Dampfkraft als Voraussetzung der Industrialisierung?
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Industrialisierung 5
2.1. Definition und Bedeutung 5
2.2. Industrielle Revolution in England und den USA 6
3. Dampfkraft und Wasserkraft im Vergleich 8
3.1. Technologie 8
3.2. Zeitliche Verbreitung in England und den USA 9
3.3. Geographische Verteilung in England und den USA 11
3.4. Verwendungsbereiche 13
3.5. Vergleich der Kostenstruktur 15
3.6. Ergebnis & Interpretation 17
4. Zusammenfassung 19
5. Anhang, Literatur- und Quellenverzeichnis 21
5.1. Anhang 21
5.1.1 Tabellenverzeichnis 21
5.1.2 Abbildungsverzeichnis 21
5.1.3 Tabellen 22
5.1.4 Abbildungen 27
5.2. Literatur- und Quellenverzeichnis 30
5.3. Internetverzeichnis 31
2
Dampfkraft als Voraussetzung der Industrialisierung?
1. Einleitung
Im Jahr 1712 entwickelte der Erfinder Thomas Newcomen die erste nutzbare 1 Über die nächsten Jahrzehnte hinweg Dampfmaschine im englischen Staffordshire.
folgten weitere Verbesserungen an der Dampfmaschine und Folge-Innovationen, sodass die Dampfkraft, hier vor allem die Dampfmaschine, ohne Zweifel eine der wichtigsten innovativen Faktoren für die gegen Ende des 18. Jahrhunderts begonnene Industrialisierung war. Thomas S. Ashton, britischer Wirtschaftshistoriker und ehemals Professor an der University of London, schrieb in diesem Zusammenhang von der Dampfmaschine als Auslöser, der die Industrie in das 2 moderne Zeitalter katapultierte.
3 letztendlich wirklich die Voraussetzung für die Die Frage, ob die Dampfkraft
Industrialisierung war, möchte ich auf den folgenden Seiten beantworten. Dabei ist zu klären, inwieweit die Wasserkraft, hier vor allem das Wasserrad und Wasserturbinen, Auswirkungen auf den technischen Fortschritt sowie die Industrialisierung hatten. Ebenso ist zu untersuchen, ob die Beziehung zwischen Dampfkraft und Wasserkraft im Kontext der industriellen Verwendung eher einen substitutiven oder einer komplementären Charakter ausweist.
Um diese Fragen beantworten zu können, wird a priori in (2.1., 2.2.) die Industrielle Revolution in England und den USA genauer erklärt. In (3.1.) wird die jeweilige Technologie der Dampf- und Wasserkraft näher erläutert. Anschließend werde ich mich mittels mehrerer Analysepunkte einem Vergleich der Dampfkraft und der Wasserkraft widmen. Dabei möchte ich in (3.2.) und (3.3.) die temporale und geographisch-regionale Verbreitung der Dampf- und Wasserkraft in England und den USA analysieren, bevor ich in (3.4.) die Verwendungsbereiche darstelle. Dampf- und Wasserkraft bedeuten auch zwei unterschiedliche Kostenstrukturen, die in (3.5.) näher untersucht werden. Das Ergebnis meines Vergleichs werde ich in (3.6.) darlegen und interpretieren.
1 Vgl. http://www.newcomen.com/thomas.htm
2 Vgl. Ashton, Thomas S.; The Industrial Revolution; 1760-1830; Oxford; 1948; p. 58; A. E. Musson 3 Im Folgenden durch die Dampfmaschine repräsentiert.
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Dampfkraft als Voraussetzung der Industrialisierung?
Ob die Dampfkraft letztendlich wirklich die Voraussetzung für die Industrialisierung in England und den USA war und welchen Stellenwert die Wasserkraft in diesem Prozess hatte, wird in (4.) zusammengefasst.
Hinsichtlich der Literatur orientiere ich mich vor allem an mehreren Journalen aus der Reihe „The Journal of Economic History“ sowie weiteren Artikeln und Büchern.
Die Abbildungen und Tabellen befinden sich im Anhang.
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Dampfkraft als Voraussetzung der Industrialisierung?
2. Industrialisierung
2.1 Definition und Bedeutung
Um die Kernfragen beantworten zu können, ist zunächst zu klären, was man überhaupt unter der Industrialisierung versteht.
