Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung 1
1 Das religiös Anliegen 2
2 Mani und die Manichäer 3
3 Die Paulikaner 5
3.1 Entstehung und die frühen Paulikaner 5
Paulikaner des 9. Jahrhunderts nach griechischen Quellen 3.2 6
3.3 Glaube und Leben der Paulikaner 7
3.4 Das Ende der Paulikaner? oder der Anfang der Pauliner? 8
4 Die Bogomilen 9
4.1 Die Bogomilen in Bulgarien und im byzantinischen Reich 9
4.2 Die Bogomilenmission 11
4.2.1 Serbien 11
4.2.2 Bosnien 11
4.2.3 Westeuropa 11
5 Die Katharer 14
5.1 Ursprünge 14
Religion und Verbreitung der Katharer in Okzitanien 5.2 14
Umgang mit Katharern bis 1179 (III. Laterankonzil) 5.3 16
5.4 Der Albigenserkreuzzug 17
5.4.1 Anlass und Ursachen 17
5.4.2 Verlauf des Kreuzzuges 18
5.4.3 Verfolgung der Katharer nach dem Albigenserkreuzzug 19
6 Die Albigenser 21
7 Die Waldenser 22
7.1 Valdes und die ersten Waldenser 22
7.1.1 Die Armen von Lyon 22
7.1.2 Die lombardischen Armen 23
7.2 Die Waldenser im Zeitalter der Inquisition (ca. 1230-1500) 23
7.2.1 Frankreich 24
7.2.2 Deutschland 24
7.3 Die Waldenser heute 25
8 Verwendete Literatur 26
9 Bildnachweis 27
0 Einleitung
Diese Arbeit soll einen kurzen Überblick über einige verschiedene häretische Bewegungen der Spätantike und vor allem des Mittelalters geben. Außer den Waldensern (Kapitel 7) gibt es heute offiziell keine Anhänger dieser Bewegungen mehr.
In meinem ersten Kapitel werde ich mich mit den grundlegenden religiösen Anliegen dieser Gruppierungen/ Bewegungen befassen, welche einen roten Faden durch die Glaubensvorstellungen der präsentierten Gruppen darstellen sollen. Das zweite Kapitel befasst sich mit eingehender mit dem Manichäismus. Dieser war eine der stärksten häretischen Bewegungen der Spätantike bzw. des Frühmittelalters. Im dritten Kapitel werde ich kurz auf die Entstehung, das Leben und das Ende der Paulikaner eingehen.
Anschließend behandle ich im vierten Kapitel die Bogomilen, wobei ich hierbei einen besonderen Schwerpunkt auf die Bogomilenmission in Westeuropa gelegt habe. Das fünfte Kapitel beschreibt die Katharer, ihr Leben und Wirken, sowie ihre Position zur Katholischen Kirche. Ebenso wird hier auch auf den Albigenserkreuzzug eingegangen, wodurch das sechste Kapitel hier einiges aussparen kann. Überhaupt habe ich versucht diese beiden Kapitel eher kurz zu halten, da wir ja im Plenum zu dieser Thematik zwei ausführliche Dokumentationen gesehen und diskutiert haben. Trotzdem kommt auch die Darstellung der Katharer/ Albigenser in meiner Arbeit nicht zu kurz.
Im letzten inhaltlichen Kapitel beschäftige ich mich mit den Waldensern im Mittelalter. Einen besonderen Schwerpunkt habe ich hier auf die Lage der Waldenser im deutschsprachigen Gebiet und auf das Verhältnis der Waldenser zu den Katharern gelegt.
1 Das religiöse Anliegen
Eine Arbeit über häretische Gruppen der Spätantike und des Mittelalters kann kaum umhin die Gründe für die Entstehung eben dieser Häresien zu beleuchten. Hierbei möchte ich mich jedoch vorrangig auf theologische und nicht auf gesellschaftliche oder politische Gründe konzentrieren. Weiters muss unterschieden werden zwischen den „Ketzereien niederen Ranges“ 1 und den großen dialektischen Auseinandersetzungen der alten Reichskonzilien, wie etwa den Nestorianern, den Arianern, den Monophysiten und anderen. Ich möchte mich hier auf die erste Gruppe, auf die „einfachen Häresien“ beschränken und kurz drei Motive für die Entstehung von Häresien näher beleuchten:
Der erste Auslöser ist der Wunsch nach Rückkehr zu den Ursprüngen und zur Intensität der religiösen Erfahrung, des Glaubens und des Lebens. In den urchristlichen Gemeinden vermutete man eben diese Intensität, ob diese nun realistisch war oder eine geträumte Utopie, soll an dieser Stelle offen bleiben. 2
„Der zweite Auslöser ist ein menschliches Urverlangen, das dort seinen besonderen Platz hat, wo in irgendeiner Form an ein „Jenseits“ geglaubt wird: das Verlangen „sicher zu gehen“. Der Christ insbesondere will des von Christus versprochenen Heils sicher sein, und dies nicht nur in seinem Glauben, in einer theologischen Überzeugtheit, sondern in einer spürbaren, auch sinnlich spürbaren Gewissheit.
