Inhalt
1.) Einleitung 3
1.1.) Zielsetzung dieser Arbeit und allgemeine Bemerkungen 4
2.) Historische Grundlagen: Die Entstehung der Demokratischen Volksrepublik Korea 5
2. 1) Von der japanischen Besatzung zum geteilten Korea 5
2. 2) Die Installation der Herrschaft Kim Il Sungs 6
2. 3) Die DVRK nach dem Koreakrieg 7
3.) Die Chuch’e-Ideen 7
3. 1) Der Begriff des Chuch’e 8
3.1.1.) Die philosophischen Prinzipien der Chuch’e-Lehre 8
3.1. 2) Die sozialhistorischen Prinzipien der Chuch’e-Lehre 9
3.1. 3) Die Leitprinzipien der Chuch’e-Lehre 9
3. 2) Die Chuch’e-Ideen und ihre „Nachbarn“: (Neo-)Konfuzianismus und
Marxismus/Leninismus 10
3.2. 1) (Neo-)Konfuzianismus und Chuch’e-Ideen 10
3.2. 2) Marxismus-Leninismus und Chuch’e-Ideen 11
4.) Nordkoreanische Außenpolitik im Lichte der Chuch’e-Ideologie 12
5.) Schlußbetrachtung 14
Literaturverzeichnis 15
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1.) Einleitung
„Baut der irre Diktator jetzt die Atombombe?“ 1 Diese Frage stellt die BILD-Zeitung am 03.11.2009 in ihrer Onlineausgabe. Mit dem „irren Diktator“ ist der derzeitige Alleinherrscher der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) - so der offizielle Name Nordkoreas - KimJong Il 2 gemeint. Dass sein Name in den letzten Jahren in großen Teilen der Welt - wie hier exemplarisch in Deutschland - wütende Beißreflexe auslöst, liegt vor allem in seiner Verbindung mit der Entwicklung nordkoreanischer Kernwaffen begründet. Der sogenannte „Atomstreit“, der seit bald 20 Jahren zwischen der westlichen Welt, allen voran den USA und Südkorea, und dem abgeschotteten Nordkorea besteht, bringt das Land und insbesondere Kim Jong Il immer wieder in die Schlagzeilen. Bei der Berichterstattung dominiert vor allem eine Denkweise: Unverständnis. Offenbar aus diesem Unverständnis heraus sind es vor allem Boulevardzeitungen wie die BILD oder die englische SUN 3 , die den nordkoreanischen Herrscher persönlich angehen, indem auf seine geringe Körpergröße oder seinen angeblichen Alkoholismus hingewiesen wird. Das Fazit sieht in diesen Darstellungen ähnlich aus: Kim Jong Il muss „irre“ sein, um auf die Idee zu kommen, Atomwaffen produzieren zu wollen.
Eine Tatsache wird dabei immer wieder übersehen: es ist nicht Kim selbst, der die Waffen herstellt - er steht „nur“ an der Spitze seines Landes. Ohne technische und politische Eliten, die den Bau von Kernwaffen ebenso befürworten wie er, wäre das Streben nach der Atombombe tatsächlich „irre“. Dies ist es aber gerade nicht - wie Nordkorea mit seinen Atomtests 2006 und 2009 bewiesen hat. Was also ist das für ein Land, das scheinbar bereit ist, es auf einen Konflikt mit der Weltmacht USA, ja der gesamten westlichen Welt, ankommen zu lassen? Berichterstattung neben der über den Atomstreit und immer wieder auftauchenden Meldungen über Menschenrechtsverletzungen und Hungersnöte sucht man vergebens. Und auch seriöse (sozial-)wissenschaftliche Untersuchungen zur Demokratischen Volksrepublik Korea, ihrem Staats - und Gesellschaftssystem, sind quasi inexistent. Dies bemerkt auch Rüdiger Frank, einer der wenigen europäischen Experten auf dem Gebiet Nordkorea, im Vorwort zu einem Beitrag über das politische System der DVRK. 4 Weiter konstatiert er, dass allgemein die Tendenz herrsche, der „kaum näher definierten Institution „Nordkorea“ […] irrationales Vorgehen [zu unterstellen]“, was dazu führe, dass „ihre Aktionen potenziell als
1 Quelle: http://www.bild.de/BILD/politik/2009/11/03/nordkorea-irrer-diktator/verkuendet-herstellung-vonplutonium-hat-er-die-atombombe.html (Abgerufen am 01.03.2010)
2 Es gibt verschiedene Transkriptionen der koreanischen Namen; ich halte mich in dieser Arbeit an die am häufigsten verwendeten und daher bekanntesten Schreibweisen (bspw. Kim Jong Il oder Kim Il Sung).
