Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Hauptteil 5
2.1 Die Person Pius XII. 5
2.1.1 Herkunft und Familie 5
2.1.2 Kindheit und Erziehung 6
2.1.3 Priesterausbildung 7
2.2 Kirchlicher Werdegang bis zur Papstwahl 8
2.2.1 Apprendista im Staatssekretariat 8
2.2.2 Die Modernismuskrise 9
2.2.3 Architekt des Codex Iuris Canonici 10
2.3 Die Zeit der Konfrontationen 11
2.3.1 Das serbische Konkordat von 1914 11
2.3.2 Nuntius in Deutschland 12
2.3.3 Die Weimarer Republik 13
2.3.4 Abschied von Deutschland 15
2.3.5 Kardinalstaatssekretär 15
2.3.5 Kontakt mit Hermann Göring 16
2.3.7 Das Reichskonkordat 1933 16
2.3.6 „Mit brennender Sorge“ 19
2.4 Das Pontifikat 20
2.4.1 Tod Pius XI. und Papstwahl 20
2.4.2 Der Zweite Weltkrieg - Friedensbemühungen 21
2.4.3 Die Nachkriegszeit 23
2.4.4 Tod Pius XII. 24
2.5 Theologische Linien des Pontifikates Pius XII. -
Die Enzyklika „Divino Afflante Spiritu“ 26
2.5.1 Eine historische Annäherung 26
2.5.1 Die Enzyklika 27
2.5.3 Pius XII. als klassischer Papst - ein Vergleich mit Benedikt XVI. 29
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3. Schluss 31
3.1 Zusammenfassung 31
3.2 Beurteilung 32
4. Quellen- und Literaturverzeichnis 33
Quellen 33
Literatur 33
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1. Einleitung
Ziel dieser Arbeit ist eine knappe Annäherung an Papst Pius XII., den Papst, der in einer der schwierigsten Phasen des 20. Jahrhunderts das Pontifikat innehatte. Anhand einiger biographischer Betrachtungen soll seine Persönlichkeit herausgearbeitet werden, was eventuelle Rückschlüsse auf seine Entscheidungen zulassen könnte. Durch das Aufzeigen der wissenschaftlich und historisch konträr geführten Diskussion über diesen Papst wird in den Ausführungen versucht, die verschiedenen Ansätze aufzugreifen und darzustellen.
Um die Bedeutung des Papstes, der in der Krisenzeit des 2. Weltkrieges sein Pontifikat begann, weiter zu erläutern, folgt der biographischen Betrachtung, die nähere Analyse der 1943 veröffentlichten Enzyklika „Divino Afflante Spiritu“, die als richtungsweisendes Werk gilt.
Zum Abschluss erfolgt eine Verknüpfung mit der Gegenwart, in der, anhand eines Vergleiches mit Benedikt XVI., die Entwicklung der klassischen Papstgestalt Pius XII. hin in die Moderne aufgezeigt werden soll.
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2. Hauptteil
2.1 Die Person Pius XII.
2.1.1 Herkunft und Familie
Pius XII. wurde am 02.März 1876 in Rom unter dem bürgerlichen Namen Eugenio Pacelli geboren. Seine Eltern waren der Konsistorialadvokat Filippo Pacelli und dessen Ehefrau Virginia Pacelli, geb. Graziosi. 1
Die Mutter, eine geborene Römerin, war wohl eine treue und fromme katholische Christin und entstammte einem zutiefst durch den Glauben geprägten Umfeld. Von ihren insgesamt 12 Geschwistern wurden zwei Brüder Priester und zwei Schwestern Ordensfrauen. 2 Der Vater, Filippo Pacelli, entstammte nicht, wie später angenommen wurde, einem Adelsgeschlecht. Die erste Verbindung zum heiligen Stuhl in Rom läßt sich durch den Großvater Pius XII. herstellen. Dieser, Marcantonio Pacelli (1804-1890), erreichte 1819 Rom, um dort Kirchenrecht zu studieren. Im Jahre 1834 war er Anwalt am Tribunal der Sacra Rota, einem kirchlichen Gerichtshof, der im Gegensatz zu den Ausführungen Cornwells nicht nur mit Entscheidungen bezüglich Ehestreitigkeiten beauftragt war. Die Sacra Rota war, vor dem Verlust des Kirchenstaates 1871, als zweite und dritte Instanz für zivile Prozesse den Kirchenstaat betreffend sowie geistliche Prozesse mit einem Streitwert von über 500 Scudi zuständig. 3 Marcantonio erreichte schließlich eine Schlüsselstellung als Beamter im Dienste Pius IX. 4
