Inhalt
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Vorwort 4
1. Zwei Persönlichkeiten und ihre biografischen Besonderheiten 7
1.1 John F, Kennedys biografischen Besonderheiten 7
1.2 Barack Obamas biografischen Besonderheiten. 11
1.3 Biografische Parallelen und Differenzen 13
2. JF,K der jüngste Präsident der Vereinigten Staaten 17
2.1 Politische/historische Hintergründe: Amerika - Deutschland 17
2.2 JFK in Berlin. 21
2.2.1 Gründe des Berlinbesuchs für die USA und Deutschland 21
2.2.2 JFK-Fieber 25
2.2.3 Die Rede am Rathaus Schöneberg 27
3. JFKs Einfluss durch seine Berlin Reise in Deutschland 29
4. Obama der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten 32
4.1 Politische/historische Hintergründe: USA - Deutschland 33
4.2 US- Präsidentschaftswahlen - Obama besucht Berlin 38
4.2.1 Gründe des Berlinbesuchs für die USA und Deutschland 38
4.2.2 Obamania 41
4.2.3 Obamas Berlinrede an der Siegessäule 43
5. Hoffnungen - Obamas Einfluss in Europa am Beispiel Deutschland. 44
6. Obama, ein schwarzer Kennedy? 48
6.1 Historische und politische Hintergründe im Vergleich. 49
6.2 Politischen Gründe eines Berlin Besuchs im Vergleich. 50
2
2
6.3 Die Bedeutung der Reden im Vergleich ............................................................................................... 52
6.4 Die Emotionalität der Menschen im Vergleich..................................................................................... 53
7. Einfluss des Kennedy-Mythos auf Barack Obama....................................................................................... 54
8. Nachwort und Ausblick................................................................................................................................ 57
9. Bibliographie................................................................................................................................................ 61
3
„Wir erleben gerade tektonische Umbrüche in der Welt.“ 1 So antwortete Hans-Dietrich Genscher, eine herausragende politische Persönlichkeit der Nachkriegszeit, der ehemalige Außenminister und Vizekanzler am 10. Oktober 2008 in einem Interview der Süddeutschen Zeitung hinsichtlich einer Befragung über die US-Präsidentschaftswahl 2008. Seit der Bekanntgabe der Nominierung zum ersten schwarzen Präsidentschafts-kandidaten, Barack Obama, in der Geschichte der USA, verfolgte nicht nur die USA selbst, sondern auch Europa und vor allem Deutschland die US-Wahlen mit großer Spannung. Dem Wahlkampf der Vereinigten Staaten wurde so viel Interesse aus deutscher Sicht bekundet, wie noch keinem anderen. Historisch fällt der Wahlkampf ohnehin aus dem Rahmen. Zum ersten Mal seit mehreren Jahrzehnten trat weder der amtierende Präsident, noch der Vizepräsident zur Wahl an. Somit ermöglichte diese Situation den „open seat“ 2 . Die Kandidaten hatten die Chance sich ohne den Vorteil des Amtsinhabers gleichwertig zu präsentieren. Doch diese Tatsache spielt hinsichtlich der Interesse an der Wahl nur eine nebensächliche Rolle. Es sind die politischen, gesellschaftlichen und geschichtlichen Hintergründe der USA in Beziehung zu Europa und vor allem auf Deutschland, die eine signifikante Rolle im Bezug auf die Begeisterung der US-Wahlen spielen. Aufgrund der Bush-Administration mit den Kriegen im Irak und Afghanistan, sowie die schlechte wirtschaftliche Lage wegen der aktuellen Finanzkrise erhofft sich Amerika eine Veränderung, einen Neuanfang. Aber die Hoffnung besteht nicht nur im Westen, sondern auch im Osten der Welt. Die Regierung von George W. Bush schwächte die transatlantische Freundschaft zu Europa und somit auch zu Deutschland. Zwar konnten sich die Bundesrepublik und die Bush Regierung wieder zu einer Zusammenarbeit nach
1 Zit. nach Obama könnte Vertrauen zurück gewinnen, Interview mit Hans-Dietrich Genscher, in: SZ,
10.10.2008, [http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/politik/266/313174/text/], 16.12.2008.