3 Beispielhaft: http://www.thesun.co.uk/sol/homepage/news/2452495/North-Korea-WW3-threat-to-West.html (Abgerufen am 01.03.2010)
4 Frank, Rüdiger (2003): Nordkorea. Zwischen Stagnation und Veränderungsdruck. In: Claudia Herichs, Thomas Heberer (Hrsg.): Einführung in die politischen Systeme Ostasiens. Opladen: Leske u. Budrich. S. 272f.
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gefährlich und destabilisierend“ 5 eingestuft würden. Aus diesem Grunde halte auch ich es für bitter nötig, das - zumindest in der westlichen Politikwissenschaft - fast unbearbeitete Feld Nordkorea wissenschaftlich zu ergründen um somit einen der letzten „schwarzen Flecke“ unserer Zeit von der Landkarte verschwinden zu lassen.
1.1.) Zielsetzung dieser Arbeit und allgemeine Bemerkungen
Am Anfang dieser Arbeit stand eine ernüchternde Feststellung: die Literaturlage zu Nordkorea ist sehr überschaubar - um nicht zu sagen kläglich. Abgesehen von dem bereits zitierten Beitrag Rüdiger Franks im Band „Einführung in die politischen Systeme Ostasiens“ gibt es tatsächlich kaum wissenschaftliche - das heißt zu einem Mindestmaß auf überprüfbaren Aussagen fußende - Publikationen zum politischen System der DVRK. Und selbst Rüdiger Frank räumt ein, dass sein Beitrag in Teilen auf Mutmaßungen und indirekten Quellen basiert. 6 Nordkorea ist ein weitgehend abgeschottetes Land, nur wenige - ca. 500 7 -Ausländer halten sich dort dauerhaft auf. Die meisten Publikationen zu Nordkorea sind daher Erfahrungs- und/oder Reiseberichte eben dieser Ausländer. Betrachtet man diese Tatsachen und vergleicht man sie mit der doch sehr starken Medienpräsenz des Landes, muss man zwangsläufig feststellen, dass Nordkorea ob des Unwissens über dieses Land eigentlich ein fast unwirkliches Phantom darstellt. Die Verschlossenheit Nordkoreas und vielleicht auch das Desinteresse an einem tieferen Verständnis desselben (wie viel einfacher es doch ist, alles auf einen „irren Diktator“ zu reduzieren!) haben zu abstrusen Auswüchsen geführt. Für die einen
- allen voran der ehemalige US-Präsident George W. Bush jr. - stellt Nordkorea die Inkarnation des Bösen dar, einen Schurkenstaat, der jeden Moment den Dritten Weltkrieg anzetteln könnte. Die Bundesverdienstkreuzträgerin Luise Rinser hingegen bezeichnet in ihrem 1981 erstmals erschienenen „Nordkoreanischen Reisetagebuch“ 8 das politische System Nordkoreas als „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ und als rundum gelungenen, fast paradiesischen Staat. Dass nach Abwägung aller bekannten Tatsachen keine der beiden Sichtweisen der Realität gerecht wird, dürfte schnell klar sein. Wie aber kann man sich Nordkorea dann, möglichst objektiv, annähern? Wie kann ein Versuch aussehen, das Land und seine Menschen zu verstehen - und damit eventuell ein Beitrag zur friedlichen Beilegung
5 Frank (2003): S.272.
6 Ebenda, S. 273.
7 Moeskes, Christoph (Hrsg.) (2009): Nordkorea. Einblicke in ein rätselhaftes Land. Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung (Schriftenreihe Band 1021). S.29.
8 Rinser, Luise (1986 6 ): Nordkoreanisches Reisetagebuch. Frankfurt/M.: Fischer-Taschenbuch-Verlag.
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des lange schwelenden Atomstreits geleistet werden? Diese Hausarbeit entstand im Rahmen eines Seminars zu politischer Theorie und Ideengeschichte. Ich möchte daher versuchen, mich auf genau diesem Wege dem Thema anzunähern. Nämlich mit einer - ausnahmsweise einmal nicht eurozentrischen - Untersuchung und Bewertung der seit ca. 50 Jahren propagierten Staatsideologie Nordkoreas, der sogenannten „Chuch’e-Philosophie.“ 9 Diese prägt die nordkoreanische Gesellschaft seit über 50 Jahren nach übereinstimmender Auffassung vieler Autoren, u.a. Rüdiger Frank 10 , Young-Soon Chung 11 , Hans Maretzki 12 und Peter Schaller 13 entscheidend. Ihr Verständnis ist daher unabdingbar, will man auch nur ansatzweise die Perspektive der nordkoreanischen Seite, beispielsweise im Atomstreit, nachvollziehen.
Ich will im Folgenden den philosophischen und ideengeschichtlichen Kern der Chuch’e-Ideen darstellen und untersuchen, wie diese zu einer Herrschaftsideologie für Kim Il Sung bzw. seinen Nachfolger Kim Jong Il geworden sind. Schließlich werde ich das umstrittene außenpolitische Verhalten der DVRK im Rückgriff auf die Prinzipien der Chuch’e Ideologie bewerten.
