Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung. 2
1. Jenseitsdarstellung im literarischen Medium 3
1.1 Hellenistisch 3
1.2 Im Alten Testament 6
1.3 In der jüdischen Apokalyptik 12
1.4 Im Neuen Testament. 15
1.4.1 Bei Paulus 16
1.4.2 in der Offenbarung. 18
1.4.3 bei Matthäus 20
2. Jenseitsdarstellung im visuellen Medium. 25
2.1 Metaphern/ Motive/ Themen/ Bildelemente. 25
2.2 Bildbetrachtungen 29
2.3 Zusammenfassung. 31
3. Jenseitsdarstellung im Film 33
3.1 Wer früher stirbt ist länger tot 33
3.2 Der Brandner Kaspar - und das ewig Leben 40
3.3 A matter of life and death (Irrtum im Jenseits) 47
3.4 Orphée 56
3.5 Gegenüberstellung. 63
4. Resümee 67
Literaturverzeichnis 72
1
0. Einleitung
Der Mensch ist als Teil der Erde und des Universums ein vergängliches Lebewesen inmitten einer kaum fassbaren Weite des Alls. Er ist hineingeworfen in die gefühlte Unendlichkeit des ihn umgebenden und konfrontiert mit seiner eigenen stets sichtbaren Endlichkeit. Verschiedene Glaubensvorstellungen versuchen ihm Antwort auf die Fragen nach dem Sinn seines Lebens und nach einem Leben nach dem Tod zu geben. Möchte man eine Arbeit zum Thema Tod und Gericht verfassen und dabei die biblisch-theologischen Kontexte berücksichtigen liegt es nahe zu Beginn der Arbeit mögliche Ursprünge der Rede vom Gericht und unterschiedliche Jenseitsvorstellungen darzustellen. „... das Thema „Tod“ [umfasst] eigentlich drei Aspekte, das Sterben, den Tod selber, ... und sodann dasjenige, was nach dem Tod erhofft und in der Verheißung in Aussicht gestellt wird.“ 1 Den Fokus dieser Arbeit lege ich auf den dritten Aspekt des Todes. Deshalb soll zu Beginn der Arbeit ein kurzer Überblick über die, für die christliche Vorstellung des Jenseits und der Rede vom Jüngsten Gericht, wichtigsten Traditionen der Jenseitsvorstellung, aus hellenistischem und jüdischen Glauben, gegeben werden. Da ich besonders im Hinblick auf die biblisch-theologischen Kontexte das Matthäus Evangelium behandeln möchte werde ich Teile des Evangeliums gesondert anführen und ihre Bedeutung interpretieren. Dies soll als Grundlage dienen abschließend die Filme aus theologischer Sicht im Hinblick auf ihre Aussagen zum Tod und Gericht der möglichen aktuellen Bedeutung einer Rede vom Gericht gegenüberzustellen. Um die Darstellung des Todes in Verbindung mit einem Gericht exemplarisch anhand einiger Filme darzulegen, erscheint es mir sinnvoll zuvor auf die Darstellung in Bildern einzugehen, um dort enthaltene Symbole und Motive als Grundlage heranzuziehen die behandelten Filme zu analysieren. Bei der Bearbeitung der Bilder soll es weniger um die Wandlung der Darstellungen gehen als um die Bedeutung der Symbole und verwendeten Motive. Um die Veränderungen der Darstellung des Jenseits und des Gerichts umfassend darzulegen bedürfte es einer detaillierten Darlegung der verschiedenen Epochen und theologischen Hintergründe, die nicht im Fokus dieser Arbeit liegen sollen. Dennoch werde ich zu diesem Punkt sehr verkürzt zum Ende des zweiten Kapitels Stellung nehmen.
1 H. Vorgrimler: Der Tod als Thema der neueren Theologie. S. 21
2
1. Jenseitsdarstellung im literarischen Medium
Um eine grundlegende kurze Übersicht der Jenseitsvorstellungen des Hellenismus und des Judentums zu geben möchte ich mich auf einige Beispiele beschränken. Grundlage sollen für den Hellenismus Werke von Homer und Platon sein, für den jüdischen Glauben Belege aus dem Alten Testament und einige apokryphe Texte. Anschließend werde ich exemplarisch Belege für die Jenseitsvorstellung im Neuen Testament anführen und besonders auf das Matthäus Evangelium eingehen.
