W. Geiger Studiengang Angewandtes Wissensmanagement 2009
Abstract
The aim of the present study is to investigate the pattern of knowledge acquisition in SMEs (Small and Medium Enterprises) of the environmental technology sector and to identify the role of collaboration and Web 2.0 technologies in this process. A literature survey showed that knowledge acquisition in SMEs highly depends on external knowledge sources and cooperation. It is hypothesized that these cooperations should be favored by the use of collaborative internet tools. On the basis of these literature data, two expert interviews and a group interview with knowledge workers, 6 hypotheses concerning the knowledge acquisition seen from the view of knowledge workers were formulated, transformed into an online questionnaire and sent to 150 SMEs.
The 29 data sets were analyzed using firm specific (size, turnover, percentage of knowledge workers) and knowledge worker specific variables (age, formation, work experience, time employed, IT-affinity) the 6 hypotheses were tested using nonparametric statistical methods. The results can be summarized as follows: Knowledge workers use both individual and collaborative methods independent of age, time employed and work experience. Knowledge workers do not differentiate between explicit and implicit knowledge when applying knowledge acquisition strategies. In general, personal networks are not more heavily used than institutional cooperation structures. When considering only internal knowledge acquisition, which is much more frequent than external sources, personal networks are preferred.
Web 2.0 tools are poorly used in the knowledge acquisition processes. Especially low importance is given to participation in virtual social networks. This holds also true when asking for the future role of these tools. SME specific structures play an important role in favoring or hampering knowledge acquisition. Firm leadership and philosophy are perceived as positive, low budget and lack of IT infrastructure to cope with the increasing amount of information are seen as negative for an efficient knowledge acquisition.
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W. Geiger Studiengang Angewandtes Wissensmanagement 2009 Knowledge workers believe that knowledge sharing and collaboration in networks will become even more important in the future, although they do not attribute any significant role to Web 2.0 applications in these processes. Instead, they are more worried about the increasing information overload and how to fight it.
The results of this study could motivate SMEs to become aware of the importance of knowledge acquisition at both the company and the personal level and to identify the processes and variables influencing them. Expanding external knowledge acquisition and enhancing the use of collaborative internet applications should help SMEs to cope with future innovation challenges.
Keywords: knowledge acquisition, SMEs, collaborative networks, Web 2.0 tools, innovation
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W. Geiger Studiengang Angewandtes Wissensmanagement 2009
Executive Summary
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, wie WissensarbeiterInnen in KMU des Umwelttechnologiebereichs neues Wissen erwerben. Wesentliche Aspekte sind dabei die Zusammenarbeit in Netzwerken und die Unterstützung dieser Zusammenarbeit durch kollaborative Internetanwendungen (Stichwort: Web 2.0). Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt darin zu erheben, inwieweit unternehmens- und personenbezogenen Faktoren wie Firmengröße, Umsatz, Anteil der WissensarbeiterInnen, Alter, Ausbildung, Zeit im Betrieb sowie Berufs- und IT-Erfahrung der Mitarbeiter die Art des Wissenserwerbs beeinflussen.
Ausgehend von einer umfassenden Analyse der Literatur, in der ein Überblick über die wesentlichen Faktoren erfolgreichen Wissenserwerbs und die Bedeutung von Netzwerken für Innovation speziell für KMU gegeben und die Möglichkeiten und Grenzen von Web 2.0 Anwendungen dargestellt werden, wurden unter Einbeziehung der Ergebnisse von zwei ExpertInneninterviews und einem Gruppeninterview mit WissensarbeiterInnen 6 Hypothesen formuliert und im Rahmen einer Online-Befragung von 150 KMU aus dem Umwelttechnologiebereich geschickt. Dieser Bereich wurde deshalb gewählt, weil er als besonders innovativ gilt und einen hohen Anteil an WissensarbeiterInnen aufweist. Zum Zweck der Hypothesenüberprüfung wurden die 29 vollständige Datensätze nicht-parametrischen Testverfahren (Mediane, Rangkorrelationen) unterzogen. Diese Analysen ergaben folgende, statistisch abgesicherte Ergebnisse:
Hypothese 1:
Der Wissenserwerb in der Praxis erfolgt bei neuen, unerfahrenen MitarbeiterInnen häufig individuell, bei älteren, erfahreneren MitarbeiterInnen meist unter Ausnutzung entsprechender Netzwerke. Nicht bestätigt
Alter, Zeit im Betrieb und Berufserfahrung haben keinen Einfluss auf die Art des Wissenserwerbs
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W. Geiger Studiengang Angewandtes Wissensmanagement 2009 Hypothese 2:
Kollaborativer und individueller Wissenserwerb werden differenziert eingesetzt, je nachdem, ob es sich um implizites (kollaborativ) oder explizites (individuell) Wissen handelt Teilweise bestätigt
Unabhängig von der Art des Wissens werden vor allem von jüngeren MitarbeiterInnen beide Strategien verwendet, was bei dieser Gruppe zu einer höheren Wissenserwerbsintensität führt. Es gibt allerdings leichte Hinweise, dass die individuelle Strategie zusätzlich vor allem beim Erwerb expliziten Wissens eingesetzt wird.