2.) Historische Grundlagen: Die Entstehung der Demokratischen Volksrepublik Korea
Die Kenntnis zumindest der Grundlagen der Entstehungsgeschichte des modernen, geteilten Korea ist unabdingbar. Zumindest dann, wenn ein ernsthafter Versuch unternommen werden soll, die spezielle Entwicklung Nordkoreas und die daraus erwachsenden Konsequenzen zu begreifen. Deshalb soll hier in aller Kürze auf wichtige historische Fakten der neuzeitlichen koreanischen Geschichte eingegangen werden. Dies dient auch dem besseren Verständnis und der Einordnung des Themas dieser Arbeit, der Chuch’e-Philosophie.
2.1) Von der japanischen Besatzung zum geteilten Korea
Die koreanische Halbinsel war schon immer, durch ihre geografische Lage bedingt, ein Spielball von Großmächten. Bis ins ausgehende 19. Jahrhundert waren dies vor allem
9 In der Literatur auch „Dschutsche“ oder „Tschutsche“ geschrieben. Ich habe mich hier in Anlehnung an Young-Soon Chungs Transkription für das koreanische Wort „als„Chuch’e“ entschieden.
10 Frank (2003): S.299ff.
11 Chung, Young-Soon (1996): Chuch’e Ideen und (Neo-)Konfuzianismus in Nordkorea. Hamburg: Lit-Verlag (Uni-Press Hochschulschriften Band 85). S. 58-61 und 188-190.
12 Maretzki, Hans (1991): Kim-ismus in Nordkorea. Eine Analyse des letzten DDR-Botschafters in Pjöngjang. Böblingen: Tykve-Verlag. S. 68-71 und an vielen anderen Stellen.
13 Schaller, Peter (1994): Nordkorea. Ein Land im Banne der Kims. Böblingen: Tykve-Verlag. S.33f.
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Russland, China und Japan. Und auch die USA begannen sich bald für die koreanische Halbinsel zu interessieren. 14 Doch die bis heute im kollektiven Gedächtnis insbesondere der Nordkoreaner (in geringerem Maße natürlich auch in Südkorea) am meisten verankerte Epoche ist die der japanischen Okkupation. Diese begann im Jahre 1905(Errichtung des Protektorates) bzw. 1910 (Annexion) 15 und endete erst im August 1945 mit der Kapitulation Japans. Die koreanische Halbinsel wurde im Norden, bis zum 38. Breitengrad, von sowjetischen Truppen besetzt. Im Süden rückten US-Truppen ebenfalls bis zum 38. Breitengrad vor, der fortan die Grenze zwischen Sowjet - und US-Sektor markierte. Die japanische Kolonialzeit wird in (Nord-)Korea heute als demütigende Episode angesehen, die geprägt war durch brutalen Umgang mit der koreanischen Bevölkerung, erzwungener Assimilation und Ausbeutung der natürlichen Ressourcen des Landes. 16
2.2) Die Installation der Herrschaft Kim Il Sungs
Die beiden Besatzungsarmeen brachten ihren jeweiligen Besatzungszonen (man beachte hier die Analogie zur europäischen Entwicklung ab 1945) unterschiedliche Staats - und Gesellschaftssysteme. Zwar hatten die UdSSR und die USA vereinbart, Korea zu gegebener Zeit wieder zu vereinigen, doch die von der UNO angesetzten Wahlen fanden nur in Südkorea statt. Im Schatten des aufziehenden Kalten Krieges rückte die Wiedervereinigung daraufhin in weite Ferne. 17 Auf Veranlassung Stalins wurde der in der UdSSR ausgebildete und mit der Roten Armee ins Land gekommene Exilkoreaner Kim Il Sung im nördlichen Teil des Landes als Machthaber eingesetzt. Nach bis in die 1950er-Jahre andauernden Machtkämpfen konnte sich dieser schließlich - unter brutaler Ausschaltung seiner Gegner - endgültig durchsetzen. 18
Auf Kim Il Sungs Veranlassung hin überfielen nordkoreanische Truppen am 25.06.1950 den Südteil des Landes. Vor dem Angriff hatte sich Kim bei Stalin rückversichert. 19 Der bis 1953 andauernde und mit äußerster Brutalität geführte Koreakrieg endete mit einem Waffenstillstand, bis heute wurde kein Friedensvertrag geschlossen. 20 Nur dank massiver chinesischer ‚Bruderhilfe‘ konnte eine Niederlage Nordkoreas verhindert werden. Seitdem
14 Pan, Christoph (1992): Nordkorea. Die ideologische und soziologische Basis. Wien: Braumüller. S.35.
15 Frank (2003): S.275.
16 Ebenda, S. 276.
17 S.o.
18 Eine hervorragende Beschreibung dieser Machtkämpfe findet sich bei Chung (1996): S. 10 - 33.
19 Diese These, vor dem Ende der UdSSR oft als Spekulation abgetan, wird durch mittlerweile geöffnete Archive belegt. Siehe auch Maretzki (1991): S.19.