1.1 Hellenistisch
Für die kurze Darstellung des Toten- (Jenseits-)Glaubens greife ich weitestgehend auf eine sehr umfassende Darstellung von A. A. Fischer zurück der sich eingehend mit den Jenseitsvorstellungen im alten Orient und Alten Testament beschäftigt hat. In anderer Literatur fanden sich keine grundlegenden Differenzen zu seiner Sichtweise. Bei der Darstellung des Toten-(Jenseits-)Glaubens orientiert sich A. Fischer an archäologischen Funden, den beiden Werken Homers, Ilias und Odyssee und an Platon. 2 Er unterteilt die Geschichte des griechischen Festlandes in fünf verschiedene Epochen. Die mykenische von 1550-1150 v. Chr., das dunkle Zeitalter von 1100-750 v. Chr., die archaische Epoche von 750-500 v. Chr. in der Homers Ilias und Odyssee verortet werden, der klassischen Epoche von 500-334 v. Chr. und der hellenistischen Zeit von 334-31 v. Chr. in die er Platons Dialoge einordnet. 3 Für die mykenische Zeit dienen Grabfunde als Interpretation für den Totenglauben. Es gibt Funde von Schachtgräbern, Kuppel- und Kammergräbern. Letztere lassen darauf schließen, dass, nach Auffassung der Hinterbliebenen, der Tote nach der Beisetzung in irgendeiner Art weiterlebt und somit mit Haushaltsgegenständen und einer Behausung ausgestattet werden musste. Ihm zu Ehren wurde ein Leichenmahl abgehalten und Tiere geopfert um den Verstorbenen wohlgesonnen zu stimmen. Vermutlich aus Angst vor dem Toten wurden die Grabeingänge oft vermauert und mit Erde zugeschüttet. 4
Bis zur archaischen Epoche und den Werken Homers scheint sich ein Wandel in Bezug auf den Totenglauben vollzogen zu haben. Begräbnisbestattungen finden zwar weiterhin statt, die Kremation ist aber weit verbreitet. Sie hat zur Folge, dass
2 Vgl. A. A. Fischer: Tod und Jenseits im alten Orient und Alten Testament. S. 65f
3 Vgl. A. A. Fischer: ebenda. S. 67
4 Vgl. A. A. Fischer: ebenda. S. 70
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nun vom körperliche zerstörten Toten keine vermeidliche Gefahr mehr ausgeht demzufolge allerdings auch ein Leichenmahl dem Toten zu Ehren obsolet wird. In Ilias beschreibt Homer den Tod des Patroklos, dessen psyché bei diesem Vorgang „... in die Tiefe des Ais[Hades] ...“ 5 entfliegt. Mit psyché meint Homer, nach A. Fischer, ein zu Hauch gewordenes Abbild des Menschen, ohne thýmos, den Lebensatem. 6 Der Körper und der Lebensatem gehen dem Toten demnach verloren und lediglich eine Art Geist aus Luft existiert weiter in der griechischen Unterwelt. Dieser Geist kann aber erst dann in die Unterwelt eingelassen werden wenn sein Leichnam verbrannt wurde und somit der Geist als Toter anerkannt werden kann. In der Odyssee wird der Hades, die griechische Unterwelt näher beschrieben. Dort berichtet Achilleus Odysseus, dass es im Totenreich trost-, sinn- und hoffnungslos sei. Fischer hält die Hadesdarstellung allerdings nicht für eine Höllenvorstellung. Dies macht er an drei Begebenheiten fest. 1. Die Unterwelt beschreibt er als trostlosen Aufenthaltsort der Totengeister. 2. Die Strafen der drei Helden: Tityos, Tantalos und Sisyphos stammen aus dem Diesseits und sind nicht das Resultat eines Hades als Ort der Vergeltung. 3. In keiner Weise ist dargestellt, dass es eine Scheidung zwischen Gerechten und Ungerechten gäbe. So hält Fischer fest: „Der Hades ist bei Homer keine Hölle, in der Sünder für ihre Vergehen büßen müssen und zu ewigen Qualen verdammt werden. Trotzdem wurde gerade seine Darstellung der Hadesschau zum Anknüpfungspunkt solcher Vorstellungen…“ 7 .
Vorgrimler meint hierzu: „... bei Odysseus handelt es sich nicht um eine Reise in den Hades, vielmehr kommen die Toten als Eidolon (in diesem Fall: Schatten) oder, wie Homer auch sagt, als Psyche, „Seele“, „herauf“, zwar ohne Körper, aber doch mit Sinnen wahrnehmbar, und zwar in dem Zustand, in dem sie bei ihrem Tod waren. Sie haben ihr Erinnerungsvermögen verloren, erlangen es aber (befristet) durch Blutgenuß bei der Nekyia wieder.“ 8
Mythos und Logos bei Platon ordnet Fischer nach der archaischen Epoche in die zweite Hälfte des klassischen Zeitalters. Für ihn folgen aus einem Dialog des Sokratesschülers Phaidon am Vorabend der Hinrichtung des Sokrates mit selbigem: „Erstens wird der Tod als ein Fest der Befreiung verstanden. Und zweitens existiert die Seele offenbar als dieselbe vernünftige Seele weiter, aber ohne ihre leibliche
5 A.A. Fischer: Tod und Jenseits im alten Orient und Alten Testament. S. 72
6 Vgl. A. A. Fischer: ebenda. S. 73
7 A. A. Fischer: ebenda. S. 80
8 H. Vorgrimler: Geschichte der Hölle. S. 40
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Bindung. Damit wird die Seele erstmals völlig körperlos gedacht und konsequent gegen den Leib abgesetzt, der lediglich als ihre vergängliche Hülle wahrgenommen wird.“ 9 Zugrunde liegt die Annahme, dass der Körper den Geist/Verstand/Seele daran hindert die Wirklichkeit zu erkennen. Die Körperlichkeit ist demnach negativ konnotiert.
