Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
1.Grundsätzliches zu Übersetzungsmodellen. 5
2.Die Skopostheorie. 5
3.Das Scenes-and-frames Modell. 8
3.1. Kernpunkte des Modells. 8
3.2. Modellspezifischer „Skopos“ 10
4.Übersetzen als translatorisches Handlungskonzept. 10
4.1. Kernpunkte des Modells. 10
4.2. Modellspezifischer „Skopos“ 13
5.Skopostheorie als Bestandteil weiterer Übersetzungsmodelle. 14
Fazit. 17
Abbildungsverzeichnis. 19
Literaturverzeichnis. 20
2
Einleitung
Die funktionale Translationstheorie, die die „Entthronung des heiligen Originals“ eingeläutet hat, erntete neben Zustimmung auch viel Kritik. Eine Bearbeitung, eine kulturelle Adaption sei keine „Übersetzung“ mehr, vielmehr gehe dabei die innewohnende „Wahrheit des Textes“ verloren. 1 Dabei sehen viele Sprachwissenschaftler die „Wahrheit des Textes“ gerade in der von ihm vermittelten Botschaft abseits der sprachlichen Elemente.
Die vorliegende Arbeit möchte der Frage nachgehen, ob sich das funktionale Element des Skopos auch in anderen Übersetzungsmodellen wiederfindet, welche teilweise zunächst eine ganz andere Perspektive der Betrachtung von Translation gewählt haben. Dazu wird zunächst ein knapper Überblick über die Vielfalt der sich mit Translation befassenden Modelle gegeben, um dem Leser eine grobe Vorstellung über die noch sehr unausgereifte Systematik von Translationswissenschaft zu geben. Denn in der wissenschaftlichen Auseinandersetzungen über dieses Thema gibt es viele Betrachtungsüberschneidungen und keineswegs klar voneinander abgetrennte Bereiche in denen der Diskurs verläuft. Die Frage ob eine klare Klassifizierung in der Translationswissenschaft wünschenswert und sinnvoll wäre, bleibt an dieser Stelle offen. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird ein Überblick über das Verständnis und die Konsequenzen der Skopostheorie, sowie über ihre Einordnung innerhalb der Übersetzungsmodelle gegeben. Dies geschieht einerseits um den Leser mit dem Skoposbegriff vertraut zu machen, andererseits um in nachfolgenden
Argumentationsteilen direkt auf die Inhalte des bereitgestellten Überblicks zurückgreifen zu können.
Daraufhin folgend werden die Translationsmodelle von Snell-Hornby / Varennen und von Holz-Mänttäri zuerst hinsichtlich ihrer Kernpunkte beschrieben und jeweils im Anschluss bezogen auf „skoposähnliche“ Elemente analysiert.
Zuletzt werden kurz weitere Translationswissenschaftler aufgeführt und einzelne ihrer thematischen Ausführungen ebenfalls auf einen hintergründigen Skoposgedanken untersucht.
Es sei hier noch abschließend anzumerken, dass vor allem Reiß / Vermeer den Begrifflichkeiten „Übersetzung“ und „Translation“ im Rahmen ihres Modells
1 Vgl. Stolze, Radegundis (1994), S. 167
3
unterschiedliche Bedeutungen zuweisen. Dies wurde in der vorliegenden Arbeit nicht
praktiziert , so dass beide Begriffe synonym verwendet werden.
4
1. Grundsätzliches zu Übersetzungsmodellen
Translationstheorien kann man zunächst in zwei große Gruppen unterscheiden. Es gibt abstrakt-statische Modelle, die sich auf die an der Übersetzung beteiligten Faktoren fokussieren. Den eigentlichen Vorgang des Übersetzens betrachten sie dabei nicht. Umgekehrt ist es bei den konkret-dynamisch-psychologischen Modellen. Diese versuchen die kognitiven und unbewussten Prozesse, die beim Translator während der Übersetzung ablaufen, abzubilden. 2 Durch Übersetzungsmodelle werden die unterschiedlichsten Aspekte von Translation beleuchtet. Es gibt Modelle die sich mit den der Übersetzung zu Grunde liegenden Sprachsystemen beschäftigen und solche die sich konkret mit dem Text als Ausgangs- und Zielprodukt befassen. Wiederum andere stellen die Übersetzungswissenschaft als eigenständige Disziplin in ihren Fokus oder betrachten „den Übersetzer“. Dies beispielsweise im Rahmen von die Didaktik der Übersetzerausbildung betreffenden Diskussionen. Die Skopostheorie gehört zur Gruppe der Theorien, die die Handlungsebene von Translation als Perspektive gewählt haben. Natürlich gibt es innerhalb der hier aufgezählten Betrachtungsweisen stark unterschiedliche Modellansätze. Auf jeden der Ansätze einzugehen, würde den Rahmen der Arbeit um ein Vielfaches sprengen. Daher betrachtet sie nur eine Auswahl und erhebt die eben getätigte Aufzählung auch in keinster Weise den Anspruch auf Vollständigkeit. 3
2. Die Skopostheorie
Die Skopostheorie ist das Kernstück der 1984 herausgegebenen allgemeinen Translationstheorie von Reiß und Vermeer. Weitere Bestandteile dieser funktionalen Übersetzungstheorie sind das Modell der interkulturellen Kommunikation, die Betrachtung von Translation als Kulturtransfer, sowie das Faktorenmodell der Translation. 4 Die allgemeine Translationstheorie hat als Ausgangspunkt die Ansicht, dass Sprache und Kultur interdependent sind. 5 Dabei umfasst der Kulturbegriff nach Reiß/Vermeers Sichtweise
„all das, was man wissen, beherrschen und empfinden muss, um beurteilen zu können, wo sich Einheimische in ihren verschiedenen Rollen erwartungskonform
2 Vgl. Albrecht, Jörn (2005), S. 27
3 Vgl. Stolze, Radegundis (1994), S. 5-7;
Selbiges Buch gibt einen guten Überblick über die Theorieansätze in der Translationswissenschaft und ist dem Leser zu empfehlen, der sich über diese Arbeit hinausgehend mit Translationsmodellen beschäftigen möchte.