20 Moeskes (2009): S.21.
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stehen sich die DVRK und die im Süden gegründete Republik Korea (ROK) am 38.Breitengrad - der Demarkationslinie - hochgerüstet und scheinbar unversöhnlich gegenüber.
2.3) Die DVRK nach dem Koreakrieg
Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Nordkoreas hat nach Rüdiger Frank seit 1946 drei Phasen durchlaufen. Die erste, bis 1956 dauernde, Aufbauphase war durch eine Übernahme des Modells der stalinistischen UdSSR geprägt. Dies beinhaltete vor allem Zwangskollektivierungen und die Übernahme des zentralverwalteten Modells der Planwirtschaft. Auch Elemente des stalinistischen Personenkultes wurden übernommen. Ab 1956, als zu einer zunehmenden Entfremdung Nordkoreas von der UdSSR im Zuge der Entstalinisierungsmaßnahmen Chrustchows kam 21 , wandte man sich dem chinesischen Modell zu. Man teilte die Kritik Chinas an Chrustchows Politik, ebenso imitierte man chinesische Propagandakampagnen, wie die „Großen Sprünge nach vorne“. 22 Ab 1961 spricht Rüdiger Frank von einer Emanzipation der nordkoreanischen Politik, wobei er den Zeitpunkt der politisch-ideologischen Unabhängigkeit Nordkoreas auf das Jahr 1966 datiert. 23
Diese von Kim Il Sung angestrebte Unabhängigkeit steht in enger, untrennbarer Verbindung mit der Entstehung der Chuch’e-Ideologie, die alle bisher „importierten“ Denkweisen ersetzen, ja transzendieren sollte. 24
3.) Die Chuch’e-Ideen
Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass die Entstehung der sogenannten Chuch’e- Philosophiein enger Verbindung mit der Entwicklung Nordkoreas ab 1946, unter Kim Il Sungs Herrschaft, steht. Nach der Auffassung von Young-Soon Chung 25 und anderer 26 Autoren kommt der Chuch’e-Philosophie die Bedeutung einer totalitären, mit kryptoreligiösen Elementen versehenen Herrschaftsideologie zu, deren Sinn und Zweck ausschließlich im Erhalt und der Rechtfertigung des Status quo liegt. Ihre Bedeutung für die nordkoreanische Gesellschaft wird auch von offizieller Seite propagiert: „Die Chuch’e-Ideen
21 Chung (1996): S. 22-27.
22 Maretzki (1991): S.73 und Chung (1996): S.53f.
23 Die Darstellung der wirtschaftlichen Entwicklung findet sich bei Frank (2003): S. 292-294.
24 Chung (1996): S. 49-52.
25 Ebenda, S. 54ff.
26 Bspw. Schaller (1994): S. 29ff., bes. 31.
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sind die einheitliche Führungsidee unserer Partei [die Partei der Arbeit Koreas, PdAK d.Verf.]. Deshalb müssen sich alle Parteimitglieder und Werktätigen die Chuch’e-Ideen unbedingt fest zu eigen machen und entsprechend den Forderungen der Chuch’e-Ideen denken und handeln.“ 27 Der Kern dieser Philosophie soll im Folgenden dargelegt werden.
3.1) Der Begriff des ‚Chuch’e‘
Das koreanische Wort „Chuch’e“ bedeutet wörtlich soviel wie „Körper des Herrn, im übertragenen Sinn ‚wirkliches Wesen des Herrn‘, ‚Herr sein‘“. 28 Der Begriff drückt aus, dass „der Mensch der Herr der Entwicklung und des Fortschritts ist.“ 29 Die Chuch’e Ideen stellen den Menschen als souveränes, soziales Wesen in den Mittelpunkt. Kim Jong Il, der in Nordkorea vor dem Tode seines Vaters Kim Il Sung vor allem als Theoretiker der Chuch’e-Philosophie in Erscheinung trat, unterteilt die Chuch’e-Philosophie in drei Prinzipien: „philosophische, sozialhistorische [Prinzipien] und Leitprinzipien.“ 30
3.1.1.) Die philosophischen Prinzipien der Chuch’e-Lehre
Das wichtigste philosophische Prinzip ist das des „Tschadschusong“. Nach Christoph Pan ist damit die Eigenschaft des Menschen bezeichnet, „in voller Unabhängigkeit als Herr der Welt und seines Schicksals zu leben und sich zu entfalten.“ 31 Der Mensch ist aus Sicht der Chuch’e-Philosophie gekennzeichnet durch eben diese Souveränität, außerdem durch sein Schöpfertum und seine „Bewußtheit.“ 32 Doch an dieser Stelle kommt es bereits zu einer ersten Einschränkung: nicht der Einzelne, das Individuum steht im Mittelpunkt der Chuch’e-Ideen, es sind vielmehr die „werktätigen Volksmassen.“ 33 Diese Volksmassen sind aus Sicht der Chuch’e die „wahre[n] Herren der Welt.“ 34 Wie Young-Soon Chung an dieser Stelle bemerkt, steht schon diese Aussage in krassem Widerspruch zur nordkoreanischen Realität 35 , in der die Volksmassen alles andere seien, als ihre eigenen Herren.