Der dritte Auslöser, der schwierigste von allen, weil er der Hoffnungslosigkeit so nahe steht, ist der Wunsch, mit der existenziellen Unsicherheit irgendwie fertig zu werden, und sei es auch nur theoretisch. Das bedeutet das Streben danach, des Bösen in der Welt und seiner Übermacht Herr zu werden. Dabei stellt sich die Frage, wie die Macht metaphysischer Art, die hinter dem Bösen zu stehen scheint, in den „Griff“ zu bekommen ist.“ 3
1 Vgl. Beck, Hans-Georg: Vom Umgang mit Ketzern. Der Glaube der kleinen Leute und die Macht der
Theologie, München: Beck 1993, 35.
2 Vgl. ebd., 36.
3 Ebd., 36.
2 Mani und die Manichäer
Im 3. Jh. trat im Zweistromland ein Mann auf, der die großen Weltreligionen Christentum, Zoroastrismus und Buddhismus zusammenfassen wollte, um dadurch dem Sassanidenreich eine Religion zu schenken. Dieses Reich hatte im Westen mit dem Christentum, vornehmlich gnostischer Prägung, im Osten mit dem Buddhismus und im Zweistromland selbst mit verschiedenen iranischen Religionen zu tun. Mani sollte es zwar schlussendlich nicht schaffen, seine Vorstellungen zu einer Staatsreligion zu machen, aber seine Missionskraft und die seiner Schüler verbreiteten sich einerseits bis nach Zentralasien und China, andererseits im gesamten römisch-griechischen Mittelmeerraum. Doch die Anhänger des Manichäismus wurden beinahe in all diesen Gebieten (außer China) verfolgt, sodass heute kaum noch Spuren dieser häretischen Bewegung zu finden waren. 4
Von der Jugend Manis jedoch gibt ein in Köln gefundener griechischer Papyruscodex (CMC = Codex Manichaicus Coloniensis) Auskunft, der auf eine syrische Grundlage zurückgeht und neben seiner Jugend auch seine Verselbständigung und die Anfänge seiner Mission schildert. Mani wurde am 14. April 216 geboren und sein Vater war Anhänger einer iranischen Täufersekte. Mani kam so schon früh in Kontakt mit judenchristlichen Kreisen. Dies lässt auch eine Erklärung für seine enge Verbindung zum gnostischen Christentum zu. 5 Sein Lebenslauf liest sich ähnlich den Evangelien, da viele Angleichungen zu Jesu Leben stattgefunden haben. Mani übte im gesamten persischen Reich und noch über dessen Grenzen hinaus eine intensive missionarische Tätigkeit aus, bis die persischen Herren ihm 277 (oder 274) ein jähes Ende setzten, doch lebten seine Gedanken und Überzeugungen durch seine Anhänger und Jünger fort.
Mani hatte schon früh eine Offenbarung erfahren und verstand sich fortan als der Nachfolger aller vorhergegangen Propheten, Christus eingeschlossen. Er wollte die von ihnen getätigten Botschaften vertiefen bzw. korrigieren und garantierte allen Anhängern die Erlösung. Ausgangspunkt für den Manichäismus ist wohl der von den Uranfängen herrührende Gegensatz zwischen Gut und Böse. Der „Vater der Größe“ kämpft mit dem Fürsten der Finsternis und dadurch kommt es zu einer Vermischung von Gut und Böse, von Licht und Finsternis. Der „Vater der Größe“ kann jedoch die Finsternis nicht besiegen und nur wenn die Menschheit die Gnosis, die Mani vermittelt annimmt und seine Vorschriften befolgt, wird das Licht endgültig siegen und der Urzustand wiederhergestellt. Die wichtigsten Vorschriften dieser Gnosis waren die Befleckung durch jemand anderen zu vermeiden (er könnte ja der
4 Böhlig, Alexander: Art. Manichäismus, in: TRE 22 (1992) 26.
5 Vgl. ebd., 28.
Finsternis entstammen) und alle Geschöpfe des Lichts zu achten. Auf diese Weise können einige die Vollkommenheit erlangen und werden damit zu einem Electus, zu einem Auserwählten. Diese bekommen das Siegel der Erwählung auf Mund, Hände und Brust, ihnen ist Geschlechtsverkehr, Arbeit, Besitz und der Verzehr von Fleisch untersagt. Die Mehrheit der Anhänger sind allerdings Auditores (Hörer), die für die Auserwählten sorgen müssen. Die Hörer erlangen nur stufenweise Läuterung und müssen dabei oft durch mehrere Menschenleben gehen.