Sokrates führt einen Beweis aus, der belegen soll warum nach seiner Vorstellung die Seele nicht mit dem Leib vergeht. Er begründet dies, indem er ausführt, dass die Seele bereits vor der Geburt existiere. Alle Erkenntnis des Menschen stamme aus der Erinnerung der Seele welche vor der Geburt in einer höheren Welt die Ideen des Guten und Gerechten usw. bereits schauen konnten. Deshalb müsse diese auch nach dem Tod weiterexistieren, damit sie für eine neue Geburt bereit stehen könne. „Die Seele bei Platon unterscheidet sich fundamental von der psyché im homerischen Totenglauben. Nach platonischer Auffassung ist sie vollkommen körperlos und kann ohne Leib fortbestehen. Selbst von der schattenhaften Körperlichkeit eines Totengeistes ist sie befreit. Ihrem Wesen nach ist die Seele unsterblich und vernünftig, dem Ewigen und Göttlichen verwandt. Im Gegensatz zu den Homerischen Hauchwesen befindet sie sich nach dem Tod in einem präexistenten Zustand und kann darum wieder ins irdische Leben zurückkehren…“ 10 . In Platons Schlussmythos der Politeia gibt Platon eine Antwort auf die Frage, in welcher Weise sich das Streben nach Gerechtigkeit nach dem Tod auf den Menschen auswirkt. Hintergrund ist dabei einerseits seine in seinem Werk Politeia vertretene Ansicht, dass Gerechtigkeit die beste Grundlage für die optimale Staatführung ist als auch die Erkenntnis, dass es Menschen die sich diesem Grundsatz nicht verschrieben haben besser ergehen kann als gerechten Menschen. Diesem Umstand steht nun Platons Mythos gegenüber indem er beschreibt, dass die Seelen nach ihren Taten im Diesseits im Jenseits gerichtet werden. Die „Gerechten“ begeben sich demnach auf eine Wanderung durch eine Spalte im Himmel und schauen dort das Schöne und die „Ungerechten“ begeben sich auf eine Wanderung durch eine Spalte im Boden. Nach ihrer Wanderung können sich die Seelen durch einen zweiten Spalt hindurch wieder begegnen und von den Erlebnissen berichten. Hierbei stellt er heraus, dass diejenigen, welche durch den Himmel wandern von Schönheit und Wohlergehen berichten, während die anderen von Bedrohlichem und
9 A. A. Fischer: Tod und Jenseits im alten Orient und Alten Testament. S. 82
10 A. A. Fischer: ebenda. S. 84
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von Leid sprechen welches sie erfahren haben. „Das Totenreich bei Platon lässt sich durch die beiden Aspekte der Trennung und Vergeltung kennzeichnen. Zum einen werden die gerechten von den ungerechten Seelen, die Philosophen von den Tyrannen geschieden und ihnen unterschiedliche Wege gewiesen; die guten Taten werden entsprechend belohnt, die schlechten bestraft. Damit wird das Jenseits zum Straf- und Vergeltungsort sowie das Totenreich zur bestimmenden Instanz einer ausgleichenden Gerechtigkeit.“ 11 „Leitgedanke des hochgeschätzten Dialogs „Gorgias“ ist die ethische Maxime: Lieber sterben als Unrecht tun. Der Tod ist die Möglichkeit, gerechtes Tun zu belohnen, ungerechtes zu bestrafen, daher muß sich nur ein Ungerechter vor dem Tod fürchten.“ 12
„... im Mittelpunkt steht die Idee der Gerechtigkeit, die nicht existieren würde, hätte sie nicht über den Tod hinaus Geltung. Bei aller Schrecklichkeit der angedrohten Strafen - und in diesem alten Mythos geht es nicht ohne sadistische Züge ab - bleibt bei Platon der Gedanke vorherrschend, daß es eine Entwicklung auch nach dem Tod gibt und daß (fast) jeder eine Chance zu Einsicht und Besserung hat.“ 13 Einen weiteren wichtigen Aspekt des Mythos stellt die Wahl des Lebensloses der Seelen dar. Jede Seele trägt demnach selbst die Verantwortung für ihr späteres Leben im Diesseits. Hier spielt der Freiheits- und Selbstbestimmungsgedanke eine wichtige Rolle. Weder Gott, noch das Schicksal, sondern jede Seele ist selbst für die Wahl ihres Lebensloses verantwortlich. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Jenseitsmythen Platons als pädagogisch, appellativ und diesseitsbezogen angesehen werden müssen. 14 Der wichtigste Bestandteil seiner Lehre ist die Philosophie welche Auswirkungen auf das Jenseits hat und ihre Früchte in seinem Mythos erntet. So verbindet Platon Mythos und Logos.