Die Grundannahme des Vorliegens einer Dichotomie explizit/implizit versus individuell/kollaborativ war falsch
Hypothese 3:
Wissenserwerb und Wissensteilung erfolgen hauptsächlich auf der Basis von persönlichen Netzwerken Nicht bestätigt
Persönliche Netzwerke sind für den Wissenserwerb nicht wichtiger als institutionelle. Entscheidend dafür ist die hohe Bewertung unternehmensinterner Wissenserwerbsquellen gegenüber externen . Die für die Fragestellung dieser Arbeit wichtigere Hypothese, ob interne Wissensquellen gegenüber externen bevorzugt werden, wurde zwar nicht formuliert, konnte aber bestätigt werden.
Hypothese 4:
Der Einsatz von kollaborativen Internetanwendungen (Web 2.0 Tools) im Rahmen des Wissenserwerbs ist noch sehr gering und abhängig von IT-Erfahrung und Alter der MitarbeiterInnen.
Teil 1 der Hypothese bestätigt, Teil 2 nicht bestätigt Kollaborative Internetanwendungen, vor allem soziale Netzwerke, werden nur wenig genutzt. Diese geringe Nutzung ist allerdings weder vom Alter noch von der IT-Erfahrung abhängig. Programme, die am firmeneigenen
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W. Geiger Studiengang Angewandtes Wissensmanagement 2009 Server laufen (Foren, Wikis) werden häufiger genutzt als webbasierte Anwendungen. Hypothese 5:
Unternehmensinterne Faktoren (Firmenphilosophie, Firmenleitung, Organisationsstrukturen, finanzielle Mittel), IT-Infrastruktur und persönliche Faktoren wie Netzwerke, Teamarbeit oder Weiterbildung, wirken sich in Bezug auf die Förderung oder Hemmung des Wissenserwerbs unterschiedlich aus. Bestätigt
Mangel an finanziellen Mitteln hemmen den Wissenserwerb, mitarbeiternahe Strukturen fördern ihn. Die Rolle von Firmenleitung und Firmenphilosophie wird als positiv für den Wissenserwerb angesehen, mangelhafte oder nicht vorhandene IT-Infrastruktur wird als hemmend empfunden.
Hypothese 6:
Die WissensarbeiterInnen in KMU sehen die Zukunft des Wissenserwerbs in kolla-borativen, interorganisationalen Netzwerken, unterstützt durch ein ständig wachsendes Angebot von webbasierten Anwendungen. Teilweise bestätigt
Zustimmung fand, dass der Wissenserwerb immer stärker von Zusammenarbeit und Wissensteilung geprägt sein wird. Den Web 2.0 Anwendungen wird dabei aber keine entscheidende Rolle beigemessen. Wichtigstes Anliegen der Befragten war, IT-Lösungen zu entwickeln (Suchmaschinen; Dokumentenmanagement), die ihnen helfen die Informationsflut zu bewältigen.
Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, wie notwendig es ist, Wissenserwerb sowohl auf personaler als auch unternehmerischer Ebene als Prozess zu begreifen. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass zwischen diesen Ebenen zahlreiche Wechselwirkungen existieren, deren Bedeutung für einen erfolgreichen Wissenserwerb noch kaum untersucht ist. Die in der Literatur oft genannte große Bedeutung von externem Wissenserwerb besonders für KMU wird in dieser Arbeit zumindest auf der Ebene der einzelnen WissensarbeiterInnen nicht sichtbar. Es wäre ein großer Erfolg, wenn die Ergebnisse dieser Arbeit dazu beitragen, dass Unternehmen vermehrt ihre Wissenserwerbsstrategien auch, aber nicht nur,
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W. Geiger Studiengang Angewandtes Wissensmanagement 2009
hinsichtlich der Bedürfnisse ihrer WissensarbeiterInnen hinterfragen, externe Kooperationen in größerem Ausmaß als bisher auch für den Wissenserwerb heranziehen und diese durch geeignete IT-Anwendungen effizient unterstützen.
Stichwörter: Wissenserwerb, KMU, kooperative Netzwerke, Web 2.0, implizites und explizites Wissen
Danksagung
Mein Dank gilt meinem Betreuer, meinen Kolleginnen und Kollegen sowie den WissensarbeiterInnen, die bei den Interviews und bei der Online-Umfrage mitgemacht haben. Ohne sie wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen.
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W. Geiger Studiengang Angewandtes Wissensmanagement 2009
INHALTSVERZEICHNIS
ABSTRACT III
EXECUTIVE SUMMARY. V
ABBILDUNGSVERZEICHNIS XI
TABELLENVERZEICHNIS. XII
1 EINLEITUNG 1
1.1 AUSGANGSLAGE 1
1.2 FRAGESTELLUNG 2
1.3 ZIELE. 3
1.4 AUFBAU DER ARBEIT 3
2 THE STATE OF THE ART 4
2.1 WISSENSERWERB ALS BESTANDTEIL VON WISSENSMANAGEMENT-KONZEPTEN 4
2.2 WISSENSERWERB UND WISSENSARBEITERINNEN. 6
2.3 KOLLABORATIVER WISSENSERWERB 9
2.3.1 Kollaboration zwischen Organisationen 9
2.3.2 Kollaboration zwischen WissensarbeiterInnen. 11
2.4 WISSENSERWERB IN KM.U 12
2.5 KOOPERATION ALS WISSENSERWERBSTRATEGIE FÜR KMU 15
2.6 WEB 2.0 UND KOLLABORATIVER WISSENSERWERB - CHANCEN UND
M ÖGLICHKEITEN FÜR KMU 16
2.7 ZUSAMMENFASSUNG. 21
3 EMPIRISCHER TEIL 22
3.1 WIFO-STUDIE ÜBER UMWELTTECHNOLOGIEBEREICH. 22
3.2 METHODIK 23
3.2.1 Halbstandardisierte Leitfadeninterviews mit WissensarbeiterInnen 23
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W. Geiger Studiengang Angewandtes Wissensmanagement 2009
3.2.2 ExpertInneninterviews. 24
3.2.3 Quantitative Umfrage mittels Online-Fragebogen. 24
3.2.4 Statistische Auswertungsverfahren 28
3.3 ERGEBNISSE DER INTERVIEWS 29
3.3.1 ExpertInneninterview I. 29
3.3.2 ExpertInneninterview II. 29
3.3.3 Gruppeninterview mit WissensarbeiterInnen 30
3.3.4 Hypothesen. 31
3.4 ERGEBNISSE DER ONLINE-BEFRAGUNG. 32
3.4.1 Die TeilnehmerInnen 32
3.4.2 Die Unternehmen 34
3.4.3 Die Analyse 36
3.4.4 Zusammenfassung der Ergebnisse 53
3.4.5 Diskussion der Ergebnisse, Einschränkungen der Studie und offene
Fragen. 55
4 ANWENDUNG UND NUTZEN 57
LITERATUR 58
ANHANG. 62
ANHANG 1: INTERVIEWLEITFÄDEN 62
ExpertInneninterview. 62
Halbstandardisiertes Leitfadeninterview (WissensarbeiterInnen) 63
ANHANG 2: FRAGEBOGEN 64
ANHANG 3: TABELLEN MIT ERGEBNISSEN DER SIGNIFIKANZTESTS 71
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W. Geiger Studiengang Angewandtes Wissensmanagement 2009 Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Faktoren, die den inter-organisationalen Wissenserwerb und -transfer