Man weiß kaum etwas von den religiösen Riten oder einer kirchlichen Organisation der Manichäer und die Berichte, welche von Augustinus und Papst Leo dem Großem auf uns gekommen sind, tragen alle Kennzeichen religiöser Verleumdung an sich. Die Sekte verbreitete sich seit dem 3. Jahrhundert recht schnell im Westen und Osten. Der Verfall beginnt im Westen durch Augustinus und Papst Leo. Im Osten allerdings hat der Manichäismus noch bis weit in das 6. nachchristliche Jahrhundert hinein Bestand. Obwohl es oftmals so zu lesen ist, kann der Dualismus späterer Jahre (Paulikaner, Katharer,…) nicht als Manichäismus bezeichnet werden, da er kaum auf kosmisch-gnostische Spekulationen rückführbar ist.
Das religiöse Anliegen der Manichäer war der Kampf gegen alles Böse und das Fundament dazu war ein sehr verstrickter Mythos. Die Sexualmoral der Manichäer war eine Absage zur Fortdauer der Menschheit und schon bald erkannten die manichäischen Lehrer, dass die Gruppe der Electi immer klein bleiben wird, da die strengen Vorschriften bei der Bevölkerung auf wenig Gegenliebe stieß. Aus diesen Überlegungen heraus wurde eine zweite Gruppe, die Hörer, eingeführt. Dies hatte jedoch unweigerlich ein Elitedenken zur Folge, welches damit schon von vornherein das Misslingen dieser Sekte mit sich brachte. Religionsgeschichtlich betrachtet ist es für religiöse Bewegungen aller Art immer ungünstig, eine Gruppe in Vollkommene und Unvollkommene aufzugliedern, da die Vollkommenen schließlich in der Masse der Unvollkommenen untergehen und damit das Zentrum des Glaubens stirbt. Wenn man die Manichäer und ihre menschenfeindliche Sexualmoral nun näher betrachtet, fällt auf, dass die Vernichtung der Materie (der Menschen) Hauptprogrammpunkt ist, weil nur so das Licht endgültig freigesetzt werden kann und die Finsternis ausstirbt. Dies war das eigentliche Endziel und diesem musste alles untergeordnet werden, am Ende auch die eigene Religion.
Im 7. Jahrhundert kam der Manichäismus in China nochmals zu einer Blüte, wo er aber aus denselben Gründen wie schon Jahrhunderte zuvor im 14. Jahrhundert endgültig erlosch. 6
6 Vgl. Beck, Vom Umgang mit Ketzern, 67-69.
3 Die Paulikaner
3.1 Entstehung und die frühen Paulikaner
Wie schon erwähnt, wurden oftmals die Vertreter einer kosmisch-gnostischen Zweiprinzipienlehre als Manichäer abgestempelt. Dies entspricht jedoch ganz und gar nicht der Wahrheit. Eine der wichtigsten Strömungen, welche besonders von den orthodoxen Häresiologen lange Zeit als Manichäer bezeichnet wurde, ist die der Paulikaner. Die Paulikaner treten zunächst zu Beginn des 8. Jahrhunderts im Nordosten und Osten Kleinasiens auf, in den Grenzregionen des ehemaligen Römischen Reiches, dem heutigen Staatsgebiet von Armenien. In diesen Teilen Kleinasiens siedelten neben Persern und Arabern vor allem Griechen und Armenier, welche sich zu den Monophysiten bekannten. Dies bedeutet, dass sie die griechische Orthodoxie nicht anerkannten und selbstständige Riten praktizierten.
Über die Entstehung des Namens dieser häretischen Gruppe gibt es viele Meinungen, am wahrscheinlichsten ist eine Benennung im Anschluss an den Namen des Apostels Paulus. Die Lehren und Schriften des Apostels Paulus bildeten das Fundament dieser Sekte, wobei hierbei eine gänzlich andere Auslegung Verwendung fand, als etwa im Westen oder in der Orthodoxie. 7
Die Paulikaner distanzierten sich von Anfang an von den Manichäern und auch ihr Lehrsystem unterschied sich nicht unwesentlich von der echten manichäischen kosmigonischen Mythenwelt.