2 . 2 Zit. nach Christoph von Marschall, Barack Obama, der schwarze Kennedy, Zürich ²2008, S. 14. 4
der Krise im Irakkrieg einigen, doch das negative Image gegenüber den USA blieb bei den Bürgern bestehen.
Der deutsch-amerikanische Koordinator der BRD, Karsten Voigt erklärt im Interview mit dem Auswärtigen Amt am 21. Februar 2008, dass sich Deutschland nach einem Amerika sehnt, mit dem es sich identifizieren kann. 3 „[…] es gab US-Präsidenten, wie John F. Kennedy, die in Deutschland als Idole verehrt wurden, solche Zeiten wünscht sich Deutschland zurück.“ 4
Mit dieser Aussage spiegelt Karsten Voigt die Gedanken Deutschlands während der US-Wahlen 2008 wieder. Seit der Nominierung zum Präsidentschaftsamt wird der afroamerikanische Demokrat, Barack Obama in Verbindung mit Kennedy gesetzt. Die Frage ob er der ‚schwarze Kennedy‘ sei, ist in den internationalen, sowie in den nationalen Medien stark umstritten worden. Vor allem der Besuch in Berlin und Obamas Rede an der Siegessäule im Juli 2008 veranlasste die Presse weitere Parallelen zwischen Kennedy und Obama zu suchen.
Dennoch gab es Journalisten die sich gerade zu diesem Vergleich sehr kritisch äußerten. So schrieb der Feuilleton Adrian Kreye von der süddeutschen Zeitung, dass der historische Vergleich ein „rhetorischer Taschenspielertrick“ 5 sei. Mit einem Satz lassen sich seiner Meinung nach mehr Größe simulieren, Behauptungen aufstellen und Emotionen mobilisieren, als mit jeder anderen Form der Demagogie. 6 Seine starke Kritik am historischen Vergleich ‚Kennedy - Obama‘ und die Tatsache über die häufig erwähnten Gemeinsamkeiten der beiden US-Präsidenten in den Medien veranlasste mich diese Arbeit zu schreiben.
Die nicht ab streitbare Tatsache ist, dass der damalige 35. Präsident John F. Kennedy und der jetzige US-Präsident Barack Obama eine Faszination in Deutschland auslösten. Beide waren bzw. sind außergewöhnliche Persönlichkeiten in einer geschichtsbedeutsamen Zeit. Beide Präsidenten nahmen auch durch die hervorgerufene Begeisterung des deutschen Volkes einen großen Einfluss auf die Bundesrepublik.
3 Deutschland ist Obama-Land, Interview von Karsten D. Voigt in: WZ, 21.02.2008,
[http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Infoservice/Presse/Interviews/2008/080221-Voigt-Westdt-
Ztg.html], 16.12.2008.
4 Zit. nach. ebd.
5 Zit. nach. Adrian Kreye, Wer ist der neue Kennedy? in: SZ, 30.01.2008, [http://www.sueddeutsche.de/
ausland/artikel/592/155188/], 16.12.2008.
6 Ebd.
5
Kennedy starb 1963 und hinterließ einen Mythos, der als Symbol für Hoffnung, Gemeinsamkeit und Zukunft steht. 7 Genau das erhoffen sich auch die USA, Europa und Deutschland durch Barack Obama.
Aus diesem Grund befasst sich die Arbeit mit dem Vergleich der beiden US-Präsidenten John F. Kennedy und Barack Obama im speziellen Bezug auf den Einfluss der beiden Persönlichkeiten in Deutschland.
In einem ersten Kapitel werden die wichtigsten und besonderen biografischen Aspekte aufgegriffen, um in einem weiterführenden Abschnitt diese zu vergleichen. Dabei werden vor allem die familiären Hintergründe miteinbezogen. Am Ende dieses ersten Abschnittes sollen die ersten eindeutigen Parallelen und Unterschiede der US-Präsidenten aufgezeigt werden.
