Inhalt
Ein Einblick: Zukunftsfähiger Tourismus
1. Damals, nach der Eiszeit
2. Kabeljau Co.
3. Wunderbare Vielfalt
4. Von der Segeljolle bis zum Containerschiff
5. Der Mond und die Tide
6. Nordseegarnelen - Krebse mit vielen Namen
7. Miesmuscheln - Filtrierer im Wattenmeer
8. Kieselalgen - kleine Schönheiten mit großer Wirkung
9. Knutts - Vielflieger zu Besuch im Watt
10. Salzpflanzen - Leben auf extremen Standorten
11. Einzigartiges Wattenmeer
12. Wind - voller Energie
13. Wege übers Meer
14. Schätze im Meer
15. Lernen von der Natur
16. Auf neuen Wegen - Reisen an die Nordsee
17. Die Nordseeregion im Jahre 2050
18. Algen und Schlick für die Gesundheit
19. Grünkohl, Labskaus, Fisch und Rote Grütze
20. Wi snackt Platt
Vorwort
„Damals an der Nordsee…“ - die ersten touristischen Spuren führen in dieser Region bis in das Jahr 1783 zurück. Der Pastor Janus auf der Nordseeinsel Juist hatte in den Gazetten seiner Zeit gelesen, dass die Briten die gesundheitsfördernde Wirkung des Meerwassers entdeckt und daher Bäder im Meer genommen hatten. Dies veranlasste ihn darüber nachzudenken, ob sich die Heilkraft des Meeres nicht auch auf seiner Insel zugunsten der armen Bewohner auswerten ließe. Denn wenn Fremde auf die Insel kämen, um im Meer zu baden, würde das eine neue Einnahmequelle erschließen. Juist war, wie manche andere Nordseeinsel damals auch, recht arm. Mit diesen Überlegungen begann eine Erfolgsgeschichte, die heute Millionen von Touristen pro Jahr an die deutsche Nordseeküste führt. Die Küsten und Inseln des Nordseeraums sind mittlerweile stark vom Reisewesen geprägt. Diese Entwicklung hat allerdings zwei Seiten: Ohne die vielen Besucher würden viele Menschen an der Küste keine Arbeit haben. Aber zu viel Tourismus belastet die Natur. Die einzigartige Landschaft muss geschützt werden, damit sie auch zukünftigen Generationen erhalten bleibt. Qualitätsmerkmale für den Urlaub rücken damit, sowohl auf Seiten der Anbieter als auch der Reisenden selbst, mehr als bisher in den Vordergrund.
Heute steht nicht nur das Bad im Meer an erster Stelle der Urlaubsmotive, sondern die Besucher suchen Ruhe, Entspannung und Naturerleben, aber auch sportliche Aktivitäten wie Wassersport (Windsurfen, Segeln), Wattwandern, Angeln oder Fahrradfahren. Die Gezeiten spielen für die Urlauber immer wieder eine große Rolle. Die einen genießen die Wattwanderungen, die anderen wollen lieber in der Nordsee schwimmen gehen. Die klimatischen Bedingungen an der Nordseeküste gelten als gesundheitsfördernd. Schon früher nutzten viele Reisende ihren Aufenthalt an der Küste als Kururlaub. Die günstigen Klimafaktoren von Luft, Temperatur, Wasser, Wind und Sonnenstrahlung aktivieren Abwehrkräfte und Kreislauf, stärken das Immunsystem und wirken heilend, insbesondere auf Haut und Atemwege.
Die Nordseeregion bietet günstige Voraussetzungen, sie als zukunftsfähiges Reiseziel zu empfehlen. In der Verantwortung der Reisenden liegt es, sich entsprechend vorzubereiten und geeignete Angebote zu wählen.
Ein Einblick: Zukunftsfähiger Tourismus
Betonblicks am Strand, in denen sich die Touristen drängeln prägen heute weltweit Urlaubsgebiete, die früher einmal natürliche Oasen mit individuellem Flair waren. Nicht erst seit der Diskussion um den Klimawandel wird der Tourismus, insbesondere der Ferntourismus, zu- nehmendkritisiert. Die negativen Folgen auf die Natur und die Individualität von „Land und Leuten“ sind vielerorts nicht zu übersehen. Aber: es gibt genügend Angebote, „anders“ zu reisen.
