1 EINLEITUNG. 3
1.1 Überlegungen zur Zersetzung der WTG 3
1.2 Die Darstellung der ZJ in der Öffentlichkeit: Die Christliche
Verantwortung’ 5
2 DIE EINFLUSSNAHME DES MFS IN DER PRIVATSPHÄRE VON ZJ
AN KONKRETEN BEISPIELEN 8
2.1 IM „Stromer“ - Kahlmanns Bericht. 8
2.2 Kahlmanns Arbeit bei der CV 13
2.3 Kahlmann im Spiegel der Akten des MfS. 14
2.4 Die Überwachung eines Funktionärs der ZJ 19
3 SCHLUSSBETRACHTUNGEN. 21
2
1 Einleitung
Diese Hausarbeit baut auf der schon vorliegenden Arbeit das Verhältnis zwischen dem MfS und der WTG betreffend auf. Hier soll nun ins Detail gegangen und ein Blick auf konkrete Aktionen der Stasi sowie die Schicksale zwischen den Zeilen geworfen werden. Die verwendeten Abkürzungen finden sich wie in der Vorgängerarbeit erläutert im Anhang.
1.1 Überlegungen zur Zersetzung der WTG
Neun Diplomarbeiten der Juristischen Fachschule des MfS beschäftigten sich mit der Wachturmgesellschaft. Die MfS-Offiziere waren keine Juristen im herkömmlichen Sinn, sondern Geheimdienstjuristen, die in der Praxis geübt waren und über real vorhandene Zersetzungsmaßnahmen berichteten. Die Hauptabteilung XX des MfS befasste sich mit der sogenannten Untergrundtätigkeit, der politisch-ideologischen Diversion (PID). Alle verfassten Abschlussarbeiten wurden als vertrauliche Geheimsache betrachtet, die Arbeit Nr. 4 war zusätzlich gesperrt, da sie Informationen über die Zeitschrift ‚Christliche Verantwortung’ enthielt, die vom MfS aus der Taufe gehoben wurde. 1
Im Januar 1973 legte Leutnant Heinz Bergner seine Abschlussarbeit über die ZJ vor. Die Charakterisierung der Religionsgemeinschaft weist keine neuen Ideen oder Ansichten auf. Er unterscheidet zwischen gläubigen Kirchgängern, religiösen Mitläufern und „politisch-klerikalen Werkzeugen“ und offenbart damit neben seiner Unkenntnis der Materie auch die durch das MfS indoktrinierte Einschätzung der WTG. Ebenso hier wird von einer „prokapitalistischen Organisation“ gesprochen. Wahrscheinlich sind auch seine Vorschläge zur Zersetzung der Organisation zu diesem Zeitpunkt nicht neu, aber sie stellen dennoch eine gute Zusammenfassung der schon gelaufenen Aktionen dar. Bergner sieht folgende Maßnahmen gegen die ZJ vor:
1 Hirch 2001, 22.
3
Die Erzeugung von Misstrauen innerhalb einer Gruppe oder zwischen mehreren Gruppen erfolgt durch a) Diffamierung von Funktionären; b) Schaffung von Widersprüchen zwischen Funktionären, einzelnen Mitgliedern oder zwischen zwei Gruppen; c) Herbeiführungen von Spaltungen innerhalb der Organisation und Gruppen; d) gegenseitiges Ausspielen der verschiedenen Gruppenteile; e) die Schaffung von schriftlichen Materialien, deren Ursprung angeblich in der Gruppe liegen; f) die Erzeugung von Zweifeln an den moralischen, geistigen und psychischen Fähigkeiten der Gruppenmitglieder untereinander; g) den Zwang zur Abweichung maßgeblicher Normen und h) durch die Erreichung von Zugeständnissen.
Bergner empfiehlt zum Erreichen der Zielsetzung folgende Methoden: 1.) die bewusst dekonspirierte Beobachtung; 2.) der Gebrauch von scheinbar unbedachten Äußerungen; 3.) das Anfertigen von Fotomontagen; 4.) der Ausspruch von unterschiedlichen Ordnungsstrafen; 5.) das Anlasten von Delikten aus dem Bereich der Kriminalität; 6.) die Popularisierung von Hinweisen über eheliche Untreue; 7.) die Ermittlungen bei schwatzhaften Quellen; 8.) das Verfassen fingierter Briefe an die ZJ-Zentrale; 9.) die Durchführung von Daueraussprachen mit einem Funktionär; 10.) Krankenbesuche der ZJ-Funktionäre durch das MfS mit Blumen und Geschenken und 11.) Andeutungen von gewährten Hilfeleistungen an einen ZJ durch das MfS gegenüber einem weiteren ZJ. 2
Das wichtigste und zugleich auch schwierigste Mittel zur Kontrolle der ZJ war jedoch die Einschleusung von IMs in die Organisation. Aufgrund des universellen Anspruchs nicht nur im religiösen sondern auch im gesellschaftlichem Bereich konnten diese „Insider“ meist nur aus den Reihen der ZJ gewonnen werden, für Außenstehende waren die zu investierenden Mühen zu hoch. Durch die erhöhte psychische Doppelbelastung verließen viele Spitzel über kurz oder lang die WTG; sie wurden dann zur Teilnahme von Kongressen im NSA ermuntert. Ein Großteil der IMs wurde unter großem Druck geworben, bis Mitte der 60er Jahre oft noch während der Haft oder durch Androhung derselben.
2 Hirch 2001, 6-35.
4
Hatte man eine Kooperation mit dem MfS unterschrieben, gab es keinen Weg zurück. Die als IM identifizierten Mitglieder der WTG wurden mit sofortiger Wirkung von der Gemeinschaft ausgeschlossen und fanden in der Regel auch nicht wieder zu ihr zurück.
Neben den internen Schwierigkeiten, die diese Maßnahmen bei den WTG-Gruppen ausgelöst hatten, ist das Ausmaß menschlichen Leids wenig fassbar. Hirch ist der Ansicht, daß die Zeitschrift CV u.a. mit Briefen des MfS versorgt wurde.
1.2 Die Darstellung der ZJ in der Öffentlichkeit: Die ‚Christliche Verantwortung’ Die CV wurde gezielt zur Zersetzung der WTG-Organisation gegründet und eingesetzt.
„Es wird dabei das Ziel verfolgt, die hier unter Missbrauch des christlichen Glaubens betriebene ideologische Diversion zu entlarven und in Abwendung davon gangbare christliche Alternative in der sozialistischen Gesellschaft aufzuzeigen in Übereinstimmung mit der Kirchen- bzw. Bündnispolitik, wie sie gegenüber den verschiedenen religiös oder christlich gebundenen Kreisen, Schichten und Gruppen der Bevölkerung durchgeführt wird.“ 3
Die erste Ausgabe erschien bereits 1965. Zeitschriften bedurften in der DDR einer staatlichen Lizenz. Diese war schwierig zu erhalten und wurde aufgrund von Papiernöten und auch aus zensorischen Gründen streng limitiert. Nur drei kirchliche Zeitschriften schafften es bis zur Anerkennung: Die katholische, öffentlich beziehbare ‚begegnung’, der evangelische, auch frei verkäufliche ‚Standpunkt’ 4 und die ‚Christliche Verantwortung’. Alle drei Blätter arbeiteten nicht kostendeckend und wurden vom Staat materiell unterstützt bzw. im Falle der CV komplett finanziert. Letztere erschien in einer Auflagen von 3000 Exemplaren und wurde per Post an bekannte ZJ in der DDR und zumeist kirchliche Interessenten in der BRD versandt. 5 Die CV war auch für die EZW in der BRD eine der wichtigsten Informationsquellen zum Thema Zeugen Jehovas.
3 BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 02110, Bd. 1, 2.
4 Sowie die beiden Vorläufer der Zeitschriften: ‚Glaube und Gewissen’ (katholisch) und das ‚Evangelische Pfarrerblatt’.
5 Die Anzahl der ZJ in der DDR wurde jedoch auf 20.000 - 30.000 geschätzt.
5
Zusätzlich wurde Anfang der 80er Jahre eine weitere Zeitschrift auf den Markt gebracht, der „Weggefährte“. Sie überlebte die politische Wende nicht.
Die Gründung der CV hing eng mit dem Mauerbau 1961 zusammen. War die Schließung der Grenze anfangs überraschend und brachte erhebliche Kommunikationsschwierigkeiten mit dem Ostbüro in der Bayernallee in Westberlin mit sich, so wurde in den folgenden Jahren ein neues System zur Materialbeschaffung installiert, das unter anderem auch mit geheimdienstlichen Methoden operierte und selbst die Treffen der WTG in der DDR konspirativer gestaltete. Das MfS befürchtete, daß die ZJ ihrem Zugriff entgleiten könnten. Zudem erfolgte auf höchster Ebene ein Umdenken betreffs des Strafmaßes bei Verurteilungen festgenommener ZJ und die Gründung der CV fällt zusätzlich in die Zeit der Begnadigungen und Entlassungen inhaftierter WTG-Angehöriger. Die Maßnahmen des MfS der 1950er mit wiederholten Verhaftungen von Funktionären und Kurieren hatten sich nicht als wirksam erwiesen, daher wurde Anfang der 1960er eine neue Gegenstrategie entwickelt, zu dieser auch die Einrichtung des ‚ZOV Sumpf’ im Jahr 1963 zählte. Die letzten Verhaftungen erfolgten Mitte der 1960er, danach wurden nur noch ordnungsrechtliche Maßnahmen verhängt. Jenen ZJ, die auch den Einsatz als Bausoldat verweigerten, drohte weiterhin die Inhaftierung. 6
Initiiert wurde die Gründung der CV durch Dieter Pape, einen ehemaligen ZJ, der während seiner Haft von 1952-56 einen inneren ideologischen Zusammenbruch erlebte und ab seiner Entlassung mit dem MfS als IM „Wilhelm“ zusammenarbeitete. Pape als „Dreh- und Angelpunkt innerhalb der MfS-Strategie gegen die ZJ“ erarbeitete den Plan zur Zersetzung von außen durch eine Gegenorganisation, eben die CV. Die Veröffentlichung des Manuskripts „Ich war Zeuge Jehovas“ seines in Baden-Württemberg lebenden und zum Katholizismus übergetretenen Bruders Günther Pape erschien 1961 im Weltbild Verlag. In einer überarbeiteten Form wurde es wenig später auch in der DDR herausgegeben.
