1. Einleitung
„Ist das nicht total altmodisch?“, fragen oft Jugendliche, wenn die Rede vom Briefe schreiben ist. „Komm, wir schreiben schnell ´ne Mail, ist doch viel besser!“, hört man dann außerdem noch. Aber ist der Brief wirklich so veraltet?
Gegenwärtig gibt es noch genügend Leute der älteren Generation, die gerne Briefe schreiben und noch keine E-Mailadresse haben. Doch was, wenn diese Generation nicht mehr lebt? Wird es in Zukunft nur noch die E-Mail, oder andere elektronische Mitteilungsprogramme geben? Kann die E-Mail überhaupt alle Aufgaben des Briefes übernehmen, wie zum Beispiel eine Beileidskarte, oder wird das Briefwesen unabdingbar bleiben? Diese stellen die wichtigsten Fragen meiner Arbeit dar und werden zusammengefasst mit der Fragestellung des Kapitels 4 „Löst die E-Mail den Brief im alltäglichen Leben ab?“ aufgearbeitet. Dabei werde ich außerdem die Vor- und Nachteile des Briefes und der E-Mail aufzeigen und in einem weiteren Unterpunkt gehe ich noch auf die Funktionen von Brief und E-Mail ein und den Gebrauch dieser Vermittlungskulturen im täglichen Leben. Vorausgehend sollte aber zuerst einmal geklärt werden, was man sich überhaupt unter einer E-Mail vorstellen kann und was genau ein Brief ist? Diese Fragen werde ich in den Kapiteln zwei und drei beantworten, ebenso werde ich dort einen kleinen geschichtlichen Rückblick geben und den Aufbau der beiden Kommunikationsformen darstellen. Außerdem werde ich die Merkmale der Kommunikationsform E-Mail aufzeigen und dabei Stil, Form und Netikette herausarbeiten.
Zuletzt stellt sich noch die Frage, ob es hinsichtlich des Wandels dieser Kommunikationsformen überhaupt noch relevant ist, den Brief in der Schule zu behandeln? Denn die Schule hat ja das Ziel, die Kinder bestmöglichst auf das Leben vorzubereiten und ihnen folglich die nötige Erziehung und Bildung mitzugeben. Dieser Problematik werde ich mich im Kapitel fünf widmen und dabei den Bildungsplan zu Rate ziehen.
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2. Was ist ein Brief?
2.1. Geschichte des Briefes
Der Brief gilt als die älteste schriftliche Textform der Menschen. Die Geschichte des Briefes reicht bis 3000 vor Christus zurück, als die Ägypter Mitteilungen auf Papyrus schrieben und die Babylonier Texte in Tontafeln ritzten.
Aus der Antike gingen überwiegend literarische Schriftzeugnisse (z. Bsp. von Platon und Cicero) hervor, oder offene Schreiben, die zur Verkündung und Verbreitung des christlichen Glaubens fungierten.
Im Mittelalter dagegen konnten nur sehr wenige Leute schreiben und genossen deshalb ein sehr hohes Prestige. Der Brief galt oft als urkundlich-amtliches Zeugnis und wurde bis ins 15. Jahrhundert auf Lateinisch verfasst.
Das Briefwesen breitete sich im 16. und 17. Jahrhundert beträchtlich aus. Dominierend waren Kanzleischreiben, Handelsbriefe, sowie gelehrte und philosophische Briefwechsel. Auch die sogenannten Heldenbriefe oder andere dichterische Produktionen wurden im Zeitalter des Barocks niedergeschrieben, zum Teil in Französisch, in Deutsch oder in Latein. Die beiden darauffolgenden Jahrhunderte zeigten eine noch stärkere Briefkorrespondenz auf und die damit verbundene Mitteilungsfreudigkeit der Menschen. Denn in dieser Zeit kam es zum Wandel der Briefkultur in die Vermittlungskultur und zum Durchbruch des individuellen, gefühlsbestimmten und frei formulierten Briefes. Es galt das Motto „schreibe so wie du redest“ (Höflich und Gebhardt, 2003, S. 39) und repräsentierte somit ein schriftliches Gespräch. Trotz der Erfindung des Telefons fand im 19. Jahrhundert der umfänglichste Briefwechsel statt. Durch das Aufgeben der Zwänge wurde ein freundschaftlicher Briefwechsel ermöglicht und „auch der Liebesbrief, als Ausdruck persönlicher erotischer Regungen und Wünsche“. (ebd. S. 67). Seit dem 18. Jahrhundert entwickelten sich viele Briefformen heraus: fiktiven Briefe, Briefromane oder Bildpostkarten.
Auch im 20. Jahrhundert setzte sich der Briefwechsel verstärkt fort und wurde zum wichtigsten Massenkommunikationsmittel weltweit. Bekannte Autoren formulierten Schriftstücke (Austausch oder Dialog), Menschen in Notsituationen verfassten Botschaften, oder man schrieb Leser(-Briefe)- sozialer oder politischer Art- an die Öffentlichkeit (z. Bsp. an Zeitungen). Gerade die Geschäftskorrespondenz zwischen Banken, Betrieben oder Handelsunternehmen nahm in dieser Zeit sehr zu.