Das Problem: FernWeh - Reisen mit Folgen
Der Tourismus hat sich in den letzten 50 Jahren nach der Öl- und der Automobilindustrie zu einem der größten Wirtschaftszweige der Welt entwickelt und erzielte 2004 nach Angaben der Welttourismusorganisation (WTO) einen Gesamtumsatz von etwa 623 Mrd. US-Dollar. Diese Einnahmen sind allerdings höchst ungleich verteilt: 50 % davon werden in nur 7 Ländern (USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Deutschland, Österreich) erzielt, während sich der Rest der Welt (ohne Ostasien/Pazifik) mit nur 5 % der Einnahmen begnügen muss. In den westlichen Industriestaaten werden ca. 11 % der Konsumausgaben für Reisen ausgegeben. Die Zahl der Arbeitsplätze im Tourismus liegt weltweit bei rund 100 Millionen Beschäftigter. Alle Prognosen weisen darauf hin, dass in Zukunft noch mehr Menschen reisen werden als bisher. Die WTO rechnet sogar mit jährlichen Steigerungsraten von 12 %. Doch wo viele Menschen Güter und Angebote nutzen, entsteht ein Gefälle zwischen Qualität und Quantität. Gigantische Hotelkomplexe, angelegt für Pauschalreisende, „schmü-
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cken“ heute viele Regionen der Erde, die früher einmal durch weite Strände, Fischerboote und originäre Flora und Fauna charakterisiert waren.
Natur- und Landschaftserleben gehören zu den wichtigsten Urlaubsmotiven, so dass der Tourismus wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig auf eine intakte Umwelt angewiesen ist. Aber nicht nur die Umwelt leidet unter dem Anstieg des Tourismus, sondern er hat oft auch gravierende Folgen für die einheimische Bevölkerung und deren Kultur. Für die Touristen wird vielfach eine entsprechende Infrastruktur (Hotelanlagen, Straßen sowie Transportmöglichkeiten bis hin zu eigens gebauten Flughäfen) errichtet. Auf Natur, Kultur und traditionelle Strukturen wird dabei häufig keine Rücksicht genommen. Wiederholt wird durch diese Entwicklung das touristische Potenzial der Region selbst beeinträchtigt: Massentourismus und die Umgebung der großen Ferienanlagen sind für viele Erholungssuchende nicht mehr attraktiv.
Kulturelle Auswirkungen
Touristische Anlagen entstehen häufig in abgelegenen Regionen, die bislang eher landwirtschaftlich genutzt wurden. Die Folge kann eine Veränderung traditioneller Strukturen, Konsum- und Werthaltungen sein. Die starke Anpassung an die Erfordernisse der Tourismuswirtschaft führt leicht dazu, dass lokale kulturelle Traditionen nur noch als Show und Inszenierung für die Touristen weitergeführt werden.
Touristen reisen in als solche beworbene und wahrgenommene „exotische Ur- laubsparadiese“ undtragen gerade dadurch mit dazu bei, dass die kulturellen Eigenheiten dieser Länder zurückgedrängt werden. Das „Fremde“ wird den Wünschen der Gäste und den Vorgaben der Reiseveranstalter angepasst und damit letztlich zur Kulisse. Allerdings: Touristen spüren, dass die traditionelle Gastfreundschaft der Einheimischen vielerorts pragmatischem Geschäftssinn gewichen ist, beklagen sich über „Touristenfallen“ und über den Ver- lustder Ursprünglichkeit der Region. Das wiederum führt zu einem weiteren Verlust des oftmals ohnehin schon gering ausgeprägten Respekts gegenüber den Einheimischen und ihren Belangen.
Umweltschäden
Klimawandel und Klimaschutz sind zurzeit in aller Munde. Die Folgen des Klimawandels werden immer deutlicher spürbar und die Aussichten für Menschen und die Umwelt erscheinen schwerwiegend. Im Februar 2007 mehrten sich die Schlagzeilen über schmelzende Polkappen, ungewöhnliche Wetterereignisse und in den Zeitungen tauchten Informationen über Treibhausgase, Tipps für ein klimaschonendes Verhalten im Alltag und CO 2 -Rechner auf. Der Auslöser war ein Bericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), einer Expertengruppe zum Klimawandel. Die globale Erwärmung durch den Menschen gilt als bewiesen. Entsprechend deutlich fallen die Forderungen der Klimaforscher an Politik und Gesellschaft aus. Im Vordergrund der Diskussion stehen insbesondere Bereiche wie Verkehr, energieoptimiertes Bauen, regenerative Energieerzeugung sowie die Erhöhung der Energieeffizienz.