6 Gursky 2003, 106.
6
Parallel zu dieser Publikation verschickte ein anderer ehemaliger ZJ offene Briefe an unterschiedliche Adressen weltweit, die in kompromittierenden Darstellungen die Lebenswege führender Funktionäre der WTG anprangerten, unter anderem auch den von Erich Frost.
Die ‚Frost-Briefe’, die sich auf seine NS-Vergangenheit beziehen, sollten ihn zur Spitzeltätigkeit für das MfS bewegen. Als dieser Versuch scheiterte, erschien zu diesem Thema im SPIEGEL ein von der Stasi lancierter Artikel. 7 Desweiteren wurden in den frühen Jahren massiv Flugschriften (Schau den Tatsachen ins Auge!) verteilt, deren Inhalte Willy Müller noch während seiner Haft durch den vehementen Druck der Stasi übernahm. Müller, der als IM „Rolf“ nach seiner Haftentlassung vom MfS beschäftigt wurde, gab die von Dieter Pape 8 empfohlene Oppositionszeitschrift CV heraus. Die Zeitschrift konkretisiert das Bemühen, die unzufriedenen ZJ wieder in den sozialistischen Alltag einzubinden und fungierte als Sprachrohr für alle ehemaligen ZJ, die sich mitteilen wollten. 1970 erschien im Urania-Verlag das Buch „Die Zeugen Jehovas“ unter Autorenschaft von Manfred Gebhard und unter maßgeblicher Beteiligung des MfS. Gebhardt, der als IM „Kurt Berg“ u.a. der CV zuarbeitete, wurden 150 Seiten Manuskript vom MfS aus der Wohnung entwendet, kopiert und wieder zurückgebracht. Dieses Manuskript erfuhr eine komplette Umarbeitung und diente als Basis für das 1970 erschienene Buch. Der Verfasser des MfS-Berichtes über diese Aktion war IM „Wilhelm“, Dieter Pape. 9
Inwiefern alle Autoren der CV, die oft auch über das MfS zu einer Mitarbeit bei der Zeitschrift geworben wurden, wussten, wie intensiv die Stasi die Artikel beeinflusste, ist unbekannt. Es ist jedoch davon auszugehen, daß die CV-Mitarbeiter auch den Berichten des MfS zur Einschätzung der WTG zugearbeitet haben. Speziell die Exegese der ZJ-Dokumente muß von einem bibelkundigen Fachpersonal gemacht
7 Spiegel Nr. 30, 19.07.1961.
8 Er wird jedoch in der MfS-Akte (BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 02110, Bd. 1, 2-8, 10-13) mit keinem Wort erwähnt. Hier wird explizit auf Willy Müller verwiesen
9 Gursky 2003, 101-150.
7
worden sein. Ob Theologen für diese Arbeit eingesetzt wurden, scheint fraglich, da auch diese Berufsgruppe beim MfS auf dem Index der subversiven Personen stand. 10
Über die von der CV „betreuten“ ZJ führte das MfS eine genaue Rechenschaft. Erfasst wurden in tabellarischer Form die Anzahl der ZJ in den jeweiligen Kreisen, die Anzahl der Verzogen, der Abgänge durch Todesursache, das Verhältnis zwischen Frauen und Männern und letztendlich auch die Zahl derjenigen, die eine Annahme der Zeitschrift verweigerten. Letztere wurden zusätzlich je nach Häufigkeit der Zurückweisung untergliedert. Es existierte für jeden Kreis eine Liste für „besonders hartnäckige Verweigerer“. 11
Zur Wirksamkeit der CV wurde im Jahr 1985 von Oberst Wigand festgestellt, daß die Zeitschrift, die zwar nach wie vor durch die Zentrale in Selters untersagt war, „einen festen Leserkreis“ besäße und „ständig an Bedeutung“ gewinne. Sie wird „von vielen Funktionären studiert“, die auch die veröffentlichten Beiträge in die Reihen der ZJ hineintragen und so zur Abkehr vieler Mitglieder beitragen. Auf einen verstärkten Einsatz von IMs bei der Mitarbeit wurde gedrungen. 12
2 Die Einflussnahme des MfS in der Privatsphäre von ZJ an konkreten Beispielen
2.1 IM „Stromer“ - Kahlmanns Bericht
Walter Kahlmann 13 gehörte zu dem Personenkreis, der bei der Erstürmungsaktion des Magdeburger Bibelhauses am 30.08.1950 verhaftet und in Folge dessen auch zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Seine Vorgeschichte war die eines typischen Zeugen Jehova. Die wichtigsten Angaben sind hierbei dem Vernehmungsprotokoll vom 23.11.1965 und seinem Lebensbericht von 1982/83 entnommen.
10 Theologen wurden oft schon während ihres Studiums mit Journalisten in einem Wohnheim untergebracht.
11 BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 02110, Bd. 2, 3, 15 f.
12 Vgl. BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 02110, Bd. 1, 12.
13 Name geändert, aber bekannt. Da die Auskuft über www.telefonbuch.de noch zwei Einträge zum tatsächlichen Namen deutschlandweit ausgibt, kann vermutet werden, daß der Betroffene noch lebt.
8
Im Jahr 1931 geboren, wuchs er in Waldenburg in Schlesien 14 als Einzelkind auf. Die Mutter entstammte einer Arbeiterfamilie und der Vater dem Kleinbürgertum. Dieser betrieb als Fotografenmeister ein gut gehendes Atelier und der Junge verbrachte nach eigener Aussage eine glückliche Kindheit. Als prägend empfand er die Dipolarität seiner Großeltern. Während der Großvater väterlicherseits als Oberlehrer mit einer umfangreichen Bibliothek Kahlmanns Bedürfnis nach Lerninhalten unterstützte, fand er bei seinem Großvater mütterlicherseits die emotionale und naturverbundene Komponente des Familienlebens. Die einsetzende NS-Herrschaft bildete auch für diese Familie den Schneidepunkt ihres Lebens. Durch den Umgang einiger Familienangehöriger mit den Bibelforschern 15 und der damit verbunden Abneigung gegenüber dem Führer verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Geschäfts. 1935 wurden die Großmutter, Mutter und Geschwister wegen der Zugehörigkeit zur WTG verhaftet und erst nach mehreren Monaten verbunden mit dem Unterschreiben einer der „üblichen Lossagen“ entlassen und sie entgingen somit dem Konzentrationslager. Der junge Kahlmann wurde an der Oberrealschule in Zusammenhang mit der Verweigerung des Hitlergrußes gemobbt und geschlagen. Trotz seiner Zugehörigkeit übernahm man ihn jedoch 1944 als 13jährigen in die Hitlerjugend und teilte ihn der Nachrichten-Einheit zu. Er überlebte nach eigenem Bekunden den Krieg durch die Nichtbeachtung eines Befehls und dem Entzug vor dem Volkssturm. In diesen Kriegsjahren seien kaum Nachrichten von den ZJ zu erhalten gewesen, die meisten beteiligten sich an den Kämpfen. Die treibende Kraft, die Kahlmann in die Organisation der WTG brachte, war die Großmutter.
Nach dem Kriegsende fanden sich die ZJ in kleinen Gruppen wieder zusammen. Die Organisation bekam durch ihre Angehörigen in den KZs einen antifaschistischen Nimbus und Kahlmann gefiel dies; zudem passte die Lehre von der Stunde Null gut in die Zeit. Im Juli 1945 wurde er in Waldenburg in einer Zinkbadewanne getauft. 1946 kam die Familie in Leipzig an.
14 Jetzt Walbrzych, Polen.
15 Die Bezeichnung „Zeugen Jehovas“ wurde schrittweise ab 1931 eingeführt.
9
Im Sommer 1948 besuchte Kahlmann den in der Messehalle in Leipzig stattfinden Kongress der ZJ, kam dadurch in den Kontakt mit der Versammlung Leipzig-Süd und wurde ein „strammer Zeuge“. Es erfolgte jedoch eine „allmähliche Kaltstellung“ seitens der WTG, da Kahlmann regelmäßig heftige Diskussionen und Streitgespräche zu den Inhalten der Lehre auslöste. Er hatte zu dieser Zeit den organisationsinternen Pionierstatus inne und leistete 100 Stunden pro Monat Verkündungsdienste. Im Juli 1950 wurde er auserwählt, im Bibelhaus Magdeburg an einer Ausbildung teilzunehmen, um dann als „Sonderpionier“ eingesetzt zu werden. Nach seiner Verlobung zog er am 01.08.1950 nach Magdeburg ins Bethel um.
Dies war vor dem Krieg die traditionelle Zentrale der ZJ in Deutschland. Nun begrenzte sich ihre Präsenz auf die Ostzone, während für die Westzonen Gebäude in Wiesbaden aufgekauft wurden. Die Evakuierung der wichtigsten Unterlagen sowie des damaligen Zweigdieners Frost und des Justiziars Wauer waren bereits vollzogen. Die übrigen, verbliebenen Aufgaben bestanden im Literaturvertrieb, dem Auffangen und Weiterleiten von Zuschriften, der Ausbildung von Nachwuchskadern, insbesondere für die erwartete illegale höhere Leitungstätigkeit und es wurden weiterhin die Einrichtungen der Selbstversorgung wie Küche, Bäckerei und Schneiderei fortgeführt. Kahlmann verrichtete einen Pförtnerdienst im Zweischichtenrhythmus.
Allmählich sickerten Informationen durch, daß die jungen Auszubildenden nicht in Magdeburg bleiben würden, sondern später als Kuriere für die Kreisdiener eingesetzt werden sollten, damit diese im Untergrund bleiben konnten. Der amtierende Rechtsberater der WTG bekam kurz vor der Verhaftungswelle vom federführenden Stadtkommandanten die Warnung, dass die „Organisation ins Rutschen“ komme Nach der Aussage von Kahlmann rechnete die ZJ-Führung jedoch erst nach dem 07.10.1950 mit einem Verbot., daher kam die Aktion Ende August sehr überraschend.