1.2 Im Alten Testament
Das Alte Testament besteht aus verschiedenen Büchern und Texten aus unterschiedlichen Epochen der jüdischen Geschichte. Viele Texte wurden nachträglich überarbeitet und auseinandergerissen oder neu zusammengesetzt. In diesem großen Werk, welches schließlich in einem Kanon zum Alten Testament
11 A. A. Fischer: Tod und Jenseits im alten Orient und Alten Testament. S. 87
12 H. Vorgrimler: Geschichte der Hölle. S. 42
13 H. Vorgrimler: ebenda. S. 48
14 A. A. Fischer: Tod und Jenseits im alten Orient und Alten Testament. S. 89
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zusammengefasst wurde, finden sich viele, sich teilweise stark unterscheidende, Belege für eine Vorstellung vom Tod und dem Jenseits. Fischer betont vor allem die Bedeutung der Zerstörung Jerusalems und des babylonischen Exils. „Eine Katastrophe, die Israel fundamental erschütterte und vor die Frage stellte: hat Gott etwa sein erwähltes Volk für immer verworfen? In dieser Krisensituation besinnen sich die Juden auf ihre Tradition und vergewissern sich im Rückblick, dass Jahwe seit frühester Zeit sein Volk Israel führte und bewahrte. Damit wird das babylonische Exil zum Urdatum für die Entstehung der hebräischen Bibel, die man auch als Buch der Bewältigung des Exilsgeschicks bezeichnen kann.“ 15 Fischer spricht von unterschiedlichen biblischen Todesbildern die im Alten Testament zu finden sind. Diese Sprachbilder oder Metaphern sollen nachfolgend beschrieben werden. Einige biblische Bilder verortet Fischer im Bereich der Natur. Der Mensch verdeutlicht den natürlichen Verlauf von Werden und Vergehen. Hierzu zählt Fischer die Blume und ihr Erblühen und Verblühen/Verwelken aber auch den flüchtigen Schatten, den substanzlosen Staub, das ausgegossene Wasser, das zerbrochene Schöpfrad oder das von Motten zerfressene Kleid. 16 Mit diesen Sprachbildern führt sich der Mensch die Vergänglichkeit allen Lebens vor Augen. Gleichzeitig sind sie allerdings auch eine Vergewisserung der göttlichen Beständigkeit. So stellt Fischer fest: „Die Vergänglichkeitsklagen dienen mithin als Argument in einem Appell an Gottes Mitleid, sei es, daß sie Erbarmen erbitten (Ps 103,13f), oder sei es, daß sie seinen Zorn zu beschwichtigen suchen (Ps 87,47f). Stellt sich aber der Mensch in dieser Weise unter Gott, mag aus seiner Klage von Fall zu Fall eine Vertrauensaussage erwachsen (Ps 146,4f):“ 17 Der Mensch ist sich seiner Vergänglichkeit bewusst, erbittet bei Gott allerdings dessen Gnade und Zuwendung ein langes und erfülltes Leben zu haben.
Grundlegend könnte man nach Herbert Vorgrimler, der seine Auslegung auf Ulrich Kellermann stützt sagen: „... daß Gott geschichtsmäßig mit seinem Volk in Heil und Gericht handelt, daß Gott den Menschen zu einem lebenden Wesen gemacht hat, indem er dem leblosen Staub seinen Lebenshauch gab; daß er aber auch in freier Verfügung jederzeit diesen Lebensatem zu sich zurücknehmen kann.“ 18
15 A. A. Fischer: Tod und Jenseits im alten Orient und Alten Testament. S. 129
16 Vgl. A. A. Fischer: ebenda. S. 132
17 A. A. Fischer: ebenda. S. 133
18 H. Vorgrimler: Der Tod im Denken und Leben des Christen. S. 48, 49
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Diesen Bildern aus dem natürlichen Zusammenhang zwischen Leben und Sterben stehen Bilder gegenüber, die sich mit dem plötzlichen und unerwarteten Tod beschäftigen. „Der Tod ist eine Erfahrung der Zeit und seine Unberechenbarkeit läßt selbst den Ahnungslosen erschrecken.“ 19 Als Beispiel für ein solches Sprachbild führt Fischer die Jagdmetapher an, wie z.B. das Fangnetz welches die nichts ahnenden Fische umschließt oder das Klappnetz eines Vogelfängers welches einen unbedachten Vogel fängt der sich nichts ahnend auf ihm niederlässt. Diese Bilder sollen verdeutlichen, dass der Mensch den Zeitpunkt seines Todes nicht kennt und er jederzeit, ähnlich einem bereits ausgeworfenen Netz oder einer vorbereiteten Falle vom Tod überrascht werden kann. Ein weiteres Bild dieser Kategorie ist das Sprachbild des Raubtieres. Der Tod ist hier als Jäger dargestellt der seinem Opfer auflauert und plötzlich über dieses herfallen kann. Neben der Heimtücke spielt aber auch der Gewaltcharakter des Todes eine wichtige Rolle. Dargestellt wird dieser unter anderem durch „… das Wasser als gestaltloses Element und Naturgewalt…“ „Die brausenden Wogen des Mittelmeers, plötzlich hervorbrechende Sturzfluten eines Trockentals (Wadi) und bodenlose Sümpfe bilden den