Der Tourismus verursacht einen erheblichen Anteil der Treibhausgas-Emissionen, vor allem durch den grenzüberschreitenden Flugverkehr. Es wird erwartet, dass die Nachfrage nach Urlaubsreisen noch zunimmt, wobei die Zahl der Menschen, die überhaupt in den Urlaub fahren, den Prognosen folgend nur gering steigt. So stammt die vorausgesagte Zunahme aus vermehrten Zweit- und Drittreisen. In Deutschland machen derzeit zwischen 17 und 19 % der Bevölkerung mehr als eine Urlaubsreise pro Jahr, wobei die Dauer der einzelnen Reise tendenziell abnimmt. Als Transportmittel wird das Flugzeug weiter an Bedeutung gewinnen. Laut einer Prognose des Öko-Instituts aus dem Jahr 2001 nehmen bis 2020 dank technischer Verbesserungen zwar die Emissionen pro Person und Reise bei Flugreisen um rund 25 %, bei Autos um 20 % und in den Unterkünften um 15 % ab. Durch das Wachstum steigen aber insgesamt die Treibhausgas-Emissionen bei Flugfernreisen auf das Doppelte, das sind 61 Mio. Tonnen CO 2 -Äquivalente.
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Gesamt-Treibhausgassemissionen für ausgewählte In- und Auslandsreisen der Deutschen in den Jahren 1999 - 2020
(für den Luftverkehr sind zusätzlich zum Mittelwert die derzeit diskutierten Unter- und Obergrenzen der CO2Äquivalent-Emissionen dargestellt)
Quelle: Öko-Institut, 2001
Sollen die Treibhausgasemissionen des Tourismus in Zukunft verringert werden, muss vor allem beim Flugverkehr angesetzt werden, sonst werden alle anderen Minderungsanstrengungen, z.B. im Inland, durch den starken Anstieg der Flugverkehrsemissionen mehr als aufgehoben. In diesem Zusammenhang ist auch das Angebot so genannter Kompensationsleistungen zu sehen.
Andere Umweltprobleme wie Gewässerverschmutzung, Abfallaufkommen und Lärm stellen ebenso hohe Belastungen dar. Die Umwelt leidet beispielsweise auch unter dem Öl, das vermehrt zu den Urlaubszeiten von Kraftfahrzeugen und Sportbooten abgesondert wird. Diverse Wassersportarten wie z.B. Wasserski, Tauchen, Surfen usw. führen darüber hinaus zu einer Schädigung von Wasserbiotopen. Der von Touristen zurückgelassene Müll kann in Gebirgsgegenden oder an Stränden häufig nur mit ungleich größeren Schwierigkeiten ent-sorgt werden als in den ausgebauten Infrastrukturen der Städte.
Tourismus führt zum verstärkten Verbrauch natürlicher Ressourcen: So bringt etwa gerade in armen Ländern die Lebensweise westlicher Touristen mit ihren Klimaanlagen und Swimmingpools einen problematischen Anstieg des Energie- und Wasserverbrauchs mit sich. Letzterer verursacht häufig ein Absinken des Grundwasserspiegels mit all seinen Konsequenzen für die örtliche Trinkwasserversorgung und die Bewässerung in der Landwirtschaft. Schließlich beeinträchtigt Tourismus vielfach auch bestehende Naturräume, Biotope und Ökosysteme und damit die Lebensgrundlage für Tiere und Pflanzen. Teilweise ist dies auf die mit der Errichtung von Unterkünften und Ferienanlagen verbundene Bodenversiegelung zurückzuführen.
