Hausarbeit zum Proseminar:
“.
Zur Ideengeschichte der Weimarer Republik“
Wintersemester 2000/2001
vorgelegt von:
Stefan Waldheim
Jena, den 28.07.2001
Inhalt Seite
1. Einleitung 3
2. Hitlers Rede vor dem Industrieclub als wirtschaftsprogrammatische
Basis 4
2.1 Die Gründe der Rede 4
2.2 Die Umsetzung der NS-Ideologie als wirtschaftliche
Notwendigkeit 5
2.3 Eine dem Staat untertänige Wirtschaft mit
Selbstverwaltungsrecht 5
3. Die Beschäftigungspolitik und die Förderung kriegsrelevanter
Industrien nach der Machtergreifung 7
3.1 Die gesellschaftliche Vorbereitung auf den Krieg 7
3.2 Der Rückgang der Arbeitslosenquote nach der
Machtergreifung 8
3.3 Das Ende der Gewerkschaften 9
4. Der Vierjahresplan und die
„Denkschrift über Wirtschaftsfragen“ 1936 10
5. Die totale Kriegswirtschaft 12
5.1 Die Blitzkriegstrategie und ihre Auswirkungen auf
die Wirtschaft 12
5.2 Die totale Kriegswirtschaft als staatlich interveniertes
Gef üge 13
5.3 Das Scheitern der Rüstungswirtschaft vor der
deutschen Kapitulation 14
5.4 Die Kriegswirtschaft als Planwirtschaft 15
6. Schlussfolgerungen 15
7. Literatur 18
2
1. Einleitung
Das nationalsozialistische Regime hat in den zwölf Jahren seines Bestehens zahlreiche barbarische Auswüchse in seinen äußeren sowie inneren Angelegenheiten entwickelt. Zu beiden Bereichen zählt seine Wirtschaftspolitik, deren ökonomischen Ziele stets auf erwarteten Kriegserfolgen beruhten. Die wirtschaftliche Unabhängigkeit durch die sogenannte „Autarkiepolitik“ war das kriegswirtschaftlich wichtigste Ziel seiner Führung. Der Europäer von heute würde ein solches autarkes Deutschland als Enklave inmitten dieses Kontinents bezeichnen können. Nur war diese Enklave durch ihr unersättliches Bestreben nach neuen Gebieten, neuen Rohstoffquellen sowie der Annexion ganzer Staaten charakterisiert.
Das Vorhaben, eine Wirtschaft aufzubauen, deren Ziel es ist, unabhängig von äußeren Bedingungen zu sein, unabhängig vom Import von Rohstoffen, Lebensmitteln, Luxusartikeln usw., ist kein Verbrechen. Was es zu diesem werden ließ, war in erster Linie der illegitime Weltkrieg, der dem Deutschen Reich zur Angliederung benachbarter Gebiete verhelfen sollte, in zweiter Linie der Einsatz von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern in der deutschen Industrie. Ziel und Weg sind im deutschen Fall nicht zu trennen. Die Voraussetzungen für eine autarke deutsche Wirtschaft waren auf dem ursprünglichen Gebiet des Reiches nicht gegeben, so dass sich über den Weg der Annexion neuen „Lebensraumes“ und rohstoffreicher Gebiete dieser Nachteil zum Vorteil entwickeln sollte. Hitler nannte am 1. Februar 1933 die vorrangigen Ziele seiner Wirtschaftspolitik, die in Vierjahresplänen verwirklicht werden sollten.
Durch die „Rettung des deutschen Bauern“ sollte in der schwierigen Zeit nach der Weltwirtschaftskrise die Ernährung der deutschen Bevölkerung sichergestellt werden. Hinter dem Schlagwort „Rettung des deutschen Arbeiters“ verbarg sich ein Programm, das den „Angriff gegen die Arbeitslosigkeit“ proklamierte. 1 Die folgenden Fortschritte in der Beschäftigungspolitik tragen mehr und mehr zur Stabilisierung des Systems bei. Während im Januar 1933 noch über 6 Millionen
1 Vgl. Benz, Wolfgang: Geschichte des Dritten Reiches, München 2000, S.95.
3
Menschen als arbeitslos gemeldet waren, lag die Zahl derer 1934 bereits bei 2,7 Millionen. 1937 gab es weniger als 1 Million Erwerbslose. 2 Wie weit jedoch Ideologie und Propaganda von der tatsächlichen Politik der Nationalsozialisten entfernt waren, zeigt die eigentliche Wirtschaftspolitik. So blieb die Wirtschaft weiterhin privatwirtschaftlich geprägt und wurde im Verlauf der Vorkriegs- und Kriegsjahre durch den NS-Staat zunehmend interveniert und dirigiert. Der propagierte Antikapitalismus fand in der Wirtschaft allerdings keinen Platz.