Erfahrungshintergrund“. 20 In diesen Kontext verortet Fischer auch die Metapher der Tiefe, in Verbindung mit dem Urmeer oder auch Chaoswasser, welches sich außerhalb oder unterhalb der Welt befinde, und im steten Widerstreit zur Ordnung des Kosmos respektive der Macht des Schöpfers stehe. 21 Diesen Phänomenen gegenüber steht der Tod durch das Gericht Gottes. Zum einen als Gericht über das Volk Israel, welches sich von seinem Gott abgewendet hat, zum anderen als Gericht über die fremden Völker, die sich an Gottes Volk vergangen haben. Als Beispiel sei hier Psalm 9,10 - 21 angeführt mit dem Hintergrund: „Angesichts der Machtlosigkeit Israels und seiner Armen bleibt nur die Hoffnung und Zuversicht, daß Jahwe selber bald eingreifen und so alles zum Guten wenden werde.“ 22
Neben den schon bekannten Jagdmetaphern, die neben dem Tod nun auch Gott selbst zugesprochen werden finden sich einige spezifische Gerichtsmetaphern. Als Ort der Trennung dienen hierbei unter anderem die Tenne und Werkzeuge zum trennen von Spreu und Weizen aber auch die Kelter in denen „… die Trauben und
19 A. A. Fischer: Tod und Jenseits im alten Orient und Alten Testament. S. 133
20 A. A. Fischer: ebenda. S. 135
21 Vgl. A. A. Fischer: ebenda. S. 135
22 O. Loretz: Götter - Ahnen - König als gerechte Richter. S. 59
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damit metaphorisch die Feinde zertreten werden, bis der blutrote Saft an den Kleidern hoch spritzt…“ 23 . Dieses Motiv taucht auch in der Offenbarung des Johannes auf. 24 Weitere Metaphern, für den Tod in dreifacher Gestalt, sind Schwert, Pest und Hunger. Es sind Motive aus der Lebenswirklichkeit der Menschen die sie im Krieg mit anderen Völkern erfahren haben. Schließlich gibt es in diesem Zusammenhang auch noch das Motiv des Feuers welches wie die zuvor genannten Gerichtsbilder den katastrophalen Tod illustriert, „... der ganze Städte, Länder und Völker zu zerstören vermag. Mit ihnen tritt die letzte und größte Dimension des Todes in den Blick. Sie läßt das ganze Ausmaß der Ohnmacht ins Bewußtsein treten, die Menschen angesichts von Katastrophen, Kriegen und ihrer Folgen empfinden.“ 25 Im Vergleich mit den Sprachbildern des natürlichen Todes überwiegen die des gewaltsamen Todes und lassen den Tod als ein schlimmes Unheil erscheinen. Die Macht des Todes und die Ohnmacht der Menschen ihm gegenüber ist allgegenwärtig. Verortet wird der Tod in der sogenannten Scheol. Diese kann man als einen besonderen Ort Bezeichnen, als biblische Unterwelt. In diese steigen die Verstorbenen hinab oder sinken in sie nieder. Gleichzeitig kann man die Scheol aber nicht als vom Ort des Lebens abgegrenzten Raum betrachten, da sie weiterhin mit dem Diesseits verbunden ist. Fischer geht sogar der Frage nach, „... ob man die Unterwelt nicht eher zu den Todesbildern zählen und als besonders phantastischen Ausdruck für äußerste Todesgefahr nehmen sollte. Bild oder Wirklichkeit?“ 26 Er stellt fest: „Offenbar scheint von der biblischen Unterwelt eine Spur zur bedrohlichen Wirksamkeit des Todes zu führen ...“ 27
Vorgrimler meint: „Weit verbreitet war jedoch, ganz entsprechend den Vorstellungen der altorientalischen Umwelt Israels, die Meinung von der Existenz einer durchaus örtlich-geographisch gedachten Unterwelt. Das Dahingelangen wurde als Hinabsteigen gedacht.“ 28
In seinen Ausführungen stellt Fischer heraus: „Das Totenreich, das man besser als Machtbereich des Todes charakterisieren soll, beschränkt sich keineswegs auf einen besonderen, ihm zugewiesenen Raum wie auf irgendeinen Erdteil. Zur Todesmacht
23 A. A. Fischer: Tod und Jenseits im alten Orient und Alten Testament. S. 137
24 Vgl. Offenbarung 14, 20. In: Elberfelder Studienbibel. R. Brockhaus Verlag Wuppertal 2005 1 . S.
1465
25 A. A. Fischer: ebenda. S. 137
26 A. A. Fischer: ebenda. S. 138
27 A. A. Fischer: ebenda. S. 138
28 H. Vorgrimler: Geschichte der Hölle. S. 59
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gehört vielmehr ein ständiges Über-die-Ufer-Treten, ein Bedrohen und Eindringen in Räume, die eigentlich zur Lebenswelt gehören.“ 29 Einige Charakteristika der Unterwelt lassen sich allerdings festhalten: 1. Wie auch Erfahrungen in der Lebenswelt zeigen, gibt es im Leben keine Möglichkeit die Zeit umzukehren und vertane Chancen wahrzunehmen. Ist das Leben beendet endet auch die Zeit des Menschen. So verliert der Verstorbene durch den Übergang ins Totenreicht seine Lebenszeit.