Der erste berühmte Vertreter dieser Bewegung war ein gewisser Konstantinos, der mit einer enormen Kenntnis der Evangelien und der paulinischen Briefe den geistigen Grundstein der Paulikaner legte. Schon früh werden Ideen früherer Zeit wieder aufgegriffen, wonach ein großer Gegensatz zwischen Altem und Neuem Testament bestünde. JHWH, der Gott des Alten Testaments ist Urheber alles Bösen und Schlechten und zeigt dies durch seine rauen Gesetze und der unerbittlichen Gerechtigkeit, JHWH hat mit dem Gott des Neuen Testaments, mit dem Vater Christi nichts zu tun. Die Gesetze des Alten Testaments wurden verworfen und Parallelen zum Neuen Testament geleugnet. Überhaupt nahmen die Paulikaner es nicht so ernst mit der Bibelüberlieferung, was sich darin manifestiert, dass gewisse Passagen, welche nur schlecht mit dem paulikanischen Lehrsystem zu vereinen gewesen wären einfach
7 Vgl. Runciman, Steven: Häresie und Christentum. Der mittelalterliche Manichäismus. Übersetzt von Heinz
Jatho, München: Wilhelm Fink Verlag 1988, 79-81.
umgedeutet oder gänzlich gestrichen worden sind. 8 Sakramente, die Bilder- und die Kreuzesverehrung wurden vehement abgelehnt oder einfach umgedeutet. 9
3.2 Paulikaner des 9. Jahrhunderts nach griechischen Quellen
Die Paulikaner des 9. Jahrhunderts konnten auf eine durchgehende Reihe von Oberhäuptern zurückgreifen, welche sie Lehrer (Didaskaloi) nannten. Diese Lehrer hatten vor allem in dieser Spätzeit Helfer, die jedoch gleich wie die Didaskalen nicht als Priester auftraten. Ebenso sind uns heute keine Berichte von Initiationsriten bekannt. Diese Helfer führten neutrale Bezeichnungen wie Notare oder Weggefährten (Synekdemoi). Nur wenige dieser Didaskaloi sind uns heute noch namentlich bekannt, wie etwa Sergios (ca. 800-835), der viele Schriften verfasste, welche sich mit bibelexegetischen Fragen beschäftigten. Eine der wichtigsten Quellen für die Geschichte der Paulikaner ist Petros Sikeliotes. Dieser hielt sich längere Zeit im Auftrag Kaiser Basileios I. bei den Paulikanern auf und schrieb seine Erfahrungen nieder. Seine Darstellungen sind jedoch nur mit großer Zurückhaltung aufzunehmen, da viele Elemente eine große Polemik aufweisen. Sein Bericht beginnt mit der Aufreihung der Didaskalen. Darauf folgt eine lückenhafte Chronik der Geschichte der Paulikaner. Auch die oströmischen kaiserlichen Archive in Byzanz geben Auskunft über Untersuchungsrichter, welche die Vollmacht besaßen, über Paulikaner und deren häretische Gedanken zu richten und auch Todesurteile vollziehen zu lassen. Andererseits berichtete Sikeliotes auch von Didaskalen, die nach Byzanz zitiert wurden und so geschickt vor dem Kaiser verhandelten, dass dieser sie unbehelligt ziehen ließ. 10 „Besonders unerfreulich werden die Verhältnisse erst unter Kaiserin Eirene (780-802). Sie versuchte, den Bilderkult zu restaurieren, und stieß dabei auf den aufrührerischen Widerstand einzelner Truppenteile, die sich dem Erbe des siegreichen Kaisers Konstantinos V. (741-775) verpflichtet wussten, der wohl der energischste Gegner der Bilderverehrung war. Teile dieser Truppen, von den Todesdrohungen der Kaiserin verfolgt, setzten sich zu den Paulikanern ab und brachten unversehens in die ansonsten friedliche Sekte eine bald dominant werdende kriegerische Note.“ 11
In dieser Zeit wurde der oben genannte Sergios Didaskalos. Er war ein ehemaliger Orthodoxer und wurde von einer Frau zum Paulikanismus bekehrt. Er wollte vom Militarismus der Sekte nichts wissen und predigte gegen diese. Er war vermutlich der letzte
8 Vgl. Beck, Vom Umgang mit Ketzern, 70-71.
9 Vgl. Gelmi, Josef: Art. Paulicaner, in: TRE 26 (1996) 128.
10 Vgl. Runciman, Häresie, 54-56.
11 Beck, Vom Umgang mit Ketzern, 72.
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Mag. Marc Neumeister, 2006, Häretische Bewegungen der Spätantike und des Mittelalters und die Inquisition gegen sie, München, GRIN Verlag GmbH
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