27 Kim Il Sung (1973) zit. nach Chung (1996): S. 59.
28 Pan (1992): S. 62.
29 S.o.
30 Chung (1996): S. 64.
31 Pan (1992): S. 64.
32 Kim Jong Il (1982): Über die Chuch‘e-Ideologie. Pjöngjang: Verlag für fremdsprachige Literatur. S. 3.
33 Pak Sung-dok (1984) zit. nach Chung (1996): S. 69.
34 Kim Jong Il (1982): S. 15.
35 Chung (1996): S.73.
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3.1.2) Die sozialhistorischen Prinzipien der Chuch’e-Lehre
Nach der Darlegung des Menschenbildes, das der Chuch’e-Lehre zugrunde liegt, soll nun auf die sozialhistorischen Annahmen der Lehre eingegangen werden. Bemerkenswert ist, dass die Chuch’e-Lehre für sich beansprucht, die elementaren Bewegungsgrundsätze der menschlichen Geschichte erkannt zu haben 36 - und zwar als einzige Philosophie überhaupt. Das Subjekt der Sozialgeschichte sind, „wie aus den Darlegungen des Genossen Kim Il Sung zu ersehen ist, […] die Volksmassen.“ 37 Peter Schaller weist richtig darauf hin, dass diese Feststellung eigentlich die Legitimation der diktatorischen Ein-Mann-Herrschaft in Nordkorea untergraben müsste 38 - denn wie lässt sich diese mit dem Primat der souveränen Volksmassen vereinbaren? Doch diese vermeintliche Lücke schließt Kim Jong Il mit der Feststellung: „Die Volksmassen brauchen eine kluge Führung, um ihrer Stellung und Rolle als Subjekt der Geschichte gerecht zu werden.“ Und weiter präzisiert er, wer diese Führung ausüben muss: „Nur unter der klugen Lenkung der Partei und des Führers können die […] Volksmassen […] die nationale und klassenmäßige Befreiung erringen.“ 39 Somit sind es nicht die Volksmassen selbst, die über ihr Schicksal bestimmen, sondern der Führer, dem es also unbedingt zu folgen gilt. Die zweite sozialhistorische Annahme der Chuch’e-Lehre betrifft den Kampf um die Souveränität der Volksmassen. Dieser könne nur unter der weisen Führung eines Führers gewonnen werden - er ist somit letzten Endes der Garant der nationalen Souveränität. 40 Die dritte Annahme postuliert einen „schöpferischen Charakter“ 41 in der Tätigkeit der Volksmassen, der in ihrem Kampf um ein souveränes Leben zutage tritt. Schließlich hält Kim Jong Il als viertes Prinzip das „Denken und Bewußtsein[sic]“ 42 für eine Triebkraft der Sozialgeschichte. Daraus leitet er auch die unbedingte Notwendigkeit der ideologischen Schulung der Bevölkerung ab, man müsse „die Menschen politisch und ideologisch [wachrütteln]“ um den „Triumph der Revolution“ 43 zu gewährleisten.
3.1.3) Die Leitprinzipien der Chuch’e-Lehre
36 Ebenda, S. 74f.
37 Kim Jong Il (1982): S.16.
38 Schaller (1994): S. 30f.
39 Kim Jong Il (1982): S. 19f.
40 Frank (2003): S.299 u. 300.
41 Chung (1996): S. 77.
42 Kim Jong Il (1982): S. 39.
43 S.o.
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Kim Jong Il zählt als die vier wichtigsten Leitprinzipien auf: „Chuch’e in der Ideologie, Souveränität in der Politik, Selbstständigkeit in der Wirtschaft und Selbstverteidigung zum Schutze des Landes.“ 44 Der ideologischen Schulung und „Vervollkommnung“ kommt dabei nach Chung die höchste Priorität zu. Schließlich führe diese zu einem uneingeschränkten Bekenntnis zum „großen Führer“, dem sich jeder bedingungslos und opferbereit zu unterwerfen habe. 45 Diese Leitprinzipien bestimmen maßgeblich auch die Denkweise der herrschenden Elite um Kim Jong Il. Darauf soll aber weiter unten eingegangen werden, wenn die Auswirkungen des Chuch’e-Denkens auf die nordkoreanische Außenpolitik untersucht werden sollen.