Fünf Uhr morgens wurden die Gebäude des Bibelhauses gestürmt und die oft sehr jungen ZJ in das Gerichtsgefängnis Magdeburgs verbracht, um zwei Tage später von dort ihren Weg nach Halle in den „Roten Ochsen“, eine mittelalterliche Zwingburg, anzutreten. Die Verhöre fanden nur nachts statt und beschränkten sich darauf,
10
Bestätigungen für die Anklagepunkte der Spionage, Boykotthetze und Verbreitung tendenziöser Gerüchte zu bekommen. Kahlmann nennt dies als Grund für die echte Feindschaft der ZJ gegen den Staat. Die Isolierung und Behandlung der Häftlinge war außerordentlich streng; so erfolgte in vielen Wochen kein Wäschewechsel, es gab kein Waschwasser, keine Seife und keine Dusche. Dachte man schon schlecht über die sowjetische Militärküche, so wurde man durch das Essen der Volkspolizei eines Besseren belehrt. Katastrophale hygienische und soziale Zustände ließen die gesundheitlich instabilen Mithäflinge diese Zeit nicht überleben. Die Verlegung in das Magdeburger Gefängnis erbrachte eine Besserung der Zustände. Die Verhandlungen vor Gericht sieht der Autor im Rückblick als eine Farce. Die meisten der Zuschauer im Gerichtssaal waren ZJ und diese „ermunterten“ die Häftlinge, stur zu bleiben. So wurde bei der Urteilsverkündung das für Kahlmann geforderte Strafmaß von sechs Jahren aufgrund von Verbohrtheit auf acht Jahre hinaufgesetzt. Diese Jahre verbrachte er in der Haftanstalt in Brandenburg an der Havel, meist in Isolation von anderen Gefangenen, verbunden mit Schikanen und Sonderstrafen. Die Zeugen Jehovas unterstützten sich während der Haft untereinander und führten ihre Studien im bescheidenen Umfang fort.
Im Dezember 1956 entlassen, mit nur wenigen Lumpen am Leib, musste er feststellen, daß seine Familie bereits nach Münster umgezogen war. Also klopfte er ohne jeden Besitz bei der vor der Haft bekannten Familie seiner damaligen Verlobten an und wurde durch die schon am 05. Januar 1957 erfolgte Heirat bei ihnen aufgenommen.
Da von Staatsseite keine Integration in die Gesellschaft erfolgte, schloß sich Kahlmann voll und ganz der WTG an. Zwar, so resümiert er, glaubte er nicht mehr so recht daran, aber er besuchte weiterhin die wöchentlichen Studien im kleinsten Kreis und die jährlichen Kongresse in Westberlin. Er absolvierte zudem einen Predigtdienst in Form von Nachbesuchen. Der „Mangel an Mut“ hätte ihn an einem Ausstieg gehindert.
Für die Organisation arbeitete er als Kurierdienst in der Hauptstadt: Geld und Berichte wurden nach Westberlin gebracht, Anweisungen und Literatur flossen zurück in den Osten. Das Ostbüro in der Bayernallee war vor dem Mauerbau 1961 der operative Ersatz für das Bethelhaus in Magdeburg; es diente zur Abwicklung
11
sämtlicher Korrespondenzen und nahm Geldspenden der DDR in Mark in möglichst großen Scheinen an. Kahlmann schätzte diese Spenden auf 100,- M pro Zeuge und Jahr. Dazu belieferte man den Westen mit Berichten, Mitteilungen und Anfragen, welche meist auswendig gelernt wurden. Viele ehemalige Häftlinge und auch nicht verhaftete ZJ wanderten in den Westen aus, Kahlmann blieb. Auf die Schließung der Grenze war die WTG unvorbereitet.
Da Kahlmann in den Jahren von 1947-49 den Beruf des Fotografen erlernt hatte, erhielt er mehrfach den Auftrag, die dafür notwendigen Geräte zu kaufen und andere ZJ im Gebrauch zu schulen. Die Fotografie verlor an Wert nachdem das Büro von Wiesbaden ab 1965 dazu überging, spezielle Ostdrucke zu fertigen und einzuführen. Zu dieser Zeit erfolgte auch ein Wechsel in den unteren Führungsschichten der WTG was dazu führte, daß Kahlmann 1965, also kurz vor seiner Vernehmung durch das MfS, von einem Mitglied seiner Versammlung bei der Zentrale in Wiesbaden wegen interner Differenzen angeschwärzt wurde. Er begann seiner Aussage nach, an dem System zu zweifeln. Der allmähliche ideologische Rückzug wurde von seiner Frau missbilligt „und mit zunehmender Kälte quittiert“.
Die Verhaftungswelle von 1965 nennt er den „ Beginn eines neuen Lebens“. Da im Zuge dessen alle ZJ-Funktionäre vom Versammlungsdiener aufwärts festgenommen wurden, stieg auch das allgemeine Misstrauen und die Verschärfung der Konspiration innerhalb der Gemeinschaft an. Kahlmann wurde kaltgestellt und nahm daher das Angebot einer Mitarbeit des MfS an: „Meine Verhaftung kam zwar etwas plötzlich, aber ich war auf keinen Fall bereit, für eine als aussichtslos erkannte Sache ein weiteres Mal Opfer zu bringen.“ Während Kahlmann in seinem Bericht von 1982/83 schreibt, er habe das Angebot des MfS als Chance gesehen, anderen ZJ zum Ausstieg helfen zu können, 16 liest es sich in der Akte vom 21.08.1969 anders: „Der GI „Stromer“ wurde am 3.12.1965 unter Druck angeworben und im laufe der weiteren Zusammenarbeit von der Notwendigkeit einer vertrauensvollen Zusammenarbeit überzeugt.“ 17 Parallel zu seiner IM-Tätigkeit arbeitete er nach einem Umzug innerhalb Leipzigs ab 1969 als Studienleiter in der Gruppe Leipzig-
16 BStUMfS, BV Lpz., AIM 194/92, T.T, Bd. 1, 150.
17 BStU MfS, BV Lpz., AIM 194/92, T.T, Bd. 1, 60.
12
West. „Alle Vorkommnisse in jener Zeit, insbesondere alle konspirativen Aktivitäten der WTG, berichtete ich bei regelmäßigen Treff’s den jeweiligen Mitarbeitern des MfS.“ 18
Im Februar 1980 trat Kahlmann aus der WTG aus und wurde nach einmaligen Aufsuchen durch die ZJ fortan in Ruhe gelassen. Diese Entscheidung kostete seine Ehe.
Dieser von Kahlmann verfasste Bericht 19 steht im direkten Zusammenhang mit seinem Ausstieg bei den ZJ und seinem geplanten Einstieg bei der Zeitschrift CV. Gewisse Interpolationen müssen berücksichtigt werden.
2.2 Kahlmanns Arbeit bei der CV
Eine der mir vorliegenden Akten 20 vom 19.08.1985 beinhaltet einen nie durchgesetzten Vorschlag zur Übernahme des IMS „Stromer“ der KD Leipzig-Stadt durch die Hauptabteilung XX/4. Hier wird wiederum angegeben, der IM hätte seit 1965 auf „freiwilliger Basis“ mitgearbeitet und überregional wertvolle Informationen über den Prozeß der Oppositionsarbeit innerhalb der ZJ erarbeitet. Zudem wäre Kahlmann seit 1983 durch den Oberleutnant Prescher und Hauptmann Waldhelm zu einem führenden Mitarbeiter der oppositionellen Studiengruppe CV entwickelt worden.
Inwieweit dies korrekt ist, kann ich nicht einschätzen. Bei Durchsicht der CV, die m. E. nach komplett durch Manfred Gebhard im Internet veröffentlicht wurde, 21 sind nur wenige Artikel mit Kahlmanns Namen unterzeichnet. Diese Beiträge sind im Anhang der Hausarbeit zu finden.
Von seiner Tätigkeit für das MfS berichtete Kahlmann seinen Kollegen sehr wahrscheinlich nichts. In seinem in der CV 180 vom Juli 1984 verfaßten Kurzbericht seiner ZJ-Mitgliedschaft erwähnt er dies in keinster Weise.
18 BStU MfS, BV Lpz., AIM 194/92, T.T, Bd. 1, 150.
19 Gesamter Abschnitt: Vgl. BStU MfS, BV Lpz., AIM 194/92, T.T, Bd. 1, 139-150.
20 BStU MfS, BV Lpz. Leitung 01058/02, 8 f.
21 http://www.manfred-gebhard.de,http://www.manfred-gebhard.de/Stasi.htm
13
Lediglich vier Artikel sind unter seinem Namen oder Synonym ausfindig zu machen. Diese beschäftigen sich zum einen mit den kritikreichen Zuschriften gläubiger ZJ und zum anderen mit den Absolutheitsansprüchen der WTG. Welche anderen Aufgaben er bei der Erstellung der CV übernommen haben könnte, ist mir unbekannt. Ich möchte die oben genannte Übernahmeempfehlung als Freundschaftsdienst von Seiten Hauptmann Waldhelms sehen.
2.3 Kahlmann im Spiegel der Akten des MfS
Am 01.12.1965 wurde Walter Kahlmann als GI „Stromer“ zu ersten Mal archiviert. Ende der 80er Jahre umfasst allein die Akte zu seiner Person mehr als 300 Seiten. Seine beim MfS abgegebenen Berichte lagen mir nicht vor, daher muß anhand der bestehenden Quellenlage argumentiert werden. Laut der Aktenlage waren dem IM „Stromer“ noch fünf weitere Informanten bekannt, die hier mit ihrem Decknamen aufgelistet werden und deren Tätigkeit für die Stasi zwischen einem und neun Jahren andauerten. 22 „Stromer“ blieb mit 25 Jahren also ungewöhnlich lange bei der Verpflichtung.