beeinflussen .....................................................................................10 Abb. 2 Die große Vielfalt an Web 2.0 Anwendungen ........................................18 Abb. 3 Alter und Ausbildung der TeilnehmerInnen...........................................32 Abb. 4 Tätigkeitsbereich und Position im Unternehmen....................................33 Abb. 5 Beschäftigungsdauer im Betrieb und Berufserfahrung ...........................33 Abb. 6 IT-Erfahrung der Befragten.................................................................34 Abb. 7 Branchenzugehörigkeit und Anzahl der MitarbeiterInnen .......................34 Abb. 8 Anteil an Angestellten und WissensarbeiterInnen..................................35 Abb. 9 Jahresumsatz der Betriebe..................................................................35 Abb. 10 Häufigkeit der Verwendung von kollaborativen und individuellen Wissenserwerbmethoden....................................................................36 Abb. 11 Bevorzugte Form des Erwerbs von explizitem und implizitem Wissen......39 Abb. 12 Die Bedeutung institutioneller und persönlicher Kontakte und von Netzwerken beim Wissenserwerb ........................................................40 Abb. 13 Häufigkeit der Nutzung von kollaborativen Internetanwendungen ..........43 Abb. 14 Fördernde und hemmende Faktoren beim Wissenserwerb .....................47 Abb. 15 Bewertung von personenbedingten und unternehmensbedingten Faktoren hinsichtlich ihres Einflusses auf eine Verbesserung der
Wissenserwerbssituation.....................................................................49 Abb. 16 Bewertung einiger Aussagen zur zukünftigen Entwicklung des
Wissenserwerbs.................................................................................51
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W. Geiger Studiengang Angewandtes Wissensmanagement 2009
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Rollenmodell von Wissensarbeit ..................................................................... 7 Tab. 2 Definition von KMU der Europäischen Union .............................................. 12 Tab. 3 Vor- und Nachteile für KMU bezüglich Wissenserwerb und Innovation ... 14 Tab. 4 Web 2.0-Tools und Einsatzmöglichkeiten in kollaborativen Netzwerken... 20 Tab. 5 Probleme bei Online-Umfragen und in dieser Studie vorgenommene
Vorkehrungen ................................................................................................. 26 Tab. 6 Kriterienkatalog Online-Umfrage-Tool .......................................................... 27 Tab. 7 Signifikante Unterschiede zwischen der Bewertung der
Wissenserwerbsmethoden............................................................................. 37 Tab. 8 Bewertung von institutionellen und persönlichen Netzwerken und
Kontakten. ................................................................................................... 41 Tab. 9 Mittelwerte und signifikante Unterschiede in der Häufigkeit der Verwendung von kollaborativen Internetanwendungen ............................. 44 Tab. 10 Mittelwerte der Bewertung der Ursachen für die geringe Nutzung
kollaborativen Internetanwendungen........................................................... 45 Tab. 11 Mittelwerte und signifikante Unterschiede zwischen den Wissenserwerb fördernden und hemmenden Faktoren......................................................... 48 Tab. 12 Mittelwert und statistische Signifikanz der Bewertung von Verbesserungsmaßnahmen für den Wissenserwerb. .................................. 50 Tab. 13 Mittelwerte der Bewertung der zukünftigen Entwicklung des
Wissenserwerbs - (Schulnotenskala) ........................................................... 52 Tab. 14 Nutzung von individuellen und kollaborativen Wissenserwerbstrategien
(Anhang). ................................................................................................... 71 Tab. 15 Die Wichtigkeit institutioneller und persönlicher Kontakte und Netzwerke für den Wissenserwerb (Anhang) ................................................................. 72 Tab. 16 Paarweise, signifikant unterschiedliche Mediane der Bewertung von fördernden und hemmenden Faktoren (Anhang)....................................... 73 Tab. 17 Faktoren, von denen erwartet wird, dass sie den persönlichen