Wie in Tabelle 1 im Anhang zu sehen ist, begann sie im Jahr 1782 und umfasste eine Kombination der ersten beiden Kondratieff-Zyklen und endete über ein Jahrhundert
4 Da die Industrialisierung in anderen Quellen jedoch teilweise später im Jahr 1892.
bis 1900 gewertet wird, werde ich auf den folgenden Seiten den Vergleich der Dampfmaschine und der Wasserkraft bis 1900 untersuchen.
Die Industrialisierung bedeutet generell, dass der Anteil des industriellen Sektors sowie die Internalisierung industrieller Prozesse in einer Volkswirtschaft stark
5 Dieser Prozess wird begünstigt durch Erfindungen, die in einer immer zunehmen.
größer werdenden Geschwindigkeit auftreten, sodass die Anzahl der Erfindungen
6 Erfindungen in den ersten zwischen 1700 und 1900 die Anzahl wirksam gewordener
7 17 Jahrhunderten um das Sechsfache übersteigt.
Damit dieser Prozess einsetzen konnte, waren zunächst jedoch mehrere begünstigende Faktoren nötig. Der Grund dafür, dass die Industrialisierung in England als erstes einsetzte, war, dass dort verglichen zu Frankreich beziehungsweise Kontinentaleuropa schon früh der Absolutismus und die Grundherrschaft überwunden beziehungsweise gelockert wurden. Dies wiederum ermöglichte die Bildung von Kapital, einen freien, ausgebreiteten Handel sowie eine Beschleunigung des technischen Fortschritts. Des Weiteren wurde intensiv in die Infrastruktur investiert, sodass England früh über ein systematisches Kanalnetz verfügte. Ebenso war auch die große Handelsflotte von Vorteil, da, obwohl England selbst ein großes Rohstoffvorkommen besaß, weitere Rohstoffe wie Baumwolle, Kohle und Erz von Kolonien importiert werden konnten. All dies wäre jedoch nicht
4 Vgl. Hagemann, Harald; Empirie der langen Wellen; New Economy, SoSe 2009, Universität Hohenheim 5 Vgl.www1.bpb.de/publikationen/2OR8C7,0,0,Voraussetzungen_der_Industrialisierung_Entwicklung_der_Technik.html 6 „Wirksam geworden“ in Form von Patentierung
7 Vgl.www1.bpb.de/publikationen/2OR8C7,0,0,Voraussetzungen_der_Industrialisierung_Entwicklung_der_Technik.html
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Dampfkraft als Voraussetzung der Industrialisierung?
8 möglich gewesen ohne ein großes Angebot an Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt. Durch die Konzentration auf wenige Großgrundbesitzer wurden viele Kleinbauern arbeitslos und standen somit dem Arbeitsmarkt in den aufkommenden Industriezentren zur Verfügung.
Das Kernelement der Industrialisierung waren der rasante technische Fortschritt sowie besonders die technischen Entwicklungen in der Energiegewinnung. Durch Weiterentwicklungen in der Wasserkraft und besonders effiziente, technologische Neuerungen in der Entwicklung der Dampfmaschine entstand eine Vielzahl an positiven Auswirkungen, die den Verlauf der Industrialisierung intensiv begünstigt und geprägt haben. Die Dampfenergie war in nahezu unbegrenztem Umfang produzier- und transportierbar. Man konnte sich von der Standortbindung an Wasserläufe und Wasserfälle loslösen. Die Industrie war nicht mehr von den Jahreszeiten und Effekten wie Frost oder Trockenheit sowie Schwankungen in der Produktivität bei Mensch und Tier abhängig und letztendlich lieferte die Dampfkraft eine bisher unvorstellbar schnelle, präzise, stetige und mit einem hohen Leistungsgrad verbundene Durchführung industrieller Prozesse.
Wenn die Dampfkraft also die Voraussetzung der Industrialisierung war, dann müsste 9 erfüllen und innerhalb eines sie den Charakter einer General-Purpose-Technology
möglichst breiten Rahmens in der gesamten Gesellschaft einsetzbar, mit neuen Eigenschaften kombinierbar sein und eine schnelle und umfangreiche Diffusion
10 Inwieweit dies bei der Dampfkraft im Zusammenhang mit der ermöglichen.
Wasserkraft zutrifft, wird in (3.) näher erläutert.
