Westfälische Wilhelms-Universität Münster Historisches Seminar Proseminar: Die Amerikanische Revolution .WS 99/00
Die Position William Pitts 1775
Joachim Pahl
1
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Unterschiede zwischen den Reden Pitts Darstellung der Situation Pitts Prognosen Pitts Vorschläge Schlußbetrachtung Literatur Mögliche Literatur
2
Einleitung
Zu Beginn des Jahres 1775 hatten sich die Konflikte zwischen den Amerikanern und den sie vertretenden Assemblies auf der einen sowie dem
englischen Parlament auf der anderen Seite dermaßen zugespitzt, daß beide Parteien nicht umhinkonnten, eine Entscheidung darüber anzustreben, wie das Verhältnis zueinander aussehen sollte. Der zentrale Konfliktpunkt war die Frage, wo die Steuerhoheit liegen solle: beim englischen Parlament oder bei den amerikanische Provinzregierungen, die sich auf den Grundsatz beriefen, daß kein englischer Bürger ohne seine Zustimmung besteuert werden dürfe.
Die Krise schwelte schon seit zwölf Jahren, mit einigen Koflikthöhepunkten, als die Amerikaner den Handel mit dem Mutterland boykottierten und kleinere Scharmützel anzettelten, nun jedoch hatte die Regierung in England ein ganzes Heer geschickt, das dem Unfuge steuern sollte. Damit hatte die Auseinandersetzung eine neue Qualität erhalten, war aus dem Konflikt eine militärische Konfrontation geworden. In dieser Lage meldete sich William Pitt
vom Altenteil zurück, der Grandseigneur der britischen Imperialpolitik und unbestritten ein Fachmann des Außenamtes mit hohen Verdiensten. Die Person Pitts wird in der Historiographie weitgehend übereinstimmend beschrieben. Er war ein auf den König und das Empire verpflichteter Stratege und Pragmatiker,
der den nationalen Führer und Volkstribun 1 mit bisweilen theatralischen Posen darzustellen verstand 2 , auch war er ein Anwalt des Parlamentes und des
Reiches, nicht jedoch ein Parteiführer 3 , denn für die in Parteien auftretenden Kungeleien hatte er nur Zorn und Verachtung übrig 4 Er versammelte deshalb auch keine Parteiungen um sich 5 , war aber ein Mann, an den jeder sich gern
wendete im Falle einer Krise 6 . Die gemeinsame Basis aller Beteiligten bestand wie schon vor zwölf Jahren darin, daß die Zugehörigkeit der amerikanischen
Kolonien zum Empire noch von niemandem ernsthaft in Frage gestellt wurde. Wie diese Oberhoheit des Mutterlandes allerdings auszusehen habe, welche Bereiche sie umfassen solle und wer an der mißlichen Lage der englischsprachigen Welt wohl schuld sei, darüber gab es im Parlament einen
1 Kluxen, S. 367
2 Bowl, S. 373 3 Keller, S. 601 4 Trevelyan, S.614 5 Kluxen, S.363f.
6 Morgan, Birth, S. 29
3
variantenreichen Dissens, der an zwei Reden Pitts sowie beigefügten Protokollen erläutert werden soll, die die Quellenbasis darstellen.
Da es im englischen Parlament nicht erlaubt war, mitzustenographieren 7 , ist man auf Gedächtnisprotokolle oder nachträglich erstellte Aufzeichnungen Beteiligter angewiesen, soweit ein Redemanuskript nicht existiert. Der vorliegende Text wurde zuerst 1779 von Hugh Boyd herausgegeben, einem Juristen und Kolonialbeamten, der nicht durch weitere Aktivitäten, politischer oder anderer Natur, auf sich aufmerksam gemacht hat. Daß das Protokoll teilweise paraphrasiert, teils aber in direkter Rede geschrieben ist, kann darauf hindeuten, daß es aus mehreren Quellen zusammengesetzt ist. Denkbar wäre auch die Erklärung, daß die Form der ersten Person bisweilen gewählt worden ist, um die bekannte Pitt‘sche Rhetorik besser zur Geltung kommen zu lassen. Der erstgenannten Möglichkeit dürfte jedoch der Vorzug zu geben sein, da umgekehrt auch in den Redetext einige Stellen mit indirekter Rede eingeflossen sind. Zuverlässigkeit und Quellenwert der vorliegenden Texte sind also nicht besser, aber auch nicht schlechter als bei anderen Parlamentsreden dieser Zeit.
Die Thematik soll durch die Erörterung von vier Hauptfragen angegangen werden:
1. Wie und warum unterscheiden sich die beiden Reden?
2. Wie beschreibt Pitt die gegenwärtige Lage?
3. Was erwartet er für den Fall, daß das englische Parlament nicht umdenkt?
4. Welche Vorschläge unterbreitet Pitt?
Unterschiede zwischen den Reden:
Die erste Rede ist formlos und fast ohne Höflichkeitsfloskeln gehalten. Pitt geht bei ihr direkt medias in res und trägt seine Erklärungen vor, die denen der zweiten Rede inhaltsgleich sind. Er befleißigt sich dabei eines beinahe umgangssprachlichen Tones und läßt nur zuweilen, wenn er vom König spricht oder zu den anderen Mitgliedern des Hauses, die Ausdrücke „demütig“ und
„Lordschaften“ 8 zur Anwendung kommen. In starkem Kontrast hierzu steht die zweite Rede. Dort verwendet er eine dezidierte, formalistische, regelrecht
7 Anm.: Die Unterredungen im Parlament wurden als Privatgespräche angesehen, deren
Veröffentlichung als Indiskretion betrachtet worden wäre, s. Willcox, William B., The Papers
of Benjamin Franklin, Vol 21, New Haven und London 1978, S. 478
8 The Parliamentary History of England, Vol. XVIII London 1813 Spalte 149 , Verweise auf
diese Quelle werden im Text in der Folge bezeichnet als (Pitt xxx).
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Magister Joachim Pahl, 2000, Die Position William Pitts im englisch-amerikanischen Konflikt, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Die Unabhängigkeitserklärung der USA und ihre Auswirkungen auf die Men...
Politics - International Politics - Topic: Public International Law and Human Rights
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
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