2. Wie der Tod den Menschen an Lebensäußerungen hindert so ist das Totenreich ein Ort der durch den Verlust von Aktionsfreiheit gekennzeichnet ist.. 3. Wer in das Totenreich gelangt ist von Gott und den Menschen abgeschnitten. Er befindet sich in der Einsamkeit.
4. Tote können weder essen noch trinken deshalb müssen sie Hunger und Durst leiden. Bei Totenspeisungen oder Spenden gilt „... als wichtigste Gabe frisches Wasser ... [so dass] ... die Unterwelt notwendig als eine staubige und karge Wüste vor Augen ...[tritt].“ 30
5. Wie ein Mensch unter Krankheit und Alter körperlich verfällt so ist das Totenreich ein Ort des Verfalls. Der Mensch wird körperlich zu Staub. 6. Als sechstes Merkmal führt Fischer die Depression auf. So verliert ein Mensch jedwede Freude am Leben wenn er unter die Herrschaft des Todes gerät. „Ihm wird die Unterwelt zu einem finsteren Ort, zu einem »Haus, dessen Betreter des Lichts entbehrt«. Dort umgibt ihn immerwährende Nacht, so daß im Alten Testament die »Finsternis« geradezu als ein stehender Ausdruck für das Totenreich erscheint.“ 31 Alle genannten „... Aspekte der Unterwelt verdanken sich Erfahrungen mit dem Tod, der in das Leben ausstrahlt und in die Lebenswelt verderblich einzubrechen sucht.“ 32 Dieses Charakteristika der Unterwelt stützen die Annahme, dass es sich bei der Darstellung der Unterwelt um eine Darstellung der Todesmacht handelt, wodurch die Macht des Todes überall erfahren werden kann wo der Tod in der Lebenswirklichkeit der Menschen auftritt. Aus diesem Hintergrund lässt sich auch die Angst vor Krankheiten und Kranken erklären, welche bereits unter die Macht des Todes geraten sind. „Den Toten wird also - wie auch andernorts im Alten Vorderen Orient und in der mittelmeerischen Antike - ein schattenhaftes Fortleben zugeschrieben,
29 A. A. Fischer: Tod und Jenseits im alten Orient und Alten Testament. S. 138
30 A. A. Fischer: ebenda. S. 140
31 A. A. Fischer: ebenda. S. 140
32 A. A. Fischer: ebenda. S. 140
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das mit vielfältigen Elementen der Düsternis umschrieben, aber nicht als Strafe bezeichnet wird.“ 33
Fischer stützt seine Aussagen zur Unterwelt auf eine Untersuchung von Christoph Barth. 34 Dennoch geht Fischer anschließend darauf ein, dass auch eine konkrete Ortsvorstellung der Unterwelt einen wichtigen Aspekt des Alten Testaments darstellt. 35 So lassen sich der Totenkult der Israeliten und ihre Vorstellung erklären, dass die Verstorbenen mit ihrer Familie im Jenseits versammelt werden und dort die Unterwelt bewohnen. Da das Totenreich als ein Ort des Verfalls, der Einsamkeit und Verlust der Aktionsfreiheit gekennzeichnet wird verliert der Mensch den Kontakt zu seinem Gott. Er kann ihn nicht länger loben und Gott scheint keinen Einfluss mehr auf den Menschen zu haben.
Auf diesem Hintergrund lässt sich argumentieren, weshalb im Buch Hiob die Frage nach der Gerechtigkeit gestellt wird. Der strickte Tun-Ergehen-Zusammenhang wird in Frage gestellt, indem Hiob als gottesfürchtiger, frommer Mensch beschrieben wird dem plötzlich Schlechtes widerfährt. Die Frage ist, wie die Vorstellung des Tun-Ergehen-Zusammenhangs aufrecht erhalten werden kann wenn es offensichtlich ist, dass Frevler ein gutes erfülltes Leben führen können und Fromme von Krankheit und Leid geplagt werden. Hiobs Antwort darauf ist: „Gewiß, auch der Fromme kann ins Leiden geraten und er kann sich von Gott verlassen im Chaos der Welt wähnen, dennoch ist es an Gott und bleibt es an Gott, den Tun-Ergehen-Zusammenhang in Kraft zu setzen und einen gerechten Ausgleich noch diesseits der Todesgrenze zu vollziehen.“ 36 Zumindest im Fall Hiobs kann man festhalten: „Gott schuldet dem Menschen nichts, aber er schenkt ihm alles in seinem Erbarmen.“ 37 „,Typisch‘ israelisch sind die Glaubensüberzeugungen von der über den Tod hinausreichenden Macht Jahwes, sein unerbittliches Bestehen auf Recht und Gerechtigkeit, gerade zugunsten der sozial Schwachen und im irdischen Leben Benachteiligten, die Verfügung von Strafe nicht nach Willkür, sondern entsprechend den Prinzipien, die im voraus zu seinem Gericht bekannt waren. Unter diesen Gesichtspunkten ragen die Jenseitsansagen in Israel qualitativ-ethisch weit über die der Umwelt hinaus.“ 38
33 H. Vorgrimler: Geschichte der Hölle. S. 61
34 Vgl. C. Barth: Die Errettung vom Tode. Leben und Tod in den Klage- und Dankliedern des Alten
Testaments.