3.2) Die Chuch’e-Ideen und ihre „Nachbarn“: (Neo-)Konfuzianismus und
Marxismus/Leninismus
Nach nordkoreanischer Darstellung ist das Chuch’e-Denken eine revolutionäre und neuartige Philosophie, die nicht mehr übertroffen werden kann. Aber schon nach einer flüchtigen Betrachtung fällt auf, dass vieles keinesfalls so neu ist, wie dies propagiert wird. Vielmehr finden sich viele Parallelen und Anleihen bei anderen Denkschulen. Die wohl augenscheinlichsten Überschneidungen existieren zum einen mit (neo-)konfuzianistischem Denken, das in Korea eine lange Tradition hat, sowie mit marxistisch-leninistischem Gedankengut. Die meines Wissens einzige Arbeit zu diesem Thema, nämlich die Dissertation Young-Soon Chungs mit dem Titel „Chuch’e Ideen und (Neo-)Konfuzianismus in Nordkorea“ zitierte ich bereits ausführlich in dieser Arbeit. Um die Chuch’e-Philosophie in einen ideengeschichtlichen Kontext stellen zu können, gehe ich im Folgenden kurz auf einige Gemeinsamkeiten mit den bereits erwähnten Denkschulen ein.
3.2.1) (Neo-)Konfuzianismus und Chuch’e-Ideen
Young-Soon Chung vertritt die These, dass die nordkoreanische Gesellschaft auch heute noch ganz entscheidend von ihrer jahrhundertealten, konfuzianistischen Tradition geprägt wird.
44 Kim Jong Il (1982): S. 40f.
45 Chung (1996): S. 81.
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Wenn den nordkoreanischen Sozialismus etwas von anderen realsozialistischen Staaten unterscheide, dann seien dies vor allem seine eigenständigen kulturellen Elemente. 46 Der Konfuzianismus ist ihrer Auffassung nach bis heute prägend, u.a. manifestiere er sich in den nordkoreanischen Sozialauffassungen. Parallelen sieht sie auch bei der Naturauffassung und dem Menschenbild in der Chuch’e-Ideologie. In ihrer Fixierung auf das menschliche Bewusstsein, auf „Elemente der Innenwelt“ 47 , in der Annahme des Menschen als ein geistiges Wesen, ähneln die Auffassungen der Chuch’e-Lehre stark konfuzianistischem Denken, so Chung. Insbesondere zum Denken von Hsün-tsu sieht sie Parallelen. Dieser sprach schon Jahrhunderte zuvor vom Menschen als „edelstes Wesen“, das mit „Wahrnehmungsfähigkeit“ und Sozialbewusstsein ausgestattet sei. 48 Die Theoretiker des Chuch’e-Denkens beanspruchen diese Erkenntnis aber für sich. Weitere Gemeinsamkeiten sieht Chung in den sozialpolitischen Auffassungen der Chuch’e-Ideologie. Immer wieder wird von einer quasi-familiären Einheit zwischen Volk, Partei und Führer gesprochen - eine Einheit die „auf ewig“ Bestand habe und durch nichts zerstört werden könne. 49 Der bedingungslose Gehorsam gegenüber dem Führer als dem „Vater der Nation“, rekurriert nach übereinstimmender Auffassung Chungs wie auch Franks 50 auf das konfuzianistische Familienbild. Die Familie bildet im Konfuzianismus nach Chung den alleinigen Ausgangspunkt jeder Moral 51 , deshalb ist ihr Bestehen und der Gehorsam gegenüber dem Vater unabdingbar. Dass Kim Il Sung von der Propaganda als der Familienvater der Nation dargestellt wird und wurde 52 , dem es zu gehorchen gilt, deutet auf eine (un)bewusste Anlehnung an konfuzianistische Denktraditionen hin.
3.2.2) Marxismus-Leninismus und Chuch’e-Ideen
Kim Il Sung, der geistige Vater der Chuch’e-Ideologie, bezeichnete sich selbst bis Ende der 1950er-Jahre als Marxisten-Leninisten. 53 Daneben sind es vor allem der revolutionäre Anspruch und die Verwendung der Termini ‚Sozialismus‘ und ‚Kommunismus‘, sowie anderer, klassischer leninistischer Ausdrücke wie ‚Imperialismus‘, die eine Verbindung zwischen Chuch’e und Marxismus-Leninismus nahe legen. Zumal Kim Il Sung anfangs von der Chuch’e-Ideologie als einer „schöpferischen Anwendung des Marxismus-Leninismus auf
