstaunlich. Berlin hat nämlich sozusagen eine tragische Geschichte erlebt. Die Stadt war im Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) das Zentrum der Faschisten. Berlin lag nahezu vollständig in Trümmern. Sie wurde zudem durch eine Mauer geteilt (Mauerbau, 13. August 1961) und wiedervereinigt (Mauerfall, 9. November 1989). Die deutsche Hauptstadt hat sich also sehr schnell wieder erholt und sich trotz der Vergangenheit, die gegenwärtig immer noch kräftig diskutiert wird, zu einer der beliebtesten Städte entwickelt. 28
5.1.1 Shopping
Die Mehrheit der Menschen assoziiert Shoppen mit Städten wie New York, Paris oder Mailand. Doch auch Berlin hat sich in den letzten Jahren zu einer überaus beliebten Shoppingstadt entwickelt. Berlin wird mittlerweile auch als „Hauptstadt der Einkaufscenter und Einkaufsstraßen“ 29 bezeichnet. Überall in der Stadt gibt es edle Boutiquen für die Wohlhabenden und unzählige Shops mit bezahlbarer Kleidung für den Durchschnittstouristen. Negativ ist jedoch, dass bei einigen Geschäften die Öffnungszeiten nicht den Wünschen vieler Touristen entsprechen. Zwar haben die meisten Shops, vor allem die, die sich in Einkaufszentren befinden, bis spät abends geöffnet, teilweise sogar bis Mitternacht, jedoch schließen einige Geschäfte schon
26 unbekannter Berlin-Tourist
27 eigene Angaben
28 eigene Angaben
29 o. V.: Shopping Center in Berlin unter http://www.berliner-adressen.de/Einkaufen_Shoppen/Shopping-Center/ (18.02.2010)
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Arbeit zitieren:
Franziska Bothe, 2010, Besonderheiten und Entwicklung des Städtetourismus am Fallbeispiel Berlin, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Das Image Berlins - Stadtmarketing für Besucher und Bewohner
Hausarbeit (Hauptseminar), 37 Seiten
Barrierefreier Tourismus - Chancen und Möglichkeiten der Kulturstadt W...
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Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
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