35 Siehe auch: H. Vorgrimler: ebenda. S. 59f
36 A. A. Fischer: Tod und Jenseits im alten Orient und Alten Testament. S. 158
37 A. A. Fischer: ebenda. S. 158
38 H. Vorgrimler: ebenda. S. 65
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Der Frage nach der Gerechtigkeit wird im Hinblick auf die Bedeutung eines Weltgerichts in Bezug auf das Neue Testament und seine Darstellung in der Kunst und im Film noch nachzugehen sein.
1.3 In der jüdischen Apokalyptik
Zur Einleitung in die facettenreichen Vorstellungen der Apokalyptik möchte ich Fischer zitieren der die Charakteristik jüdischer und christlicher Apokalyptik vorstellt. „Jüdische und christliche Apokalypsen sind darum keine Weltuntergangsliteratur. … Schon eher ließen sie sich zur Widerstandsliteratur stellen, weil sie - mindestens teilweise - gegen die bestehenden bösen Verhältnisse anschreiben, ihr Ende ankündigen und damit eine radikale Umwälzung erwarten lassen. Mit einer solchen Revolution verbindet das jüdische apokalyptische Schrifttum denn auch den Anbruch der Gottesherrschaft und entfaltet in ihrem Rahmen eine Zukunft für die Toten.“ 39 Vorgrimler meint: „Innere Grundzüge der Apokalyptik sind eine dualistische Sicht der erfahrenen Realität: Gegenwart oder der zu Ende gehende alte Äon ist durchwegs negativ charakterisiert, insbesondere durch zunehmende Gottlosigkeit und durch Verfall der Sittlichkeit. Der Übergang zum Neuen, Kommenden, von Gott allein in seiner Macht Verfügten, zum neuen Äon, geschieht nicht kontinuierlich, sondern unter Katastrophen und durch Abbruch.“ 40
Betrachtet man den Text Ezechiel 37, so findet man in ihm eine Heilszusage für Israel und seine verstorbenen. Fischer stellt heraus, dass es sich ursprünglich wohl nur um einen Text gehandelt habe, der dem Volk Israel die Hoffnung bringen sollte, dass Gott das in der Diaspora lebende Volk wieder vereinen würde. Durch die apokalyptisch geprägte Überarbeitung des Textes treten nun aber die getöteten in den Vordergrund, welche Fischer mit den getöteten Juden im Makkabäeraufstand gegen Antiochus IV (175-164 v. Chr.) in Verbindung bringt. In der überarbeiteten Fassung ist der Text ein Beleg für eine Hoffnung auf eine Auferstehung. Diese ist allerdings im militärischen Sinne gedacht, indem Gott die unschuldig getöteten zu neuem Leben erweckt und mit ihnen ein gewaltiges Heer erschafft um die Frevler und Ungläubigen zu besiegen. 41 Gisela Kittel interpretiert diese Textstelle
39 A. A. Fischer: Tod und Jenseits im alten Orient und Alten Testament. S. 177
40 H. Vorgrimler: Geschichte der Hölle. S. 67
41 Vgl. A. A. Fischer: ebenda. S. 178f
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allgemeiner und sieht hier erste Anzeichen für eine Auferweckung aller Verstorbenen des Volkes Israels. 42
Ein weiterer Text der apokalyptischen Werke ist das Buch Henoch. Der Protagonist schaut den Unterweltsberg und entdeckt vier verschiedene Höhlen für die Geister der Verstorbenen. Offenbar werden die Verstorbenen nach ihrem Tod in vier Gruppen unterteilt. Lediglich die Gerechten haben in ihrer Höhle Zugang zu Wasser, was im Hinblick auf die Vorstellung der Unterwelt als staubigen Wasserlosen Ort offenbar als Privileg zu verstehen ist. 43 Ebenso wird die Höhle als hell beschrieben wohingegen die restlichen gänzlich dunkel charakterisiert werden. In die übrigen Höhlen gelangen die Sünder, welche auf ihre Bestrafung am Tage des Gerichts warten müssen und die Klagenden, welche am Tage des Gerichts gegen ihre Peiniger und Mörder aussagen können. Die letzte Höhle scheint für besondere Sünder geschaffen zu sein, welche bis in alle Ewigkeit in dieser Höhle verweilen müssen ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden, allerdings auch ohne wiedererweckt werden zu können.
