Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II. Hauptteil
II.1 Literaturgeschichtliche Kontextualisierung - Romantik als Epoche 4
II.2 Liebe, Freundschaft, Sinnlichkeit - Eine systematische Erarbeitung
der Figurenkonstellation 6
II.3 Die Adoleszenzproblematik in Joseph von Eichendorffs Das Marmorbild 8
II.4 Zusätzliche Impulse zu einer kreativen Auseinandersetzung und Anregungen zu
„künstlerischen“ Gestaltungen
II.4.1 Kreatives Schreiben 8
II.4.2 Standbilder und Collagen 9
II.4.3 Die progressive Universalpoesie als Ausgangspunkt einer
interdisziplinären Erarbeitung: Bildende Kunst - Musik - Literatur 10
II.4.4 Vertonungen 12
III. Schluss 13
IV. Literaturverzeichnis 14
1
I. Einleitung
Da sagt Florio, zu Bianca gewendet: „Ich bin wie neugeboren, es ist mir, als würde noch alles
gut werden, seit ich Euch wiedergefunden. Ich möchte niemals wieder scheiden, wenn Ihr es
vergönnt.“ [...]. 1
Mit diesen Worten formuliert Eichendorff in seiner Erzählung Das Marmorbild den Ausgang des jugendlichen Protagonisten Florio aus einer unsteten Zeit der Sinn- und Identitätssuche, welche auch in der sich anschließenden didaktischen Analyse Berücksichtigung finden wird. Der Fokus der folgenden Darstellung soll hierbei auf der Auslotung des Potentials des Werkes für kreative Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht liegen. Gerade kreative Erarbeitungsmethoden ermöglichen den Schülerinnen und Schülern einen großen Spielraum, um sich mit den Unterrichtsinhalten zu identifizieren und somit einen persönlichen Bezug zum Thema herzustellen. Außerdem trägt die kreative Erarbeitung des Lernstoffs nicht unerheblich zum Lernerfolg bei.
Durch Methoden, die die Schülerinnen und Schüler im Unterricht animieren, sich selbst einzubringen und den Unterricht mitzugestalten, wird dazu beigetragen, die intrinsische Motivation der Klasse zu fördern. Eine andauernde Lernmotivation korreliert hierbei mit einem erhöhten Lernerfolg.
Um möglichen Befremdlichkeitseffekten bezüglich der Sprache und der Thematik der Novelle entgegenzuwirken, wird vorweg eine literaturgeschichtliche Kontextualisierung der Erzählung in die Epoche der Romantik erfolgen. Um die Schülerinnen und Schüler dort abzuholen, wo sie sind, soll zunächst ihr Alltagsverständnis von romantisch in die Erarbeitung eingebunden werden. In einem folgenden Arbeitsschritt gilt es, das Alltagsverständnis von romantisch gegenüber der literaturgeschichtlichen Epoche abzugrenzen. Nach der Erarbeitung und Sicherung eines Bündels von Merkmalen der Romantik als Literaturepoche wird in einem nächsten Arbeitsschritt dazu übergegangen werden, die Figurenkonstellation der Novelle zu untersuchen. Ein Hauptaugenmerk dabei wird auf den Protagonisten Florio gelegt werden, dessen Charakteristik sich nur in einem Wechselspiel mit den anderen Figuren erschließen lässt. Zunächst sollen seine Verbindungen zu Bianca und Venus und in einem Folgeschritt sein Verhältnis zu Fortunato und Donati eruiert werden. Gerade die Liebesbeziehungen des Protagonisten ermöglichen den Schülerinnen und Schülern einen persönlichen Bezug herzustellen und die Thematik der Novelle in ihre eigene Lebenswirklichkeit zu transferieren. In einem weiteren Schritt soll ausgehend vom Protagonisten Florio in die Adoleszenzproblematik der Erzählung eingeführt werden. Seine Erfahrungen innerhalb des
1 Eichendorff, Joseph v.: Das Marmorbild. Das Schloß Dürade, Stuttgart 1976. S. 48.
2
Marmorbildes sollen der Klasse als Ausgangspunkt dienen, um eigene Erfahrungen im Themengebiet Adoleszenz zu problematisieren.