Der Anwerbung ging die Verhaftung Kahlmanns, begründet durch die Einfuhr und die Erstellung von Kopien illegaler Zeitschriften der nicht anerkannten WTG, voraus. Es zeigten sich seine weitreichenden Kenntnisse über die Organisation der ZJ, er besaß umfangreiche Verbindungen zu führenden Funktionären und war in der Lage, selbst als führender Funktionär tätig zu sein und die weitere illegalen Tätigkeiten einzuschätzen. Die Vernehmung fand am 23.11.1965 von 6:15-13:00 Uhr und von 15:00-21:15 Uhr, also insgesamt 13 Stunden lang statt und führte zur Erstellung eines zehnseitigen, zusammenfassenden Protokolls. Jedes Blatt wurde von ihm unterzeichnet. 23
Zu Beginn der Vernehmung wurden seine persönlichen Daten überprüft, Kahlmann musste bestätigen, daß er Kenntnisse davon besaß, daß die ZJ als illegale Organisation arbeitete und wurde danach veranlasst, seine Tätigkeiten zu beschreiben.
22 BStU MfS, BV Lpz., AIM 194/92, T.T, Bd. 1, 9.
23 BStU MfS, BV Lpz., AIM 194/92, T.T, Bd. 1, 14-23.
14
Laut Kahlmanns Äußerungen übte er nach seiner Haftentlassung wieder die Verkündertätigkeit aus, indem er bis Oktober 1965 etwa vier bis fünf Personen monatlich, vorwiegend aus eigener Einstellung, ansprach. Während des gesamten Verhörs nennt er sämtliche ihm bekannte Namen, teils mit Adresse. Ab dem Herbst 1961, kurz nach dem Bau der Mauer, wird er mit fotografischen Ablichtungen beauftragt. Nachdem sein Schwiegervater 1960 verhaftetet wurde, sollte Kahlmann nach Wunsch jenes Auftraggebers auch dessen Posten als Versammlungsdiener in Markleeberg übernehmen, welches er aufgrund der damit verbundenen Risiken vorerst ablehnte. So tauschte und studierte mit den anderen Personen bis zu seinem Wegzug nach Leipzig West den Wachturm. Andere Literatur, wenige Bücher, ließ er über Rentnerreisen einzuschleusen und lagerte das Material hinter dem Radio. Ab dem Winter 1961/62 wurde Kahlmann dann konkret mit dem Aufbau von Fotolaboratorien beauftragt, damit die Wachtürme vervielfältigt werden konnten. In mindestens vier Fällen richtete er in und um Leipzig solche Werkstätten ein und schulte mehrere ZJ im Umgang mit den Geräten. Das Geld für die Einkäufe wurde von der Organisation jeweils zurückerstattet. Ab dem Frühjahr 1962 bekamen die ZJ die schon fertigen Negative des Wachturm aus der Zentrale in Wiesbaden oder durch das Ostbüro übermittelt. In den aufgebauten Laboren wurden dann Dublikatnegative des Filmmaterials hergestellt. Ab Mitte 1963 wurden die Wachtürme auf Mikrofilmen importiert. Auch für deren Reproduktion kaufte Kahlmann die Materialien, welche an weitere ZJ verteilt wurden.
Die Vervielfältigungen wurden daher nicht zentral organisiert, sondern eher gestückelt vorgenommen. Ab 1964 vervielfältigte man die Wachtürme mittels Matrizen; von wem diese stammten, war ihm jedoch unbekannt. Zum Verstecken des Filmmaterials der Zeitschriften diente in seiner Wohnung ein Doppelboden im Kleiderschrank. Er gab weiterhin verschiedene Bücher an, die sich in seinem Besitz befanden. Zusätzlich informierte er über die Existenz einer organisationsinternen Buchhaltung, da ab 1964 alle ZJ über ihre Verkündertätigkeit Buch führen mußten. Seinem Auftraggeber, den er mit Namen benannte, bescheinigte er eine mittlere Funktion.
Insgesamt hatte Kahlmann in seiner Vernehmung etwa 16 Personen namentlich benannt, zumeist Teilnehmer von den Lektüreabenden.
15
Am 29.11.1965, keine ganze Woche nach dem Verhör, wurde ihm die inoffizielle Mitarbeit offeriert. Er nahm an.
Offiziell als Oberleitungsschlosser im Omnibuspark Leipzig beschäftigt, arbeitete er nun in der Sektion „ZOV Sumpf“ mit. In seiner Wohnung befand sich ein Archiv mit wahrscheinlich sämtlichen ZJ-Schriften, die nun auch für das MfS verfügbar waren. Er besaß sehr gute Bibelkenntnisse und verfügte über zahlreiche Verbindungen zu weiteren Anhängern und Funktionären, oft Personen, die er noch aus der Haftzeit kannte. Seine Berichte sollten nach dem Willen des Verfassers einiger Akten der Zersetzung der WTG dienen.
Jedes der Charakterisierungsschriftstücke verwies darauf, daß er nach eigener Aussage Bedenken vor einer erneuten Haft hatte. Er wurde als langjähriger Funktionär der ZJ mit der Perspektive der Überwindung seiner gruppeninternen Isolierung beschrieben. Daher „soll der Kandidat zur weiteren Zersetzung der „Zeugen Jehova“ zum Einsatz kommen“. 24 1969 ist es dann soweit. Kahlmann gelang es, „das Vertrauen zu den „ZJ“ wieder herzustellen“ und er „wurde wieder einer „Studiengruppe“ zugeteilt. Dadurch erhielt er wieder Einblick in die illeg. Arbeit und hat die Möglichkeit über Art, Weise und Inhalt der in der DDR eingeschleusten Schriften der „ZJ“ zu berichten. Gegenwärtig arbeitet der IM an der Aufklärung und Einschätzung seines jetzigen „Studienleiters“ einen ehemaligen SS-Mann.“ 25
Kahlmann wurde vom MfS ein sicheres Auftreten und eine gute Ausdrucksweise bescheinigt. Aufgrund der Befragungen Ende 1965 isolierte ihn die WTG vorerst und setzte ihn nach und nach wieder als Funktionär ein. Er wird in dieser Zwischenzeit als IMV eingestuft. Auch innerhalb des MfS wurden seine Berichte gegengeprüft und für wahrheitsgemäß befunden.
Wie viele Berichte er erarbeitet hat, ist mir unbekannt. Seine Personalakte setzt erst 1976 wieder ein und verweist darauf, daß der IMV „Stromer“ zur Aufklärung der „führenden Mitglieder in der Versammlung Leipzig-West“ 26 seinen Einsatz findet.
24 BStU MfS, BV Lpz., AIM 194/92, T.T, Bd. 1, 32.
25 BStU MfS, BV Lpz., AIM 194/92, T.T, Bd. 1, 60 f.
26 BStU MfS, BV Lpz., AIM 194/92, T.T, Bd. 1, 77.
16
Ab 1979 wird er fortan als Beobachter der ZJ-Kongresse im NSA zugelassen, zum ersten Male in der Zeit vom 26.7.bis 29.7.1979 in Münster. Da seine Mutter dort wohnt, konnte die Genehmigung durch die staatlichen Behörden der WTG als normal genehmigte Reise vermittelt werden, ohne daß ein Verdacht erregt wurde. Die Dokumente sowie 350 DM und 200 M erhält er durch die Diensteinheit der Abt. XX. In den Akten bezeichnen ihn die Vorgesetzten Oberleutnant Waldhelm und Major Jochymski als „langjährig erfahrenen und dem MfS treu ergebenen IM“, der „ehrlich und zuverlässig“ arbeitet. 27
Er erhielt die Order, bei dem Versammlungsaufseher seiner Gruppe Aufträge einzuholen und diese dem MfS zu melden. Weiterhin sollte er Veranstaltungen der ZJ besuchen und dort mit den Zweigbüros und dem Ostbüro in Verbindung treten. Es folgte ein großer Fragenkatalog.
Ein halbes Jahr später trennt er sich von seiner Frau und der WTG. Die Forderungen der Organisation wären zu enorm, vor allem belaste ihn der seit November laufende Propagandafeldzug von Haus zu Haus. Anlässlich der ‚kleinen Brüderbesprechung’ am 18.12.1979 erklärte er den Anwesenden den Rückzug aus der WTG und seine Scheidungsabsichten. „Stromer“ bot in dem Schreiben dem MfS eine weitere, nun jedoch veränderte Zusammenarbeit an.
1982 wird eine neue Einsatzkonzeption für ihn erstellt und Kahlmann soll nun „innerhalb der Studiengruppe „Christliche Verantwortung“ bzw. zur Unterstützung des Herausgebers der Zeitschrift „Weggefährte“ eingesetzt werden. Ein ausführlicher Lebensbericht wird von ihm gefordert.“ 28 Da kein kein offizieller Ausschluß sondern ein Rücktritt aus der WTG vorlag, sei es „Stromer“ möglich, „Gespräche zwecks Rückgewinnung bzw. dem Herausbrechen von Zeugen Jehovas“ zu führen und „schriftliche Arbeiten erledigen“. 29 Seine Frau hat er in seine IM-Tätigkeit eingeweiht, jedoch weiß sie nicht von den Verbindungen zu den ZJ. Kahlmann ist unter keinen Umständen bereit, zu den ZJ zurückzukehren. Immerhin konnte man ihn überzeugen, Kontakte zu einigen früheren Glaubensbrüdern im Sinne der CV
27 BStU MfS, BV Lpz., AIM 194/92, T.T, Bd. 1, 93.
28 BStU MfS, BV Lpz., AIM 194/92, T.T, Bd. 1, 110 f.
29 BStU MfS, BV Lpz., AIM 194/92, T.T, Bd. 1, 112.
17
aufrechtzuerhalten, insbesondere zu einem Altenburger ZJ-Funktionär, der in gewissen Konflikten mit der WTG-Organisation stand und degradiert wurde.