Fischer deutet die dritte und vierte Höhle als zeitbedingte Zusätze und vermutet, dass es sich bei der vierten Höhle um einen Ort für Heiden oder Juden handelt welche mit heidnischen Gebräuchen liebäugelten und nicht strikt das jüdische Gesetz befolgten. Die dritte Kammer mit den Klagenden begründet Fischer indem er anführt: „Man benötigt sie als Zeitzeugen, damit die Zeit der Drangsal lückenlos aufgeklärt werden kann. Mithin ist die Bereithaltung der Klagenden in der dritten Höhlung von der Sorge getragen, daß alle Verbrechen der Endzeit gesühnt werden und kein einziger aus der Abteilung der Sünder seiner gerechten Strafe entgeht.“ 44 Hier findet sich demnach erstmals eine Trennung der Verstorbenen und die Scheol wird zu „... einem Vorort des Jüngsten Gerichts, bis zu dessen Termin die Totengeister aufbewahrt werden.“ 45 „Es ist sicher nicht zuviel gesagt, daß hier bereits an eine Art von Zwischenzustand der Toten gedacht ist und damit die christliche Vorstellung eines Fegefeuers bzw. Purgatioriums im Ansatz vorbereitet wird“ 46 „Von Texten wie diesem her erklären sich die Auffassungen vom zunächst
42 Vgl. G. Kittel: Befreit aus dem Rachen des Todes. Tod und Todesüberwindung im Alten und Neuen
Testament. S. 72
43 Vgl. A. A. Fischer: Tod und Jenseits im alten Orient und Alten Testament. S. 140 und vgl. G. Kittel:
ebenda. S. 12
44 A. A. Fischer: ebenda. S. 191
45 A. A. Fischer: ebenda. S. 191
46 A. A. Fischer: ebenda. S. 192
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unentschiedenen Schicksal der Verstorbenen, von ihrer „Aufbewahrung“ bis zum Endgericht.“ 47
Den Sündern ist damit eine unangenehme Zukunft ausgemalt, aber wie steht es um die Gerechten? Fischer zieht zur Beantwortung dieser Frage ein weiteres jüdisches Buch heran, welches seinen Weg nicht in die Bibel gefunden hat. Im Jubiläenbuch wird ein Ende für die Lebenden vorausgesagt, welches durch eine neue friedvolle Weltzeit charakterisiert werden kann. Die noch Lebenden werden ein bis zu 1000 Jähriges Leben erhalten und keine Bosheit wird diese Lebenszeit beeinflussen können. Für die bereits verstorbenen Gerechten stellt das Buch in Aussicht, dass diese „... bei Gott aufgehoben [sind] und ... gleichsam als spiritualisierte Teilnehmer der Heilszeit beiwohnen [dürfen]. ... Dem exklusiven Kreis der Geister wird eine bleibende Heimat in der himmlischen Welt geschaffen und gleichzeitig eine Form der Anteilnahme an der irdischen Heilszeit ermöglicht.“ 48 Hierin findet sich allerdings noch keine allgemeine Aussage über eine unsterbliche Seele. Lediglich die Gerechten, genauer ihre Geister/ihr persönlicher Lebensodem, haben die Möglichkeit in die Himmelssphäre zu gelangen. Geht man nun über zum Buch Daniel so findet man in ihm ebenfalls eine Zusage für die Auferweckung der Toten, welche bis dahin im Schattenreich der Scheol schlafen, allerdings auch hier nur diejenigen, welche zuvor im Lebensbuch verzeichnet wurden.
Wer ist nun aber unter diesen bereits aufgeschriebenen? Fischer unterscheidet hier zwei verschiedene Sichtweisen. Zum einen werden die Gerechten auferweckt, die im Buch Henoch bereits von den Sündern separiert waren und diejenigen unter den Sündern, die zu Lebzeiten noch nicht bestraft wurden, welche dann am Tag des Gerichts ihre Strafe erhalten. Zum anderen die Sichtweise, dass nur die kürzlich verstorbenen auferweckt werden sollen um an der begonnenen Heilszeit teilzunehmen, die mit dem Makkabäeraufstand begonnen hat. Die zweite Sichtweise schließt kategorisch alle vorher verstorbenen und Ungläubigen aus. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mit dem Beginn der Heilszeit der Tod endgültig überwunden ist. Die Verbundenheit von Himmel, Erde und Scheol ist nicht länger gegeben. Die Scheol ist ein von der Erde und dem Himmel nun völlig abgetrennter Ort und Himmel und Erde erhalten einen Übergang. „Schon deshalb bedeuten Auferstehung und Gericht nicht das Ende der Menschheitsgeschichte,
47 H. Vorgrimler: Geschichte der Hölle: S. 69
48 A. A. Fischer: Tod und Jenseits im alten Orient und Alten Testament. S. 197
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Tom Olivier, 2010, Tod und Gericht - Filmische Variationen und biblisch-theologische Kontexte, München, GRIN Verlag GmbH
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