Abschließend soll im Bezug auf Schlegels Forderung nach einer progressiven Universalpoesie das Potential einer interdisziplinären Erarbeitung des Marmorbildes ausgelotet werden. Hierbei wird ein Schwerpunkt auf die Bildenden Kunst und die Musik, insbesondere auf Vertonungen, zu setzen sein.
3
II. Hauptteil
II.1 Literaturgeschichtliche Kontextualisierung - Romantik als Epoche
Mit einem „Dinner zu zweit bei Kerzenlicht, mit Kuschelmusik, der Meeresbrandung im Mondlicht oder einem stimmungsvollen Sonnenuntergang“ 2 seien nur einige Begrifflichkeiten genannt, die die Schülerinnen und Schüler der Kursstufe in ihrem Alltagsverständnis mit der Begrifflichkeit der Romantik in Verbindung setzen könnten. Eine schon beinahe inflationäre Verwendung dieser zumeist positiven Konnotation des Begriffs romantisch findet sich in den Bereichen Fremdenverkehr, Gastronomie, Architektur und Mode. Es lässt sich eine Vielzahl von Hotels ausfindig machen, die unter der eigens eingerichteten Kategorie Romantikhotel buchbar sind. Der Urlaub in einem solchen Hotel kann durch die Zubuchung eines romantischen Candle Light Dinners oder eines romantischen Ausflugs versüßt werden. 3 Auch wenn die Literaturepoche der Romantik nicht der Alltagsvorstellung eines Oberstufenschülers entspricht, kann diese an den Beginn einer Erarbeitung der Epoche gesetzt werden, indem man die Schülerinnen und Schüler dort abholt, wo sie sind. Die Sicherung des Alltagsverständnisses kann in Form einer Mind-Map an der Tafel oder einer Folie erfolgen. Im Unterrichtsgespräch lassen sich Themenfelder wie Fremdenverkehr oder Mode bilden, denen die Assoziationen zugeordnet werden können. Durch diesen assoziativen Einstieg in die Arbeit mit Eichendorffs Marmorbild wird der Klasse eine Anknüpfungsmöglichkeit an bereits vorhandenes Wissen zur Begrifflichkeit romantisch ermöglicht. Dieses Anknüpfen an Vorwissen kann die Motivation der folgenden Erarbeitung fördern. Im Rahmen eines literaturgeschichtlichen Herangehens an die Erzählung muss dieses Vorwissen in der Folge durch zusätzliche Epochencharakteristika ergänzt und korrigiert werden. An dieser Stelle kann eine gemeinsame Annäherung an das Marmorbild dazu beitragen, erste Berührungsängste beim Lesen des Textes zu nehmen 4 und bereits vorhandenes Wissen zum Begriff Romantik in die Textarbeit zu integrieren. Die inhaltliche Dimension des Textes kann beispielsweise durch einen Lesetest abgeprüft werden. Ausgehend von diesem Test, der sowohl benotet als auch unbenotet den Inhalt sichern soll, müssen der Klasse unbekannte Zusammenhänge des Textes dargelegt werden. Hierzu zählt vor allem der mythologische Hintergrund, der durch die mannigfache Nennung der antiken Götter Venus, Diana, Neptun, Bacchus oder auch der Najaden und Sirenen in den Text Eingang findet. Die Erläuterung der in der Erzählung auftretenden Gottheiten kann zum
2 Neubauer, Martin: Literaturwissen für Schüler. Romantik, Stuttgart 2007. S. 5.
3 Vgl. http://www.romantikhotels.com/ (25.05.2010).
4 Es sei an dieser Stelle vorausgesetzt, dass sich die Schülerinnen und Schüler zuvor die gesamte Erzählung
eigenständig erlesen haben und mit dem Inhalt vertraut sind.
4
Arbeit zitieren:
Florian Zink, 2010, Didaktische Reflexion zu kreativen Bearbeitungsansätzen in Joseph von Eichendorffs "Das Marmorbild", München, GRIN Verlag GmbH
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