Ein erneuter Auskunftsbericht vom November 1987 zeigt ein geschöntes Bild. Obwohl schon seit sieben Jahren bei den ZJ ausgestiegen, wurden ihm noch immer die Aufdeckung und Erkundung leitender Funktionäre bescheinigt. 30 Sogar „Hinweise zu leitenden Mitarbeitern“, die „im DDR Maßstab tätig sind“ werden prognostiziert. 1988 vermeldet „Stromer“ von einer Reise nach Münster einen Bericht über Militärtransporte auf dem Bahnhof Löhne.
Im Juni 1989 vermeldet seine Ehefrau seinen Verbleib in Münster. Für immer. Sie wurde von ihm zwei Tage zuvor telefonisch benachrichtigt, daß er aufgrund der Erkrankung seiner Mutter nicht zurückkehren werde. Zudem gab er ihr als Hauptmotiv an, „daß er mit der gesellschaftlichen Entwicklung in der DDR nicht mehr zurecht kommt“. Auch nach einer telefonischen Kontaktaufnahme seitens seiner Frau und der Zusicherung Oberleutnant Waldhelms, daß „keine persönlichen Nachteile aus seiner Handlungsweise entstehen“, verblieb er in Münster. Es folgte eine Einleitung von Kontrollmaßnahmen zur Aufklärung von Rückverbindungen. Das MfS erkannte infolgedessen jedoch keine
Quellengefährdung oder Dekonspiration, da man davon ausging, daß Kahlmann seine IM-Tätigkeit aufgrund der finanziellen Abhängigkeit vor seiner Familie weiterhin verbergen werde. 31 Zu seinem Hauptmotiv äußert sich Oberst Schmidt in dem Schlussbericht wiefolgt:
„Stets wurde jedoch bei den Diskussionen eine einheitliche Meinung darüber erreicht, daß erkennbare Mängel in der Entwicklung des Sozialismus in der DDR nichts mit dem politischen System, sondern mit dem Fehlverhalten einzelner Mitglieder der Gesellschaft zu tun haben.“ 32
30 Vgl. BStU MfS, BV Lpz., AIM 194/92, T.T, Bd. 1, 193.
31 Die Mutter war noch immer gläubige ZJ.
32 BStU MfS, BV Lpz., AIM 194/92, T.T, Bd. 1, 240.
18
2.4 Die Überwachung eines Funktionärs der ZJ
In Zusammenhang mit der Auswertung der CV im Jahr 1985 findet sich auch folgender Hinweis im Hinblick auf das weitere Vorgehen gegen die WTG: „Nutzung und Aufbereitung operativer Materialien wie OV, OPK als Ausgangspunkt für Zersetzungsmaßnahmen“. 33 Wie dies konkret aussah, kann einer weiteren Akte entnommen werden. Der mir vorliegende Beobachtungsbericht bezieht sich auf die im März 1986 durchgeführte, wahrscheinlich dekonspirierte Beschattung des Verdächtigen „Sumpf“. 34 Dieser wurde ab sechs Uhr morgens sowohl an seinem Wohngrundstück wie auch an seiner Arbeitsstelle abgepasst. Alle Bewegungen werden minutiös festgehalten, ebenso wird Wert auf seine Reaktionen gelegt. Hier wurde bewusst verunsichert: „17.34 Uhr verließ „Sumpf“ sein Wohngrundstück. Nach dem Verlassen rannte er in die [Text geschwärzt]. Er ging dann weiter in die [Text geschwärzt], rannte von dort durch die Fußgängerüberführung [...] und ging weiter zur Bushaltestelle [...]. Auf diesem Weg betrachtete sich „Sumpf“ sehr aufmerksam seine Umgebung, konzentrierte sich auf jede Person und jedes Fahrzeug, in denen sich Personen befanden und schaute sich laufend um. 17.40 Uhr kam ein Bus [...]. „Sumpf“ stieg nicht ein. 17.43 Uhr kam ein Bus [...]. Der Bus fuhr in den Haltestellenbereich ein und hielt an. In diesem Moment überquerte „Sumpf“ rennend die Fahrbahn und stieg in den Bus ein. [...] An der Haltestelle Stannebeinplatz begab er sich zur geöffneten Tür des Busses, stieg eine Stufe hinunter, kehrte um und nahm wieder Platz. [...]“ 35 Es folgt ein weiteres Katz-und-Maus-Spiel zu Fuß. Der Abend schloß mit einem völlig verunsicherten „Sumpf“ und seiner nicht weniger beängstigten Ehefrau.
Da es sich bei „Sumpf“ um den WTG-Bezirksvorsteher der Region Leipzig handelte, nutzte das MfS eine eher direkte Zugriffsmethode. Ziel der dekonspirierten Beobachtungen war nicht nur eine Verunsicherung der Betroffenen sondern auch eine Kenntnisnahme des Vorgangs durch weitere Kontaktpersonen. Da es der Stasi bekannt war, daß beobachtete und beim MfS vorgeladene Personen nach solchen Aktionen oftmals von der ZJ-Organisation kaltgestellt wurden, versuchte man,
19
möglichst offensiv zu agieren. Ebenso konnten Hausdurchsuchungen recht offenkundig gestaltet werden. Das Ziel war es, die betroffenen Personen als Sicherheitsrisiko für die Gemeinschaft darzustellen. Diese Aktionen wurden nur bei Personen durchgeführt, die sich einer Mitarbeit beim MfS standhaft verweigerten. In der Koordinierungsvereinbarung vom Dezember 1985 wurden die Diensteinheiten beauftragt, zu den überörtlichen ZJ-Funktionären Kurzauskunftsberichte zu erstellen. Benötigt wurden die Angaben zur „Funktion in der Organisation, Personalien des Funktionärs sowie seiner Familienangehörigen, aktuelles Passbild, KfZ/Typ und polizeiliches Kennzeichen, Nebenwohnung/Grundstücke (Garten, Datsche), bekannte Anlaufstellen (Stützpunkte) und besonders zu beachtende operative Anhaltspunkte zur Person“. 36
Spätestens ab den 80er Jahren waren annähernd alle Führungspersonen der WTG bekannt, 37 nicht zuletzt durch einen IM inmitten der Zentrale in Selters. Menschen wie „Sumpf“ konnten nur durch Beobachtungsmaßnahmen, meist in Verbindung mit nahestehenden IMs „aufgeklärt“ werden. IMs, die unter Vortäuschung von Interesse an den Lehren der ZJ in die Organisation eingeschleust wurden, bekamen eine spezielle Schulung zu den wichtigsten Fragen der Bibel. Diese galten als „Prüfungsvorbereitung“ zur Taufe und wurden von ehemaligen ZJ zusammengestellt. 38
Der ZOV „Sumpf“, speziell die OPK „Sumpf“ kostete das MfS ein kleines Vermögen. Neben den üblichen Beobachtungsmaßnahmen durch reguläre Mitarbeiter, wurden die verdächtigten Personen durch IMs aus dem Umfeld beobachtet. Anhand der Akte des ehrenamtlichen IM „Schwarze“ gewinnt man einen kleinen Einblick in die Aufwendungen. So erhält „Schwarze“ eine
33 BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 02110, Bd. 1, 13.
34 BStU MfS, BV Lpz., ‚AOP’ 3819/92, Bd. 1, 225-228. 35 BStU MfS, BV Lpz., ‚AOP’ 3819/92, Bd. 1, 225-228.
36 BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 00175, Bd. 2, 4.
37 Vgl. BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 00175, Bd. 2, 9.
38 BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 00174, Bd. 9, 2-15.
20
Aufwandsentschädigung von 300,- M für etwa 60 Stunden monatlich. 39 Ob diese abgeleistet wurden, ist fraglich. Alle zusätzlich anfallenden Kosten wurden ebenfalls erstattet. So konnten Anschaffungen von Fotoapparaten und Tonaufnahmegeräten sowie die öffentlichen Verkehrsmittel über das MfS abgerechnet werden.
Die Akte über die Berufung des GMS „Hom“ kann als ein gutes Beispiel für eine IM-Tätigkeit im Berufsfeld eines Observierten dienen. Gut zu erkennen sind hier auch die Bemühungen der Stasi, Personen wie „Sumpf“ aus dem Beruf drängen zu wollen. „Gegenwärtig ist [Text geschwärzt] als alleiniger Fachmann im Bereich des Absatzes einzuordnen. Alle bisherigen Initiativen einen entsprechenden Nachwuchskader für [Text geschwärzt] zu beschaffen bzw. zu entwickeln verliefen ergebnislos. [...] Ihm übertragene Aufträge und Planforderungen nimmt [Text geschwärzt] ohne jede Gegenreaktion entgegen, auch wenn echte Lösungsvarianten fehlen und das Erreichen dieser Ziele aufgrund objektiver Ursachen nicht realisierbar sind. [...] [Text geschwärzt] ist das Muster an Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.“ 40 Der Vorgang wurde aufgrund von Perspektivlosigkeit am 24.11.1989 (sic!) eingestellt.
3 Schlussbetrachtungen
Ich möchte hier auf eine Beurteilung oder Interpretation der Handlungsweisen der in dieser Hausarbeit beispielhaft aufgezeigten Personen verzichten. Wohin auch immer der Lebensweg führte, er wurde vom MfS begleitet. Ziel der Stasi war es, alle Personen auf dem Gebiet der DDR zu erfassen. 41 Noch Ende der 80er Jahre begann man aufgrund der Fülle an Informationen in das System die rechnergestützte Datenverarbeitung zu integrieren.
39 BStU MfS, BV Lpz., AIM 332/90, Bd. 1, 149.
40 BStU MfS, BV Lpz., AIM 7/90, Bd. 1, 15 f.
41 Nach mehreren Aussagen von verschiedenen Angestellten der Bundesbehörde für Stasiunterlagen.
21
Die mir vorliegenden Akten bergen noch eine Fülle an Wissenswertem. So blieben fast alle Pläne unberücksichtigt, die sich explizit mit den Methoden der Zersetzung und mit den Sanktionen der Behörden gegenüber den ZJ beschäftigen. Ebenso fand kaum Erwähnung, daß die Zusammensetzung der WTG im Grunde schon spätestens in den 70er Jahren aufgeklärt war. Interessant wäre sicher auch ein Seitenblick in die Akten des „Klassenfeindes“, sowohl beim BND wie auch im Archiv der Zentrale in Selters.