Das Pontifikat Pius IX. war geprägt durch die Auseinandersetzungen des Kirchenstaates mit der sich neu formierenden italienischen Republik. Pius IX., auch Pio Nono genannt, versuchte vergeblich das Territorium des Kirchenstaates für die Kirche zu erhalten. Bereits 1860 hatte die neue Republik unter König Vittorio Emanuele II. alle päpstlichen Besitztümer, außer der Stadt Rom, besetzt. Nur zehn Jahre später wurde auch Rom von italienischen Truppen besetzt und dem Papst wurde daraufhin die Quadratmeile der heutigen Vatikanstadt zugesprochen. 5 Marcantonio Pacelli blieb Pius IX. treu ergeben und verließ nicht, wie viele seiner Kollegen, den Arbeitsplatz im Vatikan, um eine besser dotierte Stellung in der neuen Verwaltung der Republik anzunehmen. Die Einstellung Marcantonio Pacellis gegenüber Liberalismus und
1 Vgl. Cornwell, S.28-31.
2 Ebd. S.28.
3 Vgl. Feldkamp, S.8.
4 Vgl. Cornwell, S.23f.
5 Ebd. S.23-27.
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Demokratie dürften wahrscheinlich von Abneigung geprägt gewesen sein, da er als linientreuer Gefolgsmann Pius IX. angesehen werden kann. 6
Einer der Söhne Marcantonio Pacellis, Filippo Pacelli, der Vater Pius XII., wurde 1837 geboren und wählte die berufliche Laufbahn seines Vaters. Wie sein Vater studierte er Kirchenrecht und wurde in die Sacra Rota berufen, bis er Vorsitzender des Kollegiums der Anwälte des Heiligen Stuhls (Konsistorialadvokaten) wurde. 7 In diese familiäre Konstellation wurde Pius XII. hinein geboren und in einem sozialen Umfeld erzogen, dass durch tiefste katholische Frömmigkeit, Bescheidenheit und der Gewissheit geprägt war, dass der Papst größtes Unrecht erleiden musste. 8
2.1.2 Kindheit und Erziehung
„In unseren Augen war er bereits als Priester zur Welt gekommen.“ 9 So beschreibt Elisabetta, die jüngste Schwester Pius XII., die Reaktion der Familie auf die Entscheidung des damals Achtzehnjährigen Eugenio Pacelli Priester zu werden.
Es war anscheinend keine Überraschung sondern nur logische Konsequenz aus der Erziehung und der tiefen Spiritualität des jungen Eugenio Pacelli. Nach dem Besuch eines Kindergartens, der von zwei Ordensschwestern geführt wurde, besuchte Eugenio Pacelli eine private katholische Grundschule. Mit zehn Jahren begann seine Ausbildung auf dem humanistischen Liceo Quirino Visconti, einer staatlichen Schule, die dadurch eher antiklerikal und antikatholisch ausgerichtet war. Anscheinend versuchten die Eltern ihren Kindern das Leben der nicht durch die Kirche geprägten Erziehung nicht vorzuenthalten. Andererseits genossen alle Kinder der Pacellis die beste klassische Erziehung, die in Rom zu erhalten war.
Laut Aussagen seiner Geschwister war Eugenio Pacelli ein zarter Knabe von großer Intelligenz und enormer Auffassungsgabe. Vor allem die modernen und klassischen Sprachen lagen ihm sehr. 10
Über die familiäre Erziehung sind nicht viele Zeugnisse erhalten, doch berichtet die jüngste Schwester Elisabetta, dass ihre Eltern „Menschen von großer Rechtschaffenheit waren.“ 11 Die