Der darauf folgende Teil wird sich nur mit John F. Kennedy als US-Präsidenten beschäftigen. Die relevanten politischen und geschichtlichen Hintergründe, die im Bezug USA, Europa und Deutschland von Bedeutung sind werden hier erläutert. Danach folgt der direkte Bezug zu Deutschland. Es werden sowohl die Gründe der USA und die von Deutschland genannt, die für einen Berlinbesuch sprachen. Es wird auch die Faszination, das Kennedyfieber 8 in Deutschland angesprochen, sowie die berühmte Rede vor dem Rathaus Schöneberg. Abschließend wird zu diesem Kapitel der Einfluss von John F. Kennedy durch seine Reise in Deutschland dargelegt. Nachdem der Einfluss von Kennedy betrachtet worden ist, folgt auf gleiche Weise Obamas Einfluss in Europa und Deutschland, indem dieselben Punkte behandelt werden. Es wird ebenfalls auf die politischen und geschichtlichen Hintergründe eingegangen, bevor die Gründe einer Reise nach Berlin genannt werden. Obamas Besuch wurde ebenfalls bejubelt und so werden auch hier die wichtigsten Aspekte der „Obamania“ 9 , sowie der Berlin-Rede zusammengefasst, bevor die Bedeutung des Besuchs bezüglich des Einflusses auf Deutschland ermittelt wird. Diese beiden letzten Abschnitte der Arbeit sollen dazu dienen, einen umfangreichen Vergleich zwischen Kennedy und Obama darzustellen.
7 Ebd.
8 Zit. nach Andrea W. Daum, Kennedy in Berlin. Politik, Kultur und Emotionen im Kalten Krieg,
Paderborn 2003, S. 17.
9 Nina Baumann, Bloß nicht zu viel JFK, 29.08.2008,[http://www.focus.de/politik /ausland/uswahl/tid-
11215/obama-rede-bloss-nicht-zu-viel-jfk_aid_319644.html], 16.12.2008. 6
In dem darauf folgenden Kapitel werden noch einmal die wichtigsten Vergleichspunkte noch einmal hervorgehoben. Hierzu werden die politischen Hintergründe, die Gründe für einen Berlinbesuch, sowie die Emotionalität der Deutschen, während des Besuchs in der Landeshauptstadt miteinander verglichen und bewertet. Dabei sollen die beiden gehaltenen Reden der US-Präsidenten die Argumente unterstützen. Nachdem durch vorhergegangene Informationen ein argumentationsreicher Vergleich aufgestellt worden ist folgt eine Prognose, indem der Einfluss des Kennedy Mythos auf die Erwartungen an Obama diskutiert wird.
Abschließend wird ein Resumée die wichtigsten Aspekte auffassen und mit Hilfe des letzten Kapitels einen gebührenden Ausblick ermöglichen.
1. Zwei Persönlichkeiten und ihre biografischen Besonderheiten
Obama und Kennedy haben eine unumstrittene Gemeinsamkeit. Beide haben das amerikanische Präsidentschaftsamt angenommen und sind somit US-Präsident geworden. Mithilfe biografischer Aspekte von beiden Persönlichkeiten sollen signifikante Merkmale aus den Lebenswegen zeigen, ob sich wichtige Parallelen und Differenzen bezüglich des Vergleichs der beiden Präsidenten hervorheben.
1.1 John F, Kennedys biografischen Besonderheiten
Kennedy war der 35. Präsident der Vereinigten Staaten, der in den Jahren 1961-1963 regierte. Dass er es soweit schaffte verdankt er nicht nur seinem eigenen Talent, sondern auch seiner Kindheit, seiner Familie, seiner Vergangenheit. Sein Lebensweg ist eng mit der politischen und ideologischen Auseinandersetzung des 20. Jahrhunderts verflochten. Als John Fitzgerald Kennedy am 29. Mai 1917 in Brooklyn Massachusetts 10 geboren wurde, herrschte der 1. Weltkrieg und die russische Oktoberrevolution.