Im folgenden soll untersucht werden, welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen der nationalsozialistische Staat hinsichtlich der Kriegsvorbereitung ergriffen hat. Ebenso stellt sich dabei fortwährend die Frage nach der Existenz einer Planwirtschaft im NS-Wirtschaftsystem.
2. Hitlers Rede vor dem Industrieclub als wirtschaftsprogrammatische Basis 2.1 Gründe für die Rede
Die Gründe, die Hitler dazu veranlassten, am 26. Januar 1932 vor dem Industrieclub in Düsseldorf zu sprechen, sind nicht dokumentarisch festgehalten. Einerseits wird vermutet, dass der Führer der damals größten Oppositionspartei eine Rede Gregor Strassers und die damit verbundene Steigerung dessen Bekanntheitsgrads durch die eigenhändige Übernahme dieser Aufgabe verhindern wollte. Fritz Thyssen, Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses des Clubs, wollte zunächst Strasser dazu bewegen, die Rede zu halten. Hitler jedoch teilte ihm seine Entscheidung auf einem Treffen in Berlin mit. Andererseits gilt die Annahme, Hitler wolle das schlechte Image der NSDAP bezüglich wirtschaftlicher Fragen gegenüber Vertretern der Industrie aufpolieren, als wahrscheinlicher. 3
2 Vgl. Deutscher Bundestag, Referat Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg.): Fragen an deutsche Geschichte, Wege zur parlamentarischen Demokratie, Bonn 1996, S. 284.
3 Vgl. Kannapin, Hans-Eckhardt: Wirtschaft unter Zwang, Köln 1966, S. 260.
4
2.2 Die Umsetzung der NS-Ideologie als wirtschaftliche Notwendigkeit In seiner Rede erwähnte Hitler weder die geplante Eroberung neuen „Lebensraumes“ in der Sowjetunion noch das 25-Punkte-Programm seiner Partei. Sein Vortrag handelte weniger von wirtschaftlichen Aspekten, als von der nationalsozialistischen Ideologie bezüglich des deutschen Volkes, seiner Determinierung und seines Geistes.
Ebenso ideologisch begründete er auch die wirtschaftliche Notwendigkeit einer seiner Auffassung nach starken deutschen Nation. Für die Wirtschaftskrise sei die Politik verantwortlich, nicht die Wirtschaft selbst. Erfolg in diesem Bereich könne Deutschland nur haben, wenn das deutsche Volk seinen einheitlichen Willen wiedergefunden habe. Konkrete Planungen und Vorstellungen zu einer nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik nannte Hitler nicht. Fragen und Probleme dieses Bereichs dienten ihm inhaltlich als Plattform für ideologische Exkurse. Jedoch sprach er sich indirekt für Privateigentum sowie die ungleiche Verteilung von Erträgen aus, dabei handele es sich aber nicht um Grundsätzlichkeiten, die keiner moralischen Rechtfertigung bedürfen. Das Privateigentum zum Besitz aller zu machen, würde den „Unfähigen und Gleichgültigen die gleiche Stimme zugestehen, wie den befähigsten und vorzüglichsten Individuen, was nur zu sozial verheerenden Ergebnissen führen“ 4 könne. Da sich Fähigkeiten und Kenntnisse voneinander unterschieden, seien Privateigentum sowie ungleiche Löhne und Gehälter prinzipiell notwendig für eine gesunde Wirtschaft.
2.3 Eine dem Staat untertänige Wirtschaft mit Selbstverwaltungsrecht Hitlers in der Rede vor dem Industrieclub genannten Vorstellungen entsprechen großen Teils nicht den Prinzipien einer Planwirtschaft. Eine Plan- oder Zentralverwaltungswirtschaft stellt eine „Wirtschaftsordnung [dar], in der der gesamte Wirtschaftsprozess von einer zentralen Stelle (Staat) geplant und gelenkt
4 Kannapin: Wirtschaft, S. 262.
5
Arbeit zitieren:
M.A. Stefan Waldheim, 2001, Das Wirtschaftssystem im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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