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Durch die elektronischen Medien (z. Bsp. Fax, E-Mail), die es gegenwärtig gibt, hat der Brief mittlerweile eine fast erdrückende Konkurrenz erhalten, die ihm aber bisher kaum Abbruch getan hat. (vgl. Höflich und Gebhardt, 2003, S. 39 und S. 63 ff.)
2.2 Allgemeines zum Brief
Der Terminus Brief, der vom lateinischen brevis (kurz) kommt, bedeutet soviel wie kurzes Schreiben. Er stellt heutzutage eine allgemeine Kennzeichnung einer schriftlichen Mitteilung dar, die von einem Absender an einen Empfänger gerichtet ist. So wurde der Brief nicht als Textsorte, sondern als Kommunikationsform klassifiziert. Es gibt eine große Anzahl an verschiedenen Brieftypen, die aber alle dieselben konstitutionellen Merkmale aufweisen: „a) die Zugehörigkeit zur Kommunikationsform „Brief“, b) die Intention des Briefschreibers, c) die Zugehörigkeit zu bestimmten Handlungsbereichen, d) die spezifischen textinternen Strukturen, e) die äußeren Formalien“. (Faulstich, 2004, S. 116) In erster Linie lässt sich zwischen einem offenen (Texte zum Lesen der Bevölkerung bestimmt; z. Bsp. in Tageszeitung, an Schwarzen Brettern o.ä.), einem privaten (Rollenabhängigkeit von Absender und Empfänger) und einem geschäftlichen Brief (von Behörden, Betrieben, Ärzte o. ä.) unterscheiden. (vgl. Faulstich, 2004, S. 116 f.) Der Brief als solches besteht materiell aus einem Umschlag und dem Briefpapier. Auf dem Umschlag steht rechts unten die Adresse des Empfänger und links oben die Adresse des Absenders. Über den Absender klebt man die passende Briefmarke. Außer dem oben genannten Material benötigt man einen Stift zum Schreiben, einen Briefkasten zum Verschicken und einen Postboten zum Zustellen des Briefes. Merkmale des formalen Aufbaus eines Briefes sind der Briefeingang, Inhalt, und Schluss. Ebenso enthält der Brief folgende Elemente: der Briefkopf mit Orts- und Datumsangabe, die Adresse des Absenders, sowie die Adresse des Empfängers. Auch die persönliche Unterschrift des Briefschreibers darf nicht fehlen, sowie eine höfliche Anrede- und Schlussformel. (vgl. Ziegler und Dürscheid, 2002, S.59 ff. und vgl. Nickisch, 1991, S. 10)
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3. Was ist eine E-Mail?
3.1 Geschichte der E-Mail
Die Geburtsstunde der E-Mail fällt auf das Jahr 1971, als Ray Tomlinson ein kleines Programm zum Versenden von E-Mails schrieb. Dabei wurden damals zwei Computer über Kabel miteinander verbunden und die elektronische Post wurde vom einen zum anderen Computer geschickt. Der Versand über das Internet erfolgte zum ersten Mal im Jahre 1989 und erlaubte dadurch einen Nachrichten- und Datenaustausch in der ganzen Welt. (vgl. Conrady und Finkemeier, 2004, S. 18-19). Der Begriff „E-Mail“ (eng. email) wurde erst Anfang der 90er Jahre geprägt, stattdessen sprach man überwiegend von message.“ … Wie jedes neue Medium, ist auch E-Mail zunächst mit traditionellen Medien verglichen worden.“ (Siegert, 2008, S. 238 f.) Dabei handelte es sich um die funktionalen Begrifflichkeiten wie persönlicher Brief, Memorandum bzw. Notiz oder Diskussion. (vgl. Siegert, 2008, S. 239)
3.2 Technische Voraussetzungen
„E-Mail“ bedeutet elektronische Post- sie ist also eine Art Brief, die durch das Internet zugestellt wird.“ (Conrady und Finkemeier, 2004, S. 27) Abgesehen von elektrischem Strom und dem Internet- meist über eine Telefonverbindung über DSL- benötigt man ein Programm, welches E- Mails verschicken kann, sei es web.de, gmx.de oder andere E- Mailanbieter- teils kostenlos, teils kostenpflichtig. Unabdingbar ist zuletzt ein Gerät, mit welchem man in das World Wide Web eindringen kann, dies ist über Computer, Netbooks, Notebooks und mittlerweile auch über mobile Telefone möglich. (vgl. Faulstich, 2004, S. 184)
3.3 Allgemeines zur E-Mail
Der Aufbau der E-Mail enthält drei Teilen: Umschlag (Envelope), Kopf (Header) und Inhalt (Body).
Der Envelope, welcher von den Empfängern nicht gesehen werden kann, enthält die eigentlichen Zustellungsdaten der Mail und wird für den Transport der elektronischen Post durch das Internet benötigt.
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Arbeit zitieren:
Jana Kumm, 2010, Brief versus E-Mail, München, GRIN Verlag GmbH
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