10 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland1917-1963 John F. Kennedy, o.D,
[http://www.hdg.de/lemo/html/biografien/KennedyJohnF/], 16.12.2008. 7
Seine Familie war streng katholisch und irisch-amerikanischer Abstammung. Für seine Eltern Joseph P. Kennedy 11 und Rose F. Kennedy 12 war JFK der zweitälteste Sohn nach Joseph Kennedy Jr. Insgesamt bestand die Familie später aus 9 Kindern die zwischen 1915 und 1932 zur Welt kamen. Sein zwei Jahre älterer Bruder, der im Oktober 1915 geboren wurde 13 , spielte in Kennedys früher, sowie späterer Kindheit eine bedeutsame Rolle, indem ständige Konkurrenz zu dem körperlich überlegenen Bruder bestand. So erzählte Kennedy in einem Interview, dass ihm während seiner sonst so schönen Kindheit nur die Rivalität zwischen ihm und seinem Bruder Probleme bereitete. 14 Kennedy verlor zunächst den Wettkampf gegen seinen Bruder in der Schule. Beide besuchten die Dexter-Privatschule in Boston. 15 Kennedys schulische Leistungen waren von Anfang an schlechter als die seines Bruders. 16 Als die Familie im Jahr 1927 in die Nähe von New York zog, da dort die Diskriminierung von irischen Amerikanern weniger ausgeprägt war 17 , verschlechterten sich Kennedys Noten und seine Eltern schickten ihn in ein Internat.
Kennedy blieb in seiner kompletten Schulzeit im Schatten seines Bruders stehen. Das geschah nicht nur aufgrund der Bevorzugung und der besseren schulischen Leistungen, sondern es lag größtenteils auch an Kennedys schlechter Gesundheit, die ihm selbst zu schaffen machte 18 . Kennedy war in seinem ganzen Leben sehr oft über längere Zeit lang krank.
Als er im Jahr 1935 seinen Schulabschluss machte, reiste er zum ersten Mal nach Europa. Dort studierte er für ein paar Wochen an der ‚School of Economic‘ in London. Doch aus Krankheitsgründen musste er nach nur kurzer Zeit zurückkehren. Nach seiner Genesung besuchte Kennedy auf Wunsch seines Vaters die ‚Princeton‘, wo er aber nur ein Semester studierte 19 . Wieder auf Wunsch des Vaters wechselte Kennedy 1936 nach Harvard und setzte dort sein Studium fort. Auch sein älterer Bruder Joseph K. Jr.
11 Ebd.
12 Ebd.
13 Ebd.
14 Thomas C. Reeves, John F. Kennedy. Die Entzauberung eines Mythos, Hamburg 1992, S. 38 und
Georg Schild, John F. Kennedy. Mensch und Mythos. Zürich ²2006, S. 12.
15 Reeves, John F. Kennedy, S. 66.
16 Ebd., S. 62f.
17 Schild, John F. Kennedy, S. 11 und Robert Dallek, John F. Kennedy. Ein unvollendetes Leben,
München 2003, S. 39.
18 Reeves, John F. Kennedy, S. 62f. und Dallek, John F. Kennedy, S. 42f.
19 Dallek, John F. Kennedy, S. 46. 8
studierte dort und der direkte Vergleich zeigte, dass Kennedys Leistungen zwar schlechter waren, er selbst aber mehr Beliebtheit errang als sein Bruder 20 . Dennoch galt der Wettbewerb mit seinem Bruder für Kennedy nicht nur als ein Ansporn um besser zu werden, sondern er stellte auch eine Quelle der Frustration dar. Sein älterer Bruder stand immer im Mittelpunkt der Familie 21 . „Es war der Anspruch des Vaters, dass sein Sohn Präsident werden sollte.“ 22 Als Joseph Kennedy Jr. 1944 während des 2. Weltkrieges bei einem Flugeinsatz als Soldat gefallen war und die Familie trauerte, dachte JFK, dass durch den Verlust seines Bruders, dieser jetzt endgültig den ersten Platz bei seinem Vater eingenommen hatte 23 . Doch durch den Tod des einen Sohnes setzte die Familie jetzt die Hoffnung in Kennedy. Sein Vater wandte sich John zu. 24 Der Einfluss auf Kennedys weiteres Leben war von dort an stark durch seinen Vater geprägt.