46 Chung (1996): S. 113ff.
47 Ebenda, S. 122.
48 Ebenda, S. 124.
49 Ebenda, S. 132.
50 Frank (2003): 277ff.
51 Chung (1996): S. 132.
52 Zur Propaganda siehe z.B. Schaller (1994): S. 17ff. oder andere Beschreibungen, wie z.B. in Moeskes (2009).
53 Maretzki (1991): S. 78.
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koreanische Verhältnisse“ 54 sprach. Seit den 1960er-Jahren beanspruchte Kim Il Sung für sich und seine Ideen jedoch ideologische Unabhängigkeit, mehr noch: ideologischen Avantgardismus. So ist es auch folgerichtig, dass Kim Jong Il, der Chefideologe des Chuch’e, erklärte: „[Das] philosophische Prinzip der Chuch’e-Idee ist mit dem marxistischen Dialektischen Materialismus nicht vereinbar.“ 55 Es sei zwar richtig, dass der ‚Kimilsungismus‘ anfangs auf den Marxismus-Leninismus Bezug nahm. Die Bezugnahme auf diesen wird wie erwähnt an vielen Stellen sichtbar. Am auffallendsten sind aber die hauptsächlich leninistischen Annahmen, dass eine Befreiung der ‚Werktätigen‘ nur unter der Führung der Partei erfolgen könne und notwendigerweise in die der ‚Diktatur des Proletariats‘ münden müsse. Trotz dieser offensichtlichen Bezüge sei die Lehre des Chuch’e, so Kim Jong Il, aber von Kim Il Sung eigenständig entwickelt worden und gehe über den Marxismus-Leninismus hinaus. 56 Die Chuch’e-Lehre sei vielmehr die Antwort auf die aktuellen Probleme der Welt und der Schlüssel zur Befreiung aller Völker, die sich auf „Tschadschusong“ besinnen. Diesen Anspruch drückt auch Kim Il Sungs Aufruf „Menschen der Welt, die ihr für Tschadschusong seid, vereinigt euch“ 57 aus, den er 1990 formulierte.
Zumindest bis zum Zusammenbruch des Ostblocks war man laut Rüdiger Frank aber dennoch bemüht, die Kompatibilität von Chuch’e und Marxismus-Leninismus zu betonen. Seitdem sei jedoch eine fast völlige Abkehr von marxistischen Grundannahmen (so diese denn überhaupt berücksichtigt wurden) zu beobachten. Die nationalistischen Komponenten im Chuch’e Denken hätten sich endgültig durchgesetzt. 58
4.) Nordkoreanische Außenpolitik im Lichte der Chuch’e-Ideologie
Neben Hungersnöten und permanenten Menschenrechtsverletzungen ist es vor allem das außenpolitische Verhalten der DVRK, das das Land immer wieder international in die Schlagzeilen bringt. Wie schon in der Einleitung erwähnt, neigen westliche Berichterstatter dazu, dem Land und seiner politischen Elite Irrationalität, ja Unberechenbarkeit, zu unterstellen. Doch schon nach einer kurzen Beschäftigung mit der nordkoreanischen Leitideologie, den Chuch’e-Ideen, ergeben sich neue Zugänge zu der scheinbar ‚irrationalen‘
54 Chung (1996): S. 48.
55 Kim Jong Il (1985) zit. nach Pan (1994): S. 76.
56 Ebenda, S.75.
57 Kim Il Sung (1990) zit. nach Maretzki (1991): S. 78.
58 Frank (2003): S. 302f.
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Rolle Nordkoreas. Ich möchte zwei dieser Zugänge hier kurz darstellen. Zum einen die aus den historischen Erfahrungen des Koreakrieges folgende, ‚distanzierte Freundschaft‘ zu China. Wie eingangs erwähnt, konnte eine totale Niederlage Nordkoreas nur durch ein Eingreifen von chinesischen Truppen abgewendet werden. Seitdem ist China der engste Verbündete der DVRK. Beide Seiten betonen immer wieder „the traditional friendship“ 59 zwischen den beiden Ländern. Für China ist die Freundschaft zu Nordkorea gar eine „consistent policy“, besonders „under the current and changeful international situation.“ 60 China als einziger wirklicher Verbündeter ist daher auch die vielleicht einzige Konstante der nordkoreanischen Außenpolitik. Behält man dies im Hinterkopf und untersucht nun die recht expliziten außenpolitischen Konsequenzen aus der Chuch’e-Staatsideologie, ergibt sich ein relativ umfassendes und konsistentes Bild der nordkoreanischen Rolle. Chuch’e propagiert die absolute nationale Souveränität, koste es, was es wolle. Auch persönliche und individuelle Freiheiten sind demgegenüber zu vernachlässigen. 61 Die Verwirklichung des ‚Tschadschusong‘ hat oberste Priorität und lässt in der Außenpolitik „keine auf Ausgleich beruhende Verständigung zu.“ 62 Die nationale Eigenständigkeit und Würde und der daraus erwachsende, nationalistisch-isolationistische Kurs Nordkoreas haben, wie Christoph Pan richtig anmerkt, natürlich auch historische Wurzeln. 63 Diese wiederrum spiegeln sich auch in der Chuch’e-Ideologie wieder.