Natur, sofern sie intakt ist, hat eine heilsame Wirkung auf alles Leben. Wer sich entspannen will, wird das wohltuende Plätschern eines Baches ebenso mögen wie das Rauschen der Bäume oder des Meeres und das Zwitschern der Vögel. Nur: Unberührte Gegenden sind selten geworden. Umso eindringlicher ist der Appell, das, was noch intakt und naturnah ist, nach Kräften zu bewahren. Der sanfte bzw. zukunftsfähige Tourismus baut eine Brücke zwischen dem Anspruch zu verreisen und dem Anliegen, die schönen Urlaubsorte dieser Welt zu schützen.
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Schritte zum zukunftsfähigen Tourismus
Die Grundidee
Müssen Wochenende-Shopping-Trips nach Mallorca oder „7-Tage-Karabik“ wirklich sein und bringen sie tatsächlich Erholung? Geht es auch im Urlaub nur darum, zu konsumieren oder ist eine wahre Auszeit vielleicht viel wirkungsvoller?
Das eigene Verhalten entscheidet darüber, wie gestalterisch auf die Welt Einfluss genom- menwerden kann. Reiselustige brauchen keineswegs auf „Kaffeefahrten“ umzusteigen und auf Palmen zu verzichten. Mittlerweile haben viele Reiseveranstalter erkannt, dass Urlaubsqualität langfristig nur im Einklang mit der Natur, ohne Schäden für das Gastland und mit Respekt vor der jeweiligen Kultur möglich und wohltuend ist. Es gibt bereits viele Angebote für „sanfte bzw. zukunftsfähige Touristen“. Der Begriff der Zukunftsfähigkeit oder auch Nach- haltigkeitwird vermehrt auch im Kontext des Reisens benutzt.
„Nachhaltiger Tourismus ist von den Grundsätzen der Erklärung von Rio über Umwelt und Entwick- lungund den Empfehlungen der Agenda 21 geleitet. Er muss soziale, kulturelle, ökologische und wirtschaftliche Verträglichkeitskriterien erfüllen. Nachhaltiger Tourismus ist langfristig, d.h. in Bezug auf heutige wie auf zukünftige Generationen, ethisch und sozial gerecht und kulturell angepasst, ökologisch tragfähig sowie wirtschaftlich sinnvoll und ergiebig". (Forum Umwelt und Entwicklung,1999)
Kurz: Ein respektvoller Umgang mit Land und Leuten ist das Leitmotiv des zukunftsfähigen Reisens. Es wird damit also versucht, die negativen Äußerungen und Wirkungen des Tourismus in ökologischer und soziokultureller Hinsicht zu korrigieren. Erstmalig wurde der Be- griff„Sanfter Tourismus" von Robert Jungk im Jahr 1980 geprägt. Als Gegenpol zu den im- merdeutlicher werdenden Defiziten und Problemen des harten Tourismus (Massentourismus) enthält das Konzept des sanften Tourismus eine Reihe von Elementen, wie der Urlaub ökologisch wie auch soziokulturell verantwortlich gestaltet werden kann. In den Urlaubsregionen sollen die Bedürfnisse der erholungssuchenden Menschen mit den Interessen der ortsansässigen Bevölkerung in Einklang gebracht werden. Dies ist sowohl abhängig von der aktiven Gestaltung durch die Reisenden selbst als auch von den entsprechenden Angeboten der Veranstalter und Tourismusregionen. Wichtige Forderungen sind eine Dezentralisierung der touristischen Einrichtungen, eine Anbindung an den öffentlichen Verkehr, Förderung von Kleinprojekten, Beteiligung der ansässigen Bevölkerung an touristischen Entscheidungen und eine Anpassung von Ernährung und Architektur an die regionalen Gegebenheiten. Außerdem ist eine Entzerrung der Urlaubszeiten von enormer Bedeutung, damit nicht alle Urlauber gleichzeitig auf die Fremdenverkehrsgebiete einströmen
So genannte All-inclusive-Angebote erscheinen vielen Urlaubern praktisch und finanziell verlockend, aber sie sind für das Gastgeberland wenig lukrativ, denn die einheimische Bevölkerung wird zu einem erheblichen Teil von den Einnahmen aus dem Tourismus abgeschnitten. An dem harten Geschäft um Touristen verdienen in diesen Fällen zumeist nur Großinvestoren, die im Besitz von Hotelketten sind. Doch wer die regionale Bevölkerung unterstützt, leistet einen Beitrag für deren wirtschaftliche Autonomie und somit für die Vielfalt. Im Idealfall setzen sich die Reisenden vor Reisebeginn mit der Region auseinander, eignen sich wichtige Begriffe in der Landessprache zumindest teilweise an und informieren sich über Umgangsformen und Verhaltensweisen der einheimischen Bevölkerung. Sie bringen die Bereitschaft mit, sich anzupassen. Dies ist besonders relevant bei Reisen in eher fremde Kulturkreise, die es immer zu respektieren gilt. Auf der Suche nach einer passenden Unterbringung können folgende Fragen eine Entscheidungshilfe sein: Fügt sich die Unterkunft harmonisch in das Landschaftsbild ein? Wie ist das Verhältnis zwischen Bettenangebot und Einwohnerzahl? Gibt es dort Essen aus der Region? Wer sind die Betreiber? Erdrückt der Tourismus den Ort oder gibt es eine gesunde Mischung? Ist das kulturelle Angebot vielfältig und repräsentiert es die Kultur des Gastlandes? Ist das Reiseziel eventuell mit der Bahn erreichbar?