Schon noch zu Lebzeiten seines älteren Bruder profitieren beide Brüder durch den Einfluss des Vaters. Dieser war ein bekannter amerikanischer Geschäftsmann und Politiker in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Kennedy Senior spekulierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit großem Erfolg an der noch weitgehend ungeregelten New Yorker Börse und schuf sich damit ein Vermögen von mehren Millionen Dollar. 25 1937 wurde Kennedys Vater zum amerikanischen Botschafter in England ernannt, was nicht nur die Familie stärkte, sondern vor allem auch mehr Interesse der Gesellschaft an den Kennedys und somit später auch an JFK bedeutete. Durch den Beruf seines Vaters eröffnete sich die Chance mehrere Reisen durch Europa vorzunehmen und mit Hilfe der Beziehungen von Kennedy Senior verschiedene Diplomaten Europas kennen zu lernen. 26
20 Dallek, John F. Kennedy, S. 49-52.
21 Schild, John F. Kennedy, S. 12.
22 Zit. nach Nina Baumann, Bloß nicht zu viel JFK, 29.08.2008,[http://www.focus.de/
politik/ausland/uswahl/tid-11215/obama-rede-bloss-nicht-zu-viel-jfk_aid_319644.html], 16.12.2008.
23 Dallek, John F. Kennedy. S. 103.
24 Schild, Hohn F. Kennedy, S. 27.
25 Ebd., S. 11.
26 Dallek, John. F. Kennedy, S. 55f. 9
Der weitere Einfluss zeigte sich an dem von Kennedy veröffentlichten Buch „Why England slept“ 27 , welches zunächst seine Abschlussarbeit von 1940 darstellte. Mit Hilfe des Vaters wurde das Buch erfolgreich veröffentlicht.
Die nächste Wirkung des Vaters entpuppte sich 1941. JFK wünschte sich zu der US-Marine gehen zu können, doch seine schlechte Gesundheit hinderte ihn daran. Unter dem Einfluss des Vaters bekam Kennedy schließlich doch einen Platz in der US-Marine.
Kennedy Senior wurde somit immer mehr Karrierewächter seines Sohnes. So schreibt auch Thomas Reeves in seiner Biographie über Kennedy, dass der Vater ehrgeizige Pläne mit Kennedy vor hatte. 28
So schaffte es auch Kennedy 1946, mit 28 Jahren den angestrebten Sitz im US-Repräsentantenhaus zu gewinnen 29 . Tatsächlich wurde Kennedy mit 60.000 zu 26.000 Stimmen in den Kongress gewählt 30. Doch John sah das Repräsentantenhaus nur als Zwischenstation. Schließlich ging seine Karriere schnelle weiter. Schon im November 1952 wurde er in den Senat gewählt.
In dieser Zeit unternahm Kennedy viele Europareisen, in denen er mehrere Kontakte mit Außenpolitikern knüpfte 31 . Im Jahr 1953 heiratete er am 12. September seine Frau Jaqueline Bouvier, von Beruf Journalistin, in Paris, mit der er später 2 Töchter bekam. Nachdem er 1958 mit 74% 32 wieder in den Senat gewählt worden war, erklärte er 1960 seine Kandidatur zum Präsidentschaftsamt. Der Einfluss seines Vaters nahm für diesen politischen Werdegang weiterhin eine große Rolle ein. Denn nicht nur durch den bekannten Vater, sondern vor allem auch mit Hilfe der vorhandenen finanziellen Mittel konnte sich Kennedy einen teuren Wahlkampf erlauben. So kaufte Kennedy Senior seinem Sohn ein Privatflugzeug, indem sein Sohn 1959 und 1960 knapp 200.000km zurücklegte 33
27 Zit. nach. Schild, John F. Kennedy, S. 20.
28 Reeves, John F. Kennedy, S. 103.
29 Ebd., S. 113.
30 Schild, John F. Kennedy, S. 30.
31 Ebd., S. 36.
32 Ebd., S. 43.
33 Ebd., S. 44. 10
Am 9. November 1960 siegte Kennedy mit nur 100.000 Stimmen Vorsprung vor dem Gegenkandidaten und Vizepräsidenten Richard M. Nixon. 34 Der 43 jährige John F. Kennedy wurde somit zum jüngsten und ersten katholischen Präsidenten der Vereinigten Staaten.