„Bereits Genosse Lenin verwies auf die Tatsache, daß der Imperialismus nicht in der Lage ist, seine Macht aufrechtzuerhalten ohne das Ausnutzen einer ganzen Armee von Revisionisten und Verrätern, die den revolutionären Willen der werktätigen Massen zersetzen und demoralisieren.“ 42
42 BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 00174, Bd. 5, 82.
22
Anhang 1: Gebräuchlichste Abkürzungen:
AO Anordnung AOP Archivierter Operativer Vorgang AOPK Archivierte operative Personenkontrolle AP Allgemeine Personalablage AU Archivierter Untersuchungsvorgang BD Bezirksdiener BS Bausoldat CV Christliche Verantwortung DA Dienstanweisung, Deckadresse DV Dienstvorschrift EZW Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen FIM FührungsIM FO Feindorganisation, Führungsoffizier FZ Feindzentrale GI Geheimer Informator GM Geheimer Mitarbeiter GMS Gesellschaftlicher Mitarbeiter für Sicherheit GV Gruppenvorgang GVS Geheime Verschlusssache HIM Hauptamtlicher IM HA Hauptabteilung IM Inoffizieller Mitarbeiter IME IM in besonderen Einsatz IMF IM mit Feindberührung IMV IM im Vorlauf KO Konspiratives Objekt NSA Nichtsozialistisches Ausland OM Operativer Mitarbeiter, operatives Material OPK Operative Personenkontrolle OSV Ordnungsstrafverfügen OWG Ordnungswidrigkeitsgesetz OV Operativvorgang PKZ Personenkennzahl SBZ Sowjetische Besatzungszone TOV Teil-OV eines ZOV UV Untersuchungsvorgang VO Verordnung VS Verschlusssache WDV Wehrdienstverweigerer ZOV Zentraler OV
23
Anhang 2, Publikationen
CV 217/87
FRÜCHTE DES GEISTES
Vor mir liegen 43 Briefe von Zeugen Jehovas, die CV nicht mögen. Nur 5 davon bleiben im Rahmen des Anstands. Mehr als die Hälfte der Schreiber, 23 genau, scheuen sich auch, mit ihrem Namen für ihre Worte einzustehen, obwohl es im 1. Petr. 3;l5,16 heißt: "Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Grund fordert der Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmut und Gottesfurcht ..."
In 8 Fallen wird mit Polizei. gerichtlichen Schritten oder "schärferen Maßnahmen" gedroht. So etwas hat noch nie einer der "Abtrünnigen", die an CV mitarbeiten, getan, denn von Jesus wird in 1. Petrus 2:23 gesagt: "... welcher nicht widerschalt, da er gescholten ward, nicht drohte da er litt ..."
Ähnlich berichet Juda 9: "Michael aber, der Erzengel, als er mit dem Teufel stritt ..., hat nicht gewagt, gegen ihn ein lasterndes Urteil zu fällen, sondern sprach: Der Herr strafe dich!"
Häufig erscheinen in jenen Briefen Ausdrücke wie: Mist, Scheiße, dreckige Wäsche, Schmierblatt. Ferner: Saubande, Sauhaufen, Armleuchter, Ochsentruppe, Scheißhausfliegen. "zum Hintern abwischen (einmal buchstäblich; "schnier-Pienken geschniere Fu-Fu-Fu"). Klosettpapier, Dreck, Schund, Pornographie, können uns mal kreuzweise und dergleichen mehr.
Welch ein Widerspruch zu Kol. 4:6; "Eure Rede sei allezeit lieblich und mit Salz gewürzt, daß ihr wisset, wie ihr einem jeglichen antworten sollt." Könnte man sich solche Ausdrücke wie die genannten aus dem Munde Jesu vorstellen?
Aus Halle erreichte uns ein zwei Seiten langes, unsagbar albernes und nichtssagendes "Gedicht". Hier fiel mir Epheser 4:29 ein: "Laßt kein faules Geschwätz aus eurem Munde gehen, sondern was gut ist und das Nötige fördert, das redet, auf daß es Segen bringe denen. die es hören."
Zweimal wird CV der Papierverbrauch vorgeworfen, sechs andere hingegen wollen diesen wertvollen Rohstoff im Mülleimer oder Ofen sehen. Man vergleiche einmal, wieviel tausendmal mehr die WTG für ihre Propagandaflut verschwendet, wovon das meiste auch verloren geht. Auch zu dem oft gebrauchten
Ausdruck "Belästigung" könnte man Vergleiche anstellen: Wie viele Menschen mögen sich wohl durch die ständigen Hausbesuche der Zeugen und deren Literaturkolportage belästigt fühlen?
Auch ein Brief voll erzpolitischem Zynismus aus Hannover war dabei, der die Behauptung Lügen straft, die Wachtturm-Ideologie sei unpolitisch. Ein anderer Schreiber wundert sich, woher wir seine Adresse haben. Wir waren ja alle selbst viele Jahre oder Jahrzehnte unter den Zeugen und kennen darum viele von ihnen. Unter diesen wiederum sind viele CV-Leser die uns weitere Adressen von vielleicht zur Einsicht zu bringenden geben.
Es kommt uns dabei darauf an, aus unseren eigenen Erfahrungen zu zeigen, daß die WTG nicht besser ist als irgend eine andere extreme Sekte auch, nur anmaßender
24
und herzloser. Irgendwann kommt fast jeder selbst dahinter, doch möchten wir möglichst vielen die schweren und sinnlosen Opfer auf diesem langen Weg ersparen. Und das tun wir neben unserem Broterwerb und ohne Bezahlung, so daß die Empfehlung von K. aus Dittersbach und Sch. aus Bautzen, "doch lieber arbeiten zu gehen", genauso deplaziert ist wie die bereits genannten Ungezogenheiten. Möge jeder selbst urteilen, ob die Schreiber jener Briefe besser als wir, die wir uns von der WTG abgewandt haben, den Worten aus Gal. 5:22 und Phil. 4:5 entsprechen, mit denen ich meine Betrachtung abschließen mochte:
"Die Frucht des G e i s t e s - aber ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. Eure Gelindigkeit lasset kundwerden allen Menschen!"-E. K.-
in CV 180/84:
Vorwort vom Manfred Gebhard: Hans-Hermann Dirksen berichtet in seinem Buch "Keine Gnade den Feinden unserer Republik" auf Seite 493 auch in dürren Worten über ein Gerichtsverfahren, dass am 16. 1. 1951 am Landgericht Magdeburg gegen fünf Mitarbeiter des vormaligen Magdeburger WTG-Büros durchgeführt wurde. Einen der Angeklagten nennt er im Gegensatz zu anderen nur beim Familiennamen: Kohlheim. Lediglich aus dem Personenregister im Buchanhang kann man noch entnehmen, dass derjenige auch einen Vornamen hat. Ansonsten ist aber D. keineswegs so schweigsam, was die Vornamen anderer Opfer des DDR-Regimes anbelangt. Weiter weis D. noch zu berichten:
"Oberrichter Oehme verurteilte sämtliche Angeklagten zu Freiheitsstrafen zwischen 6 und 8 Jahren Zuchthaus. Zusätzlich legte er die nach der Direktive 38 obligatorischen Sühnemaßnahmen auf 20 Jahre bis zu Lebenszeit fest ..." Die eingangs geschilderte Distanziertheit des D., wird schon deutlicher, zieht man den weiteren Weg von Kohlheim mit in Betracht. Für die WTG und wohl auch für D. gilt grundsätzlich die "Zweiklassen-Opfer-Theorie". Die "Guten" wären demnach die, welche bei der WTG-Stange blieben. Auf wen das indes nicht zutrifft. Für den ist offenbar schon die Nennung des Vornamens, für die WTG-Apparatschichs "zuviel der Ehre".
Auch H. kommt nicht umhin, beispielsweise in seinem 2003er Buch (davor schon in einer unscheinbaren Fußnote in seinen 2001er Ausführungen), auf besagtem E. K. zu
25
sprechen zu kommen. Nach H. (2003 S. 369f.) waren einige CV-Mitarbeiter zu einer kirchlichen Tagung am 24. 4. 1987 nach Zwickau eingeladen worden. "Auf dieser Synode hielt Dieter Pape einen langen zwölf DIN A 4seitigen Vortrag. Anwesend war auch der CV-Mitarbeiter E. K. aus Leipzig. ... Die Botschaft war immer gleich: die einzelnen Zeugen Jehovas seien irregeführte, verblendete, gehorsame Glieder eines miliardenschweren US-amerikanischen Medienkonzerns mit einem 'juristisch abgesicherten Direktorium'. Dieses Direktorium ließe die 'Schafe zur Schlachtbank' gehen und halte sich selbst im Hintergrund. 'Der Einzelne mag recht haben, er zählt nicht, man geht über ihn hinweg, er wird zertreten.' Mit dem Endzeitglauben stehe und falle ein Zeuge Jehovas. Die christliche Endzeitlehre nahm einen besonderen Platz in diesem Referat ein, um zu zeigen, daß die biblischen Voraussagen der WTG haltlos seien. Die sozialpolitische Einstellung der Zeugen Jehovas wurde den Zuhörern besonders vor Augen gehalten." Dieses Referat nun, dass kann H. sich nicht verkneifen zu kommentieren, sei "diskretierend", was noch seine "zurückhaltendste" Wertung ist. Wer indes sachbezogene Auseinandersetzungen dazu bei H. suchen sollte, sucht wieder einmal vergebens. Wie gehabt bei den WTG-Apparatschicks, mit ihrer ohne Zweifel registrierbaren Schulung in der "Theokratischen Predigtdienstschule" Von gesagtem E. K. las man in der oben genannten CV nun den nachfolgenden Bericht:
VOM Großvater lernte ich 'früh die Natur lieben und das Gute schätzen. Die Großmutter aber predigte mir, daß all dies erst nach einem großen Strafgericht Gottes in einer neuen Welt Erfüllung finden werde. Sie hatte ihre Religiosität und einen großen Aberglauben aus ihrer oberschlesischen Heimat mitgebracht. Anfang der dreißiger Jahre hatte sie die Lehre der Bibelforscher kennengelernt und angenommen. Als das Hitlerreich 1945 endete, fanden sich übriggebliebene Bibelforscher wieder in der großelterlichen Wohnung zusammen, und ich war dabei. Der Krieg und seine schrecklichen Folgen schienen die Bibelforscherlehre zu bestätigen, der Wunsch nach einer besseren neuen Welt fand Raum in meinem jungen Herzen. So wurde ich 1945, vierzehnjährig, in einer Zinkbadewanne feierlich getauft.