2.2 Industrielle Revolution in England und den USA
Nachdem in England der Prozess der Industrialisierung als erstes einsetzte, erfolgte der industrielle Aufschwung in den USA erst einige Jahr später. Dies ist z.B. daran zu erkennen, dass 1820 die Anzahl an stationären Dampfmaschinen in der gesamten
11 USA 43 betrug , wohingegen die englische Stadt Birmingham im selben Jahr allein
8 Vgl.www1.bpb.de/publikationen/2OR8C7,0,0,Voraussetzungen_der_Industrialisierung_Entwicklung_der_Technik.html 9 Vgl. Bresnahan, Timothy F; Trajtenberg M.; General purpose technologies “Engines of growth”?; Journal of Econometrics; Vol. 65; 1995; p.83
10 Vgl. Hagemann, Harald; Empirie der langen Wellen; New Economy, SoSe 2009; Universität Hohenheim 11 Vgl. Atack, Jeremy; Bateman, Fred; Weiss, Thomas; The Regional Diffusion and Adoption of the Steam Engine in American Manufacturing; Journal of Economic History; Vol.40.; No.2; Jun.1980; p.285
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Dampfkraft als Voraussetzung der Industrialisierung?
12 Aber nicht nur im zeitlichen Verlauf, sondern schon 60 dieser Maschinen besaß.
auch hinsichtlich der Verbreitung der unterschiedlichen Typen von Dampfmaschinen und Wasserrädern gab es Unterschiede, die in (3.1) näher erläutert werden.
12 Vgl. Feinstein, C.H.; Polllard, Sidney; Studies in capital formation in the United Kingdom: 1750-1920, 2001;Oxford; p.171
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Dampfkraft als Voraussetzung der Industrialisierung?
3. Dampfkraft und Wasserkraft im Vergleich
3.1 Technologie
Obwohl einige Versuche zur Konstruktion einer Dampfmaschine schon vor Anfang des 18. Jahrhunderts stattfanden, wird als erste erfolgreiche Entwicklung einer Dampfmaschine die atmosphärische Dampfmaschine von Thomas Newcomen (1712) gewertet Verbesserungen an dieser Dampfmaschine durch James Watt (ca. 1769) ermöglichten im späten 18. Jahrhundert schließlich erstmals die Nutzung für industrielle Zwecke. Wie auch die Maschine von Newcomen war sie eine „lowpressure engine“, d.h. dass hier ein noch etwas geringerer Druck aufgebaut wird und die Dampfmaschine sowohl bei der Kondensation als auch bei der Befüllung des 13 1803-1804 wurde in England und den USA parallel die „high-Zylinders arbeitet.
pressure engine“ von Richard Trevithick und Oliver Evans entwickelt und eingeführt. Sie kennzeichnet sich dadurch, dass hier ein viel höherer Druck aufgebaut wurde und ein Kondensator nicht mehr benötigt wurde. Erst diese Weiterentwicklung ermöglichte den Einsatz in Dampflokomotiven. Zu beobachten ist hierbei, dass es in England eine starke Konzentration auf „low-pressure engines“ gab, während man in 14 Die Unterschiede waren anfänglich den USA „high-pressure engines“ bevorzugte.
marginal; zwar wurden „high-Pressure engines“ wesentlich schneller abgeschrieben, jedoch hatten sie durch die Einführung der Corliss Dampfmaschine, einer Weiterentwicklung der „high-pressure engine“, ab 1840 einen Effizienzvorteil, waren leichter transportierbar, weniger komplex und vielseitiger anwendbar.
Bei der Wasserkraft kam es verglichen zur Dampfkraft im 19. Jahrhundert nur zu wenigen Innovationen beziehungsweise Fortschritten. Man war trotz Innovationen weiterhin an einen gewissen Ort gebunden, wo man sich durch Wasserrechte Zugang zu einem Strom oder Fluss erkaufen musste. Man nutzte vor allem das Wasserrad, das über das 19. Jahrhundert hinweg immer weniger Abnehmer fand.
13 Vgl. Temin, Peter;Steam and Waterpower in the Early Nineteenth Century The Journal of Economic History; Vol.26; No.2; Jun., 1966 p.188
14 Vgl. Temin, Peter; Steam and Waterpower in the Early Nineteenth Century; The Journal of Economic History; Vol 26; No. 2; Jun., 1966; p.188
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Tobias Karcher, 2010, Dampfkraft als Voraussetzung der Industrialisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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