6 Vgl. Cornwell, S.27.
7 Ebd. S.28-30.
8 Ebd. S.30.
9 Ebd. S.38.
10 Ebd. S.33.
11 Ebd.
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Mutter hielt die Kinder wohl an vor dem häuslichen Marienaltar zu beten und am Abend wurde vor dem Essen der Rosenkranz gebetet. 12
Nach seinem Abschluss an der höheren Schule begab sich Eugenio Pacelli in Exerzitien. In der Kirche St. Agnese durchlebte er die „Geistlichen Übungen“ des Heiligen Ignatius von Loyola und fasste den Entschluss Priester zu werden. 13
2.1.3 Priesterausbildung
Im November 1894 schrieb sich Eugenio Pacelli im Almo Collegio Capranicense ein und belegte parallel einen Philosophiekurs an der Jesuitenuniversität, der Gregoriana, in Rom. Der Beginn seines Theologiestudiums fiel zeitlich gesehen genau in die Zeit des Höhepunktes des Pontifikates Leos XIII., der weitreichende akademische Initiativen einleitete. Vor allem ist die Öffnung der vatikanischen Archive für nichtkatholische und katholische Gelehrte, durch ihn, zu nennen. Die Enzyklika „Rerum novarum“ aus dem Jahr 1891 stellte nach Jahrzehnten eine Stellungnahme des Papstes zu den Werken von Marx und Engels dar. Der Papst machte jedoch unmissverständlich deutlich, dass der Sozialismus illusorisch und mit Klassenhass und Atheismus gleichzusetzen sei.
Wiederbelebt wurden durch Leo XII. allerdings die intensiven Studien der Werke des Thomas von Aquin. Durch die Enzyklika „Aeterni Patris“ aus dem Jahr 1879 wurde der Schwerpunkt des Pontifikates Leos XII. im später genannten Thomismus oder Neo-Thomismus deutlich. Der Thomismus bezeichnet eine globale geistige Zusammenführung der verschiedenen Aspekte des gläubigen Lebens und deren Umwelt. Die Wahrheiten der Offenbarung, das Reich des Übernatürlichen, das physische Universum, die Natur, die Gesellschaft, die Familie und das Individuum sollten darin integriert werden. 14 1892 wurde der Neo-Thomismus durch Leo XII. verbindlich an den katholischen Universitäten und Priesterseminaren eingeführt. In diesem Klima der Veränderung begann für Eugenio Pacelli die kirchliche Laufbahn mit einer unerwarteten Wendung. Im Sommer 1895, am Ende des ersten Studienjahres, verließ Pacelli das Almo Collegio Capranicense und die Gregoriana. Grund war wahrscheinlich seine seit frühester Kindheit angeschlagene Gesundheit, die, nach Ausführungen seiner Schwester Elisabetta, mit der schlechten Verpflegung im Collegio nicht zurechtkam. Der Vater ermöglichte es durch seine guten Kontakte am Vatikan eine Sonderregelung für seinen Sohn zu erwirken, so dass Eugenio Pacelli seine Studien fortsetzen konnte, aber daheim wohnte. So
12 Vgl. Cornwell, S.33.
13 Ebd. S.38.
14 Vgl. Cornwell, S.38f.
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begann er seine Studien im Herbst 1895 am Athenäum S. Appollinare (Bibelwissenschaften und Theologie) und an der Sapienza (Sprachen).
Viel ist über sein weiteres Studium und seine Vorbereitungen auf den Priesterstand nicht überliefert, da sich Eugenio Pacelli im Umfeld seiner Familie darauf vorbereitete, allerdings bestand er die erforderlichen Examina und wurde am 02. April 1899, mit 23 Jahren, zum Priester geweiht.
Die Weihe fand jedoch nicht gemeinsam mit allen anderen Anwärtern in S. Giovanni in Laterano statt, sondern Eugenio Pacelli wurde alleine in der Privatkapelle des Erzbischofs und Patriarchen von Antiochien, Francesco Cassetta de Paula (1826-1919), zum Priester geweiht. 15
Es wird bereits hier deutlich, dass Eugenio Pacelli es wiederholt erreichte, und vielleicht sogar bevorzugte, von seinen Altersgenossen getrennt zu werden. Am folgenden Tag feierte er die Primiz in der Basilika Santa Maria Maggiore. 16 Seine Ausbildung schloss der junge Eugenio Pacelli mit einem Doktorgrad ab, der allerdings heute eher mit einem Lizenziat zu vergleichen ist. Er begann bereits im Herbst des gleichen Jahres am Athenäum S. Apollinare kanonisches Recht zu studieren, um seine wissenschaftliche Ausbildung zu vertiefen und zu erweitern.