1.2 Barack Obamas biografischen Besonderheiten
Im Jahr 1961, als der jüngste Präsident der Vereinigte Staaten, John F. Kennedy, regierte, der Kalte Krieg die Spaltung Deutschlands durch den Mauerbau herbeiführte, wurde Barack Hussein Obama am 4. August in Honolulu, Hawaii geboren. Sein Vater Barack Hussein Obama Senior stammte aus Kenia, seine Mutter Stanley Ann Dunham war eine weiße Amerikanerin aus Kansas. Obamas Großeltern waren angesehen Bauern, so bekam Obamas Vater für Nairobi und später für amerikanische Universitäten Stipendien.. 35
Obamas Vater gehörte „zur ersten große Welle von Afrikanern, die im Westen studierten“. 36 Seine Eltern lernten sich während des Studiums kennen. Nachdem sie kurzfristig heirateten und Barack auf die Welt kam erhielt der junge Vater ein Stipendium für Harvard. Aus Mangel an Geld wird die Familie in zwei geteilt. Obamas Vater tritt sein Studium in Harvard an, während Obama und seine Mutter in Hawaii bei den Großeltern zurück blieben.
Als die Familie die Trennung beschließt ist Obama gerade 2 Jahre alt. Die väterliche Rolle fehlt Obama. So schrieb der jetzige US-Präsident in seiner Biografie: „Mein Vater war ein Mythos für mich, übergroß und irreal.“ 37 Die Bedeutung des Vaters blieb im alltäglichen Leben haften. So schrieb Obama weiter in seiner Biografie, dass er häufig mit seinen Großeltern und seiner Mutter über seinen Vater sprach. Obama zeigte großes Interesse mehr über ihn zu erfahren. Er wollte so werden wie er. Obwohl sein Vater nicht bei ihm lebte, nahm er indirekt eine Vorbildfunktion für Obama ein. Grund dafür waren unter anderem auch die Großeltern. So erklärte der Großvater Barack, dass er Selbstvertrauen von seinem Vater lernen könnte. Das sei das Geheimnis erfolgreicher
34 Dallek, John F. Kennedy, S. 249.
35 Barack Obama, Ein amerikanischer Traum, Die Geschichte meiner Familie. München 2004, S. 27.
36 Zit. nach ebd., S. 27.
37 Zit. nach ebd., S. 23. 11
Menschen. 38 . Später reflektierte Obama die Stellung seines Vaters in seiner Biografie. Unter anderem stellte er fest, “ Ich war damals zu jung um zu wissen, dass ich einen anwesenden Vater brauchte.“ 39 1964 trennen sich Obamas Eltern endgültig. Sein Vater absolviert sein Studium und beschließt danach bei dem Aufbau Kenias zu helfen. 1967 heiratet Obamas Mutter einen Indonesier, mit dem sie eine Tochter namens Maya 40 bekommt. Zwischen 1967 und 1971 lebt die neue Familie auf einer Farm in Indonesien. Obama schrieb in seiner Biografie, dass er Hunde und Schlangenfleisch aß, Tiere werden einfach getötet und durch die vielen Monsunregen wurden oft Hütten fortgerissen. „Ich lernte, dass die Welt brutal, unberechenbar und oft grausam war.“ 41 Obamas Mutter war die Schulbildung ihres Sohnes von großer Bedeutung, doch durch den Mangel an Geld konnte sich die Familie keine internationale Schule leisten, so besuchte Obama indonesische Schulen und belegte zusätzlich US-Fernkurse. Auch wenn seine Mutter sich um die Erziehung ihres Sohnes sehr bemühte, so fehlte Obama die Rolle und Zielstrebigkeit des Vaters. So schrieb er “Ihrer Liebe war ich mir sicher, doch ich musste erkennen, dass ihr Blick auf die Welt unvollständig war“ 42 . So beschloss Obama 1971 zurück nach Hawaii zu gehen. Während er die Eliteschule ‚Punahou‘ 43 besuchte, lebte er bei seinen Großeltern. In der Schule bekam Obama Probleme. Er litt unter Mobbing, fühlte sich unfrei und geriet immer mehr in die falsche Richtung. So berichtet Obama selbst, dass er Drogen nahm, um zu seiner Identität zu finden 44 . Dennoch schaffte er es die Schule 1979 mit Auszeichnung zu absolvieren, bevor er an das ‚Occidental College‘ in Los Angeles ging. Obama beschließt jedoch zwei Jahre später an die Columbia University zu wechseln, um dort nach drei Jahren, also 1983, seinen Bachelor für Politikwissenschaften mit Schwerpunkt Internationaler Beziehung erfolgreich abzuschließen.