Die ständige Mobilisierung gegen einen potenziellen Angriff 64 von außen und die daraus folgende Militarisierung der nordkoreanischen Gesellschaft sind ein Ausdruck der Angst, man könne dem Land jederzeit die nationale Souveränität nehmen. Der Versuch, eigene Kernwaffen herzustellen, ist aus nordkoreanischer Sicht 65 nur eine logische Konsequenz aus dem Streben zur Wahrung der nationalen Eigenständigkeit. Es ist daher in meinen Augen sehr unwahrscheinlich, dass das nordkoreanische Atomprogramm - auch wenn es täglich anderslautende Meldungen gibt - in absehbarer Zeit eingestellt wird. Das dadurch erreichte Drohpotenzial erfüllt meines Erachtens zwei Zwecke auf einmal: erzwungene Aufmerksamkeit im Ausland und die daraus folgende Akzeptanz Nordkoreas als
59 Quelle: China Daily Online vom 26.11.2009. URL: http://www.chinadaily.com.cn/cndy/2009-11/26/content_9052239.htm# (Abgerufen am 02.03.2009)
60 Quelle: China Daily Online vom 23.02.2010. URL: http://www.chinadaily.com.cn/china/2010-02/23/content_9492037.htm (Abgerufen am 02.03.2009)
61 Maretzki (1991): S. 112ff.
62 Ebenda, S. 83.
63 Pan (1994): S. 25 u. 35.
64 Eine von vielen Beschreibungen der permanenten Bedrohungswahnehmung: Dirk Brauns (2009) in Moeskes (2009): S. 37 - 42.
65 Bspw. die KCNA-Meldung vom 30.05.2009 zum nordkoreanischen Atomtest. Nachzulesen auf: http://www.kcna.co.jp/index-e.htm
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Verhandlungspartner und nach innen den Beweis, dass die nordkoreanische Nation zu Höchstleistungen fähig ist, die in voller Übereinstimmung mit dem Prinzip des ‚Tschadschusong‘ stehen.
5.) Schlußbetrachtung
Ich habe eingangs darauf verwiesen, dass es sich beim Verfassen dieser Arbeit als enorm schwierig herausgestellt hat, fruchtbare wissenschaftliche Quellen zu Nordkorea aufzutun. Ich habe deshalb versucht, so weit als möglich auf Mutmaßungen oder auf die Wiedergabe von Spekulationen zu verzichten und stattdessen Aussagen wiederzugeben, die von mindestens zwei Autoren übereinstimmend geäußert werden. Natürlich war dies nicht an allen Stellen möglich. Die Beschäftigung mit der nordkoreanischen Chuch’e-Ideologie hat sich trotz aller Schwierigkeiten als äußerst spannend und aufschlussreich erwiesen. Sie hat auch bewiesen, dass die Beschäftigung mit politischer Theorie und Ideengeschichte nicht ‚unnütz‘ oder ‚realitätsfern‘ sein muss. Ein bisschen mehr politische Theorie in der Berichterstattung über Nordkorea - oder zumindest an den Stellen, die beispielsweise mit nordkoreanischen Delegationen zusammentreffen - würde den auf ständigem Misstrauen und Unverständnis basierenden Konflikt sicherlich entschärfen helfen. Auch wenn in dieser Arbeit kein expliziter Bezug zu Theoretikern, die im Rahmen Seminars besprochen wurden (vielleicht von Marx einmal abgesehen), hergestellt wurde, so bin ich doch überzeugt davon, dass es viele Anknüpfungspunkte gibt. Die nordkoreanische Propagandasprache und -schriften
beispielsweise böten ein ideales Feld für eine Dekonstruktion im Sinne Derridas. Macht- und Herrschaftstechniken, ein auf die Spitze getriebener Panoptismus, der in totaler
(Selbst-)Überwachung gipfelt, ließen sich hervorragend mit Foucault analysieren. Auch die totalitäre Herrschaft der Kims ließe sich mit Hobbes oder Machiavelli beschreiben. Ich habe mich gegen das klassische Muster entschieden - auch, um einmal den eurozentrischen Weg zu verlassen und in andere Ideenwelten einzudringen.
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Literaturverzeichnis
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x Kim Jong Il (1982): Über die Chuch‘e-Ideologie. Pjöngjang: Verlag für fremdsprachige Literatur.
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x Moeskes, Christoph (Hrsg.) (2009): Nordkorea. Einblicke in ein rätselhaftes Land. Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung (Schriftenreihe Band 1021). x Pan, Christoph (1992): Nordkorea. Die ideologische und soziologische Basis. Wien: Braumüller.
x Rinser, Luise (1986 6 ): Nordkoreanisches Reisetagebuch. Frankfurt/M.: Fischer-Taschenbuch-Verlag.
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Internetquellen
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Arbeit zitieren:
Felix Kleefeld, 2010, Die Chuch'e-Ideologie in Nordkorea, München, GRIN Verlag GmbH
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