Auch die Freizeitaktivitäten sollten sich an die Rahmenbedingungen anpassen. Ist es nötig, in der Wüsten Golf spielen zu müssen, was ein bewässerungsintensives Gelände erfordert? Ebenso sind Motocross-Touren im Regenwald oder Moorgebiet nicht wirklich ökologisch angemessen. Alternativen gibt es genug: Kanufahrten, Fahrrad- und Wandertouren, Kreativur-
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laub, Segeltörns, Trekking-Reisen. Und: Wer ein Urlaubssouvenir nach Hause mitnehmen will, findet beim traditionellen Kunsthandwerk viele Anregungen. Weiterhin spielt eine Rolle, welche Produkte im Lebensmittelbereich bevorzugt werden. Gibt es landestypisches Essen aus der Region oder ein standardisiertes Einheitsangebot? In vielen Urlaubsländern ist das Recycling-System noch nicht ausreichend entwickelt. Damit es den Touristen an nichts mangelt, werden jedoch zahlreiche Produkte angeboten, die einen Berg an Verpackungsmüll verursachen. Leere Plastikflaschen, Zigarettenkippen, kaputte Handys - das alles gehört leider inzwischen zum „Strandgut“ an etlichen Stränden in der Welt. Anders reisen kann auch bedeuten, die Landschaft und Kultur im eigenen Land intensiv zu erleben und zu entdecken. Der Prophet im eigenen Land zählt bekanntlich nichts. Beim Reisen trifft das allerdings nicht zu, denn immer mehr Menschen machen sich auf den Weg, um die Vielfalt Deutschlands zu erkunden.
Hinter dem Begriff Zukunftsfähiger Tourismus verbirgt sich also keine Reglementierung für Menschen, die gerne verreisen. Reiselust kann insbesondere auch ausleben, wer die Refugien der Erde achtet und die Menschen in den entsprechenden Kulturkreisen würdigt. Es geht darum, bewusster zu verreisen und mit einem Gefühl nach Hause zu kommen, sich nicht am Raubbau an der Natur beteiligt zu haben.
Problembereiche
Das Konzept des zukunftsfähigen Tourismus bietet deutliche Chancen für Veränderungen in der Reisebranche. Es kann aber nicht für alle Reisewilligen angeboten werden, denn ab einer bestimmten Sättigungsgrenze würde es wieder zu einem umweltschädlichen und sozial unverträglichen Massentourismus führen.
Häufig sind „sanfte“ Reisen kostenintensiver als die Ferienangebote aus dem Katalog und sie stellen, manchmal auch aus gesundheitlichen Gründen (z. B. bei Radtouren, Wanderungen) für viele Urlauber keine Alternative dar. Dadurch bleibt die Zahl der Interessierten relativ niedrig. Der potenzielle Markt für zukunftsfähigen Tourismus ist somit begrenzt und das Konzept ist nach wie vor ein Nischenprodukt.