NACH zwei Jahren Flüchtlingselend kam ich mit meinen Eltern nach Leipzig. Dort hörte ich 1947 wieder etwas von den Zeugen Jehovas durch eine Großveranstaltung in einer Messehalle. Ich ging hin und bekam Kontakt mit der Versammlung Leipzig. Der Besuch von Zusammenkünften und die Vorbereitung darauf, das Opfer der Wochenenden für den Predigtdienst und das Versäumnis jeglichen Anschlusses an das beginnende Leben, kennzeichneten die folgenden drei Jahre. Das Schlimmste aber war der ständige innere Kampf, die Wachtturmlehren zu verstehen und als einzige Wahrheit gegen die Realität zu rechtfertigen. Die eingepredigte Furcht vor Jehovas schrecklicher Rache verhinderte jede Kritik. 1949 wurde ich zum „Pionier" gemacht und quälte jeden Monat meine 100 Stunden zusammen. Im August 1950 leistete ich der Einladung Folge, den „Sonderpionierdienst" im Bethel Magdeburg aufzunehmen, nicht wissend, daß ich
26
mit einigen anderen auf die Untergrundtätigkeit im erwarteten Verbot vorbereitet werden sollte. Doch Jehova war nicht mit uns, denn am 30. desselben Monats wurden alle Bethel-Mitarbeiter verhaftet, ausgenommen Erich Frost und Ernst Wauer, die sich vorsorglich schon nach Westen abgesetzt hatten. NACH sechs Jahren, vier Monate und zwölf Tage begnadigt und entlassen, nur mit ein paar alten Lumpen auf dem Leib, ohne Zuhause, ohne Beruf und ohne einen Pfennig Geld, so endeten die ersten 25 Jahre meines Lebens. Fast alle meine Schicksalsgenossen fanden nur einen Weg: den nach Westen, entweder; um sich erneut der „Watchtower-Society" zu, verschreiben oder das süße Leben nachzuholen.
ICH blieb und heiratete eilig eine Glaubensgenossin, um ein Zuhause bei deren Eltern zu bekommen. Der Versuch, mit meinen ehemaligen Glaubensbrüdern wieder Kontakt zu bekommen, war nicht sehr glücklich. Eine neue Generation von „Dienern" mit ihren autoritären Ansprüchen hatte eine Atmosphäre liebloser Disziplin und des Mißtrauens geschaffen, welche den Rest christlicher Ideale immer mehr erstickte.
So baute ich meine Verbindung zur Wachtturm-Organisation immer mehr ab und fand endlich nach und nach wieder den Anschluß an ein normales Leben. Schließlich erklärte ich meinen zuständigen Aufsehern die endgültige Trennung von der Organisation, um einem Ausschluß wegen meiner zunehmend kritischen Haltung zuvorzukommen.
SPÄTER erfuhr ich, daß viele andere sich auch aus der Verstrickung der Wachtturm-Ideologie befreit haben und hoffe, daß es auch den übrigen gelingt, bevor die bittere Einsicht sinnloser Opfer sie bereuen lässt!
Ergänzend noch die aus der CV 183 entnommenen Ausführungen: VERRAT AM CHRISTENTUM
ZU allen Zeiten ging es den Menschen am übelsten, wenn sich eine auserwählte Klasse besonders brutal über die nach ihrer Sicht Minderwertigen erhob. Auch die Bibel enthält viele Berichte dieser Art. So die Kainsgeschichte, dann die „Männer von Gewalt" in Mose 6, das Geschehen in Sodom, die Versklavung der Juden in Ägypten, die Ausrottung der Völker im verheißenen Land durch Israel und schließlich die Verfolgungen der ersten Christen durch die Machthaber in Jerusalem. Nach biblischer Zeit gibt es Beispiele für Auswüchse der Klassengesellschaft in Fülle: Die blutige Herrschaft der Cäsaren, die Verbrechen der römischen Kirche des Mittelalters an Andersgläubigen und Ketzern und all die vielen Raubkriege. FÜR den üblen menschlichen Charakterzug des Sicherhebens über andere gibt es heut eine treffende Bezeichnung: FASCHISMUS. (Die römischen Liktoren trugen als Zeichen ihrer Macht, über andere den Stab zu brechen, ein Bündel Stäbe, die Fasces.)
27
Im Gegensatz dazu gab es aber auch zu allen Zeiten Bemühungen, die Klassenunterschiede abzubauen und durch ein soziales Zusammenwirken zu ersetzen. Die Skala reicht von weltfremden Träumen bis zu handfesten Erhebungen. Auch die Lehre des Jesus von Nazareth gehört hierher. Sie enthält viele soziale Züge: Auflösung der Privilegien der Juden, Ablehnung der Anhäufung von Reichtum, die Grundlehre von der Nächstenliebe, der Gleichheit aller, der Friedfertigkeit und Demut. So zum Beispiel Phil. 2:3„Einer achte den anderen höher als sich selbst" oder Matth. 23:8„Lasst euch nicht Rabbi nennen." Und das gilt nicht nur für „die anderen". AUS den Erfahrungen von Jahrtausenden sollten die Menschen um die Gefährlichkeit und Häßlichkeit faschistischer Tendenzen in Politik, Wirtschaft, Philosophie und Religion wissen. Die katholische Kirche z.B. hat aus ihrer Vergangenheit gelernt. Man kann den einzelnen wie, auch Organisationen recht gut an ihren Taten erkennen, ob sie faschistischen oder aber sozialen Charakter haben. Die Wachtturm-Gesellschaft jedenfalls zeigt nicht die sozialen Eigenschaften des Christentums. Jeder, der einmal mit ihr verbunden war, weiß um ihren Haß gegen jeden Andersgläubigen (besonders Christen), jede nicht theokratische Regierung (besonders sozialistische), gegen jeden nicht völlig Linientreuen in den eigenen Reihen. Der WTG fehlt nur die politische Macht, und sie würde ein weltweites Blutbad unter den „Anhängern der falschen Religionen", an Kommunisten und „Verrätern" anrichten. Sie würden kämpfen, „wenn Gott ihnen dies zu tun gebietet." (WT vom 15.3.51, S. 86, Abs. 12.) Welcher Gegensatz zu Jud. 8 und Matth. 5:46,47!
Ich schäme mich, so viele Jahre die Verteufelung Andersdenkender unterstützt zu haben und bin froh, aus dem „geistigen Paradies" des Auserwähltendünkels befreit zu sein. E. Kohlheim
CV 230
Dieser Brief kam über Umwege an CV, und ein Bruder antwortete: Lieber Bruder A...!
... Alles, was Du über Deinen Glauben schreibst, kann ich gut verstehen. 1945 wurde ich selbst als Zeuge Jehovas getauft, war ein eifriger Verkündiger, Studienleiter, Pionier, Sonderpionier und schließlich Mitarbeiter im Bethel Magdeburg. Dort 1950 verhaftet, brachte ich wegen meines Glaubens über 6 Jahre im Gefängnis zu. Danach war ich wieder mit einer Leipziger Vorsammlung verbunden, diente dort als Studienleiter und Versammlungsaufseher. Selbstverständlich habe ich auch heute nichts gegen Jehova Gott, seinen gesalbten Sohn Jesus Christus, die Hoffnung auf
28
sein Reich oder die Befolgung seiner Gebote. Dasselbe gilt auch für die vielen anderen Brüder, die ich in der Studiengruppe CV als sehr ehrliche und aufrichtige Christen kennengelernt habe.
Es ist also nicht recht, daß Du sie alle, die oft Jahrzehnte lang treu Jehova gedient haben und noch dienen, als Feinde Jehovas, Jesu Christi und der Zeugen Jehovas betrachtest. Ebenso falsch ist es, zu sagen, sie seien wegen Gottlosigkeit und falschen Lehren "herausgetan" worden. Die meisten von ihnen haben im Lauf ihres Lebens und Dienens selbst gemerkt, daß der Anspruch der Wachtturm-Gesellschaft auf absolute und alleinige Autorität als Stellvertreter Gottes "ebensowenig stimmt wie die Behauptung, daß es außerhalb der "Neuen-Welt-Gesellschaft" überhaupt nichts Gutes gäbe und alles in Bausch und Bogen vom Teufel sei.