Wissenserwerb fördern (Anhang) ................................................................. 74
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W. Geiger Studiengang Angewandtes Wissensmanagement 2009
1 Einleitung
1.1 Ausgangslage
Innovation, die treibende Kraft wirtschaftlichen Erfolgs in Unternehmen, erfordert eine ständige Weiterentwicklung des im Unternehmen vorhanden Wissens. In größeren Unternehmen erfolgt dies in eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen entweder durch firmeninternen Wissenstransfer, durch Einstellung von MitarbeiterInnen mit dem benötigten Know How, durch Zukauf externer Dienstleistungen in Form von Beratern oder im Rahmen von Personalentwicklungsstrategien durch Aus- und Weiterbildung von bereits im Betrieb Beschäftigten. Im Gegensatz dazu ist es für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) aufgrund mangelnder finanzieller Möglichkeiten und oft fehlender organisatorischer Strukturen (Notenboom, 1994) oft ein Problem, effizient externes Wissen in das Unternehmen zu transferieren, obwohl gerade sie nach neueren Untersuchungen stärker von diesem externen Wissen abhängig sind als größere Unternehmen (Chen et al., 2006). Dabei fehlt es nicht an Kooperationsangeboten und -modellen von Seiten öffentlicher Stellen, die mit der Verwertung von Forschungsergebnissen betraut sind 1 2 , finanzieller Unterstützung und Innovationsinitiativen von Seiten der EU 3 oder wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema, wie Wissen in und innerhalb von Organisationen transferiert werden kann und von welchen innerbetrieblichen Faktoren dies abhängt (Cohen & Levinthal, 1990; Liao, Welsch & Stoica, 2003).
Dazu kommt noch, dass Personalentwicklungskonzepte weitgehend fehlen. Auch ist weitgehend unbekannt, wie die WissensarbeiterInnen neues Wissen erwerben, ob sie dabei gezielte Strategien verfolgen und, wenn ja, wann sie diese einsetzen. Genau so wenig ist bekannt, ob sie dabei auf sich allein gestellt sind oder die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen innerhalb und außerhalb des Unternehmens suchen und ob sie dabei mit Unterstützung durch kollaborative IT- und Internetanwendungen vorgehen.
1 http://www.unigraz.at/ffowww/ffowww_transfer/ffowww_wissenstransfer/
ffowww_wissenstransfer_wirtschaft/ffowww_wissenstransfer_awt.htm abgerufen am 27.6.2009 2 www.umwelttechnik.at/download/oegut_themen.pdf, abgerufen am 28.6.2009 3 http://www.ffg.at/content.php?cid=855 abgerufen am 3.7.2009
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W. Geiger Studiengang Angewandtes Wissensmanagement 2009
1.2 Fragestellung
Aus der oben geschilderten Ausgangslage ergeben sich für die vorliegende Arbeit folgende Fragen:
1. Wie erwerben MitarbeiterInnen von KMU neues Wissen? Dabei geht es darum, den Prozess des Wissenserwerbs aus der Sicht der MitarbeiterInnen exemplarisch an KMU aus dem Umwelttechnologiebereich, einer besonders durch hohe Innovationsfähigkeit charakterisierten Branche (Köppl 2005), anhand von theoretischen Überlegungen und empirischen Daten zu beschreiben. Besonders wichtig ist dabei, dass der Fokus auf den handelnden Personen und weniger auf der Ebene der Organisationen liegt. Der organisationale Aspekt wird nur insofern berücksichtigt, als er konkrete Auswirkungen auf den Wissenserwerb des Einzelnen hat. 2. Welche Bedeutung haben kollaborative Aspekte und Netzwerke beim Wissenserwerb?
Hier wird untersucht, ob Theorien, die Kollaboration und das Agieren in Netzwerken als unabdingbar für effizienten Wissenserwerb ansehen, von empirischen Daten unterstützt werden. Es werden sowohl die Inanspruchnahme von externer als auch von interner Zusammenarbeit berücksichtigt. Unter diesem Gesichtspunkt wird auch der Frage nach der Bedeutung von virtuellen Netzwerken beim Wissenserwerb nachgegangen.