Teilweise wird mit dem Begriff "sanft" auch fälschlicherweise geworben, denn manchmal wird nur ein Element aus dem vielfältigen Konzept verwirklicht. Beispielsweise wird mit Radwegen geworben, aber gleichzeitig sind Freizeitparks o. ä. Bestandteil der Angebotspalette der Urlaubsregion. Oft wird der Begriff auch nur als Marketinginstrument verwendet, um neue Kundengruppen zu gewinnen, aber die Sorge um die Umwelt wird dabei vernachlässigt.
Das Konzept hat jedoch langjährige Diskussionen ausgelöst und durchaus ein Umdenken eingeleitet, sowohl bei Anbietern und Politikern als auch bei einigen Reisewilligen. Es wurden Belastungsgrenzen für sensible Landschaftszonen definiert und diese so vor entsprechenden touristischen Übernutzungen geschützt. Wichtig für einen zukunftsfähigen Tourismus sind der Maßstab des qualitativen Wachstums und kein weiteres quantitatives Wachstum ohne Rücksichtnahme auf die lokalen ökologischen und soziokulturellen Ressourcen.
Das Thema im Unterricht
Schülerinnen und Schüler erhalten mit den vorgestellten Materialien die Gelegenheit, sich vielschichtig mit verschiedenen Eigenarten der Nordseeregion auseinander zu setzen (siehe markierte Stichworte in der Mind-Map) Sie erwerben exemplarische Kenntnisse über ökologische, soziale und wirtschaftliche Eigenheiten, aber auch über Konflikte in diesen Bereichen. Mit den erworbenen Kenntnissen sind sie in der Lage, Kriterien eines zukunftsfähigen Tourismus bei der Planung und der Durchführung einer Nordseereise zu berücksichtigen.
Es wird jeweils kurz und kompakt in das Thema eingeführt. Daraus entwickeln sich dann Forschertipps, die die Jugendlichen zu verschiedenen Aktionen anregen.
Die Lernenden können sich mit den Informationen sowohl zur Vorbereitung in der Schule als auch direkt an der Nordsee auseinandersetzten. Die ausgewählten Themen stellen natürlich nur eine Auswahl der möglichen zu behandelnden Schwerpunkte dar. Sie sollen exemplarisch verschiedene Sichtweisen auf die Urlaubsregion Nordsee ermöglichen.
Es bietet sich an, die verschiedenen Themenaspekte in Gruppen zu bearbeiten, die Ergebnisse zu präsentieren und Wesentliches dann z. B. in Form eines kleinen Reiseführers zusammenzufassen.
Quellenangaben
(Stand Juli 2010)
Eco Tip, Tourismen and Environment in Europe, Nachhaltiger Tourismus http://www.eco-tip.org/Nachhaltiger_Tourismus/nachhalt.htm
Entwicklungspolitik online (Hg.): Ausgaben für Reisen und Tourismus sollen 2007 weltweit auf 5,4 Billionen Euro steigen,
http://www.epo.de/index.php?option=com_content&task=view&id=2484&Itemid=34
Evangelischer Entwicklungsdienst, TourismWatch, Fairer Handel im Tourismus DANTE-Forum zu Fairer Handel im Tourismus | TOURISM WATCH Infodienst Dritte-Welt-Tourismus
Focus-online
Klimawandel und Klimaschutz, Klima und Energie - Wissenschaft - Wissen - FOCUS Online
Forum Umwelt und Entwicklung, http://www.forum-ue.de/
IPCC - Intergovernmental Panel on Climate Change
IPCC: Aufgaben der deutschen IPCC-Koordinierungsstelle
Öko-Institut, http://www.oeko.de/aktuelles/dok/544.php
Umwelt und Tourismus, Grundlagen für einen Bericht der Bundesregierung, Kurzfassung, Berlin 2001
Pressetext Austria, 2006 wird Rekordjahr für die Reise- und Tourismusindustrie http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=060515016
Spiegel online, Studie zu Reiseverhalten - Deutsche zieht es weiter in die Ferne, 15. Jan. 2008, http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,528687,00.html
Visit Verband, Europäische Plattform für Umweltzeichen im Tourismus http://www.ecotrans.org/visit/brochure/de/130.htm
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Arbeit zitieren:
Ute Fehnker, 2010, "An der Nordseeküste ..." - Dünen, Watt und Me(e)hr für Naturbegeisterte, München, GRIN Verlag GmbH
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