Allein die vielen Korrekturen der Wachtturmlehren und die vielen Ungerechtigkeiten in dem strengen Regime der Wachtturmorganisation zeigen, daß Gottes Geist und seine Liebe nicht oder zumindest nicht allein bei den Zeugen Jehovas zu finden ist. Sogar Brüder aus der leitenden Körperschaft selbst haben den gewissenlosen Mißbrauch der Autorität nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren können und haben sich nicht etwa von ihrem Glauben, wohl aber von der "Watchtower Bible-and Tract-Society" distanziert. Einer von ihnen, Brd. Raymond Franz, der Neffe des jetzigen Präsidenten, hat in einem Buch "Aufruhr des Gewissens" die untheokratischen Praktiken in der Wachtturmführung aufgedeckt ... Man kann also die tausende von Brüdern aus vielen Ländern, die allmählich erwachen und merken, daß die Wachtturmgesellschaft durchaus nicht der "treue und verständige Sklave" ist, nicht einfach als "Gottlose, Satansknechte und Abtrünnige" verfluchen. Wir kämpfen nicht gegen, sondern um die Zeugen Jehovas. Wir scheuen auch nicht die "Verantwortung gegen jedermann, der Rechenschaft von uns fordert über den Glauben, der in uns ist." (1. Petr. 3:15,16) Keiner von uns hat je einen Zeugen Jehovas als Satansknecht oder sonstwie beschimpft. Die Wachtturmgesellschaft jedoch schießt aus allen Rohren, von Verleumdung und Beschimpfung bis zur Androhung ewiger Vernichtung gegen jeden, der Bedenken äußert. Sie scheut den offenen Meinungsstreit, weil sie die Waffenrüstung des Geistes nicht oder nicht mehr hat! Sie will allen ihr noch Trauenden Augen und Ohren zuhalten. Wer ein reines Gewissen hat, braucht den Dialog nicht zu fürchten. Also lieber Bruder A., wenn Du wieder einmal eine CV-Ausgabe bekommst, prüfe sie kritisch, erkenne ehrlich, was stimmt und widerlege, was Du für falsch hälst! Es geht nicht gegen Deinen Glauben, sondern darum, Dich vor bitteren Enttäuschungen zu bewahren. Wir betrachten Dich nicht als unseren Feind, sondern als Bruder und achten Dich schon deshalb, weil Du Dich zu Deinem Brief mit Namen und Adresse bekennst. Halte Augen und Ohren offen und prüfe Deinen Glauben gemäß l. Thess. 5:21! In diesem Sinne freundliche Grüße im Namen vieler tausend Gleichgesinnter -E.K.-
29
Literatur:
E. K.: CV 230: Lebensweg
Literatur- und Quellenverzeichnis
Die MfS-Akten:
BStU MfS, BV Lpz., ‚AOP’ 3819/92, Bd. 1, 225-228.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 00172, Bd. 1, 13 f.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 00174, Bd. 3, 2 f.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 00174, Bd. 5, 76-83.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 00174, Bd. 7, 2-4, 6, 12-23.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 00174, Bd. 9, 2-15.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 00175, Bd. 1, 2-5.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 00175, Bd. 2, 3-10.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 00175, Bd. 4, 3 f.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 00175, Bd. 9, 44 f.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 01738, Bd. 2, 60-65.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 01738, Bd. 3, 44 f.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 02110, Bd. 1, 2-8, 10-13.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 02110, Bd. 2, 3, 15 f.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 02221, Bd. 1, 1 f., 4-6, 12 f., 21 f., 34-36, 45-51, 70-73.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 175, Bd. 9, 2-5.
BStU MfS, BV Lpz., Abt. XX, 176, Bd. 1, 7 f.
BStU MfS, BV Lpz., AGMS 14/90, Bd. 1, 44 f.
BStU MfS, BV Lpz., AIM 194/92, T.T, Bd. 1, 6-10, 13-23, 31-33, 60-63, 77, 92-100, 110-113, 123 f., 139-150, 165 f., 188, 193-197, 200, 202, 206, 234-236, 238-242.
31
BStU MfS, BV Lpz., AIM 332/90, Bd. 1, 148-150.
BStU MfS, BV Lpz., AIM 7/90, Bd. 1, 15-18, 40 f., 63.
BStU MfS, BV Lpz., KD Eilenburg 00009, Bd. 14, 103-120.
BStU MfS, BV Lpz., KD Geithain 00216, Bd. 1, 1 f.
BStU MfS, BV Lpz., Leitung 01058, Bd. 2, 8 f.
BStU MfS, HA XX / AKG 82, Bd. 1, 2-6.
BStU MfS, HA XX/4 1374, Bd. 1, 100-102.
BStU MfS, HA XX/4 1962, Bd. 1, 63-65, 84-89.
BStU MfS, HA XX/4 44, Bd. 1, 2f.
BStU MfS, HA XX/4 786, Bd. 1, 58-62.
BStU MfS, HA XX/4 788, Bd. 1, 112-117, 197 f.
BStU MfS, HA XX/4 79, Bd. 1, 8-17, 32 f., 43-57.
BStU MfS, HA XX/4 818, Bd. 1, 348.
Bergner, H., Die Erarbeitung geeigneter Anknüpfpunkte für die Ausarbeitung und Anwendung von Zersetzungsmaßnahmen bei Gruppen mit Antisozialistischer Zielsetzung. (Am Beispiel der in der DDR illegal tätigen Organisation ‚Zeugen Jehova’). In: VVS Nr. 697/75, 20.01.1976.
Besier G., Scheuch E. K., Die neuen Inquisitatoren. Bergisch Gladbach 2003.
Dirksen, H.-H., „Keine Gnade den Feinden unserer Republik“.² Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in der SBZ/DDR 1945-1990. Berlin 2003.
Hirch, W. (Hrsg.), Zersetzung einer Religionsgemeinschaft. Die geheimdienstliche Bearbeitung der Zeugen Jehovas in der DDR und in Polen. Niedersteinbach 2001.
Hirch, Waldemar, Die wissenschaftliche Darstellung der „Zersetzung“ in Abschlussarbeiten an der Juristischen Hochschule Potsdam, 18-83.
Gursky, A., Zwischen Aufklärung und Zersetzung : zum Einfluss des MfS auf die Zeugen Jehovas in der DDR am Beispiel der Brüder Pape. Magdeburg 2003.
The Crisis of Democracy. Report on the Governability of Democracies to the Trilateral Commission. Trilaterale Papiere 8. IPW-Archiv Berlin. New York 1975.
32
Im WWW:
(12.03.2010)
http://www.manfred-gebhard.de/GurskyAufklaerung.htm (Gebr. Pape) http://www.sachsen-anhalt.de/LPSA/index.php?id=18270 (Gebr. Pape)
http://www.manfred-gebhard.de/CV230.htm
http://datei.sektenausstieg.net/literatur/ThKrieg.pdf (Theokratische Kriegslist)
http://www.bstu.bund.de/cln_012/DE/Home/homepage__node.html__nnn=true (17.03.2010)
http://www.interfax-religion.com/?act=news&div=6226 (17.03.2010)
http://www.interfax-religion.com/?act=search&req=jehova (17.03.2010)
http://www.interfax-religion.com/?act=news&div=6484 (17.03.2010)
http://www.jehovaszeugen.de/1/default.htm
http://www.sektenausstieg.net/zeugen-jehovas/medien/56.html
http://www.sektenausstieg.net/zeugen-jehovas/meinungen/1870-die-zeugen-jehovas-und-der-staat.html
http://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/bibel/roem13.html (Römer 13)
http://de.wikipedia.org/wiki/Erwachet! (Zeitschrift Erwachet!)
http://www.chbeck.de/downloads/Leseprobe_Zuflucht%20DDR.pdf (MID)
33
Arbeit zitieren:
Juliane Eichentopf, 2010, Staatliche Repression und religiöse Verweigerung: Die Einflussnahme des MfS auf die WTG in Form von Zersetzungsmaßnahmen anhand konkreter Beispiele, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Theorien der Sozialpsychologie und ihre Anwendung auf die Zeugen Jehov...
Psychologie - Sozialpsychologie
Seminararbeit, 15 Seiten
Die Theorie der kognizierten Kontrolle unter besonderer Beachtung bei ...
Psychologie - Sozialpsychologie
Seminararbeit, 16 Seiten
Kommunikation in Randgruppen am Beispiel der Zeugen Jehovas
Medien / Kommunikation - Interpersonale Kommunikation
Hausarbeit, 19 Seiten
Staatliche Repression und religiöse Verweigerung: Das Verhältnis zwisc...
Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Juliane Eichentopf hat den Text Staatliche Repression und religiöse Verweigerung: Die Einflussnahme des MfS auf die WTG in Form von Zersetzungsmaßnahmen anhand konkreter Beispiele kommentiert
Eva-Angelika Herbst hat den Text Staatliche Repression und religiöse Verweigerung: Die Einflussnahme des MfS auf die WTG in Form von Zersetzungsmaßnahmen anhand konkreter Beispiele kommentiert
Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft: neuer Titel erschienen: Staatliche Repression und religiöse Verweigerung: Die Einflussnahme des MfS auf die WTG in Form von Zersetzungsmaßnahmen anhand konkreter Beispiele
Staatliche Eingriffe in das Sparkassenwesen am Beispiel der Sparkassen...
Nadja Kobler-Ringler
Die staatliche Einflussnahme auf den Tabakkonsum von Kindern und Jugen...
Christian Ueltzhöffer
Die Haftung von Gesellschaftern einer GmbH auf Grund von Einflussnahme...
Vom qualifiziert faktischen Ko...
Karolin Wappler
Religiöse Bindungen - neu reflektiert | Reimagining Religious Belongin...
Ökumenische Antworten auf Verä...
Ivana Noble, Ulrike Link-Wieczorek, Peter de Mey
Religiöse Freiheit und staatliche Letztentscheidung
Die verfassungsrechtlichen Gar...
Stefan Muckel
Eva-Angelika Herbst
Ein auf den ersten Blick neugierig machender Titel zu einem an sich sehr interessanten Thema macht beim WEiterlesen wachsender Enttäuschung Platz. Die Arbeit verwendet viel zu viele Abkürzungen, die an den sprichwörtlichen "Aküfi" der alten DDR erinnern. Ein forschender Blick durch das Abkürzungsverzeichnis erschließt dem Leser nicht die Buchstaben "WTG" oder ZJ; dass damit die "Wachturmgesellschaft" und die "Zeugen Jehovas" gemeint sind, wird erst nach einigen Seiten des Lesens deutlich. Die ungemein vielen Abkürzungen machen die Lektüre des Buches sehr schwer, so dass das Interesse daran schnell zu anderen Dingen hin abgezogen wird.
am Monday, December 20, 2010-
Juliane Eichentopf
Hallo Frau Herbst,
dies ist eine Hausarbeit, die auf den Recherchen im Archiv der BStU basiert. Hausarbeiten haben immer ein Abkürzungsverzeichnis, meist am Schluß. Dies ist Standard.
Mit freundlichen Grüßen,
Juliane Eichentopf
am Wednesday, July 06, 2011-