3. Werden neue, die Kollaboration unterstützende Technologien (Stichwort Web 2.0) beim Wissenserwerb genutzt und wenn ja, in welchem Ausmaß? Im Vordergrund steht bei der Untersuchung dieser Frage, ob die MitarbeiterInnen diese Technologien kennen und wie häufig sie sie einsetzen, wenn neues Wissen erworben werden soll.
Die sich aus diesen Forschungsfragen ergebenden Hypothesen wurden aus einer Analyse der relevanten Literatur sowie den Ergebnissen von zwei Experteninterviews und einem Gruppeninterview entwickelt und werden im Kapitel "Ergebnisse" ausführlich dargestellt.
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W. Geiger Studiengang Angewandtes Wissensmanagement 2009
1.3 Ziele
Durch die Beantwortung der oben aufgelisteten Forschungsfragen sollen folgende Ziele erreicht werden:
1. eine Beschreibung des Wissenserwerbsprozesses in KMU des Umwelttechnologiebereichs aus der Sicht der WissensarbeiterInnen 2. die Überprüfung von Hypothesen hinsichtlich der Wichtigkeit von Kollaboration und Netzwerken für den Wissenserwerb in diesen KMU 3. die Erhebung des Kenntnisstandes von WissensarbeiterInnen in KMU über kollaborative Internetanwendungen und deren Nutzung beim Wissenserwerb
4. eine Erhebung der wichtigsten fördernden und hemmenden Faktoren beim Wissenserwerb und ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen aus der Perspektive der WissensarbeiterInnen.
1.4 Aufbau der Arbeit
Nach einer Einleitung, in der Ausgangslage, Zielsetzung, Fragestellung und Methodik beschrieben werden, folgt im theoretischen Teil der Arbeit anhand ausgewählter Literatur ein Überblick über die Rolle von Wissenserwerb und Wissenstransfer in Unternehmen unter spezieller Berücksichtigung von KMU, sowie über die Wichtigkeit von Kollaboration und Netzwerken bei Wissenserwerbsprozessen. In Anschluss daran wird die Bedeutung von neuen kommunikativen Internetanwendungungen (Stichwort Web 2.0) für den Wissenserwerb dargestellt. Den Abschluss des theoretischen Teils bildet eine Zusammenfassung der in der Literatur genannten Probleme beim Wissenserwerb, die speziell in KMU auftreten. Den Kernbereich der Arbeit bildet die empirische Untersuchung. Sie besteht aus einem der Hypothesenbildung dienenden qualitativen Teil und den Ergebnissen eines quantitativen online-Fragebogens. Im Anschluss daran werden die empirischen Ergebnissen anhand von Literaturdaten diskutiert und offengebliebene Fragen sowie der Nutzen der Arbeit und deren mögliche Verwertung erörtert.
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W. Geiger Studiengang Angewandtes Wissensmanagement 2009
2 The State of the Art
2.1 Wissenserwerb als Bestandteil von Wissensmanagementkonzepten
Externer und interner Wissenserwerb sind ein wesentlicher Bestandteil von allen gängigen Wissensmanagementkonzepten. Im Bausteinmodell von Probst, Raub & Romhardt (1999) erfüllt der Baustein Wissenserwerb den Zweck, nach erfolgter Wissensidentifikation intern oder extern das nötige Wissen zu beschaffen, um festgestellte Wissens- und Kompetenzlücken zu schließen. Die Beschaffung dieses zur Erreichung der Wissensziele benötigten Wissens erfolgt auf mehreren Ebenen: Durch die Einstellung von ExpertInnen, durch Erwerb des nötigen Know Hows von externen Beratern oder Coaches oder durch Ankauf von Informationen oder Patenten sowie durch Aneignung von Wissen, vermittelt durch das Feedback von Kunden und Lieferanten (Eschenbach & Geyer, 2004). Dazu gehört auch die regelmäßige Beobachtung des unternehmerischen Umfelds, im konkreten Fall der Besuch von Tagungen, Kongressen, Fachmessen und die Pflege von Kontakten zu Mitbewerbern.
Eine weitere Möglichkeit des Wissenserwerbs besteht durch Kooperation mit oder Übernahme von Unternehmen, die das komplementäre Wissen besitzen (Van Gils & Zwart, 2004).