2.2 Kirchlicher Werdegang bis zur Papstwahl
2.2.1 Apprendista im Staatssekretariat
Zu Beginn des Jahres 1901 wurde Eugenio Pacelli von Monsignore Pietro Gaspari, dem Sekretär der Kongreagtion für außerordentliche Angelegenheiten, zu Hause aufgesucht. Der Monsignore eröffnete ihm ein ganz besonderes Stellenangebot in seinem Wirkkreis. Nur einige Tage später wurde Eugenio Pacelli offiziell als apprendista in der Kongregation eingestellt und schon einige Wochen später wurde er von Leo XIII. damit beauftragt ein Kondolenzschreiben anlässlich des Todes der englischen Königin Victoria zu verfassen und persönlich in London an König Edward VII. zu überbringen. Eugenio Pacelli war damals 25 Jahre alt und mit solch einer Aufgabe betraut zu werden bedeutete wohl, dass im Vatikan noch viel von ihm erwartet wurde. 17
Neben seinen Aufgaben innerhalb des Vatikan fand Eugenio Pacelli noch weitere Beschäftigungsfelder. So übernahm die Stelle eines Lektor am Athenäum S. Apollinare und
15 Vgl. Feldkamp, S.12.
16 Vgl. Cornwell, S.42 & Feldkamp, S.12.
17 Vgl. Cornwell, S.51f.
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später eine Nebenanstellung an der Academia dei Nobili Ecclesiastici, an der er Zivil- und Kirchenrecht lehrte. 18
Von Bedeutung für seine weitere berufliche Laufbahn war die Dissertation, für die er 1904 einen Doktorgrad erhielt. Thematischer Schwerpunkt dieser Arbeit war die Struktur der Konkordate, also die rechtlichen Beziehungen zwischen Kirche und Staat. Nach der Beförderung in die Stellung eines minutante, folgte die Beförderung zum päpstlichen Kammerherrn mit dem Titel eines Monsignore und ein Jahr später erfolgte die Beförderung in den Rang eines Hausprälaten. 19
Nach dem Tode Leos XIII. und der anschließenden spektakulären Papstwahl wurde eine Zeit der Erschütterungen eingeläutet.
Zu Beginn des Konklave schien Kardinalstaatssekretär Mariano Rampolla (1843-1913) der erfolgreichste der papabili zu sein, allerdings nutzte Kaiser Franz Joseph von Österreich sein Vetorecht und machte somit die Wahl Rampollas unmöglich. Letztendlich fiel die Wahl auf den unerfahrenen sechsundsechzigjährigen Giuseppe Sarto, der den Namen Pius X. annahm. Diese Intervention durch eine weltliche Macht bei einer Papstwahl dürfte Eugenio Pacelli weiter darin bestärkt haben die Beziehungen zwischen Kirche und Staat zu untersuchen und rechtlich darauf hinzu arbeiten das eine solche Einmischung seitens einer weltlichen Macht nicht mehr möglich sein konnte. 20
Das Pontifikat Pius X. war geprägt von seinem Misstrauen gegen alle intelektuellen und modernen Dinge. Sein oberstes Ziel galt der Erneuerung des Spirituellen Lebens, der wahren Frömmigkeit. 21
2.2.2 Die Modernismuskrise
Die Skepsis und Ablehnung Pius X. gegenüber jeglichen Bestrebungen der Modernisierung innerhalb der Kirche veranlasste den Papst dazu rigoros gegen Anhänger des so genannten Modernismus vorzugehen. 22 Monsignore Umberto Begnini, Mitarbeiter in der Abteilung für außergewöhnliche Angelegenheiten im Staatssekretariat, wurde von Pius X. mit der Verfolgung und Ausmerzung dieser Anhänger beauftragt. 23
Daraufhin entfaltete sich eine Atmosphäre der Unsicherheit innerhalb der katholischen Kirche, vor allem innerhalb der Gruppe der wissenschaftlich arbeitenden Theologen.
18 Vgl. Cornwell, S.52.
19 Ebd.
20 Ebd. S.54f.
21 Ebd.
22 Ebd. S.56
23 Vgl. Cornwell, S.56f.
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