Danach arbeitete Obama eine längere Zeit in Chicago bei gemeinnützigen Organisationen, die sich unter anderem um die Kinder aus Elendsvierteln kümmerten. Obama berichtet in seiner Biografie ausgiebig über diese erlebte Zeit. Währenddessen
38 Ebd., S. 26.
39 Zit. nach ebd., S. 44.
40 Ebd., S. 63.
41 Zit. nach ebd., S. 54.
42 Zit. nach ebd., S. 68.
43 Ebd., S. 73.
44 Ebd., S. 108. 12
erhält Obama von seiner Halbschwester (väterlicher Seite) Auma 45 Besuch. Diese teilt ihm mit, dass sein Vater verstorben ist. Seine Gedanken in diesem Augenblick fasste er wie folgt zusammen. „Mein Leben lang hatte ich ein einziges Bild von meinen Vater in mir getragen[…], Der brillante Harvardabsolvent, der großzügige Freund[…] er war ja nie präsent gewesen, das Bild hatte also nie einen Kratzer abbekommen.“ 46 “Die Träume meines Vaters hatten mich zumindest vor der Verzweiflung bewahrt, nun war er tot, wirklich tot. Er konnte mir nicht mehr sagen, wie ich leben sollte.“ 47 Obama bemerkte, dass sein Leben von nun an noch mehr von sich aus geplant werden müsste. Dieses meisterte er auch sehr erfolgreich. Nach einer längeren Reise nach Europa und Kenia, studierte er noch einmal und absolvierte nach 1991 sein Jurastudium in Harvard. Von dort an arbeitete er als Anwalt für Bürgerrechte in Chicago. 1992 heiratete er seine Frau Michelle mit der er später 2 Töchter bekam.
Obama wurde durch sein erfolgreiches Engagement im Bürgerrecht immer bekannter. Er engagierte sich häufiger und intensiver mit der Politik, sodass er 1996 als Abgeordneter für den Senat Illinois gewählt wurde. 48 Seine politische Karriere setzte sich fort, indem er 2005 sein erstes Amt im US-Senat antrat. Sein politischer Aufstieg in nur knapp 13 Jahren ist bemerkenswert, desto anerkennenswerter ist es, dass er in den letzten USA-Wahlen im Jahr 2008 als 2. jüngster und als erster afroamerikanischer Präsidentschaftskandidat die Wahl für sich entschieden hat.
1.3 Biografische Parallelen und Differenzen
Um den Vergleich zwischen zwei Menschen anzutreten, ist es sinnvoll speziell auch die jeweiligen Biografien miteinander zu vergleichen. Denn gerade diese stellen oft das Fundament der Persönlichkeit dar.
John F. Kennedy und Barack Obama zeigen in ihrer Vergangenheit einige Gemeinsamkeiten. Die erste Parallele lässt sich anhand der Herkunft ausmachen. Durch seine
45 Ebd., S. 150.
46 Zit. nach ebd., S. 232.
47 Zit. nach ebd., S. 223
48 Ebd., S. 128. 13
Arbeit zitieren:
Kathrin Unger, 2009, Kennedy und Obama - Vergleich des Einflusses zweier US-Präsidenten auf Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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