Hauptproblem beim externen Wissenserwerb aus der Sicht des Wissensmanagements ist, neben der mangelnden Akzeptanz von externem Know How oder der Ablehnung von externen ExpertInnen, sowie des weit verbreiteten "not invented here"-Syndroms, die oft mangelnde Absorptionskapazität der Unternehmen (Liao, Welsch & Stoica, 2003). Darunter versteht man nach Cohen & Levinthal (1990, S.131-132)
…not only the acquisition or assimilation of information by an organization but also the organization's ability to exploit it. Therefore, an organization's absorptive capacity does not simply depend on the organization's direct interface with the external environment. It also depends on the transfers of knowledge across and within subunits that may be quite removed from the original point of entry. Thus, to understand the sources of a firm's absorptive capacity, we focus on the structure of communication between the external environment and the organization, as well as among the subunits of the organizations, and also on the character and distribution of expertise within the organization
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W. Geiger Studiengang Angewandtes Wissensmanagement 2009
Dieses Konzept, das uns später noch im Rahmen der spezifischen Probleme von KMU beim Wissenserwerb beschäftigen wird, beschreibt die Voraussetzungen, die in einem Unternehmen vorhanden sein müssen, um erfolgreich externes Wissen zu erwerben. Dazu gehört die Fähigkeit, neues Wissen als notwendig zu begreifen. Die Absorptionskapazität hat neben der Größe des Unternehmens und Netzwerkvariablen, wie Position im Netzwerk, Bindungsstärke und Vertrauen, einen positiven Effekt auf den Wissenserwerb und Wissenstransfer und damit auf die Innovationsfähigkeit von Unternehmen (van Wijk, Jansen & Lyles, 2008). Im Zusammenhang mit KMU wird die Absorptionskapazität eines Unternehmens von Gray (2006, S. 347) definiert als
…a firm’s overall capacity for learning, implementing new knowledge, disseminating new knowledge internally and making use of new resources, including new technologies. Absorptive capacity is a function of the organisation’s existing resources, existing tacit and explicit knowledge, internal routines, management competences and culture. Das bedeutet, um erfolgreich externes Wissen erwerben zu können, sei es durch welchen Kanal auch immer, müssen bereits wesentliche Vorbedingungen im Unternehmen erfüllt sein. Diese Voraussetzungen entsprechen, ohne explizit von Gray genannt zu sein, weitestgehend den Anforderungen, die allgemein an Wissensmanagement gestellt werden.
Wissenserwerb, Absorptionskapazität und Innovationsfähigkeit bzw. Flexibilität stehen auch in KMU in einem direkten positiven Zusammenhang. Abweichend von den Untersuchungen an größeren Unternehmen zeigt Thérin (2007) jedoch für KMU, dass Wissenserwerb und die Assimilation dieses Wissens in unternehmenseigene Prozesse nicht korreliert sind und dass externer Wissenserwerb zwar die Flexibilität des Unternehmens auf sich ändernde Bedingungen fördert, die Assimilation hingegen die Innovationsfähigkeit.
Ein weiterer Unterschied zu der oben genannten Metaanalyse von van Wijk et al. (2008) ist der in der Studie von Thérin (2007) festgestellte Einfluss des Alters des Unternehmens auf seine Innovationsfähigkeit. Da das Altern eines Unternehmens bzw. die damit verbundenen negativen Einflüsse auf die Innovationsfähigkeit als unausweichlich angesehen werden, sieht der Autor in einem Investment in die Absorptionskapazität eine Möglichkeit, diesen Prozess in KMU auszugleichen. Zusammenfassend kann man sagen, dass jedes Unternehmen und vor allem diejenigen, die auf ein hohes Maß an Innovation angewiesen sind, Wissen von außen erwerben und in ihre internen Wissensprozesse integrieren müssen. Voraussetzung dafür sind organisationale Strukturen, die dies fördern und ermöglichen. Die Absorptionskapazität kann dabei verstanden werden als das Ergebnis desjenigen
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Arbeit zitieren:
Walter Geiger, 2009, Wissenserwerb und Wissenstransfer in der Umwelttechnologie aus der Sicht der WissensarbeiterInnen, München, GRIN Verlag GmbH
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