4 Vgl. Stolze, Radegundis (1994), S. 155-165
5 Vgl. Stolze, Radegundis (1994), S. 156
5
oder abweichend verhalten.“ 6
So ist ein Individuum, abgesehen von physischen Bedingungen, auch noch durch die es umgebenden kulturellen Bedingungen (innerhalb von Para-, Dia- und Idiokulturen), der tatsächlichen spezifischen Situation (z.B. Krieg) und seiner individuellen inneren Verfassung beeinflusst. Es kommt also nie zu einer wirklich objektiven Wahrnehmung, sondern nur zur individuellen Rezeption sogenannter „Phänomene“. 7 Will ein Individuum Kommunikation betreiben, so ist dies - abgesehen vielleicht bei geistig Erkrankten, die wirres Zeug reden - als eine zielgerichtete Handlung zu sehen und gerade dieser Punkt, verbunden mit dem Tatbestand, dass teilweise Kommunikation zwischen Individuen die stark unterschiedlich kulturell sozialisiert sind (wir sehen hier von den anderen obigen Faktoren ab) angestrebt ist, bedingt die Notwendigkeit von funktionsgerechter Translation um die zielgerichtete Handlung erfolgreich zu beenden. 8 Die Ansicht Reiß / Vermeers, dass Texte eine Sondersorte des kommunikativen, zielgerichteten Handelns darstellen, schließt die alte Vorstellung vom Übersetzen als Transkodierung von Zeichen von Vornherein aus, denn sie stellen nach dieser Auffassung eine „Verhaltensform“ dar und sind somit nach dem obigen Kulturbegriff kulturspezifisch verschieden. 9 Aus diesem Grunde ist es notwendig, dass der Übersetzer den Text und vor allem den Ausgangs- sowie den Zielkontext, in der selbiger Verwendung findet, versteht, bevor er ihn übersetzt. Bei der Übersetzung selbst interessiert dann auch nicht eine objektive Übersetzung des Textsinns, sondern eine „Verarbeitung“ bezogen auf die geltende Norm und aktuelle Situation des Textes oder seines Produzenten. Dies soll geschehen, um dem Rezipienten in der Zielkultur, der diese Ausgangsumstände nicht genauso unbewusst bei der Rezeption des Textes mitverwerten kann wie etwa der muttersprachliche Leser, das Verständnis zu erleichtern oder um das angestrebte Kommunikationsziel auch in der Zielkultur zu erreichen. Der Translator wird hier zu einer eigenständig handelnden Person. 10
Wo liegt nun der Maßstab für die „Verarbeitung“ des Textes durch den Übersetzer? Aus den vorangegangenen Ausführungen geht eigentlich schon hervor, dass es nach Ansicht
6 Vgl. Reiß, Katharina / Vermeer Hans J. (1984), S. 26
7 Näheres zur Wahrnehmung von Objekten und Handlungen als „Phänomene“ und den damit verbundene Konsequenzen für die Sprachwissenschaft und Übersetzung siehe Vermeer, Hans J. (1972), S. 29ff
8 Vgl. Stolze, Radegundis (1994), S. 157/158
9 Vgl. Stolze, Radegundis (1994), S. 155, S. 158, S. 163
10 Vgl. Reiß, Katharina / Vermeer Hans J. (1984), S. 33/34, sowie Stolze, Radegundis (1994), S. 159/160
6
Arbeit zitieren:
Anne Wilmshöfer, 2009, Funktionale Translationstheorie - Die Skopostheorie von Reiß / Vermeer, München, GRIN Verlag GmbH
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